Völkermord verjährt nicht
Herero-Sprecher Kaunatjike: „Sie werden uns nicht bremsen können“

“Die deutsche Schutztruppe brachte die abgetrennten Köpfe zu den Herero-Frauen und zwang sie, sie zu reinigen, damit sie wie Eier fein säuberlich in Kartons nach Deutschland transportiert werden könnten, beschreibt Muinjangue. Es konnten die Köpfe ihrer Ehemänner, Brüder oder Schwestern sein.”

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Berlin (nex) – Im Schatten der Bundestagsabstimmung zur Armenien-Resolution am vergangenen Donnerstag fand vor dem Bundestag eine von Medien und der Gesellschaft vollkommen ignorierte Kundgebung statt.

Auf dieser Kundgebung rief das zivilgesellschaftliche Bündnis “Völkermord verjährt nicht!” die Bundesregierung dazu auf, den deutschen Völkermord an den Herero und Nama offiziell anzuerkennen und die Nachfahren der Opfer des Genozids um Entschuldigung zu bitten. Da diese Bewegung aber nicht wie etwa die armenische über eine mächtige internationale Lobby verfügt, bleibt das Interesse der hiesigen Medien, Politiker und Gesellschaft aus.

(Foto: nex24)

„Unsere Anliegen werden ignoriert“, so der Sprecher der Herero und Nama-Nachfahren Israel Kaunatjike in einem Gespräch mit NEX24. „Sie werden uns aber nicht bremsen können.“

Man rücke die Schädel seiner Vorfahren unter fadenscheinigen Gründen nicht raus.

Um die angebliche Minderwertigkeit der Afrikaner zu belegen, brachten die Deutschen aus ihrer damaligen Kolonie Schädel und Gebeine Einheimischer nach Berlin. Der Historiker Jürgen Zimmerer, der sich seit Jahren mit der Kolonialgeschichte befasst, geht davon aus, dass damals über 1000 menschliche Überreste nach Deutschland gelangten, deren Reste teilweise bis heute in Archiven, Magazinen und Kliniken lägen, berichtet Deutschlandradio Kultur.

Die Geschichte der Schädel, das sei bis heute ein Trauma für ihr Volk, empört sich Ester Utjiua Muinjangue, Angehörige der Volksgruppe der Herero aus Namibia.

„Die deutsche Schutztruppe brachte die abgetrennten Köpfe zu den Herero-Frauen und zwang sie, sie zu reinigen, damit sie wie Eier fein säuberlich in Kartons nach Deutschland transportiert werden konnten, beschreibt Muinjangue. Es konnten die Köpfe ihrer Ehemänner, Brüder oder Schwestern sein.“

Der seit 1970 in Berlin lebende Herero-Nachfahre Israel Kaunatjike fordert außer einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung die viel stärkere Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Genozid als bisher.

Die Bundesregierung habe die Forschung an menschlichen Gebeinen, die im kolonialen Unrechtskontext nach Deutschland deportiert worden seien und nicht der Rückgabe an die Herkunftsgesellschaften dienten, zu unterbinden. Die Aufstellung riesiger rasseanthropologischer Sammlungen mit den sterblichen Überresten tausender Kolonisierter und Widerständiger aus aller Welt sei eines der düstersten Kapitel der europäischen Wissenschaftsgeschichte, lässt das Bündnis in der Pressemitteilung verlautbaren.

Vor dem Hintergrund der daran anknüpfenden Verbrechen der NS-Wissenschaft komme der Bundesrepublik hierbei eine besondere historische Verantwortung zu.

“Wir kämpfen für eine Wiedergutmachung und Anerkennung des Völkermordes”

Im Gegensatz zu den Armeniern würden sich die Nachfahren der Völkermordopfer von der Bundesregierung nicht ernst genommen fühlen, kritisierte der Sprecher der Berliner Nichtregierungsorganisation, Kaunatijke, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: “Wir werden einfach diskriminiert und als zweite Klasse behandelt.”

Die UNO erkannte bereits 1948 den Völkermord an den Herero und Nama an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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