Muslimbrüder
Trotz Druck aus Ägypten und Saudi Arabien Muslimbruderschaft in Großbritannien nicht verboten

Die islamisch-konservative Organisation spielte bei der ägyptischen Revolution eine bedeutende Rolle. Schließlich sollte der Muslimbruder Muhammed Mursi zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes werden.

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London (eurasia/nex) – Einige Mitglieder der religiösen Organisation Muslimbruderschaft haben Gewalt befürwortet und die Mitgliedschaft kann ein Indikator für Extremismus sein. Verboten werden soll die Organisation in Großbritannien dennoch nicht, erklärte die britische Regierung am Donnerstag.

Nach der Veröffentlichung eines umstrittenen Überprüfungsberichts über die Aktivitäten der wohl ältesten islamischen Organisation des Nahen Ostens und politischen Opposition in Ägypten hat auch der britische Premierminister David Cameron vor extremistischen Zügen innerhalb der Muslimbruderschaft gewarnt, aber es abgelehnt die nach wie vor bedeutende politische Bewegung im eigenen Land zu verbieten.
Die Veröffentlichung des Berichts wurde in der Vergangenheit immer wieder aufgeschoben. Der Bericht wurde im April dieses Jahr von David Cameron angeordnet. Die Leitung für den Überprüfungsbericht erhielt der ehemalige britische Botschaft zu Saudi Arabien, Sir John Jenkin.
Der Schritt erfolgte im Zusammenhang mit der Auflistung der Organisation in Saudi Arabien als terroristische Vereinigung.
„Das Hauptergebnis des Berichts unterstützt die Schlussfolgerung, dass eine Mitgliedschaft bei der Muslimbruderschaft ein Indikator für Extremismus sein sollte“, bemerkte Camerovn.
Der konservative Partei-Chef fügte hinzu, dass die Aktivitäten der Gruppe beobachtet werden. Er begründete das Vorgehen damit, dass einige Vertreter der Muslimbruderschaft das Vereinigte Königreich manchmal als Islam feindlich eingestellt denunzieren würden. Auch griff er die Unterstützung der Muslimbruderschaft für die Hamas-Organisation in den Palästinensergebieten an.
„Aspekte der Ideologie der Muslimbruderschaft und ihre Aktivitäten laufen den britischen Werten zuwider […]“, sagte Cameron.
Ein ausstehendes Verbot der sunnitisch geprägten Muslimbruderschaft, die in London stark organisiert ist und wo zahlreiche Funktionäre nach 2013 flohen, dürfte die mächtigen regionalen Verbündeten Großbritanniens Ägypten, Saudi Arabien und die Vereinigte Arabischen Emirate, die die Bewegung wegen ihrer anti-monarchischen Einstellung vehement bekämpfen, verstimmen. Alle drei Regierungen haben die Organisation als terroristische Vereinigung gelistet.
Die Muslimbruderschaft selbst wies den britischen Überprüfungsbericht als „fehlerhaft“ ab. In einem Statement heißt es:

„Wenn Großbritannien friedliche Proteste und Aktivitäten, die den Militärputsch [von 2013], das Töten von Zivilisten, die Verhaftung und das Verschwinden von Aktivisten ablehnen, als extremistisch betrachtet, dann ist der Bericht zweifellos fehlerhaft.“

Die Muslimbruderschaft fügte hinzu, dass sich ihre Bewegung für einen friedlichen Aktivismus engagiere und das britische Gesetz respektiere.
Die islamisch-konservative Organisation spielte bei der ägyptischen Revolution eine bedeutende Rolle. Schließlich sollte der Muslimbruder Muhammed Mursi zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes werden. 2013 wurde der Politiker schließlich vom Militär unter General und nunmehr amtierenden Präsidenten Abdelfattah al-Sisi gestürzt.
Zu kritisieren bleibt, dass sich die Muslimbruderschaft während ihrer nur kurzen Regierungszeit alles andere als besonders erfahren und kompetent erwiesen hat, das Land zu stabilisieren. Sie vermochte es nicht, dass Ägypten, welches allerdings auch unter al-Sisi noch heute unter wirtschaftliche Probleme leidet, in ruhigere Fahrwasser zu lotsen.
Nichtsdestotrotz gibt es erhebliche Hinweise darauf, dass Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Organisation aus Angst vor ihrem wachsenden Einfluss systematisch unterminierten und den Sturz unterstützten.

 

 

Erschienen auf eurasianews.de

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