Kommentar
Die USA, der IS und Saudi-Arabien

Von Ernst Wolff

Wie sein Vorgänger Obama hat auch US-Präsident Trump die Vernichtung des IS (Daesh) zu einer seiner vordringlichsten Aufgaben erklärt. Die Mitglieder der Terrororganisation müssten «ausradiert werden und von der Oberfläche der Erde verschwinden». Ihre Verbrechen seien so schwerwiegend, dass auch der Einsatz von Folter gegen sie gerechtfertigt sei.

Wie bereits sein Vorgänger Obama hat Präsident Trump weder im Wahlkampf noch seit seiner Amtseinführung auch nur ein einziges Wort gegen das Herrscherhaus in Saudiarabien gerichtet, obwohl dessen systematische Menschenrechtsverletzungen mit denen des IS verglichen werden können. Unter dem Regime des Hauses von Saud sind die Amputation von Gliedmassen, das Köpfen, das Erhängen und die Steinigung als Strafe für Vergehen gegen die fundamentalistisch ausgelegten Vorschriften der Scharia an der Tagesordnung.

Dass die USA den IS und das saudische Königshaus unterschiedlich behandeln, hat seinen Grund: Saudiarabien ist seit Jahrzehnten der engste Verbündete der USA im Nahen Osten und geniesst deshalb trotz aller Verbrechen Washingtons uneingeschränkte Solidarität.

Interessant ist neben der doppelten Moral, die sich hinter dieser Politik verbirgt, die Tatsache, dass der IS und Saudiarabien ausser ihrem religiösen Fanatismus und ihrer Verachtung für die Menschenrechte eine entscheidende Gemeinsamkeit aufweisen: Beide wären ohne das Mitwirken der USA nicht zu dem geworden, was sie sind. Ausserdem besteht zwischen beiden eine aufschlussreiche Wechselbeziehung.

Saudiarabien – Seit Jahrzehnten wichtigste internationale Stütze des US-Dollars

Das 1932 gegründete Saudiarabien ist nicht nur wegen seiner riesigen Erdölvorkommen einer der weltweit wichtigsten Verbündeten der USA. Es ist seit der Mitte der Siebziger Jahre einer der Eckpfeiler des vom US-Dollar beherrschten globalen Finanzsystems.

Nach der Aufhebung der Bindung des Dollarwerts an das Gold im Jahre 1971 und dem Ende der festen Wechselkurse 1973 geriet die Rolle des US-Dollars als Weltwährung Nr. 1 in Gefahr. Zwar hatte er seinen Status als Leitwährung seit der Konferenz von Bretton Woods (1944) bis in die letzten Winkel der Erde durchsetzen können, doch seine Entkoppelung von einem festen Wert – dem Gold – hatte ihn zu einer «Fiatwährung» (einer ungedeckten Währung) und damit zu einem schwer kalkulierbaren Risiko fürs globale Finanzsystem gemacht.

Um diesen Zustand zu beenden, schlossen die USA Mitte der Siebziger Jahre ein historisches Abkommen mit Saudiarabien: Dessen Herrscherhaus wurde von den USA verpflichtet, innerhalb der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) dafür zu sorgen, dass Erdöl – die weltweit meistgehandelte Ware – nur noch in US-Dollar gehandelt wird (der sogenannte «Petro»-Dollar). Ausserdem sollte es die eigenen Dollar-Überschüsse fortan als Staatsanleihen in den USA investieren. Im Gegenzug garantierten die USA dem Herrscherhaus von Saud Schutz vor seinen Feinden (im Ausland insbesondere vor Israel, Syrien und dem Iran, im Inland vor den eigenen Untertanen) und fast unbegrenzte Waffenlieferungen.

Für die Finanzelite der USA war es in dreifacher Hinsicht ein lukrativer Deal: Erstens sorgte die Bindung des Öls an den US-Dollar dafür, dass dem Dollar neben seiner Rolle als globale Leitwährung auch noch die – viel wichtigere – Rolle der globalen Reservewährung zufiel. Da sämtliche Länder der Erde auf Öl als Energieträger angewiesen sind, müssen seither fast alle über ausreichende US-Dollar-Reserven verfügen. Zweitens spülten die saudischen Käufe von Staatsanleihen Billionenbeträge in die US-Staatskasse, die wesentlich zur Führung weiterer Kriege (z.B. in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Libyen, Syrien, Jemen) genutzt werden konnten. Und drittens erhielt die US-Rüstungsindustrie durch den Pakt einen ihrer zahlungskräftigsten Dauerkunden.

Für das Herrscherhaus von Saud hat sich der Deal ebenfalls gelohnt: Bis an die Zähne bewaffnet und mit der stärksten Militärmacht der Erde im Rücken konnte es mit der Ausbeutung von neun Millionen unterbezahlten und zum Teil unter katastrophalen Verhältnissen lebenden Fremdarbeitern weiterhin ungestört sagenhafte Reichtümer anhäufen und gleichzeitig jegliches Aufbegehren gegen die eigene mittelalterliche Herrschaft gewaltsam im Keim ersticken.

Die Verbindung zwischen den USA und Saudiarabien kennt also zwei Gewinner: Die Finanzelite der USA und das Herrscherhaus der wohl rückständigsten absoluten Monarchie auf der Erde.

Der IS entstand auch mit Hilfe der USA

Der IS, zeitweilig auch als ISIS (Islamischer Staat in Syrien) bekannt, ist nicht einfach eine Folgeerscheinung eines ausser Kontrolle geratenen Bürgerkrieges in Syrien. Der IS ist wesentlich das Produkt eines von den USA geförderten Versuchs des Regime-Wechsels in Damaskus. Zwar hat dessen Geschichte mit inneren Auseinandersetzungen in Syrien begonnen, doch wären diese ohne das Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten längst versiegt und versandet.

Das syrische Assad-Regime ist den USA seit langem ein Dorn im Auge. Als Verbündeter des Iran und der Hisbollah-Bewegung und wegen seiner politischen Nähe zu Russland und China steht es dem Versuch der dauerhaften Unterwerfung des ölreichen Nahen Ostens unter die geo-strategischen Interessen der USA, unter anderem dem Bau von Pipelines im Weg. Aus diesem Grund bemüht sich Washington seit längerem um den Sturz der politischen Führung des Landes.

So lange aber dieses Ziel, ein pro-westliches Regime in Damaskus zu installieren, nicht zu erreichen ist, verfolgen die USA ihre seit mehr als einem Jahrhundert bewährte Strategie der Destabilisierung und unternehmen alles, was in ihrer Macht steht, um dem bestehenden Regime zu schaden. Dazu gehört in erster Linie die Förderung all der Kräfte, die gegen Präsident Assad kämpfen.

Dabei ist es den USA ziemlich gleichgültig, welchen politischen Hintergrund die von ihnen unterstützten Gruppierungen haben. So haben sie neben der Freien Syrischen Armee auch radikal-islamische Gruppierungen wie Al Nusra sowie den im Irak gegründeten ISIS im ihrem Kampf gegen Assad unterstützt. Und das, obwohl ISIS sich zu Beginn seiner Aktivitäten hauptsächlich aus Mitgliedern der Al Qaida rekrutierte – also der Organisation, die von Washington für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht wird.

Die doppelte Spiel, das die USA in Syrien treiben, hat damit einen Hintergrund, der uns wieder zu ihrem wichtigsten Verbündeten, Saudiarabien, führt: Der Krieg, den die Sowjetunion 1979 zur Unterstützung eines ihr gewogenen Regimes in Afghanistan begonnen hatte, führte nämlich dazu, dass sich radikal-islamische Kräfte (Mudschaheddin und Islamische Brigaden Afghanistans) gegen die russischen Angreifer formierten. Diesen Widerstand griffen die USA mit Hilfe der CIA auf und unterstützten die Bildung der Al Qaida, die damals aus diesen radikal-islamischen Kräften hervorging. Langjähriger Führer der Al Qaida und Verbündeter der USA war ein milliardenschwerer saudi-arabischer Bauunternehmer namens Osama bin Laden.

Der wahre Grund für das Doppelspiel: Geld, Macht und das globale Finanzsystem

Nach ideologischen oder gar moralischen Gründen für die Politik der USA und ihrer Verbündeten im Nahen Osten zu suchen, ist vergebene Mühe. Es geht Washington beim Wechsel zwischen Allianzen und Feindschaften in erster Linie um Geld, Öl und geopolitische Macht.

Eine besondere Rolle fällt hierbei den grossen Medien zu, die im Wesentlichen dem jeweiligen (und sich oft selbst widersprechenden) Kurs der US-Regierung folgen. Es fällt beispielsweise auf, dass über die Unmenschlichkeit des Herrscherhauses nur selten informiert wird, über den Krieg gegen den Nachbarstaat Jemen wird nur spärlich berichtet, und Tatschen wie die, dass 15 der 18 Terroristen bei den Anschlägen auf das World Trade Center saudiarabische Staatsbürger waren, werden grosszügig übergangen.

Aktuellster Beweis für die Sonderbehandlung Saudiarabiens: Donald Trump hat beim Einreiseverbot für Angehörige muslimischer Staaten ausgerechnet Saudiarabien ausgenommen.

Das Einreiseverbot für Menschen aus sieben armen muslimischen Ländern verhindert keine Anschläge, sondern bereitet den Boden für solche Anschläge. Mit den Anschlägen wiederum wird auch in Zukunft die Kriegspolitik im Nahen Osten gerechtfertigt.

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Kommentar: Donald Trump – Ein Trojanisches Pferd der kommenden Finanz-Militärdiktatur?

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg. Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Ausland
Türkei: Mutmaßlicher Mörder des russischen Kampfjet-Piloten bekommt fünf Jahre

Izmir (nex) – Ein Gericht in der westtürkischen Stadt Izmir hat den mutmaßlichen Mörder eines russischen Kampfpiloten wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie unerlaubten Waffenbesitzes zu fünf Jahren Haft verurteilt. „Das Gericht behandelte den Fall zur Beteiligung Celiks am Mord des russischen Piloten Peschkow noch nicht, die diesbezüglichen Ermittlungen laufen noch“, zitiert das Nachrichtenportal Sputnik Celiks Anwalt. Alparslan Celik, der vermutlich am 24. November 2015 einen russischen SU-24 im türkischen Luftraum abgeschossen hatte, war vor Gericht gestellt worden, nachdem mehrere Waffen bei ihm, in seinem Haus und Fahrzeug sichergestellt worden waren. Beide Piloten an Bord des abgeschossenen russischen Kampfjets landeten mit ihren Fallschirmen auf syrischem Boden, wobei einer der Piloten erschossen wurde. Im Zuge der Verhandlungen erklärte Celik seinen Untergebenen den Befehl zum Nichtschießen gegeben zu haben. Als Kommandeur habe er jedoch die Verantwortung auf sich genommen. Nach dem Absturz des Kampfjets hatte Celik in einem Video die Tötung des Piloten verteidigt – dieser habe Bomben auf Turkmenen abgeworfen, so Celik. „Vergeltung zu üben ist das natürlichste Recht“, erklärte er und fügte hinzu:“In der Vergeltung ist Leben.“ Celik und weitere 17 Verdächtige wurden angeklagt, nachdem bei Durchsuchungen in ihren Häusern und Fahrzeugen Ende März fünf automatische Gewehre, vier Pistolen und zwei Walkie-Talkies sichergestellt worden waren.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets vonseiten der Türkei wegen der Verletzung des nationalen Luftraums hatte Moskau verschiedene Maßnahmen gegen Ankara ergriffen, darunter auch das Importverbot für türkische Landwirtschaftsprodukte sowie die Beendigung des visafreien Reisens für Türken.

Seit vergangenem Sommer lockert Russland jedoch die Maßnahmen. Es hat bereits das Importverbot für einige Produkte, insbesondere für Zitrusfrüchte, aufgehoben.

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Aktivist im russischen TV: FETÖ steht hinter Abschuss des Su-24-Kampfjets
   

Arbeiterrechte
Entwicklungspolitikexpertin fordert Transparenz von Modeunternehmen Hugo Boss

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Berlin (ots) – Die Entwicklungspolitikexpertin Gisela Burckhardt hat anlässlich der Hauptversammlung des Modeunternehmens Hugo Boss am Dienstag scharfe Kritik an der fehlenden Transparenz in dessen Lieferkette geübt. „Wir fordern die Offenlegung der Lieferkette und zwar en detail: Wie heißt die Fabrik, welche Produkte werden dort hergestellt, wie heißt die Muttergesellschaft, wem gehört sie und wo befindet sich der Stammsitz?“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsorganisation FEMNET, die auch in der Kampagne für saubere Kleidung aktiv ist, im Interview mit der Tageszeitung „neues deutschland“. Neben dem Textildiscounter Kik gehöre auch der Luxusmodeanbieter Boss zu den Unternehmen, die in Sachen Offenheit „noch deutlich hinterherhinken“. Burckhardt kritisierte ferner die Orientierung des Unternehmens am Mindestlohn, sowohl in Deutschland als auch in Produktionsländern wie Bangladesch und Indien. Gerade ein Anbieter mit gehobenem Sortiment wie Hugo Boss müsste sich aber existenzsichernden Löhnen orientieren.

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Wissenschaft
Türkei: Studierende der Kayseri-Universität entwickeln mit Pupillen steuerbaren Rollstuhl

Kayseri (nex) – Drei Studierende der Universität Erciyes in der zentraltürkischen Provinz Kayseri haben einen Rollstuhl entwickelt, der sich mit den Pupillen des Nutzers bedienen lässt. Die Erfindung ist ein Hoffnungsschimmer für gelähmte Menschen. Die drei Elektrotechnik-Studierenden Alperen Kara, Kübra Uyanik und Osman Nuri Koc sind die Erfinder des Prototypen, der sich mit den Pupillen bedienen lässt. Das Novum wird insbesondere jenen Menschen die Lebensbedingungen erleichtern, die zwar ihre Augenlider nicht bewegen können, aber Kontrolle über ihre Pupillen haben. Es gehe ihnen bei der Entwicklung des Projekts hauptsächlich um Menschen, die vom Nacken abwärts gelähmt seien, so die Verantwortlichen der Universität. Und so funktioniert der Rollstuhl: Das System arbeitet parallel zu den Pupillenbewegungen des Nutzers sowie einer an einen Helm oder eine Brille angebrachten Kamera. Wenn die Kamera die Bewegung registriert, übermittelt sie dieses Signal an den speziell angefertigten Rollstuhl. Die Arbeit am Prototypen werde nach Angaben des Studenten Alperen Kara von TÜBITAK, der Türkischen Anstalt für Wissenschaftliche und Technologische Forschung, unterstützt. „Wir haben diesen Prototypen für Querschnittsgelähmte und Menschen mit Multipler Sklerose entwickelt“, betont er und fügt hinzu: „In der Türkei haben wir Rollstühle, die durch Augenzwinkern bedient werden, aber dieser hier wird den Patienten sogar noch mehr nützen.“

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Türkei: Bilgi-Universität Istanbul wird offizieller Partner des CERN-Projekts

Bundestagswahl 2017
Einwanderungsgesetz: Europaparlaments-Vize wirft Union „bockige Verweigerungshaltung“ vor

Osnabrück (nex) – Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, hat der Union beim Thema Einwanderung eine „bockige Verweigerungshaltung“ vorgeworfen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ forderte der FDP-Politiker eine gesetzliche Regelung: „Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz für eine intelligente Steuerung der Zuwanderung.“ Die ablehnende Haltung von CDU und CSU trenne sie von der FDP. Angesprochen auf mögliche Koalitionen sagte Lambsdorff, in wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen sowie der Energiepolitik stünden sich CDU und FDP näher, bei der Einwanderung aber SPD und FDP. Lambsdorff, der für den Bundestag kandidiert, wollte sich nicht auf Koalitionen nach der Bundestagswahl festlegen. Das Ziel der FDP sei, im September wieder in den Bundestag einzuziehen: „Wenn es uns gelingt, unsere Themen erfolgreich zu vertreten, kann die FDP eine Koalition eingehen. Wenn uns das nicht gelingt, machen wir Opposition.“

"Öffnung nach außen"
Wahlen in Iran: Islamwissenschaftlerin sieht Reformkurs bestätigt

Köln (nex) – Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur sieht den Reformkurs des Iran nach der Wiederwahl von Präsident Hassan Ruhani bestätigt. „Eine Wiederwahl ist ja in der Hinsicht noch wichtiger als eine Erstwahl, da sie einen Weg, der bereits eingeschlagen ist, legitimiert und stützt“, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Ruhani habe verstanden, dass Reformen notwendig seien. Er stehe für eine Öffnung nach außen und auch im Inneren. Andererseits seien keine immens großen Veränderungen in der Politik zu erwarten. „Denn Ruhani hat dazu nicht die Macht. Er ist nicht der mächtigste Mann im Staat, legt nicht die großen Linien der Politik fest, sondern der oberste religiöse Führer Ajatollah Chamenei“, sagte die an der Universität Hamburg lehrende Islamwissenschaftlerin. „Chamenei kommt die Richtlinienkompetenz im iranischen System zu. Hier wird sich also nicht viel ändern.“

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Wählen ab 16: Ruf nach Senkung des Wahlalters bei Bundestagswahlen wird lauter in der SPD

Tierschutz
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer (Grüne) kritisiert Tierrechtsorganisationen

Meyer: Diffamierung eines ganzen Berufsstandes  Osnabrück (nex) –  Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat Tierrechtsorganisationen wie Peta für heimliche Filmaufnahmen in Ställen kritisiert. Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Die Kontrolle von tierhaltenden Betrieben ist Sache des Staates und nicht von jedermann.“ Er nehme die Sorge von Landwirten „sehr ernst“, von „manipulierten und einseitigen Filmaufnahmen“ betroffen zu sein, so Meyer. Zuletzt waren auch Bilder aus Betrieben veröffentlicht worden, die sich im Tierwohlbereich engagieren. Es sei ein Bärendienst für den Tierschutz gerade diese Betriebe öffentlich in Misskredit zu bringen, sagte der Minister. Der Grünen-Politiker erinnerte daran, dass es manchen Organisationen gar nicht um die Verbesserung der Tierhaltung gehe, sondern um deren Abschaffung. Meyer: „Da sollen Skandalbilder also gar nicht dem Stopp einzelner Missstände dienen, sondern vielmehr zur Diffamierung eines ganzes Berufsstandes und vieler Anstrengungen für mehr Tierwohl missbraucht werden.“
Tierschutzbund fordert sofortiges Verbot des Kükentötens

Wirtschaft
Konzernvorstände: 85% glauben an unveränderten Fortbestand der EU

Neue McKinsey-Studie: Unternehmen rechnen mit 2% Wachstum in der EU und Umsatzplus von 2,1% Brüssel/Düsseldorf (ots) – Die Wirtschaft in Europa befindet sich auf Erholungskurs, entsprechend optimistisch blicken Konzernvorstände in die Zukunft. In den kommenden fünf Jahren rechnen sie in der Europäischen Union (EU) mit einem jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 2% und einem Umsatzplus von durchschnittlich 2,1% im eigenen Unternehmen. Höhere Investitionen könnten Bruttoinlandsprodukt Europas bis 2030 um eine Billion Euro steigern Deutsche Unternehmen liegen mit ihren Wachstumserwartungen für Europa im Schnitt aller befragten Firmen. Sie sind für ihren eigenen Umsatz mit einem erwarteten Plus von 2,7% aber deutlich optimistischer als ihre europäischen Wettbewerber. Dies sind Ergebnisse der Studie „European Business: Overcoming uncertainty, strengthening recovery“, die das McKinsey Global Institute (MGI) am Montag beim European Business Summit in Brüssel vorgestellt hat. Das MGI hat für die Studie über 2.000 Vorstände von Unternehmen in den sechs bevölkerungsreichsten EU-Ländern befragt. Neben Deutschland waren dies Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien. Die Befragung erfolgte vor der Frankreich-Wahl, als noch Unsicherheit über den neuen französischen Präsidenten herrschte. Überwiegend Vertrauen in Fortbestand der Europäischen Union Die große Mehrheit (85%) der Vorstände geht in der Umfrage davon aus, dass die EU als politische Institution in Takt bleibt. Allerdings sind die Meinungen darüber geteilt, wie sich die Eurozone weiterentwickeln wird: 51% rechnen damit, dass die Eurozone in den nächsten Jahren kleiner werden oder sich gar auflösen wird. Die übrigen 49% rechnen hingegen damit, dass der Status Quo erhalten bleibt und sich die Integration fortsetzen wird. Überwiegend Vertrauen in Fortbestand der Europäischen Union Die Mehrheit der Befragten (55%) sieht die Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung für ihre Unternehmen positiv. 54% geben an, dass ihr Unternehmen von der EU profitiert habe. Größere Unternehmen stimmen dieser Aussage in stärkerem Maße zu als kleine. Über 60% der Befragten sprachen sich für „mehr Europa“ aus hinsichtlich zentraler politischer Entscheidungen und Ausgaben der EU. Unternehmen halten sich mit Investitionen noch zurück „Hinter uns liegt mit der Finanzkrise nach 2007 und der Rezession 2012 und 2013 in der EU eines der wirtschaftlich schwierigsten Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg“, stellt McKinsey-Seniorpartner Eckart Windhagen fest. Nun erhole sich die Wirtschaft zwar, die Höhe der Investitionen von Unternehmen in Europa liege mit aktuell knapp 20% anteilig gemessen am BIP allerdings immer noch historisch niedrig. Die Umfrage zeigt, woran das liegt: Statt zu investieren, haben die befragten Unternehmen 2015 ihre Brutto-Finanzreserven auf fast 2 Billionen Euro erhöht. Die Hälfte der Unternehmen will damit Rücklagen für künftige Krisen aufbauen. Würden die Investitionen der Unternehmen wieder das Level von vor der Finanzkrise erreichen, könnte das BIP in der EU im Jahr 2030 rund 1 Billion Euro höher liegen als aktuell erwartet, rechnet McKinsey-Experte Windhagen vor. Als Hauptgründe für die aktuelle Zurückhaltung bei Investitionen nannten die befragten Unternehmen regulatorische Hindernisse sowie generell eine zunehmende Verunsicherung über die allgemeine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung in Europa. An erster Stelle nannten die Vorstände die Sorge über eine neue Finanzkrise oder ökonomische Rezession sowie populistische Strömungen und zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft.

Tourismus
Rekord: Turkish Airlines erwartet 2 Millionen russische Fluggäste in sechs Monaten

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Moskau (nex) – Turkish Airlines wird in den kommenden sechs Monaten mehr als zwei Millionen Fluggäste von Russland in die Türkei transportieren, womit sie einen neuen Rekord aufstellen würde. Dies hat das Unternehmen nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Dogan am gestrigen Samstag mitgeteilt. Die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben sich nach der Kampfjetkrise vom November 2015 normalisiert. Demnach werde die teilstaatliche Fluggesellschaft nach eigenen vorläufigen Angaben in der zweiten Jahreshälfte mehr als eine Million Fluggäste von Moskau in die Türkei transportieren. Turkish Airlines hat mit dem Beginn der Tourismussaison zwischen dem südtürkischen Urlaubsort Antalya und Moskau zehn zusätzliche Flüge eingerichtet. Des Weiteren hat sie für das ganze Jahr über vier Direktflüge in der zwischen Ankara und Moskau gestartet. Es gibt bereits vier Direktflüge täglich zwischen Istanbul und Moskau sowie einen Direktflug pro Tag von Antalya nach Moskau. Da Unternehmen plant, mit den zusätzlichen Flügen etwa 850.000 Menschen von Moskau nach Antalya zu transportieren. Die neu eingerichteten täglichen Flüge von St. Petersburg und Ufa nach Antalya sollen dem Transport von über einer Million Fluggästen von Moskau nach Antalya dienen. Es wird nach Angaben des Unternehmens erwartet, dass die Zahl der von Moskau nach Antalya geflogenen Flugpassagiere 1,5 Millionen übersteigen wird. Turkish Airlines fliegt in Russland zehn Destinationen an. Mit dem Transport von mehr als zwei Millionen Fluggästen von Russland in die Türkei würde das Unternehmen nach den vorläufigen Buchungszahlen einen neuen Rekord brechen.

Turkish Airlines EuroLeague 2017
Türkei: Fenerbahce erreicht Finale in Basketball-EuroLeague

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Istanbul (nex) – Die türkische Basketballmannschaft Fenerbahce hat nach ihrem Sieg gegen Real Madrid mit 84-75 in der gestrigen Freitagnacht im Sinan Erdem Dome in Istanbul das Finale des Turkish Airlines EuroLeague erreicht. Somit befindet sich das türkische Team beim Wettbewerb für europäische Basketball-Vereinsmannschaften der Männer bereits zum zweiten Mal im Finale und könnte erstmals die Trophäe in den Händen halten. Ekpe Udoh erspielte für seine Mannschaft 18 Punkte (10 Rebounds, 8 Assists), die ausschlaggebend für den Sieg waren. Bogdan Bogdanovic konnte mit 14 Punkten dienen, Jan Vesley und Nikola Kalinic lieferten jeweils 12 Punkte. Die 21 Punkte von Jaycee Carrol und 28 von Sergion Llull reichten bei den Spaniern nicht für den Einzug ins Finale. Das Finale gegen das griechische Team Olympiakos Piräus, das den Titelverteidiger ZSKA Moskau mit 82:78 ausgeschaltet hatte, findet am morgigen Sonntag um 21 Uhr Ortszeit statt.