Israel
Jordanischer Pilot kündigt Jerusalem als Hauptstadt Palästinas an

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Amman (nex) – Ein Pilot der teilstaatlichen jordanischen Fluggesellschaft Royal Jordanien wird in den sozialen Netzwerken gefeiert, weil er während eines Fluges von der jordanischen Hauptstadt Amman nach New York Jerusalem als Hauptstadt Palästinas angekündigt hat. Auch die Passagiere des Flug RJ 216 hätten mit begeistertem Beifall reagiert. „Wir werden den Queen Alia International Airport in Richtung Palästina verlassen und dann bei Jerusalem, der palästinensischen Hauptstadt, nach Norden drehen. Danach überqueren wir die Westküste Palästinas und das Mittelmeer. Weitere Informationen finden Sie auf den Bildschirmen vor Ihnen, auf denen Sie unsere Route verfolgen können“, so der gefeierte Pilot Jusef Dajah. Wie die jordanische Nachrichtenagentur Roja berichtet, machte der Pilot die Durchsage in arabischer und englischer Sprache. Der Co-Pilot Jamil Khalsa sagte gegenüber Roja, dass er von dem Vorhaben des Piloten nichts wusste und es ihn stolz gemacht habe: „Es machte mich stolz zu sehen, dass es immer noch Leute gibt, die den Mut haben, so etwas zu sagen“, sagte Khalsa und fügte hinzu: „Er wusste, dass sich viele Amerikaner im Flugzeug befanden, und er wusste, dass wir über Israel und Palästina fliegen werden, aber er tat es trotzdem. Ich bin sehr stolz auf ihn.“ Bei einem Sprecher der Fluggesellschaft hielt sich die Euphorie allerdings in Grenzen: „Wir sind ein kommerzielles Unternehmen und mischen uns nicht in die Politik ein.“ Am vergangenen Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump formell Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und erklärt, er werde den Umzug seiner Botschaft aus Tel Aviv beginnen. Die umstrittene Entscheidung löste Wut und Proteste in den besetzten palästinensischen Gebieten und in einigen muslimischen Ländern aus. Es wurde auch von führenden Politikern der Welt weithin verurteilt.

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– Bereits dritter Vorfall – Chinesische Airline “vergisst” Israel auf der Karte

Eine chinesische Fluggesellschaft hat in ihrem Bordunterhaltungssystem „Israel“ durch „Palästinensergebiete“ ersetzt. Israelische Fluggäste, die mit der Hainan Airlines von Peking nach Tel Aviv unterwegs waren, stellten fest, dass das Wort Israel nirgends auf der Karte zu sehen war.

Chinesische Airline „vergisst“ Israel auf der Karte
             

Regierungsbildung
Dreyer warnt Union vor Arroganz

Düsseldorf (ots) – SPD-Vizechefin Malu Dreyer hat die Union angesichts des ersten Spitzentreffens für eine mögliche gemeinsame Koalition indirekt vor Arroganz gewarnt. Die CDU habe es seit nun bald drei Monaten nicht geschafft, eine neue Regierung für Deutschland zu bilden, sagte Dreyer der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Wie wenig hilfreich es dabei ist, in dieser Form über eine Partei zu sprechen, deren Unterstützung man braucht, hat die Union ja schon bei den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen erleben können“, fügte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin hinzu. „Aus diesen Fehlern haben CDU und CSU offenbar wenig gelernt“, sagte Dreyer. Sie reagierte damit auf spöttische Äußerungen aus der Union über eine „Kooperationskoalition“ mit teilweise wechselnden Mehrheiten. CSU-Chef Horst Seehofer hatte das von der SPD vorgebrachte Modell als Vorschlag aus der „Krabbelgruppe“ bezeichnet.

IfW-Studie
Deutsche Wirtschaft Verlierer der Russland-Sanktionen

Düsseldorf (ots) – Die EU hat seit der Krim-Annexion 2014 diverse Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Folgen spüre im Westen vor allem Deutschland. Die deutsche Wirtschaft erleidet im Westen mit Abstand die größten Exportverluste durch die Russland-Sanktionen. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vorliegt. „Deutschland trägt fast 40 Prozent des verlorenen Handels im Westen, während andere große geopolitische Akteure wie das Vereinigte Königreich (7,9 Prozent), Frankreich (4,1 Prozent) und die Vereinigten Staaten (0,6 Prozent) weitaus weniger betroffen sind“, heißt es in der Studie. Nach den Berechnungen des Kieler Instituts fallen die deutschen Exporte im Durchschnitt um rund 727 Millionen US-Dollar oder 618 Millionen Euro pro Monat niedriger aus als im Szenario ohne Sanktionen. Die Gesamtkosten der 2014 verhängten Russland-Sanktionen betrugen nach den IfW-Berechnungen 114 Milliarden US-Dollar oder 97 Milliarden Euro allein im Jahr 2015. Davon entfielen 61 Prozent auf russische Unternehmen. Der Exportverlust für sanktionierende westliche Länder belaufe sich auf 44 Milliarden US-Dollar oder 37,5 Milliarden Euro, wovon wiederum 90 Prozent auf EU-Länder entfielen.

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Jerusalem-Krise
Mazyek: Trump-Entscheidung macht Hardlinern das Geschäft leicht

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Heilbronn (ots) – Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, hat vor einer gefährlichen Entwicklung im israelisch-palästinensischen Konflikt gewarnt und die Rückkehr zum Völkerrecht angemahnt. „Die Anerkennung Ost-Jerusalems als Hauptstadt Palästinas durch die islamischen Staaten ist eine Reaktion auf die Entscheidung Donald Trumps. Wir sollten Ursache und Wirkung nicht verwechseln“, sagte Mazyek der „Heilbronner Stimme“. „Es geht jetzt nicht um Schuldzuweisungen, sondern es ist dringend nötig, dass ein Weg zurück zum Völkerrecht gefunden wird. Dafür brauchen wir jetzt einen konkreten Fahrplan für den Frieden im Nahen Osten.“ Alle Beteiligten müssten ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen, forderte der ZdM-Vorsitzende: „Die Eskalation und Dramatik durch die Entscheidung Trumps schlägt sich vor allem vernichtend nieder in der Erosion des Rechts, des Völkerrechts, der Verbindlichkeit von Sicherheitsratsresolutionen und die Hoffnung auf das Existenzrecht zweier Staaten, von Juden und Arabern in Frieden und Nachbarschaft zu leben“, sagte Mazyek und warnte: „Die Entscheidung Trumps hat die Anerkennung des Völkerrechts ins Schwimmen gebracht. Sie macht den Hardlinern auf beiden Seiten das Geschäft leicht.“

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– Treffen in Istanbul – Erdogan fordert Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte in seiner Eröffnungsrede zum Gipfeltreffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Erdogan fordert Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas

BUND-Test
Weihnachtsbäume: 76 Prozent mit Pestiziden belastet

Berlin (nex) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Nadeln von 17 Weihnachtsbäumen von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden untersuchen lassen. Bei 13 der analysierten Bäume, also bei 76 Prozent, wurde das Labor fündig. Insgesamt wurden bei dem Test neun verschiedene Pestizide gefunden, von welchen fünf zu den gefährlichsten zählen, die derzeit in der EU eingesetzt werden. In den Nadeln von neun Bäumen und damit am häufigsten wurde das Insektizid Lambda-Cyhalothrin festgestellt, das als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid gilt. Es ist unter anderem akut toxisch, schädigt Nervenzellen und das Hormonsystem, ist giftig für Bienen und Wasserlebewesen und reichert sich in Organismen an. In Weihnachtsbaumplantagen wird es zur Insektenbekämpfung eingesetzt. Ein weiterer bei dem BUND-Weihnachtsbaumtest gefundener Wirkstoff, Parathion-Ethyl – früher bekannt als E 605 oder umgangssprachlich als „Schwiegermuttergift“ -, ist illegal und darf aufgrund seiner äußerst hohen Giftigkeit bereits seit 15 Jahren in der EU nicht mehr verwendet werden. In zwei Weihnachtsbäumen wurde auch das umstrittene Totalherbizid Glyphosat nachgewiesen. „In Weihnachtsbaumplantagen werden jede Menge Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt. Auffällig und beunruhigend ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt“, sagte die BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel. Mehr als die Hälfte der getesteten Bäume war mit mindestens zwei Wirkstoffen belastet, ein Baum enthielt sogar Rückstände von vier Pestiziden. Die untersuchten Weihnachtsbäume stammten überwiegend von deutschen Plantagen und wurden von BUND-Aktiven stichprobenartig in Baumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf an 15 Orten im gesamten Bundesgebiet erworben. Die Verwendung von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft ist in erster Linie ein Umweltproblem. „Die Gifte gelangen in Böden und Gewässer, sie schädigen Insekten und zerstören auch Nahrungsquellen und Lebensräume weiterer Nützlinge“, sagte die BUND-Pestizidexpertin. Nicht zu vernachlässigen seien jedoch auch mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pestizide in geschlossenen und beheizten Räumen in die Raumluft ausdünsten“, so Hölzel. Der BUND rät Verbrauchern dazu, zertifizierte Bio-Weihnachtsbäume zu kaufen, die garantiert frei von Schadstoffen sind, oder einen Baum aus heimischen FSC-zertifizierten Wäldern, die nicht mit Pestiziden behandelt werden. Bio-Bäume erkennen Verbraucher am Siegel der Öko-Anbauverbände Bioland, Naturland oder Demeter.

Israel
Türkische Hilfsorganisation: Über 70 Großprojekte in Palästinensergebieten

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Ankara (nex) – Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Hakan Cavusoglu gab am gestrigen Mittwoch bekannt, dass die Türkei seit 2005 mehr als 70 Projekte in Ostjerusalem und im Westjordanland durchgeführt habe.

Cavusoglu, der bei einer Veranstaltung über die aktuellen Geschehnisse in Jerusalem im Hauptquartier des Türkischen Präsidiums für Internationale Kooperation und Koordination (TIKA) mit Sitz in Ankara sprach, wies darauf hin, dass die staatliche Entwicklungshilfeorganisation der Türkei ihr Jerusalem-Büro 2005 eröffnet habe.

Die 71 TIKA-Projekte in Ostjerusalem und im besetzten Westjordanland umfassen laut dem türkischen Vizepremier die Restaurierung des Felsendoms, der auch als Qubbat as-Sachra bekannt ist und sich innerhalb des Al-Aqsa-Moschee-Komplexes befindet, das 400-Studentinnenwohnheim-Projekt der Al-Quds-Universität sowie die Wiedereinführung der Musa (Grab des Moses)-Feierlichkeiten, die infolge des Einmarsches Israels in Ostjerusalem im Jahre 1967 eingestellt worden waren.

„In diesem Jahr konnte die türkische Generaldirektion der Stiftungen, 10.000 Tonnen humanitäre Hilfe und Nahrung nach Gaza zu liefern. Die Übergabe von 320 Häusern, die in Gaza gebaut wurden, fand letzte Woche statt“, so Cavuşoglu weiter.

Während der mittlerweile 15 Jahre andauernden Regierungszeit der Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) habe das Ministerium für Auslandstürken (YTB) 89.000 in der Türkei studierende Palästinenser unterstützt.

Des Weiteren betonte Cavusoglu, dass Jerusalem nicht allein durch Tränen, sondern nur dann gerettet würde, wenn die Menschheit ihre Verantwortung übernehme.

„Solange sich Israel nicht aus den seit 1967 besetzten Gebieten zurückzieht, wird es keinen Frieden und keine Stabilität in der Welt geben“, fügte er hinzu und kritisierte die US-Bewegung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Am vergangenen Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump formell Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und erklärt, er werde den Umzug seiner Botschaft aus Tel Aviv beginnen. Die umstrittene Entscheidung löste Wut und Proteste in den besetzten palästinensischen Gebieten und in muslimischen Ländern aus. Es wurde auch von führenden Politikern der Welt weithin verurteilt. Beim gestrigen Treffen der muslimischen Staaten in Istanbul erklärten diese Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas. Jerusalem bleibt der Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts. Die Palästinenser hoffen, dass Ost-Jerusalem, das zur Zeit von Israel besetzt ist, als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates dienen könnte. Während der ersten Intifada ( “Krieg der Steine“) von 1987 bis 1993 kamen etwa 2.200 Palästinenser und 200 Israelis ums Leben. Bei der zweiten Intifada (“Al-Aksa-Intifada”) von 2000 bis 2005 starben über 3.500 Palästinenser und mehr als 1.000 Israelis.

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– Wiederaufbauarbeiten in Gaza – Gaza: Türkei baut neun im Krieg zerstörte Moscheen wieder auf

Die türkische Religionsanstalt Diyanet teilt mit, dass neun von ihr wiederaufgebaute Moscheen im Gazastreifen ab sofort wieder benutzt werden können. Die Gotteshäuser waren infolge der militärischen Eskalation zwischen der israelischen Armee und der Hamas im Sommer 2014 zerstört worden.

Gaza: Türkei baut neun im Krieg zerstörte Moscheen wieder auf

Genozid von Ruanda
Bericht: Franzosen am Völkermord in Ruanda beteiligt

Kigali (nex) – Laut einem neuen Untersuchungsbericht waren französische Regierungs- und Militärbeamte im Jahre 1994 an der Lieferung von Waffen an die Täter des Völkermords von Ruanda beteiligt und behinderten Bemühungen, sie vor Gericht zu bringen. Der von der US-Kanzlei Cunningham Levy Muse verfasste und am Mittwoch veröffentlichte Bericht wurde von der ruandischen Regierung im Rahmen einer Untersuchung der Rolle französischer Beamter bei dem Völkermord in Auftrag gegeben. Durch die Massaker kamen mehr als 800.000 Menschen ums Leben. Der Bericht dokumentiert die Beihilfe der französischen Militär- und Regierungsbeamten zu den Massakern, die am 7. April 1994 begannen. Dem ostafrikanischen Land zufolge habe der Bericht die Verantwortung Frankreichs „gründlich untersucht“, und zwar ausschließlich auf der Grundlage von Informationen, die in öffentlichen Akten verfügbar seien, diese unterstreichten die Beteiligung der Franzosen. Die französische Regierung hat eine Mitschuld stets zurückgewiesen. Der Bericht offenbare eine „vernichtende Zusammenfassung des Verhaltens von französischen Beamten in Ruanda in den 1990er Jahren und danach“, sagte die ruandische Außenministerin Louise Mushikiwabo. Die Anwälte werfen den Franzosen ferner vor, die für den Genozid verantwortliche Regierung unterstützt zu haben. Obwohl sie von brutalen Angriffen auf Tutsi wussten, hätten französische Beamte und Militärangehörige während des Genozids weiterhin Waffenlieferungen an die Regierung ermöglicht. Der Völkermord von Ruanda begann am 6. April 1994 und dauerte bis Mitte Juli 1994 an. Bei den Massakern starben mindestens 500.000 Menschen, manche Schätzungen gehen von 800.000 bis 1.000.000 Todesopfern aus. Angehörige der Hutu-Mehrheit töteten damals etwa drei Viertel der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit. Allerdings wurden auch Hutu umgebracht, die sich nicht am Völkermord beteiligen wollten oder sich aktiv dagegen einsetzten. Rückblickend gaben viele Täter in Interviews „Furcht“ als wichtigsten Beweggrund für die Beteiligung am Völkermord an. Sie fürchteten demnach soziale, materielle oder physische Repressalien, falls sie sich nicht an Mordtaten beteiligen würden.

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– Entschädigungszahlungen – Völkermord an Herero: Namibia fordert von Deutschland 30 Milliarden US-Dollar

Vergangene Woche hat in New York nach über hundert Jahren nach dem deutschen Völkermord an den afrikanischen Volksgruppen der Herero und Nama ein Prozess um Entschädigungszahlungen begonnen.

Völkermord an Herero: Namibia fordert von Deutschland 30 Milliarden US-Dollar
                     

Terrorismus
Terroropfer: Weißer Ring für individuelle Entschädigungen

Verbandsvorsitzende Müller-Piepenkötter: Keine Schlechterstellung von Opfern Osnabrück (ots) –  Im Gegensatz zum Opferbeauftragten Kurt Beck fordert der Weiße Ring für die Terroropfer des Berliner Weihnachtsmarkts keine pauschalen, sondern weiterhin individuell angepasste Entschädigungen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter: „Mit Pauschalsätzen ist es nicht getan.“ Die Verbandsvorsitzende fügte hinzu: „Keinesfalls dürfen beispielsweise Renten- und Versorgungsansprüche zugunsten pauschaler Entschädigungssätze gekürzt werden.“ Dies wäre „eine Schlechterstellung der Opfer und Hinterbliebenen, die wir so nicht hinnehmen können.“ Der Opferbeauftragte der Bundesregierung Beck hatte zuvor seine Bilanz vorgelegt und höhere Entschädigungen für Hinterbliebene und Verletzte gefordert. Beck spricht von pauschalen Entschädigungssätzen. Es sei eine zentrale Forderung des Weißen Rings, dass allen Opfern und Hinterbliebenen „unabhängig davon, ob sie Deutsche sind und ob der Tatort in Deutschland liegt, uneingeschränkte Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zustehen müssen“, sagte die Verbandsvorsitzende. Der Weiße Ring begrüßte die von Beck vorgeschlagenen Anlaufstellen für Betroffene eines Terroranschlags auf Bundes- und Landesebene. Diese seien „gut und sehr sinnvoll“, sagte Müller-Piepenkötter. Solche Anlaufstellen müssten Opfern und Hinterbliebenen Informationen bereitstellen und Entschädigungsanträge nach dem Opferentschädigungsgesetz sowie Anträge für beispielsweise Renten- und Krankenversicherung entgegennehmen.

Meinung
Kommentar: Antisemitismus-Debatte soll vom eigentlichen Problem ablenken

Von Nabi Yücel In Deutschland wird gerade versucht, die Stimmung umzuschwenken, weg von der Jerusalem-Frage bzw. Trump-Entscheidung, weg von der palästinensischen Frage, hin zum Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. Im Grunde wird damit das Problem an sich vom Tisch gefegt, es wird Schubumkehr betrieben. Auf einer Kundgebung in Berlin verbrennen am vergangenem Freitag einige Teilnehmer eine selbstgebastelte israelische Fahne, rufen in Sprechchören Parolen wie “Tod Israel” und “Kindermörder Israel”. Die Kundgebung mit rund 1.500 Teilnehmern wird von der Polizei aufgelöst, es werden rund 12 Personalien aufgenommen, Strafanzeigen folgen. Rund 20 Maskierte werfen am vergangenem Samstagabend auf eine Synagoge in Göteborg Molotowcocktails. Eine jüdische Jugendgruppe sucht daraufhin Schutz im Keller. Zuvor gab es eine Protest-Kundgebung in Malmö gegen die Entscheidung des US-Präsidenten Trump. Drei junge Männer werden verhaftet. Sie sollen aus dem Nahen Osten abstammen, darunter ein Syrer. Am vergangenem Sonntag brennt während einer Protest-Kundgebung mit rund 2.000 Teilnehmern in Berlin-Neukölln, erneut eine selbstgebastelte israelische Fahne. In Sprechchören skandieren Teilnehmer erneut “Tod Israel” und “Kindermörder Israel”. Zeitgleich findet in Berlin-Kreuzberg eine weitere Kundgebung anlässlich der Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die Botschaft der USA von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Auch hier werden Parolen skandiert. Am Dienstag beteiligen sich rund 250 Personen am Berliner Hauptbahnhof an einer erneuten Kundgebung anlässlich der Entscheidung Donald Trumps. Diesmal bleibt es bei provokanten Reden, da die Polizei Auflagen durchgesetzt hat. Das sind derzeit die Nachrichten, die uns bewegen sollen. Wie man schon erahnen kann, wird derzeit in Deutschland nicht über die Ursache oder Gründe der Proteste diskutiert oder berichtet, sondern die Bilder und Videos aus den Protesten in Berlin sind Teil der Diskussionen und Berichte. Politiker aller Couleur verurteilen die Geschehnisse in Berlin, Göteborg oder anderen europäischen Städten scharf. Inzwischen wird von Antisemitismus gesprochen, die in Deutschland unter „Muslimen“ herrsche und laut Jens Spahn (CDU) seien die „importiert“ worden. Diese reaktionären Plattitüden hätte man bei den Luftangriffen und Einmärschen der IDF (Israel Defense Forces) in den Gaza-Streifen gebraucht, damit das ehrlich rüberkommt. In Deutschland wird also gerade versucht, die Stimmung umzuschwenken, weg von der Jerusalem-Frage bzw. Trump-Entscheidung, weg von der palästinensischen Frage, hin zum Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. Im Grunde wird damit das Problem an sich vom Tisch gefegt, es wird Schubumkehr betrieben. Die unterdrückten Palästinenser sollen keine Sympathien genießen, auch nicht durch jene, die selbst Palästinenser sind und nach Deutschland geflüchtet sind und das Unrecht mitansehen müssen. Die US-Entscheidung und ihre vorhersehbaren Folgen werden klammheimlich durch „muslimischen Antisemitismus“ ersetzt. Inzwischen ist man schon bei der „Shoa“ angekommen, um die Kundgebungen und Proteste zu diskreditieren. Bei rund 5.000 Teilnehmern die bislang in Berlin protestierten, waren es jedoch hochgerechnet 0,1 Prozent, die in Sprechchören die Worte der Palästinenser verwendeten oder die israelischen Fahnen verbrannten. Alle anderen wollten sich nur mit den Palästinensern solidarisieren, deren Schrei in der Welt seit nunmehr einem Jahrhundert ungehört blieb und allem Anschein nach auch bleiben soll – denn, inzwischen wird auch die Zwei-Staaten-Lösung in deutschen Talkshows offen infrage gestellt. Damit deckt man im Grunde weiterhin die israelische Politik, weitere Siedlungen auf Kosten der Palästinenser zu bauen, bis schließlich kein palästinensischer Boden mehr übrig ist, den man anerkennen kann. Vorweg: Die israelische Flagge ist wie andere Flaggen von Nationen, ein Symbol eines Nationalstaates. Sie zu verbrennen ist geschmacklos, unwürdig und unter Umständen auch strafrechtlich relevant und gesellschaftlich zu verurteilen. Aber nicht jeder, der die israelische Flagge verbrennt, ist ein Antisemit. Nicht jeder der “Tod Israel” und “Kindermörder Israel” ruft ist ein Antisemit. Seit mehr als 70 Jahre rufen Palästinenser mehr oder weniger “Tod Israel” und “Kindermörder Israel”. Sie haben nur die Stimme die sie erheben können, auch wenn es für Außenstehende merkwürdig oder schlimm vorkommt. Bei ihnen brennen oder werden schließlich Häuser zerstört, sie werden enteignet, durch Siedlungspläne von ihren angestammten Gebieten herausgedrängt. Ihre Kinder werden verhaftet, ihre Jugendlichen auf offener Straße erschossen, sie werden schikaniert, können sich im eigenen Land nicht frei bewegen. Israelische Siedler greifen zu Selbstjustiz, Minister rufen zu Boykott auf, israelische Straßen dürfen nicht von Palästinensern benutzt werden, Palästinenser dürfen nicht in Busse einsteigen, die gesondert gekennzeichnet sind. Das nennt man zwar Apartheid, aber bislang hat es in diesem Jahrhundert der Aufklärung keinen europäischen Staat sonderlich berührt. Nein, nicht ganz, es regt sich was, zumindest außerhalb von Deutschland. Kein Deutscher würde sich gefallen lassen, dass sich jemand im heimischen Garten zu schaffen macht, schon gar kein Migrant. Wissen Sie was sie da als Migrant zu hören bekommen würden? Zurecht, auch wenn es auf den ersten Augenblick rassistisch erscheinen mag. In diesem Kontext betrachtet sind die politischen Umstimmungsversuche regelrechte Nebelkerzen, die nicht das Problem an sich angehen, sondern nur verdrehen, umdeuten. Die israelische Expansionspolitik muss gestoppt werden, die Zwei-Staaten-Lösung muss her, statt immer neue Vorwände zu finden, um das in Abrede zu stellen. Schließlich sterben dort Menschen, über das verbrennen von Fahnen oder verbalen Ausfällen ist man längst hinweg, es geht schlichweg um die Existenz eines ganzen Volkes, die sich nicht zur Wehr setzen kann. Und nein, Frau von Berlins Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli. Der Kampf muss vor allem gegen die Ignoranz geführt werden, die zudem wohl glaubt, Palästinenser seien vom Himmel auf Israel und Umgebung gefallen und wären nur auf Stunk aus. Sie können sich noch so oft vor die deutsche Politik positionieren, mit ihrer palästinensischen Migrationsgeschichte haben sie nicht ein einziges Mal wahrnehmbar ihre Stimme für die Palästinenser selbst erhoben. Tun Sie es, fordern sie die selben Menschenrechte auch für Palästinenser, wie Sie sie für jüdische Bürger einfordern und erst dann werden sie auch glaubhaft, können den moralischen Zeigefinger erheben. Zum schämen ist das, dass sich deutsche Politker und Politikerinnen wie Sie, sich mehr über das verbrennen von Davidstern-Flaggen und Sprechchören aufregen, als über den Bruch des Völkerrechts in der Causa. Für die Palästinenser und viele Kundgebungsteilnehmer in Berlin ist die Politik des Staates Israel schuld für die Zustände in Palästina. Diese Schuldzuweisung kann nicht pauschal als Kritik an dessen Volk, Land und Kultur verstanden oder gleichgesetzt werden. Wer versucht dies zu unterstreichen, der hat das Wesen des Totalitarismus nicht verstanden und schützt zudem diese. Eine Kritik an einem politischen System bedeutet für dieses System selbst, dass sie infrage gestellt, untergraben wird und daher in aller Form scharf verurteilt und sanktioniert werden muss. Das ist das Wesen des Totalitarismus, wie man sie zu Stalins Zeiten erfuhr. Verwandelt sich also Deutschland in ein totalitäres politisches System, in der Kritik, auch wenn sie scharf ausfällt oder ungeahnte Ausmaße annimmt, systematisch verurteilt wird? Noch einmal: Übergriffe auf jüdische Bürger oder Synagogen sollten anstandslos verfolgt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. So etwas gehört geächtet. Aber Kritik auf einer Kundgebung, die verbal geäußert wird oder mitunter für unser monotones Auge schlimme Zustände erahnen lässt, kann pauschal nicht auf die gesamten Teilnehmer abgewälzt und als „antisemitisch“ abgeurteilt werden. Solche pauschalen Urteile wie sie Jens Spahn (CDU) fällte, verdecken nur das eigene Grundübel, denn die allermeisten antisemitisch motivierte Straftaten gingen von Rechtsextremisten selbst aus. Die Stimmungsmache über „importierte“ Probleme, die ihre Ressentiments gegenüber der israelischen Politik auch in Deutschland nachgehen, haben also nichts, aber auch gar nichts mit der hiesigen Realität zu tun. Die Realität ist, dass die Menschen hier wie auch in Palästina oder in Israel Frieden einfordern und dass das Töten aufhört. Die hiesige Realität ist die, wenn man schon darauf hinaus will, dass seit Anfang 2017 knapp 10.000 rechtsextrem-motivierte Straftaten in Deutschland festgestellt wurden. Von Januar bis September registrierte die Polizei 9426 rechts-motiviere Straftaten, darunter 498 Gewaltdelikte. Bei den Attacken wurden 302 Menschen verletzt. Die Zahlen sind vorläufig und steigen erfahrungsgemäß durch Nachmeldungen. Davon waren 522 antisemitisch-motivierte Straftaten, mehr als 91 Prozent, also 479, wurden von Rechtsextremen selbst ausgeübt. Weder berief sich Spahn, noch Güler, Giffey oder ein anderer Politiker oder Politikerin auf diese Zustände, um auf die wiedererstarkte Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus im Land deutlich zu machen, noch wurden konkrete Maßnahmen eingeleitet, um dem Einhalt zu gebieten. Stattdessen werden nun Teile der Gesellschaft, also Migranten und Muslime, just dann zur Aussprache gebracht und unter Generalverdacht gestellt, somit die Debatte in eine andere Richtung gelenkt, wenn die israelische Politik verurteilt wird.

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In ganz Palästina sind zwischen dem 30. März und dem 15. Mai 1948 etwa 200 palästinensische Ortschaften besetzt und ihre Einwohner vertrieben worden. Das ist ein klarer Beleg dafür, dass der israelische Mythos nicht der Wahrheit entspricht, dass die Araber „freiwillig“ geflüchtet sind. Das alles geschah, bevor ein einziger arabischer Soldat palästinensischen Boden betreten hat.

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Jerusalem-Krise
Friedensprozess: Israelischer Geheimdienstminister lädt saudischen Prinzen Salman ein

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Tel Aviv (nex) – Der israelische Geheimdienstminister Israel Katz, der Saudi-Arabien als Führer der arabischen Welt bezeichnete, lud den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman nach Israel ein. Laut der israelischen Tageszeitung Haaretz soll das Königreich den israelisch-palästinensischen Friedensprozesses anführen. Katz habe Haaretz gegenüber bestätigt, Salman in einem Interview mit der saudischen Online-Zeitung Elaph eingeladen zu haben, jedoch sei die Einladung im Nachhinein aus dem Interview gelöscht worden, berichtet die Haaretz. Katz bezeichnete Saudi-Arabien als Anführer der arabischen Welt und schlug ein vom Königreich angeführten israelisch-palästinensischen Friedensprozesses vor. Katz fügte hinzu, dass auch Israel gerne an solchen Verhandlungen teilnehmen würde. Im Juli ist der 32-jährige Prinz von seinem Vater zum Thronfolger ernannt worden. Wegen des fortgeschrittenen Alters und Krankheiten des Königs gehen Beobachter von einer baldigen Machtübergabe an den Sohn aus. Zuvor entmachtete der König seinen Neffen, den 57-jährigen Mohammed bin Nayef. Die strenge antiiranische Haltung des Prinzen mache ihn zu einem wichtigen Partner der USA und Israels, schreibt Haaretz. In den letzten Jahren hätten mehrere arabische Nachrichtenkanäle berichtet, dass bin Salman Treffen mit hochrangigen Israelis gehabt habe. Diesen Berichten zufolge fand ein solches Treffen 2015 in der südisraelischen Stadt Eilat statt und ein weiteres am Rande des arabischen Gipfels in Jordanien im März dieses Jahres. Wie Haaretz weiter berichtet, fänden in einer gemeinsamen Kommandozentrale regelmäßige Treffen statt, in denen Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten Aktionen koordinierten.

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