Berlin – Wer die Diagnose „heller Hautkrebs“ erhält, sollte gegenüber seinem Arzt oder seiner Ärztin auch auf die eigene Berufstätigkeit hinweisen.
Gerade Outdoorworker, die viel unter der Sonne arbeiten oder gearbeitet haben, haben ein erhöhtes Risiko an hellem Hautkrebs zu erkranken. Ist dieser beruflich verursacht, kann er als Berufskrankheit anerkannt werden.
Auch für andere Erkrankungen wie zum Beispiel Lärmschwerhörigkeit oder Allergien gilt: Sofern die Möglichkeit besteht, dass die Ursachen in der beruflichen Tätigkeit liegen, sollte ein Arzt oder eine Ärztin das prüfen. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin.
Hat der Arzt oder die Ärztin den Verdacht, dass eine Erkrankung beruflich verursacht wurde, muss dies dem zuständigen Unfallversicherungsträger gemeldet werden. Diese Meldepflicht gilt auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Eine „Anzeige auf Verdacht einer Berufskrankheit“ kann aber auch die betroffene Person selbst stellen.
Nach Eingang der Meldung ermittelt die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse von Amts wegen den Sachverhalt und prüft, ob die Erkrankung durch die berufliche Tätigkeit verursacht wurde oder nicht. Dafür nimmt der Unfallversicherungsträger Kontakt mit den betroffenen Personen und / oder beteiligten Ärzten oder Ärztinnen auf. In manchen Fällen kann auch ein fachärztliches Gutachten durch unabhängige Sachverständige nötig sein.
Bestätigt sich der Verdacht auf eine Berufskrankheit, ist das vorrangige Ziel, mit allen geeigneten Mitteln die Folgen zu mildern und eine Verschlimmerung zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, erbringt die gesetzliche Unfallversicherung Leistungen, die von der medizinischen Versorgung bis zu beruflichen Eingliederungs-Maßnahmen reichen können.
Verbleiben trotz der Reha-Maßnahmen körperliche Beeinträchtigungen mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 Prozent, erhalten die Betroffenen eine Rente.
100 Jahre Berufskrankheiten-Verordnung
Seit 100 Jahren werden nicht nur Arbeitsunfälle, sondern auch Berufskrankheiten durch die gesetzliche Unfallversicherung entschädigt. Am 12. Mai 1925 wurde die erste Berufskrankheiten-Verordnung erlassen.
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Der türkische Nobelpreisträger Prof. Dr. Aziz Sancar, Träger des Nobelpreises für Chemie 2015, wurde im Sancar-Kulturzentrum in Chapel Hill von einer prominenten Delegation aus der Heimat besucht.
Unter ihnen: TFF-Präsident İbrahim Ethem Hacıosmanoğlu sowie Nationalspieler Merih Demiral, begleitet von Mannschaftskameraden und Funktionären des türkischen Fußballverbands. Die türkische Nationalmannschaft unter Trainer Vincenzo Montella ist für ein Testspiel gegen Mexiko in die USA gereist.
Gemeinsamer Wolfsgruß
Das Highlight der Begegnung war zweifelsohne das gemeinsame Foto mit dem „Bozkurt-Gruß“ („Wolfsgruß“): Aziz Sancar, Merih Demiral und Hacıosmanoğlu formten mit ihren Händen das Symbol, das in jüngster Vergangenheit stark emotional aufgeladen wurde. Dieses Bild sorgte binnen Stunden für landesweites Echo
Merih Demiral, der bei der EM 2024 wegen dieses Gestus’ eine zweispielige Sperre erhielt, zeigte sich via Social Media bewegt:
„Ein türkischer Geist, der in Anatolien geboren wurde und der ganzen Welt Licht spendet: Prof. Dr. Aziz Sancar. … Ihn heute persönlich kennenzulernen und ein signiertes Buch von ihm zu erhalten, war einer der ehrenvollsten Momente meines Lebens“
Anadolu’dan doğup tüm dünyaya ışık saçan bir Türk aklı.
Prof. Dr. Aziz Sancar 🇹🇷
Bugün onunla tanışıp imzalı kitabını almak, hayatımın en onurlu anlarından biriydi; bu özel hediyesi için minnettarım. pic.twitter.com/sN6S4EOiKu
— Merih Demiral (@Merihdemiral) June 9, 2025
Symbolträchtige Geschenke und Botschaften
Der Präsident der Türkischen Fussball Föderation Hacıosmanoğlu überreichte Sancar ein personalisiertes A-Nationalmannschafts-Trikot mit seinem Namen sowie ein von allen Spielern signiertes Mannschaftstrikot – übergeben im Beisein von Nationalspielern wie Kaan Ayhan, Çağlar Söyüncü und Irfan Can Kahveci.
Sancar revanchierte sich mit signierten Exemplaren seiner Biografie (verfasst von Orhan Bursalı). Sein persönlicher Widmungstext:
„Meinem Bruder Merih Demiral die besten Wünsche! Möge Gott die Türken beschützen!“
Eine kraftvolle Botschaft, mit der er Demiral in seinem Engagement und seiner kulturellen Identität würdigt.
Wer ist Prof. Dr. Aziz Sancar?
Geboren 1946 in Mardin, Türkei, hat Sancar als Molekularbiologe und Biochemiker weltweite Anerkennung erlangt. Seine bahnbrechenden Forschungen zur DNA-Reparatur wurden 2015 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Heute lehrt er an der University of North Carolina und hat ein bedeutendes Kulturzentrum gegründet, das seine Wurzeln und Visionen verbindet.
Für sein kulturelles Engagement verlieh ihm die internationale Organisation TÜRKSOY im Januar 2025 sogar den Titel „Türk Dünyası Kültür Elçisi“ (Kulturbotschafter der Türkischen Welt). Diese Auszeichnung würdigt nicht nur seine bahnbrechenden Beiträge zur DNA-Reparatur, sondern auch seine Rolle als kulturelles Vorbild für die gesamte turksprachige Welt.
TÜRKSOY-Generalsekretär Sultan Raev betonte bei der Verleihung:
„Sehr geehrter Aziz Sancar, Sie sind nicht nur ein Wissenschaftler, sondern auch ein Wert, der das gemeinsame Bewusstsein und die wissenschaftliche Genialität der Türkischen Welt widerspiegelt. Ihre mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten, die der gesamten Menschheit zugutekommen, sind – ebenso wie Ihr überragender Erfolg in der Wissenschaft – ein Vorbild für die Menschheit, insbesondere durch Ihre Bescheidenheit und Ihren Fleiß, die die Werte der türkischen Kultur verkörpern. Ihre Verbundenheit mit Ihren Wurzeln und Ihre Erfolge auf den renommiertesten Bühnen der Welt sind für uns eine wichtige Quelle der Motivation. Dieser Titel ist mehr als nur eine Auszeichnung – er ist ein Dank der Türkischen Welt. Es ist uns eine Ehre, Ihnen im Namen der TÜRKSOY-Mitgliedsstaaten den Titel ‚Kulturbotschafter der Türkischen Welt‘ zu verleihen.“
Merih Demiral: Vom Spielfeld zum Symbol
Der 1998 geborene Verteidiger spielt aktuell (Stand Juni 2025) beim saudi-arabischen Klub Al Ahli SC. Seit der EM 2024 sorgt er für Diskussionen mit seinem Wolfsgruß – was ihm nicht nur Kritik, sondern auch Bewunderung einbrachte. Der heutige Besuch bei Sancar zeigt: Für Demiral ist der Bozkurt-Gruß längst ein Ausdruck kultureller Identifikation, Inspiration und Zusammengehörigkeit.
Symbolik des Grußes
Mit seiner wissenschaftlichen Exzellenz, gepaart mit tiefer kultureller Verbundenheit und persönlicher Bescheidenheit, steht Sancar beispielhaft für eine moderne Identität der türkischen Welt, in der Wissenschaft, Werte und Herkunft sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.
Das Aufeinandertreffen mit dem Fußballspieler Merih Demiral, das mit einem gemeinsamen Bozkurt-Gruß in den sozialen Medien viral ging, erhält in diesem Licht eine tiefere Bedeutung: Es ist mehr als ein symbolisches Foto – es ist ein Ausdruck der Kontinuität zwischen Generationen, Disziplinen und Nationen im Zeichen gemeinsamer Herkunft, Haltung und Hoffnung.
Der Wolfsgruß steht hier für ein gemeinsames kulturelles Erbe und Werte wie Zielstrebigkeit, Neugier, Verantwortungsbewusstsein und internationalen Zusammenhalt. Sancar und Demiral setzen damit ein Zeichen gegen Rassismus – sie leben, arbeiten und lieben in einer globalen Welt, die Respekt und gegenseitige Anerkennung braucht.
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Von Kemal Bölge
Die Keramikmalerei spielte eine bedeutende Rolle in der Kunst und Kultur des Osmanischen Reiches. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert erlebte sie mit den berühmten Iznik-Keramiken eine Blütezeit.
Diese kunstvoll bemalten Fliesen und Gefäße waren nicht nur dekorative Elemente, sondern Ausdruck von Macht, Religion und Ästhetik. Verwendet in Moscheen, Palästen und öffentlichen Gebäuden, verband die Keramikmalerei islamische Ornamentik mit floralen und geometrischen Motiven.
Sie spiegelte den kulturellen Reichtum des Reiches wider und beeinflusste die Kunst weit über seine Grenzen hinaus.
Bis heute gilt sie als ein bedeutendes Erbe osmanischer Handwerkskunst. Kunstinteressierte haben am 14. Juni die Gelegenheit, die Werke von Schüler:innen der Keramikmalwerkstatt der Kunstpädagogin Ayşe Kurt zu besichtigen.
Das türkische Generalkonsulat in Frankfurt und das Referat für Schulwesen laden ab 12 Uhr ins Türkische Kulturzentrum ein. Nach der Ausstellung können sich die Besucher:innen vom meditativen Klang der Ney-Flöte verzaubern und die spirituelle Tiefe der traditionellen türkischen Musik erleben.
Türkisches Kulturzentrum, 14. Juni 2025Beginn 12 Uhr, Eintritt freiAdresse Höhenstraße 4460385 Frankfurt am Main
Vor der Schau sprach NEX24 mit der Kunstpädagogin und Kursleiterin Ayşe Kurt, die diese jahrhundertealte türkische Kunstform in den Werkstätten der goldenen Keramikfabrik (Kütahya Altın Çini Fabrikası) in Kütahya erlernte.
Frau Kurt, was können Sie über die türkische Keramik- und Kachelkunst sagen? Was weiß man über ihren Ursprung?
Die Keramik- und Kachelkunst, eine der wichtigsten traditionellen türkischen Künste, ist ein keramisches Produkt, das im Allgemeinen für die Innen- und Außendekoration von architektonischen Werken, Moscheen, Herrenhäusern, Palästen, Brunnen, Gräbern usw. verwendet wird.
Das Wort Çini (zu China gehörend, chinesische Arbeit) ist osmanisch-türkischen Ursprungs und leitet sich vom Namen Chinas ab, in Anlehnung an die Chinesen, die die Kunst des Porzellans [Anm. d. Red. gesprochen Tschini) in die Welt brachten.
Welches ist das wichtigste Material, das bei der Herstellung von Keramik verwendet wird?
Der Rohstoff, der in der Keramik- und Kachelkunst verwendet wird, ist Kachelkleister. Der Keramikteig bildet die Grundlage der Keramik- und Kachelkunst. Kaolin wird aus einer Mischung der Rohstoffe Ton, Quarz und Feldspat gewonnen. Daneben werden auch Rohstoffe wie Marmormehl, Kreide und Sand im Teig verwendet.
(Nurcan Karakuş)Was sind die anderen Grundstoffe der Keramik- und Kachelkunst?
Zunächst einmal brauchen wir ein Muster und eine Form, die aus Teig hergestellt wird. Wir brauchen einen Teig, der mit trockenen Materialien wie Kaolin, Sand, Kreide, Quarz, Glasur zum Auskleiden, Keramikfarben, Zobelpinsel und speziell angefertigte Pinsel aus Wolfshaar und Pergamentpapier zum Zeichnen des Musters zubereitet wird.
Wie wird die Keramikkunst angewandt und was sind die Tricks dieser Technik?
Zunächst einmal muss der Keramikteig vorbereitet werden. Der zweite Schritt ist das Zeichnen des Musters, das Einstechen des Musters mit einer Nadel, das Übertragen des Musters auf das Objekt mit Holzkohlepulver und Zeichnung, (Türkisch tahrirleme), und der letzte Prozess ist die Farbmalerei.
Das bemalte Objekt ist bereit zum Brennen. Es wird bei 950 – 1000 ℃ in einem brennenden Holzofen oder in elektrischen Öfen, die heute praktischer sind, gebrannt. Die Kunst der Technik besteht vor allem in sorgfältiger Arbeit. So ist es zum Beispiel sehr wichtig, die Ofentemperatur gut einzustellen. Bei einem Temperaturabfall können die Farben fließen, verlaufen und Verfärbungen in der Farbe verursachen.
(Ayşe Kurt)Welche Farben werden in der Keramik- und Kachelkunst bevorzugt verwendet?
Die Verwendung von roten, kobaltblauen, türkisfarbenen und grünen Farben auf weißem oder dunkelblauem Grund ist ein charakteristisches Merkmal von Kachelarbeiten.
Wer visuelle Projekte zur osmanischen Keramikkunst gestaltet—wie Moodboards, Poster oder Präsentationen—kann die Farbe türkis gezielt einsetzen, um historische Muster digital nachzustellen und Stimmung zu erzeugen
„Farben sind eng mit der menschlichen Psychologie und Stimmung verbunden“
Haben die in der Keramik- und Kachelkunst verwendeten Farben eine besondere Bedeutung oder Geschichte?
Natürlich haben sie eine. Farben sind eng mit der menschlichen Psychologie und Stimmung verbunden. Keramikkünstler verwenden kräftige Farben, wenn sie glücklich und fröhlich sind, und bevorzugen dunklere Farben, wenn sie traurig sind. Bei der Untersuchung der psychologischen Wirkung der Farben, die in den Kachelmustern des 16. Jahrhunderts auf den Menschen zu sehen sind, hat sich gezeigt, dass sie eine symbolische Sprache bilden.
(Aygül Klein)Welche Gebäude wurden in der osmanischen Zeit mit Kacheln verziert?
Die Keramik- und Kachelkunst wurde ab dem 14. Jahrhundert in der osmanischen Zeit verwendet. Im 15. Jahrhundert machte sie große Fortschritte, und die Kunst erreichte ihren Höhepunkt mit den großen Meistern dieser Zeit. Eines der ersten Beispiele für Kachelkunst aus dieser Zeit ist die Bursa Orhan Bey Moschee, die vom zweiten osmanischen Sultan Orhan Bey im Jahr 1339 erbaut wurde.
In der Architektur der Moschee wurden Kacheln an der Qibla-Wand verwendet. Die Grüne Moschee von Iznik, deren Bau im Jahr 1392 abgeschlossen wurde. Den Namen Grüne Moschee erhielt sie wegen der Kacheln, die für das Minarett der Moschee verwendet wurden. Im Minarett der Moschee wurden Türkis und Dunkelblau als Kachelfarben verwendet. Die Kachelkunst wurde in Palästen, Villen, Brunnen und Moscheen verwendet.
(Nursen Reisoğlu)Welches sind die bekanntesten Motive der Keramikkunst?
Die wichtigsten Motive unserer Keramikkunst sind die Tulpe, die Rose, die Nelke, die Hyazinthe, die Emaille, die Zypresse, der Granatapfel, das Weinblatt, die Weintraube, die Lotusblüte, die Rumis, Krugmotive, die Galeonenzeichnung, die Klaue, die Wolke, der Lebensbaum, die Chintemani, die Fischschuppe und die Flussmündung.
Wofür stehen die Motive in der Keramikkunst?
Die Tulpe, das arabische Wort, wurde zum Beispiel häufig verwendet, weil sie das Wort Allah in der Schreibweise darstellt. Als Symbol wird sie auch als osmanisches Banner interpretiert, da sie der Form eines Halbmondes ähnelt. Da es sich um eine Blume mit einem einzigen Zweig handelt, steht sie im Sinne der Sufis für die Einheit von Allah und Liebe.
Die Nelke symbolisiert die Erneuerung und den Frühling.
Die Rose symbolisiert den Propheten Muhammad.
Der Granatapfel nimmt seinen Platz in den Motiven im Sinne von Überfluss und Fruchtbarkeit ein.
Die Zypresse wird als Symbol der Ewigkeit dargestellt, da sie im Sommer und im Winter grün bleibt. Sie symbolisiert auch das Leben nach dem Tod. Da sie dem Buchstaben Elif ähnelt, steht sie auch für den Glauben an Tawhid.
Die Lotusblume ist das Symbol für Reinheit und geistige Reife.
Der Baum des Lebens ist das Symbol des Lebens. Mit seiner Struktur, die von den Wurzeln ausgeht und sich bis zu den Ästen erstreckt, steht er für die Freude am Leben und gleichzeitig für drei Bereiche: den Untergrund, die Welt, in der wir leben, und den Himmel.
(Ayşe Kurt)Welchen Platz, welche Bedeutung und welchen Schutz hat die Keramik- und Kachelkunst in der türkischen Kultur?
Die türkische Keramik- und Kachelkunst ist eine Kunstform, die auf eine jahrtausendealte Geschichte zurückblicken kann und ein wichtiger Teil der türkisch-islamischen Kunst ist. Im Folgenden werden einige Punkte genannt, die die Bedeutung dieser Kunst in der türkischen Kultur unterstreichen:
Architektonische Dekorationen: Die türkische Keramik- und Kachelkunst spielte eine wichtige Rolle bei der architektonischen Dekoration, insbesondere während des Osmanischen Reiches. Moscheen, Paläste, Gräber und andere wichtige Gebäude wurden mit Kachelmustern verziert. Die Iznik-Keramik ist ein berühmtes und häufig verwendetes Beispiel in der osmanischen Architektur.
Das Kunsthandwerk und dekorative Gegenstände: Die türkische Keramikkunst wurde in großem Umfang für die Herstellung von Kunsthandwerk und Dekorationsartikeln verwendet. Keramik war ein Material, das für die Herstellung von Tellern, Vasen, Schalen, Teesets und verschiedenen anderen Gegenständen verwendet wurde. Diese Artefakte nehmen noch immer einen wichtigen Platz in türkischen Haushalten und Museen ein.
Der Schutz des kulturellen Erbes: Die türkische Keramikkunst ist ein wichtiger Teil des türkischen Kulturerbes und wird als ein zu bewahrender Wert angesehen. Die Keramikmeister haben die traditionellen Techniken und Muster von Generation zu Generation weitergegeben. Verschiedene Ausbildungs- und Workshop-Programme in der Türkei unterstützen die Entwicklung und Weitergabe dieser Kunst an künftige Generationen.
Ästhetischer Wert: Die türkische Keramikkunst zieht mit ihren einzigartigen Mustern, lebhaften Farben und eleganten Kalligrafien die Aufmerksamkeit auf sich. Mit ihrer feinen Verarbeitung und ihrem ästhetischen Wert haben türkischen Keramiken weltweite Anerkennung gefunden. Diese Kunst ist ein wichtiger Vertreter der türkischen Ästhetik und trägt zum Verständnis der Schönheit der türkischen Kultur bei.
Kulturelle Identität und Förderung: Die türkische Keramikkunst hat als wichtiger Teil der türkischen Kultur wirksam zur Werbung für die Türkei beigetragen. Türkische Keramik ist zu einer beliebten Attraktion im Tourismussektor des Landes geworden. Ausländische Besucher haben die Möglichkeit, die türkische Kultur hautnah zu erleben, indem sie türkische Keramik- und Kachelwerkstätten besuchen.
(Ayşe Kurt)Welche Methoden werden zum Schutz und zur Erhaltung von Kunstwerken aus Keramik angewandt?
Die Faktoren, die den Verfall der Keramik verursachen, sollten untersucht werden. Je nach den strukturellen Merkmalen der Keramik, den Bautechniken, dem Zustand des Verfalls, dem Zustand der Oberfläche, die sie bedecken, und den Bedingungen ihres Standorts sollte ein Arbeitsprogramm mit verschiedenen Stufen und Methoden erstellt werden.
Der wichtigste Faktor für den Verfall von Keramik ist die Feuchtigkeit. Übermäßige Feuchtigkeit führt auch zu biologischem Verfall bei der Keramik. Nach der Ermittlung der Ursachen für die Verschlechterung sollten die erforderlichen Materialien bereitgestellt werden, um die bei den Konservierungsprojekten festgestellten Verschlechterungen zu beseitigen. Die Anwendung von Konservierungs- und Reparatur-/Restaurierungsarbeiten an historischen Kacheln sollte ernst genommen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Anwendungen dauerhaft und kontinuierlich sind.
Ein wichtiger Aspekt der Konservierungs- und Reparaturarbeiten an Keramik sind heute die Analysestudien. Die Analyse ist eine der wichtigsten Phasen der Untersuchungen, die durchgeführt werden, um die Ursachen für den Verfall von Keramik zu ermitteln. Die strukturellen Merkmale der Keramik werden als Ergebnis der Analyseuntersuchungen bestimmt. Die Analyseuntersuchungen sind ein wichtiger Faktor bei der Festlegung der richtigen Maßnahmen, die an der Keramik vorgenommen werden müssen.
Welche Ressourcen sind für jemanden empfehlenswert, der die Keramikkunst erlernen möchte?
Für Menschen, die die Keramikkunst erlernen möchten, gibt es an den meisten Universitäten in der Türkei Abteilungen für Keramik- und Kachelkunde. In vielen Städten werden in öffentlichen Bildungszentren Kurse für Keramikkunst angeboten. Vor allem in Kütahya gibt es viele private Werkstätten, insbesondere die Altın Çini Factory.
Was sind die größten Schwierigkeiten für Künstler, die sich mit der Keramikkunst beschäftigen?
Man muss alle Materialien in der gleichen Werkstatt kaufen. Denn jede Werkstatt hat ihre eigenen Farben und Arbeiten. Wenn man an verschiedenen Orten einkauft, kann man nicht die gewünschte Qualität erreichen. Es ist keine Arbeit, die man allein machen kann, sondern eine Teamarbeit. Das Glasieren und Brennen müssen in den Werkstätten durchgeführt werden.
An welchen Stellen gibt es Überschneidungen zwischen der Keramikkunst und anderen bildenden Künsten?
Die in der Keramikkunst verwendeten Motive überschneiden sich mit gängigen Motiven anderer Künste. Zum Beispiel sind Tulpe, Rose, Veilchen und Nelke gemeinsame Linien, die in der Marmorierkunst verwendet werden, und Rumis sind gemeinsame Linien, die in der Illuminationskunst verwendet werden. Wie in allen Künsten geht es auch in der Keramikkunst darum, das Schönste zu erreichen und es auf die Spitze zu treiben. Am Ende aller Werke steht ein göttlicher Ansatz, der künstlerischen Wert hat und den Menschen den Glauben an Gott näherbringt.
Wie entstand die Idee, eine Keramikausstellung mit Dr. Fatih Kılıç, dem Bildungsattaché, zu organisieren?
Als wir mit Dr. Kılıç das Projekt mit dem Keramikkurs durchführten, hatten wir uns fest vorgenommen, die Werke unserer Kursteilnehmerinnen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Also sammelten wir die Arbeiten, die wir am Ende des Kurses gemacht hatten, und bereiteten unsere Ausstellung vor.
Frau Kurt, vielen Dank für das Gespräch!Das Interview führte Kemal Bölge
Von Çağıl Çayır
Johann Wolfgang von Goethe begegnete dem persischen Dichter Hafis nicht auf Reisen, sondern in einem Buch. Die entscheidende Brücke schlug Joseph von Hammer-Purgstall.
Der österreichische Orientalist veröffentlichte 1812 die erste vollständige deutsche Übersetzung des Diwan des Hafis. Für Goethe war diese Lektüre ein Wendepunkt. Sie führte zur Entstehung des West-östlichen Divan – einem der persönlichsten und zugleich weltoffensten Werke der deutschen Literatur.
Und mag die ganze Welt versinken,
Hafis mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!
Wie du zu lieben und zu trinken,
Das soll mein Stolz, mein Leben sein. (Goethe, West-Östlicher Divan, Stuttgart 1819)
Hafis – die Stimme des Herzens
Hafis lebte im 14. Jahrhundert in Schiras. Seine Dichtung ist voller Gegensätze: Wein und Weisheit, Sinnlichkeit und Gott, Zweifel und Vertrauen. In der Form des Ghasels verband er Mystik mit Lebensfreude. Seine Verse sind Ausdruck einer Welt, in der Liebe nicht nur privat, sondern auch spirituell ist – eine Kraft, die Menschen über sich hinausführt.
Goethe – die Antwort aus Weimar
Goethe war schon ein erfahrener Schriftsteller. Doch die Begegnung mit Hafis öffnete in ihm etwas neues. Im West-östlichen Divan reagierte Goethe auf Hafis. Es entstand ein Dialog – zwischen Orient und Okzident, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen zwei Seelen, die einander nie begegneten, aber doch verwandt schienen.
Goethe näherte sich dem Orient nicht oberflächlich. Er las den Koran, beschäftigte sich mit islamischer Philosophie und schätzte die Persönlichkeit des Propheten Mohammed. Sein Interesse war ernsthaft.
Für ihn war Religion keine Grenze, sondern eine Möglichkeit, das Gemeinsame zu erkennen. Liebe, so verstand er, sei eine universelle Sprache – sie verbinde das Menschliche mit dem Göttlichen, das Ich mit dem Anderen.
Hammer-Purgstall – der Vermittler
Ohne Joseph von Hammer-Purgstall wäre diese Begegnung nicht möglich gewesen. Der Orientalist machte mit seinen Übersetzungen erstmals die persische Dichtung systematisch für den deutschen Sprachraum zugänglich.
Er war kein Lehrer Goethes, aber ein Wegbereiter. Er übersetzte nicht nur Worte, sondern auch Denkweisen. Damit schuf er die Voraussetzung für einen literarischen Austausch, der bis heute wirkt.
Wirkung und Gegenwart
Goethes West-östlicher Divan wurde ein Symbol für Verständigung durch Poesie. Er prägte das Ideal der Weltliteratur. Viele Autoren griffen dieses Erbe auf – in Europa wie in der islamischen Welt. Auch das Goethe-Institut trägt diese Haltung weiter.
Es fördert weltweit Projekte, die den kulturellen Dialog stärken. In vielen islamisch geprägten Ländern ist Goethes Divan fester Bestandteil von Bildungsprogrammen, Lesungen und Übersetzungsprojekten.
Drei Menschen aus drei Epochen
Drei Menschen aus drei Epochen, verbunden durch Worte. Hafis gab den Ton vor, Hammer-Purgstall öffnete das Tor, Goethe antwortete.
Was sie verband, war nicht Herkunft, Sprache oder Religion. Es war die Liebe zur Wahrheit, zur Schönheit, zur Menschlichkeit. Und diese Liebe – das zeigt ihr Werk – ist stärker als alle Grenzen. Sie verbindet. Bis heute.
„Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber.“ Hafis
Zum Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.
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– Geschichtswissenschaft –Ibn Rushd: Der Philosoph, der Islam und Wissenschaft vereinte
In einer Zeit, in der religiöse Dogmen oft als Feinde der Wissenschaft dargestellt werden, wirkt der andalusisch-muslimische Philosoph Ibn Rushd wie eine leuchtende Ausnahmefigur.
In einer Zeit, in der religiöse Dogmen oft als Feinde der Wissenschaft dargestellt werden, wirkt der andalusisch-muslimische Philosoph Ibn Rushd wie eine leuchtende Ausnahmefigur. Im 12. Jahrhundert vertrat er eine Überzeugung, die für viele bis heute radikal erscheint: Der Islam widerspricht der Wissenschaft nicht – im Gegenteil, er verlangt sie.
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Ibn Rushd, der im Westen unter dem Namen Averroes bekannt ist, wurde 1126 in Córdoba geboren, damals ein Zentrum islamischer Kultur in Andalusien. Er war nicht nur ein Philosoph, sondern auch Jurist, Arzt und Astronom. Seine bekannteste Leistung: die umfassende Kommentierung der Werke Aristoteles’ – und die Behauptung, dass Vernunft und Glaube im Einklang stehen.
Während in Europa die Scholastik noch versuchte, antike Philosophie mit dem Christentum zu versöhnen, tat Ibn Rushd dies bereits auf hohem Niveau innerhalb des Islam. Für ihn war die Suche nach Wissen eine religiöse Pflicht – weil der Koran selbst den Menschen auffordert, über die Welt nachzudenken.
Faṣl al-Maqāl – die Entscheidung für die Philosophie
In seinem Hauptwerk Fasl al-Maqal fima bayn al-hikma wa-sh-sharia mina al-ittisal (etwa: „Die entscheidende Abhandlung über das Verhältnis von Philosophie und islamischem Gesetz“) erklärt Ibn Rushd, dass das Studium der Philosophie im Islam nicht nur erlaubt, sondern religiöse Pflicht sei. Der Koran selbst fordere die Menschen dazu auf, über die Schöpfung nachzudenken, die Natur zu studieren und Erkenntnis zu suchen.
Der Koran als Quelle der Vernunft
In seinem Werk „Der Widerspruch des Widerspruchs“ (Tahāfut al-Tahāfut) trat Ibn Rushd gegen den berühmten Theologen al-Ghazali an, der die Philosophie als gefährlich für den Glauben angesehen hatte. Ibn Rushd hielt dagegen: Wahre Philosophie widerspricht der Religion nicht – sie führt zu ihr. Wer die Welt mit dem Verstand erfasst, versteht laut Ibn Rushd auch den göttlichen Plan besser. Wissenschaft sei kein weltliches Unterfangen, sondern ein Weg zu Gott.
Er unterschied zwischen drei Arten von Menschen: den einfachen Gläubigen, die dem religiösen Wort folgen; den Theologen, die es auslegen; und den Philosophen, die es durch Vernunft erkennen. Für Letztere seien wissenschaftliche Methoden und Logik das geeignete Mittel, um Gott zu erkennen.
Verfolgung und Exil
Doch nicht alle waren bereit, diese Idee zu akzeptieren. Trotz seiner Berühmtheit und seiner Ämter – unter anderem als Hofarzt und Richter – wurde Ibn Rushd gegen Ende seines Lebens Opfer politischer Intrigen. Unter dem Einfluss konservativer Kräfte verbot der Almohaden-Kalif Yaqub al-Mansur seine Bücher, ließ sie verbrennen und schickte ihn ins Exil.
In Marrakesch, von der politischen Bühne entfernt, starb Ibn Rushd im Jahr 1198. Erst posthum wurde er rehabilitiert – jedoch weniger im muslimischen Raum als im christlichen Europa. Dort wirkten seine Schriften über Jahrhunderte fort. Thomas von Aquin, Albertus Magnus und viele Denker der Scholastik setzten sich mit seinen Ideen auseinander. In Paris und Bologna wurde er zu einem „Lehrer der Lehrer“.
Ein Vorbild für heute?
In einer Zeit, in der Religion und Wissenschaft oft gegeneinander ausgespielt werden, wirkt Ibn Rushds Botschaft wie ein dringend benötigter Appell zur Versöhnung. Er erinnerte daran, dass Glaube keine Denkverbote verlangt – im Gegenteil: Wahrer Glaube braucht den Mut zur Vernunft.
Seine Geschichte zeigt aber auch die Gefahren: Intellektuelle, die neue Wege vorschlagen, riskieren Ausgrenzung. Ibn Rushd bezahlte seine Überzeugung mit Verbannung – und doch lebt seine Idee weiter: Dass Islam, Wissenschaft und Vernunft keine Gegensätze sein müssen, sondern drei Stimmen derselben Wahrheit.
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.
Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel
In der Türkei wurden bei der zuletzt fünften Verhaftungswelle weitere Angestellte und oppositionelle Bürgermeister aus Istanbul und Adana verhaftet.
Auf der anderen Seite wurden elf Personen aus der Untersuchungshaft entlassen, die zuvor mit der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft vollumfänglich kooperierten, dabei mit teilweisen oder vollen Schuldeingeständnissen eine Freilassung bis zum Verhandlungstag herausgeschlagen hatten.
Schlimmer als Ekrem Imamoğlu geht nimmer, dachte man sich bislang. Doch je länger und tiefer die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaften in Istanbul, Ankara oder Adana anhalten, je mehr Untersuchungshäftlinge von der „wirksamen Reue“ (etkin pişmanlık) Gebrauch machen, desto eher hegt man mittlerweile den Verdacht, dass hier ein „Eko-System“ im Gange war, dessen Zerschlagung die Türkei an den oppositionellen Fundamenten rütteln wird.
Eyüp Subaşı-Aussage
Erstmals bezeichnete der türkische Unternehmer Eyüp Subaşı in seiner vollumfänglichen Aussage gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul die Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu als „System“.
Seither wird in sozialen Medien oder in den unzähligen TV-Talkshows von einem „Eko-System“ gesprochen. „Eko“ steht hier für Ekrem, sprich Ekrem Imamoğlu. Mit Beginn der Razzia gegen den ehemaligen OB von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, am 19. März, verstärkt sich nicht nur der Druck auf den „Kopf“ des „Systems“ der „kriminellen Organisation“, sondern auch auf die Oppositionspartei CHP selbst.
Und damit vor allem der Druck auf den Parteivorsitzenden Özgür Özel. Der brillierte zuletzt mit einem außerordentlichem Wink mit dem Zaunpfahl, ausgerechnet in Richtung des ermittelnden Istanbuler Generalstaatsanwalts Akın Gürlek.
„Gekaufte Delegierten-Stimmen“
Als wenn es schon nicht genug Probleme gebe, wie z.B. mit „gekauften Delegierten-Stimmen“ zur Vorsitzendenwahl während der 38. Generalversammlung am 5. November 2023, bei der der ehemalige Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu seinem Kontrahenten Özgür Özel unterlag, positioniert sich nun Özgür Özel selbst geradezu mutwillig ins Fadenkreuz der Justiz.
Laut Medienberichten hat die Generalstaatsanwaltschaft von Istanbul nach diesem Fauxpas die Ermittlungen gegen den CHP-Vorsitzenden aufgenommen: wegen Drohung und Nötigung gegen Amtsträger. Die Ermittlungen in Zusammenhang mit „gekauften Delegierten-Stimmen“ sind in Ankara bereits im vollen Gange und gehen demnächst in die Anklageerhebung über.
Wenn die Vorwürfe ernst genommen werden und zur Anklage führt, droht Özgür Özel selbst nicht nur eine Strafe, sondern die juristisch angeordnete Abwahl und die Wiederernennung seines einstigen Ziehvaters Kemal Kılıçdaroğlu zum Parteivorsitzenden. Kemal Kılıçdaroğlu selbst hatte kurz nach der 38. Generalversammlung die Wahl als getürkt dargestellt und seinen politischen Weggefährten Özgür Özel und Ekrem Imamoğlu vorgeworfen, ihn hinterhältig erdolcht zu haben.
Offensichtlich stolpern Özgür Özel und Ekrem İmamoğlu nun selbst über die einstigen selbst gestellten Fallen, und über ihre hehren Ziele: der Kandidatur zur Präsidentschaftswahl, die erst in drei Jahren ansteht. Nicht nur das: sie stehen auch politisch auf einem seidenen Faden.
Während Imamoğlu noch immer auf seine Popularität zurückgreifen kann, die mit Social-Media-Bots mehr schlecht als recht aufrechterhalten wird, muss Özgür Özel nun alle Register ziehen, um den entstandenen Imageschaden abzuwenden.
Doch reicht der Wink mit dem Zaunpfahl? Experten sind sich einig, dass der Schaden für die Partei selbst immens sein wird, vor allem dann, wenn die Anklageschriften stehen und danach nach Jahren und juristischem Tauziehen die Anschuldigungen in Verurteilungen enden und rechtswirksam werden.
Dabei würde z.B. allein schon ein Blick auf die Begründung des Haftrichters vom 23. März 2025 reichen, um zu verstehen, wie ernst es um Ekrem İmamoğlu steht. In der Begründung zur Untersuchungshaft wurde vom Gericht detailliert vorgetragen, weshalb man der Generalstaatsanwaltschaft zustimme, Imamoğlu in Untersuchungshaft zu nehmen.
Zwar bekommt man in der Begründung des Haftrichters nicht mit, welche konkreten Vorwürfe von der Generalstaatsanwaltschaft mit Beweisführung vorgetragen wurden, aber die Begründung an sich liefert schon allein für sich den starken begründeten Verdacht, dass die erhobenen Anschuldigungen nicht von der Hand zu weisen sind, sondern in der Beweisführung Hand und Fuß haben.
Die Generalstaatsanwaltschaft hat offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht, und das war auch dringlich geboten, angesichts der Person und dem Status an sich. Da wäre aber vor allem auch die Frage zu stellen, weshalb die CHP-Führung es bislang eklatant versäumt hat, die vor den Generalstaatsanwaltschaften gesprächigen, kooperativen einstigen politischen Weggefährten, kommunalen Bediensteten oder Unternehmer wegen Verleumdung anzuklagen.
Sind sie doch allesamt jene, die in diese Korruptionsaffäre laut eigenen Aussagen selbst verwickelt sind, diese Vorwürfe selbst bestätigen. Bis jetzt – nach Wochen und Monaten – hat weder Ekrem İmamoğlu noch Özgür Özel oder die Partei an sich, eine einzige Verleumdungsklage gegen einen dieser unzähligen „Lügner“ eingereicht, wie die Heerschar von Social-Media-Bots uns glaubhaft machen will.
Zudem, Özgür Özel und Ekrem Imamoğlu stehen doch allein wegen CHP-Mitgliedern selbst im Fadenkreuz der Justiz, die seit der 38. Generalversammlung unzählige Strafanzeigen gestellt oder in Funk und Medien die Parteiführung angegriffen haben. Offensichtlich hatte sich das Projekt „Ekrem İmamoğlu run for President“ für viele nicht rentiert oder zahlten sogar drauf, die in den Moloch des OB von Istanbul gerieten.
Imamoğlu hatte laut dem Unternehmer Eyüp Subaşı die Korruption für sich, die politische Karriere und zuletzt für die Präsidentschaftskandidatur entdeckt. Er konnte offensichtlich nicht mehr genug bekommen, erklären weitere Unternehmer, die in dieses Moloch gerieten und die Vorwürfe von Subaşı ebenfalls teilen.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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DÜSSELDORF – Die 16art8 Gallery lädt vom 19. bis 28. April 2025 zu einer hochkarätig kuratierten internationalen Gruppenausstellung unter dem Titel „Fragmented Wholeness“ ein. Die Schau erforscht das Fragmentarische nicht als Mangel, sondern als schöpferisches Prinzip und stellt die These auf: „Ganzheit hat nie existiert – Fragmentierung ist der Normalzustand.“
Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage: „Wenn Vollständigkeit unerreichbar bleibt – können wir dennoch eine Struktur im Fragment entdecken?“ Die gezeigten Werke reflektieren diesen Gedanken durch vielfältige künstlerische Ansätze, die sich mit Erinnerung, Identität, Raum, Zeit und Geschichtsschreibung auseinandersetzen – Themen, die sich ständig im Wandel befinden.
Die Ausstellung präsentiert Arbeiten folgender internationaler Künstler: innen:Chunhan Chen, Jialin Wu, Jing Wang, Jing Zhou, Lexiong Ying, Lin (Ruki) Li, Riccardo Matlakas, Mo Cheng, Peiyao (Heather) Tang, Shuqi Zhang, Xiaosu Jing, Yiyang Shi, Yongkang Yu, Yuchu Zhao, Yixuan Yang, Zhaoqi Wang und Ziya Lin.
Ihre Werke – in unterschiedlichen Medien und künstlerischen Sprachen – oszillieren zwischen Dekonstruktion und Rekontextualisierung, zwischen Erinnerungsspuren und imaginären Zukünften.
Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem Fragmente nicht als Bruchstücke, sondern als Ausgangspunkte neuer Bedeutungszusammenhänge erlebt werden können. Besucher:innen sind eingeladen, sich durch dieses fein gewobene Netz aus visuellen Lücken und konzeptuellen Andeutungen zu bewegen und darin eine neue Form von Ganzheit zu imaginieren.
Kuratiert wird die Ausstellung unter anderem von zwei international anerkannten Fachpersönlichkeiten:Yuan Zhuang, preisgekrönte Bildhauerin und Wissenschaftlerin, bekannt für ihre monumentale Skulptur zur China Open 2024, die dauerhaft im Olympiapark in Peking zu sehen ist; sowieJiaxing (Sean) Guo, multidisziplinärer Künstler und Designer aus Los Angeles, Mitbegründer von Mackerel Design, dessen Arbeit sich an den Schnittstellen von Technologie, Mode und Kunst positioniert.
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Los Angeles – In einer dramatischen Eskalation seines Zerwürfnisses mit Präsident Donald Trump hat der Milliardär und Unternehmer Elon Musk vorgeschlagen, eine neue politische Partei mit dem vorläufigen Namen „America Party“ zu gründen, die die „80 % in der Mitte“ der amerikanischen Wählerschaft vertreten soll.
Die Ankündigung, die über Musks Social-Media-Plattform X gemacht wurde, folgt auf einen öffentlichkeitswirksamen Streit mit Trump, den Musk zuvor bei den Präsidentschaftswahlen 2024 mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt hatte.
Musk, der Berichten zufolge mehr als 250 Millionen Dollar ausgegeben hat, um die Wahl von Trump und anderen republikanischen Kandidaten im letzten Jahr zu unterstützen, ist öffentlich mit dem Präsidenten wegen des „One Big Beautiful Bill Act“ aneinandergeraten, einem umfangreichen innenpolitischen Gesetzentwurf, der von Trump unterstützt wird.
„Ekelhafte Abscheulichkeit“
Musk bezeichnete es als „ekelhafte Abscheulichkeit“ und „mit Schweinefleisch gefüllt“ und kritisierte, dass die Gesetzgebung das Bundesdefizit erhöhe und seine Bemühungen um eine Rationalisierung der Staatsausgaben durch das Department of Government Efficiency (DOGE), das er bis zu seinem Rücktritt letzte Woche mit leitete, unterminiere.
Die Fehde artete am Donnerstag in persönliche Angriffe aus, als Trump drohte, Milliarden an staatlichen Subventionen und Verträgen für Musks Unternehmen, darunter Tesla und SpaceX, zu streichen. Daraufhin behauptete Musk auf X:
„Ohne mich hätte Trump die Wahl verloren“, und beschuldigte den Präsidenten der Undankbarkeit für seine umfangreiche Wahlkampfunterstützung. Musk heizte die Spannungen weiter an, indem er ohne Beweise behauptete, Trumps Regierung halte Dokumente über Jeffrey Epstein wegen der Beteiligung des Präsidenten zurück.
Über 80 % der Befragten befürworten Idee
Am Donnerstag veröffentlichte Musk eine Umfrage auf X, in der er seine 220 Millionen Anhänger fragte: „Ist es an der Zeit, eine neue politische Partei in Amerika zu gründen, die tatsächlich die 80 % in der Mitte vertritt?“
Über 80 % der Befragten befürworteten die Idee, woraufhin Musk den Vorschlag eines Followers unterstützte, die Partei „America Party“ zu nennen. Er schrieb: „Das Volk hat gesprochen. Amerika braucht eine neue politische Partei, die die 80% in der Mitte vertritt! Und genau 80 % der Menschen stimmen zu Das ist Schicksal“.
Der Name der geplanten Partei erinnert an Musks America PAC, das 2024 239 Millionen Dollar in republikanische Kampagnen gesteckt hat.
America PAC wurde von Elon Musk und einer Reihe prominenter Tech-Geschäftsleute zur Unterstützung von Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024 gegründet wurde und später zur Unterstützung anderer konservativer Kandidaten und Anliegen genutzt wurde.
Die Gründung einer neuen politischen Partei ist jedoch mit erheblichen Hürden verbunden, da die Parteien der Demokraten und Republikaner den Zugang zu den Wahlurnen in allen 50 Bundesstaaten dominieren, so dass jede neue Partei die komplexen Vorschriften der einzelnen Bundesstaaten beachten muss, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Is it time to create a new political party in America that actually represents the 80% in the middle?
Trump äußerte am Donnerstag im Oval Office seine Enttäuschung über Musk und behauptete, der Milliardär habe sich dem Gesetz nur widersetzt, nachdem er die Subventionen für Elektrofahrzeuge verloren hatte.
„Ich habe ihn gebeten zu gehen“, postete Trump auf Truth Social, eine Behauptung, die Musk als „eine so offensichtliche Lüge“ bezeichnete. Der Präsident kündigte auch Pläne an, den Tesla zu verkaufen, den er Anfang des Jahres gekauft hatte und der auf dem Rasen des Weißen Hauses als Symbol der einst engen Allianz ausgestellt war.
Spaltung erschüttert Republikaner
Die Spaltung hat die Republikanische Partei erschüttert, wobei Musks Äußerungen die Unterstützung von Finanzkonservativen wie den Senatoren Rand Paul und Thomas Massie erhielten, die ebenfalls gegen die Auswirkungen des Gesetzes auf das Defizit sind.
Politische Analysten warnen, dass Musks Finanzkraft und sein massiver Online-Einfluss die Vorwahlen der GOP stören könnten, wenn er seine Drohung wahr macht, Kampagnen gegen Republikaner zu finanzieren, die das Gesetz unterstützen.
Musks Wechsel zu einer potenziellen neuen Partei markiert eine deutliche Abkehr von seiner Rolle als wichtiger Verbündeter Trumps. Nachdem er Trump nach einem Attentatsversuch im Juli 2024 unterstützt hatte, wurde Musk ein fester Bestandteil von Mar-a-Lago, schlief sogar im Lincoln-Schlafzimmer und nahm an Kabinettssitzungen teil.
Seine Amtszeit bei der DOGE war jedoch umstritten, da Kritiker seine Sparmaßnahmen als planlos und schädlich für die Bundesbehörden bezeichneten. Trotz der behaupteten Einsparungen in Höhe von 175 Milliarden Dollar hat Musk sein Ziel von 2 Billionen Dollar nicht erreicht, und seine Maßnahmen lösten Proteste und einen Rückgang des Aktienkurses von Tesla aus.
Während die Fehde weitergeht, stellen sich Fragen über die Zukunft von Musks politischem Einfluss und ob die „America Party“ zustande kommen wird.
Vorerst bedeutet der Bruch des Milliardärs mit Trump ein neues Kapitel in seinem umstrittenen Streifzug durch die amerikanische Politik, mit möglichen Folgen sowohl für sein Geschäftsimperium als auch für die Zukunft der GOP.
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Papier ist heute selbstverständlich. Doch seine Geschichte ist spektakulär: Es reiste Tausende Kilometer, durchquerte Reiche, Religionen und Sprachen – bis es Europa erreichte.
Die Erfindung des Papiers geht auf den chinesischen Beamten Cai Lun (um 105 n. Chr.) zurück. Bereits in der späten Han-Dynastie entwickelte sich Papier zum Medium für Verwaltung und Bildung. Erst in den folgenden Jahrhunderten, besonders zur Zeit der Tang-Dynastie, verbreitete sich seine Nutzung in weiten Teilen Ostasiens – blieb aber lange ein chinesisches Monopol. Erst mit dem Aufstieg der Göktürken begann die Bewegung westwärts.
Die Göktürken verfügten über eine eigene Hochkultur mit einer Runenschrift, dokumentiert in den berühmten Orchon- und Jenissei-Inschriften. Diese wurde ursprünglich in Stein gemeißelt, aber das Schreiben war nicht auf Monumente beschränkt. Es wurde auch auf Holz, Metall und Knochen geschrieben – ein Beweis für die Flexibilität und Alltagstauglichkeit der türkischen Schriftkultur.
Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis ist das Irk Bitig (Buch der Weissagungen) aus dem 9. Jahrhundert. Es ist das älteste vollständig erhaltene türkische Schriftwerk auf Papier, verfasst in alttürkischer Runenschrift. Es verbindet die Nomadenkultur der Steppe mit chinesischer Papiertechnologie und zeigt: Türkische Völker nutzten Papier lange vor Europa.
Die Uiguren – Pioniere der Papierkultur
Nach den Göktürken übernahmen die Uiguren die kulturelle Führung in Zentralasien. Im 8. Jahrhundert gründeten sie ein Reich mit eigenen Schriftformen und übernahmen die chinesische Papierherstellung. In Kocho, Turfan und entlang der Seidenstraße florierten Schreibzentren.
Die Uiguren nutzten Papier für religiöse, literarische und astrologische Texte – sowohl in Runenschrift als auch in einer eigenen kursiven Schrift. Besonders bedeutend sind die uigurisch-manichäischen Papierschriften, die in Zentralasien entdeckt und durch Forscher wie Albert von Le Coq nach Deutschland gebracht wurden.
Heute befinden sich viele dieser Texte in deutschen Archiven, insbesondere in der Staatsbibliothek zu Berlin und im Museum für Asiatische Kunst. Sie zeigen: Eine eigenständige türkische Buchkultur existierte, bevor Europa überhaupt Papier kannte.
Samarkand: Das Scharnier der Weltgeschichte
Ein Wendepunkt war die Schlacht am Talas (751 n. Chr.). Chinesische Truppen unterlagen einer islamischen Allianz mit türkischen Kräften. Chinesische Papiermacher gerieten in Gefangenschaft und wurden nach Samarkand gebracht. Dort entstand eine der ersten Papiermühlen außerhalb Chinas.
Samarkand, ein türkisch geprägter Knotenpunkt der Seidenstraße, wurde zum Zentrum für die Weiterverbreitung des Papiers. Die dortigen Eliten – viele von ihnen türkischer Herkunft – trugen das Wissen weiter nach Buchara, Nishapur, Bagdad und darüber hinaus.
Die Ausbreitung des Papiers von China in die Welt; die angegebenen Jahreszahlen markieren jeweils die früheste bekannte Papierherstellung oder -verwendung in der jeweiligen Region (aus: Şinasi Tekin, Eski Türklerde yazı, kâğıt, kitap ve kâğıt damgaları, hrsg. von R. Tûba Çavdar, Istanbul: Eren Yayıncılık, 1993).
Der Islam als Verstärker der Schriftkultur
Der Islam verlieh der Papierverbreitung einen geistigen Antrieb. Im Koran beginnt die erste Offenbarung mit dem Wort „Iqra“ (Lies!). Das Streben nach Wissen wurde zur Pflicht für Männer wie Frauen. Hadithe fordern: „Sucht Wissen, selbst wenn es bis nach China führt.“
Papier war das ideale Medium für diese Offenheit: Es war leichter, günstiger und zugänglicher als Pergament. In den islamisch geprägten Reichen entstanden Papiermühlen, Bibliotheken, Medresen und wissenschaftliche Akademien. Türkische Dynastien wie die Samaniden, Ghaznawiden und Seldschuken förderten die Papierkultur aktiv.
Der Weg nach Europa
Über das westliche Mittelmeer gelangte das Papier schließlich nach Al-Andalus (Spanien) und Sizilien – Regionen, die Teil des islamischen Kulturraums waren. In Toledo, Palermo und später Fabriano wurde die Papierherstellung etabliert.
Was dort ankam, war kein chinesisches Original, sondern eine weiterentwickelte Technologie – übermittelt durch die türkisch-islamische Wissenswelt. Auch das Osmanische Reich trug zur Verbreitung von Papier in Südeuropa, dem Balkan und Nordafrika bei.
Die Gelehrten Şemseddin Ahmet Karabaği, Lokman, der Schreiber Ilyas Katib und die Maler Nakkaş Osman und Ali beraten über die Erstellung des „Şāh-nāme-i Selim han“. Illustriert von Nakkaş Osman, TSMK A. 3595, fo. 9r, 16. Jahrhundert.
Eine Brücke, die Europa prägte
Die Geschichte des Papiers ist keine geradlinige Ost-West-Erzählung, sondern ein Netz kultureller Vermittlungen. Die türkischen Völker waren keine Empfänger, sondern aktive Gestalter der Schriftkultur – experimentierfreudig, beweglich, weltoffen.
Und der Islam bot die geistige Infrastruktur: Eine Religion, die Lesen, Schreiben und Forschen zur Pflicht machte, schuf den idealen Nährboden für die Papierrevolution. Ohne diese Brücke – vom Altai bis zum Mittelmeer – wäre Europa vielleicht stumm geblieben.
Papier kam aus China – aber seine Stimme kam durch die Steppe.
Zum Autor
Çağıl Çayır studierte Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln und ist als freier Forscher tätig. Çayır ist Autor von „Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der alttürkischen und ‚germanischen‘ Schrift‘“ und ist Gründer der Kultur-Akademie Çayır auf YouTube. Seine Arbeiten wurden international in verschiedenen Fach- und Massenmedien veröffentlicht.
Im Jahr 2020 entdeckte ein Sondengänger in Vindelev, einem Dorf in Mitteljütland in Dänemark, einen spektakulären Goldschatz aus der Mitte des 5. Jahrhunderts
Ein Gastkommentar von Özgür Çelik
Von allen möglichen politischen Überraschungen in Europa hatte wohl kaum jemand mit diesem Mann gerechnet: Karol Nawrocki, Historiker, Museumsdirektor, ehemaliger Personenschützer – und nun: Präsident der Republik Polen.
Mit nur hauchdünnen 50,89 Prozent hat er sich gegen den liberalen Herausforderer Rafał Trzaskowski durchgesetzt. Doch das Ergebnis ist mehr als eine statistische Randnotiz: Es steht für einen tektonischen Riss, der durch das politische und gesellschaftliche Fundament Polens verläuft – und mit Nachbeben für ganz Europa zu rechnen ist.
Der Unbekannte mit harter Linie
Nawrockis Aufstieg ist bemerkenswert. Er kommt aus dem kulturellen Maschinenraum der nationalkonservativen PiS, gilt als ideologisch geschliffen, aber politisch unerprobt.
Als Historiker hat er sich mit Nationalstolz, organisiertem Verbrechen und Sport beschäftigt – und im Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig schon einmal demonstriert, wie man Geschichtspolitik als nationales Selbstbehauptungsprojekt inszeniert.
Ein Mann wie Nawrocki kandidiert nicht, um Europa zu reformieren – sondern um Polen in Europa zu behaupten. Er will die liberale Integration stoppen und ein konservatives Gegengewicht aufbauen. Nicht Brüssel, nicht Berlin, sondern Warschau und Washington – das ist seine strategische Achse. Donald Trump wird in Nawrocki einen entschiedenen Verbündeten finden.
Der Preis des Sieges
Dieser Wahlsieg ist kein politisches Mandat, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Spaltung. Alt gegen jung, Land gegen Stadt, nationale Identität gegen europäische Öffnung. In Polen leben heute zwei Realitäten nebeneinander – und sie erkennen einander kaum noch als legitim an.
Während die Regierung unter Donald Tusk bereits als „lahme Ente“ verspottet wird, weil ihr ein feindlicher Präsident das Leben schwer machen dürfte, jubelt das Lager der Nationalkonservativen. Nawrocki wird nun das Recht haben, Gesetze zu blockieren, die Streitkräfte zu führen – und, wichtiger noch, den Kurs Polens in der EU entscheidend mitzuprägen.
Europas geopolitischer Dilemma
Für Europa ist das ein Alarmsignal. Gerade jetzt, in Zeiten von Krieg, Unsicherheit und globalem Umbruch, bräuchte die EU ein starkes, geeintes Polen. Stattdessen kehrt das Misstrauen zurück. Die Hoffnung, dass Polen gemeinsam mit Frankreich und Deutschland das „Weimarer Dreieck“ zu neuer Handlungsfähigkeit führen könnte, scheint verflogen.
Die EU-Ratspräsidentschaft Polens im ersten Halbjahr 2025 hätte ein Momentum sein können. Nun droht sie zu einer Bühne des Konflikts zu werden. Denn Nawrocki will nicht mehr Europa – er will ein anderes Europa.
Der neue Ton
Der Wahlsieg Karol Nawrockis ist nicht nur eine innenpolitische Wende. Er ist ein kultureller Wendepunkt. Die Zeiten des leisen Aushandelns, des europäischen Kompromisses könnten vorbei sein. An ihre Stelle tritt eine lautere, härtere Sprache. Eine Politik, die nicht integrieren, sondern dominieren will.
Europa täte gut daran, diesen Moment ernst zu nehmen. Nawrocki ist kein politischer Zufall. Er ist Ausdruck eines Europas, das sich auseinanderlebt – und eines Polens, das nicht mehr nur Teil der Gemeinschaft sein will, sondern ihr Kritiker, vielleicht sogar ihr Gegenspieler.
Die Frage, die bleibt, lautet nicht: Wer ist Karol Nawrocki?
Sondern: Was wird Europa sein, wenn er seine Vision umsetzt?
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor
Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland
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