Gesundheitspolitik
Bayerische Landesärztekammer für Tabak-Werbeverbot

„Der Streit um ein Werbeverbot für Tabak ist ein besonders beschämendes Politikbeispiel“, meldet sich Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), in der aktuellen Debatte um ein Tabakwerbeverbot in Deutschland zu Wort. Quitterer unterstreicht damit die Forderung der Ärzteschaft – auch von Deutschen und Bayerischen Ärztetagen wiederholt ausgesprochen – nach einem vollständigen Verbot der Tabakwerbung. Dies müsse auch elektronische Zigaretten mit einschließen. Umfragen nach sprechen sich 69 Prozent der Befragten für ein vollständiges Verbot der Tabakwerbung aus. „Die Bundesregierung sollte diesem Wunsch der Bevölkerung endlich nachkommen. In Anbetracht von 120.000 Tabak-Toten jährlich ist ein solches Verbot längst überfällig“, betont Quitterer. Kein anderes EU-Land reguliere Tabakwerbung bislang so lax wie die Bundesrepublik. Nur in Deutschland dürfen Zigarettenkonzerne ihre gesundheitsgefährdenden Produkte noch auf Plakaten und Litfaßsäulen anpreisen. Ärztliche Prävention werde damit konterkariert.

Türkei
Nach Treffen mit Erdogan: VW entscheidet sich für Türkei

Der Volkswagenkonzern investiert in die Türkei; vier Regionen kämpfen um den Zuschlag Von Ahmet Cetinkaya, Istanbul Der Volkswagenkonzern wird in der Türkei ein neues Produktionswerk errichten. Der Konzern will dafür zwei Mrd. Euro investieren. Die Provinzen Balikesir, Kocaeli, Sakarya und Izmir kämpfen um die lukrative Investition. Nach einem Treffen zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und VW-Chef Herbert Diess sei die Entscheidung für den Standort Türkei gefallen, berichten türkische Medien. Zwischen den Provinzen Izmir, Sakarya, Kocaeli und Balikesir habe bereits ein Wettrennen um die Investition des weltweit größten Automobilherstellers begonnen. Der Präsident der Handelskammer in Sakarya, Akgün Altug, habe dem Konzern bereits ein Angebot unterbreitet. „Sakarya ist der beste Standort für eine Investition in dieser Größenordnung. Viele namhafte Weltunternehmen produzieren bereits in unserer Region. Wir beschäftigen uns schon seit Längerem mit diesem Thema und haben der Volkswagengruppe ein konkretes Angebot unterbreitet. In Karasu haben wir ein entsprechend großes Areal, welches als Standort für solch ein Projekt ideal wäre. Seit 1994 produziert Toyota ebenfalls in Sakarya. Wir besitzen nicht nur das technische Know how, sondern verfügen auch über das nötige Fachpersonal. Darüber hinaus hat Karasu einen eigenen Hafen. Um es kurz zu machen, auch wir sind noch im Rennen“ so Altug im Gespräch mit türkischen Medien. Ein Unternehmen aus Kocaeli produziert bereits Kurbelwellen für Volkswagen „Wie Sie wissen ist Kocaeli das Herz der türkischen Automobilindustrie. Der Autohersteller Hyundai produziert hier. Kocaeli besitzt sowohl die Logistik, als auch die nötige Know-how für solch ein Projekt. Volkswagen wünscht ein Grundstück, das ihm die öffentliche Hand zur Verfügung stellt. Leider haben wir in unserer Region kein Areal in dieser Größenordnung, das dem Staat gehört. Darüber hinaus sind unsere Fördermöglichkeiten begrenzt. Natürlich würden wir uns glücklich schätzen, wenn sich VW trotzdem für uns entscheiden würde. Viele renommierte Weltkonzerne produzieren in Kocaeli. Eine Firma hier fertigt zum Beispiel Kurbelwellen für den VW Konzern an. Zudem sind wir auch eine Hafenstadt“, sagte Zeytinoglu gegenüber türkischen Medien. Torbali in der Provinz Izmir Auch der Präsident der Handelskammer Torbali, eine Stadt nahe der westtürkischen Millionenmetropole Izmir, zeigt sich zuversichtlich:
„Wir haben das benötigte Areal, die nötige Erfahrung, die Infrastruktur, sowie das Personal und die Zulieferindustrie. Wir sind der ideale Partner. Torbali wird Europas Ersatzteilzentrum werden“, so Abdulvahap Olgun. Das in Torbali gelegene Opel Gelände sei seit 18 Jahren unbenutzt. Nachdem Opel von der PSA Gruppe übernommen wurde, sei Bewegung in die Sache gekommen.
„Das Areal wird zum Ersatzteilzentrum für Europa aufgebaut. Diese Information werden wir den Verantwortlichen von VW übermitteln. Das Gebiet in Torbali wurde 18 Jahre nicht genutzt. Nachdem die PSA Gruppe Opel übernommenen hatte, haben wir den Kontakt zu PSA gesucht und Möglichkeiten für das Areal aufgezeigt. Unsere Vorschläge haben bei PSA Anklang gefunden. Das hat uns sehr erfreut, so Olgun weiter. Saudi Arabien weiterer möglicher Standort In deutschen Medien wird bisher allerdings noch nicht von einer endgültigen Entscheidung des Konzerns berichtet. Auch VW selbst hat sich hierzu noch nicht geäußert. Man sei weiterhin in einem ergebnisoffenen Auswahlprozess, schreibt die VW-Pressestelle Nach einem Bericht der tagesschau buhlt nun auch das Königreich Saudi Arabien um den deutschen Autobauer. Saudi-Arabien bemühe sich seit 25 Jahren um ein Automobilwerk, und das Land könne jedes Angebot toppen, berichtet die tagesschau unter Berufung auf Lobbyisten-Kreise weiter. Das Königshaus habe angeboten jedes gebaute Auto mit mindestens 1000 US-Dollar über mehr als 10 Jahre zu fördern.

Der Staat würde dem Werk pro Jahr in fünfstelliger Höhe PKW abnehmen. Die Umsatzsteuer liege bei fünf Prozent. Land, Gebäude und die entsprechende Infrastruktur würden zur Verfügung gestellt werden. Aus- und Weiterbildung wolle man finanzieren, berichtet die tagesschau weiter. Allerdings ist die Qatar Holding mit fast 15 Prozent am Volkswagenwerk beteiligt, sodass man mit hoher Sicherheit davon ausgehen kann, dass diese sich gegen eine Investition in Saudi-Arabien aussprechen werden.

Auch interessant

– Velaro-Bestellung – Türkei: Siemens zieht 420-Millionen-Dollar-Deal an Land

Neuer Großauftrag für das deutsche Traditionsunternehmen Siemens: Die türkische Staatsbahn hat für 340 Millionen Euro (etwa 420 Millionen US-Dollar) zehn Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro bestellt.

Türkei: Siemens zieht 420-Millionen-Dollar-Deal an Land
 

"Sea Watch"
Kommentar: „Gesetze sind nichts wert, wenn Menschen sterben“

Mein Vater wurde vor über fünfzig Jahren angeworben, um in Deutschland zu arbeiten. Als Ende der 70er die Türkei kurz vor einem Bürgerkrieg stand, hat er uns nachgeholt. Sich etwas Besseres für sich und seine Familie wünschen. Das Normalste der Welt. Aus dem Grund arbeiten sogar zehntausende deutsche Ärzte und Pflegekräfte in der Schweiz, obwohl sie hier mit ihrem Beruf bestimmt nicht hungern müssten. Wie soll es dann einem gehen, der in seinem Land nur Hunger und Krieg kennt? Der keine Perspektive hat und nur ein kleines Stückchen vom Glück sucht? Niemand nimmt die Strapazen, die Gefahren und den Tod in Kauf, wenn er nicht verzweifelt ist. Dass man nicht allen helfen kann, ist klar. Dass nicht Millionen Menschen kommen können und das, was man sich in Jahrzehnten aufgebaut hat, gefährden und vielleicht sogar belasten, kann ich auch verstehen. Aber Menschen ertrinken lassen? Und die Retter, die sie vor dem Ertrinken bewahren, einsperren? Gesetze sind nichts wert, wenn Menschen sterben. Eine Wertegemeinschaft wie die EU ist nichts wert, wenn sie allein nur zuschaut, wie sie ertrinken. Abkommen, sie in ein Land zurückzubringen, von dem wir dachten, wenn wir nur genug Bomben drauf werfen, sind sie frei und demokratisch, wo sie gefoltert und ermordet werden? Wertlos. Eine einfache Lösung ist nicht in Sicht. Am Ende geht es nur darum, wie menschlich wir bleiben. Sahin Karanlik

Zum Thema

– USA – Trumps Flüchtlingspolitik fordert immer mehr Opfer

Das ergreifende Bild eines toten Vaters und seiner kleinen Tochter aus El Salvador erschüttert die Welt. Beide Körper, die mit dem Gesicht nach unten leblos am Ufer des Rio Grande an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko lagen, erinnerten in grausamer Weise an vergangene Versäumnisse der Politiker bei der weltweiten Problematik zum Thema Migration.

Trumps Flüchtlingspolitik fordert immer mehr Opfer

Made in Turkey
Türkischer Mehrzweckhubschrauber „Gökbey“ absolviert erfolgreich Testflug

Ankara (nex) – Der in der Türkei entwickelte Mehrzweckhubschrauber „Gökbey“ absolvierte am Samstag erfolgreich seinen 45-minütigen Testflug. Beim gestrigen Test handelte es sich um den zweiten Prototyp der T625. Bereits im September vergangenen Jahres gab es einen kürzeren Testflug mit dem ersten Prototyp des türkischen Hubschraubers. Der T625 ist ein zweimotoriger 6-Tonnen-Hubschrauber der neuen Generation, der nach Angaben der Turkish Aircraft Industries Corporation (TAI) als Reaktion auf eine wachsende Marktnachfrage entwickelt wurde.

Der Mehrzweckhubschrauber hat eine Spannweite von 15, 87 Meter, 2 Motoren und 5 Blätter am Hauptrotor. Der Durchmesser des Hauptrotors beträgt 13,2 Meter.

Die Treibstoffkapazität beträgt 1020 Kilogramm und das Fahrwerk ist einziehbar. Das Cockpit des sechs Tonnen schweren Mehrzweckhubschraubers sei mit modernster Avionik ausgestattet.

Der T625 wurde hauptsächlich für den militärischen Einsatz gebaut, kann aber auch als Luftambulanz, bei Offshore-Einsätzen, Such- und Rettungsaktionen verwendet werden.

Türkische Verteidigungsindustrie „Wir haben die Türkei im Verteidigungssektor erfolgreich zu einem Wachstum angeregt“, sagte Erdogan auf dem Gipfel der türkischen Verteidigungsindustrie in der Hauptstadt Ankara im Dezember vergangenen Jahres. Erdogan betonte, dass jetzt auch einheimische Kampfpanzer, die mit neuen Technologien entwickelt wurden, den türkischen Streitkräften zur Verfügung stehen würden. („Altay“: Erster türkischer Kampfpanzer geht in Serienproduktion)

Mit der Unterstützung der Regierung hat die türkische Verteidigungsindustrie eine Produktionskapazität von 5 Milliarden US-Dollar sowie eine Exportkapazität von 1,65 Milliarden US-Dollar erreicht (Stand 2017). Der Sektor wächst bereits seit Jahren mit den einheimischen, für die Streitkräfte entwickelten, Projekten.

„Die einheimischen Kasirga-, Bora- und Som-Raketen befinden sich nun in der Massenproduktion und unsere Arbeiten an neuen Modellen werden fortgesetzt“, fügte Erdogan hinzu. Auch einheimische Langstreckenraketen seien geplant und deren Testläufe bereits abgeschlossen, so der türkische Staatschef.

Iran-Krise
Kommentar: US-Bevölkerung soll auf Krieg eingestimmt werden

0
Ein Kommentar von Ernst Wolff Donald Trump verdankt sein Amt als Präsident vor allem seinen Wahlversprechen, die USA aus dem Nahen Osten zurückzuziehen, sie aus weiteren Kriegen herauszuhalten und den Sumpf in Washington trockenzulegen. Seit seiner Amtsübernahme vor zweieinhalb Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass er die US-Öffentlichkeit bewusst getäuscht hat und in Wirklichkeit vollkommen andere Ziele verfolgt: Statt den Sumpf trockenzulegen, hat er sein Kabinett mit Wallstreet-Bankern, korrupten Unternehmern, hohen Militärs und notorischen Kriegsbefürwortern gespickt. Gleich nach seiner Wahl hat er als Oberbefehlshaber der US-Armee die größte Bombe seit dem 2. Weltkrieg auf Afghanistan abwerfen lassen. Inzwischen hat er den Rüstungsetat auf 700 Mrd. Dollar erhöht und seine Streitkräfte angewiesen, die Militarisierung des Weltraumes voranzutreiben. Statt die Beziehungen zu China zu verbessern, belegt er das Land mit immer neuen Zöllen und lässt seine Führung regelmäßig durch die US-Flotte im Südchinesischen Meer provozieren. Im Nahen Osten hat er nicht deeskaliert, sondern das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt und 1.500 weitere Soldaten in die Region entsandt. Vor einigen Wochen hat Trump angekündigt, 2.000 Soldaten als „Schutz vor Russland“ nach Polen zu entsenden – eine weitere dreiste Provokation gegenüber dem Land, mit dem er nach dem Wahlkampf „gut auskommen“ wollte. Innenpolitisch ignoriert Trump unterdessen den fortschreitenden gesellschaftlichen Verfall, fördert die Explosion der Einkommens-Ungleichheit und deckt sowohl die korrupten Machenschaften der Wallstreet als auch die der eigenen Familie. Um von diesen Verfehlungen abzulenken, wird er nicht müde, Flüchtlinge und Migranten für die Misere im Land verantwortlich zu machen und ständig selbstherrliche Erfolgsmeldungen über Twitter zu verbreiten. Trotzdem wenden sich immer mehr US-Wähler von ihm ab, und das aus einem einfachen Grund: Ein Großteil seiner Anhänger ist bitter enttäuscht. Seine ländliche Basis zum Beispiel leidet unter den einbrechenden Exporten nach China und die städtischen Industriearbeiter, die auf ihn gesetzt hatten, warten nach wie vor vergebens auf die im Wahlkampf versprochenen Jobs. Gleichzeitig müssen sie zusehen, wie Börsenprofis an der Wall Street Milliarden-Profite einstreichen. In den vor uns liegenden Monaten wird es noch schlimmer kommen: Die sich ankündigende Rezession wird die Einkommen der unteren Schichten weiter sinken lassen, die Arbeitslosigkeit anfachen und noch mehr US-Bürger in Armut und Obdachlosigkeit stürzen. Das wiederum wird Trumps Basis weiter dahinschmelzen lassen. Genau diese Entwicklung macht den US-Präsidenten politisch so gefährlich und die jüngsten Vorfälle in der Straße von Hormus zu einem unkalkulierbaren Risiko für die ganze Welt. Donald Trump braucht nämlich einerseits einen Sündenbock, dem er die weitere Verschlechterung der Lage im Land in die Schuhe schieben kann und muss andererseits einen außenpolitischen Erfolg erzielen, um bei den kommenden Wahlen sein Amt zu behaupten. Für beides gibt es ein Rezept: Einen Krieg im Nahen Osten. Dieser würde nicht nur Trump nützen, sondern auch der Finanzelite angesichts der von ihr gefürchteten Rezession in die Hände spielen: Die Nachfrage nach Rüstungsgütern würde angekurbelt, die Fracking-Industrie erhielte wegen der zu erwartenden Explosion des Ölpreises gewaltigen Rückenwind und die Börsen würden aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest für eine Weile im Höhenflug verharren. Aber sowohl für Trump als auch die Finanzelite gilt es vorher, ein hohes Hindernis zu überwinden – und das ist die Kriegsmüdigkeit der US-Bevölkerung. Für die Strategen im Weißen Haus heißt das: Den Amerikanern muss ein Grund für einen Waffengang geliefert werden. Genau unter diesem Gesichtswinkel sollte man die Ereignisse im Golf von Hormus und vor allem die Reaktion der Trump-Administration darauf sehen: Der Iran muss als Angreifer inszeniert werden, der die vermeintlich freie Welt und damit die USA bedroht und der deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Dass sowohl Trump als auch sein Außenminister Pompeo ohne jeglichen Beweis sofort gegen den Iran gehetzt haben und bei ihren Anschuldigungen von einem großen Teil der US-Mainstream-Medien und dazu von ausländischen Verbündeten wie Großbritannien und Saudi-Arabien unterstützt wurden, deutet in genau diese Richtung: Hier soll ein Volk, dessen Mehrheit den Frieden will, mit allen verfügbaren Mitteln auf einen Krieg eingestimmt werden.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Ernst Wolff
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“. Wolff, geboren 1950, aufgewachsen in Südostasien, Schulzeit in Deutschland, Studium in den USA. Der Journalist und Spiegel-Bestseller-Autor (»Weltmacht IWF«) beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Wechselbeziehung von Politik und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen die internationale Finanzelite die Kontrolle über entscheidende Bereiche unseres Lebens an sich gerissen hat: »Nur wer diese Mechanismen versteht und durchschaut, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.«  

Hamburg
Terrorismus: Hamburger Oberlandesgericht verurteilt Türken zu 5 Jahren Haft

Hamburg (nex) – Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat das Hamburger Oberlandesgericht einen 47-jährigen Türken wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, seit 2002 in Belgien, den Niederlanden und in Deutschland als DHKP-C-Funktionär aktiv gewesen zu sein. Das berichtet die Hamburger Morgenpost (Mopo). Unter Berufung auf eine Mitteilung des Oberlandesgerichts berichtet die Mopo, dass das Ziel der „Revolutionären Volksbefreiungspartei/-front“ die Errichtung eines marxistisch-leninistischen Regimes in der Türkei sei. Die linksterroristische Organisation habe sich zu zahlreichen Morden sowie Brand- und Sprengstoffanschlägen bekannt. Seit 2001 soll die Organisation auch Selbstmordattentate verübt haben. Der Verurteilte selbst habe als aktiver Funktionär Spendenkampagnen, Demonstrationen und Schulungen organisiert, berichtet Mopo weiter. Er war im November 2017 in der belgischen Stadt Lüttich festgenommen und im Dezember nach Deutschland ausgeliefert worden. Im Februar dieses Jahres verurteilte das Hamburger Oberlandesgericht einen weiteren Führungsfunktionär der DHKP-C zu fast sieben Jahren Haft. Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland erhielt Musa Asoglu eine Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Wie „hamburg.de“ berichtete, sei der 57-Jährige von Ende 2009 bis zu seiner Festnahme am 2. Dezember 2016 als Europaverantwortlicher ein Bindeglied zwischen der DHKP-C-Führung und Kadern in verschiedenen Ländern gewesen. Asoglu ist niederländischer Staatsbürger und wurde von den USA und der Türkei als Terrorist gesucht. Neben der Türkei und den USA, haben auch die Europäische Union die DHKP-C als Terrororganisation eingestuft. Die Gruppe übernahm die Verantwortung für verschiedene Terroranschläge in der Türkei, darunter den Anschlag auf die US-Botschaft in Ankara im Jahre 2013. Das türkische Innenministerium hatte auf Hinweise, die zur Verhaftung führen, ein Kopfgeld von 1,2 Millionen Euro ausgesetzt. Die USA setzten drei Millionen Dollar auf seinen Kopf aus. 1994 als Nachfolgeorganisation der THKP-C in Damaskus gegründet Die DHKP-C wurde 1994 als Nachfolgeorganisation der THKP-C (bzw. deren Nachfolgeorganisationen Devrimci Yol und Devrimci Sol) in Damaskus gegründet. Wie im Fall der PKK (bis 1998), wird auch die DHKP-C (bis heute) vom Assad-Regime protegiert. Die Geschichte der DHKP-C ab 1994 ist mit ihrem Gründer und langjährigen Führer Dursun Karataş eng verknüpft. Karataş Leben als Untergrundaktivist liest sich wie ein Agenten-Thriller. Nach dem Militärputsch von 1980 verhaftet, konnte Karataş 1989 unter bis heute ungeklärten Umständen aus dem Gefängnis fliehen. Sein Weg führte ihn bald ins nahe Nachbarland Syrien. Dort hatten sich schon andere Genossen, wie der Führer einer weiteren THKP-C Abspaltung Mihraç Ural oder der „Große Vorsitzende“ der PKK  (Abdullah Öcalan stammte ursprünglich ebenfalls aus dem Umfeld der THKP-C der frühen 70er Jahre) eingefunden.  Als Anfang 1994 die DHKP-C offiziell ins Leben gerufen (bzw. wiederbelebt) wurde, begab sich Karataş umgehend nach Westeuropa. Obwohl schon bei seiner ersten Einreise in Frankreich verhaftet, konnte er sich irgendwie aus der Affäre ziehen und tauchte unter. Zuvor gab es im Jahre 1992 einen innerparteilichen Putsch gegen Karataş. Von seinem Gegner Bedri Yağan für einige Monate festgesetzt, gelang Karataş wieder einmal die Flucht. In einem kurzen aber blutigen innerparteilichen Krieg wurde der Yağan-Flügel praktisch ausgelöscht. Bis zu seinem Tod im Jahre 2008 in Amsterdam soll sich Karataş im Länderdreieck Deutschland-Belgien-Holland aufgehalten haben. Seit 1998 ist die DHKP-C in Deutschland verboten.

Auch wenn die Organisationsstrukturen der DHKP-C als äußerst konspirativ eingestuft werden, bleibt es ein Mysterium, wie Karataş sich fast zwei Jahrzehnte in Westeuropa verstecken konnte. Zwar kann die DHKP-C in Westeuropa auf ein Netzwerk von ideologischen Unterstützern (bspw. linke Parteien in Deutschland) rechnen, dass Karataş aber über einen derart langen Zeitraum unbehelligt von deutschen, belgischen und niederländischen Geheimdiensten agieren konnte, ist äußerst merkwürdig. Ein Hauptverantwortlicher der Untergrundorganisation nach dem Tod von Karataş ist bisher namentlich nicht bekannt.

Berichten türkischer Sicherheitskreise zufolge hat die DHKP-C in der Türkei bis zu 400 aktive Kader und etwa 6000 Sympathisanten. Als politische wie auch ideologische Kraft innerhalb der (legalen) kommunistischen bzw. sozialistischen Parteien in der Türkei, spielt sie nur eine marginale Rolle. In der breiten Öffentlichkeit ist die Untergrundorganisation in etwa so populär wie die linksextremen Autonomen in Deutschland. Das Mobilisierungspotenzial der DHKP-C gegenüber den „Volksmassen“ tendiert also gegen Null.

Filme
Spannender als das wahre Leben: Der Erfolg der TV-Show „Narcos“

Die Geschichte um den Drogenbaron Pablo Escobar ist ein Fernsehhit. Drei Staffeln und ein Reboot, das von den Anfängen des Kartells erzählt, bescherten Streamingdienst Netflix traumhafte Einschaltquoten. Aber was ist das Geheimnis hinter der erfolgreichen Serie? Mit dem Meilenstein House of Cards begann Netflix seinen Siegeszug um die Welt. Schon vor der Eroberung des deutschen Marktes war das Politdrama allen Serienfans ein Begriff und der Name Netflix ein Garant für fantastische Inhalte.  Dieser Erwartungshaltung ausgesetzt schafft es der Streamingdienst immer wieder, mit neuen Erfolgen zu punkten. Auffällig ist, dass viele neue Produktionen auf wahren Begebenheiten basieren. Die Zuschauer scheinen die aufgearbeiteten Momente des Weltgeschehens zu lieben. Zwar veröffentlicht Netflix keine Abrufzahlen, doch sind Serien wie die Königsserie The Crown in der Boulevard- wie auch Fachpresse ein stetiges Gesprächsthema.
Wachsender Markt für Serien
Obwohl die bisher zwei Staffeln über das britische Königshaus von Kritikern hochgelobt werden, rangiert das Drogen-Epos Narcos auf der Beliebtheitsskala der Fans und Netflix-User in den oberen Rängen. Die Story um das Medellin-Kartell und seinen Anführer Pablo Escobar fasziniert Zuschauer über drei Staffeln lang. Obwohl die Serie keine leichte Kost und überwiegend mit Untertiteln versehen ist, nimmt die Story den Zuschauer von der ersten Sekunde an gefangen. Die inhaltliche Dichte und Nähe zu realen Personen machen die Faszination der Show aus. Aufstieg und Fall von Pablo Escobar werden in düsteren Bildern erzählt, die den Staub und die Hitze Südamerikas auf der heimischen Couch spürbar werden lassen. Der Hype der Serie schlug sich kurz nach Serienstart auch in anderen Entertainmentmärkten nieder. Genesis Casino bietet zum Beispiel die Möglichkeit, mit Pablo Escobar und Ermittler Steve Murphy in die schwüle Hitze Mexicos einzutauchen. Im gleichnamigen Slot Game werden auf fünf Walzen verschiedene Buchstaben, bekannte Charaktere aus der Serie und themenspezifische Elemente dargestellt, die in bestimmten Kombinationen positioniert werden müssen. In der richtigen Reihenfolge platziert, erwarten den Spieler einige Überraschungen, die den Spaß der Serie elegant verlängern. Auf diese Weise lässt sich die Spannung der Serie hervorragend transportieren. Nachdem die ursprüngliche Story nach zwei Staffeln beendet wurde, fürchteten Fans ein zeitiges Aus der Serie. Die Macher konzentrierten sich jedoch in der dritten Staffel auf ein weiteres echtes  Kartell und verlagerten die vierte Staffel an den Beginn der Drogen-Ära. Ein handwerklicher Kniff, der mehr Raum zur Entwicklung der Figuren gibt und einen tieferen Einblick in die dunkle Welt des Drogenhandels ermöglicht. Für die Autoren ein schwieriges Unterfangen, wenn eine Serie auf wahren Begebenheiten basiert: Ihr Handlungsverlauf ist von Beginn an begrenzt. Ist die eigentliche Geschichte beendet, stehen die Verantwortlichen vor der Frage, ob die Serie eine neue Perspektive einnimmt oder beendet wird. In Zeiten der Vermarktung eines erfolgreichen Titels eine schwierige Entscheidung.
Handlung im Cross-Selling fortführen
Mit dem Ausweichen auf andere Bereiche erlauben sich die Produzenten einer Serie, die Story weiter leben zu lassen und auf neue Märkte zu erweitern. Die Gaming-Industrie ist sehr eng mit der Filmindustrie vernetzt, um bereits etablierte Figuren und Namen als Spielerlebnis aufzubereiten. So wurde auch für Herbst 2019 die Veröffentlichung des Videogames Narcos: Rise of the Cartels angekündigt. Ein Spiel, das es dem User ermöglicht, die Ereignisse aus den ersten Staffeln selbst nachzuspielen und zu ermitteln.

Türkei
Istanbul OB-Wahl: Kommunalparlament weiterhin in AKP-Hand

0
Ankara (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beglückwünschte am Dienstag in einer Fraktionssitzung der regierenden AKP erneut den neuen Oberbürgermeister Istanbuls von der oppositionellen CHP.
Erdogan betonte, dass er die Entscheidung der Istanbuler Bevölkerung respektiere:
„Die Entscheidung der Istanbuler Bevölkerung bedeutet uns sehr viel“, so Erdogan. Er wünsche, dass die Ergebnisse sich segensreich für die Stadt sowie den Staat auswirken werden.
Die Ausmaße „gravierender Unregelmäßigkeiten“ bei den Kommunalwahlen am 31. März, seien in der Metropolregion Istanbul so groß gewesen, dass eine Neuwahl erforderlich gewesen sei, so Erdogan. Daraufhin habe die hohe Wahlkommission beschlossen die Wahlen in Istanbul zu wiederholen.
Der Posten des Oberbürgermeisters sei zwar an die oppositionelle CHP gegangen, im Kommunalparlament der Metropolregion Istanbul habe jedoch die AKP eine absolute Mehrheit erzielt.
Erdogan erklärte, dass der bisherige Prozess der Neuwahl rechtlich vollkommen in Ordnung sei und erläuterte weiter:
„Natürlich haben wir uns gewünscht, dass unser Koalitionskandidat, Herr Binali Yildirim, gewinnen würde.Für seine Anstrengungen und seine Opferbereitschaft möchte ich mich bei ihm sehr bedanken. Bevor Binali Yildirim dem türkischen Volk als Abgeordneter, Minister, Ministerpräsident sowie bis heute als Parlamentspräsident gedient hat, startete er seinen Werdegang als Verwalter in Istanbul“ sagte Erdogan. 
Dass Binali für die AKP als Kandidat des Bürgermeisteramtes der Metropolregion Istabul nominiert wurde, verdanke er seiner jahrelangen Erfahrung sowie seinem Wissen und die dazugehörigen Fähigkeiten, Projekte anzugehen und erfolgreich umzusetzen, betonte Erdogan. „Die Istanbuler Bevölkerung hat dies leider anders beurteilt“, so der türkische Staatschef.
Weiter fügt er hinzu, dass grundsätzlich wichtiger als jeder Wahlsieg, die Beseitigung der Zweifel am Nationalen Willen sei. Der Wille des Volkes sowie die Realisierung dessen sei das entscheidende maßgebliche Kriterium für seine Regierung, verdeutlichte Präsident Erdogan.
Über einen Monat nach der Kommunalwahl in der Türkei hat die Wahlkommission die Abstimmung in Istanbul aufgehoben und eine Wiederholung angeordnet. Sie gab damit am Montag einem Antrag der Regierungspartei AKP von Präsident Erdogan statt. Die YSK sagte, dass die Entscheidung auf der Tatsache beruhe, dass einige Mitglieder des Wahlausschusses, die bei den Wahlen in der Provinz den Vorsitz über die Wahlurnen führten, keine Beamten waren, wie es das Gesetz vorschreibe.
Ahmet Cetinkaya

USA
Trumps Flüchtlingspolitik fordert immer mehr Opfer

Während sehr arme Länder wie Uganda oder Pakistan Millionen von Flüchtlinge aufnahmen, schließt der mächtigste Staat der Welt seine Grenzen.
Das ergreifende Bild eines toten Vaters und seiner kleinen Tochter aus El Salvador erschüttert die Welt. Beide Körper, die mit dem Gesicht nach unten leblos am Ufer des Rio Grande an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko lagen, erinnerten in grausamer Weise an vergangene Versäumnisse der Politiker bei der weltweiten Problematik zum Thema Migration.
Wie eine Journalistin berichtet, überquerte Oscar Alberto Martinez den Fluss ein zweites Mal, um seine Frau auf der gegenüberliegenden Seite abzuholen. Seine 23 Monate alte Tochter sah ihn wegschwimmen und sprang ihm nach. Obwohl der Vater versucht, das Mädchen zu halten, werden beide von der Strömung ergriffen und sterben in den Fluten, so Julia Le Duc, die Fotografin der mexikanischen Zeitung La Jornada.
Oscar Alberto Martínez mit seiner Tochter Angie Valeria. (Foto: Rosa Ramirez)
Wie die lokale Tageszeitung La Jornada weiter berichtet, hat sich die Familie nach einem zweimonatigen Aufenthalt in einem mexikanischen Auffanglager entschlossen, die gefährliche Überfahrt zu machen.
Rosa Ramirez, die Mutter von Oscar Martinez berichtete gegenüber Reportern, dass ihr Sohn als Koch in einer Pizzeria gearbeitet habe, während seine Frau und sein Kind bei ihr in San Martin, einer Gemeinde im Zentrum El Salvadors, östlich der Hauptstadt des Landes, gelebt haben .
Sie wollten ein eigenes Zuhause haben, so Ramírez. Das sei der Grund für ihre Motivation gewesen. Sie sagte, sie habe versucht, ihren Sohn und seine Familie davon zu überzeugen, den gefährlichen Weg nach Norden nicht zu machen. „Als Mutter willst du nicht, dass deine Kinder so weit weg sind“, sagte sie. „Aber… die Idee, zu gehen, hatten sie sich in den Kopf gesetzt“
Dieses Foto weckt Erinnerungen an den dreijährigen syrischen Jungen Aylan Kurdi, der 2015 auf der Flucht nach Europa tot an einen Strand in der Nähe von Bodrum angespült worden war. Um Gewalt und Armut in ihren Heimatländern zu entgehen, versuchen jedes Jahr viele Migranten aus mittelamerikanischen Ländern in die USA zu fliehen. Dabei nehmen sie die Gefahren der Wüsten oder der Flüsse auf sich.
Die harte Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump, die gegen legale und illegale Einwanderer gerichtet ist, sowie die Vernachlässigung der humanitären Grundbedürfnisse von Asylsuchenden an den Granzkontrollstationen, werden auch weiterhin ihren Tribut an Menschenleben fordern.

Auch interessant

– Flüchtlingslösungen – UNO: Türkei nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf

Die Welt sollte würdigen, dass die Türkei für mehr als drei Millionen Flüchtlinge ein sehr guter Gastgeber sei. Dies hat UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi (UNHCR) am gestrigen Dienstag gesagt.

UNO: Türkei nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf

Geschichte
Völkermord: Herero fordern Entschuldigung von Deutschland

Die namibische Volksgruppe der Herero verlangt vom Bundestag eine Entschuldigung für die von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama. Wie die dpa berichtet, fordert die Herero-Vertreterin Esther Utjiua Muinjangue eine Verurteilung der deutschen Gräueltaten sowie die Bitte um Vergebung von „höchster Stelle“ im Namen Deutschlands. Würde dies nicht geschehen, stelle sich die Frage, ob es Deutschland „wirklich ernst mit der Versöhnung meint“. Sie warnte Deutschland vor „Heuchelei“ und verwies darauf, dass der Bundestag auch keine Scheu gehabt habe, die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord zu bezeichnen. Die Herero und Nama fordern auch eine finanzielle Wiedergutmachung von Deutschland. „Wir finden es sehr interessant, dass sich die Deutschen so aktiv für die Sache der Armenier einsetzen, während sie ihre eigenen Angelegenheiten unter den Tisch kehren“, wird die Vorsitzende des Ovaherero Genocide Committee (OGC), Esther Muinjangue, in der „Welt“ zitiert. „Was ist der Unterschied? Die Herero sind schwarz, die Deutschen glauben, dass sie Schwarze nicht ernst nehmen müssen. Das ist für mich die einzige Schlussfolgerung.“ Deutschland verhalte sich den Herero gegenüber „wie ein Vergewaltiger, der gleichzeitig Richter ist“. Berlin bezeichnet die Verbrechen seit 2006 zwar auch offiziell als Völkermord, Entschädigungszahlungen lehnt die Bundesregierung aber ab. Stattdessen erhöhte man die Entwicklungshilfe an Namibien. Im Jahre 1904 erteilte der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika den Befehl, alle Stammesangehörigen der Herero zu töten. Bis 1908 wurden zwischen 65 000 und 80 000 Herero umgebracht, außerdem bis zu 20 000 Angehörige des Stammes der Nama. Herero-Vertreter legen Berufung ein Vertreter der Herero und Nama haben im Mai vor einem Gericht in New York Berufung gegen ein Urteil einer Richterin eingelegt, welches im März verkündet wurde. Die New Yorker Distriktrichterin Laura Taylor Swain hatte eine Klage zu den unter deutscher Kolonialherrschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts verübten Massakern abgewiesen. Die Justiz in den Vereinigten Staaten sei wegen mangelnder Auswirkungen auf das Land nicht für den Fall zuständig. Swain hatte befunden, dass Deutschland in diesem Fall Immunität vor einer Strafverfolgung genießt und das Gericht weder für den Fall zuständig sei, noch befugt sei, diesen Fall anzuhören. Das Landeskommunaloberhaupt der Herero-Bevölkerung in Namibia, Vekuii Rukoro, hatte bereits kurz darauf in Windhoek angedeutet, dass Deutschland sich in New York verantworten müsse, „ob es will oder nicht“, berichtet die namibische Tageszeitung Allgemeiner Anzeiger. Die USA sei sehr wohl zuständig, so Anwalt Kenneth McCallion, der die Stämme vertritt. Der Fall betreffe auch die USA, unter anderem wegen des Verkaufs von Schädeln getöteter Afrikaner, die vor etwa 100 Jahren an ein Museum in New York geschickt wurden. „Der Völkermord hat eine direkte Verbindung nach New York“, sagte er der dpa. Die deutsche Bundesregierung hatte seit der Einreichung der Klage erklärt, es gebe keine rechtliche Grundlage für das Verfahren. Im Januar 2017 hatten Nachfahren beider Volksgruppen eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht. Die namibische Regierung hat wiederholt „Entwicklungshilfe“ als Basis ihrer Verhandlungen mit Deutschland bekräftigt. Vertreter der Herero und Nama fordern jedoch Reparationenzahlungen wie im Falle Israels. Auch eine Entschuldigung hochrangiger Regierungsvertreter Deutschlands wird immer wieder gefordert. In einer gemeinsamen Resolution fordern Vertreter zudem die direkte Beteiligung der Herero und Nama an allen Verhandlungen mit Deutschland. In einem Interview mit Radio Dreyeckland kritisierte auch Israel Kaunatjike, ein Herero, der in Berlin lebt und sich für das Bündnis “Völkermord verjährt nicht!”, sowie bei Berlin Postkolonial engagiert ist, dass namibische Herero- und Nama-Verbände von den Gesprächen über eine Aufarbeitung des deutschen Völkermordes Anfang des 20. Jahrhundert ausgeschlossen seien. Kaunatjike spricht gegenüber dem Sender von “Geheimverhandlungen, zu denen die Opferverbände nicht eingeladen sind” und erklärt, die Gruppen wollten die Ergebnisse, die ohne ihre Beteiligung verhandelt worden seien, nicht respektieren. Die namibische Regierung verfolge nur finanzielles Interesse an so genannter Entwicklungshilfe und sei nie in der Frage selbst engagiert gewesen, betonte der Aktivist. “Das ist ein ‘Teile und herrsche’, und das stört uns einfach”, erklärt der Herero-Aktivist. Eine Bedeutung für die Gegenwart habe die Frage, wer in wessen Namen verhandelt, durchaus noch, so Kaunatjike. “Vertriebene in Botswana, Südafrika und Angola, deutsche Siedler leben heute noch auf deren Land”, erklärte er weiter. Zu 75 Prozent handle es sich dabei um Farmland. Man strebe diesbezüglich eine Restitution oder eine Entschädigung an. “Unsere Anliegen werden ignoriert”, so Kaunatjike in einem Gespräch mit dem Nachrichtenportal NEX24. “Sie werden uns aber nicht bremsen können.” „Wir wollen keine Entwicklungshilfe, wir wollen Reparationen und Heilung, so wie bei den Juden“, sagte Aktivistin Kambanda Nokokure Veii von der Ovaherero Genozid Stiftung in einer Videobotschaft. „Behandelt man uns anders, weil wir Afrikaner sind?“, fragt Veii. Ein Genozid sei ein Genozid, ganz gleich, ob an Juden oder Afrikanern verübt. „Schadenersatzklage kann weitreichende Folgen haben“ Eine Schadenersatzklage kann nach Ansicht des Hamburger Historikers Jürgen Zimmerer weitreichende Folgen haben. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Zimmerer: „Wenn es gelingt, Deutschland zu direkten Verhandlungen mit Vertretern einzelner Bevölkerungsgruppen und zu Reparationen zu zwingen, können viele weitere Fälle aus der Kolonialzeit akut werden.“ Der Professor für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg sagte, ein Erfolg der Klage in New York könnte zu Reparationsforderungen gegen Deutschland auch wegen Massakern während des Maji-Maji-Aufstands im heutigen Tansania führen, ebenso wegen Massakern und Strafaktionen in Togo, in Kamerun und in der Südsee. Auch Opfer unter der Zivilbevölkerung im Zuge des Ersten Weltkriegs in Afrika könnten Anlass von Klagen und Verhandlungen werden, sagte der Direktor der Forschungsstelle „Hamburgs (post)koloniales Erbe und Berater des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Zwischen 1885 und 1903 sei ein Viertel des Landes der Herero und Nama mit Einverständnis der Kolonialbehörden von deutschen Siedlern enteignet worden. Frauen und Mädchen der Herero und Nama seien, ebenfalls geduldet von den Kolonialbehörden, von Siedlern vergewaltigt und der Bevölkerung Zwangsarbeit auferlegt worden.