Bergkarabach-Konflikt
Turkologe Dr. Heß bezeichnet den Spiegel als „auflagengeil“

Ein Gastbeitrag von Dr. Michael Reinhard Heß Die subtile Tendenziösität des SPIEGEL in seiner Berichterstattung über die jüngste Zuspitzung des Berg-Karabach-Konflikts offenbart sich auch im neuesten Heft. In voller Klarheit erkennbar ist sie am Gebrauch des Wortes „Enklave“. Im zweiseitigen Artikel zu Berg-Karabach wird das Wort gleich zwei Mal auf das Gebiet angewendet. Auf Seite 96 ist von der „Rückeroberung der überwiegend armenisch besiedelten Enklave Bergkarabach“ die Rede, und auf Seite 97 heißt es: „Vor allem Aserbaidschan scheint die Lage nutzen zu wollen, […] für die Rückeroberung der abtrünnigen Enklave zu kämpfen.“ (Zitate aus Alasaad/ Perrier/ Reuter 2020). Sorry, wenn ich an dieser Stelle kurz den Deutschlehrer spielen muss, aber offenbar ist das dringender nötig denn je. Eine „Enklave“ ist laut Definitionen des DUDEN ein „vom eigenen Staatsgebiet eingeschlossener Teil eines fremden Staatsgebiets“ (Müller et al. 1974: 209, s.v. Enklave), „ein fremdstaatl[iches] Gebiet im eigenen Staatsgebiet“ (Wermke/ Kunkel-Razum/ Scholze-Stubenrecht 2004: 338, s.v. Enklave).
Berlin: Aserbaidschans Botschaft kritisiert ARD wegen Interview-Kürzung
Dadurch, dass immerhin drei Autoren des reißerischen SPIEGEL-Artikels Berg-Karabach als „Enklave“ titulieren, machen sie es kurzerhand zu einem Teil eines fremden Staates. Und das ungeachtet der international unter anderem durch vier UN-Resolutionen aus dem Jahr 1993 klar bestätigten völkerrechtlichen Zugehörigkeit Berg-Karabachs (und der anderen von Armenien besetzten Gebiete) zu Aserbaidschan. Nähme man diesen Wortgebrauch ernst, würde dies des Weiteren bedeuten, dass die von armenischen Separatisten ausgerufene sogenannte „Republik Artsakh“ zugleich Teil eines fremden Staatsgebietes (mutmaßlich Armeniens) sei, was meines Wissens nicht einmal Armenien behauptet. Warum spiele ich hier den Herrn Oberlehrer? Erstens: weil es nicht das erste Mal ist, dass der Begriff „Enklave“ in deutschen Mainstreammedien im Zusammenhang mit dem Berg-Karabach-Konflikt in derart falscher Weise gebraucht wird. Die Sache wirkt also nicht unbedingt nur zufällig. Zweitens: Es ist alles andere als eine Kleinigkeit, Termini von so gravierender internationaler politischer Tragweite konsequent falsch anzuwenden. Schließlich – auch wenn das der vom SPIEGEL wiederholt bedienten Saga vom ,religiös motiviertenʻ (Christen gegen Muslime) Krieg um Berg-Karabach widerspricht – ist die völkerrechtliche und politische Zugehörigkeit des Gebiets das os contentionis der ganzen Sache, und zwar seit Beginn des Konflikts. Wenn der vom SPIEGEL in den deutschen Lesermassen gestreute angebliche „Enklaven“-Status Berg-Karabachs tatsächlich gegeben wäre, würde Aserbaidschan automatisch zu einem Aggressor, der fremdes Territorium angreift. Das scheint genau die Richtung zu sein, in der der SPIEGEL sich mit seinem Wortgebrauch bewegt. Wie der SPIEGEL die historischen Fakten durch bewusste Verkürzung und Simplifizierung zurechtstutzt, damit sie in sein anti-aserbaidschanisches Bild passen, zeigt auch der etwas kryptische und in dramatische Worte gekleidete Hinweis im selben Artikel, dass die jetzt für Aserbaidschan in Berg-Karabach kämpfenden Syrer „zum späten Opfer der Machtspiele Stalins“ geworden seien (Alasaad/ Perrier/ Reuter 2020).
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Die rhetorische Finte, die in dieser Andeutung steckt, besteht darin, dass der deutsche Leser (zumindest wenn er nicht Anhänger einer poststalinistischen Populistenpartei ist) hier automatisch den Eindruck gewinnen muss, dass die aserbaidschanische Sache natürlich unrechtmäßig, weil von Stalin bewirkt worden sei. Der SPIEGEL weiß dabei allerdings natürlich genau, dass kaum einer seiner Leser sich die Mühe machen wird, nachzulesen, wie sich die komplizierte Geschichte wirklich zutrug. Dass beispielsweise an der entscheidenden Sitzung des Kaukasusbüros der Bolschewiki-Partei vom 5. Juli 1921 keinesfalls nur Stalin als Beschließender teilnahm, sondern auch ein armenischer, ein aserbaidschanischer und zwei georgische Plenumsmitglieder (was man sogar bei armenischen Autoren nachlesen kann: Hakobian et al. 1993: 156). Dass in dem am 5. Juli 1921 mit vier Dafürstimmen und einer Enthaltung gefassten Beschluss davon die Rede ist, dass Berg-Karabach bei der Aserbaidschanischen SSR „verbleiben“ (ostavit´) solle, was wiederum impliziert, dass es schon zu ihr gehörte. Oder: Das Stalin im Jahr 1921, zu Lebzeiten Lenins, noch keineswegs der alleinige Machthaber in der Sowjetunion war. Und so weiter. Egal. Was für den auflagengeilen, sachliche Faktendarstellung unter reißerisches Storytelling stellenden gegenwärtigen SPIEGEL (ich kenne das Blatt aus Augstein Seniors Zeiten noch ganz anders) zählt, ist eine Schwarz-Weiß-Frosch-Perspektive, mit der er ungeachtet internationaler Rechtsfestlegungen und geschichtlicher Fakten der eigenen Voreingenommenheit applaudieren kann. Ist das Relotius 2.0? Oder hat sich seit dem Auffliegen des Lügenreporters in den SPIEGEL-Redaktionen vielleicht doch nicht so viel geändert, wie behauptet? Oder ist das schon die im Journalismus angekommene Generation der von Pisa und Rechtschreibreform um ihr Bildungsniveau Gebrachten? Die von vielen Medienvertretern gern und lautstark bejammerte Krise des Journalismus beziehungsweise des (oft als Selbstreferenz auftauchenden) „Qualitätsjournalismus“ hat auch mit einem Verfall an Sorgfalt zu tun, mit einer wurstigen Gleichgültigkeit und Unwilligkeit, seine eigenen Positionen zu hinterfragen und zu schärfen, auch zu recherchieren. Wenn sich das nicht ändert, und zwar durchgreifend und dauerhaft, braucht diese Art von Journalismus niemand mehr. Für mich ist der SPIEGEL jetzt angezählt. Ich muss nicht für immer Abonnent bleiben.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Michael Reinhard Heß ist promovierter und habilitierter Turkologe und seit 2005 Privatdozent an der FU Berlin. Thema der Habilitation waren Leben und Sprache des aserbaidschanischen Dichters İmadәddin Nәsimi (1370–1417). Zum Thema Karabach hat er die Bücher „Panzer im Paradies“ (Dr. Köster 2016) und „Karabakh from the 13th century to 1920“ (Gulandot, 2020) verfasst.


Belege Alasaad/ Perrier/ Reuter 2020. Alasaad, Daham/ Perrier, Guillaume/ Reuter, Christoph: Bis zum letzten Syrer. DER SPIEGEL 45 (30. Oktober 2020): 96f. Hakobian 1993. Hakobian, Hravard: Zur Geschichte Arzachs im Mittelalter in kulturgeschichtlicher Hinsicht. Übers. Richter, Manfred. In: Hakobian, Hravard et al.: Armenisches Berg-Karabach/ Arzach im Überlebenskampf. Christliche Kunst – Kultur – Geschichte. Richter, Manfred (Hgg.). Berlin: Edition Hentrich. 15-66. Müller et al. 1974. Müller, Wolfgang et al.: DUDEN Fremdwörterbuch. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Wien, Zürich: Dudenverlag. Wermke/ Kunkel-Razum/ Scholze-Stubenrecht 2004. Wermke, Matthias / Kunkel-Razum. Kathrin/ Scholze-Stubenrecht, Werner (Hgg.): DUDEN. Die deutsche Rechtschreibung. 23., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim usw.: Dudenverlag.

Bergkarabach-Konflikt
Berlin: Aserbaidschans Botschaft kritisiert ARD wegen Interview-Kürzung

Berlin – Die Botschaft von Aserbaidschan in Berlin hat „die starke Kürzung“ des ARD-Interviews mit Präsident Ilham Alijew kritisiert. Wichtige Stellen seien rausgeschnitten worden. Die Botschaft bezeichnete dies als Zensur. Das sei wohl das Verständnis von „Pressefreiheit “ der ARD. Am Samstagmorgen war das von dem BR-Korrespondenten Oliver Mayer-Rüth geführte Interview mit Alijew auf „tagesschau.de“ veröffentlicht worden. Von dem ursprünglich über 25 Minuten langen Gespräch werden aber nur knapp neun Minuten gezeigt, berichtet TRT Deutsch. Die Botschaft in einer Twittermitteilung:
Das Interview wurde stark ausgeschnitten. Wie soll das verstanden werden, wenn nicht eine Zensur. Aber wir sind daran gewöhnt, wenn es um die Wahrheiten geht Pressefreiheit” a la ARD. Das volle Interview unten video.azertag.az/video/106013?u
An einer rausgeschnittenen Stelle wird Alijew gefragt, wieso Berg-Karabach für Aserbaidschan so wichtig sei. Dieser entgegnet: „Ist Bayern wichtig für Sie? Nordrhein-Westfalen? Es ist unser Land, es ist unser Territorium, international anerkannt.“ Es sei eine „Frage der Gerechtigkeit“, berichtet TRT Deutsch weiter. Mayer-Rüth reagierte auf die Kritik an dem Interview auf Twitter: „So ist das mit der Pressefreiheit. Wir haben veröffentlicht, was wir für wichtig halten.“

Zum Thema

– Bergkarabach-Konflikt – Deutsch-Aserbaidschaner fordern vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Beweise

Seit dem 27. September tobt im Südkaukasus erneut ein Krieg. Immer mehr Deutsch-aserbaidschaner kritisieren die aus ihrer Sicht einseitige und fehlerhafte Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt. Aufgrund ihres muslimischen Glaubens stelle man sie als den Aggressor und die Armenier stets als Opfer dar.

Deutsch-Aserbaidschaner fordern vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Beweise

Ägäis-Beben
Türkei-Beben: Dreijährige Elif nach fast drei Tagen aus Trümmern geborgen

Izmir – Nach dem verheerenden Erdbeben in der Westtürkei konnte am Montag ein dreijähriges Kind aus den Trümmern geborgen werden. Hierzu schreibt der türkische Katastrophenschutz Afad am Montag auf Twitter:
Nach 65 Stunden haben wir in Izmir Elif lebend aus den Trümmern gerettet. Wir sind hier, bis wir den Letzten erreicht haben
Auf TV-Bildern war die Rettung des kleinen Mädchens zu sehen. Helfer trugen das verletzte Kind in ein Krankenzelt. Die Mutter der Dreijährigen, Seher Dereli Perincek, und ihre zehnjährigen Zwillingsschwestern Ezel und Elzem Perincek, wurden 23 Stunden nach dem Beben lebend aus den Trümmern geborgen. Für ihren siebenjährigen Bruder Umut kam leider jede Hilfe zu spät. Er verlor in den Trümmern sein Leben. „Elif packte meinen Finger […] Ich wisch den Staub von ihrem Gesicht“, sagte Feuerwehrmann Muammer Celik gegenüber Reportern nach der Rettungsaktion. Er habe sie zusammen mit einem seiner Mitarbeiter herausgeholt. Das Kind habe seinen Finger bis zum Erreichen des Erste-Hilfe-Zeltes nicht losgelassen, so Celik emotional sehr aufgewühlt. „Dieses Kind verdient es zu leben“, so der Feuerwehrmann. „Wir haben die Hoffnung für Elif nie verloren.“ „Ich bin sehr froh. Möge Gott es ihnen (den Rettern) vergelten. Ich bin wieder mit Elif vereint, bald ist sie auch mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vereint. Meine Gebete wurden erhört“, so die Großmutter des Kindes gegenüber Reportern. Am frühen Montagmorgen wurde nach 58 Stunden auch eine Vierzehnjährige aus den Trümmern geboren. Insgesamt seien bisher 106 Menschen gerettet worden. Die Bergungsarbeiten  dauern noch an. Türkei-Erdbeben: Zahl der Toten steigt auf 85 Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben im Westen der Türkei ist nach Angaben der Behörden auf 69 gestiegen. Fast 1.000 Menschen sind bei dem starken Beben verletzt worden. Gebäude wurden beschädigt, Wasser trat bei einem Tsunami über die Ufer. Die türkische Katastrophenbehörde gab die Stärke mit 6,6 an, die US-Erdbebenbehörde USGS sogar mit 7. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD lag das Epizentrum in der Ägäis in einer Tiefe von 16,54 Kilometern nördlich der griechischen Insel Samos. Es handele es sich um eines der schwersten Erdbeben der vergangenen Jahre im Mittelmeerraum. Zu spüren war es auch auf dem griechischen Festland.  

Ägäis-Beben
Türkei-Erdbeben: Zahl der Toten steigt auf 69

Izmir – Bei dem verheerenden Erdbeben am Freitag sind nach bisherigen Erkenntnissen in der Türkei mindestens 69 Menschen ums Leben gekommen. 949 Menschen seien nach jüngsten Erkenntnissen verletzt, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend. Auf der griechischen Insel Samos wurden zwei Jugendliche tot geborgen. Die Gesundheitsbehörden meldeten dort mindestens 19 Verletzte. Seit Freitag soll es über 900 Nachbeben gegeben haben. Das Beben hatte nach Angaben der nationalen türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Die USGS, die Erdbeben-Behörde der USA, gab die Stärke des Bebens sogar mit 7 an. In der westtürkischen Millionenmetropole Izmir sind mehrere Gebäude eingestürzt und Menschen verschüttet worden. Auf Fernsehbildern waren größere Staubwolken zu sehen, die über der Stadt hingen. Ausgelöst durch das Erdbeben traf ein Tsunami auf die türkische Küste.

Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD lag das Epizentrum in der Ägäis in einer Tiefe von 16,54 Kilometern nördlich der griechischen Insel Samos. Bei dem Beben handele es sich um eines der schwersten im Mittelmeerraum der vergangenen Jahre. Zu spüren war es auch auf dem griechischen Festland.

Zum Thema

– Ägäis-Beben – Nach Erdbeben: Mitsotakis und Erdogan sprechen sich gegenseitig Beileid aus

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis haben sich nach dem verheerenden Erdbeben in der Ägäisregion gegenseitig ihr Beileid ausgesprochen und  Unterstützung versprochen.

Nach Erdbeben: Mitsotakis und Erdogan sprechen sich gegenseitig Beileid aus

Bergkarabach-Konflikt
Deutsch-Aserbaidschaner fordern vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Beweise

Seit dem 27. September tobt im Südkaukasus erneut ein Krieg. Immer mehr Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren die aus ihrer Sicht einseitige und fehlerhafte Berichterstattung der deutschen Medien über den Konflikt. Aufgrund ihres muslimischen Glaubens stelle man sie als den Aggressor und die Armenier stets als Opfer dar. Bei dem Krieg handele es sich nicht um einen religiösen Konflikt. „Die hiesigen Medien stellen Aserbaidschan als Invasoren und Aggressor, und die Armenier stets als Opfer dar. Dabei ist Bergkarabach Teil Aserbaidschans. Wie können wir Invasoren unseres eigenen Landes sein?“, kritisiert Aslan Mammedov, der seit 30 Jahren in Dortmund lebt, die Berichterstattung der deutschen Medien. „Seit dem ersten Tag der Auseinandersetzung verfolge ich achtsam die deutschen Medien, um deren Berichterstattung zu beurteilen. Die ersten Tage war dies aus meiner Sicht zum großen Teil ausgewogen. In den letzten Tagen wurde ich hingegen sehr enttäuscht“, so Asif Masimov, Doktorand im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der aserbaidschanische Verein IRKAZ e.V. aus Köln fordert in einem offenen Brief das Nachrichtenmagazin Spiegel auf, Beweise für einen Artikel vorzulegen. In einem Beitrag vom 31.10.2020 behaupten die Spiegel-Redakteure Daham Alasaad, Guillaume Perrier und Christoph Reuter, dass die Türkei „Tausende syrische Söldner“ bezahlt habe, damit diese in der Bergkarabach-Region gegen Armenien kämpfen. Die aserbaidschanische Regierung hat diese Vorwürfe mehrmals dementiert. Die sogenannten „Dschihadisten“ aus Syrien seien Sunniten und sehen die schiitischen Aserbaidschaner als „Ungläubige“ an, so Baku. Sie würden niemals auf ihrer Seite gegen Armenien kämpfen. Hier der Brief im Wortlaut: Liebe Spiegel-Redaktion, Die seit mehreren Wochen andauernde unerträgliche Hetze und infame Verleumdungskampagne einiger ihrer Journalisten*innen gegen die Türkei und Aserbaidschan nehmen langsam aber sicher absurde Züge an und das trotz unzähliger Aufrufe von uns, die Geschehnisse rund um das Thema Bergkarabach sachlich, neutral und objektiv darzustellen. Der aktuellste (und dazu noch kostenpflichte) Beitrag von Daham Alasaad, Guillaume Perrier und Christoph Reuter mit dem Titel „Ich kann euch gleich hier erschießen“ übertrifft in diesem Zusammenhang jegliche Grenzen einer journalistischen Berichterstattung. Allein die Titelauswahl zeigt, an welchem Tiefpunkt der deutsche Qualitätsjournalismus im Jahr 2020 angelangt ist. Was die 220.000 starke aserbaidschanische Gemeinde Deutschlands in diesen Tagen und Wochen so heftig stört, sind nicht nur kühne Erfindungen und Verdrehung von Realitäten durch deutsche Journalisten, sondern auch deren präzedenzlose Voreingenommenheit. Ganz im Sinne der armenischen Kriegspropaganda werden von Anbeginn ununterbrochen konstruierte und lächerliche Geschichten über einen angeblichen Einsatz syrischer Söldner in Bergkarabach rauf- und runtergespielt. Als aserbaidschanische Seite vor dem Hintergrund fehlender Beweismaterialen sämtliche Vorwürfe von sich wies, greifen Spiegel-Journalisten nun zu einer neuen Masche: Sie basteln ein irrsinniges und komplett abstruses Narrativ, wobei ein gewisser „Tareq“ über seine Erfahrungen in Bergkarabach erzählt. Ihm und seinen Mitkämpfern soll die Türkei für ihre Dienste angeblich 2000 Dollar versprochen haben. Hiermit wenden wir uns an die Autoren dieser Fantasy-Story, mit der Aufforderung, uns konkrete Beweisstücke vorzulegen. Unter anderem verlangen wir die Beantwortung folgender Fragen:
  •        Wer ist dieser Tareq? Aus welcher Stadt Syriens stammt er?
  • Wo genau (Stadt, Provinz, Dorf o.Ä.) in Bergkarabach wurde er eingesetzt?
  • Warum musste er zurück?
  • Wie konnte er zurückkehren, wenn die anderen Komplizen getötet wurden?
  • Gibt es Bilder oder Videobelege, die seine Teilnahme und die von anderen „Söldnern“ bestätigen?
  • Gibt es irgendwie die Möglichkeit (per Skype, Zoom oder telefonisch) mit ihm ins Gespräch zu kommen? Vielleicht kann er auch mit uns seine „Eindrücke“ teilen.
Wir hatten bereits in unseren vorherigen Schreiben wiederholt klargestellt, dass Aserbaidschan über 100.000 aktive und gut ausgebildete Militärs hat. Dazu kommen fast 300.000 Reservisten. Das Land hat jahrelang massiv in den Ausbau seiner militärischen Kapazitäten investiert. Eine solche Armee, die über modernes Kriegsgerät russischer, türkischer, israelischer und amerikanischer Produktion verfügt, soll auf den Einsatz von 800 bis 4000 syrischen Terroristen angewiesen sein? Das, was hinter ihrer Intention steht, ist nichts anderes, als die Ruinierung des Ansehens der Türkei und Aserbaidschan in den Augen der deutschen Öffentlichkeit. Wo bleibt in Ihren “Recherchen” das moralische und journalistische Gleichgewicht, das Prinzip, sich nicht von vorneherein auf eine Seite zu stellen, sondern die Details auf allen Seiten nach denselben Standards zu beurteilen? Es gibt bestätigte Angaben über die Beteiligung von Hunderten kurdischen PKK-Kämpfern sowie von armenischstämmigen Kombattanten aus Syrien und dem Libanon. Sind Sie auch daran interessiert? Selbstverständlich nicht! Für Sie, liebe Autoren, und ihre heuchlerische Redaktion ist dies „verständlicherweise“ ein belangloses Thema. Oder sagen ihnen die gezielten Raketenangriffe Armeniens auf dicht besiedelte Städte und Dörfer Aserbaidschans außerhalb der Konfliktzone was? Um ihr Gedächtnis zu erfrischen: In den letzten drei Wochen wurde die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans Ganja mit ihren 350.000 Einwohnern insgesamt dreimal mit ballistischen Raketen (SS-21 Scarab) aus dem Kernland Armeniens beschossen. Auch die weit von der Frontlinie gelegene Stadt Barda wurde am 27. und 28. Oktober mit russischen Smertsch-Raketen angegriffen. Beim zweiten Angriff kamen laut HRW und Amnesty International sogar die international geächteten Streubomben zum Einsatz. Seit Kriegsbeginn wurden allein auf aserbaidschanischer Seite 91 zivile Tote gemeldet. Sie alle lebten außerhalb des Konfliktgebiets und hatten mit eigentlichem Kriegsgeschehen nichts zu tun. Aserbaidschan hat die meisten zivilen Todesopfer der jüngsten Zusammenstöße zu beklagen. Hingegen wurden bisher kein einziges Dorf, keine einzige Provinz oder Großstadt im Kernland Armeniens von aserbaidschanischen Raketen getroffen. Die Führung Aserbaidschans hat mehrmals betont, keine militärischen Ziele in Armenien zu verfolgen. Man kämpft auf seinen international anerkannten Gebieten, um die territoriale Integrität wiederherzustellen und die Rückkehr von 800.000 aserbaidschanischen Flüchtlingen in ihre Heimatorte zu ermöglichen. Doch Journalisten in der Spiegel-Redaktion werden über all das nicht berichten. Wissen Sie warum? Weil Sie keine Ehre und Würde haben. Weil Sie im Inneren tiefen Hass gegenüber Türken und Aserbaidschanern empfinden, auch wenn Sie es nicht offen zugeben. Weil für Sie das Leben der “armen, christlichen” Armenier einen größeren Wert hat, als das von “aggressiven” Aserbaidschanern. Die Ende September ausgebrochenen Kämpfe in Bergkarabach haben das hässliche Gesicht der deutschen Medienlandschaft und Politik in aller Deutlichkeit offengelegt. Diese medial-politische Hetze, Ausgrenzung und Diskriminierung werden nie vergessen. Zum Schluss: Wir erwarten anhand der oben aufgeführten Fragen eine baldige und glaubwürdige Stellungnahme von drei Autoren zu den Vorwürfen, die diese in der angesprochenen Hetzschrift erhoben haben. Hoffentlich sind Daham Alasaad, Guillaume Perrier und Christoph Reuter in der Lage, hinter jeder Äußerung, die in diesem Artikel getätigt wurden, zu stehen und diese zu wahrhaft zu belegen. Sollten Sie sich jedoch zeitnah nicht melden, behalten wir uns das Recht vor, weitere notwendige Maßnahmen gegen die gezielte Verbreitung von Lügen- und Hasspropaganda gegen Türken und Aserbaidschaner auf Spiegel.de zu unternehmen. Eines können wir ihnen sicher versprechen: Die Spiegel-Chefredaktion und die genannten Autoren persönlich werden keine Ruhe haben, bis die Sache nicht abgeklärt ist. Grüße Vorstand des IRKAZ e.V. Große Budengasse 17-25 50667 Köln
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– Bergkarabach-Konflikt – Medien: Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren „einseitige Berichterstattung“

Seit dem 27.9. 2020 tobt im Südkaukasus erneut ein Krieg. Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach gilt seit dem Waffenstillstand von 1994 als ungelöst. Im Zuge dieses Konfliktes kam es zu einer humanitäre Katastrophe, bei der in beiden südkaukasischen Ländern ein großer Flüchtlingsstrom entstand.

Medien: Deutsch-Aserbaidschaner kritisieren „einseitige Berichterstattung“

Bergkarabach-Konflikth
Minsker-OSZE-Gruppe: Die Türkei sollte einen Vorsitzenden stellen

Sehr geehrter Herr Fuhrmann, seit Wochen tobt in der Kaukasus-Region ein Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach und die umliegenden Territorien. Wie würden Sie die aktuelle Sicherheitsarchitektur dieser Region schildern?  Wilfried Fuhrmann: Ich bin kein Militärexperte und wir sind alle nicht ausreichend informiert. Aber ich bin überzeugt, dass die Zusammensetzung der Minsker-OSZE-Gruppe zu ändern ist. Russland, dass mit Armenien durch den „Vertrag über kollektive Sicherheit“ (OVKS) verbunden ist, sollte weiterhin einen Vorsitzenden stellen. Die Türkei sollte einen weiteren Vorsitzenden stellen und bspw. Japan. Voraussetzung ist die jeweilige Zustimmung beider Länder. Das „Mandat“ sollte sich nur auf Bergkarabach und die Wahrung der Menschenrechte dort erstrecken und nicht auf die sieben Distrikte. Diese Distrikte und damit die völkerrechtliche Grenze der Republik Aserbaidschan sollte ausschießlich der ungeteilten Kontrolle Aserbaidschans unterliegen. Aus humanitären Gründen sollten die, wenn vorhandenen, „menschlichen“ Politiker dafür sorgen, dass Armenien die noch nicht von Aserbaidschan befreiten Distrikte bzw. Teile zeitnahe freiwillig und ehrenhaft räumt, während dessen Aserbaidschan mit dem Zeitpunkt des beginnenden Abzuges dort Waffen schweigen lässt. Ansonsten sagt mir mein Herz: jeder weitere tote oder „verkrüppelte“ Mensch (auch Soldaten sind Menschen) gleich welcher Nationalität, ist einer zu viel. Das armenische Volk hat es bereits schwer genug, die Menschen können das mit einem fortgehenden Krieg verbundene Leid kaum viel weiter ertragen. Und die Aserbaidschaner erleben den täglichen Terror und das Leid ihrer getöteten, „verkrüppelten“ Kinder und Familienangehörigen. Hinzu kommen die aufgebrochenen Wunden durch den Terror und Krieg vor 1994 und danach. Auch das ist zu viel und menschlich kaum zu tragen – aber wenn es sein muß, dann können sie erfolgreich kämpfen. Aber mein Kopf sagt mir, wenn Armenien die besetzten Gebiete nicht räumen will, dann muß der Krieg wohl leider bis zur weißen Flagge weitergehen, da Armenien ansonsten eine ständige Gefahr für Stabilität und Wohlstand Aserbaidschans und des Kaukasus bleibt. Beide Konfliktparteien beschuldigen einander, wenn die Frage nach dem Kriegsausbruch gestellt wird. Was sind aus Ihrer Sicht die tatsächlichen Gründe des aktuellen Krieges?  Fuhrmann: Wir leben mit einem 1994 beschlossenen Waffenstillstand bzw. einer Waffenruhe. Dieses ist wiederholt (in Wien, St. Petersburg usw.) bestätigt worden. Waffenstillstand bedeutet die Situation zum Zeitpunkt des Inkrafttretens zu „konservieren“ bzw. an zu erhalten. Dieses erfolgte aber in den vergangenen 27 Jahren nicht. Die Gebiete wurden als Müllhalde benutzt, Ressourcen (Gold usw.) wurden massiv und klimaschädigend ausgebeutet sowie historische Landschaften, Denkmäler und Siedlungsstrukturen zerstört/verändert bei gleichzeitiger Neuansiedlungen u.a. von Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern. Derartiges hätte die OSZE-Minsker-Gruppe unterbinden müssen – wäre sie zumindest in toto neutral. Armenien aber hatte nie die Absicht auch nur einen Distrikt wieder zu räumen! Es erkennt die völkerrechtliche Grenze Aserbaidschans fortwährend nicht an. Stattdessen hört man von wichtigen Persönlichkeiten der armenischen Eliten, dass Armenien laut von „new weapons“ for new „war“, for new territories usw. benötigt. Die Beschüsse in Richtung Tovrus usw. konnten/mussten als „Tests“ für einen vorbereiteten Angriffskrieg Armeniens verstanden werden. Und die Minsker-Gruppe sowie die Welt griffen nicht ein, dabei verstößt Armenien seit Jahren und systematisch gegen den Geist und Sinn des Waffenstillstandes von 1994. Aserbaidschan hat dieses immer wieder angeprangert und zugleich stets betont, dieses nicht zu akzeptieren, sondern die Gebiete u.U. auch mit militärischer Gewalt wieder zu befreien. Diese militärische Räumung des Gebietes ist völkerrechtlich so legitim wie die Räumung eines besetzten Hauses bspw. in Berlin oder New York. Russland nimmt seit zwei Jahrhunderten eine relevante Position in dieser Region ein. Während Russland als Schutzmacht Armeniens gilt, unterstützt die Türkei Aserbaidschan. Dennoch scheint Russland bei diesem Krieg passiv zu agieren. Ist Moskau wirklich desinteressiert an diesem Konflikt oder gibt es für die Passivität andere wesentliche Gründe?  Fuhrmann: Ich empfinde Russland gar nicht als passiv oder desinteressiert, es ist scheinbar sogar sehr aktiv. In jedem Falle analysiert es genau und lässt sich und u.a. Kasachstan im Rahmen des OVKS von Armenien nicht in kriegerische Handlungen gegen Aserbaidschan ziehen. Vertragstreu, so wie ich Russland kennengelernt habe, greift es zu Gunsten Armeniens infolge des Sicherheitsvertrages erst bei kriegerischen Handlungen auf dem Territorium der Republik Armenien ein, aber nicht schon bei gezielten Gegenschlägen gegen eine militärische Stellung in Armenien aus der aserbaidschanische Städte usw. beschossen wurden/werden. Und Aserbaidschan achtet die völkerrechtlichen Grenzen streng. Jetzt ist es ein Krieg auf dem völkerrechtlichen Territorium der Republik Aserbaidschan, in dem Aserbaidschan sich gegen einen Okkupanten verteidigt und dieses in Form der Rückeroberung besetzter aserbaidschanischer Gebiete durchführt. Denn Armenien nutzt aserbaidschanischen Boden, um von dort weitere Orte in der Republik Aserbaidschan zu attackieren. Es ist eine Art Binnenkrieg im eigenen Land. Da ist Rußland keine Partei. Es betont glaubwürdig, an guten Beziehungen zu beiden (sog. Brüder-) Staaten interessiert zu sein. Sehen Sie die Möglichkeit weiterer Einmischungen durch andere Nationen und wenn ja, in welchem Ausmaß?  Fuhrmann: Natürlich mischen sich andere Nationen ein. Schon der Appell, die Waffen schweigen zu lassen und an den (seit 27 Jahren untauglichen) Verhandlungstisch zurückzukehren ist eine Einmischung zugunsten Armeniens. Aber ich vermute auch andere Arten von Einmischung – dieses können finanzielle Hilfen und Hilfen mittels militärischer Ausrüstungen und Transporte sowohl von Auslandsarmeniern, Freiwilligen sowie „Söldnern“ über Luftbrücken sein. Ich habe noch nicht einmal zu jedem Vorsitzenden bzw. entsendendem Land (alle drei sind UN-Veto-Staaten) Vertrauen in seine „Neutralität“. Ich könnte mir eine faktische Politik vorstellen, die der Logik folgt: Der Freund meines Feindes bzw. Gegners ist auch mein Gegner und sein Feind ist mein Freund. Da kommt man schnell auf mögliche „Einmischer“. Wir bedanken uns für das Gespräch Das Interview führte der Berliner Politikwissenschaftler Asif Masimov.

Prof. Dr. Wilfried Fuhrmann ist seit April 1995 Professor an der Universität Potsdam, WiSo-Fakultät, Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie, insb. Makroökonomische Theorie und Politik.

 

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– NEX24 Interview – Sozialwissenschaftler Mammadov: Wir wünschen ein friedliches Miteinander mit Armenien

Ein Interview mit Nurlan Mammadov, Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen. Er hat in Fulda studiert und arbeitet aktuell im Bereich Migration und Integration.

Sozialwissenschaftler Mammadov: Wir wünschen ein friedliches Miteinander mit Armenien

Ägäis-Beben
Nach Erdbeben: Mitsotakis und Erdogan sprechen sich gegenseitig Beileid aus

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Athen/Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis haben sich nach dem verheerenden Erdbeben in der Ägäisregion gegenseitig ihr Beileid ausgesprochen und  Unterstützung versprochen. „Ungeachtet unserer Differenzen müssen wir in diesen Zeiten zusammenstehen“, zitiert TRT Deutsch Mitsotakis, der auf Twitter eine Mitteilung dazu veröffentlichte. Mitsotakis habe Erdogan in einem Telefonanruf sein Beileid für die Opfer des Erdbebens in der Türkei ausgesprochen. „Ich habe gerade Recep Tayyip (Erdogan) angerufen, um mein Beileid für den tragischen Verlust an Menschenleben durch das Erdbeben, das unsere beiden Länder heimgesucht hat, auszudrücken. Was auch immer unsere Differenzen sein mögen, dies sind Zeiten, in denen unser Volk zusammenstehen muss“, schrieb Mitsotakis auf Twitter. In einem Tweet antwortet Erdogan und brachte sein Beileid zum Ausdruck: „Vielen Dank, Herr Premierminister. In meinem eigenen Namen und im Namen des türkischen Volkes spreche ich ganz Griechenland mein Beileid aus. Auch die Türkei ist immer bereit, Griechenland bei der Heilung seiner Wunden zu helfen. Dass sich zwei Nachbarn in schwierigen Zeiten solidarisch zeigen, ist wertvoller als viele Dinge im Leben“, so Erdogan. „Das Erdbeben erinnert uns daran, wie nah wir uns trotz unserer politischen Differenzen sind“, erklärte auch der türkische Präsidentensprecher Fahrettin Altun. Wie TRT Deutsch unter Berufung auf eine Mitteilung der türkischen Regierung weiter berichtet, haben sich vor dem Anruf bereits ranghohe Diplomaten beider Länder ausgetauscht und  sich gegenseitig Hilfe und Unterstützung zugesichert. Der griechische Außenminister Nikos Dendias rief zudem den türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu an, um sein Beileid zu bekunden. Verheerendes Ägäis-Erdbeben Am Freitag traf ein verheerendes Erdbeben der Stärke 6.9 die türkische Westküste und griechische Inseln. Ein Tsunami traf die türkische Küste. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu kamen nach bisherigen Erkenntnissen in der Türkei mindestens 39 Menschen ums Leben, fast 800 Menschen wurden verletzt. Auf der griechischen Insel Samos starben zwei Menschen.        

Celebrity-News
„James Bond“-Darsteller Sean Connery ist gestorben

Nassau – Sean Connery, der in Schottland geborene Schauspieler, der als James Bond zu Ruhm gelangte und zu einem der beliebtesten und beständigsten internationalen Stars des Films wurde, ist gestorben. Er war 90 Jahre alt. Connery, der lange Zeit als einer der besten Schauspieler galt, die den ikonischen Spion verkörpert haben. Sein Tod wurde laut BBC von seiner Familie bestätigt. Demnach starb der Schauspieler im Schlaf während seines Aufenthalts auf den Bahamas. Er habe sich seit einiger Zeit unwohl gefühlt. Selbst in seinen 70ern, blieb Connerys Starmacht so stark, dass er ständig gefragt war und gut bezahlt wurde. 1999 wurde er vom People-Magazin zum Sexiest Man des Jahrhunderts gewählt. Das Alter schien seinen Sexappeal und seine Männlichkeit nur zu verstärken. Im Jahr 2000 wurde Connery auch Sir, als er von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde. Am 25. August 2020 feierte er seinen 90. Geburtstag.

Literatur
Buchtipp: Die Stimme der schweigenden Mehrheit – Biografie Recep Tayyip Erdogan

Die Autoren Hüseyin Besli und Ömer Özbay gewähren in dieser autorisierten Biografie über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Einblick von seiner Kindheit bis zu seiner Zeit als Ministerpräsident der Türkei. Die frühen Jahre in Kasımpaşa Zu Beginn der 60er-Jahre: Istanbul, Stadtteil Kasımpaşa. Erdogan entstammt aus kleinen Verhältnissen, war von klein auf ehrgeizig. Nach der Grundschule legt er erfolgreich die Prüfung für die Internatsschule ab und gehörte fast immer zu den Klassenbesten. Die Internatsschule ist der ausdrückliche Wunsch seines Vaters, der Disziplin wegen. An den Wochenenden verdient er sich ein kleines Taschengeld mit dem Verkauf von Sesamkringeln (Simit), das der bibliophile Schüler Erdogan wieder in Bücher investiert. Nach dem Abitur studiert er an der Fakultät für Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften der Marmara-Universität und schließt sein Studium 1981 ab. Der junge Erdogan spielt während seiner Schulzeit Fußball, und das so gut, dass der spätere Trainer von Fenerbahçe Toma Kaleperoviç einen Transfer des „Imam Beckenbauer“, der von seinen Mitspielern bei der Fußballmannschaft der Istanbuler Stadtverwaltung wegen seiner Spielweise diesen Spitznamen erhielt, dem Vorstand des Istanbuler Großstadtklubs übermittelte. Es kommt anders, da Erdogans Vater sich gegen eine Fortsetzung der Fußballerkarriere des Sohnemanns ausspricht. Schon während seiner Studienzeit engagiert er sich in der Studentenunion und wird später zum Präsidenten der Jugendorganisation der damaligen Nationalen Heilspartei (MSP) gewählt. Für den rhetorisch begabten Erdogan sollte danach eine beispiellose politische Karriere beginnen, die mit der Gründung der AK-Partei 2001 einherging und mit der Wahl zum Ministerpräsidenten 2003 sowie zum Präsidenten 2014 gekrönt wurde. Hüseyin Besli, Ömer Özbay „Die Stimme der schweigenden Mehrheit“. Aus dem Türkischen von Marianne Sarı, Manzara Verlag, Offenbach am Main 2020. 428 S., Taschenbuch. Amazon Manzara  

Bergkarabach-Konflikt
Kommentar: Aserbaidschan setzt in Bergkarabach das UN-Völkerrecht um

Ein Gastbeitrag von Gurban Mammadov  Bis heute haben eine Reihe internationaler und regionaler Organisationen verschiedene Dokumente zum armenisch-aserbaidschanischen Konflikt um Berg-Karabach verabschiedet. Wir können mit Zuversicht sagen, dass diese Dokumente als rechtliche Grundlage für die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten am 27. September dienten. Die wichtigsten bisher verabschiedeten Dokumente zum Konflikt sind zweifellos die Resolutionen 822, 853, 874 und 884, die 1993 vom UN-Sicherheitsrat, der größten universellen Organisation, verabschiedet wurden. Alle diese Resolutionen unterstützen die territoriale Integrität Aserbaidschans und fordern den Rückzug der Besatzungstruppen aus den besetzten Gebieten Aserbaidschans. Wir hören diese Resolutionen seit fast 28 Jahren, und in 28 Jahren wurden keine Schritte zu ihrer Umsetzung unternommen. Der UN-Sicherheitsrat hat seine Resolutionen nicht umgesetzt Anstatt auf der Grundlage dieser Resolutionen zu handeln, verlängerte die Minsker Gruppe der OSZE nur die Dauer des Konflikts, indem sie verschiedene Vorschläge für eine friedliche Beilegung des Konflikts unterbreitete. Die einflussreichen internationalen Organisationen haben wenig wirklichen politischen Willen gezeigt, um den Besatzer zu zwingen, im Einklang mit dem Völkerrecht zu handeln. Was war das Ergebnis? Als Reaktion auf die Provokationen der armenischen Armee zu verschiedenen Zeiten während des Waffenstillstands an der Staatsgrenze und an der Kontaktlinie mit Aserbaidschan beschloss Aserbaidschan, die bekannten 4 Resolutionen umzusetzen. Was steht in diesen Resolutionen? Resolution 822 (30. April 1993): Verabschiedet nach der Besetzung Kalbajars durch die armenischen Streitkräfte. Die Resolution forderte die Einstellung der Feindseligkeiten in der Region und den Rückzug der armenischen Truppen aus Kalbajar und den kürzlich besetzten aserbaidschanischen Gebieten. Resolution 853 (29. Juli 1993): Die Resolution forderte die Einstellung der militärischen Operationen in der Region und den Rückzug der armenischen Truppen aus Agdam und den kürzlich besetzten aserbaidschanischen Gebieten. Die Resolution forderte auch die Umsetzung der Resolution 822. Resolution 874 (14. Oktober 1993): Die Resolution forderte einen Waffenstillstand, die Einstellung der Feindseligkeiten und den Rückzug der armenischen Truppen aus den kürzlich besetzten Gebieten Fizuli (23. August 1993), Jabrayil (26. August 1993), Gubadli (30. September) und anderen. Die Resolution fordert auch die Einhaltung der früheren Resolutionen 822 und 853. Resolution 884 (12. November 1993): Die Parteien verurteilten Verletzungen des Waffenstillstands, die zu einer Wiederaufnahme der Feindseligkeiten führten, und forderten die Republik Armenien auf, alle den Armeniern zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um die sogenannte Republik zu beeinflussen. Die Resolution forderte auch die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und den sofortigen Rückzug der bewaffneten armenischen Gruppen aus anderen Regionen, einschließlich der kürzlich besetzten Region Zangilan. Infolgedessen mussten die zuvor verabschiedeten Resolutionen 822, 853, 874 umgesetzt werden. Bislang wurde keines dieser Resolutionen umgesetzt . Mit dem Beginn der antiterroristischen Operation am 27. September setzt Aserbaidschan die Schlussakte von Helsinki um, die auf den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und dem Prinzip der territorialen Integrität beruht. Die armenische Seite vertrieb mehr als 700.000 Aserbaidschaner von ihrem Land und verletzte in grober Weise ihre Grundrechte zum Schutz der Rechte von 100.000-150.000 in Berg-Karabach lebenden Armeniern. In diesem Sinne versucht die aserbaidschanische Seite, das Recht der Binnenvertriebenen auf Rückkehr in ihre Heimat zu gewährleisten. Gleichzeitig werden trotz der Tatsache, dass die armenische Gemeinschaft in Berg-Karabach 1 Prozent der aserbaidschanischen Bevölkerung ausmacht, 20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums besetzt und alle aserbaidschanischen Siedlungen wegen ihrer angeblichen Sicherheit barbarisch zerstört (man kann das bequem mit den Google Maps-Aufnahmen beweisen). Nach der Befreiung von Fizuli und Jabrayil waren einige Anforderungen der Resolution 874 bereits erfüllt, und fast alle Anforderungen der Resolution 884 wurden mit der Befreiung der Stadt Zangilan und mehrerer Dörfer im Distrikt Zangilan erfüllt. Aserbaidschan setzt bei diesen antiterroristischen Operationen auch die Normen des Völkerrechts um, die bisher nicht funktionieren. Es ist auch notwendig, problematische Momente in der Reaktion der westlichen Länder und Institutionen auf den Berg-Karabach-Konflikt zu berücksichtigen. Bisher haben sich die unklare Position der EU zu dem Konflikt und ihre Versuche, Beziehungen zu der Region im Rahmen des früheren Waffenstillstands/Status quo herzustellen, nicht ausgezahlt: Die EU hat im armenisch-aserbaidschanischen Konflikt das Prinzip der territorialen Integrität ignoriert, im Gegensatz zu anderen Konflikten in der Region in den letzten Jahren. Die Unfähigkeit, in dieser Frage eine eindeutige Position zu vertreten, und die Versuche, mit der Region zusammenzuarbeiten, um eine Einmischung in die Konfliktlösung zu vermeiden, provozierten einerseits maximalistische Tendenzen Armeniens, verursachten andererseits aber auch Irritationen auf der aserbaidschanischen Seite. Die Prozesse haben gezeigt, dass sich nachhaltige Institutionen in der Region ohne dauerhaften Frieden nicht entwickeln können. Schon die geringste Veränderung der Kontaktlinie kann die Innenpolitik der Konfliktparteien revolutionieren. Daher sollte die EU in Zukunft auf der Grundlage des Völkerrechts eine entschlossene Haltung zu dem Konflikt einnehmen und auf dieser Grundlage mit den Ländern der Region zusammenarbeiten. Es ist klar, dass Emmanuel Macron Armenien im Karabach-Konflikt unterstützt, aber das bedeutet nicht, dass er Recht hat. Da die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich in nur anderthalb Jahren stattfinden werden und laut Macrons Meinungsumfragen, die in der gegenwärtigen Situation nicht populär genug sind, ist es für ihn zu einer politischen Notwendigkeit geworden, die Unterstützung von Wählergruppen wie der armenischen Gemeinschaft zu gewinnen. Die Existenz Dutzender aktiver Organisationen der armenischen Diaspora in Frankreich sowie die Aktivitäten der „Französisch-Artsachischen Freundschaftsgruppe“ zwingen Macron, nach der Laune der armenischen Lobby zu handeln. Aus einer Reihe anderer Gründe ist die Beteiligung Frankreichs an den laufenden Prozessen um den Berg-Karabach-Konflikt jedoch unangemessen.
  • Persönliche PR von Präsident Emmanuel Macron und Versuche, das Ansehen Frankreichs in anderen Ländern zu erhöhen.
  • Die Probleme im Land haben sich verschärft, seit die Regierung in den Libanon kommt, um die Krise zu verhindern, und den einfachen Bürgern entsprechende Versprechungen macht
  • In Libyen hat Macron Krieg und anhaltende Instabilität provoziert, indem er die separatistischen Kräfte und das illegitime Regime, das sie führte, unterstützt hat, anstatt die von der UNO unterstützte Regierung von Tripolis (wie auch die Türkei).
  • Auf dieser Grundlage sucht Frankreich im östlichen Mittelmeerraum, in Libyen und im Nahen Osten sowie im Südkaukasus einen sinnlosen und erfolglosen regionalen Wettbewerb mit der Türkei.
Trotz seiner erfolglosen Tätigkeit als Ko-Vorsitzender der Minsker Gruppe der OSZE erkennt Frankreich als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen die territoriale Integrität Aserbaidschans an und lehnt diese prinzipientreue Position nun ab, obwohl es für Resolutionen über den Abzug der armenischen Truppen aus Berg-Karabach gestimmt hat. Die Rolle der armenischen Diaspora in der Demokratischen Partei der USA hat auch die Position der US-Regierung beeinflusst. In letzter Zeit bedroht der progressive Flügel der Demokratischen Partei regelmäßig die Position der Demokraten im Establishment, und es gelingt ihnen, sie zu besiegen. Zum Beispiel hat ein einflussreicher pro-armenischer Demokrat, der wie Eliot Engel seit vielen Jahren im Kongress sitzt, gegen einen jungen progressiven Kandidaten in seinem Distrikt verloren. Es ist bekannt, dass die in den USA lebenden Armenier in der Regel für die „wichtigsten“, zentristischen Kandidaten, d.h. das „Establishment“, stimmen. In diesem Zusammenhang ist die armenische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten von wesentlicher Bedeutung dafür, dass die Demokraten des Establishments nicht nur in Gebieten gewählt werden, in denen die Armenier konzentriert sind, wie z.B. in Südkalifornien, sondern auch in anderen Provinzen, in denen das „Haupt-Establishment“ ein wichtiger Sponsor demokratischer Kampagnen ist. Infolgedessen benötigen die Demokraten des „Kern-Establishments“ offen finanzielle Unterstützung aus der armenischen Diaspora, vor allem aus der oberen Mittelschicht, um ihre fortschrittlichen Gegner zu besiegen, auch in nichtarmenischen Wahlkreisen. Westliche Friedensaufrufe ignorieren den grundlegenden Unterschied in ihrer Einstellung zum Krieg. Es sei darauf hingewiesen, dass die Ansichten der Europäischen Union zum Frieden auf den Zweiten Weltkrieg zurückgehen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass im Zweiten Weltkrieg der Aggressor besiegt und ein fruchtbarer Boden für einen dauerhaften Frieden in einer neuen gerechten Welt geschaffen wurde. Die Situation in Karabach steht in direktem Gegensatz dazu, daher sind die einseitigen Aufrufe westlicher Institutionen, in der Region auf bewaffnete Konflikte statt auf Gerechtigkeit zu verzichten, in der gegenwärtigen Situation wirkungslos. Nur unter Bedingungen der Gerechtigkeit kann ein dauerhafter Frieden erreicht werden. Ein Waffenstillstand baut nicht nur Spannungen ab, sondern erleichtert auch eine rasche Aufrüstung und Eskalation der Bedrohung zwischen den beiden Ländern, während präventive militärische Operationen darauf abzielen, einen unvermeidlichen zerstörerischen Krieg zu verhindern. Wenn die Aufrüstung für die armenische Seite kostenlos ist und in einem Kredit endet, führt dies zudem zu einem ernsthaften Ressourcenverlust für die aserbaidschanische Seite. Aus dieser Perspektive können die aserbaidschanischen Antiterroroperationen in Berg-Karabach auch als „friedenserzwingende Operationen“ bezeichnet werden. Hier geht es darum, die destruktive Führung Armeniens durch eine Verlängerung der Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts zu zwingen, der den Friedensprozess und einen dauerhaften Frieden behindert.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Gurban Mammadov
 

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Die Lage des armenischen Militärs erscheint stark bedrängt. Aber Aufrufe und Artikel, dass man Armenien helfen und/oder den Druck auf Aserbaidschan massiv erhöhen müsse, um ein drohendes Blutbad oder Massaker an 60.000 Menschen zu verhindern, sind eine beleidigende Parteinahme, die zugleich Ängste schürt und den Aserbaidschanern Teuflisches unterstellt.

Prof. Wilfried Fuhrmann: Aserbaidschan hat 27 Jahre das Unrecht der Okkupation ertragen