"Völkermord-Vowürfe"
US-Verfassungsrechtler Fein: Armenien würde vor dem Internationalen Gerichtshof verlieren

Washington – US-Verfassungsrechtler Bruce Fein hat die Entscheidung der US-Regierung die damaligen Ereignisse im Osmanischen Reich als „Völkermord“ zu bezeichnen, scharf verurteilt. Die Entscheidung sei politisch motiviert, so Fein in einem Interview. Die Entscheidung habe keine historische oder rechtliche Grundlage. „Denken Sie daran, Politiker lesen nicht die Geschichte und hintergründige politische Motive. Glauben Sie wirklich, dass Biden und sein Team die unzähligen Archive und historische Schriften gelesen und studiert haben? Nein, natürlich nicht“, so Fein in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Der Grund für solche Entscheidungen seien politischer Natur. US-Armenier seien besser organisiert und viel wohlhabender als Türken in den USA. Fein erinnerte daran, das US-Armenier in vielen Parteien vertreten seien und an diese hohe Geldsummen spendeten. „Und so ist das alles eine politische Aussage. Es hat überhaupt nichts mit dem Gesetz zu tun“, so Fein. Fein hob zudem hervor, dass unter allen relevanten Mächten des Ersten Weltkriegs nur Armenien seine Archive geheim halte. „Was verbergen sie?“, fragte Fein. „Nach Artikel 9 der Völkermordkonvention sind Streitigkeiten darüber, ob es sich um Völkermord handelt, vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu entscheiden. Dieser Artikel trat vor 70 Jahren, 1951, in Kraft. Armenien hat seinen Anspruch noch nie vor den Internationalen Gerichtshof gebracht, wie es die Völkermordkonvention vorschreibt. Natürlich gilt für die Türkei, wie für jede andere Person, die Unschuldsvermutung, und solange es kein Tribunal gibt, das in die eine oder andere Richtung entscheidet, gilt die Unschuldsvermutung“, betonte Fein. Der Verfassungsrechtler erinnerte daran, dass der Internationale Gerichtshof in der Vergangenheit bereits über andere Völkermordvorwürfe wie etwa Kroatien gegen Serbien im Jahr 2015, oder Anklagen von Bosnien-Herzegowina gegen Serbien 2007, entschieden habe. „Es ist also nicht so, dass Völkermordvorwürfe nicht prozessiert werden können, sie können und sie wurden vor dem Internationalen Gerichtshof prozessiert und es gab Urteile in dieser Sache. Warum wehren sich die Armenier? Ich komme noch einmal darauf zurück: Sie denken, sie würden verlieren“, so Fein. Fein war ein hochrangiger Beamter des Justizministeriums unter der Regierung von Ronald Reagan. Biden stuft Tod Hunderttausender als Völkermord ein Als erster US-Präsident hatte Joe Biden am Samstag die Einstufung der Ereignisse von 1915 als Genozid bezeichnet.

„Wir gedenken all derer, die im Völkermord an den Armeniern während der Zeit der Osmanen gestorben sind“, erklärte er zum 106. Jahrestag der Massaker. Es handele sich um die Bestätigung einer historischen Tatsache und gehe nicht darum, der Türkei „Vorwürfe zu machen“, betonte Biden. Die Anerkennung der Geschichte sei wichtig um zu verhindern, „dass solch eine Gräueltat sich jemals wiederholt“.

Türkische Regierung weist Erklärung zurück Das türkische Außenministerium wies die Erklärung Bidens „in schärfster Form“ zurück. Die Aussagen Biden hätten „keinen Wert“. Zudem habe Biden „weder legale noch moralische Autorität zur Bewertung historischer Ereignisse“. Laut dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu basiere die Aussage „nur auf Populismus“. „Wir haben nichts von niemandem über unsere eigene Vergangenheit zu lernen. Politischer Opportunismus ist der größte Verrat an Frieden und Gerechtigkeit“, schrieb er auf Twitter. Die Türkei erkennt die Tragödie hinter den Todesfällen Hunderttausender Menschen an, die von 1915 an im Zusammenhang mit den Ereignissen in Ostanatolien während des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren hatten. Allerdings verwahrt sich die Türkei gegen die Beurteilung der Ereignisse als „Völkermord“ und spricht von einer beiderseitigen Tragödie.

Ankara hat wiederholt die Bildung einer gemeinsamen internationalen Historikerkommission angeregt, um die Ereignisse vom Grunde her aufzuarbeiten und historisch zu bewerten. Die Regierung des Osmanischen Reiches hatte 1915 die Deportation armenischer Bevölkerungsteile aus der Region beschlossen, nachdem sich armenische Terrormilizen und Teile der Bevölkerung mit der russischen Armee verbündet hatten, die im Osten an der Kaukasusfront in osmanische Gebiete vorrückte.

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Der armenische „Patriarch von Konstantinopel“, Sahag Maschalian, hat die Instrumentalisierung der Ereignisse von 1915 im Osmanischen Reich scharf verurteilt.

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Wirtschaft
Türkei: Allzeit-Rekord bei Exporten

Ankara – Türkische Exporte übertrafen im April das Niveau vor der Pandemie und erreichten 18,8 Milliarden Dollar, so der Handelsminister am Montag. Mit einem Anstieg von 109 Prozent haben sich die Exporte der Türkei im Vergleich zum April des Vorjahres demnach mehr als verdoppelt. „Wir haben den höchsten April-Wert aller Zeiten erreicht und auch den zweithöchsten monatlichen Export aller Zeiten“, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu Mehmet Mus, der auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Ankara sprach. Im Vergleich zum April vor Ausbruch der Pandemie seien die Exporte um 22 Prozent gestiegen, so Mus. Er betonte, dass die türkischen Importe im letzten Monat auf Jahresbasis ebenfalls um 64,1 Prozent auf 21,9 Milliarden gestiegen seien und erklärte, dass sich das Außenhandelsdefizit im gleichen Zeitraum um 32 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar verringert habe. Auch in den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die türkischen Exporte im Jahresvergleich demnach um 33,1 Prozent auf 68,8 Milliarden Dollar während die Importe um 19,8 Prozent auf 82,9 Milliarden Dollar stiegen, so der Minister. In diesem Zeitraum schrumpfte das türkische Außenhandelsdefizit um 19,5 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar, bemerkte Mus weiter.

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Corona-Pandemie
Türkei: Diese Länder brauchen zur Einreise keinen Corona-Test mehr

Ankara – Ab dem 15. Mai benötigen Bürger aus zahlreichen Ländern zur Einreise in die Türkei keinen PCR-Test mehr. Wie das Gesundheitsministerium am Sonntag mitteilte, werden ab dem genannten Datum 16 Länder und Regionen von der Testpflicht befreit. Zu den Ländern und Regionen gehören Hongkong, China, Taiwan, Vietnam, Australien, Neuseeland, Singapur, Thailand, Südkorea, Israel, Japan, Großbritannien, Lettland, Luxemburg, Ukraine und Estland, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Harter Lockdown Nachdem die Türkei wochenlang alarmierende Corona-Zahlen vermeldete, sah sich die Regierung gezwungen eine Notbremse zu ziehen. Am vergangenen Donnerstag trat daraufhin ein dreiwöchiger Lockdown in Kraft. Alle öffentlichen Gebäude und Schule bleiben geschlossen. Reisen zwischen Städten sind in dieser Zeit nur noch mit Sondergenehmigung möglich

Die werktägliche Ausgangssperre dauert nun von 19 Uhr (vorverlegt von 21 Uhr) bis 5 Uhr morgens, während der auch Fahrten zwischen den Städten verboten sind, außer in Notfällen. In Städten mit hohem Risiko gelten auch in der Woche Ausgangssperren. Cafés und Restaurants bieten nur Liefer- und Mitnahmeservices an, während Hochzeitssäle, Sportzentren und Spielhallen bis zum Ende des Ramadan geschlossen bleiben.

Wie der Gesundheitsminister weiter mitteilt, wurden seit der am 14. Januar begonnenen landesweiten Impfkampagne der Türkei  22,8 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Davon seien 9,1 Millionen Menschen zwei Mal geimpft worden.

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Kryptowährungen
Bitcoin und Bitcoin Cash: Was ist der Unterschied? Ist es eine gute Investition?

Das Unternehmen Bitcoin.com wurde mit dem Ziel gegründet, die digitale Währung ohne Einschränkungen an alle Menschen auf der Welt weiterzugeben. Mithilfe der Technologie zum Aufbau eines verteilten Peer-to-Peer-Netzwerks werden digitale Zahlungen buchstäblich innerhalb weniger Sekunden ausgeführt. Aufgrund eines Skalierungsfehlers des Bitcoin-Netzwerks wurde 2017 die Bitcoin-Blockchain in zwei separate Blockchains aufgeteilt, was zu einer neuen digitalen Währung namens Bitcoin Cash führte. BTH wurde zur erfolgreichsten BTC-Fork. Außerdem haben einige Dienste und Benutzergruppen sogar die BTC-Blockchain aufgegeben und auf BCH umgestellt. Warum passierte es? Wodurch unterscheiden sich diese beiden Kryptowährungen? Diese Fragen versuchen wir im Folgenden zu beantworten. Bitcoin – die erste digitale Währung Im Jahr 2009, nach der Veröffentlichung seines White Papers, das die Schaffung eines dezentralen digitalen P2P-Systems beschrieb, wurde Bitcoin zur weltweit ersten Kryptowährung. Heute ist Bitcoin die anerkannte alternative Währung mit einer Marktkapitalisierung von über 1 Billion Dollar. Es wird jetzt als Währung für Online-Abrechnungen, als Geldspeicher oder als neue alternative Anlage verwendet, deshalb möchten viele Menschen heutzutage bitcoin kaufen. Mit dem wachsenden Interesse an Bitcoin hat die Auslastung seines Netzwerks jedoch enorm zugenommen, was zu langsameren Transaktionen und höheren Gebühren für Benutzer geführt hat. Es wurde klar, dass Bitcoin für die weitere Entwicklung modernisiert werden muss. Warum wurde Bitcoin Cash gegründet? Bitcoin Cash wurde erstellt, um die für die ursprüngliche Bitcoin-Software charakteristischen Eigenschaften des Geldes wiederherzustellen. Im Laufe der Jahre wurden diese Eigenschaften aus Bitcoin entfernt, und der Prozess wurde von verschiedenen Personen, Organisationen und Firmen abgestoppt, die an der Erstellung des Blockchain-Protokolls beteiligt waren. Daher war das BTC-Netzwerk nicht für die Verwendung als Zahlungssystem geeignet. Benutzer des Bitcoin-Systems beschworen sich über enorme Gebühren für die Möglichkeit, die Geschwindigkeit von Transaktionen zu erhöhen, da eine mit einer Mindestgebühr gesendete Überweisung Stunden dauern kann und es häufig Fälle bis zu mehreren Tagen gab. Dies alles war auf Probleme mit der Skalierbarkeit des Netzwerks zurückzuführen. Es gab Probleme bei der Erstellung von Bitcoin-Blöcken. Sie wurden alle gefüllt. Schlimmer noch, aufgrund der steigenden Nachfrage waren die Bitcoin-Entwickler nicht in der Lage, die Blockgröße zu erhöhen, um Bitcoin zu skalieren. In ihren eigenen Worten sahen die BTC-Entwickler diesen „Belohnungsmarkt“ und die Langsamkeit von Transaktionen als positives Merkmal des Bitcoin -Netzwerks. Dies führte dazu, dass viele in der Krypto-Community alternative digitale Münzen erstellten, da die Frustrationen von Benutzern in Bitcoin zunahm, da die Gebühren höher und Transaktionszeiten immer länger wurden. SegWit-Update (Segregated Witness) Es wurden verschiedene Lösungen für das Skalierbarkeitsproblem vorgeschlagen, aber die Segregated Witness-Technologie, kurz SegWit, hebt sich von ihrem Hintergrund ab. Hierbei handelt es sich um ein Blockchain-Upgrade, bei dem einige Daten entfernt werden, um Speicherplatz in Blöcken freizugeben. Dadurch können mehr Transaktionen im gleichen Zeitraum ausgeführt werden. Gegner von SegWit schlugen wiederum vor, die Blockgröße zu erhöhen. Infolgedessen wurde beschlossen, SegWit zu implementieren und anschließend die Blockgröße zu erhöhen, was den Gegnern von SegWit jedoch nicht ausreichte. Im August 2017 wurde SegWit implementiert, und gleichzeitig mit diesem Upgrade wurde die Blockchain aufgeteilt, um die BTH-Altcoin zu erstellen, mit der größere Blöcke generiert werden konnten. Der ursprüngliche BTC konnte aufgrund von SegWit mehr Transaktionen durchführen als zuvor. Bitcoin Cash – eine Fork von Bitcoin Bitcoin Cash (BCH) ist eine erweiterte Version der BTC-Software. Eine Art Hochgeschwindigkeitsfork wurde 2017 auf den Markt gebracht. Das Hauptupdate von BTH ist die Erhöhung des Blocklimits auf 8 MB, wodurch das Skalierungsproblem behoben wird. Dies wiederum macht es für die Miner möglich, in der BCH-Kette effektiv, mehr Bestätigungen pro Sekunde zu verarbeiten, wodurch schnellere und billigere Überweisungen ermöglicht werden. Allein diese Tatsachen machen BCH zu einer idealen digitalen Währung für alle Finanztransaktionen weltweit. Was man mit BCH tun kann:
  • Bitcoin Cash mit mehreren Grafikkarten abbauen
  • Währung wechseln
  • Elektronisches Geld mit Zahlungssystemen abheben
  • Kryptowährung als Zahlung für erbrachte Dienstleistungen oder im Internet verkaufte Waren erhalten.
Der Preis von Bitcoin Cash Der Preis für BCH ist heute nicht sehr hoch, besonders im Vergleich mit Bitcoin. Die Situation kann sich jedoch schnell ändern. Die Wertsteigerung der Bitcoin Cash-Kapitalisierung in kurzer Zeit, die aktive Förderung der Währung in interessierten Kreisen spricht für seine hohe Perspektive. Bitcoin, der Klassiker, der allen bekannt ist, konnte die Probleme mit der Langsamkeit und die hohen Transaktionskosten nicht lösen, was die Position seiner Fork stärkte. Die relative niedrige Preis von BCH im Vergleich zum Original erhöht auch seine Popularität. Es wird angenommen, dass Spekulanten am Aufstieg von Bitcoin Cash beteiligt waren, was es in hohem Maße von der Marktnachfrage abhängig machte. Der Anstieg oder Abfall hängt von der Geschwindigkeit der erfolgreichen Integration einer sicheren Skalierungslösung ab, auf die die gesamte Community so lange gewartet hat. Der Preis von BCH für heute beträgt 550 Dollar und viele Experten sind einig, dass er weiter wachsen wird. Unterschied zwischen Bitcoin und Bitcoin Cash Der Hauptunterschied zwischen BTC und BCH ist die Blockgröße. Die Blockgröße von Bitcoin ist auf 1 MB begrenzt, während Bitcoin Cash einen Block von 8 MB bietet. Wenn ein Bitcoin-Block ungefähr 2.500 Transaktionen enthält, erreichte diese Zahl für die ersten BCH-Blöcke 7.000. Somit sehen die Aussichten für Bitcoin Cash in Bezug auf die Skalierbarkeit auf den ersten Blick viel besser aus. Die meisten Bitcoin-Infrastrukturen (Brieftaschen, Zahlungsdienste usw.) unterstützen Bitcoin Cash jedoch nicht und betrachten es nur als eine andere Altcoin, nicht als „neuer Bitcoin“. Das heißt, dass seine Verwendung weiterhin auf Spekulationen an Börsen beschränkt ist. Man kann also die folgenden Unterschiede zwischen beiden Kryptos hervorheben: Der BTH-Knoten wurde auf 8 MB gegenüber 1 MB BTC erhöht. Dem Fork-Netzwerk fehlt ein periodisches SegWit-Update, um die Überweisungsverarbeitung zu beschleunigen. Im BCH-Netzwerk gibt es keine Gebührensetzung (Replace-by-Fee) – die Möglichkeit, eine Transaktion vor der Bestätigung durch Zuweisung einer größeren Provision abzubrechen. Fazit BTH, die als eine fork für Bitcoin gilt, ist vielmals billiger als das Original, aber sein täglicher Umsatz beträgt ungefähr 65% von Bitcoin. Daraus können wir schließen, dass BCH-Münzen für Abwicklungsoperationen und Spekulationen verwendet werden und Einlagen in BTC Anlagecharakter haben. Sie können alle Stärken und Schwächen dieser beiden Kryptos auswägen und die Entscheidung in Bezug auf Investition basierend auf Ihren Zielen, Vorlieben und Anlagegröße treffen.

Bergkarabach-Konflikt
Bergkarabach: Hauptfaktoren, die die Friedenskonsolidierung nach dem Konflikt untergraben

Ein Gastbeitrag von Dr. Gurban Alakbarov

Der zweite Karabach-Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan veränderte den Status quo in einem langwierigen, jahrzehntelangen Konflikt. Als Ergebnis der militärischen Operationen befreite die aserbaidschanische Armee mehrere Bezirke und Dörfer, darunter auch die kulturelle Hauptstadt Aserbaidschans, die Stadt Schuscha.

Am 9. November 2020 schlossen Moskau, Baku und Eriwan ein trilaterales Abkommen, in dem sich Armenien verpflichtete, den verbleibenden Teil seiner Truppen aus dem Gebiet Aserbaidschans abzuziehen. Die russischen Friedenstruppen wurden auf einem kleinen, von Armeniern dicht besiedelten Gebiet von 3.000 Quadratkilometern stationiert. Der Rest der armenisch besetzten Gebiete kehrte unter die volle Kontrolle Aserbaidschans zurück.

Ein 5 Kilometer breiter Korridor führt durch das  aserbaidschanische Territorium, um die humanitären Beziehungen zwischen Armenien und der armenischen Bevölkerung in Karabach aufrechtzuerhalten. Baku garantiert die Sicherheit des Korridors, und es gibt auch russische Militärkontrollpunkte entlang der Passage. Außerdem einigten sich die Parteien darauf, alle Kommunikationswege in der Region freizugeben.

Die armenisch-türkische und armenisch-aserbaidschanische Grenze wird geöffnet, was den Interessen der gesamten Region und Deutschlands als Partner Armeniens und Aserbaidschans entgegenkommt. Als Folge des zweiten Karabach-Krieges vereinbarten die Parteien gemäß Punkt 8 der trilateralen Erklärung, die von den Präsidenten Aserbaidschans und Russlands sowie dem Ministerpräsidenten Armeniens am 10. November 2020 unterzeichnet wurde, den Austausch von Kriegsgefangene, Geiseln und anderen Gefangenen. 5

Die Umsetzung der Verpflichtung begann Anfang Dezember 2020. Am 4. Dezember reichten die Parteien eine Liste der Gefangenen beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ein. Im Dezember und Januar fand der Austauschprozess mehrmals statt, und nach den letzten Informationen übergab die aserbaidschanische Seite 69 Kriegsgefangene an Armenien und die armenische Seite 15 Gefangene und Geiseln nach dem Prinzip „alle gegen alle“. Aserbaidschan hat offiziell angekündigt, dass die Rückgabe aller armenischen Kriegsgefangenen damit abgeschlossen sei.

Trotz des Abkommens vom 9. November verlegte Armenien Anfang Dezember 2020 eine neue Gruppe von Soldaten nach Karabach und nutzte dabei den humanitären Korridor. Diese Gruppe versuchte, im Rücken der aserbaidschanischen Armee Fuß zu fassen. Dabei wurden vier aserbaidschanische Soldaten getötet, zwei weitere Personen wurden schwer verwundet, darunter ein Zivilist – ein Ingenieur, der gerade eine Mobilfunkverbindung herstellte. Daraufhin führte Aserbaidschan eine Anti-Terror-Operation in dem Gebiet durch.

Selbst Armeniens Verbündeter Russland gab durch seinen Außenminister Lawrow zu, dass Armenien unrechtmäßig Kämpfer nach Karabach verlegt und damit das Abkommen vom 9. November verletzt hat. Mit Kämpfern sind die 62 bewaffneten armenischen Männer aus der Region Schirak Armeniens gemeint. Aserbaidschan betrachtet diese Soldaten nicht als Kriegsgefangenen, sondern als Saboteure, die nach dem Ende der Feindseligkeiten auf dem Territorium Aserbaidschans bewusst Verbrechen begangen haben. Es kann keine Kriegsgefangenen geben, wenn es keine militärischen Operationen gibt, sie sind Kriminelle, aber keine Kriegsgefangenen.

Außerdem besagt Artikel 49 des Zusatzprotokolls I (1977) zu den Genfer Konventionen, dass solche Saboteure nicht das Recht haben, den Status eines „Kriegsgefangenen“ zu erhalten. Die armenische Seite, die eine Politik der Manipulation der Gefangenen verfolgt, will eine voreingenommene Meinung über Aserbaidschan schaffen, was ein ernsthaftes Hindernis für den Friedensprozess ist. Wenn wir einen wirklichen Frieden in Berg-Karabach sehen wollen, muss Armenien davon absehen, den Friedensprozess mit der Frage der Kriegsgefangenen zu manipulieren.

Armeniens Weigerung, Landminenkarten zu übergeben, verhindert die Minenräumung in der Karabach-Region Aserbaidschans

Seit dem 9. November ist die Region Karabach zwar stabilisiert, aber der Frieden ist immer noch sehr fragil. Armenien hat in großem Umfang Landminen und Panzerabwehrminen eingesetzt, um massive menschliche Verluste unter aserbaidschanischen Zivilisten und Militärs zu verursachen. Dies führte zu einer humanitären Katastrophe in der vom Krieg betroffenen Region und blockiert den Zugang für humanitäre und Wiederaufbauaktivitäten.

Aserbaidschans Gebiet wurde während der fast 30-jährigen Besetzung durch Armenien seit Anfang der 1990er Jahre stark vermint. Kurz nach dem Krieg begannen die aserbaidschanischen Behörden mit groß angelegten Minenräumungsaktionen in der Karabach-Region. Regierungsvertreter und Unternehmen aus vielen Ländern, darunter die Türkei, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Pakistan, haben bereits ihre Absicht bekundet, Aserbaidschan in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Um Landminen aus seinen Gebieten zu entfernen, brachte Aserbaidschan hochmoderne Minenräumungsmaschinen mit, wie z.B. die MEMATT aus türkischer Produktion und die AARDVARK aus britischer Produktion.

Die Minenräumung in den befreiten Gebieten stößt auf große Schwierigkeiten, weil Armenien sich weigert, die Karten der mit Minen verseuchten Gebiete vorzulegen. Seit der Unterzeichnung der trilateralen Erklärung durch die Staats- und Regierungsoberhäupter Aserbaidschans, Armeniens und Russlands am 10. November 2020 wurden 22 Bürger Aserbaidschans, darunter 14 Zivilisten, infolge von Minenexplosionen in den kürzlich befreiten Gebieten getötet. 85 Bürger, darunter 16 Zivilisten, wurden schwer verletzt, darunter auch die Mitarbeiter der Aserbaidschanischen Nationalen Agentur für Minenbekämpfung (ANAMA), die versuchten, andere zu schützen. Armenische Panzerabwehrminen töteten alle Besucher im Auto während der Fahrt in der Nähe der Ruinen ihres Dorfes.

Armenien weigert sich, diese Krise auf diplomatischem Wege zu lösen. Seit Monaten verweist Präsident Alijew auf die Weigerung Armeniens, die Karten herauszugeben, obwohl die armenische Regierung nach dem humanitären Völkerrecht verpflichtet ist, die Informationen offenzulegen. Aserbaidschan hat seine Bedenken auch bei den Vereinten Nationen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vorgebracht. In einem Brief an den UN-Generalsekretär vom 24. Februar erklärte der aserbaidschanische Außenminister Jeyhun Bayramov, dass das Ausbleiben einer Antwort Armeniens „die Aufrichtigkeit dieses Landes für eine Normalisierung der Beziehungen zu Aserbaidschan ernsthaft in Frage stellt.“

Obwohl das oberirdische Arsenal der Besatzer in 44 Tagen zerstört wurde, ist das unterirdische Arsenal noch vorhanden. Die Minen wurden in den befreiten Gebieten entlang von Stromleitungen, Straßenrändern, Dorf- und Stadtwegen, Flussufern und anderen Stellen vergraben. Es ist notwendig, die Zusammenarbeit zwischen der Regierung,

Nichtregierungsorganisationen und internationalen Organisationen zu verstärken, um die Bedrohung durch Landminen zu verhindern. Es ist wichtig, Reisen von einheimischen und ausländischen Journalisten in die befreiten Gebiete zu organisieren, um Menschen davon abzuhalten, die verminten Gebiete zu besuchen. Internationale Organisationen sollten Druck auf Armenien ausüben, damit es endlich die Karte der verminten Gebiete zur Verfügung stellt.


Dieser Gastbeitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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Bénard: An einem Winterabend saß ich mit türkischen Freunden in einer Kneipe, wo wir uns gewöhnlich einmal die Woche treffen, um Karten zu spielen. Die Nachrichten liefen im Fernseher. Als erste Schlagzeile verkündete der Journalist, dass Präsident Chirac und sein erster Minister Lionel Jospin am 29.1.2001 ein Dekret verabschiedet haben, in dem stand, dass Frankreich den Völkermord an den Armeniern anerkannte.

Die Ankündigung ließ meine Freunde verstummen. Nach einer langen Zeit des Schweigens fingen sie an zu erzählen. Ich hörte zu, ohne mich an den Gesprächen zu beteiligen. Sie kamen aus einer kleinen Stadt namens Bayburt, in der Osttürkei. 1915 nahmen Armenier die jungen und alten türkischen Bewohner der Stadt gefangen und sperrten sie in drei Scheunen auf dem Stadthügel unterhalb der Festung ein. Sie stecken die erste, dann die zweite an. Zum Glück für die dritte Scheune kam die türkische Armee rechtzeitig und vertrieb die Mörder. Die türkischen Soldaten befreiten die Gefangenen. Aber leider wurden Hunderte bei lebendigem Leib verbrannt.

Wie alle Franzosen war ich überzeugt, dass gegen die Armenier ein Völkermord begangen worden war, und dass sie in diesem Konflikt nur Opfer gewesen waren und auf gar keinen Fall Täter. Ich kannte meine Freunde seit langem und konnte nicht an deren Worten zweifeln. So fasste ich meinen Entschluss und begann über die türkisch-armenischen Ereignisse von 1915 zu recherchieren.
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Kunst
Preußischer Kulturbesitz begrüßt Rückgabe der Benin-Bronzen und hält Leihgaben für möglich

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat die Einigung über die Rückgabe der sogenannten Benin-Bronzen an Nigeria begrüßt. Die Kunstwerke stammen aus britischen Plünderungen Ende des 19. Jahrhunderts. Parzinger sagte am Freitag im Inforadio vom rbb, es werde ab dem kommenden Jahr substanzielle Rückgaben geben, nicht nur einige wenige symbolische. Gleichzeitig hält er Leihgaben für Deutsche Museen für möglich. „Wir wünschen uns natürlich schon, dass hier in Berlin im Humboldt-Forum wie auch in anderen deutschen Städten weiterhin diese herausragende Kunst Afrikas zu sehen ist.“ Parzinger zeigte sich überzeugt, eine gute Lösung zu finden. Auch in Nigeria gebe es entsprechende Wünsche. „Der Gouverneur der Provinz in der Benin-City liegt, der sagt, diese Kunst aus Benin ist Teil der Weltkunst und wir wollen, dass es auch außerhalb Nigerias, außerhalb Afrikas gezeigt wird.“ Parzinger kündigte für Mai eine zweite Reise des Auswärtigen Amtes nach Nigeria an. Dabei soll über Einzelheiten der Rückgabe sowie mögliche Leihgaben gesprochen werden. „Es ist wichtig, dass die Fachleute mit der Politik hier in Dialog kommen und ich bin absolut sicher, wir werden eine Lösung finden, die für beide Seiten gut ist.“

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Corona-Pandemie
Türkei: Zahl der Corona-Toten steigt auf über 40.000

Ankara – Nach einem rasanten Anstieg der täglichen Neuinfektionen auf über 60.000 hatte die türkische Regierung in der vergangenen Woche eine drastische Verschärfung der Corona-Maßnahmen angeordnet. Wie der Gesundheitsminister am Freitag mitteilte, stieg die landesweite Zahl der Todesopfer im Laufe des vergangenen Tages um 394 auf 40.131. Die Zahl der Patienten im kritischen Zustand liege derzeit bei 3.534. Seit Beginn der Pandemie im vergangenen März habe die Gesamtzahl der Ansteckungen 4,82 Millionen erreicht, davon sollen 4,3 Millionen wieder genesen sein. Nach einem Rekordanstieg auf über 60.000 in der vergangenen Woche ist die Zahl der täglichen Neuansteckungen am Freitag auf 31.891 gefallen, so das Ministerium. Darunter hatten 2.673 Patienten schwerwiegende Symptome. Die Gesamtzahl der Patienten mit schwerwiegenden Symptomen liegt demnach bei 3.534. Wie der Gesundheitsminister weiter mitteilt, wurden seit der am 14. Januar begonnenen landesweiten Impfkampagne der Türkei  22,8 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Davon seien 9,1 Millionen Menschen zwei Mal geimpft worden. Harter Lockdown Nachdem die Türkei wochenlang alarmierende Corona-Zahlen vermeldete, sah sich die Regierung gezwungen eine Notbremse zu ziehen. In der vergangenen Woche infizierten sich erstmals mehr als 60.000 Menschen innerhalb von 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf über 500 an, in der Millionenmetropole Istanbul lag sie sogar bei 850. Am vergangenen Donnerstag trat daraufhin ein dreiwöchiger Lockdown in Kraft. Alle öffentlichen Gebäude und Schule bleiben geschlossen. Reisen zwischen Städten sind in dieser Zeit nur noch mit Sondergenehmigung möglich Die werktägliche Ausgangssperre dauert nun von 19 Uhr (vorverlegt von 21 Uhr) bis 5 Uhr morgens, während der auch Fahrten zwischen den Städten verboten sind, außer in Notfällen. In Städten mit hohem Risiko gelten auch in der Woche Ausgangssperren. Cafés und Restaurants bieten nur Liefer- und Mitnahmeservices an, während Hochzeitssäle, Sportzentren und Spielhallen bis zum Ende des Ramadan geschlossen bleiben.

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Forschung
Karliczek: Mit Forschung und Innovation für die Zukunft gut aufgestellt

Damit setzt sie vielfältige und wichtige Impulse für das Innovationsland Deutschland. Ihr amtierender Vorsitzender, Professor Uwe Cantner, wurde kürzlich für weitere vier Jahre berufen. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek: „Es freut mich, dass Professor Cantner als national und international anerkannter Experte im Bereich der Innovationsökonomik uns weiterhin seine Expertise zur Verfügung stellen wird. Wir leben in einer Zeit, die uns die Bedeutung von Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit eindrücklich vor Augen führt. Dabei ist Deutschlands Innovationskraft die wesentliche Grundlage dafür, dass wir die Pandemie und ihre wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Folgen gut bewältigen können. Unser Wissenschafts- und Innovationssystem hat sich hier bewährt. Um den Innovationsstandort Deutschland weiter zu stärken, ist eine evidenzbasierte Politikberatung durch unabhängige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von hoher Bedeutung. Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) nimmt dabei eine zentrale Position ein.“ Hintergrund: Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt seit 2008 einmal im Jahr Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Ein zentraler Bestandteil der Gutachten sind Handlungsempfehlungen für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik. Das EFI Gutachten 2021 wurde der Bundesregierung am 24.2.2021 übergeben (Link zum Gutachten https://www.bmbf.de/files/2021-02-24_035%20PM%20EFI_Gutachten.pdf). Prof. Cantner hat den Lehrstuhl für Mikroökonomik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne, an der er auch Vizepräsident für wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung ist. In seiner Forschung befasst er sich u.a. mit innovationsökonomischen Fragestellungen in den Bereichen der Entrepreneurship- und Gründungsforschung, der Kooperations- und Netzwerkforschung, sowie derGeneral-Purpose-Technologien samt den dazugehörigen Systemtransformationen. Die neue Berufungsperiode des amtierenden Vorsitzenden beginnt am 1. Mai 2021. Weitere Mitglieder der Expertenkommission Forschung und Innovation sind:

– Katharina Hölzle (stv. Vorsitzende), Leiterin der Forschungsgruppe IT-Entrepreneurship am Hasso-Plattner-Institut, Fakultät für Digital Engineering der Universität Potsdam – Irene Bertschek, Leiterin des Forschungsbereichs Digitale Ökonomie am ZEW Mannheim und Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen – Holger Bonin, Forschungsdirektor am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) Bonn und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Kassel – Caroline Häussler, Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship an der Universität Passau – Till Requate Professor für Innovation, Wettbewerbspolitik und Neue Institutionenökonomik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Corona-Pandemie
Covestro-Chef zu Corona-Forderungen: „Das Industrie-Bashing nervt gewaltig“

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Markus Steilemann, Chef des Leverkusener Dax-Konzerns Covestro, hat die Bundespolitik für ihre Forderungen nach intensiveren Bemühungen von Unternehmen bei der Coronavirus-Bekämpfung scharf kritisiert. „Das Industrie-Bashing nervt gewaltig“, sagte der Chemiemanager am Mittwoch dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ . „Wir haben vom ersten Tag an unsere Hausaufgaben gemacht und bereits im Februar 2020 innerhalb weniger Tage ein Schutzkonzept für die wichtigsten Bereiche der Produktion und Forschung implementiert“, sagte Steilemann. 90 Prozent derjenigen, die im Homeoffice arbeiten könnten, würden dies auch tun. Andere, so der Konzernchef, würden hingegen das freiwillige Angebot annehmen, im Büro zu arbeiten, wenn es die Situation zu Hause nicht anders erlaube. Zuletzt habe der im Dax gelistete Kunststoffkonzern sämtlichen Angestellten fünf Schnelltests nach Hause geschickt, „auch denen, die nicht ins Büro kommen müssen“, sagte Steilemann der Zeitung: „Wir testen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wo es angemessen oder selber gewünscht ist, mit Schnelltests und PCR-Tests. Wir setzen FFP2- und FFP3-Masken ein, wo direkter Kontakt nicht vermeidbar ist, und arbeiten mit einem umfangreichen Schichttrennungssystem.“ „Wenn die Politik mit einer so generalstabsmäßigen Planung die Pandemiebekämpfung betrieben hätte wie wir, wären wir alle durchgeimpft und hätten diese Diskussion nicht“, sagte Steilemann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Forderungen an die Industrie wirkten auf ihn manchmal „wie ein gezieltes Ablenkungsmanöver, um von eigenen Versäumnissen abzulenken“. Covestro und seine Partner aus Chemie und Industrie im Chempark stünden bereit, um ihren Beitrag zur Impfkampagne zu leisten.

Schulpolitik
NRW-Kommunen halten Recht auf Ganztag für unbezahlbar

Viele Kommunen in NRW wehren sich energisch gegen Pläne der Bundesregierung, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder der 1. bis 4. Schulklassen durchzusetzen. „Ich warne davor, Erwartungen zu wecken, die wir nicht erfüllen können“, sagte Christof Sommer, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Dass die Bundesregierung jetzt diesen Gesetzentwurf vorlege, zeuge laut Sommer „von magischem Denken“. In NRW sei der Anspruch auf Ganztag bis 2025 schlichtweg nicht umsetzbar, so der Kommunalverband. Sommer: „Die Kommunen bauen schon seit Jahren unter Hochdruck die Schulen für Ganztagsangebote aus, der Bedarf ist seit 2010 um zwei Drittel gestiegen. Ein Rechtsanspruch würde einen zusätzlichen Boom auslösen. Um dem gerecht zu werden, haben wir weder das Personal noch die Räumlichkeiten. Auch bei der Finanzierung klaffen riesige Lücken.“ Auch der Jugendausschuss des Landkreistags NRW wies die Ganztags-Initiative von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) entschieden zurück.