Nahrungsproduktion
Bauernpräsident: Lebensmittelpreise bleiben hoch

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Osnabrück – Bauernpräsident Joachim Rukwied geht nicht von zeitnah sinkenden Lebensmittelpreisen aus. Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte er: „Ich sehe da kurzfristig kein Signal der Entspannung. Lebensmittel herzustellen ist nach wie vor sehr teuer.“ Rukwied verwies darauf, dass Düngemittel 3,5-mal und Sprit doppelt so teuer sei wie vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Entsprechend hoch seien auch die Produktionskosten. „Daher gehe ich nicht davon aus, dass in diesem Jahr die Lebensmittelpreise im Supermarkt sinken. Die Landwirte brauchen die höheren Preise, um die nächste Ernte vorfinanzieren zu können.“ Wegen hoher Energiepreise bleiben Gewächshäuser leer Die hohen Energiepreise haben Konsequenzen für den Obst- und Gemüseanbau in Deutschland. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte im Interview mit der NOZ: „Es bleiben manche Gewächshäuser leer, weil sich die Produktion aufgrund der exorbitant gestiegenen Energiekosten schlicht nicht mehr lohnt.“ Das würden die Verbraucher mittelfristig auch im Supermarkt merken, „weil heimisches Obst und Gemüse fehlen“. Bei den Feldfrüchten sei zusätzlich die Erdbeer- und Spargelproduktion in Gefahr. Der Mindestlohn von zwölf Euro mache den Anbau in Deutschland vielfach unwirtschaftlich. Im vergangenen Jahr hätten Supermärkte statt deutschem Spargel Ware aus Italien für drei Euro pro Kilogramm verkauft. „Für so einen Preis können sie bei uns nicht stechen“, sagte Rukwied. Er warnte: „Es ist eine reelle Gefahr, dass in Deutschland die Spargel- und Erdbeerproduktion verschwindet.“

Provokationen in Stockholm
Schwedens Premier Kristersson verurteilt PKK

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Stockholm – Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson bezeichnete die Provokation der PKK-Anhänger als „unverantwortlich“ und als möglichen Versuch, die Bewerbung des Landes um den Beitritt zum NATO-Militärbündnis zu „sabotieren“. In seiner schriftlichen Erklärung gegenüber dem schwedischen Sender TV4 am Freitag verurteilte Ulf Kristersson die jüngste Provokation, die sich gegen die Türkei und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan richtete. Symphatisanten und mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation PKK versammelten sich am Donnerstag vor dem historischen Rathaus in der Stockholmer Hauptstadt, hängten eine Figur, die Erdogan darstellt, an einen Pfahl vor dem Gebäude. Videomaterial von dem Vorfall wurde schnell auf einen mit der Terrorgruppe verbundenen Social-Media-Account hochgeladen, auf dem Drohungen und Beleidigungen gegen die Türkei und Erdogan mit türkischen Untertiteln zu sehen sind. Der schwedische Botschafter in Ankara, Staffan Herrstrom, wurde später wegen des Vorfalls in das türkische Außenministerium einbestellt. Die türkische Staatsanwaltschaft in Ankara hat, nachdem der türkische Präsident eine Strafanzeige wegen der Provokation gestellt hatte, nun eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. „Bei der Generalstaatsanwaltschaft in Ankara wurde eine Strafanzeige eingereicht, in der die Einleitung von Ermittlungen gegen die Täter wegen der kriminellen Handlungen gegen unseren Präsidenten gefordert wird“, erklärte Erdogans Anwalt Hüseyin Aydin am Freitag auf Twitter.

Schweden und Finnland haben sich um einen NATO-Beitritt beworben, nachdem Russland im Februar eine große Militäroffensive gegen die Ukraine gestartet hatte. Die beiden skandinavischen Länder waren bereits enge Partner der NATO, aber durch ihren Beitritt würden sie die Unterstützung von 30 Mitgliedsländern erhalten, falls sie von ihrem Feind Russland oder einem anderen Land angegriffen würden. Das Militärbündnis trifft seine Entscheidungen im Konsens, was bedeutet, dass beide Länder den Segen aller 30 Länder benötigen.

Nur die Türkei weigerte sich, für einen Beitritt zu stimmen. Der NATO-Verbündete Türkei hob im Juni sein Veto gegen den Antrag Finnlands und Schwedens auf Beitritt zum Militäbündnis auf. Vorausgegangen waren wochenlange angespannte Verhandlungen, in denen Ankara die beiden nordischen Länder beschuldigte, Kämpfer der Terrororganisation PKK zu beherbergen. Schweden und Finnland unterzeichneten im Juni ein Abkommen mit der Türkei, in dem sie die meisten Forderungen des Landes im Gegenzug für ihre NATO-Mitgliedschaft akzeptierten. Dazu gehört auch die Auslieferung einer langen Liste von Personen, die von der Türkei wegen terroristischer Anschuldigungen gesucht werden.

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Die renommierte niederländische Journalistin Rena Netjes erhielt nach eigenen Angaben per Email Todesdrohungen der PKK-Terrorgruppe.

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Historie
Geok-Tepe: Russlands Massaker an Turkmenen

von Kemal Bölge

Alljährlich am 12. Januar gedenken Turkmenen der Opfer des furchtbaren Massakers von Geok-Tepe, bei dem nach Einschätzung von Historikern am 12. Januar 1881 etwa 40.000 Menschen von russischen Streitkräften getötet wurden. Für die Turkmenen gilt dieser Tag nicht nur als Tag der Erinnerung, sondern als historische Katastrophe.

Heute vor 142 Jahren, am 12. Januar 1881, richtete die russische Armee des Zarenreiches in Geok-Tepe/Turkmenistan eines der größten Massaker an der turkmenischen Zivilbevölkerung an, bei dem nach Schätzungen von Historikern etwa 40.000 Menschen Opfer von massenhaften Gewaltverbrechen (Mezalim) wurden. Eine Gedenkzeremonie für die getöteten Opfer findet alljährlich am 12. Januar in der Märtyrer-Moschee statt, die sich in der Geok-Tepe-Festung befindet und zirka 50 Kilometer von der Hauptstadt Aschgabat entfernt liegt.

Anno 1881 befand sich die russische Armee des damaligen Zarenreiches in Turkestan auf dem Vormarsch, um die Region zu erobern. Im selben Jahr besetzte die russische Armee unter dem Kommando von General Michail Dmitrijewitsch Skobelew die Stadt Yengi Şeher (Neue Stadt). Tausende von Turkmenen versuchten, die Eroberung der Stadt Geok-Tepe zu verhindern. Die russische Armee hatte die Stadt militärisch eingekesselt.

Nach 23 Tagen aufopferungsvollen Kampf der Turkmenen besetzten 6.000 Soldaten der zaristischen Armee die Stadt. Bei der Erstürmung und anschließenden Einnahme Geok-Tepes wurden bei Massakern Tausende turkmenische Soldaten, Frauen, Kinder und Alte von der russischen Armee getötet. In der türkischen und aserbaidschanischen Geschichtswissenschaft hat sich der Terminus technicus Mezalim für massenhafte Gewaltverbrechen an der muslimischen Zivilbevölkerung etabliert.

Ein zeitgenössischer Reporter schrieb über die Belagerung von Geok-Tepe, dass „niemand verschont wurde, nicht einmal kleine Kinder oder ältere Menschen. Alle wurden erbarmungslos von russischen Säbeln niedergestreckt“.

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Am 18. Mai 1944 ließ Josef Stalin Zehntausende Krimtataren nach Zentralasien deportieren. Sie wurden vom Sowjetregime der Kollaboration mit der nationalsozialistischen Besatzungsmacht beschuldigt.

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Terrorismus
Istanbul-Anschlag: Mutmaßlicher Fluchthelfer in Bulgarien verhaftet

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Sofia – Die bulgarische Polizei hat einen mutmaßlichen Fluchthelfer des Bombenanschlags von Istanbul, Hazni Gölge, der per Haftbefehl gesucht wurde, in einem Hotel im bulgarischen Swilengrad aufgespürt, festgenommen und den türkischen Strafverfolgungsbehörden am Grenzübergang Kapikule überstellt. Wie der Nachrichtensender CNN-Türk am Mittwoch berichtete, lag gegen das mutmaßliche PKK-Mitglied Gölge ein internationaler Haftbefehl vor.
Die Interpol-Abteilung der Generaldirektion der türkischen Polizei hatte zuvor bei der bulgarischen Interpol die Festnahme und Überstellung des PKK-Terrorverdächtigen verlangt. Der Extremist wird verdächtigt, an dem Terroranschlag am 13. November 2022 in der Istiklal Caddesi in Istanbul beteiligt gewesen zu sein, bei dem nach offiziellen Angaben 6 Menschen getötet und 81 Menschen verletzt wurden.

Laut Ermittlungen der Polizei war es der festgenommene Verdächtige, der kurz nach dem Anschlag den mutmaßlichen Drahtzieher des Sprengstoffanschlags, Bilal Hasan, zur Flucht ins Ausland geholfen haben soll. Nach der Festnahme des Gesuchten wurde dieser zur Vernehmung ins Polizeipräsidium für Terrorabwehr nach Istanbul gebracht.

Die PKK wird von der Türkei und den USA sowie der EU als terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für den Tod von mehr als 40.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, verantwortlich gemacht. Kemal Bölge/Istanbul

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Andrzej M
Wien: Polnischer Serienmörder tötet Mutter und Apotheker

Wien – Die Polizei in Wien nahm nach zwei Mordfällen einen Tatverdächtigen fest. Wie die Polizei am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt gab, wurde der 50-jährige obdachlose Pole Andrzej M. festgenommen, der sowohl eine 31-jährige zweifache Mutter als auch einen ehemaligen Apotheker (74) getötet haben soll. Nachdem ihn seine Freundin nach einer Gewaltattacke kurz vor Jahreswechsel bei der Polizei wegen Körperverletzung angezeigt und rausgeschmissen hatte, zog er eine Blutspur durch die österreichische Hauptstadt. In der Nacht zu Neujahr sei er beim Ex-Apothekerkammer-Chef Heinrich Burggasser eingebrochen und habe ihn zu Tode geprügelt. Auch die Mutter zweier Kinder muss auf ähnliche Weise, eine Nacht lang brutal gequält, sterben. Während er die Mutter in ihrem eigenen Haus zu Tode gequält hat, versteckten sich die kleinen Töchter der Frau im Nebenzimmer. Der Vater war zu dem Zeitpunkt verreist, so die Journalistin Anna Dobler auf Twitter. Einige Tage nach dem zweiten Mord wurde der Verdächtige in der Nähe des Tatorts bei einem Einbruchsversuch festgenommen. Eine wichtige Rolle spielten dabei DNA-Spuren sowie Hinweise von Journalisten. Wie heute.at weiter berichtet, soll der dringend Tatverdächtige bereits in der Vergangenheit mehrmals, zunächst in Deutschland, später auch in Österreich, in Konflikt mit dem Gesetz geraten sein. Wegen Körperverletzung sei der Obdachlose bereits seit 2020 polizeilich bekannt gewesen. Aus Deutschland sind von 2001 bis 2018 insgesamt 23 Delikte in den Polizeiakten aufgelistet – dabei geht es um Diebstahl, Körperverletzung und Raub, berichtet OE24. 2020 zog es den Polen nach Österreich. Nur wenige Tage vor den Morden habe er noch seinen Hund gequält und ein leerstehendes Haus angezündet. OE24:
Zuerst malträtierte Andrzej seinen Hund, band ihm eine Halskette mit Stahldornen um, dass sich die Spitzen in Fell und Haut des armen Tieres bohrten. Danach schlug er seine Lebensgefährtin grün und blau, worauf die Obdachlose sich aufs Kommissariat wagt und den Peiniger anzeigt. Das war am 27. Dezember. Zwei Tage später wurde er zum Brandstifter und zündete – an sich völlig sinnlos – ein leer stehendes Haus an.
   

Türkei
TOGG-Konkurrent Tesla kommt in die Türkei

Istanbul – Das erste türkische Auto, das E-Auto TOGG, bekommt Konkurrenz: US-Autohersteller Tesla will in den türkischen Markt einsteigen. „Tesla ist in der Automobilbranche eine der Automobilmarken der Zukunft. Sie versucht derzeit, ihren Einfluss auf der ganzen Welt, ihrem Markt, auszuweiten“, so der türkische Technologieminister Mustafa Varank gegenüber Reportern. Varank befindet sich derzeit in den USA, wo er die Automobilmesse CES2023 besuchte. Auch der Google-Zentrale und Tesla stattete der türkische Minister einen Besuch ab. Tesla versuche mit seiner Fabrik in Deutschland auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, und will auch in den türkischen Markt einsteigen, so Varank weiter. Varank erklärte, dass das Unternehmen Gespräche über einen Markteintritt in der Türkei führe:
„Die Aktivitäten von Tesla, in Bezug auf einen Markteintritt mit seinen Ladestationen in der Türkei, gehen weiter. Eigentlich wollten sie schon früher in die Türkei kommen, aber der Prozess hat aufgrund ihrer eigenen internen Bewertungen etwas länger gedauert“.
Varank betonte, dass ihnen die Investitionen von Tesla in die Technologie in der Türkei am Herzen liege, und sagte: „Die Türkei hat ein sehr ernsthaftes Anreizsystem, insbesondere in Bezug auf Investitionen, Forschung und Entwicklung. Wir haben gesagt: ‚Kommt, profitiert davon, investiert‘. Es ist wichtig für sie, in den Markt einzutreten, aber auch für uns. Wir haben unsere Vorschläge dafür eingereicht. Derzeit hat Tesla bereits Zulieferer aus der Türkei“. Varank betonte auch, dass sich die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Tesla nicht auf die Automobilindustrie beschränkt und fügte hinzu, dass Tesla-CEO Elon Musk zunächst in die Türkei kam, um Raketen von SpaceX zu vermarkten. Er erinnerte daran, dass Türkiye seine Satelliten über SpaceX ins All gebracht hat und dass das Land einer der ersten Kunden von SpaceX war. Varank hat zudem türkische Unternehmen dazu aufgerufen, die Beziehungen zu den USA im Bereich Wissenschaft und Technologie zu stärken. Varank sagte, die türkische Regierung führe Gespräche mit amerikanischen Unternehmen und Behörden, um türkischen Firmen die Möglichkeit zu geben, mit US-Forschungsinstituten zu kooperieren. „Wir werden Programme durchführen, die die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA sowohl im wissenschaftlichen als auch im unternehmerischen Bereich in der kommenden Zeit beschleunigen werden“, zitiert TRT World den türkischen Minister.

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– Türkei – Elon Musks SpaceX-Rakete bringt weiteren türkischen Satelliten ins All

Am 14. Januar 2021 soll der dritte Militärsatellit der Türkei, ASELSAT, vom amerikanischen Raumfahrtkonzern SpaceX des Unternehmers Elon Musk in Florida mit einer Falcon-9-Rakete ins All geschossen werden.

Elon Musks SpaceX-Rakete bringt weiteren türkischen Satelliten ins All

Aserbaidschan
Schuscha: Das Zentrum des Handwerks und des Handels

Schuscha, die kulturelle Wiege Aserbaidschans, war seit Mitte des 18. Jahrhunderts im Nahen Osten, im Iran und in der Türkei für seine Handwerkskunst bekannt, darunter die Seiden- und Kokonherstellung, die Weberei, die Töpferei und die Holzschnitzerei. Der Ruhm der Schuscha-Teppiche, die mit Mustern und Ornamenten gewebt sind, die ausschließlich aus der Karabach-Kultur stammen, erreichte damals auch Europa.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen Handel und Handwerk eine wichtige Rolle im Leben von Schuscha zu spielen. Die Zahl der Unternehmen und Geschäfte in der Stadt nahm jedes Jahr zu, Kaufleute und Handwerker aus aller Welt strömten in die Stadt, und verschiedene Bereiche des Handwerks und des Handels entwickelten sich rasch.

Wie aus einer Reihe historischer Quellen hervorgeht, gab es 1832 in Schuscha 132 Textilfabriken mit 60-80 Maschinen, 42 Seidengewebe, 28 Leinen- und Baumwollgewebe und mehr als 300 Handwerker, die in jedem dieser Betriebe arbeiteten und neben ihrer Haupttätigkeit auch junge Menschen ausbildeten. Der Ruhm der Färber, Lederer, Töpfer und Hutmacher von Schuscha ist weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Neben dem Kunsthandwerk gibt es auch Belege dafür, dass in der Stadt verschiedene Arten von Waffen, Geschirr und Kleidung hergestellt wurden.

Damals schrieb die in Tiflis auf Russisch erscheinende Zeitung “ Kawkas „: „Händler aus Schuscha besuchen die Städte im Iran und in Indien und nehmen an der berühmten Leipziger Messe in Deutschland teil. Sie nehmen Seidenstoffe mit, um sie in Städten wie Leipzig, London, Marseille und Moskau auszustellen und zu verkaufen.“

Einer der Faktoren, die zur raschen Entwicklung und Umwandlung von Schuscha in ein Handwerks- und Handelszentrum beitrugen, war die Lage der Stadt an der Kreuzung von Karawanenrouten aus dem Südkaukasus in Richtung Iran und Türkei sowie von Transithandelswegen zwischen diesen Ländern und Russland.

Der kürzeste Weg aus den Ländern des Nahen Ostens nach Schuscha war die zentrale Handelsstraße, die den Fluss Araz überquerte und den Zustrom von Kaufleuten in die Stadt erleichterte. Aufgrund der Kürze dieser Straße und der Bequemlichkeit der Kamelkarawanen war die Karawanserei von Schuscha voll mit berühmten Händlern und Handwerkern aus dem Kaukasus, Russland, Iran, der Türkei, dem Irak und Indien.

„Der Anblick von Schuscha erinnert an mittelalterliche europäische Städte. Die Kaufleute dieser Stadt nehmen im Handel mit Seidenkokons einen hohen Stellenwert ein. Sie unterhalten direkte Handelsbeziehungen mit Städten wie Tiflis, Moskau und Marseille.“

„Vestnik Kavkaza“ jurnalı, Tiflis, 1903

Die Kaufleute von Schuscha, die ins Ausland reisten, um dort ihre Waren zu verkaufen, kehrten mit verschiedenen Gewürzen, Krapp, Mandeln, Trockenfrüchten, Zucker, Tabak, Goldgewebe, Satin usw. nach Hause zurück; für die in großen Lagerhäusern in Aghdam gelagerten Waren der einheimischen und ausländischen Händler wurden regelmäßig Großmärkte organisiert. Neben der offiziellen Währungseinheit des Karabach-Khanats – den Silbermünzen, die „panahabadi“ genannt wurden – waren zu dieser Zeit russische, deutsche, holländische, persische sowie Münzen anderer Länder das wichtigste Tauschmittel im Handel. Auf den Märkten gab es spezielle Geldwechsler; Berechnungen wurden nicht nur in Geld, sondern auch durch Tauschgeschäfte durchgeführt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Schuscha etwa 100 Geschäfte, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts waren es 935 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts 1400. Die Geschäfte befanden sich hauptsächlich auf den Marktplätzen „Rastbazaar“ und “ Aschagi Bazaar“ (Unterer Basar“) neben den Handwerksbetrieben und dem Postamt.

Ein weiterer Faktor, der für die rasche Entwicklung von Handel und Handwerk in Schuscha ausschlaggebend war, war der Reichtum an natürlichen Rohstoffen, die für diese Tätigkeitsbereiche geeignet waren. Verschiedene Baumaterialien, die hauptsächlich aus Bäumen gewonnen wurden, sowie aus Felsen gehauene Natursteine, Wolle, Seidenstoffe, Felle und Häute, Rinderfett und Färbeextrakte aus natürlichen Kräutern usw. boten reichlich Gelegenheit zur Entwicklung von Bereichen wie Teppichweberei, Serikultur, Leder, Töpferei, Tischlerei und Steinbearbeitung in Schuscha. Neben Teppichen wurde die Stadt auch für verzierte Waffen, Zaumzeug und Sättel sowie reichen Schmuck berühmt. Viele künstlerische Berufe wurden von Generation zu Generation weitergegeben, und es wurden die Grundlagen für tiefe künstlerische Traditionen und einzigartige Handwerksschulen gelegt.

In den Dörfern in der Nähe von Schuscha wurde dem Teppichweben, dem Färben und der Herstellung künstlerischer Muster eine besondere Bedeutung beigemessen, und auch die Subsistenzwirtschaft wurde teilweise in der Stadt entwickelt. In einer Reihe wissenschaftlicher Quellen, die sich mit der alten Geschichte der Stadt befassen, heißt es, dass fast jede Familie in Schuscha und den umliegenden Dörfern über Webstühle zum Weben, Färben und Teppichweben verfügte; da die Qualität von Teppichen und Stoffen vor allem von der Natürlichkeit und Haltbarkeit der Farbstoffe abhing, wurde dem Färben von Woll- und Seidenfäden besondere Aufmerksamkeit gewidmet; ein großer Teil der Produkte wurde im Auftrag hergestellt; Schmuck und Teppiche, Kannen, Sanak – ein langes Gefäß mit einem schmalen langen Hals für Wasser, Schalen, Becken usw, aus Messing und Kupfer, sowie Waffen mit eleganten Mustern wurden speziell für den Geschmack und die Kaufkraft der Kunden hergestellt.

Im späten 19. Jahrhundert begannen die in Schuscha weit verbreitete primitive Produktion von Seidenkokons und kleine Handwerksbetriebe, die sich mit der Herstellung von Seidenprodukten befassten, sich in Fabriken zu verwandeln. Zu dieser Zeit arbeiteten in Schuscha 20 solcher Seidenfabriken, 19 Gerbereien, 7 Seifenfabriken und 8 Färbereien Tag und Nacht, und es wurden Teppiche in verschiedenen Stilen und Größen, Dschejim – hausgemachtes Teppichgewebe, Teppichbeutel, Reisetaschen, Säcke, exquisite Musikinstrumente im Auftrag von Musikern, Sängern und Aschugs hergestellt.

Teppiche aus Schuscha und Karabach, wie „Aran“, „Baghchada Guller“, „Balig“, „Buynuz“, „Barda“, „Bahmanli“, „Karabakh“, „Godscha“, „Gasimuschagi“, „Lambaran“, „Mughan“, „Lampa“, „Malibeyli“, „Khangarvand“, „Khanlyk“, „Khantirma“, „Chalabi“, „Schabalidbuta“, die auf den internationalen Teppichausstellungen in Paris 1867 und in Moskau 1872 mit Goldmedaillen und anderen hohen Auszeichnungen bedacht wurden, werden heute als Perlen der Weltkunst in Museen vieler europäischer, russischer, britischer und anderer Länder ausgestellt.

Der berühmte deutsche Reisende Herbert Exner, der 1875 Schuscha besuchte, schrieb über Schuscha-Teppiche: „Diese Teppiche, Teppichtaschen, Reisetaschen, Säcke, Geldbörsen, Schulranzen und andere handgefertigte Gegenstände, die in vielen Museen der Welt ausgestellt sind – im Victoria and Albert Museum in Europa, im Museum für westliche und orientalische Kunst in Kiew sowie in den persönlichen Sammlungen vieler berühmter europäischer Sammler, wie Mike Eidson, Greenblatt, Gerald Paquin, John Murray, Klein, Donald und Virginia Cruise, William Seward, Saul Borodowsky, Helman, um nur einige zu nennen, gehören den Kunsthandwerkern von Schuscha.“

Akademiker Tschingis Gadschar. „Das antike Schuscha“, Baku – Scherg-Gerb Verlag, 2019, S. 146-151

Außenpolitik
Klingbeil schließt Bruch mit China nicht aus

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Hamburg – Laut SPD-Chef Lars Klingbeil könnte Deutschland gezwungen sein, mit China einen ähnlichen Bruch zu vollziehen wie mit Russland. „Wir müssen uns bewusstmachen, dass morgen, übermorgen oder in zehn Jahren der Zeitpunkt kommen kann, an dem China Grenzen überschreitet“, sagt Klingbeil in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn China Taiwan angreift, wird sich auch unsere Beziehung zu China fundamental ändern, so wie das jetzt mit Russland der Fall ist.“ Deutschland müsse unabhängiger von China werden, andere Märkte erschließen und andere Partner für den Handel mit Rohstoffen finden. „Das ist die große Lehre aus unserem Verhältnis zu Russland“, so Klingbeil weiter. Vor dem Hintergrund der aktuellen Lieferungen von Schützenpanzern an die Ukraine kritisiert Klingbeil das Vorgehen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, nachdem zuvor US-Präsident Joe Biden, Bundeskanzler Olaf Scholz und Emmanuel Macron gemeinsam eine Lieferung vereinbart hatten. „Warum der französische Präsident vorgeprescht ist, weiß ich nicht.“ Das Zeichen an die Ukraine – und vor allem Richtung Russland – „wäre sicherlich noch stärker gewesen, wenn alle drei zum selben Zeitpunkt die Entscheidung verkündet hätten.“ Macron hatte die Lieferung einen Tag vor den beiden anderen öffentlich gemacht. Der SPD-Vorsitzende bemängelt darüber hinaus strategisches Denken in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik – das habe die verfehlte Russland-Politik der vergangenen Jahre deutlich gemacht. Dafür müsse es einen festen Ort geben, ähnlich dem Nationalen Sicherheitsrat in den USA: „Wie man das am Ende nennt, sei dahingestellt“, sagt Klingbeil. „Wir müssen unsere außen- und sicherheitspolitische Kompetenz erweitern, wenn wir international eine Rolle spielen wollen.“

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Online-Banking
Finanz-Apps und Co.: Bezahlen und Sparen mit Smartphone, Tablet und PC

Der digitale Wandel hat das Alltagsleben der Deutschen dauerhaft verändert. Das gilt besonders für die Finanzwelt: Kreditinstitute schließen immer mehr Filialen, denn das Verwalten und Überweisen des eigenen Geldes findet überwiegend vor dem PC oder auf mobilem Wege statt. Eine Übersicht.

Online-Banking: Finanzverwaltung am heimischen Rechner

Das Erledigen von Bankgeschäften am PC ist für Millionen von Deutschen mittlerweile selbstverständlich geworden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man spart sich den Weg zur Bank, der Kontostand lässt sich jederzeit checken und Überweisungen und das Bezahlen von Online-Einkäufen ist schnell erledigt.

Allerdings sollten Verbraucherinnen und Verbraucher darauf achten, dass der Rechner mit einer Firewall und Sicherheits-Software in der jeweils neuesten Version ausgestattet ist, um gegen Malware gewappnet zu sein.

Online-Depots: Jederzeit kaufen und verkaufen

Auch Privatanlegerinnen und Privatanleger nutzen digitale Hilfsmittel: Trading-Apps ermöglichen es, jederzeit und an nahezu jedem Ort Aktien und Fondsanteile zu kaufen oder zu verkaufen. Die Apps sind bei Online-Banken und Neo-Brokern erhältlich und ermöglichen den Handel in Echtzeit.

Wer bereits Erfahrung mit dem Online-Banking hat, findet sich mit den Apps schnell zurecht. Ansonsten haben einige Anbieter sogenannte Demokonten für Neukunden programmiert, mit denen sich die ersten Schritte als Online-Anleger risikolos ausprobieren lassen.

E-Wallets: Tools fürs bargeldlose Zahlen

Spätestens seit der Coronakrise hat sich das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone an der Tankstelle oder der Supermarktkasse immer mehr durchgesetzt. Möglich wird dies durch sogenannte E-Wallets, die als App von Apple, Google oder PayPal angeboten werden.

Kundinnen und Kunden müssen im jeweiligen E-Wallet die Daten ihrer Debit- oder Kreditkarte hinterlegen, um bequem ohne Bargeld zu bezahlen. Allerdings wird die dauerhafte Weitergabe dieser sensiblen Daten von vielen als Manko empfunden.

Überweisungen und mehr: Finanz-Apps mit Funktionsvielfalt

Viele Applikationen fürs Mobile Banking bieten mittlerweile weit mehr als nur eine Funktion. Ein typisches Beispiel hierfür ist die „mytecis“-App des Finanzdienstleisters tecis. Mit ihr können Kundinnen und Kunden des Unternehmens nicht nur ihre Kontostände bei gleich mehreren Geldinstituten checken, sondern auch digitalisierte Versicherungsverträge immer und überall verwalten.

Zusätzlich verschafft die mytecis-App Zugang zum eigenen Online-Depot. Dabei geht das Finanzberatungsunternehmen auf Nummer sicher: Laut tecis sind die Daten der App in zertifizierten Rechenzentren gesichert, gemäß der notwendigen Sicherheitsstandards.

Digitale Haushaltsbücher: Einnahmen und Ausgaben immer auf dem Schirm

Zudem gibt es Apps, mit denen sich ein Haushaltsbuch führen lässt. So haben Nutzerinnen und Nutzer jederzeit Kontrolle über ihre Finanzen. In den Applikationen werden die monatlichen Ein- und Ausgaben aufgelistet.

Unregelmäßige Einnahmen, wie etwa das Weihnachtsgeld, werden auf alle Monate umgelegt, ebenso wie unregelmäßige Ausgaben, zum Beispiel Versicherungsbeiträge.

Auf diese Weise lässt sich das eigene Budget mit nur einem Blick aufs Smartphone-Display kontrollieren – und bleibt so stets transparent.

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Geschichte
Rückblick auf den Heiligen Hieronymus

Einer der wichtigsten christlichen Theologen und Kirchenväter mit umfassender Bildung war der heilige Hieronymus. Sein Leben war asketisch ausgerichtet. Jedes Jahr am 30. September begehen Christen seinen Gedenktag.

Hieronymus ( lebte 347-420) wird in der Darstellung oft als älterer, schmaler Herr mit halber Glatze und einem weißen langen Bart gezeigt. Der Mann ist oftmals in Schriften vertieft. Bekleidet ist Hieronymus mit einem Umhang. Ab und zu ist sein Oberkörper frei, nur selten ist der Kirchenvater vollkommen bekleidet. Auf den Abbildungen ist oftmals ein Totenschädel zu erblicken. Hieronymus gilt als der gebildetste der vier lateinischen Kirchenväter. Sein Gedenktag ist der 30. September. Dieser Tag ist der internationale Übersetzungstag. Es werden in heutiger Zeit Übersetzungen in allen Sprachen weltweilt mehr benötigt denn je. In einem guten Übersetzungsbüro wie dem Übersetzungsbüro Perfekt sollten für Unternehmen relevante Angebote abgedeckt sein. Für zahlreiche Branchen und Fachgebiete sind dort professionelle Übersetzungen buchbar. Zudem handelt es sich um ein anerkanntes Übersetzungsbüro mit Zertifizierung.

Hieronymus und die Stadt Stridon

Der volle Name von Hieronymus lautet Sophronius Eusebius Hieronymus und er wurde in der Stadt Stridon geboren. Seine Eltern waren wohlhabend und christlich. Die Eltern schickten den Sohn zum Studieren nach Rom. Hieronymus wurde dort mit heidnischen Schriften von Platon und Cicero und mit den positiven Annehmlichkeiten des Lebens konfrontiert. Behauptet wird, dass Hieronymus von einem Engel geträumt habe. Dieser habe ihn in weiterer Folge auf den richtigen Weg gebracht.

Besuch des Vorderen Orients

Folgend empfing Hieronymus die Taufe und begann in Trier ein theologisches und asketisches Leben. Ab dem Jahr 370 folgten Reisen und das Lernen der griechischen und hebräischen Sprache. Damit konnte sich der Heilige mit den Schriften des Weisen Origines befassen. Später folgte Hieronymus der strengsten Form der Askes. In der syrischen Wüste kümmerte sich Hieronymus angeblich um einen verletzten Löwen. Nach dessen Genesung galt dieser als sein Gefährte.

Wichtige Bibelübersetzung

Im Jahr 379 wurde Hieronymus Priester, reiste nach Konstantinopel und später wieder nach Rom, um dort als Seelsorger zu wirken. Papst Damasus I. übergab ihm den Auftrag, die Bibel ins Lateinische zu übersetzen. Damit schuf Hieronymus die Grundlage für die noch heute geltende lateinische Version der Bibel.

Als Papst Damasus im Jahr 384 starb und nachdem um Hieronyms ein Skandal entstand, verließ dieser Rom. Im Jahr 386 kam Hieronymus in Bethlehem an, eröffnete vier Klöster und ein Pilgerhospiz.

Lebensende des Hieronymus`

Nach der Ankunft in Bethlehem widmete sich der Heilige 35 Jahre lang den Schriften. Sein Todestag war der 30. September 420. Beerdigt ist Hieronymus in der geburtskirchlichen Krypta. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Rom überführt.

Hieronymus gilt als bedeutsamster christlicher Theologe. Seine Aufzeichnungen waren wichtig für das asketische Leben und die Bibel. Da Hieronymus die Bibel ins Lateinische übersetzte, gilt der 30. September als internationaler Übersetzungstag.