Gaming
Der Mobile-Gaming-Boom: Eine Revolution in der Welt der Videospiele

0
In den letzten Jahren hat sich der weltweite Markt für Videospiele grundlegend verändert. Eng mit dem Aufstieg des Internets und Smartphones verbunden ist der derzeitige Mobile-Gaming-Boom. So hat sich die Branche in den vergangenen Jahren weg von PC und Konsole hin zu App bzw. Mobile Games verlagert. Tatsächlich erscheint heute kaum noch eine große Spielreihe ohne mobilen Ableger. Ehemalige PC-Klassiker wie Counter Strike haben mit CS-GO eine nicht minder erfolgreiche mobile Version. Doch was sind die genauen Gründen für diesen bemerkenswerten Boom im Online-Gaming-Sektor?

Zugänglichkeit und Bequemlichkeit – Die Schlüssel zum Erfolg

Ein wesentlicher Grund für den rasanten Anstieg der Beliebtheit von Mobile-Games liegt in ihrer beispiellosen Zugänglichkeit. Im Gegensatz zu traditionellen Videospielen, die oft spezielle Konsolen oder leistungsstarke PCs erfordern, sind Mobile-Games auf nahezu jedem Smartphone verfügbar. Dies ermöglicht es einer der breiten Masse, in die Welt des Spielens einzutauchen, ohne zusätzliche Geräte anschaffen zu müssen. Denn ein Smartphone hat heutzutage mittlerweile fast jeder. Spiele, die Sie kostenlos auf Ihr iPhone herunterladen können, haben auf jeden Fall Hochkonjunktur. Die neue PlayStation hingegen ist derzeit noch ein echtes Luxusgut. Der einfache Zugänglichkeit ist auf jeden Fall ein wesentlicher Aspekt für den Mobile-Gaming-Boom.

Vielfalt und Flexibilität – Für jeden etwas dabei

Ein weiterer Faktor, der den Mobile-Gaming-Boom befeuert, ist die große Vielfalt an Spielen, die sowohl für iOS als auch Android verfügbar sind. Egal, ob man Geschicklichkeitsspiele, Adventure-Apps, Strategie oder Simulationen bevorzugt, es stehen buchstäblich Tausende von Optionen zur Auswahl. Das liegt daran, dass nicht nur die großen Publisher wie Rockstar Games oder EA Sports Apps auf den Markt bringen, sondern auch viele unabhängige Entwicklerstudios oder Start-ups mitmischen. Diese Vielfalt spricht unterschiedliche Altersgruppen und Interessensbereiche an, sodass für jeden etwas dabei ist.

Soziale Vernetzung und Interaktion – Gemeinsam spielen

Da beim Smartphone in der Regel immer eine Internetverbindung besteht, hat das gemeinsame Spielen noch einmal einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Viele Games ermöglichen es den Spielern, sich mit Freunden zu verbinden, gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen oder gegeneinander anzutreten. Dies fördert nicht nur soziale Interaktion, sondern bindet die Spieler auch stärker an das jeweilige Produkt. Für die Entwickler ist das natürlich Gold wert.

Zeitvertreib für unterwegs – Langeweile ade

Einer der Hauptgründe für den Boom von Mobile-Games ist natürlich die Freiheit, die einem gegeben wird. Ganz gleich, ob in der Pause, auf Reisen oder beim Warten – das Smartphone mit den passenden Games ist schnell zur Hand. Die Mobilität von Smartphones ermöglicht es den Nutzern, Spiele jederzeit und überall zu spielen. Wartezeiten, Pendelfahrten oder kurze Pausen können nun spielerisch überbrückt werden. Dieser Aspekt des Mobile-Gamings passt perfekt in die heutige schnelllebige Gesellschaft, in der Zeit oft knapp bemessen ist. Insgesamt zeigt der Mobile-Gaming-Boom, wie stark die Technologie die Art und Weise verändert, wie wir spielen und uns unterhalten. Die Zugänglichkeit, Vielfalt und die Integration sozialer Elemente haben diesen Sektor zu einem wichtigen Bestandteil der Unterhaltungsindustrie gemacht. Schließlich erscheint heutzutage kaum noch ein Videospiel ohne mobilen Ableger. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird, aber eins ist sicher: Mobile-Gaming hat nachhaltigen Einfluss auf den Spielemarkt genommen.

Film
Streaming Deluxe: Das sind die Serien-Highlights 2023

Das Jahr 2023 hat bereits eine Fülle fesselnder Serien-Highlights gebracht, die schon heute auf Plattformen wie Netflix, Disney+ oder über die öffentlich-rechtlichen Mediatheken gestreamt werden können. Zudem stehen für den Herbst bereits weitere Hochkaräter in den Startlöchern. In diesem Artikel werfen wir daher einen Blick auf einige der herausragenden Produktionen, die in diesem Jahr bei den beliebten Streaming-Diensten zu finden sind.

Spannend, lustig, dramatisch: die besten Serien in 2023

Von spannungsgeladenen Dramen bis hin zu humorvollen Komödien: die Bandbreite erstklassiger Unterhaltung ist breit gefächert. Oft sind es neue Staffeln bereits etablierter Produktionen, die mit besonders viel Vorfreude erwartet werden. Aber auch komplett neue Serien oder Spin-Offs sorgen für Aufsehen.

Aufklärungsarbeit und Paartherapie in Wales

„Sex Education“ ist eine britische Dramaserie, die von Laurie Nunn für Netflix konzipiert wurde. Die Handlung der Coming-of-Age-Geschichte dreht sich um Schüler, Lehrer und Eltern an der fiktiven Moordale Secondary School in Wales. Die Protagonisten werden dabei mit persönlichen Problemen, oft im Zusammenhang mit sexueller Intimität, konfrontiert. Die Serie verfügt über ein hochgelobtes Ensemble von Darstellern, darunter Asa Butterfield (“Die Insel der besonderen Kinder” und Akte-X-Star Gillian Anderson. Seit 2019 sind bislang drei Staffeln erschienen. Das Serien-Finale von “Sex Education” startet in Form der vierten Staffel am 21. September.

Die Bonner Republik in den 1950er-Jahren

Die sechsteilige ARD-Miniserie “Bonn – Alte Freunde, neue Feinde” spielt im Jahr 1954 in der damaligen Bundeshauptstadt. Sie beleuchtet das rivalisierende Verhältnis zwischen dem Verfassungsschutz und dem Auslandsgeheimdienst Organisation Gehlen, einem Vorgänger des Bundesnachrichtendienstes (BND). Alle Folgen sind in der ARD-Mediathek verfügbar. Die dargestellten Konflikte drehen sich um historisch bedeutende Figuren wie Otto John, der als erster Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz agierte, und Reinhard Gehlen, der den nach ihm benannten Nachrichtendienst gegründet hat. Vor allem der unterschiedliche Umgang mit ehemaligen NS-Aktivisten steht sinnbildlich für die komplexen politischen Spannungen zu Beginn des Kalten Krieges.

Der sechste Blick in den schwarzen Spiegel

“Black Mirror” ist eine britische Science-Fiction-Serie von Charlie Brooker. Die eigenständigen Episoden erkunden die potenziell düsteren Auswirkungen moderner Technologie auf die Gesellschaft und das individuelle Leben. Die Serie bietet packende Geschichten, die oft in naher Zukunft oder einer leicht alternativen Realität spielen. Nahezu jede Folge enthüllt unerwartete Wendungen und stellt moralische Dilemmata dar, die sich aus technologischen Entwicklungen ergeben. Die Serie regt so dazu an, über die Abhängigkeit von Technologie, Datenschutz, soziale Medien, Identität, Moral und das Menschsein im Zeitalter der Digitalisierung nachzudenken. Die sechste Staffel der von der Kritik gefeierten Produktion wurde im Juni 2023 auf Netflix veröffentlicht. https://youtu.be/5jY1ecibLYo

Echte Ermittler und menschliche Abgründe

Bereits seit 2014 wird in der US-Thrillerserie „True Detective“ ermittelt. Jede Staffel folgt unterschiedlichen Polizisten, die komplexe Kriminalfälle aufklären, während sie mit ihren persönlichen Dämonen kämpfen. Die Serie überzeugt durch tiefgründige Charakterstudien, verflochtene Handlungsstränge und eine düstere Atmosphäre, während sie moralische und psychologische Abgründe der menschlichen Natur beleuchtet. Ende 2023 soll die mit Spannung erwartete vierte Staffel an den Start gehen. Genauere Details zum Veröffentlichungstermin sind allerdings noch nicht bekannt. Eine der Hauptrollen wird die zweifache Oscar-Preisträgerin Jodie Foster (“Das Schweigen der Lämmer”) übernehmen. In Deutschland wird die HBO-Produktion beim zum Pay-TV-Sender Sky gehörenden Streaming-Anbieter Wow zu sehen sein.

Fazit: Serien, die man 2023 nicht verpassen sollte

Auch 2023 liefern Serien ein vielfältiges Spektrum fesselnder Unterhaltung, das uns als Zuschauer in faszinierende Welten eintauchen lässt. Sie ziehen uns vor allem durch komplexe Handlungen, Charakterentwicklung und emotionale Bindung an. Streamingdienste haben sich als bedeutende Quelle für hochwertige Inhalte etabliert, die oft eine ernsthafte Konkurrenz zum Kino darstellen. Während Serien-Streaming durch die Möglichkeit des Binge-Watching punktet, überzeugt das Kino nach wie vor durch seine einzigartige Gemeinschaftserfahrung.

Reisen
Istanbul – Eine lebendige Metropole als beliebtes Reiseziel

Die Türkei zählt schon viele Jahre zu den beliebtesten Destinationen deutscher UrlauberInnen. Neben den beliebten Küstenregionen reisen viele Reisende auch in die Millionenmetropole und kulturelle Hauptstadt der Türkei, Istanbul. Die Stadt hat eine lange Geschichte und bietet neben Kunst und Kultur auch variationsreiche Kulinarik. Wir werfen einen Blick auf die belebte Metropole als Reiseziel. Welche Reisezeiten eignen sich am besten? Was sollte man vor Ort auf keinen Fall verpassen?

Reise nach Istanbul

Besonders toll an der Destination Istanbul ist, dass die Stadt sich das ganze Jahr über für einen Besuch eignet. Die etwas kälteren Monate von November bis Januar können für das Erkunden der Stadt gerade richtig sein. Ortskundige empfehlen aber besonders die frühen Sommermonate Mai und Juni, sowie den Herbst, also September und Oktober. Im Sommer von Juli bis August, wird es in der Stadt dagegen oft richtig heiß, was sich vor allem für SonnenanbeterInnen eignet. Wenn Sie nach Istanbul reisen, tun Sie dies am besten mit dem Flugzeug. Die Anreise ist zwar auch auf dem Landweg möglich, allerdings müssen auf dem Weg mindestens fünf Länder passiert werden. Bei einer Reisezeit von wenigen Tagen lohnt sich die beschwerliche Fahrt daher kaum. Vergleichen Sie günstige Flüge nach Istanbul rechtzeitig vor Ihrer Abreise, so können Sie nicht nur Zeit, sondern auch noch Geld sparen. In Kombination mit Hotelbuchungen kann weiter gespart werden und Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Um Istanbul ausgiebig erkunden zu können, empfiehlt sich eine Aufenthaltsdauer von mindestens drei, am besten fünf Tagen. So können Sie neben den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Highlights auch die Stimmung der Stadt aufnehmen und sich zu spontanen Ausflügen hinreißen lassen. Vor Ort ist kein PKW notwendig, denn das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut und im innersten Stadtkern, kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auch gut zu Fuß ansteuern. Um während Ihrer Reise in Istanbul stets verbunden zu bleiben und mobiles Internet ohne Roaming-Gebühren zu nutzen, empfehlen wir eine digitale eSIM für Reisen in die Türkei.
Topkapi Museum (Foto: pixabay)

Was Sie unbedingt sehen sollten

Istanbul zählt zu einer der wenigen Städte, die an jeder Ecke etwas zu bieten hat. Neben herzhaftem Streetfood und prunkvollen Lokalen zählt die Stadt eine Menge ehrwürdiger Gebäude. Besonders die Kunst- und Kulturszene floriert in der lebendigen Metropole. Immer wieder bringt die energetische Stadt neue Talente hervor. Auch Musik, Film und Theater werden in der Region großgeschrieben. Wer zur richtigen Zeit in Istanbul ist, kann an großen internationalen Filmfestspielen teilnehmen, oder auf kulturellen Events, wie dem jährlichen internationalen Jazz Festival mittanzen. Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Metropole ist allerdings der Topkapi-Palast. Jeden Tag strömen hunderte Menschen in das denkmalgeschützte Bauwerk, das etwa 400 Jahre über als Verwaltungs- und Bildungszentrum des Osmanischen Reiches diente. Auf über 300 Tausend Quadratmetern Grundfläche erstreckt sich eines der größten Palastmuseen der Welt. Um sicher zu sein, dass Ihnen an den Tagen Ihres Aufenthaltes auch Eintritt gewährt wird, lohnt sich der Kauf eines Tickets für den Besuch bereits vor Ihrer Reise. Weiteres kulturelles Highlight auf dem Städtetrip in Istanbul ist für viele die Blaue Moschee, die im 17. Jahrhundert von Sultan Ahmet I. erbaut wurde. Sie verfügt über sechs Minarette und besticht durch ihre blauen Kacheln im Inneren. Rund 29 Tausend von Hand gefertigte Fliesen in Form von Blumen, sowie 200 bunte Fenster sorgen für die außergewöhnliche Optik des großen Bauwerks. Gegenspieler ist die Hagia Sophia, griechisch-orthodoxe Kathedrale, die direkt gegenüber der Blauen Moschee erbaut und während ihrer langen Geschichte dreimal wiederaufgebaut wurde. Möchten Sie tiefer in die Vergangenheit der Gebäude und die Kultur der Stadt eintauchen, lohnt sich eine geführte Besichtigung, in der Sie mehr über die letzten Jahrhunderte Istanbuls erfahren können. Seit diesem Sommer ist auch das berühmte Wahrzeichen, der Mädchenturm, wieder für Besichtigungen eröffnet. Der rund 30 Meter hohe Turm wurde in den letzten zwei Jahren kernsaniert und diente in der Vergangenheit bereits als Leuchtturm, Zollhaus, Quarantänestation und optischer Telegraf. Heute wird er ausschließlich für die touristische Nutzung eingesetzt.
Der große Basar in Istanbul (Foto: nex24)
Wenn Sie sich für eine Reise in die Türkei entscheiden, sollten Sie auf jeden Fall auch einen echten Basar erleben. In Istanbul bietet sich dafür der Große Basar an. Der riesige überdachte Markt, der bereits 1461 errichtet wurde und immer noch in alter osmanischer Atmosphäre erstrahlt, ist nach Warenarten unterteilt. Um sich hier zurechtzufinden, kann es eine Weile dauern, daher werden vor Ort auch geführte Wanderungen angeboten, um die historischen Märkte zu erkunden.

Spezielle Highlights übers Jahr

Istanbul ist die Stadt der Festivals. In einer so lebendigen Metropole wird musiziert und getanzt, sowohl in den kleinen Gassen, als auch im großen Stil, bei den jährlichen kulturellen Highlights der Stadt. Auch religiöse und kulturelle Events finden das ganze Jahr über statt und für die Foodies unter den Reisenden hat Istanbul ebenfalls einige besondere Leckerbissen zu bieten. Als eines der größten Events gilt das Internationale Music Festival, bei dem im Juni und Juli neben den unterschiedlichen Musikstilen, wie klassischer türkischer Musik, bis hin zu Balletts und Opern, auch Film, Tanz und Contemporary Kunst eine große Rolle spielen. Seit rund 50 Jahren zählt das Event zu den kulturellen Highlights des Jahres, sowohl für UrlauberInnen als auch EinwohnerInnen. Ein jüngeres Publikum zieht das jährliche Sonar Festival an. Mit elektronischer Musik läutet das beliebte Event den Frühling ein und bringt Menschen aus ganz Europa in die pulsierende Stadt. Das Hidirellez Festival in Istanbul bietet als großes Volksfest traditionelle und kulturelle Besonderheiten der Extraklasse. Neben landesüblicher Küche werden hier übliche Bräuche wiederbelebt. Rund 90 Tausend Menschen besuchen jährlich das Festival. Auch für Liebhaber der türkischen Küche hat Istanbul einige Festivals zu bieten. Neben dem Istanbul Coffee Festival gibt es im Dezember und Januar das Festival der Gastronomie Istanbuls. Neben gutem landesüblichem Essen treten Chefköche aus der ganzen Welt in spannenden Challenges gegeneinander an. Über mehrere Tage kann hier Kulinarik auf höchstem Niveau erlebt werden. Viele sagen, dass man Istanbul nicht einmal in einem ganzen Leben komplett erfahren kann, weil es so viel zu entdecken gibt. Dennoch lohnt sich auch ein kurzer Trip, um die unverwechselbare Energie der Metropole kennenzulernen.

Zum Thema

– Neuer Film „Five Eyes“ – Britischer Regisseur Guy Ritchie will „alle Filme“ in der Türkei drehen

Madonnas Ex-Ehemann, renommierter britischer Regisseur und Filmproduzent Guy Ritchie (Snatch, Sherlock Holmes), schwärmt in einem Video über die Türkei.

Britischer Regisseur Guy Ritchie will „alle Filme“ in der Türkei drehen
 

Extremschwimmen
Irland: Türkische Schwimmerin überquert Nordkanal

Belfast – Die 22-jährige türkische Schwimmerin aus Bodrum, Aysu Türkoglu, hat am Mittwoch als erste türkische Frau den Nordkanal durchschwommen. Türkoglu schwamm von Nordirland nach Schottland und absolvierte die fast 40 Kilometer lange Strecke im Nordkanal in 11 Stunden, 48 Minuten und 19 Sekunden. Sie begann ihre Überquerung um 04:45 Uhr MESZ im nordirischen Bangor und wurde während des Schwimmens von Delfinen begleitet. Die stolze Türkoglu zeigte eine türkische Flagge, als sie ihre Überfahrt beendete. Die Wassertemperatur im Nordkanal beträgt etwa 12-14 Grad Celsius – viel kälter als im Ärmelkanal. Nach ihrer Überquerung des Nordkanals will Türkoglu den Guinness-Rekord brechen und innerhalb von fünf Jahren die „Ocean’s Seven“-Herausforderung schaffen. Etwa 200 Kilometer oder 124 Meilen Schwimmen durch die gefährlichsten Meereskanäle der Welt ist Oceans Seven, das schwimmende Äquivalent zu den Seven Summits: Eine bergsteigerische Herausforderung, bei der die höchsten Berge jedes Kontinents bezwungen werden. Schwimmer, die Oceans Seven absolvieren wollen, müssen alle sieben Kanäle allein und ohne Hilfe durchqueren:
  • Den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich.
  • Den Catalina-Kanal zwischen Catalina Island und dem kalifornischen Festland.
  • Die Meerenge von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko.
  • Der Nordkanal zwischen Irland und Schottland.
  • Der Molokai-Kanal zwischen Molokai und Oahu, Hawaii.
  • Die Cookstraße zwischen den Nord- und Südinseln Neuseelands.
  • Der Tsugaru-Kanal zwischen Honshu und Hokkaido in Japan.
Laut Openwaterpedia haben erst 21 Menschen die Oceans Seven geschafft. Um es ins rechte Licht zu rücken: Für viele Menschen ist es ein unglaubliches Lebenswerk, nur eine dieser Strecken zu schwimmen. Alle sieben zu schaffen? Das ist eine ganz andere Ebene, und es dauert in der Regel Jahre, bis man alle Schwimmer abgehakt hat. Und auf jede Person, die die sieben Weltmeere durchschwommen hat, kommen Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen, die es versucht haben und dabei gescheitert sind.
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 

Ein Beitrag geteilt von Aysu Türkoğlu (@aysu.turkoglu)

Auch interessant

– Aserbaidschan – Taekwondo: Türkische Frauen-Nationalmannschaft Weltmeister

Mit der besten Weltmeisterschaftsleistung ihrer Geschichte im Taekwondo erzielte die Türkei in diesem Jahr einen bedeutenden Erfolg.

Taekwondo: Türkische Frauen-Nationalmannschaft Weltmeister

"Politische Auseinandersetzung"
SPD-Sprecher gegen AfD-Verbot

Berlin – Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Hartmann, hat sich grundsätzlich gegen ein Verbot der AfD ausgesprochen. Er hat im rbb24 Inforadio deutlich gemacht, dass er das für den falschen Weg hält. Er gab ausdrücklich dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz Recht, Thomas Haldenwang. „Wir müssen uns aber politisch mit der AfD vor allen Dingen auseinandersetzen, weil ein Wählerpotential auch darüber informiert werden muss, was die AfD wirklich beabsichtigt. Und das steht am Anfang der politischen Auseinandersetzung, in der wir uns jetzt befinden: Denn die Hürden eines Verbotsverfahrens sind hoch, auch wenn die AfD auf dem besten Wege dabeiist, immer weitere Beweise zu liefern.“ Hartmann plädierte stattdessen für eine politische Auseinandersetzung mit der Partei: „Ziel ist es, diese Partei auch aus den Parlamenten zu bringen, indem Wählerinnen und Wähler eine solche Partei mit einem solchen Programm und Personal auch nicht wählen.“ Als Thema für konkrete Auseinandersetzungen mit der AfD nannte Hartmann die sozialen Herausforderungen in Deutschland. „Da kann man die AfD stellen. Denn Hass und Hetze baut keine Wohnung. Und es geht einem persönlich auch nicht besser, wenn ‚der Ausländer‘ schuld ist oder es jemand anderem […] noch schlechter geht. Das muss man identifizieren, denn das ist ja nur Parole, die die AfD da rausbringt. Und gerade am Europawahlprogramm wird man sehen, das ist kein Weg für ein Europa der Zukunft, in einer immer raueren Welt sich plötzlich in einen kleineren Nationalstaat zurückzuziehen.“

Türkei
„Als das türkische Militär noch sich selbst überlassen war“

ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Letzte Woche fand in Ankara die Sitzung des Obersten Militärrats der Türkei (YAŞ) statt und die Entscheidungen wurden der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Manche werden nun die Schultern zuckend „na und?“ sagen. Andere werden melancholisch über vergangene Zeiten ziehen. Bei Letzteren gibt es zwei Gemütszustände. Die einen in der Türkei, die aufatmen und die andere im Ausland, die resigniert feststellt, dass die Zeiten vorbei sind, wo man von „unsere Jungs“ spricht. Im Ausland, vor allem im Westen, verklärte man das Militär stets als Hüter der säkularen Verfassung und des Erbes von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk, womit man Putsche relativ teilnahmslos verfolgte. Aber in der Türkei sieht man das Militär als Garant für Land und Leute. Seit 1960 intervenierte das Militär vier Mal, um unliebsame Regierungen abzusetzen und richtete dabei die Waffe auch gegen das Volk. Nur kurze Zeit nach dem gescheiterten Putschversuch von 2016, sprach man im Westen bereits von einem „Sicherheitsregime“, dass das Militär mit der Entlassung der Hälfte der Generalität des Heeres, der Luftwaffe und Marine gefügig gemacht habe. Kein Wort davon, dass diese Generäle über 8.000 Soldaten verschiedener Waffengattungen mobilisiert, 35 Kampfflugzeuge, 3 Schiffe, 37 Kampfhubschrauber sowie 74 Kampfpanzer und weitere 246 gepanzerte Fahrzeuge in Marsch gesetzt hatten. Eine von Gülenisten durchsetzte Militärhierarchie hatte in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 2016 den Befehl dazu gegeben und den türkischen Generalstabschef Hulusi Akar festgesetzt, um dessen weiteres Eingreifen in den Putschversuch zu verhindern. Danach richtete sich das Hauptaugenmerk auf den Nachrichtendienstchef der MIT, Hakan Fidan, und das Hauptquartier der Sondereinsatzkräfte des Militärs. Danach richtete man die geballte Kraft gegen das Polizeipräsidium und das türkische Parlament, während man die Menschen niedermetzelte. Damit war ein Punkt überschritten, ein Wendepunkt eingeleitet. Eine Rückkehr in altbekannte Mechanismen, die die säkulare Verfassung oder das Erbe hochhielten, um dahinter die Waffen gegen das Volk zu erheben, war nicht mehr möglich. Eine weitere Kontrollinstanz war nötig; außer dem Nachrichtendienst, dass den Putschversuch zwar rechtzeitig bemerkte, aber den gut unterrichteten Putschisten den Startschuss gab, vorzeitig auszurücken und mit Waffengewalt die Regierung zu stürzen. Seit dem gescheiterten Putschversuch untersteht die Gendarmerie nicht mehr dem Militär, sondern dem Innenministerium. Die Sitzung des YAŞ findet nicht mehr im Militärhauptquartier statt, sondern im Beisein des türkischen Präsidenten sowie des Kabinetts im Präsidentenpalast auf dem Beştepe-Areal. Zuvor wird die Sitzung mit einem gemeinsamen Besuch des Mausoleums Atatürks eingeläutet. Vor 2016 waren die Sitzungen der YAŞ geprägt von Gerüchten, Zerwürfnissen und Krisen. Zumindest gab es sehr viele Journalisten, die ellenlange Schlagzeilen bastelten und damit Sprachrohr für den einen oder anderen Kandidaten oder dem Militärrat wurden. Offensichtlich scheinen diese Zeiten vorbei zu sein, gibt es in diesem Geschäft nichts mehr zu verdienen. Gegenwärtig interessiert es keinen Journalisten mehr, wer da pensioniert, in einen höheren Rang befördert oder der neue Generalstabschef geworden ist. Oder haben Sie etwa aktuell gegenteiliges vernommen? Von einigen Artikeln abgesehen, die die Neulinge bekannt machen und manch einem Offizier a.D., der in alten Erinnerungen schwelgt, nichts, was die Gemüter in Wallung bringen könnte. Die Hoffnungen mancher, man würde wieder in die gute alte Zeit zurückkehren, endete am 14. Mai, wurde am 28. Mai vollends begraben. Daher die ungewohnte Stille. Zugegeben, nicht alle Sitzungen der YAŞ bis zum 16. Juli 2016 waren medial aufgebauschte „Krisengipfeltreffen“. Manche fanden auch recht ruhig und besonnen statt, vor allem während der Amtszeit des verstorbenen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit. Der nahm an der Eröffnung teil, die mit dem Besuch des Mausoleums eingeläutet wurde, und saß mit am Runden Tisch, bis das Postengeschachere beendet wurde. Das türkische Militär entschied bis dahin völlig autonom, wer welchen Rang erhielt, wer pensioniert wurde. Es gab also kein Aufsehen, nichts, was das Volk zu interessieren hatte. Was sollte die Bürokratie in Uniform von Gott noch erwarten? Es lief doch alles nach ihren Vorstellungen! Jahrelang spielten Institutionen in der türkischen Sicherheitsarchitektur wie der Nationale Sicherheitsrat, das Ministerium für Nationale Verteidigung und der Oberste Militärrat (YAŞ) eine wichtige Rolle bei der Zementierung der institutionellen Autonomie der türkischen Streitkräfte. Die Soldaten in Uniform des Generalsekretärs des Nationalen Sicherheitsrats bestellten den Ministerpräsidenten und das Kabinett zu gegebener Zeit und an gegebenem Ort ein und aus, forderten mit Nachdruck ihre Unterschriften ein oder sprachen ein Machtwort aus. In der Zwischenzeit unterstützte die Journaille, die der Führung des Generalstabs zuarbeiteten, die interventionistische Position des Militärs mit Feder und Stimme über Zeitungen und Bildschirme. Erinnert sich jemand noch an Sedat Ergin? Ergin, Kolumnist der Tageszeitung Hürriyet, berichtete häufig darüber und stets in Anlehnung an eine anonyme Nachrichtenquelle in Militärkreisen. Eines der bekanntesten Kolumnen ist die Rede eines Generals namens Osman Özbek, in der Schimpfwörter vorkamen. Der besagte General hatte in einer mit Schimpfwörtern gespickten Rede über die Pilgerreise von Ministerpräsidenten Erbakan gesagt: „Ein Mann würde nicht hingehen, um bei diesem König Gast zu sein“. Damit winkte Özbek mit dem Zaunpfahl gegen Erbakan wie auch einzelne Soldaten, die Erbakan ernst nehmen könnten. Trotzdem wurde der betreffende General auf der nächsten YAŞ-Sitzung in den Rang eines Generalmajors befördert. Sedat Ergin ließ es sich nicht nehmen, die Schlagzeile der Zeitung Hürriyet unmittelbar nach Özbeks beleidigender Rede auf die Spitze zu treiben: „Weitere harte Worte werden folgen“. Im Einzelnen erklärte Sedat Ergin, dass das Messer nun am Knochen anliege, dass der betreffende General zu viel gesagt habe und dass der Pascha mit Glückwünschen überhäuft würde. Gegenwärtig sind alle Demokraten, nur Erdoğan ist ein Autokrat und antidemokratisch. Das glauben tatsächlich viele, links wie rechts, liberal wie konservativ und vor allem das westliche Ausland. Das ist nicht nur eine Sicht von mir, sondern auch aus der Sicht eines ehemaligen Soldaten namens Erol Özkasnak. General Erol Özkasnak, der zu dieser Zeit Generalsekretär des Generalstabs war, sagte in einem Interview folgendes:
„Um mit der damaligen Führung des Generalstabs zusammenzuarbeiten, hat die gleiche Journaille, die versucht hat, sich bei den Befehlshabern beliebt zu machen, die noch so kleinsten Nachrichten aus militärischen Quellen in die Schlagzeilen überführt und zeitgleich die Nachrichtenquelle angeprangert, bevor die Führung etwas dazu sagen konnte. Heute behauptet dieselbe Journaille, dass ich die Quelle untersuche.“
Noch Fragen? Bis 2021 schrieben diese Kolumnisten Artikel über die Entscheidungen der YAŞ, und nach jedem kritischen Artikel wurden sie in der Titelschlagzeile als „demokratische Journalisten und Experten“ bekannt gemacht. Was will man mehr? Und was hat sich heute geändert? Nach dem 15. Juli wurden viele Bereiche der institutionellen Autonomie innerhalb der türkischen Streitkräfte reformiert und demokratischen Normen unterworfen. Die Zusammensetzung des Obersten Militärrats (YAŞ) ist eines davon. In der vorherigen Zusammensetzung des Rates hatte die zahlenmäßige Überlegenheit des Militärs und die Tatsache, dass Entscheidungen durch Mehrheitsbeschluss getroffen wurden, den Rat von einem beratenden Gremium in eine Plattform verwandelt, in der das Militär jede beliebige Entscheidung treffen konnte. Insbesondere gab es Bilder, in denen der Ministerpräsident und der Generalstabschef offensichtlich gleichberechtigt am Ende des Tisches saßen, was man als politischen Zirkus bezeichnen könnte. Jetzt laufen die Dinge aber so ab, wie sie sein sollten. Der Oberkommandeur wird durch Wahlen aus den Reihen der Soldaten und der Regierung gebildet, die seit Jahren in den türkischen Streitkräften dienen. In der früheren Zusammensetzung stand die Frage, wer befördert wird, unter der Vormundschaft der Militärs. In gewisser Weise wurde die Trommel auf die Schultern der Politik geschnürt und die Schlägeln lagen in den Händen des Militärs. Jetzt sind sowohl Trommel als auch Schlägeln in den Händen der Politik. Was bedeutet das? Sowohl die Kontrolle als auch die Verantwortung für Entscheidungen, die von nun an getroffen werden, liegen bei der politischen Macht. Deshalb sollten die Regierungen nicht vergessen, dass die Verantwortung für falsche Entscheidungen auf ihren Schultern lasten.  

Religion
Der Koran – und das Verständnis

ein Gastbeitrag von Michael Thomas

Vor mehr als zwanzig Jahren fand ich mich plötzlich in der Situation, mir nach Möglichkeit ein umfassendes Verständnis vom Koran anzueignen. Nachdem ein damals wiederum viele Jahre zurückliegender Versuch, die Schrift zu lesen, kläglich gescheitert war, suchte ich einen anderen, neuen, funktionierenden Zugang. Eine überaus gebildete Schwester sprach eine Buchempfehlung als begleitende, zu Beginn einführende Lektüre aus, schenkte mir eine Übersetzung und versorgte mich mit Informationen, Tips und Ratschlägen.

Also ging ich gewissermaßen in Klausur. Besondere, glückliche Umstände ließen sie mich in überaus angenehmer Atmosphäre in Ägypten verleben. Innerhalb von zwei Wochen hatte ich das einführende Buch und den Koran gelesen.

Bis heute würde ich diese Strategie immer jedem empfehlen, der sich mit dem Koran in der Tiefe befassen und ein umfassendes Verständnis entwickeln will – oder muss. Ich gebe zu, es ist anstrengend. Diese Strategie lässt nur kurze Lesepausen und sonstige Unterbrechungen zu; ich will erklären, weshalb dem so ist.

Dem Nichtmuslimen und dem Muslimen, der sich vielleicht mit der Intonation des Korans in seiner originalen, arabischen Sprache, aber nur marginal mit seinem eigentlichen Text befasst hat, ist dessen „Zusammensetzung“ und „Funktion“ wahrscheinlich nicht ganz klar.

Die Schrift liest sich aufgrund ihres Aufbaus und der Anordnung seiner Texte, seiner Suren und Verse, der Ayat, keineswegs wie ein fließendes, womöglich sogar chronologischer Text. Das macht das unvorbereitete Lesen nicht nur verwirrend. Es scheint auf den ersten Blick tatsächlich keine vernünftige Aufeinanderfolge der Suren zu geben, man gewinnt den Eindruck, dass der Gedanke beinahe willkürlich von einem Punkt zu einem völlig anderen springt.

Ohne in allzu detaillierte, wissenschaftliche Spezifika abzutauchen und Nichtmuslime vielleicht damit noch viel mehr zu verwirren, muss man ein völlig anderes Verständnis entwickeln, mit dem der Koran zu lesen ist.

Nichtmuslimen versuche ich die Schrift immer salopp und mit modernen, allgemeinverständlichen Ideen zu charakterisieren. Ich nenne sie eine „nicht hoch, sondern höchstgepackte, komprimierte Datei“, die beim „Entpacken“, also kundigem Lesen, regelrecht in ihrem Volumen explodiert. Man bemerkt, und gerade deshalb ist es wichtig, möglichst ohne Lesepausen vorzugehen, dass alle Verse des Koran ineinandergreifen und keiner von ihnen ohne jeden anderen Bestand haben kann.

Im Gegenteil berührt jeder Vers grundsätzlich immer eine extrem hohe Anzahl ganz anderer Verse, die beim isolierten Lesen scheinbar einen ganz anderen Gedanken verfolgen. Um diese Erkenntnis möglich zu machen, denke ich oft, scheint absichtsvoll keine Sure thematisch in ihre nachfolgende oder vorangegangene zu greifen.

Das menschliche Gedächtnis ist unzuverlässig und lückenhaft; deshalb erzielt man in der Gewinnung dieser Zusammenhänge den größten Erfolg, wenn man die Schrift möglichst in einem Zuge zu lesen versucht. Denn erst dann begreift man, dass die Suren und Verse, die sich beispielsweise scheinbar gegen Juden richten, nur wirklich verstanden werden können, wenn man möglichst viele aller anderen im Hinterkopf hat, die eben diesen Gedanken nicht nur relativieren, sondern in grundsätzlich anderem Licht vervollständigen und ihnen Hintergrund verleihen.

Nein, ich laufe hier nicht Gefahr, konkrete Suren und ihre Bezüge isoliert darzulegen – und auch das hat seinen Grund, der nicht ausschließlich nur im Vorgenannten zu finden ist. Mit dem Koran und dem weit verbreiteten Unwissen in dessen Umfeld ist bereits viel Missbrauch getrieben worden. Nicht wirklich viele Menschen, leider auch nicht wirklich viele Muslime, haben beispielsweise mitverfolgt, wie islamische Gelehrte mit dem Unwesen des „Islamischen Staates“ umgegangen sind.

Denn die altehrwürdige und im Islam hochgeschätzte und überaus kompetente Moschee Al-Azhar in Kairo berief damals eine Komission hoch- und höchstrangiger, islamischer Gelehrter zu einer Konferenz ein. Über hundert Gelehrte traten in Kairo zusammen und entwickelten eine „Entgegnung“, die sich unmittelbar an den selbstbehaupteten „Kalifen“ des „Islamischen Staates“ richtete. In vollendet nüchternem und objektivem Stil argumentierte die Konferenz gegen allerlei bizarre, seltsame, befremdliche und schlicht falsche Behauptungen des „Kalifen“, was angeblich Islam sei und benötigte dafür nichts mehr als nur den Koran. Und zwar zur Gänze.

Die Strategie des „Kalifen“ nutzte das Halb- oder gar Unwissen der Menschen über das Wesen des Koran und dessen Inhalt geradezu schamlos und absichtsvoll für seine niederen Zwecke aus. Er setzte darauf, scheinbar eindeutig wirkende Suren aus dem Gesamtwerk herauszureißen und ihnen eine ebenso falsche wie niederträchtige Bedeutung zuzuschreiben. Und da sind wir bei dem Tatbestand des „Auseinanderreißens“. Muslimen wird es allgemein nicht empfohlen, dem Koran einzelne Suren zu entnehmen um damit ein Problem, einen Tatbestand zu erklären. Der Grund liegt im Vorgenannten; keine Sure hat alleingültigen Bestand und kann ohne die Gesamtheit aller anderen betrachtet werden.

Um dies deutlich zu machen, greife ich immer zu einer prägnanten Analogie: nehmen wir an, ein Professor stellt in einem Hörsaal Menschen, die noch nie einen Gorilla gesehen haben, diesen anhand eines einzelnen Armes und eines Zahnes vor. Er deutet auf die immensen Muskeln und die starken Finger und erklärt, dass diese für den Fang und dem Töten von Beute so stark entwickelt seien. Zum Beweis zeigt er einen Zahn, der lang und spitz ist.

Er legt den Hörern auseinander, dass der Gorilla überaus heimtückisch vorgeht und seine Beute, gleich, wie groß diese sei, mit großer Grausamkeit zerfleischt und zerreisst, weil er sich angeblich von nichts anderem ernähren würde als Fleisch.

Genau so ist der „Kalif“ des „Islamischen Staates“ vorgegangen. Er stellte seinen Anhängern anhand herausgerissener Textfetzen ein entsetzliches Zerrbild des Islam vor.

Erst die Gesamtheit der Offenbarung zeigt Islam; der Glaube besteht nicht aus einer Aneinanderreihung isolierter Stückchen, sondern ist ein überaus dicht gewebtes, kompaktes und inhaltsvolles Gesamtwerk. Die Aufgabe, all diese Verbindungen untereinander aufzufinden und für sich zu erkennen, benötigt weit mehr als nur ein kleines Menschenleben, denn die Fülle aller Inhalte direkter und indirekter Natur ist überwältigend.

Nicht umsonst forschten bisher Tausende Menschen über Jahrhunderte daran und füllten zusammen Regalwände über viele Kilometer mit ihren Erkenntnissen und Entdeckungen. Ein Muslim, der sich mit der Schrift in gebührender Art befasst hat, erlangt in seinen Lebenssituationen Sicherheit und Souveränität. Es wird nicht möglich sein, ihn in Extreme zu verführen oder Dinge vollziehen zu lassen, die dem Geist der Schrift letztlich genau entgegenwirken.

Es ist exakt diese Komplexität eines unvorstellbaren Räderwerks, die den Islam sagen lassen können: „Wer immer denkt, die Schrift sei menschengemacht, der komme und verfasse doch eine Sure!“ – denn das ist völlig unmöglich. Kein Mensch wäre in der Lage dazu, eine Sure zu verfassen, die in dieses Räderwerk eingepasst werden und „funktionieren“ könnte.

Wenn wir um all diese Gedanken, Erkenntnisse und Ideen rund um den Koran wissen, können wir auch verstehen, weshalb der Koran nicht „arbeitet“ wie ein gewöhnliches Buch und warum die Schrift mit anderen Werken wie etwa der Bibel nicht zu vergleichen ist.

Der Koran hat keinen definierten Beginn eines Handlungsfadens, einer geschichtlichen Abfolge im Sinne einer Chronologie und ist demzufolge auch keinesfalls wie eine Handlungs- geschweige denn Gebrauchsanleitung zu lesen. Nur die gesamtheitliche Lektüre nebst flankierenden Informationen im Vorfeld erschließen das Werk – und befähigen den Muslim, im Sinne des Islam zu leben, zu fühlen, zu denken und zu handeln.

Es genügt nicht, die arabische Aussprache des Koran zu erlernen, um ihn korrekt intonieren zu können. Ein weiser Imam prägte einmal folgendes Gleichnis: vor langer Zeit war ein Kalif von der Frömmigkeit von einem seiner Diener überaus beeindruckt. Denn dieser kniete beständig vor seinem Thron und sang eine Abfolge von Lobpreisungen, Ehrungen und Schmeicheleien. Sein zweiter Diener ärgerte ihn oft. Manchmal sah er ihn in schlampiger Kleidung und erwischte ihn manchmal beim Stehlen.

Eines Tages unterbrach der Kalif seinen frommen Diener und sagte: „Ich habe Durst.“, doch der Diener hielt nur kurz inne und fuhr dann einfach mit seinen Gesängen zum Lobpreis fort. Der Kalif stutzte, blickte seinen frommen Diener an und wiederholte: „Ich habe Durst.“, doch der tat so, als höre er nichts und sang weiter. Da schlurfte der zweite Diener zufällig an der Türe vorbei, hörte seinen Herrn, eilte in die Küche, füllte einen Kelch mit Wasser und reichte ihn dem Kalifen – wer war der bessere Diener?

Der Leser, der es bis hierhin geschafft hat, möge mir verzeihen, wenn ich ohne konkrete Beispiele und Zitate aus dem Koran geschrieben habe – aber er erkennt zweifelsfrei aus dem Vorstehenden, warum dies so geschehen musste. Er wird aber sicherlich verstanden haben, was den Koran besonders macht, welches Staunen seine Lektüre auslöst und welches Wunderwerk er darstellt.

Nicht umsonst befassten sich außerhalb der muslimischen Gemeinschaft hohe Geister wie etwa Goethe so intensiv mit dem Werk, dass sie große Teile des Inhalts in ihr Leben übernahmen und zum Staunen aller offen vertraten.

Zeugen, die Goethe in seiner letzten Lebensstunde an seinem Sterbebett begleiteten, bemerkten, dass er, zum Sprechen bereits nicht mehr fähig, mit einem Finger ein großes „W“ in die Luft zeichnete. Sie machten sich keinen Reim darauf – aber Muslime verstehen es sofort: das, was im Deutschen wie ein „W“ aussieht, ist die arabische Wendung für Allah….

Zum Schluss empfehle ich noch ein spezielles Buch, dessen Genuss jedem Nichtmuslim die Lektüre des Korans ermöglicht und bereichert. Es heißt „Al-Aqida“ von Amir M. A. Zaidan und bezieht sich eigentlich auf die Glaubenslehre des Islam schlechthin, berührt und erläutert jedoch die Zusammensetzung des Korans mit vielen tiefergehenden Erläuterungen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

Auch Interessant

– Islam – Prominenter US-Priester zum Islam konvertiert

Hilarion Heagy bezeichnete seine Entscheidung als „Umkehr zum Islam“ und sagte, es sei „wie eine Heimkehr“.

Prominenter US-Priester zum Islam konvertiert

Musk-Zuckerberg-Kampf
Chinesischer Musk-Doppelgänger fordert Zuckerberg heraus

Peking – Es hat ihn zwar niemand eingeladen, trotzdem bereitet sich der chinesische TikToker und Elon Musk Doppelgänger auf einen Kampf gegen Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor. Yilong Ma hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Musk, und er hat Videos gepostet, in denen er sich ebenfalls auf einen „Kampf“ mit Zuckerberg vorbereitet. In einem Clip posiert er mit Boxhandschuhen neben einem Mann, der einen Karton über dem Kopf trägt, auf dem ein Bild von Zuckerberg klebt. „Elons Zwillinge in China trainieren für den Fall der Fälle“, schrieb Ma in der Überschrift seines neuesten Videos, das ihn beim „Schattenboxen“ zeigt. In den Kommentaren fügte er hinzu: „Ich trainiere wie verrückt“. In dem Clip steht er auch vor einem Tesla und ruft „Come on“ und „KO“. Wer weiß, vielleicht lassen sie ihre Doppelgänger gegeneinander antreten, wenn der echte Musk und Zuckerberg nicht in den Ring steigen.
@mayilong0

#zuckerberg #elonmusk I am X, challenge Zuckerberg.

♬ 原创音乐 – Yi long ma
Musk-Zuckerberg-Kampf Musk, 52, erklärte erstmals am 20. Juni auf Twitter, jetzt bekannt als X, dass er „zu einem Käfigkampf bereit sei, wenn er [Zuckerberg] es ist“. Dies geschah, nachdem bekannt wurde, dass Zuckerberg, 39, den Konkurrenten der Social-Media-Plattform, Threads, entwickelt hatte. Zuckerberg postete daraufhin einen Screenshot von Musks Tweet in einer Instagram-Story und schrieb „Send me location“. Anfang dieser Woche kündigte Musk an, dass der vermeintliche Kampf auf X live übertragen wird. Musk stemme bereits „den ganzen Tag Gewichte“, um sich auf seinen angekündigten Käfigkampf gegen Zuckerberg vorzubereiten. „Ich bin heute bereit. Ich schlug den 26. August vor, als er mich zum ersten Mal herausforderte, aber er hat nicht bestätigt. Ich halte nicht den Atem an“, sagte der Meta-Chef als Antwort auf Musks Beitrag auf Twitter. Musk ist Zuckerberg von der schieren Körpergröße her überlegen, und er hat davon gesprochen, dass er in seiner Jugend in Südafrika an „knallharten Straßenkämpfen“ teilgenommen hat. Zuckerberg, 39, ist dagegen ein aufstrebender MMA-Kämpfer, der bereits Jiu-Jitsu-Turniere gewonnen hat. Musk und Zuckerberg sind laut der letzten Forbes-Jahresbilanz die zweit- bzw. 16-reichsten Menschen der Welt.

Zum Thema

– Jiu-Jitsu – MMA: Goldmedaille für Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Zuckerberg zufolge ist Kampfsport für ihn eine Möglichkeit, angesichts der Flut schlechter Nachrichten, die ihn täglich erreichen, abzuschalten

MMA: Goldmedaille für Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Steuertipps
Ferienjobber sollten sich die Steuer zurückholen

Sommer, Sonne, Ferien. Die meisten Jugendlichen nutzen die Sommerferien zum Entspannen und Ausschlafen. Aber es gibt sie noch, wenn auch rückläufig in der Zahl: Schüler, Abiturienten und Studenten, die einem Ferienjob nachgehen. Solche, die ihr Taschengeld kräftig aufbessern, Eigenständigkeit erschnuppern und wertvolle Lebenserfahrungen sammeln. Die sich mal richtig was leisten und das großartige Gefühl kennenlernen möchten, erstmalig selbstverdientes Geld in Händen zu halten. Und denen werden, wie jedem anderen Geldverdiener auch, Steuern abgezogen. Doch Schüler und Studenten können sich die Steuern in der Regel komplett zurückholen. Sie müssten nur im Folgejahr daran denken, eine Steuererklärung zu erstellen. An sich haben sie sogar vier Jahre dafür Zeit. „Aber leider vergessen viele Schüler im Lauf der Zeit die Steuererklärung oder wissen nicht einmal über ihre Möglichkeiten Bescheid und verschenken so ihr Geld an den Staat“, erklärt Tobias Gerauer, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi) die Lage. Denn erst ab einem jährlichen Verdienst von 12.174 Euro sind in 2023 Steuern fällig. Es ist eher unwahrscheinlich, dass innerhalb des kurzen Zeitraums der Schul- oder Semesterferien eine solche Summe verdient wird. So sieht die aktuelle Gesetzeslage aus Da sich die Arbeit bei Ferienjobs auf wenige Wochen im Sommer beschränkt, handelt es sich ohnehin meist um eine kurzfristige Beschäftigung. Diese ist auf drei Monate oder 70 Tage im Jahr zeitlich befristet. Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren gibt es durch das Jugendschutzgesetz weitere Einschränkungen. Sie dürfen maximal 20 Tage in Vollzeit mit acht Stunden pro Tag arbeiten. Wochenenden und die Zeit zwischen 20 und 6 Uhr sind ausgeschlossen. Bleibt der Verdienst dabei unter 520 Euro im Monat, handelt es sich um einen Minijob. Dann gibt es das Geld brutto wie netto auf die Hand, weil Minijobs steuer- und sozialabgabenfrei sind, sofern man einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gestellt hat. Da bei Minijobs keine Steuern gezahlt werden, bringt eine Steuererklärung folglich nichts. Lohnsteuer ja – Sozialabgaben nein Wenn man in den Ferien aber richtig ranklotzt, verdient man in der Regel mehr und fällt in die Steuerklasse 1. Das bedeutet einen automatischen Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber ab ca. 1.160 Euro Monatsverdienst. Wird unterjährig in einem anderen Betrieb gejobbt oder werden zwei Ferienjobs parallel ausgeübt, fällt der Zweitjob in die mit höheren Abgaben belegte Steuerklasse 6. Daher fragt der Arbeitgeber anfangs nicht nur die Steuer-ID und das Geburtsdatum, sondern auch das Vorliegen weiterer Dienstverhältnisse ab. Der gesetzliche Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde greift übrigens nur für über 18-Jährige. Jüngere dürfen schlechter bezahlt werden. Aber immerhin fallen bei einer lohnsteuerpflichtigen kurzfristigen Beschäftigung keine Sozialabgaben an. Dazu zählen die Beiträge für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Schüler und Studenten unter 25 sind üblicherweise mit den Eltern in der Krankenkasse familienversichert. Daran ändert der Ferienjob nichts. Es sei denn, es handelt sich um einen Abschlussschüler, der im Anschluss an den Ferienjob eine Lehre oder ein duales Studium beginnt. Dann zählt der Ferienjob bereits zur Berufsausbildung und wird regulär behandelt. Eltern müssen keine Konsequenzen fürchten Positiv ist auch, dass sich ein Ferienjob nicht auf das Kindergeld der Eltern auswirkt, egal wie hoch der Verdienst des Kindes ist. Dieses gibt es unabhängig von Nebenverdiensten für junge Menschen in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr. Jugendliche, deren Eltern Bürgergeld beziehen, dürfen sich ebenfalls in den Ferien etwas dazuverdienen, ohne dass es den Eltern schadet. Bis 30. Juni blieb ein Verdienst bis zu 2.400 Euro anrechnungsfrei, seit 1. Juli 2023 können die Kinder unbegrenzt verdienen. Nur BAföG-Empfänger müssen aufpassen, denn ab 520 Euro Monatsbrutto wird der Verdienst angerechnet und das BAföG gekürzt. Wer sich kurzfristig noch dazu entschließt, einem Unternehmen in der Haupturlaubszeit auszuhelfen, um den Sommerbetrieb aufrechtzuerhalten, muss in der Regel nur im Personalbüro nachfragen und sich persönlich vorstellen. Selten wird ein kurzes Bewerbungsschreiben nötig. Schulzeugnisse sind bei Ferienjobs nicht gefragt. Und die Steuererklärung im Folgejahr ist schnell und einfach erledigt, da nicht viel eingetragen werden muss. Für Kinder von Mitgliedern der Lohnsteuerhilfe Bayern erledigt das der Verein übrigens kostenlos.

Immobilien
Ländervergleich: Immobilienpreise in Deutschland mit stärkstem Rückgang

0
Nürnberg – Europaweit sind die Zinsen für Baudarlehen in den vergangenen eineinhalb Jahren rapide gestiegen. Die Auswirkungen auf die Immobilienmärkte unterscheiden sich aber deutlich. Vorjahresvergleich: In 5 Ländern steigen die Immobilienpreise – Deutschland mit stärkstem Rückgang  In 5 von 7 untersuchten Ländern haben sich die Durchschnittspreise von Kaufimmobilien trotz schlechterer Finanzierungsbedingungen verteuert. Große Ausnahme ist Deutschland, wo die Preise um 6,2 Prozent gesunken sind – der stärkste Rückgang aller Länder. Allerdings hat sich der Markt in den vergangenen Monaten wieder etwas stabilisiert und der Abwärtstrend wurde unterbrochen. Das ist das Ergebnis des aktuellen AVIV Housing Market Reports für das 2. Quartal 2023. Darin wird die Entwicklung der Kaufpreise auf den Immobilienmärkten in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien, Spanien und Portugal analysiert. Der Report entsteht in Zusammenarbeit mit den Immobilienportalen meilleurs agents und Immoweb, die ebenso wie immowelt Teil der AVIV Group sind. Anzahl an Krediten in Deutschland halbiert, in Südeuropa stabil Die stärksten Anstiege lassen sich in den südeuropäischen Ländern beobachten. In Spanien erhöhte sich der Durchschnittspreis um 7,2 Prozent. In Portugal beträgt das Plus 6,4 Prozent und in Italien 2,0 Prozent. Alle Länder haben gemein, dass das Preisniveau deutlich unter dem der mitteleuropäischen Länder liegt. Zum Vergleich: In Deutschland kostet der Quadratmeter Wohneigentum aktuell 3.156 Euro, in Spanien und in Italien im Durchschnitt sogar weniger als 2.000 Euro. Obwohl das Einkommen in Südeuropa geringer ist, können sich die Menschen aufgrund der niedrigeren Preise noch eher Wohneigentum leisten. Denn die ebenfalls hohen Zinsen wirken sich bei geringeren Darlehenssummen weniger stark auf die monatliche Belastung aus. Das zeigt sich auch bei der Anzahl vergebener Kredite: Während in Deutschland laut Daten der Europäischen Zentralbank die Zahl der Kreditvergaben an private Haushalte innerhalb eines Jahres um 50 Prozent eingebrochen ist, blieb sie in den südeuropäischen Ländern stabil, beziehungsweise ist sogar leicht gestiegen. Zudem entdecken ausländischen Investoren die Urlaubsländer zunehmend für sich. Hinzu kommt, dass in Deutschland das Wirtschaftswachstum im Gegensatz zu den meisten anderen untersuchten Ländern in den vergangenen Quartalen zurückgegangen ist. Die Auswirkungen der steigenden Energiekosten machen sich in Deutschland besonders bemerkbar, was auch in der geringeren Kaufkraft der Deutschen sichtbar wird. Frankreich: Deckelung der Bauzinsen hat Abwärtstrend vorerst abgehalten Dass in Frankreich die Immobilienpreise nicht eingebrochen sind, hat hingegen einen anderen Grund als in Südeuropa. Denn das Preisniveau ist ähnlich hoch wie in Deutschland. Durch ein Plus von 0,4 Prozent liegt das westliche Nachbarland mit 3.180 Euro pro Quadratmeter inzwischen sogar leicht vor der Bundesrepublik. Hauptgrund für die unterschiedliche Entwicklung ist das niedrigere Zinsniveau. Denn die Obergrenze für Zinsen von Baudarlehen wird in Frankreich von der französischen Zentralbank festgelegt. Diese liegt maximal ein Drittel über dem durchschnittlichen effektiven Zinssatz, der im Laufe des vorangegangenen Quartals von Kreditinstituten für alle Immobiliendarlehen gleicher Art angewandt wurde. Dadurch konnte der rapide Zinsanstieg, wie er in den anderen Ländern seit 2022 auftrat, abgedämpft werden. Durch die kontinuierlichen Anstiege gleicht sich das französische Zinsniveau allerdings allmählich den anderen Ländern an, wo sich die Zinsen zuletzt beruhigt haben. Die finanzielle Belastung für Käufer in Frankreich nimmt folglich zu, was sich auch in der Preisentwicklung widerspiegelt. Zwar sind die Kaufpreise verglichen mit dem Vorjahresmonat leicht höher, doch im vergangenen Halbjahr ist bereits ein Rückgang erkennbar. Paris teurer als München und fast doppelt so teuer wie Berlin Beim Blick auf die größten Städte in Deutschland, Frankreich und Belgien zeigt sich, dass Paris nach wie vor mit großem Vorsprung das teuerste Pflaster ist. Mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 10.072 Euro liegt die französische Hauptstadt sogar deutlich vor München, der mit Abstand teuersten deutschen Großstadt. In der bayerischen Landeshauptstadt müssen Käufer derzeit mit Preisen von 8.692 Euro für den Quadratmeter kalkulieren. Auch zur deutschen Hauptstadt zeigt sich eine große Kluft: Mit 5.136 Euro pro Quadratmeter ist Berlin fast halb so teuer wie Paris und liegt in etwa auf einem Preisniveau mit Lyon (5.098 Euro). Die niedrigsten Kaufpreise gibt es in den belgischen Großstädten. In der Hauptstadt Brüssel (3.283 Euro) ist Wohneigentum zwar teurer als in der größten Stadt Antwerpen (2.628 Euro). Doch keine belgische Stadt kommt an das Preisniveau der großen Nachbarländer heran.