Türkei
Türkei-Erdbeben: Zahl der Toten steigt auf über 54.000

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Ankara – Die Zahl der Toten nach dem verheerenden Erdbeben im Südosten der Türkei ist nach Angaben der Behörden auf über 54.000 gestiegen. Davon stammen mindestens 48.448 Erdbeben-Opfer aus der Türkei. Auf einer Pressekonferenz in Malatya, einer der von den Beben betroffenen Provinzen, sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu, dass unter den Opfern in der Türkei 6.660 ausländische Staatsangehörige, vor allem Syrer, seien und dass die Behörden immer noch versuchten, 1.615 Opfer zu identifizieren. Durch das Erdbeben und die anschließenden Nachbeben wurden in der Türkei mehr als 115.000 Menschen verletzt. Soylu sagte, die Regierung plane, 115.585 Container für ebenso viele Familien an 239 Standorten in der betroffenen Region aufzustellen. Bislang seien 21.000 Container aufgestellt worden, in denen 85.000 Menschen leben. Seit dem Erdbeben seien 433.536 Zelte aufgestellt worden.Soylu sagte, von den 36.257 eingestürzten Gebäuden seien die Trümmer von 5.321 geräumt worden, während 6.000 von 18.219 Gebäuden, die zum sofortigen Abriss vorgesehen waren, abgerissen und die Trümmer beseitigt worden seien.

Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,8 erschütterte am 6. Februar den Südosten der Türkei und Nordsyrien, zerstörte ganze Wohnblöcke und Krankenhäuser und hinterließ Tausende von Toten und Verletzten. Es folgten zwei weitere Beben der Stärke 7,6 und 6,0 in derselben Region. Etliche Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet.

Bei dem Erdbeben handelt es sich um die schwerste Erschütterungen in der Türkei mindestens seit dem Erzincan-Beben des Jahres 1939. Das damalige Erdbeben erreichte  eine Stärke von 7,7. Mehr als 30.000 Menschen starben damals bei der Katastrophe in Ostanatolien.

Erdbeben-Schäden auf über 100 Mrd. Dollar geschätzt

Die verheerenden Erdbeben haben immense Zerstörung angerichtet. Nach Angaben der UN stürzten fast 600.000 Gebäude ein. Die Schäden, die allein in der Türkei angefallen sind, hat die UN geschätzt.

Die Erdbeben des letzten Monats könnten die Türkei nach Schätzungen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) mehr als 100 Milliarden Dollar kosten.

(Foto: Semra Kelepir)
Louisa Vinton, Vertreterin des UNDP in der Türkei, sagte am Dienstag, dass 2,7 Millionen Menschen durch die Erdbeben vertrieben wurden. Fast 600.000 Gebäude seien eingestürzt, fügte sie auf einer wöchentlichen Pressekonferenz hinzu. Aus den bisherigen Berechnungen geht klar hervor, dass die von der Regierung vorgelegte und von internationalen Partnern unterstützte Schadenssumme mehr als 100 Mrd. Dollar betragen würde“, sagte Vinton vom UNDP per Videoverbindung aus der türkischen Stadt Gaziantep.

Die vorläufige Schadenssumme, die sich laut Vinton nur auf die Türkei bezieht, wird als Grundlage für eine Geberkonferenz am 16. März in Brüssel, Belgien, verwendet, um Mittel für die Erdbebenopfer zu mobilisieren, fügte sie hinzu. Die Weltbank schätzte die Schäden in der Türkei zuvor auf rund 34,2 Mrd. USD.

Vinton beschrieb die Szenen in der am schlimmsten betroffenen türkischen Provinz Hatay als „apokalyptisch“ und sagte, Hunderttausende von Häusern seien zerstört worden. „Die Bedürfnisse sind enorm, aber die Ressourcen sind knapp“, fügte sie hinzu. Bislang, so Vinton, sei das UNDP „sehr enttäuscht und traurig“ über die geringe Resonanz auf die bisherigen Finanzierungsaufrufe. Ein am 16. Februar veröffentlichter Aufruf in Höhe von 1 Milliarde Dollar sei derzeit nur zu 9,6 Prozent finanziert, sagte sie.

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Die deutsche Reise-Vloggerin Franziska Niehus läuft von Wien nach Istanbul, um Geld für Erdbebenopfer in der Türkei zu sammeln.

Für Erdbebenopfer: Deutsche läuft 2.400 km
 

Türkei-Wahlen
Türkei: Oppositionsbündnis will Babacan als Wirtschaftschef

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Ankara – Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei finden am 14. Mai statt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wird das Oppositionsbündnis im Falle eines Wahlsieges Ex-AKP-Mann und derzeitige DEVA-Chef Ali Babacan als Vize-Wirtschaftsminister ernennen. In einem Gespräch mit Reuters sagten namentlich nicht genannten Quellen, dass bereits auch schon ein Zentralbankchef feststehe, gaben dessen Namen jedoch noch nicht bekannt. „In einem System, das Babacan leiten wird, wird es eine Struktur geben, in der wichtige Ministerien von anderen Parteien übernommen werden“, zitiert Reuters einen hochrangigen Beamten des Bündnisses. Eine andere Quelle, die mit der Situation vertraut ist, sagte, Babacan werde auch die ausländischen Investitionen und das allgemeine Investitionsklima überwachen.

Der einstige Weggefährte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, trat im Juli 2019 aus der regierenden „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) aus und gründete im März 2020 eine neue Partei. Er kritisiert die Regierung besonders in Wirtschaftsfragen. Er war einst für die türkische Wirtschaft verantwortlich.

Ihm schreibt man den Verdienst zu, den Wirtschaftsboom des Landes in den 2000er-Jahren ausgelöst zu haben. Auch der deutsch-türkische Abgeordnete Mustafa Yeneroglu, der wie zahlreiche andere 2019 aus der AKP ausgetreten war, gehörte zu den Mitgründern der neuen Partei. Insgesamt gab es 90 Gründungsmitglieder. Babacan war 2001 Mitgründer der AKP und arbeitete jahrelang eng mit Präsident Erdogan zusammen. Er war zudem Chefunterhändler für die EU-Beitrittsgespräche und wurde 2007 Außenminister und Stellvertreter des damaligen Ministerpräsidenten Erdogan. Türkei-Wahlen 2023 Das Oppositionsbündnis in der Türkei nominierte am Dienstag den CHP-Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu als gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten.

Ein Sechs-Parteien-Bündnis hatte Kılıçdaroğlu als gemeinsamen Kandidaten nominiert, der Präsident Erdoğan bei den türkischen Präsidentschaftswahlen im Mai herausfordern soll, und damit monatelange Ungewissheit und Streitereien beendet, die ihre Anhänger frustriert hatten.

„Unser größtes Ziel ist es, die Türkei zu Wohlstand, Frieden und Freude zu führen“, sagte Kılıçdaroğlu nach seiner Nominierung unter dem Beifall tausender Anhänger.

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Israel-Politik
Deutsch-Israelische Gesellschaft verurteilt Israel

Köln – Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Volker Beck, hat die rechtsgerichtete israelische Regierung unter Führung von Premierminister Benjamin Netanjahu scharf kritisiert. Die geplante Justizreform, nach der Richterstellen künftig mit einfacher Mehrheit vom Parlament besetzt werden könnten, sei ein „gefährliches Projekt“ und ein „Anschlag auf die Gewaltenteilung“, sagte Beck dem „Kölner Stadt-Anzeiger„. Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete hatte sich eine Woche zu Konferenzen und politischen Gesprächen in Israel aufgehalten. Für die Justizreform, so Beck, gebe es zwar einen nachvollziehbaren Grund, nämlich „fehlende Diversität“ in den Gerichten aufgrund einer einseitigen Besetzungspraxis der Richterstellen. Dennoch sei das Regierungsvorhaben mit der Unabhängigkeit der Justiz unvereinbar. „Politik braucht immer die Grenze des Rechts. Diese würde durch diese Pläne ausgehebelt, mit unabsehbaren politischen Folgen, auch für die Sicherheit israelischer Soldaten vor Strafverfolgung im Ausland.“ Beck forderte die Bundesregierung auf, die Gesprächskanäle zu Jerusalem offenzuhalten. „Alle Überlegungen, den Dialog mit der israelischen Regierung auszusetzen, halte ich für falsch. Wenn ich überlege, mit wem die Bundesregierung sonst redet, begreife ich nicht, dass man sich im Fall Israels überhaupt diese Frage stellt.“ Mit Blick auf den international scharf verurteilten weiteren Ausbau jüdischer Siedlungen in den von Israel besetzten Palästinensergebieten kritisierte Beck die deutsche Außenpolitik. Das Auswärtige Amt habe „reihenweise Pressemitteilungen zu Maßnahmen in den Siedlungsgebieten herausgegeben, bei denen man sich schon fragen musste, was man damit eigentlich bezwecken wollte – außer einer Selbstvergewisserung der eigenen, überlegenen Moral. Bewirkt hat es jedenfalls gar nichts.“ Der DIG-Präsident riet stattdessen dazu, „mit der Rechthaberei aufzuhören und mehr vom Ende her zu denken – gerade mit Blick auf die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten, die zu ihrem Recht auf Wohlstand und gedeihliche Entwicklung kommen muss“. Neue israelische Siedlungen stünden dem entgegen, betonte Beck.

Energiepolitik
Energiepreisbremse: Expertin fordert mehr staatliche Hilfen

Essen – Die Verbraucherzentrale NRW fordert Nachbesserungen bei den Energiepreisbremsen. „Beim Heizstrom ist die Preisbremse aus unserer Sicht zu hoch angesetzt“, sagte Christina Wallraf, die  der Verbraucherzentrale, im Podcast „Die Wirtschaftsreporter“ der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Die Verbraucherzentrale NRW plädiert für eine Preisbremse beim Wärmestrom, die bei etwa 30 Cent pro Kilowattstunde greift. Derzeit wird der Strompreis für den Basisbedarf generell ab 40 Cent pro kW/h gedeckelt. Heizstromtarife seien aus guten Gründen jahrelang günstiger als Haushaltsstrom-Tarife gewesen, sagte Energieexpertin Wallraf der WAZ. Trotz spezieller Tarife sei das Heizen mit Nachtspeicheröfen schon vor der Krise „die teuerste Art zu heizen“ gewesen, zudem seien Wohnungen mit Nachtspeicheröfen oft schlecht gedämmt. „Der Verzicht auf eine angemessene Preisbremse dürfte vor allem Haushalte mit einem ohnehin unterdurchschnittlichen Einkommen treffen“, so Wallraf. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Bundesregierung eine niedrigere Preisbremse speziell für Heizstrom entwickelt. Dies ist bislang nicht geschehen. Daher sehen wir weiterhin Handlungsbedarf. Die Heizstrom-Haushalte sind mehr oder weniger vergessen worden.“

Corona-Pandemie
Kassenärztechef bezeichnet Corona-Politik als „hysterisch“

Osnabrück – Kassenärztechef Andreas Gassen wirft Bund und Ländern vor, keine Lehren aus der Corona-Pandemie gezogen zu haben: „Die Liste der Versäumnisse ist lang“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Der öffentliche Gesundheitsdienst wurde bisher nicht restrukturiert und ausreichend gestärkt. Ich sehe auch keine echten Fortschritte in der Digitalisierung oder eine Garantie für bessere Datenlagen. Und ich sehe auch nicht, dass sich die für den Katastrophenschutz zuständigen Bundesländer neu aufgestellt hätten, außer dass sie die Nummer eines Virologen haben, um ihn um Rat zu fragen, wenn etwas auftaucht, was aussieht wie ein Virus.“ Die Chance, Corona als Anlass für eine bessere Krisenprävention zu nutzen, sei vertan worden, so der KBV-Chef in der „NOZ“. „Das teilweise zu beobachtende Staatsversagen, das wir in der überstandenen Pandemie erlebt haben, das kann sich beim nächsten Mal leider wiederholen“, sagte er in dem Interview und forderte eine „ehrliche Bilanz, was richtig war und was falsch, wo desaströse Fehler gemacht worden sind. Das wäre wichtig, um Schäden zu reparieren und für die Zukunft zu lernen“. Am 7. April laufen die letzten bundesweiten Corona-Maßnahmen aus. „Wir haben seit vielen Monaten keine bedrohliche Situation mehr, und das war abzusehen“, kommentierte Gassen den nahenden „Freedom Day“. Es sei zu lange an einer „übertriebenen Eindämmungspolitik“ festgehalten worden, „weil es irgendwann einen zu engen Zirkel an Beratern gab, die irgendwann in einer Blase festsaßen und unbedingt recht behalten wollten“. So seien auch immer wieder wissenschaftliche Erkenntnisse missachtet worden. „Am verheerendsten war das wohl bei den schier ewigen Schulschließungen“, sagte Gassen. „Heute weinen alle Krokodilstränen über die Schäden, die bei den Kindern und jungen Leuten dadurch entstanden sind, dabei haben die Fachgesellschaften früh vor den Folgen gewarnt.“

Türkei-Wahlen
Kılıçdaroğlu liegt bei erster Umfrage vorn

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Ankara – Das Oppositionsbündnis in der Türkei nominierte am Dienstag den CHP-Vorsitzenden als gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten. Bei einer ersten Umfrage liegt Kemal Kılıçdaroğlu deutlich vor Präsident Recep Tayyip Erdoğan der regierenden AKP. Kılıçdaroğlu schlägt laut der Umfrage von ORC Research Erdoğan um 13 Punkte.
„Welchen dieser beiden Kandidaten würden Sie wählen, wenn Erdoğan und Kılıçdaroğlu bei den Präsidentschaftswahlen am 14. Mai 2023 antreten?“
Bei der in 28 Provinzen erfolgten Umfrage erreichte der Präsidentschaftskandidat des Oppositinsbündnisses 56,8 Prozent. Erdoğan kam auf 43,2 Prozent. 

Ein Sechs-Parteien-Bündnis hatte Kılıçdaroğlu als gemeinsamen Kandidaten nominiert, der Präsident Erdoğan bei den türkischen Präsidentschaftswahlen im Mai herausfordern soll, und damit monatelange Ungewissheit und Streitereien beendet, die ihre Anhänger frustriert hatten.

„Unser größtes Ziel ist es, die Türkei zu Wohlstand, Frieden und Freude zu führen“, sagte Kılıçdaroğlu nach seiner Nominierung unter dem Beifall tausender Anhänger. Die Entscheidung für einen gemeinsamen Kandidaten war nicht einfach. Meral Akşener, die die nationalistische IYI-Partei führt, hatte sich am Freitag wegen der Kandidatur Kılıçdaroğlus von der Allianz getrennt. Ihre Abspaltung von der Allianz war als wichtiger Impuls für Erdoğan gewertet worden. Akşener, eine ehemalige Innenministerin, deren Partei die zweitgrößte im Oppositionsblock ist, soll Berichten zufolge einen der beiden populären Bürgermeister von Istanbul oder Ankara anstelle von Kılıçdaroğlu bevorzugt haben. Sie kehrte in das Bündnis zurück, nachdem ein Kompromiss erzielt worden war, wonach der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, und der Bürgermeister von Ankara, Mansur Yavaş, als Vizepräsidenten nominiert werden sollten.

NATO-Erweiterung
PKK: NATO-Chef begrüßt Schwedens neue Terrorismusgesetze

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Stockholm – NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßte am Dienstag die neue schwedische Anti-Terror-Gesetzgebung, die auch die PKK einbezieht, und bezeichnete sie als einen Fortschritt im Kampf des Landes gegen den Terrorismus. „Die Türkei hat berechtigte Sicherheitsbedenken, und ich begrüße es, dass Schweden den Kampf gegen den Terrorismus, einschließlich der PKK, durch die Einführung neuer Terrorismusgesetze und die Verstärkung der Zusammenarbeit mit Ankara bei der Terrorismusbekämpfung intensiviert hat“, sagte Stoltenberg auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson. Kein NATO-Mitglied hat so viele Terroranschläge erlitten wie die Türkei, sagte Stoltenberg. Der NATO-Chef begrüßte auch die Aufhebung der Sanktionen der Waffenexporte in die Türkei:
Ich begrüße auch, dass Schweden dafür sorgt, dass es keine Beschränkungen für Waffenexporte in die Türkei gibt
Der NATO-Chef äußerte sich auch erfreut darüber, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der Wiederaufnahme der Verhandlungen zugestimmt hat, und verwies auf ein trilaterales Treffen, das am Donnerstag in Brüssel stattfinden wird und bei dem die Parteien erörtern werden, ob die Anforderungen des trilateralen Memorandums erfüllt sind oder nicht. Stoltenberg:
Ich freue mich, wieder in Stockholm zu sein und mich mit schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson zu treffen. Der Abschluss des Beitritts Schwedens und Finnlands zur NATO hat höchste Priorität, und wir machen Fortschritte. Ihre Mitgliedschaft wird unser Bündnis stärken – ich freue mich darauf, Sie schon bald als Vollmitglieder begrüßen zu dürfen.
Türkei vertagt Gespräche über NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands Nachdem ein rechtsextremer Politiker mit einer Genehmigung der Behörden in Stockholm einen Koran verbrannt und damit eine Krise ausgelöst hatte, vertagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Gespräche über die NATO-Beitritte Schwedens und Finnlands. „Diejenigen, die diese Perversion fördern oder entschuldigen, haben zweifellos auch die Folgen bedacht. … Tut mir leid, aber Sie werden von uns keine Unterstützung für die NATO bekommen“, sagte Erdogan im Januar vor den Kabinettsmitgliedern. Der rechtsextreme dänisch-schwedische Politiker Rasmus Paludan hatte in der Nähe der türkischen Botschaft in Stockholm ein Exemplar des heiligen Buches des Islam verbrannt.

Das türkische Außenministerium verurteilte die Tat „aufs Schärfste“ und bezeichnete sie als „verachtenswert“. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar erklärte außerdem, dass Ankara den geplanten Besuch des schwedischen Verteidigungsministers in der Türkei abgesagt habe.

Stockholm bemüht sich um die Zustimmung Ankaras zum NATO-Beitritt. Finnland und Schweden haben ihre historische Neutralitätspolitik aufgegeben und sich angesichts der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 um einen NATO-Beitritt beworben. Die beiden skandinavischen Länder waren bereits enge Partner der NATO, aber durch ihren Beitritt würden sie die Unterstützung von 30 Mitgliedsländern erhalten, falls sie von ihrem Feind Russland oder einem anderen Land angegriffen würden. Nur die Türkei weigerte sich, für einen Beitritt zu stimmen. Der NATO-Verbündete Türkei hob im Juni sein Veto gegen den Antrag Finnlands und Schwedens auf Beitritt zum Militäbündnis auf. Vorausgegangen waren wochenlange angespannte Verhandlungen, in denen Ankara die beiden nordischen Länder beschuldigte, Kämpfer der Terrororganisation PKK zu beherbergen.  

Schätzung der UN
Türkei: Erdbeben-Schäden auf über 100 Mrd. Dollar geschätzt

Genf – Die verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet haben immense Zerstörung angerichtet. Nach Angaben der UN stürzten fast 600.000 Gebäude ein. Die Schäden, die allein in der Türkei angefallen sind, hat die UN geschätzt. Die Erdbeben des letzten Monats könnten die Türkei nach Schätzungen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) mehr als 100 Milliarden Dollar kosten. Louisa Vinton, Vertreterin des UNDP in der Türkei, sagte am Dienstag, dass 2,7 Millionen Menschen durch die Erdbeben vertrieben wurden. Fast 600.000 Gebäude seien eingestürzt, fügte sie auf einer wöchentlichen Pressekonferenz hinzu.
(Foto: Semra Kelepir)
„Aus den bisherigen Berechnungen geht klar hervor, dass die von der Regierung vorgelegte und von internationalen Partnern unterstützte Schadenssumme mehr als 100 Mrd. Dollar betragen würde“, sagte Vinton vom UNDP per Videoverbindung aus der türkischen Stadt Gaziantep. Die vorläufige Schadenssumme, die sich laut Vinton nur auf die Türkei bezieht, wird als Grundlage für eine Geberkonferenz am 16. März in Brüssel, Belgien, verwendet, um Mittel für die Erdbebenopfer zu mobilisieren, fügte sie hinzu. Die Weltbank schätzte die Schäden in der Türkei zuvor auf rund 34,2 Mrd. USD. Vinton beschrieb die Szenen in der am schlimmsten betroffenen türkischen Provinz Hatay als „apokalyptisch“ und sagte, Hunderttausende von Häusern seien zerstört worden. „Die Bedürfnisse sind enorm, aber die Ressourcen sind knapp“, fügte sie hinzu. Bislang, so Vinton, sei das UNDP „sehr enttäuscht und traurig“ über die geringe Resonanz auf die bisherigen Finanzierungsaufrufe. Ein am 16. Februar veröffentlichter Aufruf in Höhe von 1 Milliarde Dollar sei derzeit nur zu 9,6 Prozent finanziert, sagte sie. Bei den Erdbeben vom 6. Februar kamen in der Türkei und in Syrien mehr als 52 000 Menschen ums Leben.

OB-Wahl
OB-Wahl in Frankfurt: Stichwahl zwischen Becker und Josef

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Frankfurt am Main – Bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt hat kein Kandidat die notwendige absolute Mehrheit erhalten. Nach Auszählung der insgesamt 575 Stimmbezirke (Stand 20:31 Uhr) liegt der CDU-Kandidat Uwe Becker mit deutlichen 34,5 Prozent vor Mike Josef von der SPD mit 24 Prozent und der Grünen-Kandidatin Manuela Rottmann mit 21,3 Prozent. OB-Stichwahl am 26. März Damit kommt es wie erwartet am 26. März zu einer Stichwahl zwischen Uwe Becker (CDU) und dem SPD-Kandidaten Mike Josef. Noch nie gab es in der Geschichte Frankfurts so viele Kandidierende bei einer Oberbürgermeisterwahl. Insgesamt waren 20 Kandidaten für die OB-Wahl angetreten. Kemal Bölge

Reise-Vloggerin Franziska Niehus
Für Erdbebenopfer: Deutsche läuft 2.400 km

Istanbul –  Die deutsche Reise-Vloggerin Franziska Niehus läuft von Wien nach Istanbul, um Geld für Erdbebenopfer in der Türkei zu sammeln. Niehus ist ein großer Fan der Türkei und bereiste mit ihrem alten gelben Auto bereits 81 Provinzen. In den sozialen Medien ist sie sehr populär geworden und hat auf Instagram bereits über eine halbe Million Follower. Niehus kommt ursprünglich aus Bernau und ist vor etwa fünf Jahren für ein Studium in die Türkei gezogen. Der 29-jährige Vloggerin befand sich in der zentraltürkischen Stadt Kayseri auf einem Skiausflug, als sich das Erdbeben am 6. Februar ereignete. „Ich bin um 4:20 Uhr morgens aufgewacht, weil das Gebäude wackelte. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein so starkes Erdbeben erlebte. Ich hatte also Angst. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich rannte ohne Schuhe nach draußen“, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Nach dem Erdbeben begab sie sich sofort nach Elbistan in Kahramanmaras, dem Epizentrum des zweiten Erdbebens mit einer Stärke von 7,6.
„Wir sahen die verheerenden Folgen des Erdbebens, und mir wurde klar, dass dies eine der größten Katastrophen ist, die die moderne Zeit je gesehen hat, und dass wir etwas dagegen oder dafür tun sollten.“
„Als ich in Elbistan war, war es sehr kalt. Jeder hat seine Familie oder sein Haus verloren. Aber sie kamen trotzdem zu mir und boten mir Tee an, weil es so kalt war. Sie haben vielleicht alles verloren, aber ihre Gastfreundschaft und ihre Hoffnung haben sie nicht verloren. Das ist der Grund, warum mir das so am Herzen liegt“, so Niehus weiter. Um Geld für die Erdbebenopfer zu sammeln, startete sie am vergangenen Montag eine Reise zu Fuß von Wien nach Istanbul. Sie wird rund 2.400 Kilometer zurücklegen und die Spenden alle 500 Kilometer an eine Hilfsorganisation weitergeben. Auf die Frage nach dem Zweck ihrer Reise sagte Niehus, sie wolle das Bewusstsein schärfen und Spenden für die Erdbebenopfer sammeln.
„Ich habe darüber nachgedacht, was ich persönlich tun kann, um in dieser Situation der Türkei, die ich meine Heimat nenne, zu helfen. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas tun kann, um den Menschen zu helfen. Das ist also etwas, was ich tun kann, indem ich über meine Social-Media-Plattformen das Bewusstsein schärfe, indem ich Spenden für die Menschen sammle, die im Moment am meisten Hilfe brauchen.“
Am zweiten Tag ihres Laufs hat sie bereits 3.000 Dollar gesammelt. „Viele Länder und Organisationen haben nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien am 6. Februar 2023 geholfen. Mehr als 100 Länder sind vor Ort, um den vom Erdbeben betroffenen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir alle gemeinsam in dieser Situation sind. Die jüngsten Ereignisse erinnern uns daran, dass wir alle, egal woher wir kommen oder woran wir glauben, eine gemeinsame Menschlichkeit teilen. Lassen Sie uns als Welt zusammenkommen und uns in diesen schwierigen Zeiten gegenseitig unterstützen. Ob es sich nun um finanzielle Hilfe handelt, um ein freundliches Wort oder einfach darum, für jemanden in Not da zu sein, lasst uns zeigen, dass wir stärker sind, wenn wir zusammenstehen“, schrieb Niehus auf Instagram. Spendenaktion Sultans Trail
 
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