Über 100 vermutete Missbrauchstaten
Erzbistum Berlin plant weiteres Strafverfahren gegen mutmaßlichen Missbrauchstäter
Köln (ots) – Das Erzbistum Berlin bereitet ein weiteres kirchliches Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Haupttäter im Missbrauchsskandal um das Berliner Jesuitengymnasium ‚Canisius Kolleg‘, Peter R. vor.
Das geht aus internen Informationen aus dem Bistum hervor, die der WDR-Redaktion „die story“ vorliegen. Die Recherchen der WDR-Autorin Eva Müller für die Sendereihe „die story“ hatten zu Beginn dieses Jahres aufgedeckt, dass Pfarrer Peter R. nach über 100 vermuteten Missbrauchstaten zwischen 1981 und 2006 weiter ein Pfarrer i.R. der katholischen Kirche mit vollen Pensionsbezügen ist und bislang strafrechtlich nie und kirchenrechtlich nur in einem einzelnen Fall belangt worden ist.
Nun erwägt die katholische Kirche ein neues kirchliches Strafverfahren, das die Entlassung des Geistlichen aus dem Klerikerstand und eine Kürzung seiner Bezüge zur Folge haben könnte. Man habe bereits zum Jesuitenorden in Deutschland sowie ersten möglichen Geschädigten Kontakt aufgenommen, bestätigt der Bistumssprecher Stefan Förner gegenüber dem WDR. Das Bistum Berlin sei von der Glaubenskongregation in Rom mit einem kirchlichen Strafverfahren in 41 möglichen, weiteren bereits verjährten Missbrauchsfällen im Fall Peter R. betraut worden.
Bislang stünden allerdings noch nicht alle Betroffenen offen und damit juristisch verwertbar als Zeugen zur Verfügung. Den Auftrag aus Rom, ein umfangreiches Strafverfahren zu den Fällen der Berliner Canisius-Schüler zu führen, hat das Bistum 2012 erhalten, also bereits vor vier Jahren. „Der Täter muss endlich sichtbar und klar aus seinem Amt entfernt werden. Der Schutz der Institution muss ihm entzogen werden“, kommentiert der ehemalige Canisius-Schüler und Vorsitzende des Betroffenen-Vereins ‚Eckiger Tisch‘, Matthias Katsch, das angekündigte Verfahren, bei dem er sich selbst als Zeuge zur Verfügung stellen will. Das WDR Fernsehen sendet heute Abend um 22.10 Uhr in der Doku-Reihe ‚die story‘ den Film ‚Richter Gottes – Der Fall Hildesheim‘.
Türkei-Afrika-Gipfel
Türkei spendet Niger hydraulisches Equipment im Wert von 1,2-Millionen-Dollar
Niamey (nex) – Die Türkei hat der nigrischen Regierung eine hydraulisches Equipment im Wert von 1,2 Millionen US-Dollar gespendet.
Das Equipment bestehe aus einem Bohrgerät, zwei Lkw und weiterem Zubehör, teilte der nigrische Minister für Wasserressourcen, Barmou Salifou, während der Übergabezeremonie mit.
„Die Türkei unterstützt seit fast einem Jahrzehnt Nigers Wasser- und Abwassersektor“, sagte Salifou. „Die Unterstützung begann im Jahr 2008 mit der Realisierung des Wasserinfrastrukturprojekts in der Region Maradi unter der Aufsicht einer Gruppe von NGO.“
Die Hilfe sei mit einem vom Türkischen Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination (TIKA) beaufsichtigten Projekt verwirklicht worden, fügte Salifou hinzu. TIKA habe – vor allem in den Regionen Maradi, Dosso, Tillabery und Niamey – 258 Trinkwasserbrunnen mit Pumpen gebaut.
Auch die jetzige Spende stehe im Einklang mit dem Türkei-Afrika-Gipfel, teilte der türkische Botschafter zu Niger, Hüseyin Özdemir, mit. Der Gipfel hatte 2008 in Istanbul stattgefunden.
„Auf dem Gipfel verabschiedete die Türkei ein strategisches Dokument für Afrika, und ein Lenkungsausschuss zur Koordinierung der Strategie wurde mit der Teilnahme der Ministerien für Forstwirtschaft und anderen relevanten staatlichen Institutionen eingerichtet“, erläuterte Özdemir und fügte hinzu: „Klimawandel und wiederkehrende Dürren haben die Wasserressourcen in vielen afrikanischen Staaten wie Niger belastet.“
Grünen-Politkerin im "Stern"
Claudia Roth klagt über zunehmenden Hass auf Politiker: „Da kippt etwas weg“
Hamburg (ots) – Die Grünen-Politikerin Claudia Roth klagt über eine zunehmende Verrohung des politischen Klimas in Deutschland. Sie selbst bekomme pro Woche bis zu 100 E-Mails mit schweren Beleidigungen und massiven Bedrohungen zugeschickt, sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages dem stern. Hinzu kämen Hass-Kommentare auf ihrer Facebook-Seite, die sie jedoch aus Gründen des Selbstschutzes häufig ignoriere: „Ich kann mir das nicht ansehen. Wenn ich nachts da drüber gucke, wird mir schlecht.“
Roth zeigte dem stern mehrere Hass-Mails, die sie in jüngster Zeit erhalten hat. Ein Verfasser schreibt: „Du fette Warze verrecke“, ein anderer: „Du gehörst vergast“ und ein weiterer: „Wir jagen dich, wir kriegen dich, WIR BRINGEN DICH ZUR STRECKE“.
Roth erstattet in schweren Fällen Strafanzeige. Die Verfahren werden jedoch zumeist eingestellt, weil der tatsächliche Verfasser einer Hass-Botschaft im Internet oftmals nicht beweiskräftig zu ermitteln ist.
Scharf kritisiert Roth die Vorkommnisse am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Dresden. Personen aus dem Pegida-Umfeld hatten dort politische Repräsentanten lautstark beschimpft und beleidigt – darunter auch Roth, die einen vergeblichen Versuch unternahm, mit den Protestierern ins Gespräch zu kommen. In Dresden habe „eine unglaubliche Lynchatmosphäre“ geherrscht, so Roth. „Ich hatte das Gefühl: Da fehlt jetzt nur noch ganz wenig, dann schlägt das um in direkte körperliche Gewalt.“
Sie sei besorgt über eine zunehmende Brutalisierung des politischen Klimas in Deutschland. „Da kippt etwas weg. Es werden öffentliche Räume dem rechten Hass freigegeben.“ Rechte Protestierer wie die in Dresden hätten „überhaupt keinen Respekt mehr vor den Verfassungsorganen und unseren Grundrechten“.
Vereitelter Putschversuch
Türkei: Parlament stimmt Verlängerung des Ausnahmezustandes zu
Ankara (nex) – Das türkische Parlament hat am heutigen Dienstag der geplanten Verlängerung des Ausnahmezustands um drei weitere Monate ab dem 19. Oktober zugestimmt.
Das Kabinett hatte vergangene Woche die Verlängerung des Ausnahmezustands um weitere 90 Tage beschlossen.
Der Nationale Sicherheitsrat (MGK) hatte zuvor zur Verlängerung des Ausnahmezustandes geraten, der fünf Tage nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli eingeführt worden war. Dem gescheiterten Staatsstreich sind 240 Menschen zum Opfer gefallen, weitere 2.200 wurden dabei verletzt.
Gemäß der türkischen Verfassung kann ein Ausnahmezustand für höchstens sechs Monate verhängt, aber, falls erforderlich, verlängert werden.
Das Parlament muss diesen ratifizieren, was für die regierende Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) mit ihrer komfortablen Mehrheit kein Problem darstellt.
Um den Ausnahmezustand auszurufen, muss die Regierung ernstzunehmende Hinweise für weitverbreitete Gewaltakte sehen, die die demokratische Grundordnung oder die Grundrechte ihrer Staatsbürger stören könnten.
Türkisch-irakische Beziehungen
Erdogan: Die Türkei nimmt keine Anweisungen aus dem Irak an
Ankara (nex) – Die Türkei werde aus dem Irak keine Anweisungen zum Lager Baschika annehmen, erklärte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am heutigen Dienstag.
In der vergangenen Woche hatte das irakische Parlament eine Resolution verabschiedet, in der die türkischen Truppen als „Besatzer“ bezeichnet wurden. Zudem rief das irakische Parlament die Regierung dazu auf, dem türkischen Botschafter in Bagdad eine diplomatische Note zu senden sowie den Handel und die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Türkei zu prüfen. Als Reaktion darauf hatte das türkische Außenministerium eine Erklärung veröffentlicht, in der es hieß, dass die Entscheidung des irakischen Parlaments nicht die Meinung des irakischen Volkes wiedergebe, dem die Türkei beigestanden und dieses jahrelang unterstützt habe.
In seiner Eröffnungsrede auf der 9. Tagung des Eurasischen Islamrates (EIC) riet Erdogan dem irakischen Premierminister Haider al-Abadi, „seine Grenzen zu kennen“ und erinnerte ihn daran, dass sich das türkische Militär wegen einer Anfrage der irakischen Regierung selbst im Irak befinde. Erdogan teilte weiter mit, dass al-Abadi selbst ihn um die Errichtung eines Militärstützpunkts in Baschika gebeten habe, das etwa 12 Kilometer nordöstlich der vom IS (Daesh) kontrollierten Stadt Mossul liegt.
„Wir haben von all dem Live-Aufnahmen, und sie werden heute oder morgen im Fernsehen ausgestrahlt werden“, warnte Erdogan und fügte hinzu: „Nun sagt er [al-Abadi] ‚Zieht euch von hier zurück‘. Noch ist es nicht so weit, dass die Armee der Republik Türkei Anweisungen von Ihnen annimmt.“ Erdogan wies darauf hin, dass die Türkei weiterhin das tun werde, was nötig sei. Sie könne bei den Entwicklungen im Irak nicht als „bloßer Zuschauer“ agieren.
Der türkische Präsident äußerte sich auch zum Gülen-Netzwerk (FETÖ), das er als eine genauso große Bedrohung wie den IS (Daesh) für die Muslime und die ganze Welt bezeichnete. „Diese Bedrohung betrifft nicht nur die Türkei“, warnte er und merkte an, dass Eurasien das erste Expansionsgebiet des FETÖ gewesen sei, wo es „äußerst aktiv“ sei.
International Day of the Girl Child
UNICEF: Weltmädchentag – ein paar Fakten
Dortmund (nex) – Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, hat anlässlich des heutigen Weltmädchentags auf seiner Webseite die wichtigsten Punkte über die Probleme zusammengetragen, mit denen Mädchen auch heute noch zu kämpfen haben. Dazu liefert es auch die neuesten verfügbaren Zahlen.
So gibt es laut UNICEF rund 1,1 Milliarden weibliche Menschen unter 18 Jahren auf der Erde. Dabei leben über die Hälfte von ihnen in Asien. Im vergangenen Jahr wurden 70 Millionen Mädchen geboren.
Fast neun von zehn Mädchen leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, heißt es weiter. Ein Mädchen, das 2015 geboren wurde, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 73 Jahren. Frauen in armen Ländern können jedoch mit einer 20 Jahre kürzeren Lebenszeit rechnen als Frauen in einem Industrieland.
Von den 70 Millionen Mädchen erhalten 61 Millionen im Schulalter keine Bildung, teilt UNICEF mit.
Laut neuen UNICEF-Zahlen arbeiten Mädchen zwischen 5 und 14 Jahren weltweit 550 Millionen Stunden pro Tag im Haushalt. Mädchen im Alter von 10 bis 14 erledigen Arbeiten wie Kochen, Saubermachen, Wasserholen doppelt so häufig wie Jungen.
Jedes Jahr sind, so UNICEF, drei Millionen Mädchen der Gefahr der Genitalverstümmelung ausgesetzt.
Es gibt aktuell rund 750 Millionen Frauen und Mädchen, die vor dem 18. Geburtstag verheiratet waren, heißt es weiter. Nach der Eheschließung gehen die meisten jungen Frauen nicht mehr zur Schule, müssen sich um den Haushalt kümmern und werden früh Mutter.
In den am wenigsten entwickelten Ländern hat laut UNICEF jede vierte junge Frau – das sind etwa 12 Millionen – ihr erstes Kind vor dem 18. Geburtstag bekommen.
120 Millionen Mädchen und junge Frauen unter 20, rund jede zehnte also, wurde bereits Opfer sexueller Gewalt, teilt UNICEF mit.
Ein paar gute Neuigkeiten hat das UNICEF dann doch zu bieten: Mädchen haben eine Multiplikatorenfunktion. Gehen sie länger zur Schule, heiraten sie auch später und bekommen weniger und gesündere Kinder. Diese wiederum gehen auch mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Schule.
Die Weltgemeinschaft hat sich mit den „nachhaltigen Entwicklungszielen“ oder „UN-Entwicklungszielen“ unter anderem vorgenommen, die vollständige Gleichberechtigung der Geschlechter, das Ende der Armut, Bildung für alle, Frieden und Gerechtigkeit zu realisieren, so das UNICEF.
Und: Die Pakistanerin Malala Yousafzai, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte, war zum Zeitpunkt ihrer Ehrung ein 17-jähriges Mädchen.
Terrorwarnung
Bombendrohung am Rastatter Bahnhof
Dortmund (nex) – Am Dienstagvormittag wurde der Rastatter Bahnhof wegen einer Bombendrohung komplett geräumt und gesperrt. Der Zugverkehr kam zum Erliegen.
Reisende mussten die Gleise verlassen.
Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, seien Landes- und Bundespolizei vor Ort. Auch der Bahnhofsvorplatz sei weiträumig abgesperrt. Die Lage sei noch völlig unklar. Bei der Bundespolizei sei am Morgen eine Anschlagsdrohung eingegangen.
Kurz darauf wurde der Zugverkehr gegen 9.15 Uhr unterbrochen. „Es fährt nichts in den Bahnhof hinein und nichts heraus“, so der Sprecher der Bundespolizei Offenburg. Der Bahnhof würde nun auf Verdächtiges abgesucht. Dabei könnten auch Sprengstoffhunde zum Einsatz kommen.
Ereignisse der Putschnacht
Frankreich: Fotoausstellung über Putschversuch in der Türkei
Straßburg (nex) – Eine Film- und Fotoausstellung der Nachrichtenagentur Anadolu über den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei ist seit dem gestrigen Montag im Europarat in Straßburg zu sehen.
Am morgigen Mittwoch wird der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu an der offiziellen Eröffnung der eine Woche dauernden Ausstellung teilnehmen. Die Aufnahmen zeigen in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse der Putschnacht und der darauffolgenden Zeit.
Der vereitelte Putschversuch vom 15. Juli kostete 240 Menschen das Leben, es gab über 2.100 Verletzte. Seitdem versuchen Sicherheitskräfte, Schläferzellen des Gülen-Netzwerk FETÖ aufzudecken und zu eliminieren, die staatliche Institutionen einschließlich der Justiz und Armee, infiltriert hatten.
Der von der türkischen Regierung als Kopf der FETÖ bezeichnete Prediger Fetullah Gülen lebt seit 1999 in Pennsylvania.
Die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), der Abgeordnete aus 47 Mitgliedsstaaten sowie Vertreter internationaler Organisationen angehören, werden zur Ausstellung in Straßburg erwartet.
Der Vorsitzende der türkischen PACE-Delegation und AKP-Abgeordnete Talip Kücükcan erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, die Ausstellung stelle den Versuch dar, aufzuzeigen, was am 15. Juli geschah und die Bedrohung zu enthüllen, der die türkische Demokratie gegenüberstand.
Die Ausstellung werde beweisen, so Kücükcan weiter, dass „die Hauptwächter der Demokratie das türkische Volk ist“. Kücükcan dankte dem türkischen Parlament und Anadolu für deren Unterstützung.
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Staatlich finanziertes Tierleid
Neues Video zeigt erschütternde Zustände in Schweinebetrieben von CDU-Politikern
Stuttgart (nex/ots) – Der Tierrechtsorganisation PETA liegt aktuelles Bildmaterial aus Schweinemast- und -zuchtbetrieben von drei CDU-Bundestagsabgeordneten vor. Die Videoaufnahmen zeigen erhebliche Verstöße gegen den Tierschutz:
Zu sehen sind zahlreiche mit Kot verunreinigte verwundete Tiere, Schweine mit blutig gebissenen Schwänzen, Lähmungen und anderen Krankheitssymptomen. In sogenannten Kastenständen befinden sich Sauen, die sich kaum bewegen können. Zudem fanden die Ermittler eine Kühltruhe voller toter Tiere vor. PETA hat nun Strafanzeige gegen die Tierhalter und Agrarlobbyisten Johannes Röring, Franz-Josef Holzenkamp und Josef Rief erstattet. Die Organisation fordert zudem ein umgehendes Verbot der Massentierhaltung.
„Wenn Tierhalter in die Politik gehen, um Gesetze für sich selbst zu zimmern, braucht sich niemand über solche Bilder zu wundern“, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei PETA. „Dieser offensichtliche Interessenkonflikt geschieht auf Kosten der Tiere.“
Alle drei Angezeigten gehören dem Ausschuss Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages an, der unter anderem Gesetzesentwürfe im Bereich Tierschutz berät. Das Eigeninteresse der Abgeordneten als Unternehmer trifft hier also auf Aufgaben und Pflichten ihres politischen Amtes für das Allgemeinwohl. So standen die Funktionäre strengeren tierschutzrechtlichen Bestimmungen stets kritisch gegenüber, Röring ist als Mitbegründer der „Initiative Tierwohl“ sogar einer der Hauptlobbyisten für nicht verbindliche Regelungen in der Tierhaltung.
Kranke, verletzte und tote Tiere in Ställen von Bauernfunktionären Johannes Röring ist Schweinehalter und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands sowie Vorsitzender des Fachausschusses Schweinefleisch im Deutschen Bauernverband. Die aktuellen Bilder von PETA bestätigen Aufnahmen aus dem Jahr 2015 aus den Ställen des CDU-Politikers, die erst kürzlich veröffentlicht wurden. Tiere, die kaum laufen können und im so genannten Hundesitz (der unter anderem ein Anzeichen für schlechtes Stallklima sein kann) verweilen, Tiere mit hochgradigen Augenentzündungen sowie verletzte und mit Kratzern übersäte Tiere. Die Schweine fristen ihr Dasein auf kotverschmierten Spaltenböden aus Beton. In einem Mittelgang fanden die Ermittler darüber hinaus auch ein totes Schwein, das einfach dort liegen gelassen wurde.
Ähnliche Missstände herrschen in einem Betrieb in Garthe, der Franz-Josef Holzenkamp gehört: Tote Tiere auf den Gängen, verwundete Schweine auf Betonspaltenböden. Holzenkamp ist Mitglied des Landwirtschaftsausschusses des Bundestags und des QS-Prüfsystems, das die Qualität von Tierhaltung und Lebensmitteln sichern soll. Er selbst beteuert, dass hohe Tierschutzstandards im Interesse der Branche liegen.
Auch Josef Rief ist als Schweinehalter tätig, seine Zucht betreibt er in Kirchberg an der Iller, Baden-Württemberg. In der Vergangenheit war er etwa im Bauernverband in Biberach tätig, er ist stellvertretendes Mitglied im Ausschuss Ernährung und Landwirtschaft. Rief spricht sich gegen strengere Regeln für Tierhalter aus. Die Aufnahmen von PETA zeigen auch warum: Ein Teil seiner Schweine ist mit Wunden übersät, einige Tiere hecheln und die Kühlbox für Kadaver ist gut gefüllt.
PETA hat bei den zuständigen Staatsanwaltschaften in Münster, Oldenburg und Ravensburg Strafanzeige gegen alle drei Betriebe erstattet.
Staatlich finanziertes Tierleid
Jeder Bundestagsabgeordnete erhält monatlich einen festen Betrag vom Steuerzahler, die sogenannte Abgeordnetenentschädigung. Diese lag im Herbst 2016 bei 9.327,21 Euro und soll laut Grundgesetz ihre „Unabhängigkeit sichern“. Aufgrund der Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter muss aber kein Landwirt seinen Betrieb aufgeben. Die Parlamentarier haben ein Recht auf Nebeneinkünfte, die jedoch angegeben werden müssen.
Nach Informationen von abgeordnetenwatch.de befanden sich im Zeitraum 2013 bis 2016 ausschließlich Landwirte in den Top 3 der besten Nebenverdiener, darunter zwei Tierhalter. Röring kam mit Einkünften zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro auf Platz 2. Für Rief reichte es immerhin für Platz 15 (zwischen 255.000 und 470.000 Euro); Holzenkamp belegte den 25. Platz (zwischen 190.500 und 436.500 Euro).
Teil dieser Einkünfte waren EU-Subventionen, die direkt aus Steuergeldern finanziert werden. So erhielt die Röring Landwirtschafts GbR laut Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung allein im Jahr 2015 über 32.000 Euro an Subventionen, darunter fast 30.000 Euro Direktzahlungen aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL). Dieser soll „einen wichtigen Beitrag zur Einkommenssicherung und Risikoabsicherung der landwirtschaftlichen Betriebe“ leisten und „als finanzieller Ausgleich für die weit höheren Umweltschutz-, Tierschutz- und Verbraucherschutzstandards“ dienen. 2014 erhielt Johannes Röring Direktzahlungen in Höhe von über 22.600 Euro. Auch Josef Rief erhielt 2015 mehr als 15.000 Euro an EU-Subventionen, davon über 12.000 Euro EGFL Direktzahlungen.
Das alles bietet ein trauriges Bild: Die Abgeordneten verdienen ihr Geld nicht nur mit Tierleid, sondern erhalten auch noch stattliche Summen von Steuergeldern, um im Parlament tierschutzfeindliche Politik zu machen. Als wären die Hunderttausende von Euro, die sie jedes Jahr umsetzen, nicht genug, bekommen sie Steuergelder zugeschoben, die eigentlich besser für andere Zwecke verwendet werden könnten. Und das, obwohl – wie die Rechercheergebnisse von PETA eindeutig zeigen – diese in keinem Fall zu besseren Zuständen in den Ställen führen. Das bedeutet nur eines: Der Politik und der Agrarlobby geht es nicht um Tierschutz, auch wenn sie es gerne beteuern. Immer mehr Geld in dieses System zu pumpen, damit Tierhalter bessere Gesetze für sich selbst bestimmen, ist nicht zielführend.
Die gesellschaftliche Debatte um die Zustände in den sogenannten Nutztierhaltungsanlagen entflammt immer wieder von neuem. Verletzte Tiere, Schweine und Puten, die nicht mehr oder kaum laufen können, Kadavertonnen voller toter Tiere – mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit erschüttern diese Bilder aus deutschen Anlagen die Verbraucher. Die Industrie und Lobbyvertreter sprechen dennoch gerne von Einzelfällen, wenigen Ausnahmen oder einem nicht repräsentativen Bild. Nun beweist die neue PETA-Recherche, dass sogar Agrarlobbyisten, die Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU sind, zu solchen „Einzelfällen“ zählen.
Kurdenfrage
Südosttürkei: AKP-Politiker von PKK-Terroristen hingerichtet
Diyarbakir (nex) – Ein Politiker der regierenden Partei für Fortschritt und Gerechtigkeit (AKP) wurde in der gestrigen Montagnacht in der Kreisstadt Dicle der südosttürkischen Provinz Diyarbakir von PKK-Terroristen getötet.
Die Quelle aus Sicherheitskreisen, die auf Grund von Restriktionen bezüglich öffentlicher Äußerungen unter der Bedingung der Anonymität mit den Medien sprach, teilte mit, dass PKK-Terroristen das Feuer auf den AKP-Kreisvorsitzenden Deryan Aktert an seinem Arbeitsplatz eröffnet hätten. Die Ermittlungen in dem Fall und die Suche nach den Terroristen seien angelaufen, so die Quelle weiter.
Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft. Sie hat im Juli vergangenen Jahres ihren 30-jährigen Kampf gegen den türkischen Staat wiederaufgenommen.
Seitdem wurden bei PKK-Anschlägen mehr als 600 Sicherheitskräfte sowie zahlreiche Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, getötet, während bei Anti-Terror-Einsätzen über 7.000 PKK-Terroristen eliminiert wurden.


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