Türkei
Erdogan-Sprecher: Auch Deutschland hat 500.000 Beamte entlassen

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Ankara (nex) – Der Sprecher des Staatspräsidenten, Ibrahim Kalın hat in seiner Kolumne in dem englischsprachigen Nachrichtenportal „Daily Sabah“ unter der Überschrift „Neuer politischer Konsens nach dem Putsch in der Türkei“ gesagt, dass der Putschversuch der gülenistischen Terror-Organisation (FETO) am 15. Juli eine dunkle Nacht in der Geschichte der Türkei sei. Doch der tapfere Widerstand und die Aufopferung des türkischen Volkes habe diese Nacht in einen hellen Tag umgewandelt. In der Zeit nach dem gescheiterten Coup sei ein neuer gesellschaftlicher und politischer Konsens entstanden – ein Konsens, der für die strukturelle Stärke der türkischen Demokratie entscheidend sei. Es wäre ein großer Fehler für die USA und Europa, diesen Konsens außer Acht zu lassen. Die meisten Menschen in der Türkei hätten den Eindruck, dass die USA Gülen beschützten, indem sie ihm freie Hand ließen, damit er das amerikanische Rechtssystem zu seinem Vorteil missbrauche. Kalın sei zuversichtlich, dass die US-Regierung für die Auslieferung Gülens mit Ankara zusammenarbeiten werde. Gülen sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit in der Türkei und ein gefährlicher Verbrecher auch für die USA. Wenn man Gülen weiterhin erlaube, das amerikanische System auf diese oder andere Art und Weise zu missbrauchen, würden viele das als eine Unterstützung Gülens betrachten – was eine Vorgehensweise sei, die in der Türkei ausschließlich der Anheizung der anti-amerikanischen Stimmung dienen würde. Die meisten Europäer und Amerikaner scheinen den Ernst und die Schwere der Ereignisse vom 15. Juli nicht zu begreifen. Statt die Türkei im Kampf gegen die Gülenisten zu unterstützen, seien EU-Beamte damit beschäftigt, die Türkei in Sachen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu belehren. Einige gingen so weit, dass sie der Türkei vorwarfen, den Coup selbst inszeniert zu haben. Was die Entlassungen der Gülenisten aus dem öffentlichen Dienst angeht, schreibt Kalın:
„Die Entlassung der Gülenisten von staatlichen Institutionen unterscheidet sich nicht wesentlich von dem berühmten Prozess des ‚Einigungsvertrags‘ aus dem Jahre 1990 während der Vereinigung von Ost- und West-Deutschland. Im Rahmen dieser Vereinbarung wurden rund 500.000 Beamte aus Ost-Deutschland entlassen oder suspendiert. Nach sechs Monaten wurde den meisten von ihnen endgültig gekündigt. Kurz nach der Vereinigung wurden alle Generäle und Admiräle aus dem 88.000-Mann starken ostdeutschen Militär entlassen. Nur eine geringe Anzahl von Soldaten niedrigen Ranges wurde in das neue deutsche Militär erlaubt. Neben Beamten und Soldaten entließ der deutsche Staat zudem zahlreiche Akademiker, Lehrer, Diplomaten und Journalisten aufgrund ihrer Verbindungen zum alten Regime in Ost-Deutschland. Die deutschen Behörden trafen diese außerordentlichen Maßnahmen, um einen reibungslosen Übergang zu einem vereinten Deutschland zu gewährleisten. Die Türkei hat erst neulich einen blutigen Putschversuch vereitelt und versucht jetzt, sich von dessen tödlichen Folgen zu erholen.“
 

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Erschienen bei TRT Deutsch

Ausland
Belgrad: Türkei will Investitionen in muslimischer Sandschak-Region Serbiens intensivieren

Belgrad (nex) – Während sich die politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Serbien verbessern, beabsichtigt die türkische Wirtschaft verstärkt in die muslimisch geprägte Region Serbiens, Sandschak, zu investieren. Das sagte der türkische Botschafter zu Belgrad Tanju Bilgic bei einem Besuch in der muslimischen Region. Bilgic traf sich mit Bürgermeister Nihat Bisevac in Novi Pazar, die größte Stadt in der Sandschak-Region. Der Botschafter sagte, dass Sandschak die Rolle einer Brücke zwischen der Türkei und Serbien einnehmen kann, deren Beziehungen sich seit Jahren verbessern. Der türkische Landwirtschaftsminister Faruk Celik sagte am 28. Februar über Serbien:
„Die Sandschak-Region in Serbien ist eine Brücke zwischen unseren Ländern. Das bilaterale Handelsvolumen 2016 betrug 870 Millionen US-Dollar. Unser Ziel ist es, das Volumen in kürzester Zeit auf eine Milliarde US-Dollar anzuheben. Ebenso wollen wir unseren Landwirtschaftssektor in Serbien stärken.“
Islam hat eine lange Geschichte in der Region. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Religion in der serbischen Provinz verwurzelt, als osmanische Türken große Teile Südosteuropas begannen einzunehmen. Zahlreiche lokale Slawen und Albaner nahmen nach Jahrhunderten Seite an Seite mit Türken den Islam an. Der türkische Botschafter sagte, dass er sich nicht fremd fühlt, wenn er im Sandschak ist. Er sieht enge kulturelle und historische Ähnlichkeiten zwischen der Region Sandschaks und der Türkei. Bilgic bemerkte, dass die Türkei interessiert ist, das wirtschaftliche Engagement im Sandschak zu erhöhen. In der Stadt Raska nahm der Botschafter aus der Türkei an einer Grundschuleröffnung teil. Die Schule wurde von der türkischen Entwicklungshilfeorganisation TIKA renoviert. Der Bürgermeister von Raska Ignjat Raketic dankte TIKA für die Renovierung der Schule, die ursprünglich vor 54 Jahren errichtet wurde. Raketic drückte auch seinen Wunsch aus, weitere Projekte von TIKA in den nächsten Jahren in Serbien erleben zu dürfen. Der verantwortliche Koordinator von TIKA in Belgrad Mehmet Bayrak gab bekannt, dass das Institut seit Beginn seiner Tätigkeiten über 58 Bildungsprojekte umsetzte. Neue Projekte werden folgen. In der Sandschak-Region leben rund 250.000 serbische Bürger mit einer mehrheitlich muslimisch-slawischen Identität.

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Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasia News

Türkisch-deutsche Beziehungen
Seltene Einigkeit: CSU und Linke fordern Abzug deutscher Soldaten aus Türkei

Berlin (nex) – Im Zuge der sich zwischen der EU und Türkei zuspitzenden Krise entwickelt sich auch in Deutschland eine selten anzutreffende Einigkeit zwischen Parteien, die sonst unterschiedlicher nicht sein können.

Die Fraktionschefin der Partei Die Linke, Wagenknecht, unterstütze die Forderung der CSU, wegen des Streits mit der Türkei die Bundeswehr aus dem Land abzuziehen. Dies berichten Medien unter Berufung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur AFP.

Zudem fordere Wagenknecht eine Einstellung der Waffenlieferungen an Ankara.

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hahn, hatte zuvor einen Rückzug verlangt. „In dieser aufgeheizten Atmosphäre gerade gegenüber Deutschland erscheint es zunehmend unsicher, ob die türkische Regierung den Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten in Incirlik umfassend gewähren kann und will. Die Bundesregierung sollte daher jetzt jegliche Investitionen in die Infrastruktur des Luftwaffenstützpunkts stoppen und, im zweiten Schritt, die Verlegung der Tornados einleiten“, so Hahn gegenünüber der „Bild am Sonntag“

Deutsch-türkische Beziehungen
Berlin: Kauder verteidigt Einreise-Erlaubnis für türkische Regierungsmitglieder

Köln (nex) – Auch nach dem Einreiseverbot der Niederlande für den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) die abweichende Haltung der Bundesregierung verteidigt. „Es würde niemandem nützen, wenn der Streit jetzt auf die Spitze getrieben würde, auch denen nicht, die in der Türkei für die demokratischen Grundwerte kämpfen“, sagte Kauder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Man könne – wie die Niederlande – zu einer anderen Entscheidung kommen. „Deutschland als die größte Nation in der EU sollte trotz allem mit Ankara grundsätzlich im Gespräch bleiben, obwohl die türkische Regierung der Bundesregierung diese Entscheidung derzeit wahrlich nicht einfach macht“, sagte Kauder und sprach von schweren Provokationen. „Inakzeptabel“ und „abwegig“ seien insbesondere die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Mitgliedern der Regierung gebrauchten Nazi-Vergleiche. Zudem müsse Deutschland „in jedem Fall“ verlangen, „dass türkische Politiker mit offenen Karten spielen und nicht – wie geschehen – behaupten, lediglich an einer Kulturveranstaltung teilnehmen und ein Grußwort sprechen zu wollen, während sie in Wirklichkeit Wahlkampf betreiben“. Mit Blick auf das türkische Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems, dessen Ausgang „auf Messers Schneide“ stehe, erwartet Kauder „schwierige Wochen“ auch für das Verhältnis der EU zur Türkei. „Dass die EU der Türkei nun Mittel kürzt, ist nach der jüngsten Entwicklung dort nur konsequent. Mit ihrem Kurs schadet die Regierung in Ankara ihrem Land massiv, vor allem auch wirtschaftlich.“ Zu befürchten sei bei alledem jedoch auch, dass die Lage für den inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, für dessen Freilassung sich die Bundesregierung einsetzt, durch die ganze Diskussion „nicht besser geworden“ sei, so Kauder. Für den Fall eines positiven Ausgangs des Referendums erwartet der Unionsfraktionschef-Vorsitzende eine „große Belastung“ für die Nato. Die Türkei ist Mitglied. „Die Nato ist nicht nur ein Sicherheitsbündnis, sondern auch eine Wertegemeinschaft.“

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Medien
Moskau: Russische und türkische Nachrichtenagentur unterschreiben Kooperationsvertrag

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Anadolu (AA) und ihr russischer Pendant TASS haben am Freitag in Moskau einen Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Unterzeichnende des Vertrags waren einer Meldung der Anadolu zufolge der AA-Vorsitzende und Generaldirektor Senol Kazanci und der TASS-Generaldirektor Sergei Mihailow. Die Zeremonie fand in Anwesenheit des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin nach deren Vieraugengespräch statt.

Der Vertrag beinhaltet unter anderem den Austausch von Meldungen und Fotos.

Des Weiteren soll durch den Erfahrungsaustausch zwischen den beiden alteingesessenen Nachrichtenagenturen ein zuverlässiger und schneller Informationsflusses zwischen der Türkei und Russland gewährleistet werden.

TASS wird im Rahmen des Vertrags auch von der Kriegsberichterstattung der Anadolu profitieren.

Anadolu, das älteste Nachrichtenunternehmen der Türkei, bietet News in den Sprachen Türkisch, Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch, Kurdisch (zwei Dialekte), Russisch, Mazedonisch, Bosnisch (drei Dialekte) sowie Albanisch und erreicht somit weltweit Millionen Menschen.

Anadolu ist in 81 Ländern mit Korrespondenten vertreten.

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Ausland
Eklat in den Niederlanden: Türken mit Hunden und Pferden angegriffen

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Istanbul (nex) – Die türkische Ministerin für Familie und Soziales, Betül Sayan Kaya, ist in einem Sonderflugzeug aus Deutschland in Istanbul gelandet und hat eine Presseerklärung abgegeben. „Wir haben in den Niederlanden, die von Demokratie, Freiheiten, Meinungsfreiheit spricht, eine sehr traurige Nacht erlebt“, betonte die Ministerin und fügte hinzu, dass neben dem Chargé d’Affaires, dem stellvertretenden türkischen Botschafter in den Niederlanden, auch ihre Leibwächter und ihr Berater festgenommen worden seien. Sie selbst sei aus dem Fahrzeug herausgeholt und in Begleitung der niederländischen Polizei zu einer Polizeistation an der niederländisch-deutschen Grenze gebracht worden, wo sie eineinhalb Stunden hätten ausharren müssen. „Wir waren einer sehr groben und harten Behandlung ausgesetzt“, so Kaya. Es sei antidemokratisch, die geplanten Auftritte der Minister zu untersagen, diese Vorgehensweise müsse überprüft werden, betonte sie und ergänzte:
„Wir sind dorthin gegangen, um mit unseren Mitbürgern zusammenzukommen und über die Änderungen, die das neue Regierungssystem bringt, zu sprechen. Die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, all das wurde mit Füßen getreten. Gestern wurden in den Niederlanden alle Freiheiten außer Kraft gesetzt. Unsere Mitbürger, die gekommen waren, um sich dort mit uns zu treffen, waren einer sehr unmenschlichen Behandlung ausgesetzt, sie wurden mit Pferden und Hunden angegriffen.“
Die Niederlande hatten dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am gestrigen Samstagnachmittag die Einreise wegen „Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ verweigert. Dem Flugzeug des Ministers sei die Landeerlaubnis entzogen worden, hatte die Regierung in Den Haag mitgeteilt. Am Abend wurde nun auch das Fahrzeug, in dem sich die türkische Familienministerin Fatma Betül Kaya befand, vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam gestoppt. Medienberichten zufolge war Kaya von Düsseldorf aus über den Landweg in Richtung Niederlande aufgebrochen, nachdem dem türkischen Außenminister die Einreise in das Land verweigert worden war. In einer Livesendung des türkischen Nachrichtensenders ntv hatte Kaya erklärt, dass sie bereits seit Stunden ausharrten und nicht einmal Wasser zu trinken bekommen hätten und fügte hinzu: „Aber wir brauchen auch nichts. Ich war am 15. Juli im Parlament.“ Kaya spielt damit auf die Nacht des vereitelten Putschversuchs im vergangenen Jahr in der Türkei an, in der das Gebäude der Großen Nationalversammlung der Türkei in Ankara insgesamt siebenmal bombardiert worden war. Dabei waren mehrere Sicherheitskräfte und Parlamentsbeamte verletzt worden. Spät in der Nacht hatte die Familienministerin getwittert, dass sie und ihr Team von einer Polizeieskorte nach Nijmegen, einer Stadt an der deutschen Grenze, gebracht würden.

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Verfassungsreferendum in der Türkei
Türkische Familienministerin: Niederlande sollen zu ihren demokratischen Werten zurückkehren

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Rotterdam (nex) – Die Niederlande hatten dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu, der anlässlich des am 16. April anstehenden Verfassungsreferendums in der Türkei mit türkischen Staatsbürgern in dem Land zusammenkommen wollte, am gestrigen Samstagnachmittag die Einreise wegen „Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ verweigert. Dem Flugzeug des Ministers sei die Landeerlaubnis entzogen worden, hatte die Regierung in Den Haag mitgeteilt. Am Abend wurde nun auch der Diplomatenkonvoi, in dem sich das Fahrzeug mit der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya befand, vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam gestoppt. Medienberichten zufolge war Kaya von Düsseldorf aus über den Landweg in Richtung Niederlande aufgebrochen, nachdem dem türkischen Außenminister die Einreise in das Land verweigert worden war. Familienministerin Kaya erklärte in einer Livesendung, dass sie daran gehindert worden sei, das türkische Konsulat in Rotterdam zu betreten. „Wir erwarten von den Niederlanden, dass sie zu ihren demokratischen Werten zurückkehren“, forderte sie und ergänzte: „Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit – all das wurde soeben außer Kraft gesetzt.“ „Hunderte Sicherheitskräfte haben eine Barrikade zwischen uns und unseren Staatsbürgern errichtet“, twitterte Kaya. „Keine Macht kann unsere Bindung durchtrennen.“ Mehrere hundert Menschen hielten sich vor dem türkischen Konsulat auf. In einer Livesendung des türkischen Nachrichtensenders ntv teilte Kaya mit, dass sie bereits seit Stunden ausharrten und nicht einmal Wasser zu trinken bekommen hätten und fügte hinzu: „Aber wir brauchen auch nichts. Ich war am 15. Juli im Parlament.“ Kaya spielt damit auf die Nacht des vereitelten Putschversuchs im vergangenen Jahr in der Türkei an, in der das Gebäude der Großen Nationalversammlung der Türkei in Ankara insgesamt siebenmal bombardiert worden war. Dabei waren mehrere Sicherheitskräfte und Parlamentsbeamte verletzt worden. Wie aus Außenministeriumskreisen bekannt wurde, hat die Türkei hat den derzeit nicht im Dienst befindlichen niederländischen Botschafter in Ankara gebeten, für einen gewissen Zeitraum nicht mehr in die Türkei zurückzukehren. Laut der vom Ministerium veröffentlichten Erklärung habe dieses dem niederländischen Chargé d’Affaires mitgeteilt, dass der niederländische Botschafter, der sich aufgrund eines Urlaubsaufenthalts im Ausland befinde, „für eine Weile nicht zurückkehren“ soll. Medienberichten zufolge seien die diplomatischen Vertretungen der Niederlande in Ankara und Istanbul aus Sicherheitsgründen abgeriegelt worden. Derweil haben sich Hunderte Menschen vor der niederländischen Botschaft in Ankara sowie dem Konsulat in Istanbul zum Protest gegen die niederländische Regierung versammelt. Die oppositionelle Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) hat zum Sit-in auf dem Flughafen aufgerufen, auf dem Cavusoglus Flugzeug hätte landen sollen. Der ehemalige niederländische Außenminister Ben Bot hat Medienberichten zufolge erklärt, es sei nicht nachvollziehbar, dass der türkische Außenminister abgewiesen und seinem Flugzeug die Landeerlaubnis entzogen wurde.    

Verfassungsreferendum in der Türkei
Türkischer Oppositionschef an Niederlande: „Wer die Demokratie verteidigt, tut so etwas nicht“

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Istanbul (nex) – Der Vorsitzende der größten oppositionellen Partei der Türkei CHP (Republikanische Volkspartei), Kemal Kilicdaroglu, hat die Verweigerung der Landeerlaubnis für das Flugzeug des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu in den Niederlanden aufs Schärfste kritisiert. „Wer die Demokratie verteidigt, tut so etwas nicht“, erklärte Kilicdaroglu gegenüber Journalisten in Istanbul. Medienberichten zufolge hatten die Niederlande dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Einreise wegen „Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ verweigert. Dem Flugzeug des Ministers sei die Landeerlaubnis entzogen worden, hatte die Regierung in Den Haag am heutigen Samstag mitgeteilt. Zuvor hatte Cavusoglu mit schweren Sanktionen gegen die Niederlande gedroht, sollte er in dem Land seine geplante Zusammenkunft mit türkischen Community in Rotterdam nicht durchführen können. „Sie können sich nicht als einen Demokraten bezeichnen und dann einem Minister der Republik Türkei die Landeerlaubnis entziehen“, erklärte Kilicdaroglu und fügte hinzu: „Wir sind davon überzeugt, dass das nicht richtig ist. Das ist falsch.“ Der Oppositionsführer brachte auch seine Unterstützung für Cavusoglus Ankündigung von Sanktionen gegen die Niederlande zum Ausdruck. Der stellvertretende CHP-Vorsitzende Tekin Bingöl wies darauf hin, dass die Türkei ein solches Verhalten nicht verdiene. „Jeder Gedanke sollte frei geäußert werden dürfen“, betonte er. „Vor allem ist eine solche Vorgehensweise, die sogar zu einer internationalen Krise führen könnte, völlig inakzeptabel.“ Mehrere in Deutschland geplante Veranstaltungen hochrangiger Minister der Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) waren in den Tagen zuvor von Berlin aus Sicherheitsgründen untersagt worden.

Anti-Terror-Kampf
Erdogan an Russland: Syrischer PKK-Ableger PYD soll Aktivitäten in Moskau einstellen

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Moskau (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei dem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin die Beendigung der Aktivitäten der PYD (Partei der Demokratischen Union) in Moskau gefordert. Die PYD ist der syrische Ableger der Terrororganisation PKK. Die beiden Staatschefs kamen anlässlich des 6. Gipfels des Türkisch-Russischen Rates für Zusammenarbeit auf hoher Ebene (HLCC) zusammen, auf dem es hauptsächlich um die Syrien-Krise ging. „Es ist von immenser Bedeutung, dass wir uns im Kampf gegen den Terror in enger Zusammenarbeit befinden“, erklärte Medienberichten zufolge Erdogan nach dem Treffen gegenüber Journalisten und mahnte eine entschlossene Haltung gegen den IS (Daesh) und andere in Syrien operierende Terrororganisationen an. „In diesem Zusammenhang erwarten wir vor allem die Beendigung der Aktivitäten der PYD, des syrischen Ablegers der PKK, in Moskau“, betonte er. Erdogan dankte Russland für dessen Zusage, die Aktivitäten des Gülen-Netzwerks FETÖ im Land einzudämmen: „Ich erwarte von den russischen Regierungsvertretern, dass sie die erforderlichen Schritte gegen FETÖ-Mitglieder unternehmen, die heimlich ihre Aktivitäten in St. Petersburg und Moskau fortsetzen.“ „Russland verurteilt grundsätzlich Terroraktivitäten jeder Art“, erwiderte Putin auf Erdogans Forderungen. „Auch wir schätzen die enge Zusammenarbeit zwischen den Nachrichtendiensten beider Länder“, fügte er hinzu. Erdogan und Putin führten im Anschluss an die Pressemitteilung ein fast 90-minütiges Gespräch hinter verschlossenen Türen.

Putschversuch in der Türkei
Kommentar: Meine Beobachtungen bei „Andenken an die Helden des 15. Juli“

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Meine Beobachtungen beim gestrigen Besuch der Veranstaltung „Andenken an die Helden des 15. Juli“ in Köln. Von Mehmet Alparslan Celebi Gemeinsam mit einem Freund bin ich aus Frankfurt angereist. Da wir eine Stunde zu früh waren haben wir uns in ein Kaffeehaus neben dem Veranstaltungsraum gesetzt. Ein Wagen des WDR und zahlreiche Kameramänner und Reporter hiesiger Medien waren vertreten und warteten ebenfalls auf den Einlass. Sie stoppten zunächst über 10 Personen und fragten sie zu der heutigen Veranstaltung und womöglich noch weitere Punkte, die ich allerdings nicht mithören konnte Plötzlich gab es eine Aufregung unter den Kameramännern. Etwas war im Kommen, was die unspektakulären Antworten der Passanten in den Schatten stellen würde. Die Kameras drehten nach links ab. Ein Mann mit langem Bart und eine verschleierte Frau, beide im Alter von ca. 65 Jahren waren auf dem Weg zur Veranstaltung. Das Ehepaar war einfach gekleidet, sie schienen das Klischee eines Erdogan-Anhängers zu erfüllen. Alt, einfach, konservativ. Dabei ging es eigentlich gar nicht um Erdogan. Vor dem Eingang standen Jugendliche die aus Belgien angereist waren. Sie hatten „Evet“ also „Ja“ Flyer in der Hand und wollte diese im Saal verteilen. Der Veranstalter hat dies jedoch untersagt. Der Veranstalter sagte mir später, aus Respekt vor den Gefallenen und Überlebenden des 15. Juli die heute anwesend waren und von denen einige keine AKP oder MHP Wähler waren, aber vor alles aus Respekt, so der Veranstalter, vor diesem Tag, an dem alle Menschen ihren politischen Mantel abgelegt und für die Einheit des Landes ihr Leben gegeben haben. Von der Ansprache war ich sichtlich berührt, dennoch war ich gespannt den Überlebenden in die Augen zu blicken und ihre Story zu hören. Dann der Einlass. Die Menschen nahmen Platz und warteten auf Cagatay Kilic, den Minister für Jugend und Sport. Rechts auf der Loge hatten sich auch die Medienvertreter aufgestellt. Ich wusste nicht, was mich erwartet, daher war ich angespannt würde ich sagen. Wie würde dieser Abend erzählt werden? Würde es einen reißerischen Artikel geben? Würde man den Abend instrumentalisieren um doch für die bevorstehende Wahl zu werben? Cagtay Kilic betrat gemeinsam mit seiner Gattin über die Bühne den Saal. Die Menschen standen auf und klatschten. Der Moderator leitete das Programm ein und stellte die Gäste einzeln vor. Einige der über 2500 Verletzten des 15. Juli waren anwesend, drei von ihnen würden ihre Geschichte erzählen. Und dann wurden die Eltern eines jungen Gefallenen des 15. Juli aufgerufen. Dem jungen Mann (23), der ohne zu zögern auf die Straße ging, ohne eine Waffe, nur mit seinem Glauben an eine freie Türkei, wurde der Kopf durch eine Medium Caliber Munition eines Kampfhubschraubers abgetrennt. Die Eltern standen auf. Es war das Ehepaar, welches vor dem Programm die Aufmerksamkeit der Kameramänner auf sich gezogen hatte. Alt, einfach, konservativ. Nein. Sie waren jung, lebendig, stolz und mit sich selbst im Reinen. Ich blickte zu den Kameramännern, sie waren am Lachen. Wahrscheinlich wegen einem anderen Thema. Die Message haben sie nicht bekommen. Der Minister trat zu seiner Rede an. Er begrüßte die deutschen Medienvertreter, unterstrich die Wichtigkeit der Deutsch-Türkischen Beziehungen und wechselte plötzlich zu einem makellosen Deutsch. Jubel unter den Gästen. Er war einer von uns. Ein Deutschland-Türke, in Siegen geboren, in Deutschland zur Schule gegangen. Er appellierte an die Medienvertreter, ihr Herz für die Erzählungen aus erster Hand zu öffnen. Er betonte, dass dies keine Wahlveranstaltung ist. Und ja, bis zum Ende ist man dem treu geblieben. Ich blickte wieder zu den Medienvertretern, sie waren am Einpacken. Es gab nichts zu holen, kein Populismus, kein Fauxpas was man medial hätte ausschlachten können, AKP-Funktionär der den 15. Juli womöglich verzerrt wiedergeben würde. Nur 3 Zeitzeugen, eine junge Dame, die ihren Mann verlor, einen jungen Karatekämpfer der Nationalmannschaft, dem die Knie weggeschossen wurden und einen wahren Löwen, der beim Versuch den General der türkische Armee zu retten (ja wirklich) mit zwei Schüssen niedergestreckt wurde. Aber all das konnten die Medienvertreter nicht hören, denn sie gingen nach der Rede des Ministers. Schade.  

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