Istanbul (nex) – Dem Westen ist eine unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ihre Stimme erhebenden Türkei, die diesen mit ihren Fehlern konfrontiert und diese Fehler der Welt zeigt, nicht genehm, erklärte der Sprecher des türkischen Staatspräsidiums Ibrahim Kalin.
In einem Gespräch mit dem türkischen Nachrichtensender CNN Türk über sein zuletzt veröffentlichtes Buch „Ben, Öteki ve Ötesi“ (etwa: Ich, der andere und das Darüberhinaus), das sich auf die Beziehungen zwischen dem Islam und dem Westen konzentriert, erklärte er, dass die Turkophobie, die Türkenfeindlichkeit, in Europa tiefe Wurzeln habe und unter den Europäern manchmal sogar größer sei als die Islamophobie.
„Europa bringt [mit seinem aktuellen extremen Rechtsruck] das Bild des im 16. und 17. Jahrhundert gezeichneten ‚schrecklichen Türken‘ wieder zurück“, warnte er und fügte hinzu: „Die Menschen im Westen, insbesondere die Europäer, sind besorgt wegen dem, was sie im Spiegel sehen, denn sie sehen dort ihre Fehler.“
Aber anstatt aus seinen Fehlern zu lernen, entscheide sich der Westen dafür, Erdogan anzugreifen, der ihnen den Spiegel mit ihren Fehlern vorhalte, betonte Kalin und ergänzte:
„Sie attackieren Erdogan, und es gibt natürlich eine Gruppe von Menschen in Deutschland, die eine sehr parteiische Sicht auf die Türkei und unseren Präsidenten haben.“
Über die massive Präsenz des türkischen Präsidenten in den deutschen Medien sagte er, dass damit von den eigenen Problemen wie etwa den Integrationsproblemen abgelenkt werden solle.
Berlin (ots) – Anlässlich des Internationalen Tags gegen Rassismus am 21. März erklärt Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte:
„Die Menschenrechte und das Grundgesetz machen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen zum Fundament unserer Gesellschaft. Die Würde jedes einzelnen Menschen ist daher zu achten und zu schützen. Wer diese Grundsätze infrage stellt, spaltet die Gesellschaft und gefährdet das soziale Miteinander. Die Menschenrechte basieren auf der Erfahrung von Menschheitsverbrechen im 20. Jahrhundert. Diese Rechte müssen immer wieder neu begründet und verteidigt werden.
Sie wurden und werden weltweit von Menschen erkämpft, deren Würde und Gleichberechtigung negiert wird. Davon zeugt auch der Internationale Tag gegen Rassismus. Es ist daher von elementarer Bedeutung, gemeinsam gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen von Menschenverachtung einzustehen.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte wendet sich angesichts der bevorstehenden Wahlen in Deutschland gegen jede rassistische Stimmungsmache im politischen Wettstreit. Politikerinnen und Politiker, die Zivilgesellschaft und alle Menschen in Deutschland sollten klar und deutlich Stellung gegen rassistische Positionen und menschenverachtende Hetze im Wahlkampf beziehen.“
Der Internationale Tag gegen Rassismus erinnert an das Massaker von Sharpeville/ Südafrika 1960, bei dem bei einer friedlichen Demonstration gegen das Apartheid-Regime 69 Menschen durch Schüsse der Polizei getötet und Hunderte teils schwer verletzt wurden.
Dortmund (nex) – Die sonst eher sehr Türkei-kritische Schweizer Tageszeitung „Blick“ überraschte ihre Leser am Sonntag mit einem für das Medium untypischen Artikel. Sicher wurde auch in diesem Text wieder der türkische Präsident Erdogan, der die Verfassung ändern und die gesamte Macht an sich reißen wolle, erwähnt, im Großen und Ganzen blieb der Artikel doch überraschend positiv. Den Leserkommentaren zufolge sollte „Blick“ das aber nicht zur Gewohnheit werden lassen, sonst wird sie ihre Leser verlieren.
In dem erfrischenden Artikel lässt die Tageszeitung eine seit 2008 in der Türkei lebende Schweizerin über ihre Erfahrungen zu Wort kommen. „Der prachtvolle Bosporus, die Brücken, die Strassen voller Menschen – so schön“, zitiert die Zeitung etwa die 36-jährige. Oder: „Sehe ich die Schönheit, kann ich es mir kaum vorstellen, je wegzugehen.“
„Ausgerechnet aus der Türkei will die Schweizerin nicht mehr weg. Vom Land, das derzeit negative Schlagzeilen schreibt. Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) will die Verfassung ändern und die gesamte Macht an sich reißen“, schreibt „Blick“ besorgt.
Coraline Chapatte merke von all dem im Alltag nur wenig. Die Preise seien in die Höhe geschnellt, sonst habe sich ihr Leben kaum verändert. Mehr Polizisten würden in den Straßen patrouillieren und Taschen kontrollieren. Im Visier seien aber eher Terroristen als politische Gegner.
Die seit 2008 in der Türkei lebende Chapatte plante zunächst nur drei Monate zu bleiben, daraus wurden nun neun Jahre. Geld verdiene sie laut „Blick“ als Triathletin, Coach und Übersetzerin. Vollends entfalten könne sie sich in der Türkei – „besser als in der Schweiz, wo alles vorgeschrieben erscheint und in vorgespurten Bahnen verläuft“, so Chapatte in der „Blick“.
(Foto: Coraline Chapatte)
Sie sei „voll integriert in die türkische Gesellschaft“. In der Türkei könne man „außerhalb des Systems“ leben. Außer dem „köstlichen Essen“, dem „umwerfenden Anblick der Stadt“, möge sie den einander erbrachten Respekt in Istanbul. „Im Zug von Neuenburg nach Zürich kam es oft vor, dass sich ein Mann demonstrativ neben mich setzte, obwohl viele Plätze frei waren. Das passiert mir in der Metro von Istanbul nie“, so Chapatte.
Bochum (ots) – Die Stadt Bochum will bis Ende 2018 nahezu jedem Haushalt Zugang zu superschnellem Internet bieten. „Gigabit-City Bochum“ heißt das Projekt, das Stadt, Stadtwerke und der Kabelnetzbetreiber Unitymedia realisieren wollen, wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung vorab berichtet.
Bund und Land sollen den Netzausbau mit knapp sechs Millionen Euro fördern. Verkündet werden soll das ehrgeizige Ziel am heutigen Montag auf der IT-Messe Cebit in Hannover.
„Wir werden die schnellste Stadt Deutschlands“, sagt Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD). Das superschnelle Internet soll in 95 Prozent der knapp 194.000 Bochumer Haushalte bis Ende kommenden Jahres verfügbar sein.
NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) lobt das Vorhaben:
„Stadt und Netzbetreiber leisten im Herzen des Ruhrgebiets einen wichtigen Beitrag, um die Ziele unserer Gigabit-Strategie zu erreichen. NRW ist und bleibt das mit Abstand am besten versorgte Flächenland.“
Dortmund (nex) – Die Auswahl an Mobiltelefonen, WLAN-Routern oder Navigationsgeräten könnte in der Europäischen Union (EU) möglicherweise bald schrumpfen. Ab diesem Sommer müssten Regale leer bleiben, weil eine bestehende EU-Richtlinie, die die technischen Standards festschreibt, ausläuft. Das berichtet der Nachrichtensender N24.
Das treffe Produkte, die Funksignale senden und empfangen können. Die Kommission in Brüssel hätte es versäumt, rechtzeitig neue Normen ausarbeiten zu lassen. Die Bundesregierung schlüge nun Alarm und zeige sich in einem Brief an die Kommission „besorgt über die fehlende Bereitstellung … europäischer Normen“, so der Sender weiter.
In einem Schreiben an Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska, das der „Welt“ vorliege, warne Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, dass nach Ablauf der Übergangsfrist ab Juni 2017 viele neue Produkte aufgrund fehlender Zulassungsnormen nicht auf den Markt gebracht werden könnten. „Alte Produkte von Tausenden europäischer Hersteller können nicht mehr verkauft und müssten vom Markt genommen werden“, zitiert die „Welt“ die Ministerin. Außer den Verbrauchern wären auch Industrie und handel betroffen.
Ohne eine neue Norm für funktaugliche Geräte drohten laut Zypries nicht nur volkswirtschaftliche Schäden in allen Mitgliedsstaaten und bei zahllosen Unternehmen, sondern auch Gefährdungen für die Arbeitsplätze in der Elektro- und Elektronikindustrie sowie im Handel.
Das Problem sei entstanden, weil die Kommission nach Ansicht der Bundesregierung bei der Umsetzung einer neuen Richtlinie für Elektronikgeräte geschlampt hätte.
De facto bedeute das Versäumnis der EU laut N24, dass ab Juni nur noch solche Geräte auf den Markt kommen werden, deren Hersteller sich aufgrund hoher Margen oder hoher Stückzahlen die teure Einzelprüfung leisten können.
New York (nex) – Vergangene Woche hat in New York nach über hundert Jahren nach dem deutschen Völkermord an den afrikanischen Volksgruppen der Herero und Nama ein Prozess um Entschädigungszahlungen begonnen.
Im Januar hatten Nachfahren beider Volksgruppen eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht. Vor einem New Yorker Gericht erzielten diese nun einen ersten Erfolg: Der 21. Juli wurde von der zuständigen Richterin Laura Taylor Swain als nächster Verhandlungstag genannt. Dies war bereits der dritte Versuch der Vertreter in den USA, Sammelklagen gegen Deutschland auf Entschädigung für den Völkermord und die Enteignung ihres Landes durch die deutsche Kolonialregierung einzureichen. Bisher ohne Erfolg.
Dieses Mal wurde die Klage nicht sofort abgewiesen, sondern eine zweite Anhörung für den 21. Juli festgesetzt. Laut AFP könne damit der Prozess um eines der dunkelsten Kapitel der afrikanischen Kolonialgeschichte in Gang kommen und die deutsche Seite hätte somit vier Monate Zeit, um auf die am 5. Januar eingereichte Entschädigungsklage zu antworten. Wie das österreichische Fernsehen berichtete, ging es im Rahmen einer Pre-Trial-Conference am Donnerstag zunächst um die Klärung von Detailfragen und noch nicht um die Entscheidung, ob es auch zu einem Verfahren kommt.
„Als ich gehört habe, wie sie sagte, dass die Anhörung stattfindet, war das der größte Erfolg, den wir bislang hatten“, sagte die namibische Abgeordnete Ida Hoffmann, die als Vertreterin der Nama nach New York kam gegenüber AFP.
Zwischen 1885 und 1903 sei der Sammelklage zufolge ein Viertel des Landes der Herero und Nama mit Einverständnis der Kolonialbehörden von deutschen Siedlern enteignet worden. Frauen und Mädchen der Herero und Nama seien, ebenfalls geduldet von den Kolonialbehörden, von Siedlern vergewaltigt und der Bevölkerung Zwangsarbeit auferlegt worden.
Im Jahre 1904 erteilte der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika den Befehl, alle Stammesangehörigen der Herero zu töten. Bis 1908 wurden zwischen 65 000 und 80 000 Herero umgebracht, außerdem bis zu 20 000 Angehörige des Stammes der Nama.
„Wir finden es sehr interessant, dass sich die Deutschen so aktiv für die Sache der Armenier einsetzen, während sie ihre eigenen Angelegenheiten unter den Tisch kehren“, wird die Vorsitzende des Ovaherero Genocide Committee (OGC), Esther Muinjangue, in der „Welt“ zitiert.
Eine offizielle Anerkennung der deutschen Ausrottungspolitik gegenüber den Herero sei, wie Esther Muinjangue im Juni 2016 betonte, in Deutschland zudem mit der Begründung unterblieben, die Verbrechen seien lange vor der 1948 verabschiedeten UN-Völkermordkonvention erfolgt und könnten nicht nach den dort festgelegten Artikeln bestraft werden.
„Der Völkermord an den Armeniern fand nur sieben Jahre nach dem an den Herero statt, hier sprechen die Deutschen plötzlich wie selbstverständlich von Völkermord“, wird die NGO-Vorsitzende Muinjangue in der „Welt“ zitiert. „Was ist der Unterschied? Die Herero sind schwarz, die Deutschen glauben, dass sie Schwarze nicht ernst nehmen müssen. Das ist für mich die einzige Schlussfolgerung.“ Deutschland verhalte sich den Herero gegenüber „wie ein Vergewaltiger, der gleichzeitig Richter ist“.
Man rücke die Schädel seiner Vorfahren unter fadenscheinigen Gründen nicht raus.
Um die angebliche Minderwertigkeit der Afrikaner zu belegen, brachten die Deutschen aus ihrer damaligen Kolonie Schädel und Gebeine Einheimischer nach Berlin. Der Historiker Jürgen Zimmerer, der sich seit Jahren mit der Kolonialgeschichte befasst, geht davon aus, dass damals über 1000 menschliche Überreste nach Deutschland gelangten, deren Reste teilweise bis heute in Archiven, Magazinen und Kliniken lägen, berichtet Deutschlandradio Kultur.
Die Geschichte der Schädel, das sei bis heute ein Trauma für ihr Volk, empört sich Ester Utjiua Muinjangue, Angehörige der Volksgruppe der Herero aus Namibia.
„Die deutsche Schutztruppe brachte die abgetrennten Köpfe zu den Herero-Frauen und zwang sie, sie zu reinigen, damit sie wie Eier fein säuberlich in Kartons nach Deutschland transportiert werden konnten, beschreibt Muinjangue. Es konnten die Köpfe ihrer Ehemänner, Brüder oder Schwestern sein.“
Ruprecht Polenz, der für den Dialog mit Namibia zuständige deutsche Sonderbeauftragte, erteilte den Entschädigungsforderungen bisher eine klare Abfuhr und sagte im Januar, es wäre eine Überraschung, wenn diese angenommen würde.
Klage über 30 Milliarden US-Dollar
Nach Angaben der Zeitung „The Namibian“ erwäge nun auch die namibische Regierung eine Klage gegen Deutschland. Die von Deutschland geforderte Summe wurde von der Zeitung mit Verweis auf Regierungsdokumente mit über 30 Milliarden Dollar angegeben. Die Schadenersatzklage von Vertretern der Herero- und Nama-Völker wegen des Genozids durch deutsche Kolonialtruppen vor mehr als 100 Jahren kann nach Ansicht des Hamburger Historikers Jürgen Zimmerer weitreichende Folgen haben.
Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Zimmerer: „Wenn es gelingt, Deutschland zu direkten Verhandlungen mit Vertretern einzelner Bevölkerungsgruppen und zu Reparationen zu zwingen, können viele weitere Fälle aus der Kolonialzeit akut werden.“
Der Professor für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg sagte, ein Erfolg der Klage in New York könnte zu Reparationsforderungen gegen Deutschland auch wegen Massakern während des Maji-Maji-Aufstands im heutigen Tansania führen, ebenso wegen Massakern und Strafaktionen in Togo, in Kamerun und in der Südsee.
Auch Opfer unter der Zivilbevölkerung im Zuge des Ersten Weltkriegs in Afrika könnten Anlass von Klagen und Verhandlungen werden, sagte der Direktor der Forschungsstelle „Hamburgs (post)koloniales Erbe und Berater des Deutschen Historischen Museums in Berlin.
Erst 2016 gab Berlin den Widerstand auf, die Massaker an den Herero als Völkermord einzustufen.
München (nex) – Eigentlich ist es der Traum eines jeden Musikers, einmal einen ganz großen Hit zu landen. Doch was passiert, wenn alle nachfolgenden Songs nicht mehr an den Erfolg des Vorgängers heranreichen können? Dann spricht man von einem klassischen „One Hit Wonder“. Die zweistündige Dokumentation widmet sich all den Künstlern, die mit nur einem einzigen Hit weltberühmt wurden.
Mit „Mambo No. 5“ konnte Lou Bega im Jahr 1999 einen Sommerhit landen. Dabei lag sein Song zunächst zwei Jahre in der Schublade, bis er endlich entdeckt wurde. Doch dann schafft es der „Mambo No. 5“ zum weltweiten Hit, der bis heute mehr als 53 Millionen verkauft und mit Auszeichnungen aus aller Welt überhäuft wurde. Einen ähnlich großen Hit konnten „Fools Garden“ mit ihrem Song „Lemon Tree“ landen. Dank des überragenden Erfolgs kann die Band rund um Frontmann Peter Freudenthaler heute noch in China auf Tour gehen. Und das, obwohl es nur 20 Minuten brauchte, um den Song zu schreiben.
„Pop Giganten: One Hit Wonder“ blickt zurück auf mehr als 30 Jahre Musikgeschichte. Zu den klassischen One Hit Wondern zählen Hits wie „Funky Town“ von Lipps.Inc., „Self Control“ von Laura Branigan und Raff, „Fade to grey“ von Visage, „Words“ von FR David, „Life is Life“ von Opus oder „Whats up“ von den 4 Non Blondes. Die Dokumentation geht der Frage nach, warum es Musikern nach ihrem überragenden Welthit nicht gelang, einen weiteren Song in den Top 10 zu platzieren. Wie gingen sie mit ihrem plötzlichen Erfolg um? Und war ihr One Hit Wonder für sie letztendlich Fluch oder Segen?
Neben Künstlern wie Lou Bega, Peter Freudenthaler (Frontmann von „Fools Garden“) und Buddy (Sommerhit: „Ab in den Süden“), kommen Prominente wie Anja Lukaseder, Nilz Bokelberg, Anastasia Zampounidis, Alex Gernandt, Giovanni Zarrella, Rolf Scheider und Katja Burkard zu Wort.
Über „Pop Giganten“
Herausragende Stars, musikalische Trends und Songs, die die Welt bewegen – die RTL II-Musik-Doku-Reihe „Pop Giganten“ blickt hinter die Kulissen von spannenden Phänomenen der Musikgeschichte.
– Musik-Doku über Künstler, die mit nur einem Hit weltberühmt wurden – Sendetermin: Dienstag, 21. März 2017, um 22:15 Uhr bei RTL II
Köln (nex) – „Türkische Innenpolitik, Staatspropaganda und Wahlkampfauftritte von Regierungsmitgliedern haben hier nichts zu suchen“, schrieb FDP-Politiker Christian Lindner am 16.Februar 2017 auf seiner Facebookseite.
Seit dem 17. März 17 Uhr senden Dutzende deutsch-türkische Journalisten ihr TV-Programm aus Köln. Wie der WDR berichtet, ist der Sender Arti.TV am Freitag um 17 Uhr offiziell auf Sendung gegangen.
Das Ziel der Journalisten sei es, von Köln aus die Türken neutral und sachlich zu informieren. Seit dem Putschversuch sei das Berichten in der Türkei schwierig geworden. Ihr wichtigstes Thema sei zunächst einmal die Abstimmung über die Verfassungsänderung im April.
Den Standort Köln hätten sich die Macher ausgesucht, weil hier viele Türken und türkische Journalisten lebten. Einige hätten sich dem Deutschlandfunk zufolge schon vor längerer Zeit in Europa, andere hätten die Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli verlassen.
Da der Sender von einer Erdogan-kritischen Stiftung aus den Niederlanden finanziert wird, ist eine sachliche und neutrale Berichterstattung allerdings eher unwahrscheinlich.
Berlin (nex) – Den im April letzten Jahres verhafteten türkischen Staatsangehörigen Ali H. Dogan hat das Kammergericht Berlin nach fünfmonatiger Verfahrensdauer heute zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und neun Monate gefordert.
Medienberichten zufolge wird die Verteidigung dagegen Revision einlegen. Dogan sei von Juli 2014 bis Juli 2015 als Gebietsleiter der in der BRD und im Ausland als Terrororganisation eingestuften PKK tätig gewesen. Wie mehrere Medien unter Berufung auf Polizeimitteilungen berichteten, habe Dogan durch Androhung von Gewalt für die PKK von kurdischstämmigen Gewerbetreibenden Schutzgeld erpresst.
Die PKK wurde 2002 von der EU zur Terrororganisation erklärt und ist seit 1993 in Deutschland verboten.
Gaza (nex) – Vierzehn Jahre nachdem ihre Tochter durch eine israelische Planierraupe zu Tode gekommen ist, halten Rachel Corries Eltern die Erinnerung an sie als einen Menschen, der der Welt einen Einblick in die fürsorgliche Natur der US-Amerikaner gegeben hat, aufrecht.
„Viele Menschen auf der Welt erinnern sich an Rachel als ein Beispiel für eine US-Amerikanerin, die eine andere Wahrnehmung von uns vermittelt als unsere Außenpolitik Sie glauben machen möchte, was alle Amerikaner fühlten“, erklärt Rachels Vater Craig in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Anadolu. „Ich bin glücklich, dass man sich so an sie erinnert.“
Mit 23 Jahren ging Rachel im Rahmen eines Partnerschaftsprojekts zwischen ihrer Heimatstadt Olympia und Rafah zum Gazastreifen. Das war im Januar 2003. Keine zwei Monate später wurde sie bei dem Versuch, ein palästinensisches Haus in Rafah vor der illegalen Zerstörung zu schützen, am 16. März 2003, getötet.
Israel hat bis heute die Verantwortung für ihren Tod nicht übernommen
Rachel machte ihren Abschluss an der Capital High School in ihrem Heimatort Olympia und nahm ein Studium in derselben Stadt am Evergreen State College auf, wo sie sich den Olympioniken für Frieden und Solidarität anschloss und schließlich nach Gaza ging.
„Sie wollte lernen, wie man sich mit Menschen, die tage-, monate-, jahrelang unterdrückt werden, solidarisch zeigen kann“, erklärt die Mutter Cindy. Die 69-Jährige ist Musikerin.
Am Tag ihres Todes befand sich Rachel in der Aktivistengruppe Internationale Solidaritätsbewegung (ISM), die sich gegen Hauszerstörungen in palästinensischen Gebieten wandte.
Rachel kniete vor einer gepanzerten Planierraupe, um das Haus eines Apothekers vor der Zerstörung zu bewahren, und wurde von dem Panzerfahrzeug überrollt. Sie wurde von ISM-Mitgliedern ins Krankenhaus gebracht, verstarb jedoch kurz danach.
Der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte zuverlässige transparente Ermittlungen versprochen. „Unsere Regierung sagt, dass dies nie geschehen ist“, erklärt der Vater, der Versicherungsangestellter ist, Anadolu. Die Eltern kämpften jahrelang darum, die Verantwortlichen für den Tod ihrer Tochter zur Rechenschaft zu ziehen. 2012 urteilte ein Gericht in Haifa, dass Rachel Corries Tod als Unfall einzustufen ist. 2015 entschied das Oberste Gericht, den Staat Israel treffe keine Schuld am Tod von Rachel Corrie.
Die Eltern, die die Rachel Corrie Foundation for Peace and Justice gegründet haben, glauben jedoch, dass der Gerichtsprozess die Probleme innerhalb der Regierung und des Militärs von Israel ans Tageslicht gebracht habe. Der Fall habe auch die Rolle der israelischen Gerichte als Unterstützer der Besatzung enthüllt, so der Vater weiter.
„Es wird mir nichts bringen, einen Panzerfahrer hinter Gitter zu bringen, denn der Panzerfahrer ist natürlich das Instrument, das kaum mehr Verantwortung trägt als der Panzer selbst“, fügte er hinzu.
Es sei eine ganze Befehlskette, innerhalb derer dieses Militär operiere und das wolle er ändern, so Craig Corrie weiter. Ein in dieser Woche veröffentlichte UN-Bericht bezichtigt Israel, wie ein „Apartheidsregime“ zu handeln. Craid Corrie sieht hierin eine gute Möglichkeit, „mit dem Lernen anzufangen“.