Menschenrechtsverletzungen in China
Offener Brief zum Weltkongress der Philosophie in Peking

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Vom 13.8.-20.8. findet in der chinesischen Hauptstadt Peking der Weltkongress der Philosophie statt. Wie man sieht, kauft sich China immer mehr nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die Kultur der Welt ein. Wie dem auch sei, er trägt den Titel ,Learning to be human‘. Sicherlich ist das ein geeignetes Thema für das heutige China, das eines besonders langen und intensiven Lernprozesses hierfür bedarf. Nun hatte ich meinem Freund Riccardo Pozzo, dem Chairman der Programmkommission, im Vorfeld eine Mail auf Deutsch geschrieben, die er auch sofort freundlich und mit Sympathie für mein Anliegen beantwortete. Ebenso schrieb ich auf Englisch eine etwa gleichlautende an Prof. TU Weiming, einen hochverdienten Wissenschaftler und gewiss das gewichtigste chinesische Mitglied der Programmkommission (die mutmaßlichen chinesischen Parteifunktionärsphilosophen schienen mir das kaum zu verdienen). Da Prof. TU mich keiner Antwort für wert befunden hat, veröffentliche ich hier meine heutige Mail an ihn samt der ersten als offenen Brief. Ich darf noch hinzufügen, dass ich meine Mail an zahlreiche Kollegen weitergeleitet hatte und von manchen, die auf diesem Kongress gar nicht sprechen, eine mich entschieden bekräftigende Antwort erhielt – außer von Riccardo Pozzo und meinem Freund Ram Mall jedoch von keinem der am Kongress Beteiligten. Dear Prof. TU, despite the fact that you did not find my mail from 20 July worthy of response please accept my warmest wishes for the long journey ahead of you in learning to be human. May this congress be a successful start for its participants in this important enterprise. This Mail together with my first one will be published as an open letter today in an internet journal. You will get a copy in due course, as will many of our colleagues. Best HCGünther Meine Mail vom 20.7.2018:  Dear Prof. TU, maybe you remember me from my visit in Beijing. I am sending you here a translation of the letter I wrote to my friend Riccardo Pozzo as chair of the world congress for philosophy. I suppose you know about what is written in the following link: http://www.chinoiresie.info/china-studies-between-censorship-and-self-censorship/ If your congress is aiming at what Riccardo presented in a conference where he was invited by me it’s impossible you are silent about these matters. If you do it and whoever does it will loose any credibility. In particular, everyone who works in China as a scholar or philosopher indebted to intercultural dialogue or who comes there from abroad has an absolute duty not to be silent. Everyone can know what is going on. Whoever is silent and allows himself to be bought, lied to or blackmailed by the Chinese government has lost every credibility, basic cleanness and spine as a scholar and as a human being. That I want to bring to your attention most emphatically. I will never touch Chinese soil ever in my life again. I have cut in rude manner contact with every Chinese colleague who tries to belittle or defend China’s policy. These are not all: I still have good colleagues and friends in the ordinary Chinese population who know what is going on and who are shocked. But most are too coward and too corrupt. I think I have to say this to you. What’s happening to Muslims in China is not just a matter of free speech or an issue that can be discussed controversially, this is a gigantic murder, genocide accompanied by rampant chauvinism and racism. It’s the greatest crime since WWII. China has descended to the level of her Japanese tortures in WWII. There is no way to see it otherwise for any person with a minimum of human decency. Best HCGünther Bei dieser Moschee in Urumchi etwa wurde die „Schahada“ (Glaubensbekenntnis) entfernt. Ein kleines Indiz für Chinas „Respekt“ für andere Kulturen
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Chinas Endlösung der Uighurenfrage –

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern
 
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

#metoo
Kommentar: Integriere dich, Türke!

Erst mal lernst du die Sprache. Dass du dich verständigen kannst, auch wenn es akzentfrei ist, reicht nicht. Ist mir doch egal, ob du aufs Gymnasium gehst oder studierst oder ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern leitest. Du schluderst mit den Präpositionen und lässt die Konjunktive schleifen. Also reiß dich zusammen, das hier ist Deutschland und nicht das Pimmelland deiner Eltern. Und? Kennst du das Grundgesetz? Schon mal in der Hand gehabt? Schon mal drin geblättert? Oder vielleicht sogar gelesen? Du musst es inhalieren, es schmecken, es fressen. Du musst eins sein mit dem Grundgesetz. Dass in einigen Bundesländern Deutsche bis zu 30% eine Partei wählen, die das Grundgesetz ablehnt, tut nichts zur Sache. Hier geht es um deine Integration. Du darfst hier keine eigene Meinung haben, die vielleicht einfach nur scheiße ist. Die Deutschen dürfen das, sie sind einzeln als Individuen zu betrachten, du Türke aber nicht. Iss Schwein! Mehr Schwein! Du musst dich mit Schwein vollstopfen. Gebraten, geschmort, gegart, gegrillt, gekocht, gedünstet, gepökelt. Schwein! Noch mehr Schwein! Nein, nix Gemüse dazu. Schwein! Nur Schwein! Jetzt sag mindestens drei Gedichte von Goethe auf und stimme zwei Vokalkompositionen weltlicher Kantate von Bach an. Du sollst singen, du Sau! Ach, schaffst du nicht? Wo ist dein Erdogan jetzt, wenn du ihn mal brauchst? Hast du alles? Wenn ja, dann lass ich mir noch paar Kunststückchen einfallen, die du vollführen musst, um als integriert zu gelten. So hören sich die Integrationsdebatten immer für mich an Zur Sache: Ich bin etwas länger hier in Deutschland und gehöre zur 2. Generation. Meine Eltern waren Arbeiter und wir Kinder haben irgendwie die Schule hinter uns gebracht und uns dann um einen Ausbildungsplatz bemüht. Dass ein Türke aufs Gymnasium ging und studiert hat, war zu der Zeit selten. Und wenn, dann haben wir sie bewundert. In der Öffentlichkeit kamen Türken auch nur vereinzelt vor. Vielleicht mal eine Renan Demirkan, ein Öger oder ein Akif Pirinçci, der einen Weltbestseller schrieb, und das sogar auf Deutsch! Irgendwo war man auch ein wenig stolz. (Deswegen macht mich Pirinçcis späterer Werdegang umso trauriger). Oder wenn ein Bekannter ein kleines Unternehmen gründete. Das waren für uns Ausnahmen. Türken, die es in Deutschland geschafft haben. Wenn ich mich heute umschaue. Allein bei Facebook habe ich mindestens zehn türkischstämmige Freunde, die Schauspieler, Comedians oder Buchautoren sind und mit denen ich im ständigen Kontakt bin. Meine Neffen und Nichten studieren fast alle und bei den Kindern in meinem Bekanntenkreis sieht es ähnlich aus. Es gibt zehntausende türkischstämmige Unternehmer. In meiner Umgebung sind es fast nur Türken, die sich unternehmerisch etwas trauen. Während Deutschland sich regelmäßig mit Schaum vor dem Mund bei Integrationsdebatten verausgabt, irgendwo stehengeblieben zwischen einem Bild wie vor fünfzig Jahren, das sie von Türken haben und einem Kaya Yanar Sketch, gehen Türken ihren ganz normalen Weg. Aus den Kindern der Gastarbeiter, die an Hochöfen oder bei der Müllabfuhr geschuftet haben, sind erfolgreiche Regisseure geworden, Unternehmer, Sportler, Vorstände bei Konzernen, Ärzte, Anwälte, Künstler, Ingenieure. Was früher selten war, ist heute ganz normal. Und ich bin immer noch auf jeden einzelnen stolz. Dass die Türken diese ständigen Kampagnen gegen sich still ertragen und nicht auf die Barrikaden gehen, zeigt doch, wie integriert sie sind. Deswegen finde ich die inzwischen tausendste Debatte darüber lächerlich. Dumme Kampagnen von Leuten, damit sie ihre Arbeit nicht machen müssen. Rechtsruck in Europa, Altersarmut, Klimawandel, in den Weltmeeren ist inzwischen mehr Plastikmüll als Fische? Scheiß drauf, der Türke hat sich immer noch nicht integriert, weil Özil macht Foto mit Erdogan. Damit ist Deutschland für einige Wochen beschäftigt und stellt solange keine blöden Fragen. Sahin Karanlik
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Journalist Klaus Jurgens  „Ach so, deshalb magst Du ja die Türken“ – Ein Kommentar

„An Tagen, wenn ich in guter Laune bin (fast immer), versuche ich eine Konversation. Ernsthaft, ich gebe einfach nicht auf, falsche Informationen über Land und Leute geradezurücken. Es klappt manches Mal, aber zur Zeit eher selten.“ Ein Kommentar.

„Ach so, deshalb magst Du ja die Türken“ – Ein Kommentar

Chinas Endlösung der Uighurenfrage
Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Die VR China definiert sich in ihrer Verfassung als eine Völkerfamilie. In ihrer Behandlung von Minderheiten hatte sie lange Zeit insgesamt eine durchaus eher positive Geschichte. Sie ist zwar schon seit langem auf einem schlechten Weg, doch inzwischen ist sie mit dem Staatsstreich Xi Jinpings zum totalitären Verbrecherstaat entartet. Die Behandlung der Muslime und der Uighuren insbesondere seit etwa Herbst 2016 stellt den größten Völkermord und das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem zweiten Weltkrieg dar. Ich werde in Folgebeiträgen zur Geschichte und zum Kontext dieser Politik zurückkommen. Angesichts des sehr beschränkten Medienechos der Verbrechen an den Uighuren, gerade in der muslimischen Welt, will ich hier einfach mit einem kurzen Faktenbericht des gegenwärtigen Zustandes beginnen und Vorstufen und Kontext außer acht lassen. Ich möchte jedoch zunächst Folgendes betonen. Was ich hier darlege beruht auf dem, was ich in der VR China und Xinjiang von 2013 bis 2017 persönlich erlebt habe. Der Rest zumeist auf Berichten, z.T. aus täglichen Chats mit Betroffenen und Augenzeugen. Zitieren möchte ich hier nur den brandneuen CERD – Bericht von Human Rights Watch Submission to the CERD review of China. Er wurde inzwischen in einer Sitzung des Menschenrechtsrates bestätigt: UN committee accuses China of turning Uyghur-dominated region into ‘no-rights zone’ Kürzer auf Deutsch: UNO: China hat mehr als eine Million Uiguren interniert Natürlich bestreitet die VR alle Fakten; zunächst hatte die chinesische Delegation nichts gesagt, am Montag kam eine haarsträubende Leugnung. Keine Regierung kann so etwas Ungeheuerliches offen zugeben. Wer freilich trotz meiner Kenntnis aus erster Hand auf Chinas Lügen hereinfällt, hat keine Entschuldigung. Die gegenwärtige Lage Hier, nun eine ganz nüchterne Beschreibung des gegenwärtigen Zustands: Ganz Xinjiang ist ein gigantisches Freiluft-KZ für Uighuren und andere muslimische Minderheiten (besonders Kazakhen). Ein dichtes System von Sicherheitskameras mit Gesichtserkennung und ein unvorstellbar enges Netz von Personenkontrollen kontrolliert jede Bewegung in der Provinz. Ich habe Fälle erlebt, dass Reisen selbst innerhalb Xinjiangs einer Sondergenehmigung bedurften, um in einem Hotel übernachten zu können, oder dass das Lösen eines Fahrscheins über das Mobiltelefon (die übliche Art in China) ohne erkennbaren Grund nicht möglich war. Die Provinz zu verlassen, ist unmöglich, besonders ist es unmöglich, ins Ausland zu gelangen. Pässe werden rigoros verweigert, selbst im Falle der Heirat mit einem Ausländer oder der Zusage eines Studienplatzes im Ausland. Früher ausgestellte Pässe wurden eingezogen. Uighuren, die sich bereits im Ausland befinden, werden zurückgerufen. Andernfalls wird ihre Familie zumindest teilweise inhaftiert. Wer aus Angst, selbst inhaftiert zu werden, bleibt, verliert den Kontakt zur Familie. Er weiß allenfalls von der Verbringung von Familienmitgliedern ins KZ. Ich kenne solche Personen persönlich. Selbst mit Ausländern verheiratete Frauen werden unter Drohungen gegen ihre Familie zurückgerufen und zur Scheidung gezwungen. Ausländische Mobiltelefone, etwa das iPhone, sind für Uighuren verboten. Nur chinesische mit installierter Spyware, die den gesamten Datenverkehr aufzeichnet, sind erlaubt. Das wird durch Straßenkontrollen und Hausdurchsuchungen durchgesetzt. Ich kann bzw. konnte mit Uighuren nur chatten, die in einer sonst nur von Hanchinesen bewohnten Gegend wohnten und es wagten, ein iPhone zu Hause zu verstecken. Ein derartiger Kontakt ist seit Februar diesen Jahres verschwunden. Schon seit langem war es so, dass alleine das Posten eines Quranverses oder einer Gebetsformel den meisten zu gefährlich war, da es, falls aufgedeckt, zu Umerziehungsmaßnahmen führte. Inzwischen ist es verboten, religiöse Gegenstände, besonders den Quran oder eine Gebetsmatte zu besitzen. Das Kopftuch war an Schulen und Universitäten in Xinjiang verboten, seit ich die Provinz kenne; jetzt ist es, sowie gegebenenfalls auch lange Kleidung für Frauen ganz verboten. Längere Bärte sind für Männer ebenfalls verboten. Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Wären die Konsequenzen nicht so grauenhaft, würde man sich wundern, wie ein Mann wie Xi Jinping und die chinesische Führung sich nicht unendlich lächerlich in ihrer Propaganda vorkommen. Gebet und Fasten waren, seit ich Xinjiang kenne, in Schule und Universität ebenfalls verboten. Jetzt ist Fasten auch für Eltern verboten: sie sollen ihren Kindern kein schlechtes Beispiel geben. Die uighurische Sprache wird an Schulen nicht mehr unterrichtet (ein schamloser Verfassungsbruch). Manche der bisher genannten Maßnahmen sind selbstverständlich in einer so großen Region nicht durch unmittelbare Kontrolle durchsetzbar. Deshalb hat man ein System systematischen Terrors eingerichtet, durch das jeder fürchtet, jederzeit inhaftiert zu werden. In der Region herrscht das Schweigen eines Totenhauses. Jeder kann jederzeit ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen ohne zeitliche Grenze, ohne jeden Beistand vor Gericht, auch ohne jedes Verfahren. Die Familie bleibt im Dunkeln über die Gründe der Verhaftung. Falls es sich um Gefängnis handelt, wird die Familie nach einer langen Untersuchungshaft von Strafmaßen wie fünf oder sieben Jahren unterrichtet. Ein ordentliches Gerichtsverfahren findet nicht statt. Xi Jinping grüßt arabische Staatschefs mit Salamaleikum. In Xinjing ist dieser Gruß inzwischen verboten; es heißt, ,Inshallah‘ soll durch ,so die Partei will‘ ersetzt werden. Die gesamte Provinz ist durchzogen von zahlreichen Konzentrationslagern, Umerziehungslager genannt; die überfüllten, unhygienischen Lebensbedingungen gleichen präzise den Vernichtungslagern der Nazis: ich kenne persönlich Augenzeugen oder Personen, die Augenzeugen kennen; Personen, die entweder dort arbeiten mussten oder inzwischen entlassen sind; Berichte derartiger Personen wurden auch in der Presse veröffentlicht) Selbst Personen mit kasakhischem Pass wurden in solchen Lagern festgehalten. Ich kenne persönlich Personen kasachischer Herkunft mit chinesischem Pass, die auf das Wohlwollen Russlands oder Kasachstans angewiesen sind, nicht zurückkehren zu müssen. Ihre Familie sitzt teilweise im Lager, ansonsten ist der Kontakt von der Familie selbst aus Angst vor Repressalien blockiert. Wie gesagt, ein enger Kontakt von mir aus Xinjiang ist inzwischen verschwunden. Meine Hoffnung, ihn wiederzufinden, ist gleich null. Inzwischen sind Fotos von KZs in sozialen Netzwerken aufgetaucht. Teilweise ist ihre Verteilung durch Satellitenbilder bekannt. Zudem werden immer noch neue Lager gebaut. Man wird eingewiesen, weil man kein Chinesisch kann, die Nationalhymne nicht singen kann, für religiös gehalten wird, oder überhaupt ohne jeden ersichtlichen Grund. Zunächst wurde vermutet, dass 1.000.000 der ca. 10.000.000 Uighuren dort einsitzen; mittlerweile sollen es nach einem neuen Artikel der ,Financial Times‘ 3.000.000 sein (auch in der UN spricht man inzwischen von 1.000.000 – insgesamt 3.000.000). Dörfer sind fast gänzlich leer, auch weite Teile Kashgars und Urumqis sollen Geisterstädten gleichen. Im Lager werden die Insassen gezwungen, Alkohol zu trinken, Schweinefleisch zu essen, sich selbst (d.h. en Islam) zu kritisieren, Xi Jinping und die Partei zu preisen; man muss zu Texten, die den Islam lächerlich machen und die Partei preisen, tanzen und singen. All dies wird durch Folter erzwungen, mit Methoden die denen von Guantanamo entsprechen. Manch einer begeht Selbstmord oder versucht es; Kontakte von mir haben den Wunsch geäußert zu sterben oder haben kurz vor einem Selbstmordversuch Halt gemacht. Kashgar war einst eine der wertvollsten zentralasiatischen Städte.   Längst hat China das meiste abgerissen und nur ein geschmacklos restauriertes Zentrum als Touristenattraktion belassen. Inzwischen sind auch 70% der Moscheen dieser Stadt niedergerissen. Ansonsten wurde der Halbmond abgenommen. Es gibt eine neue Verordnung, dass alle Orte religiöser Verehrung eine chinesische Flagge tragen müssen; für Xinjiang galt das schon seit einiger Zeit. Wandinschriften an Moscheen ,Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist der Prophet Allahs‘ werden durch ,Liebe die Partei, liebe China!‘ überschrieben. Schon seit langem werden Uighuren gezwungen, ihre Nachbarn, Freunde und Verwandte auszuspionieren (eine brillante Idee des neuen Parteisekretärs für Xinjiang, seit Sommer 2016: er hat dasselbe früher in Tibet ausprobiert). Man versucht, nicht mit Freunden und Verwandten zu sprechen, um sich und letztere nicht zu gefährden. Inzwischen werden auch Parteifunktionäre in uighurische Familien einquartiert zur Rundumüberwachung – zusätzlich zu den Sicherheitskameras nahe bei fast jeder Tür. Die Verzweiflung der hinterbliebenen Frauen und Kinder von Inhaftierten ist unbeschreiblich. Oft sind beide Ehepartner in KZs oder im Gefängnis. Ihre Kinder werden in überfüllten, kaum mit dem Nötigsten versehenen Waisenhäusern als Parteimarionetten erzogen. Oftmals ist fast die gesamte männliche Bevölkerung eines Dorfes in jüngerem Alter inhaftiert. Uighurische Mädchen werden zur Heirat mit atheistischen Hanchinesen gezwungen: eine Art staatlich organisierte Massenvergewaltigung.
(Foto: Screenshot/Twitter)
Zwangsheirat mit Han-Chinesen China hat einen eminenten Männerüberschuss. Man kann sich vorstellen, welche Hanchinesen solche Heiraten eingehen. Angesichts des unvorstellbaren Chauvinismus und Rassismus von Hanchinesen gegenüber uighurischen Untermenschen kann man sich lebhaft vorstellen, wie diese uighurischen Frauen behandelt werden. Uighurische Kultur und der Islam in Xinjiang werden bald nicht mehr existieren. Die anderen Muslime Chinas fühlen den Druck bereits immer stärker; sie werden folgen. Xi Jinping, der sich auf dem letzten Parteitag zum unumschränkten Herrscher Chinas auf Lebenszeit wählen ließ, ist entschlossen, den Islam in China auszurotten. Muslime in aller Welt müssen sich klar machen, dass heute China der größte Feind des Islam ist. Die muslimische Öffentlichkeit (im Grunde genommen jeder anständige Mensch) hat die Pflicht, lautstark zu verlangen, dass islamische Staaten (und andere Staaten) sich nicht länger von China kaufen lassen; und vor allem hat jeder die Pflicht, selbst alles zu tun, was er kann, seine gefolterten und ermordeten muslimischen Brüder und Schwestern in Xinjiang vor dem Vergessen zu schützen.
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– Buchrezension – Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Prof. Klaus J. Bade hat die Migrationsforschung und den Migrationsdiskurs in Deutschland bestimmt wie kein anderer – pointiert, kritisch und mit Weitblick. In seinem neuen Buch nimmt er den Leser mit auf eine autobiografische Zeitreise.

Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Integration
Türkei-Wahlen: Was haben wir in Deutschland falsch gemacht?

Von Yasin Baş Die Enttäuschung über das Wahlergebnis in der Türkei ist nicht zu übersehen, zu überhören und zu überlesen. In Deutschland gab es wohl selten eine derartige öffentliche Enttäuschung und emotionale Anteilnahme am Wählerwillen. Oder können sie sich daran erinnern, dass wir während und nach den Wahlen in Ungarn, der Slowakei, Polen, Russland oder den USA tagelang über das Wählerverhalten der hier lebenden Wahlberechtigten aus diesen Ländern und der damit angeblich zusammenhängenden Zugehörigkeit zu Deutschland diskutiert haben? Anerkennung des Wählerwillens Die derzeitigen Diskussionen über türkische Staatsbürger, die irgendeinen Politiker aus ihrer Heimat gewählt haben, bestimmen erneut unsere Tagesordnung. Wir scheinen Unpässlichkeiten mit dem Wählerwillen, dem demokratische Recht der geheimen Wahl und dem Selbstbestimmungsrecht von Wahlbürgern zu haben. Wie gelähmt und unsouverän muss unsere Denkweise geworden sein, dass sich Menschen für ihren demokratischen Wählerwillen rechtfertigen müssen? Oder sollen diese Menschen dankbar dafür sein, dass sie überhaupt noch ein geheimes Wahlrecht besitzen? Was für ein Selbstverständnis haben wir von der Demokratie? Wir müssen lernen, Respekt vor dem politischen Willen und der selbstbestimmten Wahlentscheidung von Menschen zu haben. Was jemand wählt, ist seine private Angelegenheit. Wer mit Demokratie argumentiert, der sollte auch demokratisch handeln und dazu gehört die Anerkennung eines Wahlausgangs. Demokratische Legitimation durch sehr hohe Beteiligung Die Wahlbeteiligung in der Türkei lag bei 87,5 Prozent. Und ein Präsidentschaftskandidat hat zum wiederholten Male mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten. Das sind Werte, von denen viele Politiker im Westen träumen. Nur zum Vergleich: Die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen von 2009 lagen bei gerade mal 70,8 Prozent. 2013 nahmen 71,5 Prozent der Wahlberechtigten bei den Wahlen zum deutschen Parlament teil. 2017 stieg der Wert auf 76,2 Prozent. Bei den Wahlen zum Europaparlament lag die Beteiligung in den letzten 20 Jahren bei etwa 40-45 Prozent. Und noch eine Information: In der Geschichte der Bundesrepublik hat es eine Partei nur ein einziges Mal geschafft, auf mehr als 50 Prozent zu kommen. Das war 1957. Die Union, bestehend aus zwei(!) Parteien schaffte damals 50,2 Prozent. Danach kamen sie nie wieder über die 50-Prozent-Marke. Die Sozialdemokraten schafften noch nie seit 1949 diesen Wert. Ihr bestes Ergebnis lag 1972 bei 45,8 Prozent. Wir sollten also etwas zurückhaltender agieren, wenn wir über die Wahlergebnisse und die demokratische Legitimation von Wahlen in anderen Staaten diskutieren. Türkei ist keine Kolonie Unsere belehrende, teilweise auch arrogant daherkommende Art kann nämlich genau das Gegenteil unseres Interesses bewirken und mehr Menschen ausschließen. Möchten wir, dass diese Menschen sich abwenden oder wollen wir sie gewinnen? Wir müssen uns Gedanken über die ausgrenzenden Strategien von Teilen der Medien, Politik und der gesellschaftlichen Ränder, die immer mehr in die Mitte hineinragen, machen. Wir würden einen Fehler begehen, wenn wir meinten, die Türkei sei eine Kolonie eines anderen Landes. Die rechtspopulistischen sowie rechtsextremen Parteien in Deutschland haben auch deshalb so einen Zulauf, weil sich viele unserer Politiker oftmals um fremde Probleme kümmern als um die Baustellen in Deutschland. Eine Landwirtschaftsministerin sollte sich beispielsweise um die Milchquote, Agrarsubventionen, Lebensmittelsicherheit oder Tiergesundheit kümmern als um Kopftücher. Wir müssen uns um die eigenen Probleme kümmern Wenn wir meinen, dass Recep Tayyip Erdoğan die Rentenfrage in Deutschland lösen wird, liegen wir falsch. Wenn wir denken, dass Erdoğan einen Mindestlohn bei uns einführt oder Hartz IV abschafft, können wir noch lange warten. Wird Erdoğan das Bildungssystem in Deutschland reformieren? Oder wird Erdoğan, obwohl manche es ihm durchaus zutrauen würden, die Herausforderungen in der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik in Deutschland meistern? Wird Erdoğan die Probleme im deutschen Pflegesystem lösen? Wird Erdoğan die Armut und die Arbeitslosigkeit bei uns beenden? Wird er die soziale, gesellschaftliche und politische Spaltung in Deutschland aufheben? Wird er die Wohnungsnot in unseren Städten mildern oder gar beseitigen? Anstatt andere Menschen zu belehren, müssen wir uns mit unseren eigenen Nöten befassen. Welche Fehler haben wir gemacht? Allein diese Diskussion verdeutlicht um ein weiteres Mal, dass die an der Debatte beteiligten Personen und Medien nichts aber auch gar nichts von früheren Kontroversen gelernt haben. Wir machen es uns zu einfach, in dem wir die Fehler bei den Erdoğan-Wählern suchen. Wir sollten uns eher die Frage stellen, was wir alles falsch gemacht haben. Wir sollten beispielsweise überlegen, ob Diskriminierung im Alltag, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt etwas mit dem Wahlverhalten zu tun haben könnte. Ebenfalls können wir uns fragen, ob alltäglicher Rassismus, Islamfeindlichkeit, Muslimhass und Xenophobie der in unserer „Mitte“ dazu beiträgt, dass so viele Menschen für die eine oder andere Partei stimmen. Selbstkritik tut not Seit Jahresbeginn gab es fast 50 Anschläge seitens PKK-naher Gruppierungen auf muslimische Einrichtungen und Gotteshäuser in Deutschland. Diese Übergriffe wurden bei weitem nicht ausreichend thematisiert. Im Gegenteil, sie wurden nicht selten bagatellisiert. Trotz Bekennerschreiben wurden bislang Schuldige kaum belangt. Nicht nur die distanzierte Berichterstattung, sondern auch die fehlende Anteilnahme wurde von der türkischstämmigen Gesellschaft in Deutschland registriert. Es gab zwar Beistand, jedoch von ganz anderer Seite. Jemand anderes hat die Sorgen der türkischstämmigen Menschen in Deutschland sehr wohl ernst genommen. Zumindest hat er diesen Menschen das Gefühl vermitteln können, dass er ihre Sorgen beachtet und sich um sie kümmert. Allein das genügte schon, die Herzen dieser Menschen zu gewinnen. Dann wundern wir uns, warum diese Menschen den einen oder anderen Politiker in ihrer ersten bzw. zweiten Heimat wählen? Dann wundern wir uns, weshalb wir diese Menschen nicht wie gewünscht erreichen? Dann wundern wir uns über unsere Integrationspolitik? Wo bleibt unsere Selbstkritik? Den Balken im eigenen Auge sehen Unsere Empathielosigkeit trägt schon seit Jahren dazu bei, dass wir immer mehr Menschen emotional verlieren. Dass die Meinungsführerschaft in der Debatte Leuten wie Özdemir, Dağdelen, Ateş, Kelek, Güler, Toprak usw. überlassen wird, die in der türkischstämmigen Gesellschaft überhaupt keine Reputation besitzen – ganz im Gegenteil, jedoch von unseren Medien hofiert werden, ist ein weiteres Dilemma. Und haben wir uns je gefragt, was für ein Licht es auf unsere Glaubwürdigkeit wirft, dass Özdemir und seine Kollegen ebenso wie die Dağdelen-Genossen während des türkischen Wahlkampfs offen für die HDP geworben haben, die nach fester Überzeugung der Mehrheit der Türkeistämmigen als verlängerter, demokratisch anmutender Arm der bewaffneten Terrororganisation PKK gilt? Es ist geradezu ironisch, dass eben jene diese, die in Deutschland die politische Vorfeldorganisation einer terroristischen Vereinigung sind, sich am lautesten über die Anhänger eines demokratisch Gewählten monieren. All denen möchte man laut zurufen: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7:3) Zusammenführen anstatt zu spalten – Deutschland ist unsere Heimat Es ist kein Schöheitsfehler, sondern ein störender Makel, dass wir uns nicht von unserem rechthaberischen und arroganten Blickwinkel lösen können. Wir vergessen immer wieder, dass wir auch die Herzen der Menschen gewinnen müssen. Ganz recht: Es geht um Emotionen und um Herzen. Menschen in Deutschland mit türkischem Pass und Doppelstaatler fühlen sich nicht ernst genommen, nicht angenommen, nicht willkommen. Obwohl sie genauso dazugehören, wie alle anderen Menschen in unserem Land. Obwohl sie genauso ihre Steuern zahlen, die Rechte und Pflichten beachten, die Gesetze einhalten. Die mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff angestoßene Willkommenskultur driftet uns langsam davon. Und das, nicht erst seit es AfD und Sarrazin gibt. Wir brauchen mehr Menschen, die konstruktiv zusammenführen wollen. Weniger Spalter und deren Sprachrohre. Deutschland ist unsere Heimat. Und das nicht erst seit es ein Heimatsministerium gibt.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– 24. Juni 2018: Türkei vor Richtungswahl – Journalist Klaus Jurgens: Der türkischen Bevölkerung geht es besser

Die türkische Bevölkerung scheint sich ihrer großen Herausforderung bewusst zu sein: Wird ihr stolzes Land am Morgen des 25. Juni in eine Periode der Unsicherheit zurückgeworfen? Oder kann es dem Weg, der vor rund 15 Jahren begann und der kurz gesagt daraus besteht, ihr Land in eine natürlich immer zu verbessernde Zukunft zu führen, fortsetzen?

Journalist Klaus Jurgens: Der türkischen Bevölkerung geht es besser
 
Yasin Baş
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

Arn Strohmeyer
Kommentar: Zum Tod von Felicia Langer

Von Arn Strohmeyer Wenn es einen Satz gibt, der das Leben und Wirken von Felicia Langer in wenigen Worten zusammenfasst, dann ist es der Titel eines ihrer Bücher: „Lasst uns wie Menschen leben!“ Das war der kategorische Imperativ ihrer Arbeit als Rechtsanwältin in Israel und später als Publizistin in Deutschland: sich unermüdlich und mit aller Kraft für die Rechte der unterdrückten Palästinenser einzusetzen. Solidarität mit und Kampf für die Entrechteten, Geschundenen und Vertriebenen – das war ihr ganzer Lebensinhalt. „Sich fügen heißt Lügen!“ hat sie in diesem Zusammenhang oft gesagt. Auch dieser Maxime ist diese außergewöhnliche Frau kompromisslos gefolgt, was in Konsequenz zum völligen Bruch mit dem zionistischen Israel führen musste, das für sie – je mehr sie dessen Realität verstand – zur Inkarnation eines Unrechtsstaates wurde. Eine wunderbare, sehr mutige Frau und große Humanistin Die Legitimation für ihr Handeln und Denken hat sie aus dem Holocaust gezogen, indem sie die einzig mögliche Schlussfolgerung aus diesem Mega-Verbrechen ableitete: „Meine Lehre aus dem Holocaust war und ist, angesichts jeglichen Unrechts und Verbrechens nicht zu schweigen, sondern alle Formen von Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen und die Würde und Rechte der Menschen zu verteidigen.“ Damit wollte sie sich von all jenen absetzen, „für die die Lehre des Holocaust Hass, Grausamkeit und Gefühllosigkeit gegenüber dem Nachbarvolk (den Palästinensern) bedeutet.“ Sie wusste, wovon sie sprach, und schrieb, wenn sie auf den Holocaust einging, denn sie selbst musste als Jüdin vor dem Nazi-Vernichtungs-Terror in die Sowjetunion fliehen. Ihr Mann Mieciu hat fünf NS-Todeslager überlebt. Und so wurde sie mit ihrer Lehre aus dem Holocaust und ihrer Kritik an Israels verbrecherischer Besatzungs- und Okkupationspolitik eine wichtige Repräsentantin des „anderen“ Israel, das sich einem humanistischen Universalismus verpflichtet wusste und nicht der partikularistisch-chauvinistischen Ideologie eines Unrechtsstaates, der Millionen Menschen hinter Mauern und Zäunen in Geiselhaft hält und ihnen jedes Menschenrecht verweigert. Und sie verfügte nicht nur über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, sondern auch über eine Eigenschaft, die den meisten Israelis heute gegenüber ihren palästinensischen Nachbarn völlig abgeht: Empathie – also mitleiden können mit den Unterdrückten und Entrechteten. (Wenn die Israelis nur eine Spur von Empathie hätten, gäbe es den Konflikt mit den Palästinensern gar nicht.) Dieses Mitfühlen-Können war neben ihrem Gerechtigkeitssinn die Quelle für ihr ganzes Schaffen, ihren Einsatz für eine bessere Welt – vor allem in Palästina! Nach ihrem Bruch mit Israel ist sie ins Land der Täter gezogen. Womit sie kein Problem hatte. Sie hat das so begründet: „Wir haben kein Recht, als Opfer von gestern Täter von heute zu sein und die Schuldgefühle der anderen, insbesondere der Deutschen, zu instrumentalisieren, um sie, was unsere Taten angeht, zum Schweigen zu bringen. Man muss klar sagen, dass die Instrumentalisierung des Holocaust zur Rechtfertigung unserer Taten gegen die Palästinenser unzulässig ist.“ Dass ihr politisches Wirken mit dem Alternativen Nobelpreis belohnt wurde, belegt, dass ihre Arbeit weit über Deutschlands Grenzen hinaus anerkannt und gewürdigt wurde. Ihre Zivilcourage, ihr Mut und ihre kompromisslose Aufrichtigkeit sollten für uns alle, die wir uns für einen wirklich gerechten Frieden in Palästina einsetzen, stets ein großes Vorbild sein. Aber Felicia hatte auch erbitterte Feinde – etwa den Schriftsteller Ralph Giordano (der das ihm verliehene Bundesverdienstkreuz zurückgab, als Felicia Langer es auch bekam): Anfang der 90er Jahre veröffentlichte dieser einen bösen Aufsatz über sie: „Ihr Feind heißt – Israel. Gedanken zur Nahost-Pathologie der Felicia Langer“. Der Titel dieses Textes sagt schon aus, dass Giordano in einer Hass-Pathologie gegen diese Frau befangen war. In diesem Aufsatz warf der Schriftsteller Felicia Langer vor, nicht nach den Gründen zu fragen, warum Israel im Krieg von 1967 das Westjordanland und den Gazastreifen besetzt haben. Und diese“ Gründe hielt er für durchaus stichhaltig sowie moralisch und politisch für in Ordnung. Erschreibt: „Nach Felicia Langer sind die Gebiete offenbar besetzt, weil es einer israelischen Mehrheit Spaß macht (oder weil die Moralistin sie für so ‚schlecht‘ hält), über rund zwei Millionen Menschen regieren zu wollen, die ganz offensichtlich nicht israelisch regiert werden möchten. Indes die einzig plausible historische Erklärung dafür, bestärkt durch den Golfkrieg [1991], doch nur sein kann, dass sich diese [israelische] Mehrheit ohne die Besetzung noch bedrohter fühlte als mit ihr. Und das natürlich nicht durch die Palästinenser, sondern durch die arabischen Militärmächte!“ Felicia Langer kannte im Gegensatz zu Giordano die „einzig plausible Erklärung“ sehr gut, warum Israel die „Gebiete“ besetzt hat und auch nicht bereit ist, sie für einen Frieden mit den Palästinensern wieder herzugeben. Es ist das unumstößliche zionistische Dogma: möglichst viel Land zu erobern mit möglichst wenig Arabern bzw. Palästinensern darauf. Wenn Giordano Felicia Langer in seinem Aufsatz zudem „notorische Täuschung des Publikums über Totalität und Kausalität des Nahostkonflikts und ideologisch bedingte Einseitigkeit und Teilung der Humanitas“ vorgeworfen hat, dann fällt dieses vernichtende Urteil auf ihn selbst zurück. Die Behauptung von der Bedrohung Israels durch die arabischen Militärmächte war immer ein Scheinargument, um die aggressive Politik dieses Staates zu verschleiern und zu rechtfertigen. Von der arabischen Bedrohung redet heute niemand mehr und ob der Iran wirklich eine Bedrohung für Israel ist, sei dahingestellt. Und die Besatzung im größten „Gebiet“ – dem Westjordanland – ist inzwischen für Israel zu einem solchen Problem geworden, dass die Zukunft und Existenz des Staates gefährdet sind. Der Gang der Geschichte hat Felicia Langer und nicht Ralph Giordano Recht gegeben.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Buchrezension – Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Prof. Klaus J. Bade hat die Migrationsforschung und den Migrationsdiskurs in Deutschland bestimmt wie kein anderer – pointiert, kritisch und mit Weitblick. In seinem neuen Buch nimmt er den Leser mit auf eine autobiografische Zeitreise.

Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung

Arn Strohmeyer
Arn Strohmeyer wurde 1942 in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er im Osten Deutschlands, später in Soest in Westfalen. Das Abitur machte er in Göttingen und hat dann dort und in Bonn Philosophie, Soziologie und Slawistik studiert und 1972 das Magisterexamen abgelegt. Darauf folgten Tätigkeit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und einer politischen Monatszeitschrift. Heute lebt und arbeitet er in Bremen.
Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten, Gabriele Schäfer Verlag Herne, ISBN 978-3-944487-48-9, 16,80 Euro

24. Juni 2018: Türkei vor Richtungswahl
Journalist Klaus Jurgens: Der türkischen Bevölkerung geht es besser

Von Klaus Jurgens Die türkische Bevölkerung scheint sich ihrer großen Herausforderung bewusst zu sein: Wird ihr stolzes Land am Morgen des 25. Juni in eine Periode der Unsicherheit zurückgeworfen, oder kann es den Weg, der vor rund 15 Jahren begann und der kurz gesagt daraus besteht, ihr Land in eine natürlich immer zu verbessernde Zukunft zu führen, fortsetzen? Denn genau das ist seit vielen Jahren der Eindruck, den dieses Land bei seinen Beobachtern hinterlässt: Die Zukunft wird nicht als statisch betrachtet, sondern als etwas, was immer Veränderungen mit sich bringt. Die Zukunft wird natürlich als etwas Schönes, Neues, Modernes angesehen, aber eben auch immer als etwas, was sehr stark mit der Geschichte und Tradition der Türkei verbunden ist. Vor vielen Jahren hatte man auch in Europa diesen Sprung in das zuerst Ungewisse gemacht. Ich erinnere mich an Willy Brandt, der den Satz über ‚mehr Demokratie wagen‘ prägte. Deutschland und Europa waren selbst auf dem Weg in die Zukunft, auf dem Weg in eine friedvolle, multikulturelle europäische Zukunft. Diesen Aspekt werde ich in einem weiteren Artikel näher beleuchten, da es in jüngster Zeit große Zweifel an der wirklichen Bereitschaft Europas gibt, diesen mutigen Schritt, der vor über vierzig Jahren begann, auch fortzusetzen. Zurück in die Türkei – und man wird einfach mitgerissen von der Wahlkampflaune der Kandidatinnen und Kandidaten. Manche in Europa übersehen entweder gewollt oder unbewusst die Tatsache, dass eine sehr gut funktionierende Demokratie wie die Türkei, gepaart mit einer ebenso voll funktionierenden Marktwirtschaft auch Bewerberinnen und Bewerber vieler verschiedener Parteien aufzubieten hat. Es gibt die Regierungspartei, die große Oppositionspartei, kleinere und größere alternative Kräfte – genauso wie in jeder anderen Demokratie auch. Jedoch ist es wohl nur natürlich, dass antidemokratische Tendenzen nicht gerade zur Teilnahme aufgefordert werden. In diesem Zusammenhang halten Sie als unsere verehrten Leserinnen und Leser doch einfach einen kurzen Moment inne und stellen sich vor, eine Bewegung, die offiziell das Ende des Vereinigten Königreiches, Frankreichs oder Deutschlands verteidigen würde und um ihr Ziel zu erreichen, zum bewaffneten Kampf inklusive Putschversuch aufruft – ich könnte mir kaum vorstellen, dass solche Personen, die sich klar außerhalb des demokratischen Spektrums bewegen, eine Zulassung zu welcher Wahl auch immer erhalten würden. Nichts anderes haben die türkischen Behörden vorab geprüft. Internationale Kommentatoren sollten sich immer mit Meinungen über Wahlen zurückhalten, da es ja in der Tat um die Entscheidung des Souveräns, also des Volkes eines anderen Staates geht. Wenn man jedoch als ‚eingeheirateter‘ Ausländer mehr als nur ein überfliegender Gast in diesem schönen Lande ist, darf man eventuell diese Grundsätze einmal etwas liberaler auslegen. Mit aller höflichen Vorsicht gemeint, ich glaube daher, dass die große Mehrheit der türkischen Wählerschaft sich zwar weiterhin auf die Zukunft freut, aber eben nicht auf eine ungewisse Zukunft. Die türkische Mittelschicht, die beinahe alles im Lande mitbestimmt und die es ja erst seit rund einem Jahrzehnt gibt, will vor allem Stabilität und Berechenbarkeit und keinerlei Experimente im negativen Sinne. Was ich aus Berichten und vor allem persönlichen, auch ‚off the record‘-Stellungnahmen mitnehme und herauslese ist das Folgende: Die Türkei hat einen Weg eingeschlagen, der sie als modernen, aber auch starken Nationalstaat aufgebaut hat. In den letzten 15 Jahren wurde eine vormals völlig abgeschottete, isolationistische Türkei in ein weltoffenes, voll integriertes Land umgewandelt. Die Mittelschicht bekam Freiraum, oder wurde sogar überhaupt erst geschaffen. Individualität wurde erlaubt und freies Unternehmertum ebenso. Der staatsmonopolistische Kapitalismus wurde abgeschafft, Privatisierungen wurden erlaubt. Die Türkei und ihre Bürgerinnen und Bürger durften das tun, was sie eigentlich immer hätten tun sollen: aktiv an der Gestaltung ihres Landes mitwirken und nicht nur auf die Vorgaben ‚von oben‘ hören. Ein stolzes Land mit stolzen, aber auch sehr friedvollen Menschen, die andere Menschen immer als ebenbürtig betrachten und schätzen. Und der türkischen Bevölkerung geht es auch einfach besser: ökonomisch, im Bereich der beruflichen Bildung; die Infrastruktur wurde revolutioniert uvm. Die derzeitige Regierung gab der Türkei das zurück, was viele Bürgerinnen und Bürger vormals oft vermissten: das Recht, stolz auf ihr Land zu sein. Also eine Richtungswahl. Bin ich ein Magier mit seiner Kristallkugel? Kaum. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn die Türkei am Morgen des 25. Juni aufwacht und zu sich selbst sagt „weiter geht es in die Zukunft“, und vor allem mit einem Präsidialsystem, das nicht weniger Mitbestimmungsmöglichkeiten, sondern aufgrund der auch in der Türkei sehr stark ausgeprägten ‚checks and balances‘ eher mehr mit sich bringen wird. Mein nächster Beitrag wird live vor Ort in Istanbul am 25. Juni verfasst, dann natürlich mit Details und Ergebnissen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Meinung – Kommentar: Die Linke darf Erdogan-Anhänger nicht dämonisieren

Und wenn in Deutschland oder Österreich „Linke“ lieber muslimische Menschen bekämpfen, dämonisieren und aus Bündnissen rausschmeißen wollen, dann zeigt sich auch hier, dass sie in Wahrheit nur die AKP stärken. Für die meisten muslimischen Menschen ist daher die AKP total alternativlos – was übrigens auch für einen großen Teil der kurdischen PKK-Gegner gilt. Ein Kommentar.

Kommentar: Die Linke darf Erdogan-Anhänger nicht dämonisieren
 
Klaus Jurgens
Klaus Jurgens – London School of Economics Postgraduate Degree Government. Vormals Uni-Dozent Ankara, Schwerpunkt BWL und KMU. Über zehn Jahre vor Ort Erfahrung Türkei. Zur Zeit wohnhaft in Wien. Politischer Analyst und freiberuflicher Journalist.

Kommentar
Israelkritik: Man will Journalistin Bettina Marx mundtot machen

Von Arn Strohmeyer Bisher hat man von der Gruppe „WerteInitiative. Deutssch-jüdische Positionen“ nicht viel gehört, aber nun will sie offenbar mit einer gezielten Attacke auf die Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland auf sich aufmerksam machen. Ziel ist die Journalistin Bettina Marx, eine sehr kompetente Vertreterin ihres Berufes, die sehr genau weiß, wovon sie spricht und schreibt, denn sie ist Historikerin, Islamwissenschaftlerin und promovierte Judaistin. Sie hat lange in Israel als Korrespondentin gearbeitet und ist jetzt Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Aber das ist gerade der entscheidende Punkt: Solche Experten, denen man nichts vormachen kann, sind für die Anhänger und Verteidiger der israelischen Politik gefährlich und deshalb soll sie mundtot gemacht werden. So fordert denn die „WerteInitiative“ in einem Offenen Brief an die Leitung der Stiftung die Entlassung von Frau Marx. Aktueller Anlass war ein Gast-Kommentar von ihr für die Deutsche Welle, in dem die Journalistin kein Blatt vor den Mund genommen und sehr realistisch die erschreckenden Zustände der israelischen Besatzung geschildert hatte, unter denen die Palästinenser zu leiden haben: Unterdrückung, Rechtlosigkeit, Enteignung, Gewalt und Elend. Man darf aber annehmen, dass den Freunden Israels die Arbeit von Bettina Marx schon lange missfällt und man ebenso lange einen Vorwand gesucht hat, gegen sie vorzugehen. Was die „WerteInitiative“-Autoren des Offenen Briefes an politischen und historischen Argumenten gegen die Journalistin vorbringen, um sie aus ihrer Stelle zu jagen, ist so falsch, so kümmerlich und fern jeder Realität, dass man sich fragen muss, woher diese Leute den Mut nehmen, mit solchen Argumenten an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber ihre Absicht ist auch gar nicht, mit Argumenten zu überzeugen (das gelingt ihnen sicher nur bei völlig ahnungslosen Zeitgenossen), sondern eine völlig neue Wirklichkeit über den Palästina-Konflikt aus dem Hut zu zaubern, die mit der Realität wenig oder nichts zu tun hat. Ein solches Vorgehen ist schon lange die Praxis der israelischen Staatspropaganda (Hasbara), der bei ihrer Arbeit jedes Mittel recht ist. Ein Beispiel für solche Propaganda: Der israelische Publizist Uri Avnery hat gerade anlässlich der Demonstrationen der im Gazastreifen von der israelischen Blockade eingeschlossenen Palästinenser an der Grenze zu Israel beschrieben, wie die israelischen Medien diese Vorgänge dargestellt haben: Avnery bringt diese Art der Berichterstattung schlicht auf den Begriff: „Gehirnwäsche“. Und „Gehirnwäsche“ kann – so Avnery – nur funktionieren, „wenn die offizielle Stimme das Monopol besitzt“, das heißt, wenn es in den Medien keine alternative Dartstellung gibt. Denn die Demonstranten hätten sich weitgehend friedlich verhalten, seien in den Medien aber so gut wie ausnahmslos als Gewalttäter und „Terroristen“ dargestellt worden. Avnery fügt noch an, dass alle Palästinenser des Gazastreifens (besonders natürlich die Hamas, die 2006 demokratische Wahlen in den Palästinenser-Gebieten gewonnen hat) in den israelischen Medien nicht nur bei dieser Gelegenheit, sondern täglich als „Terroristen“ dämonisiert werden. Avnery schreibt: „Dass diese Ausdrücke Tag für Tag unzählige Male wiederholt werden, stellt eindeutig eine Gehirnwäsche dar: Es ist ein Vorgang, den die Bürger nicht bemerken. Sie gewöhnen sich daran zu glauben, alle Bewohner Gazas seien Terroristen (hebräisch: mechablim). Das ist ein Prozess der Entmenschlichung, im Nazijargon wurden Menschengruppen ‚Untermenschen‘ genannt. Es ist erlaubt, ja wünschenswert, Entmenschlichte zu töten.“ In diesem Stil argumentieren auch die „WerteIniative“-Autoren, wenn sie schreiben: „Mit keinem Wort wird von Frau Marx erwähnt, dass es der Terror der Hamas ist, der oftmals Frauen und Kinder in die vordersten Linien der Kampfhandlungen zwingt. Dass wer sich dem widersetzt, auch schon mal vom Hochhaus geworfen oder per Seil hinter dem Motorrad hergezerrt wird.“ Außerdem behaupte die Autoren, dass die Hamas (was sie auch öffentlich eingestehe) möglichst viele eigene Opfer zu Werbezwecken produziere. Diese Behauptungen sind genauso infam wie die in Israel verbreitete Version, die Hamas habe den Demonstranten Geld bezahlt, damit sie an der Grenze protestierten. Wer lässt sich schon freiwillig gern für ein paar Dollar erschießen? Der israelische Schriftsteller David Grossmann hat sich schon vor Jahren über die israelische Mediensprache sehr abfällig geäußert: „Ein Staat in Aufruhr erfindet ein neues Vokabular für sich. Israel ist nicht der erste Staat, der das tut, (…) aber es ist empörend, Zeuge der allmählichen Entstellung zu werden. Nach und nach wird eine neue Gattung rekrutierter, betrügerischer Worte entwickelt: Worte, die ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben, Worte, die die Realität nicht beschreiben, sondern zu kaschieren suchen.“ Eine solche Art der Medienberichterstattung über den Palästina-Konflikt wünscht sich wohl ganz offensichtlich die „WerteInitiative“, und in einer solchen gleichgeschalteten Medienlandschaft hat natürlich eine kritische Journalistin wie Bettina Marx nichts zu suchen. Da braucht man nur noch „gehirngewaschene“ Jasager. Hier ein paar Beispiele für die Geschichtsklitterung dieser Initiative. Da wird kritisiert, dass Bettina Marx in ihrem Kommentar geschrieben habe, dass Israel sich 1967 das Westjordanland und den Gazastreifen „angeeignet“ habe. Dabei werde verschwiegen, dass Jordanien respektive Ägypten sich diese Gebiete zuvor „angeeignet“ hätten. Die „WerteInitiative“-Autoren verschweigen, dass Israel dabei sogar Hilfestellung geleistet hat. Denn vor dem Arabisch-Israelischen Krieg 1948/49 hatte Israel mit dem jordanischen König Abdallah ein Geheimabkommen mit dem Inhalt abgeschlossen, dass die jordanischen Truppen (vor allem die stärkste arabische Armee – die jordanische Legion) nicht in die Kämpfe mit Israel eingreifen würden. Als Lohn für dieses Stillhalten sollte Abdallah das Westjordanland bekommen, das er dann in der Tat annektiert hat. Auch wenn über den Völkerrechtscharakter dieser Annexion Zweifel bestehen mögen, folgte daraus für Israel überhaupt keine Legimitation, dieses Gebiet für sich zu erobern. Dass der Zionistenführer und erste israelische Regierungschef David Ben Gurion ständig davon sprach, Transjordanien (also das heutige Jordanien), Teile des Irak und des Libanon dem jüdischen Staat einzuverleiben, können die „WerteInitiative“-Autoren in der gerade erschienen Ben Gurion-Biographie des israelischen Historikers Tom Segev nachlesen. Ähnlich unkorrekt und unvollständig sind die Angaben der Autoren über den Gazastreifen. Diese Region gehörte bis 1948 zum britischen Mandatsgebiet Palästina (das Mandat endete 1948). Im Waffenstillstandabkommen nach dem Arabisch-Israelischen Krieg von 1949, das auch Israel unterzeichnet hat, kam der Streifen unter ägyptische Kontrolle, er wurde von Kairo aus verwaltet, aber nicht annektiert, er behielt einen autonomen Status. Erobert wurde der Gazastreifen dann von den israelischen Truppen im Suez-Krieg 1956, die sich aber auf Druck der USA und der Sowjetunion wieder zurückziehen mussten. Israel eroberte das Gebiet dann erneut im Juni-Krieg 1967. Denn stellen die Autoren die eindeutig falsche Behauptung auf, dass Israel Anfang der 90er Jahre bei den Verhandlungen zu den Oslo-Verträgen den Palästinensern 97 Prozent der umstrittenen Gebiete (meinen sie damit die besetzten Gebiete?) angeboten hätten, die Palästinenser aber abgelehnt hätten. Das wäre ja (wenn es wirklich um die besetzten Gebiete gegangen wäre) ein Traumangebot für die Palästinenser gewesen, das sie niemals zurückgewiesen hätten. Denn nach dem für die Araber verlorenen Oktober-Krieg von 1973 (Jom-Kippur-Krieg) hatten die Palästinenser eine Wende in ihren politischen Zielen vollzogen und einer Teilstaat-Lösung – also der Schaffung eines palästinensischen Staates aus dem Westjordanland und Gazastreifen – zugestimmt, womit sie sich mit 22 Prozent des ursprünglichen Palästinas zufrieden gegeben hätten, Israel hat diese Lösung bis heute immer wieder abgelehnt. 2002 hatte die Arabische Liga sie – mit voller Anerkennung Israels durch alle arabischen Staaten – noch einmal angeboten, Israel hat auf diesen Vorschlag gar nicht reagiert. Dann werfen die Autoren Bettina Marx vor, dass sie sich gar nicht dafür interessiere, dass der Friedensprozess nicht weitergehe. Der Grund: Die diversen palästinensischen Führer betonten ständig auf Neue, dass sie einzig und allein das komplette Verschwinden des jüdischen Staates zufrieden stellen könne. Das sei für Bettina Marx „Folklore“ oder noch schlimmer „Recht“. Hier wird mit einer dreisten Lüge Stimmung gegen die Journalistin gemacht. Alle palästinensischen Führer (siehe oben) haben sich längst mit der Realität Israel abgefunden und sind bereit, auf 78 Prozent ihres Landes zu verzichten, wenn Israel der Zwei-Staaten-Lösung aus Westjordanland und Gazastreifen zustimmen würde. Selbst die Hamas hat 2006 (als sie die freien Wahlen in Rest-Palästina gewonnen hat) und danach dieser Lösung zugestimmt, wenn die Palästinenser sie in einem Referendum gutheißen würden. Nur: Israel will diese Lösung nicht, es wird sie nicht geben. Die Zionisten wollten immer das ganze Palästina und Land darüber hinaus mit möglichst wenigen oder gar keinen Arabern bzw. Palästinensern – auch das ist in der Ben Gurion-Biographie nachzulesen. Und die Regierung von Benjamin Netanjahu ist fest entschlossen, „Judäa“ und „Samaria“ (also das Westjordanland) zu annektieren. Seine Partei (der Likud) hat das auf einem Parteitag schon offiziell beschlossen. Und die Absicht, die Palästinenser endgültig aus ihrer Heimat zu vertreiben (sie nennen das verschleiernd „Transit“), haben die Zionisten noch nicht aufgegeben. Selbst mehrere Minister (etwa Lieberman und Bennet) fordern dies immer wieder. Man könnte weitere Falschbehauptungen der „WerteInitiative“ anführen, die sie als Vorwürfe gegen Bettina Marx vorbringen. Etwa den merkwürdigen Satz: „Auch die schwierige bauliche Gemengelage in der Westbank mit gegenseitig von Palästinensern und Israelis als illegal bezeichneten Siedlungen ist nichts, was in das einseitige Argumentationsbild von Frau Marx gepasst hätte.“ Das klingt ja so, als ob die Palästinenser auf israelischem Gebiet illegale Siedlungen bauen würden! Grotesker oder absurder geht es nun wirklich nicht! Mit Völkerrecht, UNO-Resolutionen, Internationalem Recht und Gutachten des Internationalen Gerichtshofes (IGH), nach denen die israelischen Siedlungen im Westjordanland, illegal sind, haben die Autoren gar nichts im Sinn. Deshalb gehen sie auch gar nicht darauf ein, das könnte schlafende Hunde wecken. Auch die Aussage von Bettina Marx, es gebe ein ‚Volk der Palästinenser‘ schon seit Jahrtausenden stößt auf die Ablehnung der Autoren, nach ihrer Ansicht hat es in Palästina immer nur Juden gegeben, womit sie die immer noch umstrittene Gründung des jüdischen Staates in einem von einem anderen Volk bewohnten Land rechtfertigen wollen. Historische Tatsache ist aber (ohne das hier im Detail ausführen zu können), dass sehr viele Völker im Laufe der Geschichte in Palästina ansässig waren – die Juden waren nur eins davon. Dass sie 2000 Jahre dann in dieser Region so gut wie nicht anwesend waren, belegt die Statistik: 1882 (der Zeitpunkt, zu dem etwa die zionistische Besiedlung begann) gab es in Palästina 426 000 Araber (94,7 Prozent) und 24 000 Juden (5,3 Prozent), wobei letztere streng religiöse Juden waren, also keine Zionisten. Ob sie einen jüdischen Staat hier gewollt haben, wissen wir nicht. Nicht gerade eine exzellente Legitimation, die einheimisch arabische Bevölkerung zu vertreiben und dort einen eigenen Staat zu gründen! Man kann sich eigentlich die Mühe sparen, auf die unseriösen und abstrusen Behauptungen der „Werte-Initiative“-Autoren einzugehen, etwa dass Gaza kein Besatzungsgebiet, sondern quasi ein eigener Staat mit voller Autonomie sei. Warum hält Israel dann eine vollständige Blockade dieses Gebietes zu Land, zu Wasser und in der Luft aufrecht, unter der niemand es verlassen oder einreisen darf und Israel bestimmt, was an Lebensmitteln, Baumaterial, medizinischen Gütern usw. eingeführt werden darf? Und jedes Schiff abgefangen wird, das Hilfe bringen will? Oder die Behauptung, dass die in Israel lebenden Palästinenser nicht diskriminiert würden. Oder die Behauptung, dass das jüdische Volk überall auf der Welt um sein Überleben kämpfe. Wo und in welchem Land sind Juden heute ernsthaft gefährdet? Israel hat großartige Historiker und politische Analytiker, die solche propagandistischen zionistischen Gemeinplätze, wie sie die Autoren des Offenen Briefes anführen, in allen Einzelheiten längst widerlegt haben. Dieses Pamphlet belegt nur, in welch argumentative Beweisnot der Zionismus mit seiner verfehlten Politik inzwischen geraten ist. Einer so kompetenten Journalistin wie Bettina Marx kann eine solche Schmutzkampagne gar nichts anhaben. Und Heinrich Böll, der der Stiftung den Namen gegeben hat, bei der Bettina Marx arbeitet, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er lesen müsste, wie da ein Zitat von ihm von den „WerteInitiative“-Leuten missbraucht wird. Der Satz heißt: „Es gibt israelische Kritik an Israels Politik genug. Es gibt so wenig Kritik an und in den arabischen Staaten an deren Politik gegenüber Israel.“ Das Zitat stammt aus dem Jahr 1978 und mag aus der aktuellen damaligen Situation heraus verständlich sein, heute würde der Literatur-Nobelpreisträger den Besatzungs- und Apartheidstaat Israel sicher ganz anders beurteilen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Antisemitismus – Zur judenfeindlichen Attacke: „Muslime kennen solche Ansprachen seit vielen Jahren“

“ … wütete ein junger Mann, halb auf Arabisch und halb auf Deutsch: „Ich ficke Israel wie eine Frau!“ “ Ja. Das kommt vor, ist bedauerlich und eine Schande für dies Land. Muslime allerdings kennen solche „Ansprachen“ alle, seit vielen Jahren und in stetig steigender Anzahl und Schwere. Ein Kommentar.

Zur judenfeindlichen Attacke: „Muslime kennen solche Ansprachen seit vielen Jahren“
 
Arn Strohmeyer
Arn Strohmeyer wurde 1942 in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er im Osten Deutschlands, später in Soest in Westfalen. Das Abitur machte er in Göttingen und hat dann dort und in Bonn Philosophie, Soziologie und Slawistik studiert und 1972 das Magisterexamen abgelegt. Darauf folgten Tätigkeit als Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und einer politischen Monatszeitschrift. Heute lebt und arbeitet er in Bremen.
Arn Strohmeyer: Ist Antizionismus gleich Antisemitismus? Eine Antwort auf Kritiker meines Buches Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt. Hitlers langer verhängnisvoller Schatten, Gabriele Schäfer Verlag Herne, ISBN 978-3-944487-48-9, 16,80 Euro
 

Türkei
Mega-Industriezonen: Erdogan verspricht 100.000 neue Jobs

Ankara (nex) – Nur eine Woche vor den Wahlen kündigt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag ein neues Mega-Industrieprojekt an, das 100.000 Arbeitsplätze schaffen werde. „Wir richten in fünf Regionen der Türkei Mega-Industriezonen ein. Wir werden die türkische Industrie und Technologie aufwerten, indem wir 100.000 Menschen Arbeit geben“, tweetete Erdogan. Laut einer Grafik, die er dem Tweet beifügte, seien in der ersten Phase des Projektes Investitionen von 9,5 Milliarden Dollar geplant. In dieser Phase würden 35.000 Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt seien Investitionen von fast 30 Milliarden Dollar vorgesehen. In diesen Industriezonen sollen nach Fertigstellung 100.000 Menschen einen Arbeitsplatz bekommen. Zehntausende jubeln Erdogan zu Am Sonntag versammelten sich auf dem Yenikapi-Platz in Istanbul Zehntausende Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, um an der Megakundgebung der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) teilzunehmen. Erdogan wurde von den Menschenmengen singend begrüßt. Auch Ministerpräsident Binali Yildirim und mehrere Minister waren bei der Kundgebung anwesend. Präsidentschaftswahlen am 24. Juni Erdogan hatte im April überraschend vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen angekündigt. Diese sollen nun am 24. Juni stattfinden und nicht wie ursprünglich geplant im November 2019. Devlet Bahceli, Vorsitzender der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), hatte sich bereits vor Erdogans Ankündigung dafür ausgesprochen, die Wahlen vorzuziehen. Koalition gegen regierende AKP Die vier Oppositionsparteien der Türkei haben sich bereit erklärt, an den bevorstehenden Parlamentswahlen im Rahmen eines Bündnisses teilzunehmen, um über die 10- Prozent-Hürde zu kommen und ihre Sitze im türkischen Parlament zu erhöhen. Die größte oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP), die İYİ Partei, die Saadet Partisi (SP) und die Demokrat Partisi (DP), bilden das Bündnis, das bei den anstehenden Wahlen am 24. Juni gegen die von der regierenden AKP und der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) gegründete Koalition antreten wird. Die kurdische Volkspartei (HDP) werde nicht Teil eines Wahlbündnisses sein.

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– Rüstungsdeal – Pakistan kauft 30 türkische ATAK-Kampfhubschauber im Wert von 1,5 Milliarden

Ankara und Islamabad haben kürzlich einen Vertrag über den Verkauf von 30 türkischen Hubschraubern im Wert von 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Pakistan kauft 30 türkische ATAK-Kampfhubschauber im Wert von 1,5 Milliarden

Flüchtlingspolitik
Städte-und Gemeindebund hält Asylstreit für „überbewertet“

Landsberg: Die Lage ist doch ruhig Osnabrück – Der Deutsche Städte-und Gemeindebund hält den Asylstreit zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für „medial überbewertet“. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg: „Fakt ist doch: Die Lage ist im Moment ruhig.“ Die Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr werde derzeit nicht überschritten. Das sei auch nicht zu erwarten. „Ich bin sicher: Am Ende findet die Bundesregierung eine Lösung nur in einem wirksamen Schutz unserer Außengrenzen, verpflichtenden Vereinbarungen mit den Herkunftsländern und der Schaffung eines einheitlichen europäischen Asylrechts“, betonte Landsberg mit Blick auf den aktuellen Streit um Seehofers „Masterplan Migration“. Er betonte, dass es keinen Stimmungsumschwung gegen Flüchtlinge nach den jüngsten Gewalttaten von Asylbewerbern gebe. „Die Kommunen werben bei der Bevölkerung dafür, diese furchtbaren Ereignisse nicht dazu zu nutzen, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen“, sagte er. Der Städte-und Gemeindebund hält die vom Bundesinnenminister geplanten Ankerzentren für “ einen wichtigen Beitrag“, damit die Umsetzung des deutschen Asylrechts “ besser, effektiver, schneller und gerechter“ wird. „Von Menschen, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung suchen, kann erwartet werden, dass sie sich eine gewisse Zeit in einer solchen Einrichtung aufhalten und die dort geltenden Regeln akzeptieren“, sagte Landsberg. Digitale Vernetzung von Sozial-und Ausländerbehörden angemahnt  Dazu gehörten auch „klare Sanktionen, wenn jemand seine Herkunft verschleiert oder falsche Angaben macht“. Landsberg sieht „erheblichen Nachholbedarf“ bei der digitalen Vernetzung aller Ausländer-und Sozialbehörden. Dafür erforderliche Mittel müssten Bund und Länder endlich auch zur Verfügung stellen und so die Schaffung gemeinsamer Datenbanken zügig vorantreiben.

Österreich
Deutscher Geheimdienst BND soll Tausende ausspioniert haben

Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND steht im dringenden Verdacht, insgesamt 2.000 Telefon-, Fax- und Mobilanschlüsse sowie E-Mail-Adressen in Österreich ausspioniert zu haben. Auch Anschlüsse von Botschaften anderer Länder in Wien, sowie österreichische Ministerien und Firmen, internationale Organisationen und islamische Einrichtungen gerieten ins Visier des BND Wie das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ und die Tageszeitung „Der Standard“ übereinstimmend auf Grundlage BND-interner Dateien berichten, habe der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) besonderes Augenmerk auf die Überwachung und Ausspähung in Wien beheimateter internationaler Einrichtungen gelegt. So beispielsweise 75 Botschaften, wie der USA, des Irans und Iraks, sowie Pakistans, Libyens, sowie von Afghanistan, Israel und Nordkorea. Außerdem gebe es abgehörte Nummern beim Ölkartell „Opec“, zwei Dutzend Nummern bei der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“, 180 bei der „Internationalen Atomenergiebehörde“. Bei anderen Organisationen der UN seien 128 Anschlüsse verzeichnet. Außerdem seien Dutzende Unternehmen, darunter Waffenproduzenten und andere wichtige Exporteure, Ziel der BND-Ausspähung gewesen. Wie auch die deutsche „Zeit“ in ihrer morgigen Ausgabe schreibt, hätten sich auch fast alle großen österreichischen Unternehmen und Banken auf der BND-Liste der abzuhörenden Stellen befunden, aber auch klein- und mittelständische Unternehmen. Der deutsche Geheimdienst habe etwaige erhaltene Informationen auch mit anderen Geheimdiensten wie der amerikanischen NSA geteilt. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat inzwischen von den deutschen Behörden „Aufklärung und volle Transparenz über das angebliche Ausspähen von Unternehmen und Privatpersonen durch den Bundesnachrichtendienst (BND) verlangt, wie die „Zeit“ am heutigen Samstag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, sagte Kurz, „unter befreundeten Staaten darf es solche Ausspähungen nicht geben. Kurz weiter: „Unser Wunsch ist zu erfahren, wer hier überwacht wurde und wann die Überwachung beendet wurde“. Von einer diplomatischen Verstimmung wollte der österreichische Bundeskanzler zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht reden. Der österreichische Bundespräsident Van der Bellen sagte, ein Ausspähen sei unter befreundeten Staaten nicht nur unüblich und unerwünscht, sondern auch nicht akzeptabel. Auch er verlangte volle Aufklärung von den deutschen Behörden. Derartige Ausspähungen sollten sofort eingestellt werden, sofern sie noch am Laufen seien, wovon er aber nicht ausgehe. Thomas Bernhard, Johann de Fries und Susanne Beck