Start Panorama Ausland Menschenrechtsverletzungen in China Offener Brief zum Weltkongress der Philosophie in Peking

Menschenrechtsverletzungen in China
Offener Brief zum Weltkongress der Philosophie in Peking

Vom 13.8.-20.8. findet in der chinesischen Hauptstadt Peking der Weltkongress der Philosophie statt. Der Klassische Philologe und Philosoph Prof. Dr. Hans-Christian Günther wendet sich in einem offenen Brief an den angesehensten chinesischen Organisator des Weltkongresses der Philosophie in Peking, Prof. TU Weiming. Er hatte gegenüber ihm und dem Chairman des Organisationskomitees bereits darauf hingewiesen, dass diese Veranstaltung schlecht zu den eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang passt. Prof. TU Weiming fand diesen Brief-bezeichnenderweise-keiner Antwort für Wert.

(Foto: dts)
Teilen

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Vom 13.8.-20.8. findet in der chinesischen Hauptstadt Peking der Weltkongress der Philosophie statt. Wie man sieht, kauft sich China immer mehr nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die Kultur der Welt ein. Wie dem auch sei, er trägt den Titel ,Learning to be human‘. Sicherlich ist das ein geeignetes Thema für das heutige China, das eines besonders langen und intensiven Lernprozesses hierfür bedarf.

Nun hatte ich meinem Freund Riccardo Pozzo, dem Chairman der Programmkommission, im Vorfeld eine Mail auf Deutsch geschrieben, die er auch sofort freundlich und mit Sympathie für mein Anliegen beantwortete. Ebenso schrieb ich auf Englisch eine etwa gleichlautende an Prof. TU Weiming, einen hochverdienten Wissenschaftler und gewiss das gewichtigste chinesische Mitglied der Programmkommission (die mutmaßlichen chinesischen Parteifunktionärsphilosophen schienen mir das kaum zu verdienen).

Da Prof. TU mich keiner Antwort für wert befunden hat, veröffentliche ich hier meine heutige Mail an ihn samt der ersten als offenen Brief. Ich darf noch hinzufügen, dass ich meine Mail an zahlreiche Kollegen weitergeleitet hatte und von manchen, die auf diesem Kongress gar nicht sprechen, eine mich entschieden bekräftigende Antwort erhielt – außer von Riccardo Pozzo und meinem Freund Ram Mall jedoch von keinem der am Kongress Beteiligten.

Dear Prof. TU, despite the fact that you did not find my mail from 20 July worthy of response please accept my warmest wishes for the long journey ahead of you in learning to be human. May this congress be a successful start for its participants in this important enterprise.

This Mail together with my first one will be published as an open letter today in an internet journal. You will get a copy in due course, as will many of our colleagues.
Best

HCGünther

Meine Mail vom 20.7.2018: 

Dear Prof. TU, maybe you remember me from my visit in Beijing. I am sending you here a translation of the letter I wrote to my friend Riccardo Pozzo as chair of the world congress for philosophy.

I suppose you know about what is written in the following link:

http://www.chinoiresie.info/china-studies-between-censorship-and-self-censorship/

If your congress is aiming at what Riccardo presented in a conference where he was invited by me it’s impossible you are silent about these matters. If you do it and whoever does it will loose any credibility. In particular, everyone who works in China as a scholar or philosopher indebted to intercultural dialogue or who comes there from abroad has an absolute duty not to be silent. Everyone can know what is going on.

Whoever is silent and allows himself to be bought, lied to or blackmailed by the Chinese government has lost every credibility, basic cleanness and spine as a scholar and as a human being. That I want to bring to your attention most emphatically. I will never touch Chinese soil ever in my life again. I have cut in rude manner contact with every Chinese colleague who tries to belittle or defend China’s policy. These are not all: I still have good colleagues and friends in the ordinary Chinese population who know what is going on and who are shocked. But most are too coward and too corrupt.

I think I have to say this to you. What’s happening to Muslims in China is not just a matter of free speech or an issue that can be discussed controversially, this is a gigantic murder, genocide accompanied by rampant chauvinism and racism. It’s the greatest crime since WWII. China has descended to the level of her Japanese tortures in WWII. There is no way to see it otherwise for any person with a minimum of human decency.

Best
HCGünther

Bei dieser Moschee in Urumchi etwa wurde die „Schahada“ (Glaubensbekenntnis) entfernt. Ein kleines Indiz für Chinas „Respekt“ für andere Kulturen

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Auch interessant

– Chinas Endlösung der Uighurenfrage –

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.

Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern

 


Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Lebenslauf

geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.