Verschwörungsmythen
Bill Gates und sein angeblicher Plan der Bevölkerungsreduktion

Ein Kommentar des Herausgebers Gleichwie auch Weltkrisen der Vergangenheit – wie etwa die Spanische Grippe Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit fast 50 Millionen Toten – hat auch die Corona-Pandemie die skurrilsten Fantastereien und Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht. Wo früher noch die Bankiersdynastie Rothschilds und später die Unternehmerfamilie Rockefeller sowie jüngst auch US-Investor George Soros für alle Krisen der Welt verantwortlich gemacht wurden, bringen Fans von Verschwörungsmythen in letzter Zeit nun einen „neuen Bösewicht“ mit allem Übel dieser Welt in Verbindung. „Bill Gates regiert die Welt“ Microsoft-Gründer Bill Gates regiere mit seiner Frau Melinda die Welt und plane durch weltweite Zwangsimpfungen Menschen Chips zu implantieren, um diese überwachen zu können. Nach diesen Theorien sollen durch die Impfungen auch heimlich Frauen sterilisiert und dadurch die Weltbevölkerung reduziert werden. Das Coronavirus sei in einem Labor entwickelt worden und Gates stecke höchstpersönlich dahinter. Diese Theorien bekommen weltweit Zulauf. Einige Mythen gehen sogar so weit und behaupten, dass Gates – gemeinsam mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton – Kinder opfere, obwohl er, ganz im Gegenteil zu diesen Vorwürfen, durch Millionenspenden für Polio-Impfungen eigentlich dafür sorgt, dass weltweit Kinder am Leben bleiben. Polio oder Kinderlähmung – abgekürzt für Poliomyelitis anterior acuta oder spinale Kinderlähmung – ist eine hoch ansteckende akute Infektionskrankheit mit dem Polio-Virus. Gates gründete mit seiner Frau Melinda im Jahr 2000 die aktuell größte gemeinnützige Stiftung der Welt mit einem Vermögen von 47 Milliarden US-Dollar, die „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ um diese Krankheiten zu bekämpfen. Gewinnorientiert arbeitet sie nicht – ihr erklärtes Ziel ist es, bis 20 Jahre nach dem Tod von Bill und Melinda Gates alle Finanzmittel aufgebraucht zu haben. Bereits lange vor der weltweiten Corona-Pandemie warnte Gates vor den Gefahren einer solchen Situation. Verschwörungstheorien versprechen einfache Erklärungen In Krisen verbreiten sich Verschwörungstheorien leichter. Sie versprechen „einfache Erklärungen und bestätigen bereits vorhandene Meinungen. Die Theorien fallen also dann auf fruchtbaren Boden, wenn sie ins eigene Weltbild passen, so Andreas Jungherr, Professor an der Universität Konstanz für den Studiengang „Social Science Data Collection and Analysis“ (Sozialwissenschaftliche Datenerfassung und Analyse) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Mit Verschwörungstheorien um Bill Gates könne man die Schwere der Corona-Pandemie herunterspielen. „Was vorher objektiv notwendig und wissenschaftlich begründet schien, kann jetzt als im Interesse einer globalen Elite diskreditiert werden“, erklärt der Experte für Sozial- und Wirtschaftsdaten. Zudem könnten wirtschaftliche Interessen dahinterstecken. „Verschwörungstheorien sind kontrovers und ziehen Klicks, die werden wiederum durch Werbung monetisiert“, erläutert Jungherr. Vielen gehe es mit ihren Youtube-Channels darum, Besucher anzuziehen. Jungherr: „Hier sind kontroverse Verschwörungstheorien attraktiv.“ Lassen sich aber bestimmte Phänomene nicht mehr abstreiten – beispielsweise Aussagen von Ärzten, die über die schwierige Behandlung von Covid-19-Patienten berichten oder die weltweit steigende Zahl von Todesopfern – werden die Angaben generell angezweifelt oder geleugnet, so der ARD-Faktenfinder. 

 „Diese Annahmen reduzieren Komplexität, gestatten es zudem, eigene Ängste zu binden und Aggressionen berechtigterweise zu äußern – man wird ja schließlich von einer bedrohlichen und viel stärkeren, anonymen Macht verfolgt“, sagte der Sozialpsychologe Dr. Uwe Krüger von der Universität Leipzig, im Gespräch mit dem MDR.

„Es existiert ein hohes Maß an Verunsicherung in der Bevölkerung“, sagt der Kommunikationspsychologe Prof. Tobias Rothmund von der Universität Jena. „Kaum jemand hat eine solche Situation schon einmal erlebt. Menschen haben Angst, suchen nach Erklärungen, wollen die aktuelle Entwicklung am liebsten nicht wahrhaben.“

„Bill Gates scheint da als Projektionsscheibe ideal“, erklärt Nikil Mukerji, der sich als Philosoph in München mit den Phänomen der Verschwörungstheorien beschäftigt, dem Bayerischen Rundfunk. „Gates hat viel Geld – was ihn per se für viele Menschen verdächtig macht – und er hat weit weniger unter der Pandemie zu leiden als wirtschaftlich schlechter Gestellte“, so Mukerji weiter. Viele hätten Angst um ihre wirtschaftliche Existenz oder bereits ernste Schwierigkeiten. Es sei psychologisch nachvollziehbar, so Mukerji, dass man das jemandem in die Schuhe schieben wolle und einen Schuldigen suche.
Was steckt hinter den Gates-Behauptungen? Bill Gates will durch Zwangsimpfungen die Weltbevölkerung reduzieren Die Behauptungen über Gates basieren zumeist auf wenigen Zitaten, die aus dem Kontext gerissen oder bewusst falsch interpretiert werden. Seit Jahren wird im Internet etwa behauptet, der Milliardär habe gesagt: „Impfen ist die beste Art der Bevölkerungsreduktion.“ Die Aussage wird in verschiedenen Versionen verbreitet, mitunter ohne Quellenangabe. Nicht erst seit der Corona-Krise sieht sich Gates persönlich dem Vorwurf ausgesetzt verborgene niedere Beweggründe zu verfolgen. Gehen wir für einen Moment mal davon aus, dass Bill Gates wirklich einen diabolischen Plan zur Bevölkerungsreduktion geschmiedet hat, um die Welt für sich und seine Frau Melinda allein zu haben und seine 106,3 Milliarden US-Dollar (Stand 2020) in Ruhe ausgeben zu können. Solch einen teuflischen Plan würde ein Mann mit der Intelligenz eines Gates mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jedoch nicht während einer Rede vor Millionen Zuhörern Preis geben. Gates hielt 2010 auf der Innovations-Konferenz „TED-Talks“ in Monterey, Kalifornien eine Rede, in der er verschiedene Ideen erörterte, wie die globalen Kohlenstoffemissionen auf Null reduziert werden können. Er stellt eine Gleichung für den globalen Kohlenstoffausstoß auf, die besagt, dass der globale Kohlenstoffausstoß mit der Anzahl der Menschen auf der Erde in Beziehung stehe. Man muss jedoch zugeben, dass er sich bei dem im Netz millionenfach geteilten Satz unglücklich ausgedrückt hat.
„Erstens, wir haben die Bevölkerung. Die Welt hat heute 6,8 Milliarden Menschen. Diese wird auf etwa neun Milliarden ansteigen. Wenn wir in den Bereichen neue Impfstoffe, Gesundheitsfürsorge und reproduktive Gesundheitsfürsorge wirklich gute Arbeit leisten, könnten wir diese Zahl vielleicht um 10 oder 15 Prozent senken, das wäre jedoch trotzdem ein Anstieg von etwa 1,3 Prozent“
Aus diesem Zitat entstanden im Laufe der Jahre dann Youtube-Videos mit Titeln wie
Bill Gates will eine Milliarde (Menschen) tot sehen! Impfungen und Gesundheitsversorgung erledigen den Job!
Den Zusammenhang von Impfungen und einem schwächeren Bevölkerungswachstum hat Gates bereits in einem offenen Brief aus dem Jahr 2009 beschrieben. Je mehr Kinder demnach geimpft werden, desto länger leben sie. Wenn mehr Kinder überleben, müssen Eltern weniger Kinder in die Welt setzen, um von ihnen später, wenn sie alt werden, Unterstützung zu bekommen. Eine geringere Kindersterblichkeit führt demnach dazu, dass Frauen weniger Kinder bekommen, so der dpa-Faktencheck. Während seiner vielen Studien sah Gates, dass, wenn die Sterblichkeitsrate – konkret unter 10 Todesfälle pro 1.000 Menschen fällt – die Geburtenrate folgt und sich das Bevölkerungswachstum stabilisiert. „Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand“, sagte Gates in einem Gespräch mit dem US-Magazin Forbes 2011. „Wie sich herausstellt, entscheiden sich die meisten Eltern nicht dafür acht Kinder zu haben, weil sie große Familien haben wollen, sondern weil sie wissen, dass viele ihrer Kinder sterben werden“, so Gates. „Wenn eine Mutter und ein Vater wissen, dass ihr Kind das Erwachsenenalter erreichen wird, fangen sie auf natürliche Weise an, ihre Bevölkerungszahl zu verringern“, sagte Melinda Gates. Correctiv zitiert hierzu die US-Factchecking-Website Snopes.com:
„Eine überraschende Erkenntnis war für uns, dass die Verringerung der Zahl der Todesfälle das Bevölkerungswachstum reduziert. […] Im Gegensatz zur malthusianischen Sichtweise, dass die Bevölkerung wächst, solang Kinder ernährt werden können, bekommen Eltern tatsächlich so viele Kinder, dass die Chancen hoch genug sind, dass einige von ihnen überleben, um sie im Alter zu unterstützen. Wächst die Zahl der Kinder, die das Erwachsenenalter erreichen, können Eltern dieses Ziel erreichen, ohne so viele Kinder zu bekommen.“
Hierzu ein Artikel des The Economist:
Die makroökonomische Forschung bestätigt dieses Bild. Die Fruchtbarkeit beginnt bei einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 1.000-2.000 Dollar zu sinken und sinkt bis zum Erreichen des Reproduktionsniveaus bei einem Pro-Kopf-Einkommen von 4.000-10.000 Dollar pro Jahr . Damit wird in etwa der Übergang von der Armut zum Status des mittleren Einkommens und von einer Agrargesellschaft zu einer modernen Gesellschaft verfolgt. […] Der Zusammenhang zwischen Lebensstandard und Fruchtbarkeit besteht auch innerhalb der Länder. Der ärmste Bundesstaat Indiens, Bihar, hat eine Fruchtbarkeitsrate von 4; die reicheren Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala haben Raten unter 2; Shanghai hat seit 1975 eine Fruchtbarkeitsrate von weniger als 1,7; in Guizhou, der ärmsten Provinz Chinas, liegt die Rate bei 2,2. Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Fruchtbarkeit ist so stark, dass die wenigen Länder, in denen die Fruchtbarkeit nicht sinkt, die vom Krieg zerrissenen Länder wie Kongo, Liberia und Sierra Leone sind, in denen der Lebensstandard nicht gestiegen ist.
Wie Correctiv weiter schreibt, heißt es auf der Website der „Bill and Melinda Gates Foundation“, ihre Impfkampagne wolle „mehr als 11 Millionen Todesfälle, 3,9 Millionen Fälle von Behinderung und 264 Millionen Krankheiten bis 2020 verhindern, durch einen hohen, gerechten und nachhaltigen Impferfassungsgrad“.
(Foto: UN)
„Bill Gates will Menschen über eine Impfung Mikrochips implantieren lassen“ Ein weiterer Vorwurf gegen den 66-jährigen Microsoft-Gründer, der momentan die Runde macht, lautet, dass Gates Menschen über eine Impfung gegen den Sars-CoV-2-Erreger zugleich Mikrochips implantieren lassen wolle, um totale Kontrolle zu erhalten. In einem Diskussionsforum sagte Gates im März 2020, dass es irgendwann eine Art „digitaler Zertifikate“ geben werde, die zeigten, wer die Erkrankung bereits durchgestanden hat, kürzlich getestet beziehungsweise – soweit irgendwann möglich – geimpft worden sei. Gates bezog sich auf digitale Zertifikate als Teil der Bemühungen, eine digitale Plattform zu schaffen, die die selbstverwalteten Tests für Covid-19 zu Hause erweitern würden. Seine Antwort:
Die Frage, welche Unternehmen weitermachen sollen, ist heikel. Sicherlich die Nahrungsmittelversorgung und das Gesundheitssystem. Wir brauchen immer noch Wasser, Strom und das Internet. Lieferketten für kritische Dinge müssen aufrechterhalten werden. Die Länder überlegen noch, was sie weiterführen sollen. Irgendwann werden wir digitale Zertifikate haben, aus denen hervorgeht, wer wieder gesund wurde, wer kürzlich getestet wurde oder, sobald wir einen Impfstoff haben, wer ihn erhalten hat.
Diese Aussage wurde zudem mit vollkommen anderen Projekten vermischt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden – etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit Corona haben sie nichts zu tun.

„Bill Gates hat die WHO gekauft“

Die „Bill und Melinda Gates Stiftung“ ist ein wichtiger Geldgeber der WHO und finanziert etwa 10 Prozent und nicht wie in den Vorwürfen behauptet 80 Prozent des Beitragsaufkommens. Die WHO finanziert sich zu etwa 80 Prozent aus freiwilligen Beiträgen, wie denen von Bill und Melinda Gates.  

Bildung
Eltern in NRW sind unzufrieden mit Heimunterricht in der Corona-Krise

Düsseldorf – Das Unterrichten ihrer Kinder wird für Eltern zunehmend zum Ärgernis, auch weil es an Unterstützung durch die Schulen fehlt. Knapp ein Drittel von über 1000 befragten Eltern in NRW hatte in der Zeit der Schulschließungen keinen Kontakt zu den Lehrern des Kindes, wie aus einer Umfrage des Elternvereins NRW hervorgeht, die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. Mehr als die Hälfte der Schüler (58,5 Prozent) bekam keine regelmäßige Korrektur oder Feedback auf ihre Aufgaben. Der Elternverein NRW hatte die landesweite Befragung am 25. April gestartet. Binnen zwölf Tagen beteiligten sich 1058 Eltern. Außerdem gaben 28,9 Prozent an, dass ihre Kinder zu Hause überhaupt nicht zum Lernen zu motivieren seien, weitere 51,6 Prozent sagten, dies sei nur in einzelnen Fächern möglich. Für viele Eltern wird der Heimunterricht inzwischen zu einer großen Belastung: Mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) muss mindestens zwei Stunden täglich dafür aufwenden. 58,6 Prozent der Kinder können die Lernaufgaben nicht allein bewältigen. In vielen Familien (54,1 Prozent) ist es so aufgeteilt, dass nur ein Elternteil den Heimunterricht übernimmt. „Die Eltern brauchen dringend klare, einheitliche und machbare Konzepte für die nächsten sieben Wochen Homeschooling“, forderte Andrea Heck, Vorsitzende des Elternvereins NRW.

Zum Thema

– Corona-Krise – Lauterbach: „Regulärer Unterricht fällt mindestens ein Jahr aus“

Wegen der Corona-Pandemie sind Schulen seit März geschlossen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Lockerungen einiger Bundesländer scharf verurteilt.

Lauterbach: „Regulärer Unterricht fällt mindestens ein Jahr aus“

Corona-Krise
Laschet will Quarantäne-Regeln nach Auslandsreisen lockern

Düsseldorf – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dringt in der Corona-Krise auf weitere Lockerungen. Im Interview mit der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ sagte der CDU-Politiker:
„Dass die Europa-Brücke zwischen Kehl und Straßburg gesperrt ist, schmerzt mich seit Wochen. Dass Sie ausgerechnet nicht nach Schengen über die Mosel dürfen und dort die Fahnen auf halbmast wehen, ist ebenfalls schmerzhaft.“
Ohne den Binnenmarkt mit offenen Grenzen könne auch Deutschland die Krise nicht überwinden. „Bis zum 15. Mai gelten noch die vom Bundesinnenminister verfügten Grenzkontrollen. Wenn Frankreich den Lockdown am 11. Mai beendet, brauchen wir eine Lockerung der Quarantäne-Maßnahmen für Rückkehrer aus den europäischen Ländern“, sagte Laschet. Er sei mit seiner Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz und dem Kollegen aus dem Saarland einer Meinung. Laschet ergänzte, der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas gelinge nur gemeinsam:
„Aus meiner Sicht waren die vergangenen Wochen zu sehr nationalstaatlich und zu wenig europäisch geprägt. Die Zukunft Europas macht mir große Sorgen. Wir brauchen neue europäische Ideen in einer Welt nach der Pandemie.“
Laschet lobt enges Verhältnis von Seehofer und Merkel Laschet, hat auf die Frage, was er vom Vorstoß von Innenminister Horst Seehofer (CSU) für eine fünfte Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel hält, das enge Verhältnis der beiden Unionspolitiker gelobt: „Ich freue mich, dass Horst Seehofer und Angela Merkel jetzt so eng beieinander sind, dass er sich das vorstellen kann. Das ist ein gutes Signal für Deutschland“, sagte Laschet der  „Rheinischen Post“. Laschet fügte hinzu: „Darüber hinaus sollten wir respektieren, was die Kanzlerin selbst dazu gesagt hat.“

Musikgeschichte
Erkin Koray: Wegbereiter des Anatolischen Rock

Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Der bescheidene Musiker mit seiner E-Gitarre – Erkin Koray Im zarten Alter von fünf Jahren brachte ihm seine Mutter das Klavierspielen bei, die als Klavierlehrerin unterrichtete. Erkin Koray, einer der einflussreichsten Musiker der türkischen Rockmusik, gilt als Wegbereiter des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) und als einer der Künstler, der den psychedelic Rock in der Türkei etablierte. Dem Musiker schwebte eine Vermischung von anatolischen Musikelementen mit dem psychedelic Rock vor, aber auch der Hippie Rockmusik. Er wurde am 24. Juni 1941 in Istanbul geboren und spielte neben Klavier auch Gitarre. Koray besuchte das deutsche Gymnasium am Bosporus und gründete mit ein paar Schulfreunden die Band „Erkin Koray ve Ritimcileri“ (Erkin Koray und seine Taktgeber). Hin und wieder spielte er mit seiner Gruppe auf kleinen Veranstaltungen, bevor er mit 16 Jahren am Galatasaray-Gymnasium ein Klavierkonzert gab. Seine musikalische Begabung sprach sich rum, fortan spielte er in den Bars und Kneipen der Stadt. Seine ersten beiden Singles hießen „Bir Eylül Akşamı“ (An einem Septemberabend) und der englischsprachige Song „It’s So Long“, die 1961 erschienen. Das erwähnte Lied an einem Septemberabend ist in dem Video übrigens mit deutschen Untertiteln.
1968 nahm Koray am Musikwettbewerb „Altın Mikrofon“ (Das goldene Mikrofon) teil und belegte am Ende den 4. Platz. Eine Plattenfirma brachte die beiden Lieder von Koray „Meçhul“ (Unbekannt) und „Çiçek Dağı“ (Der Blumenberg) auf den Markt und landete damit einen echten Hit. Von beiden sollen jeweils über 800.000 Singles verkauft worden sein.
1969 gründete Erkin Koray die Band „Yeraltı Dörtlüsü“ (Das Untergrund-Quartett) und wurde damit zum Vorreiter der Underground Musik in der Türkei. Es folgten weitere Experimente mit Bandgründungen, aus dem der fast philosophisch anmutende Song „Aşka inanmıyorum“ (Ich glaube nicht an die Liebe) entstand und als die produktivste Schaffensphase dieses großen Musikers angesehen werden kann.
Fast legendär ist das Lied „Fesuphanallah“ (Mein Gott!), das gerne im Chor auf Festen und Clubs noch immer gesungen wird.
Über die melancholische Liebe eines jungen Paares thematisiert das 1974 veröffentlichte Lied „Cemalim“ (Mein lieber Cemal).
Man gerät zwangsläufig ins Schwärmen: Was für eine Stimme von Erkin Koray, die Melodie und der deutlich hörbare Sound der E-Gitarre. Der Künstler lebte viele Jahre in den Niederlanden, Deutschland als auch in Kanada. Nach seiner endgültigen Rückkehr in den 80er Jahren gelang ihm mit dem Song „Çöpçüler“ (Die Müllmänner) ein musikalisches Revival. Ein Lied über Liebeskummer und seine aufrichtige Suche nach dem verlorenen Glück. Hier ein Auszug aus dem Lied, das ich frei ins Deutsche übersetzt habe:
„In der Liebe habe ich kein Glück Ich weine und habe viele Sorgen Ich habe meine Liebe verloren Ich fragte und fragte, aber niemand hat es gefunden“.
https://www.youtube.com/watch?v=rXM9XMhiPx8&list=RDrXM9XMhiPx8&start_radio=1 1996 veröffentlichte Koray das Album „Gün ola Harman ola“ (Morgen ist ein anderer Tag), das die Erwartungen nicht erfüllen konnte, obwohl es gute Kritiken erhielt. Drei Jahre später, 1999, folgte das Album „Devlerin nefesi“ (Der Atem der Giganten). Der bescheidene Musiker, der respektvoll auch „Erkin Baba“ genannt wird, erklärte einmal auf die Frage, wann er denn von der Bühne abzutreten gedenke:
„Wenn die Bühne nicht von mir abtritt, kann ich von der Bühne nicht lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Sänger der Rolling Stones, Herr Mick Jagger, nicht aufhört, werde ich erst recht nicht aufhören.“
In diesem Sinne möge Erkin Koray ein langes Leben beschieden sein.

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– Musik – Barış Manço – Eine Hommage an einen einflußreichen Musiker

Inspiriert durch den Rock ’n’ Roll  der damaligen Zeit, gründete 1958 ein Jugendlicher aus Istanbul mit 15 Jahren seine erste Musikband mit dem Namen „Kafadarlar“ und ein Jahr später gab er sein erstes Konzert am Galatasaray-Gymnasium.

Barış Manço – Eine Hommage an einen einflußreichen Musiker
 
Kemal Bölge ist Politologe, Historiker, Verleger und freier Journalist

Spendenaffäre
Spende an Alice Weidel: Neue Spur zu Immobilienmilliardär Conle

Mainz – Bei der Suche nach dem unbekannten Großspender, der den Bundestagswahlkampf der AfD-Politikerin Alice Weidel mit verdeckten Zahlungen in Höhe von rund 132.000 Euro unterstützt hat, haben Ermittler eine neue Spur. Nach gemeinsamen Recherchen des „Spiegel“ und des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ erhärten in der Schweiz sichergestellte Kontounterlagen den Verdacht, dass hinter den getarnten Wahlkampfzuwendungen der Duisburger Immobilienmilliardär Henning Conle steckt. Geld war über Konten zweier Schweizer Pharmafirmen geflossen Das in Tranchen gestückelte Geld war im Bundestagswahlkampf 2017 über die Konten von zwei Schweizer Pharmafirmen an Weidels AfD-Kreisverband am Bodensee geflossen. Wie mehrere mit den Ermittlungen vertraute Quellen dem „Spiegel“ und „Report Mainz“ berichten, seien bei den Firmen zuvor entsprechende Zahlungen eingegangen, die Conle zugeordnet werden konnten. Leitender Oberstaatsanwalt: „Akten aus der Schweiz werden nun geprüft“ Auf Anfrage wollte die Staatsanwaltschaft Konstanz, die in dem Fall ermittelt, den Vorgang nicht kommentieren. Gleichzeitig bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth, dass seiner Behörde seit Kurzem Beweismittel vorliegen, die im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens von der Schweizer Justiz übermittelt wurden. Darunter befänden sich auch sichergestellte Kontounterlagen. „Die Akten aus der Schweiz werden nun geprüft, danach wird über den Fortgang des Verfahrens entschieden“, erklärte Roth. Jahrelanges juristisches Tauziehen Um die Kontounterlagen der Pharmafirmen hatte es ein monatelanges juristisches Tauziehen gegeben. Erst am 26. März hatte das Schweizer Bundesstrafgericht eine Beschwerde der Firmen abgewiesen und so die Herausgabe der Beweise an die deutschen Ermittlungsbehörden ermöglicht. Anwalt der Pharmafirmen hat „keine Befugnis“ zur Stellungnahme Zu den verdächtigen Geldtransfers auf den Konten der beiden Schweizer Pharmafirmen wollte der Anwalt der Unternehmen gegenüber „Report Mainz“ keine Stellungnahme abgeben. Er habe „derzeit keine Befugnis“, sich dazu zu äußern, teilte der Zürcher Rechtsanwalt Valentin Landmann auf Anfrage mit. Strohleute auf einer von der AfD eingereichten Liste mit Kontakten zu Conle Die Kontounterlagen sind nicht die einzige Spur zu dem Immobilienmilliardär Conle: Nachdem NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ die dubiose Wahlkampfhilfe an Weidels Kreisverband Ende 2018 publik gemacht hatten, reichte die AfD bei der Bundestagsverwaltung eine Liste mit den Namen von 14 angeblichen Spendern ein: Mehrere der aufgelisteten Personen entpuppten sich als Strohleute, einer von ihnen hatte geschäftliche Verbindungen zu Conle. Der gleiche Gönner, ein Geschäftsmann aus Belgien, taucht auch auf einer weiteren Liste mit sechs angeblichen Spendern auf, die 2017 eine Wahlkampagne des heutigen AfD-Europapolitikers Guido Reil im Wert von rund 44.500 Euro finanziert haben sollen. Sein Name erscheint auch auf einer dritten Strohmann-Liste mit zehn vermeintlichen Finanziers, die angeblich eine rund 90.000 Euro teure Wahlkampfhilfe für Parteichef Jörg Meuthen finanziert haben sollen. Auf der Meuthen-Liste finden sich neben dem belgischen Geschäftsmann sogar noch weitere Personen aus Conles Umfeld. Meuthen schweigt, Conle ist nicht erreichbar Über etwaige Kontakte zu dem Immobilienunternehmer schweigt AfD-Chef Jörg Meuthen beharrlich. Trotz mehrfacher Versuche war Conle, der sich in Zürich oder London aufhalten soll, für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Die Annahme so genannter „Strohmannspenden“, bei denen die Identität der eigentlichen Spender gezielt verschleiert wird, ist deutschen Parteien streng verboten. Trotz der dubiosen Umstände, unter denen die Spenden aus der Schweiz bei Weidels AfD-Kreisverband gelandet waren, hatte die Partei das Geld erst nach Monaten zurücküberwiesen. Parallel zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Konstanz prüft die Bundestagsverwaltung wegen möglicher Verstöße gegen das Parteiengesetz Sanktionen gegen die AfD: Der Partei drohen Strafzahlungen in dreifacher Höhe der Spenden aus der Schweiz, also rund 396.000 Euro.

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– Meinung – Bill Gates und seine angeblichen Steuerersparnisse

Bill Gates spart Steuern mit der Stiftung, lautet immer der Vorwurf. Das stimmt! Wenn es ihm aber um Geld gehen würde, hätte er nichts davon. Im Gegenteil.

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Extremismus
Dortmund: WDR-Journalisten von mutmaßlichem Rechtsextremem angegriffen

Dortmund – In Dortmund sind gestern (Samstag, 09.05.2020) Nachmittag zwei WDR-Journalisten angegriffen worden, die auf einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen drehten. Ein nach WDR-Erkenntnissen mutmaßlicher Rechtsextremer versuchte, einem der beiden Journalisten die Kamera aus der Hand zu schlagen. Dabei wurde einer der beiden WDR-Journalisten leicht am Kopf verletzt, sein Kollege blieb unverletzt. Die beiden WDR-Journalisten waren dabei, mit der Kamera zu dokumentieren, ob Dortmunder Rechtsextreme die Demonstration für ihre Zwecke missbrauchen und unterwandern. WDR-Chefredakteurin Gabi Ludwig betont: „Unsere Aufgabe ist es, Hintergründe zu recherchieren und Zusammenhänge aufzuzeigen. Von dieser Aufgabe lassen wir uns durch einen solchen Angriff nicht abbringen. So eine Tat ist nicht nur ein Angriff auf die Pressefreiheit, sie ist letztlich ein Bedrohung unserer Demokratie. Der Angreifer wurde von der Polizei festgenommen. Die beiden WDR-Journalisten haben Anzeige erstattet, der WDR prüft weitere rechtliche Schritte. Angriff auf ZDF-Team Am 1. Mai wurde in Berlin auch ein ZDF-Team von etwa 15 bis 20 teils vermummten Personen angegriffen. Satiriker Abdelkarim konnte rechtzeitig die Flucht ergreifen und die Polizei alarmieren. Seine Kollegen wurden zusammengeschlagen, blieben teils bewusstlos am Boden liegen. „Das war wie ein richtig hässliches Kriegsfilm-Bild, ein Haufen aggressiver Menschen, die auf andere wehrlose Menschen einschlugen. Manche lagen schon auf dem Boden. So etwas habe ich noch nie erlebt, so feige, brutal und asozial. Ich wusste sofort, dass ich keine Chance habe, da irgendwie zu helfen“, sagte er dazu am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Laut Medienberichten gehören die Angreifer zur linksextremen Szene  

Remdesivir
Medikament gegen Covid-19 schon bald verfügbar

Köln – Zur Bekämpfung der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 wird es schon in Kürze ein Medikament geben. Das Präparat Remdesivir „werden wir binnen Wochen oder weniger Monate zur Verfügung haben“, sagte der Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln, Gerd Fätkenheuer, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Fätkenheuer ist der deutsche Studienleiter eines internationalen Konsortiums zur Erforschung von Remdesivir, einem „abgelegten“ Ebola-Präparat. Die wegen der Corona-Pandemie im Rekordtempo vorangetriebene Studie sei „in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium“, so Fätkenheuer. „Wir können sagen: Remdesivir wirkt. Wir haben nachgewiesen, dass das Medikament bei einer Covid-19-Erkrankung den schweren Verlauf abmildert und verkürzt.“ Wesentliche Nebenwirkungen seien bislang nicht bekannt, müssten aber – ebenso wie der bestmögliche Einsatz von Remdesivir bei Covid-19-Patienten – noch weiter untersucht werden. Remdesivir sollte nach Fätkenheuers Worten einfach und günstig herstellbar sein. „Nach Berechnungen eines britischen Kollegen würde der Selbstkostenpreis mit einem kleinen Aufschlag bei etwa zehn Euro für eine zehntägige Behandlung liegen. Wie teuer es dann verkauft werden wird, ist eine andere Frage.“ Der Experte rief angesichts der an diesem Montag anstehenden weiteren Lockerungen von Corona-Beschränkungen dazu auf, die Bedrohung durch das Virus nach wie vor ernst zu nehmen. „Ich nehme überall wahr, dass bei den Menschen das Gefühl da ist: Wir können wieder loslegen. Ich verstehe das auch. Aber gerade deshalb sind wir jetzt an einem sehr kritischen Punkt. Denn auch das Virus ist da und kann jederzeit loslegen“, so Fätkenheuer. „Wir müssen befürchten, dass es sich jetzt schleichend, gleichsam unter dem Radar, ausbreitet und es zu der immer wieder genannten zweiten Welle kommt, die dann von unvergleichlich größerer Wucht sein wird.“ Der Mediziner warnte deshalb dringlich vor zu großer Lockerheit. „Wir müssen die Bedrohung durch das Virus weiter ernstnehmen und die Regeln beachten, die Regeln beachten, die Regeln beachten!“

Meinung
Bill Gates und seine angeblichen Steuerersparnisse

Gates, die Stiftung und die Steuer Von Sahin Karanlik Bill Gates spart Steuern mit der Stiftung, lautet immer der Vorwurf. Das stimmt! Wenn es ihm aber um Geld gehen würde, hätte er nichts davon. Im Gegenteil. Ich erkläre es so vereinfacht wie möglich. Bill Gates hat 80 Milliarden Dollar in Form von Microsoft-Aktien. Die Hälfte überträgt er an die Stiftung. Für die Dividende, die er für seinen Anteil jährlich bekommt, zahlt er 30% Steuern. Die Stiftung dagegen ist steuerbefreit. Gates bekommt, sagen wir mal, 4 Milliarden jährlich an Dividende und ihm bleiben davon 2,8 Milliarden, womit er schön feiern kann. Die Stiftung muss keine Steuern zahlen und hat die volle Summe. Mit der Dividende werden aber die Mitarbeiter und Projekte bezahlt. Das bedeutet: Bill Gates spart nicht 1,2 Milliarden, sondern verliert jedes Jahr 2,8 Milliarden. Außerdem sind die amerikanischen Steuerbehörden nicht bekloppt. Ich habe nachgesehen, sogar Chuck Norris muss Steuern zahlen, wogegen er zwar ankämpft, aber trotzdem nichts ausrichten kann. Wenn die Stiftung nicht ihrer Tätigkeit nachgeht, kann sie aufgelöst und die darin befindenden 40 Milliarden würden an andere ähnliche Stiftungen aufgeteilt werden. So geschehen bei Donald Trump. Der hatte auch eine Stiftung und hat das Geld für seinen Wahlkampf und für Werbung seiner Hotels missbraucht und war dann noch shoppen. As Strafe musste er Millionen an wohltätige Organisationen spenden. Dazu wurde die Stiftung von den Behörden aufgelöst und die Millionen darin wurden an andere Stiftungen verteilt. Die Stiftung selbst auflösen und das Geld zurückholen geht nicht. Das können auch seine Erben nicht, womit sie also nicht mal von der befreiten Erbschaftssteuer etwas hätten. Auch Geld, das die Stiftung mit Beteiligungen an Firmen verdient, bleibt in der Stiftung. Wenn eine Firma ein Corona-Impfstoff finden und herstellen sollte, an der die Gates-Stiftung beteiligt ist, hätte Bill Gates selbst finanziell nichts davon. Zusammengefasst: Bill Gates hat nichts von der befreiten Steuer, ein Impfstoff würde ihn nicht reicher machen und die Hälfte seines Vermögens ist auf Nimmerwiedersehen weg.  

Corona-Krise
USA: Höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg

Washington – In den USA ist die Arbeitslosigkeit inmitten der Corona-Krise extrem angestiegen. Infolge der Coronakrise haben in den USA so viele Menschen ihre Jobs verloren wie seit Jahrzehnten nicht. Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte, ist die Arbeitslosenquote auf 14,7 Prozent gestiegen. Seit März haben bereits mehr als 33 Millionen Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt. Nur während der Weltwirtschaftskrise in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in der US-Geschichte eine höhere Arbeitslosenquote. Damals erreichte die Quote rund 25 Prozent. Der Arbeitsmarktbericht berücksichtige Daten bis Mitte April.  Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten.

Corona-Krise
BGA: Corona-Virus wütet im Außenhandel

„Die Corona-Krise beginnt im Außenhandel beispiellose Spuren zu hinterlassen. Dabei sind wir im ersten Quartal noch mit einem blauen Auge davongekommen. In den kommenden Monaten werden wir uns an zweistellige Rückgänge gewöhnen müssen. Denn die Folgen des Lockdowns von 50 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, das Schließen von Grenzen gerade auch im europäischen Binnenmarkt, die weltweite Verhängung von Handels- und Reisebeschränkungen sowie massive Störungen in der See- und Luftfracht beginnen erst, ihre Spuren in der Statistik zu hinterlassen.“ Dies erklärt Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Berlin zur Entwicklung des deutschen Außenhandels. Zuvor hatte das Statistische Bundesamt die Außenhandelszahlen für März 2020 bekannt gegeben. Demnach wurden Waren im Wert von 108,9 Milliarden Euro exportiert. Damit sind die Exporte im Vorjahresvergleich um 7,9 Prozent gesunken. Mit einem Warenwert von 91,6 Milliarden Euro sind die deutschen Importe im Vorjahresvergleich um 4,5 Prozent gesunken. Die Außenhandelsbilanz schloss damit mit einem Überschuss von 17,4 Milliarden Euro ab. „88 Länder haben in den letzten Monaten neue Handelsbeschränkungen eingeführt. Selbst innerhalb des europäischen Binnenmarktes bestehen massive Einschränkungen. Eine Störung oder gar Unterbrechung der Güterströme und Lieferketten führt zu schweren wirtschaftlichen Schäden. Es nützt nichts, wenn wir in Deutschland die Wirtschaft wieder hochfahren, die Vorprodukte aber nicht zur Verfügung stehen oder wenn man die Waren aufgrund fehlender Container oder wegen Landenschließungen nicht zum Kunden bekommt. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass gerade unsere Exporte in die Eurozone eingebrochen sind. Nur gemeinsam werden wir aus dieser Krise kommen. Mit großer Sorge beobachten wir jedoch das Auseinanderdriften innerhalb der EU. Auch mit Blick auf die anstehende Ratspräsidentschaft muss Deutschland die Europäische Gemeinschaft wieder stärken und zusammenführen. Je schneller dies gelingt, desto schneller werden wir auch wieder aus dieser Krise herauskommen“, so Bingmann abschließend.