Kommentar
Anschlag in Hanau: Deutschtürken werden als fremdartige Monster imaginiert

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wenn ein extremistischer Terrorist in Hanau auf Menschen in Shisha-Bars schießt, fragt er nicht vorher nach ihrer Herkunft, Religion, Glaubensrichtung, politischer Gesinnung oder nach der Staatsangehörigkeit. Das kann der Terrorist nicht. Dieser Terrorist unterscheidet auch nicht zwischen Christen, Atheisten oder Muslimen, Sinti oder Roma, Bosniern, Deutschen oder Türken. Das kann der Terrorist auch nicht. Seine Intention ist, so viele wie möglich und so schnell wie möglich zu töten. Man nennt diesen Täter Terrorist, weil er Terror verbreitet. Man kann diesen Täter als Irren bezeichnen, man kann diesen Täter auch als psychologisch Krank bezeichnen, aber das haben nun mal Terroristen so an sich. Nur irre, psychologisch kaputte Menschen kommen auf die Idee, andere Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit oder politischen Einstellung zu töten. Hanau und die Verrohung: Wie man Opfer auseinanderdividiert Dann gibt es noch ganz andere Irre. Irre, die mit ihrer spitzen Feder die Opfer von Hanau auseinanderdividieren, um daraus politischen, ideologischen und privaten Kapital daraus zu schlagen. Dazu gehören Personen aus dem Kreise der AfD, aber auch anderen Parteien und vor allem Aktivisten sowie gänzlich ideologisierte Menschen. Ein Prachtexemplar heißt Ronya Othmann, eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin. Dieses Prachtexemplar schickt sich an, die Teilnahme einer Deutschen mit türkischen Migrationshintergrund in einer TV-Talkshow zu kritisieren. Der Vorwurf lautet:
„Unter den Opfern in #hanau waren Kurden. Viele Kurden sind vor antikurdischem Rassismus nach Deutschland geflohen. Wieso wird Kübra Gümüşay eingeladen, die zu dem antikurdischen Rassismus schweigt und kurdische, êzîdische, alevitische Kritiker*innen blockiert?“
(Screenshot/Twitter)
Als ob es nicht reicht, dass die Opfer von einem extremistischen Täter getötet wurden, die Angehörigen in tiefer Trauer sind, zieht Othmann alle Register und poltert, nur wenige Stunden nach dem Terroranschlag, gegen Kübra Gümüşay, die als Gast an einer Talkshow teilnehmen soll. Ihr einziges Vergehen besteht darin, einen türkischen Migrationshintergrund zu besitzen und nicht die Ideologie zu teilen, die Othmann vehement vertritt So dachte der Terrorist von Hanau auch, er arbeitete auch mit Zuschreibungen. Er zog alle Register und tötete einen „Fremden“ nach dem anderen, insgesamt neun, danach die eigene Mutter und sich selbst. Er machte dabei jedenfalls keinen Unterschied zwischen Kurden oder Türken. Aber Ronja Othmann macht das. Ihre Zuschreibungen sollen marginalisieren, sie sind zudem verroht. Hinter der Rhetorik verbirgt sich lediglich Antitürkismus und Propaganda gegen Türken. Die Propaganda entspricht der Linie der völkischen Kurden der PKK: Kübra Gümüşay und Konsorten hätten den türkischen Nationalismus nach Deutschland eingeschleppt und sie würden zum antikurdischen Rassismus schweigen. Nicht umsonst wird diese Zuschreibung gemacht. Das Tatsächlich in Deutschland vorhandene Problem des Rechtsextremismus und insbesondere der Gewalt gegen Migranten wird vollständig auf die Türkei und die Türken projiziert. Türkische Einwanderer oder Deutsche mit türkischen Migrationshintergrund werden angesichts der ihnen zugeschriebenen unüberwindlichen wertekulturellen und ideologischen Unterschiede zu ihresgleichen als schlechthin fremdartige Monster imaginiert. So wird die reale Gefahr für Migranten, terroristische Gewalt zu erleiden, zu einer Bedrohung des deutschen wie „kurdischen Volkes“ umgedeutet. Dazu kapert Ronja Othmann gern einmal auch die Rhetorik des ihr verhassten Rechtsextremismus und dividiert die Opfer auseinander. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Anschlag in Hanau
DIHK-Chef warnt vor negativen Folgen für deutsche Wirtschaft durch Hanau

Düsseldorf – DIHK-Präsident Eric Schweitzer hat den Terroranschlag in Hanau verurteilt und vor negativen Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft gewarnt. „Wir haben uns in Deutschland auch deshalb wirtschaftlich so erfolgreich entwickelt, weil wir eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft sind“, sagte Schweitzer der Düsseldorfer „Rheinischen Post„. „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich gegen alles, was Hass und Gewalt schürt“, sagte er. „Weltoffenheit, Toleranz und grenzüberschreitender Austausch zahlen sich nicht nur in der Handelsbilanz aus. Sie sind zentrale Werte unseres auf Zusammenarbeit, Kreativität und Entfaltung angelegten Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells“, betonte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). 40 Prozent aller neuen Unternehmen würden von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet. „Sie tragen zum Wohlstand des Landes und gesellschaftlichen Zusammenhalt bei“, sagte Schweitzer. Die deutsche Wirtschaft sei zudem dringend auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. „Ausländerfeindliche Tendenzen prägen das Bild Deutschlands in aller Welt negativ – und schrecken verständlicherweise gute Fachkräfte ab“, warnte der DIHK-Chef.

Zum Thema

Rechtsterrorismus in Hanau: Unter den Toten war auch eine Schwangere

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am Mittwochabend im hessischen Hanau bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag an mindestens vier verschiedenen Tatorten zehn Menschen und sich selbst erschossen.

Rechtsterrorismus in Hanau: Unter den Toten war auch eine Schwangere
   

Extremismus
Kommentar: PKK und AfD gleichen sich

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Die AfD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen sorgt mit einer Art Malbuch für Aufregung. Es zeigt zum Beispiel bewaffnete Menschen mit türkischen Flaggen. Die Partei selbst weist Rassismus-Vorwürfe zurück und spricht von Satire. Eine „besonders ernstzunehmende“ rechtsextremistische Gruppe plante offenbar bundesweit Angriffe auf sechs Moscheen, um „bürgerkriegsähnliche Zustände“ auszulösen und so die Gesellschaftsordnung ins Wanken zu bringen. Der Forderung der Türkisch-Islamischen Union DITIB, angesichts der ernsten Bedrohungslage den Schutz der Muslime und Moscheen auszuweiten, wollen die Bundesländer nicht nachkommen. Das ist auch Satire. „Rechtsextreme“ und „Linksextreme“ in Deutschland Satirisch ist auch die gleichlautende Logik der Rechts- wie Linksextremen, mit Massenmorden an Betenden einen grundlegenden Wandel herbeiführen zu können. Hier gibt es frappierende Ähnlichkeiten. Wohlgemerkt, ich spreche von völkischen Kurden wie Deutschen, einerseits den Anhängern und Aktivisten der PKK und andererseits die der „Gruppe S.“ Die PKK ordnet seit Jahren Angriffe auf Moscheen, ihre Schergen in Europa setzten diesen dann auch um; so geschehen z.Bsp. im September 2011. Da versuchten rund 25 Personen eine Moschee der DITIB in Bielefeld zu stürmen, in der sich zu der Zeit Betende aufhielten. Sie kamen jedoch, wie beim Angriff eines Rechtsextremisten auf eine Synagoge in Halle im Februar 2020, nicht weit. Wenn die Logik der Massenmorde an Betenden darin liegt, diese zu Gewalt zu provozieren, könnte das daran liegen, dass nicht die Mehrheit der Betenden, sprich Muslime, Türken, Juden oder Israelis ein Gewaltproblem haben, sondern die Mehrheit dieser völkischen Brut. Der ehemalige Osten hat mit Abstand den niedrigsten Ausländeranteil aller deutschen Bundesländer, aber dennoch ist gerade hier der Extremismus explodiert. In der Türkei hat der Osten die völkisch-kurdische Partei HDP mit einem geringen Wahlanteil gewählt, aber gerade dort explodiert die Gewalt, wenn es nicht nach dem Willen der HDP geht. Fakten interessieren diese Kreise nicht, stattdessen Propaganda wie die der AfD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, die mit einem Malbuch potentielle Wähler mit ihren Kindern begeistern wollte. Begeisterte Kinder sieht man auch bei PKK-Protestkundgebungen in Europa: hier marschieren die Zöglinge an vorderster Front in Kampfmontur vor dem Protestzug. AfD und PKK gleichen sich Übrigens, was die AfD machen kann; den Schlächter von Syrien, Assad zu besuchen, dass kann die YPG/PKK/SDF besser. Sie haben sich der syrischen Armee angeschlossen, um eine gemeinsame Großoffensive in Aleppo durchzuführen. Wie sich Hass und Rassismus gleichen… Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
   

Anschlag in Hanau
Rechtsterrorismus in Hanau: Unter den Toten war auch eine Schwangere

Hanau – Ein 43-jähriger Deutscher hatte am Mittwoch Abend bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag an mindestens vier verschiedenen Tatorten im hessischen Hanau, zehn Menschen und sich selbst erschossen. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts. Wie der Spiegel berichtet, wurde der Vater von der Polizei vorläufig festgenommen. Medienberichten zufolge hatten neun der Todesopfer einen Migrationshintergrund und vier der fünf Verletzten ausländische Wurzeln. Laut einer Mitteilung der türkischen Botschaft in Berlin, waren fünf der Todesopfer türkische Staatsangehörige. Wie die „Bild“ berichtet, soll sich unter den Opfern auch eine zweifache Mutter befinden, die zum Tatzeitpunkt schwanger war. Grünen-Chef Robert Habeck hat nach dem Anschlag ein härteres Durchgreifen gegen Rechtsextremismus und Rassismus gefordert. „Wir dürfen uns nicht an solche Taten gewöhnen“, sagte Habeck am Donnerstag in Berlin. „Und dann muss die konsequente Verfolgung und die Prävention aller solcher Taten des Rechtsextremismus, des Rassismus, unbedingte Priorität allen politischen Handelns sein“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Grünen-Politiker. Die Türkei hat den Anschlag als „rassistischen Angriff“ verurteilt und eine schnelle Aufklärung gefordert. „Wir erwarten von den deutschen Behörden maximale Anstrengungen, um den Vorfall aufzuklären“, schrieb der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Donnerstag auf Twitter. Attentäter erschießt auch eigene Mutter Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22 Uhr am Heumarkt in der Innenstadt. Wenig später fielen auch im etwa zwei Kilometer entfernten Stadtteil Kesselstadt Schüsse. Anschließend fuhr der mutmaßliche Täter, Tobias R., Ermittlern zufolge in seine Wohnung, wo er seine 72-jährige Mutter und schließlich sich selbst getötet haben soll, berichtet der Spiegel weiter.

Zum Thema

– Rechtsterrorismus – Kommentar: Attentat von Hanau ist der vorläufige Tiefpunkt in Deutschland

Heute ist ein grauenvoller und entsetzlicher Tag für Deutschland. Die menschenverachtenden Taten von Hanau machen uns sprach- und fassungslos.

Kommentar: Attentat von Hanau ist der vorläufige Tiefpunkt in Deutschland
     

Analyse
Kommentar: Türkisch-amerikanische Partnerschaft steht vor einer Belastungsprobe

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Seit mehr als sechs Jahrzehnten pflegen die USA eine wichtige strategische Partnerschaft mit der Türkei als Schlüsselelement der US-Strategie in Eurasien und im Nahen Osten. Diese Partnerschaft wurde des Öfteren belastet, so u.a. in der Zypern-Frage. Heute steht diese Partnerschaft erneut vor einer Belastungsprobe. Diesmal aber in Syrien, in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer. War zu Beginn des Kalten Krieges die Partnerschaft der Türkei mit den USA bis zum Zusammenbruch der UDSSR und des Warschauer Paktes bis auf die Zypern-Intervention von 1974 relativ gut, ist sie seit 2016 sichtlich zerrüttet. War die Partnerschaft ein Garant dafür, den sowjetischen Expansionismus zu kontrollieren, wird diese gegenwärtig nur durch den Nordatlantikvertrag (NATO) zusammen gehalten. Hier soll die Türkei an der Schnittstelle von drei Regionen für die Sicherheit und Interessen der USA und der NATO eine gewichtige Rolle spielen. Diese Rolle will die Türkei nicht mehr uneingeschränkt einnehmen. In den letzten Jahren hat sich diese Partnerschaft angespannt, da die Interessen und Einschätzungen der USA, der Europäer und der Türkei bei verschiedenen Herausforderungen nicht mehr so ​​gut aufeinander abgestimmt sind wie früher. Seither kommt es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Politik zur Bewältigung vieler dieser Herausforderungen. Die Spannungen in den Beziehungen der Türkei zu den USA, den Europäern und anderen Nachbarn haben diese Belastungen verschärft. Welche Strategie verfolgt die Türkei nun? Offensichtlich dieselbe Strategie, die sie während der Krise mit Syrien in Zusammenhang mit der Terrororganisation PKK und dem ehemaligen syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad (Vater von Baschar al-Assad) bis 1991 verfolgte und mit der Verhaftung von Abdullah Öcalan vorerst endete, wie auch während der Zypern-Krise nach 1964 bis 1974, die mit der türkischen Kontrolle der nördlichen Inselhälfte endete. Es gibt seit der jüngsten Republiksgeschichte zwei maßgebliche Doktrinen, von denen eins der ehemalige türkische Marineoffizier Cem Gürdeniz ausgezeichnet beschrieben hat: „Blaues Land“, auf Türkisch „Mavi Vatan“ und das andere „Mutterland“, auf Türkisch „Ana Vatan.“ Seit der türkischen Republiksgeschichte hat die Sicherheit und die Existenzsicherung des „Mutterlands“ höchste Priorität. Die Terrororganisation PKK genießt sozusagen seit 1983 höchste Aufmerksamkeit. Ihr Bestreben richtet sich laut dieser Lesart der Zersetzung und Aufhebung dieser Ordnung, dem Einhalt geboten werden muss. Es gab in der jüngeren Republiksgeschichte andere Gefahren im „Mutterland“, der man ebenso begegnete und ausschaltete. So u.a. die Aufstände der islamischen Geistlichen, die der Kocgiri, des Scheich Saids, die in Ararat oder in Tunceli. Alle wurden militärisch niedergeschlagen. Dann gilt es noch die Sicherheit im Mittelmeer, am Schwarzen Meer und in der Ägäis zu gewährleisten. Im östlichen Mittelmeer wurde die Sicherheit in Zypern erst mit dem Londoner Garantievertrag von 1959 gewährleistet, als die dann nicht mehr griff, mit der Kontrollübernahme von 1974. In der Ägäis wird die Sicherheit gegenüber Griechenland mit dem Status quo der Eilande gesichert. Bis vor kurzem kam es daher immer wieder zu Vorkommnissen in der Luft oder auf dem Wasser, ohne dass es dabei zu gravierenden Scharmützeln zwischen diesen zwei NATO-Mitgliedern kam. Und zuletzt sorgt bislang am Schwarzen Meer, an den Dardanellen, dem Marmarameer und dem Bosporus der Vertrag von Montreux (auch Meerengen-Abkommen) seit 1936 für Sicherheit. Gegenwärtig sind beide Doktrinen gefragter denn je. Die PKK bedroht die Sicherheit des „Mutterlandes“ massiv und wie noch nie zuvor, auch wenn sich die Bedrohungslage scheinbar ins Nachbarland Syrien verlagert hat. In Nordsyrien ist es einerseits die westlich gelegene Region Idlib, andererseits die östliche Region entlang der türkischen Grenze, die die innere Sicherheit massiv bedrängen. Auf der anderen Seite ist es das „Blaues Land“, die stark in Bedrängnis geraten ist. Mit dem Fund von Gasvorkommen unter dem östlichen Mittelmeer, hat sich Griechenland angeschickt, die Rechte der zypriotischen Türken zu beschneiden und dabei auch den Festlandsockel der Türkei im östlichen Mittelmeer wie auch in der Ägäis infrage zu stellen. Das wird mitunter mit gemeinsamen Militärmanovern von Griechenland, Zypern, USA und etlichen europäischen Staaten machtvoll demonstriert. Welche Doktrin ist aber nach Ansicht der Türkei gefährdeter oder benötigt mehr Aufmerksamkeit? Das ist die entscheidende Frage! Nach wie vor sollte die Doktrin über das „Mutterland“ höchste Priorität genießen. Dazu gehört, dass die Terrororganisation PKK auch in Nordsyrien verfolgt und ausgeschaltet wird. Es führt daran kein Weg vorbei, was offenbar nicht nur in der türkischen Armee Konsens ist, sondern auch von der politischen Führung verfolgt wird. Dann gibt es noch die syrische Region Idlib, die das „Mutterland“ ernsthaft in Gefahr bringen kann. Idlib ist seit dem Sotschi-Abkommen zwischen der Türkei, Russland und Iran seit Ende 2018 eine von der Türkei kontrollierte Pufferzone. Mittlerweile ist es zum Aufmarschgebiet der türkischen Armee geworden, nachdem syrische Regimekräfte zwei Angriffe auf türkische Wachposten gestartet hatten. Die Türkei hat reflexartig diese Angriffe vergolten und auch unmissverständlich deutlich gemacht, jeden weiteren Angriff massiv zurückzuschlagen. Auffallend ist dabei, dass die USA erst jetzt der Türkei in der Idlib-Frage uneingeschränkt und offenbar selbstlos zur Seite stehen. Besser noch, US-Präsident Trump ermahnt den russischen Präsidenten Putin, sich zurückzuhalten, während der US-Syrien-Sonderbeauftrage James Jeffrey sich anschickt, die Türkei darin zu ermuntern, massiv und ohne abzuwarten zurückzuschlagen. Eine Botschaft, die es in sich hat, aber mit Vorsicht zu genießen ist. Wie schon bekannt, hat sich die USA, hat sich Trump in der Frage zu Nordsyrien in den Augen der Türkei nicht gerade vorbildlich und partnerschaftlich verhalten. Was Obama begonnen hat, der PKK in Nordsyrien den Boden zu ebnen, führt Trump konsequent fort, auch wenn die USA sich augenscheinlich aus der Region zurückgezogen haben wollen. Die USA sind nicht nur dafür bekannt, Rebellengruppen oder Diktaturen in der Region zu unterstützen, sondern sie nach erledigter Arbeit auch zu bekämpfen, sofern die nicht mehr dieselben Interessen verfolgen. Das haben die Afghanen, Libyer, Iraker und Iraner mitgemacht und noch viele andere Länder in der Region, wie auch in Lateinamerika oder Nordafrika. Auch die Türkei wurde immer wieder von den USA auf den Kopf gestellt, Putsche waren die Folge. Mit Russland pflegt die Türkei seit dem Zusammenbruch der UDSSR wirtschaftliche Beziehungen. Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges ist die Türkei aber auch eine Größe, wenn es um die Interessen der Russen im Mittelmeer geht. Mit der Militärbasis Latakia unterhält Russland einen verlängerten Arm im Mittelmeer, ohne dabei viel Rücksicht auf das Meerengen-Abkommen nehmen zu müssen. Um beiden Doktrinen gerecht zu werden, muss die Türkei mit Russland im Gespräch bleiben und die USA und deren Interessen zurückstellen. Die USA nehmen derzeit den türkischen Aufmarsch in Idlib geradezu frenetisch auf, was die Türkei aufhorchen lassen sollte, zumal zur selben Zeit die USA nach wie vor die PKK in Nordsyrien unterstützt und sogar unverhohlen diplomatische Beziehungen unterhält. In diesem Zusammenhang muss die Türkei mit Russland allein und nicht mit dem syrischen Machthaber Assad weiterhin in Kontakt bleiben sowie eine Lösung in Idlib herausschlagen, jedoch auch energisch bleiben, wenn es um die Pufferzone in Idlib sowie die Frage im östlichen Grenzverlauf geht. Keinesfalls darf die Türkei in Syrien in einen blutigen Religionskrieg hineingezogen werden, den die USA mit Afghanistan gestartet, mit dem Irak fortgesetzt und mit Syrien einen vorläufigen Abschluss erzielen will. Höchste Priorität gilt daher dem „Mutterland“ und danach dem „Blauen Land“, die mittlerweile miteinander verwoben sind, seit dem sich die USA im östlichen Mittelmeer wie in der Ägäis zusammen mit den Europäern auf die Seite Griechenlands und Zyperns geschlagen haben. Hier muss die Türkei mit Russland dahingehend übereinkommen, dass Assad mit der PKK nicht mehr zusammenarbeitet, die Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien von der PKK gesäubert wird. Damit wäre vorerst diese Gefahr gebannt und die nächste Gefahr könnte angegangen werden. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Hamburg
Kommentar: CDU-Politiker droht türkischem Journalisten

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Das mit dem gefälschten Universitätsabschluss kommt in höchsten deutschen Staatsämtern vor. Offenbar sind Doktortitel begehrt und ein Statussymbol in der Politik. Ehrlichkeit und Authentizität kommen dabei zu kurz, wie man es am Beispiel des deutschen Politikers kurdischer Abstammung, Ali Ertan Toprak (CDU), feststellen kann. Eine Software treibt seit einigen Jahren Politikern die Schweißperlen auf die Stirn, weil es zuverlässig Fälschungen in akademischen Arbeiten entdeckt. Die Liste deutscher Dissertationen mit Plagiaten wird seither immer länger. Die Aberkennung des Doktorgrades oder eine Rüge der Universität droht, manche verloren dadurch ihr Amt und Würden. Während Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vor kurzem damit konfrontiert wurde, in mehr als jeder dritten Seite abgeschrieben zu haben, wird dem CDU-Politiker und Kandidat der Bürgerschaftswahl 2020 in Hamburg, Ali Ertan Toprak, vorgeworfen, in quasi mehr als drei Seiten geflunkert zu haben. Ein Journalist aus Hamburg treibt derzeit Toprak die Schweißperlen auf die Stirn. Was war passiert? In mehr als drei Internetseiten, darunter der Kurdischen Gemeinde Deutschland – als führender Repräsentant, im Wikipedia-Eintrag, in sozialen Netzwerkprofilen wie Facebook oder auf der Internetplattform Abgeordnetenwatch wird angegeben, Ali Ertan Toprak habe in Münster Rechtswissenschaften und in Essen Sozialwissenschaften studiert. Der Lebenslauf des Politikers liest sich in etlichen Interneteinträgen genauso. Dieser Eigenzuschreibung von Toprak ging der Journalist der türkischsprachigen Internetzeitung Gazetehamburg, Zafer Özpolat, zur bevorstehenden Bürgerschaftswahl in Hamburg nach. Sein Fazit: Ali Ertan Toprak hat gar keinen Studienabschluss, schon gar keine wissenschaftliche Examensarbeit in Rechtswissenschaften oder in Sozialwissenschaften, weder in Münster, noch in Essen. Außerdem kann Toprak ziemlich abschweifend antworten, aufmüpfig werden und letztendlich Drohungen aussprechen, wenn es die politische Karriere belastet, stellt Özpolat nüchtern fest. Wenn jemand wie der CDU-Politiker, Mitglied des Bundesintegrationsbeirats und ZDF-Fernsehratsmitglied Ali Ertan Toprak öffentlich ständig unterstreicht, Rechtswissenschaften und Sozialwissenschaften studiert zu haben, dann impliziert er damit einen Studienabschluss und gaukelt dem Wahlvolk vor, ein Akademiker zu sein, eine geballte Ladung an akademischen Wissen zu besitzen, was ihn offenbar dazu befähigt, Politiker zu sein. Aber ein Studium ist gar nicht unbedingt Voraussetzung, um Politiker zu werden. Die CDU setzt nicht voraus, ein Studium abgeschlossen zu haben. Rund 20 Prozent der Politiker im Bundestag haben nämlich überhaupt keinen Studienabschluss. Wieso hatte aber Toprak das Bedürfnis, eine migrantische Aufsteiger-Geschichte über Recklinghausen, Münster, Essen bis hin nach Hamburg zu erzählen? Fest steht, dass dies systematische Täuschung ist. Das ist in etwa so wie vorzugeben, die Pilotenausbildung und Kapitänsausbildung besucht zu haben, was einen nicht bemächtigt, sich als Pilot einer A380 oder Kapitän zur See auszugeben. Vor allem geht es gar nicht, einen Journalisten mit Fachanwälten und hohen Schadensersatzansprüchen zu drohen – weil man dazu selbst nicht in der Lage ist. Zudem wirkt es albern, wenn man dem Journalisten unterstellt, von der Hamburger SPD Geld dafür bekommen zu haben. An der Ehrlichkeit und Authentizität muss Ali Ertan Toprak deshalb noch arbeiten, wie so viele andere Politiker, die sich dem Plagiatsvorwurf schuldig gemacht haben. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
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Türkei
Kommentar: Erdogan und die Mär über das gefälschte Diplom

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wer Präsident der Türkei werden will, muss vier Jahre studiert haben und einen Hochschulabschluss vorweisen. An der Diplomurkunde Recep Tayyip Erdogans wird aber gezweifelt, seit er im Amt und Würden ist. Zweifeln ist erlaubt, aber krankhaften Zweifel nennt man umgangssprachlich Zwangsgedanken. Es ist eine psychiatrische Erkrankung. Yusuf Halacoglu, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der MHP, war 2015 nach den Wahlen von 2014 einer der ersten, der öffentlich erklärte, Recep Tayyip Erdogan habe keinen Diplom. Prompt wurde Halacoglu von Erdogan verklagt. Wie es endete, können nur Halacoglu und Erdogan sagen. Die politisch-populistische Einlage von Halacoglu zeigte ihre Wirkung aber nicht den gewünschten Erfolg. Halacoglu ist jedenfalls seither still und Erdogan noch im Amt. Mitte 2016 sah sich die Marmara-Universität dann auf Druck der Öffentlichkeit und Medien gezwungen, eine Erklärung abzugeben und den Gerüchten um das Diplom von Erdogan ein Ende zu setzen. Erdogan habe laut der Universität ein vierjähriges Studium absolviert und das Diplom in Wirtschaftswissenschaften erlangt. Wer meint, damit wären die Gedanken rein, das Gewissen beruhigt, die Debatte beendet, der irrt. Seither wird nicht nur in der Türkei, sondern auch in Europa und insbesondere in Deutschland gerätselt, weshalb bei der Kopie des Diploms die Erdogan für das Präsidentenamt vorgelegt habe, der Name der Fakultät anders heißt, weshalb das Diplom älter ist als die Universität selbst, weshalb das Bild von Erdogan auf der Kopie des Diploms fehlt, warum dort die Unterschrift nicht gesetzt ist und da etwas anderes steht als bei anderen Absolventen der Marmara-Universität. Zwar hatte der Rektor der Marmara-Universität, Prof. Dr. Zafer Gül, auch hierzu breit und tief Erklärungen parat; was es unter anderem mit dem Alter des Diploms, der Namensungleichheit der Fakultät, der Universität und anderen Widrigkeiten auf sich hat, aber das, was danach folgte, übersteigt inzwischen jene Fantasie, die sich bis heute um den Terroranschlag 9/11, Area 51 oder Elvis Presley dreht. Es half auch nicht mehr, dass die Tageszeitung Cumhuriyet zähneknirschend einräumen musste, dass das Diplom offenbar keine Verschwörungstheorien zulässt. Auch Ayse Hür konnte aus dem US-amerikanischen Exil heraus ihre ersten gehegten Zweifel aus den Köpfen der Verschwörungstheoretiker verbannen und es brachte auch nichts, dass unter anderem der Istanbuler Abgeordnete der Oppositionspartei CHP, Aydın Ayaydın, auf populistische Anregung des völkisch-kurdischen Politikers Selahattin Demirtas (Demirtas forderte Jahrgangsstudenten oder Professoren auf, das Studium von Erdogan zu bestätigen) hinerklärte, er habe während des vierjährigen Studiums Erdogan selbst gesehen bzw. als Assistent im Unterricht und während der Prüfungen Erdogan begleitet. Mittlerweile werden aber auch Gerichte für diese Verschwörungstheorie herangezogen. Es gibt latente Patienten, zu denen sich auch eine kommunistische Partei namens HKP hinzugesellt hat, die seither daran festhalten, woran sie verzweifelt glauben wollen. Die HKP hat ja das Recht, mit einer Klage den Rechtsweg in der Türkei voll auszuschöpfen, um zu beweisen, dass das Diplom von Erdogan eine Fälschung ist, aber damit bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiterziehen wollen oder vor dem Gericht in Straßburg eine Protesteinlage hinlegen? Offenbar grassiert der Kult um Erdogan nicht nur bei hartgesottenen Erdogan-Anhängern, sondern auch und vor allem bei seinen Gegnern. Letztere profilieren sich mit seinem Namen und können dabei auf Publicity setzen, ihr eigenes Profil bekannt machen und dabei auf Unterstützung hoffen. Wenn aber Zwangsgedanken und Aberglauben außer Kontrolle geraten, dann wird es zu einer Krankheit, zu einer psychiatrischen Erkrankung. Da hilft dann auch kein weltliches Urteil. Vor allem in Deutschland ist man geradezu vernarrt in Erdogans gefälschtes Diplom. So sehr, dass die Presse zwar tiefgründig über die Debatten aus der Türkei berichtet, aber den Ausgang der Debatten bislang geflissentlich übergeht. Sobald etwas in irgendeiner Weise den Horizont mancher Bauerntrampel übersteigt, wird das stillschweigend zur Kenntnis genommen, aber sich je keine Blöße geben. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
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Rechtsterrorismus
Kommentar: Attentat von Hanau ist der vorläufige Tiefpunkt in Deutschland

Von Yasin Baş Noch vor wenigen Tagen wurden zahlreiche Mitglieder einer rechtsterroristischen Gruppierung bei einer bundesweiten Razzia festgenommen. Viele Menschen waren erleichtert, dass Deutschland vor einem weiteren rechtsterroristischen Anschlag verschont geblieben war. Diese Erleichterung sollte bedauerlicherweise nur von kurzer Dauer sein. Denn in der Nacht vom 19. Februar sind in der hessischen Stadt Hanau elf Menschen erschossen worden, darunter der mutmaßliche Schütze sowie seine Mutter. Nach der Serie von Bombendrohungen und Angriffen auf mehrere Moscheen in der letzten Woche sind wir am absoluten Tiefpunkt angekommen: Dem Auslöschen von Leben! Dem Töten! Der Zerstörung! Heute ist ein grauenvoller und entsetzlicher Tag für Deutschland. Die menschenverachtenden Taten von Hanau machen uns sprach- und fassungslos. Es fällt schwer, diese Zeilen zu schreiben, weil Eltern urplötzlich ihre Kinder verloren haben. Es fällt schwer, weil Kinder ihre Mütter und Väter verloren haben. Es fällt schwer, weil Geschwister, Verwandte und Freunde unerwartet nicht mehr da sind. Unter den Opfern von Hanau befinden sich auch Gemeindemitglieder von Moscheen. Auch die Moscheen in Hanau hatten zuvor Drohungen erhalten. Eltern berichten, dass sie als die ersten Eilmeldungen publik wurden, ihre Söhne und Töchter anriefen, um zu fragen wo sie sich befänden und baten sie, nach Hause zu kommen. Das zeigt, dass sich die Angst und Unsicherheit immer mehr in unsere freie Gesellschaft ausbreitet. Genau das bezwecken diejenigen, die unsere Gesellschaft spalten und unser funktionierendes demokratisches System vernichten wollen. Seit Jahren mahnen migrantische oder muslimische Organisationen vor der stetig wachsenden Zahl von Drohungen, Angriffen und Diskriminierungen. Die statistisch erfassten Zahlen, die bei weitem nicht das wahre Ausmaß der Übergriffe, Gewalttaten, Beleidigungen oder Schmähungen zeigen, dürften nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Das Unheil wird unaufhörlich vorausgesagt, findet jedoch oftmals wenig Gehör. Diese „Kassandrarufe“ müssen endlich ernst genommen werden. Zivilgesellschaftliche Verbände, Medien, Politik, Justiz- und Sicherheitsbehörden sowie Familien-, Bildungs- und Erziehungsbehörden müssen endlich Hand in Hand ein Zeichen setzen und gegen menschenfeindliche Gewalt aufstehen. Forschungsergebnisse, wonach rechte, extremistische, islamfeindliche, rassistische und menschenverachtende Gedanken und Überzeugungen immer weitere Teile der gesellschaftlichen Mitte erfassen, zeigen uns, dass wir größere Anstrengungen unternehmen müssen, um diese, unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu schützen. Diese liberal- solidarische Ordnung muss sich wehrhaft gegen seine Feinde zeigen. Es ist erstaunlich, welche Parallelen es zwischen dem Christchurch-Attentäter, dem Rechtsterroristen von Halle und dem mutmaßlichen rechtsextremen Amokschützen von Hanau gibt. Auch die rechtsterroristische Gruppe S., die letzte Woche aufflog, kann man hierzuzählen. Bei allen spielte das Internet eine besondere Rolle. Die terroristischen Netzwerke bilden sich nicht mehr persönlich und lokal, sondern immer mehr virtuell und global. Die Radikalisierung spielt sich im Schutze der vermeintlichen Anonymität im Netz ab. Man sollte fragen, ob Teile der Sicherheitsbehörden gerade bei Rechtsextremen zu lange beobachten und zu spät in den Prozess der Radikalisierung eingreifen. Die Tradition des langen Beobachtens hat sich möglicherweise beim Rechtsextremismus nicht bewährt, sondern ins Gegenteil verkehrt, weil dies zu sehr dem Erstarken und Vernetzten der rechten Szene beigetragen hat. Verwunderlich ist auch, warum immer wieder auch Polizeibeamte in dieser Szene Anschluss finden. Wie kann es sein, dass Teile der Sicherheitsbehörden eigene Mitarbeiter gerade an diese Szene verlieren, sie unterstützen oder relativieren?
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Yasin Baş
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?”, „nach-richten: Muslime in den Medien” sowie „Muslime in den Medien 2018″.  

Fußball Bundesliga
Kann Borussia Dortmund diese Saison noch Meister werden?

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Borussia Dortmund hat nach einem durchwachsenem Start in die Bundesligasaison wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden. Zumindest ist man nach dem 21. Spieltag Tabellendritter und hat nur vier Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus München. Es wäre also durchaus verfrüht, die Borussen bereits aus dem Titelrennen auszunehmen. Denn der Rückstand ist so gering, dass man diesen in den verbleibenden Spielen aufholen kann. Allerdings muss man auch sagen, dass Borussia Dortmund einige Probleme hat, die gegen einen Triumph in der Bundesliga sprechen. Darunter fallen vor allem die Defensive und Verletzungen von Leistungsträgern. Bereits dieses Wochenende könnte daher eine Vorentscheidung fallen. Die Bundesliga Prognosen für das bevorstehende Spiel sehen auf jeden Fall spannend aus. Viel dürfte davon abhängen, wie Dortmund die Ausfälle von Marco Reus und Axel Witsel für den Rest der Saison ausgleichen kann. Denn vor allem Reus ist für das Team eigentlich unersetzlich. Und bis der wieder zur Mannschaft stösst, könnte der Rückstand auf Bayern München und RB Leipzig bereits zu groß sein. Die Dortmunder Abwehrschwäche Hinzu kommt bei den Borussen auch noch die Schwäche in der Abwehr. Und bisher scheint das Trainergespann nicht in der Lage zu sein, hierfür eine Lösung zu finden. In den letzten sechs Spielen kassierte der BVB 13 Gegentore. Die Abwehr um Mats Hummels macht in der laufenden Saison einen mehr als nur wackligen Eindruck. Und so lange man dieses Problem nicht in den Griff bekommt, hat Dortmund keine Chance auf den Meistertitel. Auf der anderen Seite ist Borussia Dortmund allerdings in der Lage jeden Gegner in der Bundesliga offensiv an die Wand zu spielen. Mit 59 Toren ist der BVB bisher die erfolgreichste Mannschaft der Liga. Außerdem ist Neuzugang Erling Haaland gerade erst zum Kader dazugestoßen und hat noch jede Menge Entwicklungspotenzial. Sobald Marco Reus im März wieder fit ist, gehört die Offensive der Dortmunder zu den besten in Europa. Wenn der BVB in den kommenden Spielen dann auch noch die Schwächen in der Verteidigung beseitigen kann und Mats Hummels zu alter Form zurückfindet, kann Dortmund noch an den Bayern und den Leipzigern vorbeiziehen. Titelchancen sind noch intakt Am vorletzten Spieltag der Bundesligasaison treffen Borussia Dortmund und RB Leipzig im direkten Duell aufeinander. Wenn die Meisterschaft bis dahin noch nicht entschieden ist, könnte die Entscheidung in diesem Spiel fallen. Und zwar durchaus zu Gunsten von Borussia Dortmund. Deshalb sollte man die Dortmunder jetzt noch nicht aufgeben.

„Teutonico“
Ditib: „Was muss noch geschehen, damit das Schweigen bricht?“

Nach der Festnahme von zwölf Rechtsextremisten, denen die Bildung einer terroristischen Vereinigung und Planung von Anschlägen auf Moscheen nach dem Vorbild des Attentäters in Christchurch vorgeworfen wird, fordern Islamverbände in Deutschland ein umfassendes Sicherheitskonzept. „Politik und Behörden stehen in der Pflicht, ein Sicherheitskonzept vorzulegen, wie sie Muslime und ihre Einrichtungen besser schützen können. Es kann nicht sein, dass Muslime selbst für ihre Sicherheit sorgen müssen“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Altaş weiter:
„Zunächst einmal möchte ich mich bei den Sicherheitsbehörden für ihren Einsatz und die rechtzeitige Festnahme der Rechtsterroristen bedanken. Es ist nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn die Beschuldigten ihre Pläne in die Tat umgesetzt hätten. Das ist eine unerträgliche und fürchterliche Vorstellung. Deshalb fordern wir die Verantwortlichen auf, ein umfassendes Sicherheitskonzept für Moscheen, Synagogen und andere Einrichtungen religiöser Minderheiten, die ebenfalls vor einer erhöhten Bedrohungslage stehen, vorzulegen. Es kann nicht sein, dass Moscheegemeinden, die mit Spendengeldern finanziert werden, die mit Mühe und Not über die Runden kommen, auch noch ihre eigene Sicherheit finanzieren müssen. Der Staat steht in der Pflicht, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Dazu gehören auch Muslime. Trotz dieses Ermittlungserfolgs müssen wir festhalten, dass das Sicherheitsempfinden der Muslime in Deutschland weiterhin stark angeschlagen ist. Die Zahl der Gewalttaten gegen Muslime und ihre Einrichtungen steigen, die Qualität der Gewalttaten nimmt drastisch zu. Allein in der vergangenen Woche gab es mehrere Bombendrohungen mit Evakuierungen und Durchsuchungen. Daran können und möchten wir uns nicht gewöhnen. Zur allgemeinen Verunsicherung trägt auch bei, dass diese Bedrohungslage von Seiten der Politik nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit beachtet, teilweise sogar heruntergespielt wird. Muslime haben nicht das Gefühl, als hätte die Politik vom NSU-Komplex Lehren gezogen. Nach wie vor warten die meisten der vorgeschlagenen Empfehlungen der Untersuchungsausschüsse auf ihre Umsetzung. Das ist grob fahrlässig.“
Terror gegen Muslime: Was muss noch geschehen, damit das Schweigen bricht Auch der türkisch-islamische Verband Ditib forderte, den Schutz der Moscheen und Muslime konsequent zu gewährleisten. Der Verband appelliert an Politik und Gesellschaft, Stellung zu beziehen.
Das Schweigen der Mehrheit, auch der Politik und der moderaten Kräfte in unserem Land, insbesondere bei Angriffen gegen Muslime, wird nicht nur von einer breiten Gesellschaftsschicht als stillschweigende Duldung verstanden. Es ist geeignet, bei bestimmten Gruppen den Eindruck zu erwecken, dass das Agieren gegen Muslime „eigentlich legitim“ sei. Wir haben als DITIB immer wieder vor dieser Entwicklung gewarnt, und die Gesellschaft aufgefordert, auch bei Angriffen gegen Muslime Solidarität zu zeigen und klare Stellung gegen Hass und Unrecht zu beziehen. Leider blieben diese Mahnungen immer wieder ergebnislos. Erneut erleben wir heute eine Anteilslosigkeit, die Sorge bereitet. Was muss noch geschehen, damit Politik und Gesellschaft das Schweigen bzw. die stillschweigende Duldung von Angriffen gegen Muslime beenden? Was muss noch geschehen, damit man sich der Dämonisierung des Islam und der Markierung von Muslimen als „fremde Gefahr“ durch Populisten und Rechtsextreme entgegenstellt?