Kommentar
Corona-Virus: Weltweiter Wirtschaftseinbruch unvermeidlich

Ein Kommentar von Ernst Wolff Das Corona-Virus versetzt die Menschen rund um den Globus in Angst und Schrecken. Nicht zu Unrecht, denn es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Welt sowohl medizinisch als auch ökonomisch auf eine Ausnahmesituation einstellen muss. China befindet sich bereits in einer historisch nie dagewesenen Lage. Die Regierung hat insgesamt 400 Millionen Menschen, also mehr als die gesamte Einwohnerschaft der USA, unter Quarantäne gestellt und die eigene Industrie praktisch stillgelegt. Wie es aussieht, wird sich die Situation in naher Zukunft auch nicht ändern. China – Handelsgigant und globaler Lieferant Die Foxconn-Werke, die in Shenzhen und Zhengzhou für Apple produzieren, haben ihre Arbeit weitgehend eingestellt. Fahrzeughersteller, die zur Aufrechterhaltung der eigenen Produktion auf Lieferungen aus China angewiesen sind, melden ebenfalls erste Ausfälle: Nachdem Hyundai bereits in der vergangenen Woche die gesamte Produktion in Südkorea stillgelegt hat, stoppt der japanische Autobauer Nissan ab heute die Produktion in seinem Werk in Kyushu, während Fiat-Chrysler die Produktion in seinem serbischen Werk in Kragujevac ebenfalls ab heute aussetzt. Dazu entfällt China zurzeit als Absatzmarkt für die gesamte globale Autoindustrie – wodurch zum Beispiel der VW-Konzern auf vierzig Prozent seiner für den Export bestimmten Fahrzeuge sitzen bleibt. Noch abhängiger von China ist die Pharmaindustrie: 80 bis 90 Prozent der weltweit vertriebenen Medikamente werden in China und Indien hergestellt; 97 Prozent der in den USA verkauften Antibiotika kommen aus China.  Diese nüchternen Zahlen bedeuten: Der IT-Gigant Apple wird in absehbarer Zeit Lieferausfälle verbuchen, die Beschäftigten in der Automobilbranche werden sich auf Kurzarbeit und Entlassungen einstellen und schwerkranke Menschen in aller Welt werden mit erheblichen Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten rechnen müssen. China reißt die Welt mit sich in den Abgrund Aber das ist noch lange nicht alles. China betreibt mit der Neuen Seidenstraße zurzeit das größte Wirtschaftsprojekt in der gesamten Geschichte der Menschheit und hat bereits in mehr als sechzig Ländern hunderte Billionen Yuan investiert. Jede Verzögerung der Fertigstellung laufender Projekte kostet das Land horrende Summen und bedeutet für die Beschäftigten unvorhergesehene Lohnausfälle.  Die Finanzmärkte ignorieren die Gefahren – und erhöhen sie so Trotz dieser Hiobsbotschaften haben die weltweiten Finanzmärkte bisher nicht einmal in Ansätzen auf die Bedrohung durch das Corona-Virus reagiert. Im Gegenteil: Die Risiken steigen, aber die Aktienkurse geben nicht nach, sondern setzen ihren Aufwärtstrend unbeirrt fort.  Das liegt aber nicht etwa daran, dass Großinvestoren die Gefahren nicht sehen. Es ist vielmehr eine Folge der Politik der Zentralbanken: Nachdem sie das System zwölf Jahre lang durch Geldinjektionen künstlich am Leben erhalten haben, müssen sie es um jeden Preis auch weiter stützen, da es – ähnlich einem Drogensüchtigen – ohne eine ständig steigende Dosis frischen Geldes in sich zusammenfallen würde. Gleichzeitig versprechen die Zentralbanken den Großinvestoren, sie im Falle von Fehlspekulationen zu retten, weil sie „too big to fail“ sind – und erzeugen so eine sich selbst verstärkende Spirale immer irrwitzigerer Spekulation.  Das Ganze mutet deshalb so absurd an, weil normalerweise gerade die Aktienmärkte als Risiko-Indikatoren dienen. Trotzdem kann der gegenwärtige Anstieg nicht endlos weitergehen, denn das gesamte System hat eine sensible Schwachstelle: Es basiert auf dem Vertrauen der Menschen. An dem Tag, an dem dieses Vertrauen im Massenmaßstab schwindet, wird das globale Finanzsystem ohne Vorwarnung in sich zusammenbrechen. Wann das sein wird…?  Vielleicht schon eher als viele vermuten. Sollte in China kein Wunder passieren, dürfte ein Andauern des Wirtschaftsstillstandes über mehrere Wochen ausreichen, um den Kollaps herbeizuführen. Sollte er nicht eintreten, könnte zum Beispiel eine mögliche Ausbreitung des Virus in Afrika zum Katalysator werden. Wegen der medizinischen Mangelversorgung in fast allen afrikanischen Ländern müsste Europa dann mit einer Flüchtlingswelle rechnen, die alles, was der Kontinent bisher erlebt hat, in den Schatten stellen würde und die möglicherweise nicht nur einen Finanzkollaps, sondern sogar einen Zusammenbruch ganzer Gesellschaftssysteme zur Folge hätte.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Ernst Wolff
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“. Wolff, geboren 1950, aufgewachsen in Südostasien, Schulzeit in Deutschland, Studium in den USA. Der Journalist und Spiegel-Bestseller-Autor (»Weltmacht IWF«) beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Wechselbeziehung von Politik und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen die internationale Finanzelite die Kontrolle über entscheidende Bereiche unseres Lebens an sich gerissen hat: »Nur wer diese Mechanismen versteht und durchschaut, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.«

Beben bei Van
Türkei: Mindestens 9 Tote bei Erdbeben nahe Grenze zum Iran

Van – Bei einem Erdbeben in der Grenzregion zwischen dem Iran und der Türkei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD habe das Beben eine Stärke von 5,9 erreicht und sich in einer Tiefe von fünf Kilometern ereignet. Nach Angaben der türkischen Regierung starben mindestens neun Personen beim Einsturz von Gebäuden. Mehrere Menschen seien noch immer unter den Trümmern eingeschlossen. Laut lokalen Medien liegt die Zahl der Toten bei zehn. Laut iranischen Behörden gebe es bisher keine Berichte über mögliche Opfer oder Schäden im Iran. Das betroffene Gebiet in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan sei nicht dicht besiedelt. Dagegen sagte ein Vertreter der örtlichen Verwaltung, es sei „sehr wahrscheinlich, dass es Opfer und Schäden gibt“. Das Beben sei in mehreren Städten zu spüren gewesen, darunter in Choy, Urmia und Salmas, sowie in zahlreichen Dörfern. Einige von diesen hätten „hundertprozentigen Schaden“ erlitten, berichtet der Standard. Die Türkei und der Iran werden immer wieder von Erdbeben erschüttert. Bei einem starken Beben der Stärke 6,7 in der Türkei starben im vergangenen Monat über 40 Menschen und 1607 wurden verletzt. Ein Megaerdbeben würde zu schweren Schäden in Istanbul führen Fachleute warnen schon seit Jahren vor einem Megaerdbeben in Istanbul. Das Erdbeben am 17. August 1999 in Gölcük, das auch in Istanbul zu spüren war, hatte damals fast 18.000 Menschen das Leben gekostet. Das Beben, dessen Epizentrum damals etwa 90 KM von der Istanbuler Altstadt entfernt lag, hatte eine Stärke von 7,6. Ein ähnliches Erdbeben mit einem Epizentrum direkt in Istanbul würde die Millionenmetropole sehr schwer treffen. Derzeit leben in der Stadt mehr als 15 Millionen Menschen. https://twitter.com/VanSehir/status/1231499905115607040

Hanau-Anschlag
Pietätlos: Anti-Rassismus-Demo wird zur PKK-Scharade

Von Kemal Bölge – kboelge@web.de Es sollte eine Mahnung sein, ein Erinnern an die Opfer des Terroranschlags von Hanau. Von hier sollte eine Botschaft an unsere Gesellschaft gesandt werden, eine offene und friedliche Gesellschaft mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die eine Bereicherung ist für Deutschland. Aber was man heute in Hanau sah, war in Anbetracht der ermordeten Opfer einfach pietätlos. Mehrere Tausend völkisch-nationalistische PKK/YPG Sympathisanten führten diesen Demonstrationszug an. Wie makaber, wenn ausgerechnet die PKK/YPG dies für ihre politischen Zwecke missbraucht, die ein Synonym für ethnische Säuberungen und Vertreibungen in Syrien ist. Welch eine Farce, wenn ausgerechnet diese Terrororganisation, die von einem ethnisch homogenen „Großkurdistan“ träumt, Minderheiten unterdrückt, Missliebige verfolgt und vertrieben hat, den Apoismus, also die Huldigung von Terrorchef Öcalan, in allen besetzten Gebieten in Syrien durchgeführt hat und sich nun angeschickt hat die Speerspitze des Anti-Rassismus und Anti-Faschismus in Deutschland zu bilden. Geht’s noch? Welche eine Posse der PKK/YPG, die in allen besetzten Gebieten Syriens die Religionsfreiheit eingeschränkt hat und den Gebetsruf des Muezzins verboten hat. Just die PKK/YPG, die exemplarisch für Totalitarismus steht, führt diese Anti-Rassismus-Demonstration in Hanau an. Eine Demonstration gegen Rassismus und für eine offene und friedliche Gesellschaft sollte gerade jetzt nicht und überhaupt für völkisch-nationalistische Propaganda der PKK missbraucht werden.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Assyrische Christen und Aramäer sind frustriert über die Berichterstattung westlicher Medien zur Terrororganisation PKK und ihrem syrischen Ableger YPG. Die Berichte entsprächen nicht der Realität und wer Fragen stelle oder Einwände habe, werde in Europa nicht erhört

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Staatsschutz ermittelt
Stuttgart: Erneut Schüsse auf Shisha-Bar

Stuttgart – Nicht einmal drei Tage nach dem Terroranschlag von Hanau haben Unbekannte in Stuttgart auf das Fenster der Shisha-Bar „Pacific Lounge“ geschossen. Wie die BILD unter Berufung auf eine Mitteilung der Polizei berichtet, sei jedoch niemand verletzt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass zum Tatzeitpunkt niemand im Gebäude war. Der oder die Täter hätten noch ein weiteres Fenster in dem Gebäudekomplex im Stadtteil Hedelfingen beschossen, hieß es von der Polizei, berichtet die BILD weiter. In dem Gebäudekomplex befinden sich außer der Shisha-Bar auch ein Fitnessstudio. Die Täter schossen nach bisherigen Erkenntnissen zwischen 03.00 Uhr und 13.20 Uhr mit einer unbekannten Waffe auf eine Scheibe im Eingangsbereich des Gebäudes und auf ein Fenster der geschlossenen Shisha-Bar. Während ein Projektil die Scheibe der Bar durchschlug, hielt die Scheibe im Eingangsbereich stand. Ein Mitarbeiter der Bar entdeckte gegen 13.20 Uhr das beschädigte Fenster und alarmierte die Polizei. Spezialisten der Kriminalpolizei, darunter auch ein Schusswaffensachverständiger des Landeskriminalamtes, sicherten Spuren, die nun ausgewertet werden müssen. Da das Motiv der Tat bislang völlig unklar ist, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Zeugen werden gebeten, sich bei den Beamtinnen und Beamten der Kriminalpolizei unter der Rufnummer +4971189905778 zu melden. Ein 43-jähriger Deutscher hatte am Mittwochabend im hessischen Hanau bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag an mindestens vier verschiedenen Tatorten zehn Menschen und sich selbst erschossen.

Rechtsterrorismus
Kommentar: Manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de Seit dem rassistisch motivierten Terroranschlag von Hanau sind einige Tage vergangen und die politischen Entscheidungsträger sowie Parteien dieses Landes haben ihre Bestürzung und tiefe Trauer zum Ausdruck gebracht. Die Fahnen über dem Reichstag und anderen Plätzen wehten aus Respekt gegenüber den Opfern des rechtsterroristischen Anschlags auf halbmast. Der Bundesinnenminister hat verstärkte Polizeipräsenz, auch vor Moscheen, angekündigt, obwohl die muslimischen Verbände seit geraumer Zeit Polizeischutz für Gebetseinrichtungen gefordert haben. Leider werden fast täglich Moscheen und Kultureinrichtungen von Muslimen in Deutschland zur Zielscheibe von Anschlägen. So manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr, weil manche Behörden vielleicht gar kein Interesse an einer Aufklärung haben. Das ist jedenfalls der Eindruck von einigen Moscheegemeindemitgliedern. Türkische Moscheen und Kultureinrichtungen sind nicht nur zur Zielscheibe von Neonazis geworden, sondern auch von Sympathisanten der Terrororganisation PKK, die immer wieder diese angreifen. Selten werden die Täter ermittelt und vor Gericht gebracht. Der rassistisch motivierte Nazi-Terror bedroht in Deutschland nicht nur jüdische, sondern auch muslimische Einrichtungen. Dieser Terror bedroht das tägliche Miteinander und Nebeneinander aller Menschen in Deutschland. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Hanauer Terroranschlags an sich gezogen. Die eigentlich wichtige Frage wäre, welche Organisation hinter diesem furchtbaren Anschlag steckt. Um wen handelt es sich bei den Hintermännern und wer hat es in Auftrag gegeben, wie viele Unterstützer hatte dieser Terrorist? Diesen Fragen müssen die Ermittlungsbehörden nachgehen. In den letzten Tagen war in der Presse zu lesen, der Terrorist Tobias R. wäre „psychisch krank“ und hätte unter „Wahrvorstellungen“ gelitten. Hallo, dieser Killer hat, ohne mit der Wimper zu zucken, neun Menschen mit „ausländischen Wurzeln“ und später seine Mutter eiskalt getötet und jetzt sollen wir glauben, er hätte das alles unter „psychischen Wahnvorstellungen“ durchgeführt. Es ist gut möglich, dass dieser Terrorist psychisch krank war, aber bei der Berichterstattung wird so getan, als ob das eine Entschuldigung für das Massaker wäre, nach dem Motto „Seht her, das ist ein psychisch Kranker.“ Bei der Berichterstattung in den Medien wurde immer wieder auf den „Migrationshintergrund“ der getöteten Opfer hingewiesen. Aus welchem Grund wird darauf verwiesen? Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Opfer des Anschlags keine Fremden, sondern Mitbürger gewesen seien. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat seine Bestürzung über den rassistisch motivierten Terroranschlag in Hanau geäußert. Das ist wohl ehrlich gemeint, aber warum hat Bouffier 2006, damals Innenminister von Hessen, den Ermittlungsbehörden in Zusammenhang mit dem Kasseler NSU-Mord an Halit Yozgat die Vernehmung von rechten V-Leuten verweigert? Obwohl beim Mordanschlag auf Halit Yozgat im Internetcafé ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes zugegen war, hat dieser ehemalige Verfassungsschützer bestritten einen Schuss gehört oder den ermordeten Halit Yozgat hinter dem Tresen gesehen zu haben. Das britische Institut „Forensic Architecture“ in London erklärte 2017, Temme hätte die abgegebenen Schüsse hören müssen und auch das hinter dem Tresen liegende Mordopfer. Zur Klärung dieser Frage bauten die Wissenschaftler das Internetcafé des ermordeten 21-jährigen Yozgat in Lebensgröße nach. Ferner wurden dreidimensionale Computersimulationen genutzt. Das Ergebnis ist eindeutig, nur hatte das vor Gericht keine Konsequenzen für Temme, weil das Oberlandesgericht in München beim NSU-Prozess auf fatale Weise den ehemaligen Verfassungsschützer für Glaubwürdig hielt. Temme geriet nach der NSU-Mordtat von Kassel ins Visier der Polizei, weil er sich nach dem Mord im Internetcafé nicht bei der Polizei gemeldet hatte. Die hatte ihn über ihre Ermittlungen entdeckt. Das Landeskriminalamt (LKA) in Hessen startete eine Telefonüberwachung von Temme und im Laufe dieser Überwachungsmaßnahmen kam heraus, dass der Verfassungsschützer nicht nur über den Mord an Halit Yozgat informiert war, sondern auch über andere NSU-Morde in Deutschland. Das, was ich hier schreibe habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ist in verschiedenen Medien im Internet nachlesbar. Temme war auch im Bundestags-Untersuchungsausschuss, aber auch dort konnte man ihm nichts anhaben, da er von diversen behördlichen Stellen geschützt wurde. Es geht hier um einen kaltblütigen Mord an einem 21-jährigen Inhaber eines Internetcafés mit türkischen Wurzeln, der 2006 in seinem eigenen Geschäft aus rassistischen Motiven getötet wurde. Wir leben in Deutschland in einem Rechtsstaat und in diesem darf ich doch erwarten, dass ein Mordfall aufgeklärt wird. Der hessische Verfassungsschutz hat zu dem NSU-Mord eine eigene interne Ermittlung durchgeführt, aber diese Akten werden für sage und schreibe 120 Jahre unter Verschluss gehalten, also diese Akten darf niemand einsehen. Wo sind die investigativen Medien und Zeitungen in Deutschland, die diesen Skandal thematisieren und eine Aufhebung der Geheimhaltung dieser Akten fordern?
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Kommentar
Hanau wird in Lager gespalten: „Kurden“ und „Türken“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wenige Tage nach den Terroranschlägen auf zwei Shisha-Bars in Hanau beginnt die politisch-ideologische Trauerbekundung anzulaufen. Damit nimmt es langsam perfide Formen an. Die Opfer dürfen nicht mehr Opfer sein, sie müssen instrumentalisiert werden, so lange es noch geht. Wenige Tage nach den Terroranschlägen auf zwei Shisha-Bars in Hanau sollten die Angehörigen, sollte die Gesellschaft in Deutschland um die 9 jungen Opfer trauern können. Zudem sollte darüber nachgedacht werden, wie man den Rechtsextremismus eindämmen kann. Stattdessen jagt nun ein Social Media-Betrag den anderen, in denen es unter anderem um die Frage geht, weshalb die Oberhäupter der Politik sowie Medien die Opfer auf „Türken“ reduzieren, weshalb eine „Türkin“ eingeladen wird, aber keine „Kurdin“ oder warum man einem „Erdogan sein Beileid“ ausspricht. Dabei wird ein kapitaler Bock nach dem anderen abgeschossen, pietätlos gegenüber den Angehörigen, rücksichtslos gegenüber den Opfern, geradezu perfide, wenn es besonders jetzt um Einigkeit und Einheit geht und diese Kreise nun einen Keil hineintreiben. Gerade jetzt sollte nicht alles auf die Goldwaage gelegt werden, dass diese Einigkeit und Einheit stört, aber offenbar gibt es nicht nur Spaltpilze innerhalb der AfD, sondern vor allem unter völkischen Ethno-Nationalisten. Um welche Personen und Personenkreise geht es da eigentlich? Nicht so sehr um Türken, wie man schlechthin annehmen würde; bis auf einen gewissen Ercan Karakoyun, der aus der Reihe tanzt und meint, „Kurden und Türken“ würden die Opfer instrumentalisieren. Den Beweis, die Türken würden das instrumentalisieren, bleibt er trotz Aufforderung konkreter zu werden schuldig und sperrt danach jeden, der ihm widerspricht. Offenbar ist der Fluchtinstinkt bei diesen Sektenmitgliedern angeboren:
„Herkunft und Religion der Opfer: Sie spielen keine Rolle! Rassisten haben Menschen(!) ermordet. Alles andere ist Nebensache. Der Versuch von Kurden und Türken, die Opfer für sich zu instrumentalisieren, ist armselig!“
In einem Punkt gebe ich Karakoyun recht. Wenn Menschen zu Opfern von Extremismus werden, muss alles andere nebensächlich werden. Das sieht aber z.B. Cesur Milusoy etwas anders:
„Die kurdische Community ist aktuell sehr über die deutsche Politik und Medien verärgert. Die Opfer von #Hanau werden einfach als „Türken“ bezeichnet und man spricht einem Erdogan sein Beileid aus, der überhaupt nicht die Werte der Opfer und Angehörigen teilt.“
Die Madame legt alles auf die Goldwaage. Sie poltert nicht nur gegen die Medien, die die Opfer nicht nach Ethnie sondern nach Staatsbürgerschaft betrachten, sondern teilt auch mächtig gegen die deutsche Obrigkeit aus, die lediglich die Staatsangehörigkeit berücksichtigt hat. Armselig ist das, wenn man den Worten Karakoyuns folgt. Aber das ist bei weitem nicht so interessant wie der Satz von Martin Glasenapp, der wohl von sich behauptet, besonders intelligent und gerissen zu sein: f
„Nichts gegen die, die er traf. Aber warum hat Horst #Seehofer niemanden vom kurdischen Gesellschaftszentrum in #Hanau eingeladen? Es waren Kurden unter den Opfern. Zählt die kurdische Trauer hier weniger, weil Kurdinnen & Kurden auch in der #Türkei kaum etwas zählen? Bitter.“
Dieser Glasenapp hält sprichwörtlich seine Moralkeule hinter sich versteckt, während er sich vor den Opfern und Angehörigen verneigt und zähneknirschend sowie fluchend gegen die Türkei und Türken murmelt. Ethno-Nationalisten gibt es in Deutschland zur Genüge, wie das nächste Beispiel offenbart:
„Anstatt mal auch jemanden mit kurdischem Background einzuladen, wird K. Gümüsay eingeladen, die bis dato zu islamistisch rassistischen Strukturen schweigt und sich als Antirassistin inszeniert: wie traurig muss dieser Anblick für die kurdisch alevitischen Opfer von #Hanau sein?“
Das sind die Worte der Rapperin Reyhan Şahin, mit Künstlernamen Lady Bitch Ray. Diese besonders verzahnte Trennscheibe zieht ihre fürchterlichen Furchen nicht nur durch die ethnische, sondern auch durch die religiöse Zugehörigkeit der Opfer und als ob das nicht ausreicht, verpasst ein Uniprofessor namens Burak Copur gleich allen Türken einen Maulkorb, damit sie sich zu der schrecklichen Tat erst gar nicht äußern:
„Könnt ihr türkischen Islamofaschisten heute einfach mal ruhig sein? Danke.“
Aber wenn du denkst, dass das nur Einzelfälle sind, dann hast du nicht bedacht, dass das eine Breitenwirkung erzielt und Nachahmer findet. Wenn sogar eine MdB Gökay Akbulut von Identität, Flucht und Unterdrückung faselt, um einen Bogen bis in die Türkei zu spannen, dann hat man die Dimension dieser perfiden Taktik nicht verstanden:
„Unfassbar aufgrund kurdischer İdentität vor Unterdrückung aus der Türkei fliehen, um dann in Deutschland von Rassisten ermordet zu werden. Ferhat Ünvar 22 Jahre RIP #Hanau #Hanau“
Es sind eben nicht nur Einzelfälle, sondern Persönlichkeiten, die in Social Media nicht wenige Follower haben und landauf landab mit solchen Taktiken stolzieren. Da ist ein gebürtiger Deutscher namens Ahmad A. Omeirate, der seiner Hauptbeschäftigung nachgeht und damit gegen die Moscheegemeinden und Islamverbände schießt:
„Moscheen und Islamverbände, die #Hanau jetzt für sich instrumentalisieren & nach „Sicherheitsmaßnahmen“ rufen, verdrängen nur zu gern, dass die Opfer vermehrt alevitische Kurden waren und, die u.a. genau vor solchen Islamisten & türk. Faschisten aus ihrer Heimat fliehen mussten.“
Oder eine Journalistin namens Ronja Othmann, die auf dem Scheitelpunkt der Welle sich anschickt, über eine Teilnehmerin einer Talkshow zu stänkern und dabei mit Zuschreibungen arbeitet, die sie eigentlich selbst kritisiert:
„Unter den Opfern in #hanau waren Kurden. Viele Kurden sind vor antikurdischem Rassismus nach Deutschland geflohen. Wieso wird Kübra Gümüşay eingeladen, die zu dem antikurdischen Rassismus schweigt und kurdische, êzîdische, alevitische Kritiker*innen blockiert?“
(Screenshot/Twitter)
Es sind bei weitem viel mehr Menschen, die sich wie diese Ethno-Nationalisten oder Religionsfanatiker auf Kosten der Opfer Zustimmung erschreiben, oder sollen wir sagen, hinrotzen? Dem Rechtsterroristen Tobias R. war es herzlich egal, ob er kurdische, bosnische, türkische, alevitische, sunnitische oder atheistische „Ausländer“ tötet. Die Opfer hießen Ferhat Ünver, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu. Drei der Todesopfer waren Deutsche, zwei Türken, einer war Bulgare, einer Rumäne, einer Bosnier und einer besaß die deutsche und afghanische Staatsangehörigkeit. Selbstverständlich werden dann nicht nur die Konsulate oder Botschafter der Türkei, Bulgarien, Rumänien oder Bosnien-Herzegowina bzw. Afghanistan zur Stelle sein, sondern allen Angehörigen auch ihr Beileid aussprechen, die Angehörigen der Opfer besuchen und sich erkundigen, und sie nehmen dabei auch die Kondolenz der deutschen Obrigkeiten an. Wer sich daran stört, ist ein Korinthenkacker. Wer die Opfer in Ethnie und Religion seziert ist ein Spaltpilz oder Trennscheibe. Wer anderen abspricht, ihr Beileid auszusprechen, ihre Stimme zu sein, der ist ein ideologischer Fanatiker und wer meint, besonders intelligent daherzukommen, der ist in meinen Augen sogar ein Propagandist, ein Aktivist wie aus dem Lehrbuch. All das hat mit Trauer nichts mehr zu tun, mit Anteilnahme schon gar nicht. Man muss sich ja geradezu fremdschämen, sich in einem Land aufzuhalten, in der solche gebildeten Menschen so etwas in die Tastatur hauen können. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
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Anschlag in Hanau
Zentralrat der Muslime: „Hanau ist die Spitze des Eisbergs“

Bonn – Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnt vor einer Verharmlosung von Rassismus in Deutschland. Terroristische Anschläge wie die in Hanau seien keine Bagatellen, sondern „Gewalt in Sprache, die sich – wenn es nicht einen Ruck gibt in der Gesellschaft – dann auch Bahn bricht als physische Gewalt, mit Waffen oder dem Tod“, sagte Mazyek im phoenix-Interview. „Was in Hanau passiert ist, ist leider die Spitze des Eisbergs nach einer so langen Zeit, aber auch der Untätigkeit und teilweise auch der Verharmlosung“, so Mazyek. Er appellierte, Rassismus offensiv zu bekämpfen. Das sei „die beste Art und Weise, den Extremisten, Nationalisten und Faschisten den Nährboden zu entziehen“. Als konkrete Maßnahme zur Eindämmung von Rassismus forderte Mazyek, eine Enquête-Kommission im Bundestag zu konstituieren, „die klar versucht, antimuslimischen Rassismus in unserem Land zu erfassen“ sowie einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit. Gleichzeitig müsse die Zivilgesellschaft gestärkt werden. „Wir brauchen viel mehr Empowerment für Zivilgesellschaften, wir müssen ihr tagtäglich alles geben, damit unsere Demokratie erhalten wird, damit sie stabilisiert wird.“ Viele Muslime seien dort aktiv und „sie müssen fühlen, dass sie Teil der Gesellschaft sind.“ Mazyek appellierte an die Politik, die Schutzmaßnahmen zu erhöhen. „Es kann nicht sein, dass es Moscheen gibt, die schon mehrfach Ausgangspunkt von Anschlägen waren, und die Sicherheitsbehörden sagen: Das ist eine abstrakte Gefahr, wir können keine weiteren Schutzmaßnahmen vornehmen. Das geht nicht.“ Er begrüße daher die Vorschläge von NRW-innenminister Herbert Reul, die 900 Moscheen in Deutschland zum Freitagsgebet zu sichern. Das sei ein wichtiges Zeichen. Letztendlich gehe es nicht um die Stärkung einzelner Minderheiten und Gruppen, sondern „um die Stärkung unserer Demokratie, unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Ein 43-jähriger Deutscher hatte am Mittwoch Abend bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag an mindestens vier verschiedenen Tatorten im hessischen Hanau, zehn Menschen und sich selbst erschossen. Medienberichten zufolge hatten neun der Todesopfer einen Migrationshintergrund und vier der fünf Verletzten ausländische Wurzeln. Laut einer Mitteilung der türkischen Botschaft in Berlin, waren fünf der Todesopfer türkische Staatsangehörige. Wie die „Bild“ berichtet, soll sich unter den Opfern auch eine zweifache Mutter befinden, die zum Tatzeitpunkt schwanger war.

Hanau-Anschlag
CDU: AfD trägt zum Extremismus bei

CDU-Innenpolitiker Middelberg: Verfassungsschutz muss AfD dringend überprüfen Osnabrück – Nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Hanau fordert der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mathias Middelberg, eine Überprüfung der AfD. „Die AfD trägt massiv dazu bei, den Acker zu düngen, auf dem der Extremismus blüht. Der Verfassungsschutz muss dringend prüfen, ob die AfD zu beobachten ist“, sagte Middelberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Middelberg verwies darauf, dass diese Frage aber „nicht von der Politik zu entscheiden ist, sondern von den zuständigen Verfassungsschutzämtern, streng nach den gesetzlichen Vorgaben“. Da gehe es nicht nach den Wünschen einzelner Politiker. „Die freiheitlich-demokratische Grundordnung muss geschützt werden, aber auch die Parteien haben nach unserem Grundgesetz Rechte. Nichts wäre unglücklicher, als wenn die AfD mit einer Abwehr gegen Beobachtungsmaßnahmen vor Gericht Erfolg hätte“, sagte Middelberg.

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Hanau: Auch Shisha-Rauchen erhöht das Todesrisiko

Rechtsterrorismus
Hanau: Auch Shisha-Rauchen erhöht das Todesrisiko

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wer hätte das gedacht, dass die Zuschreibung, Shisha-Rauchen würde das Todesrisiko erhöhen, eine ganz neue Bedeutung erhält. Noch vor Wochen stänkerte man Politik rauf, Medien runter, über gefährliche Horte wie Shisha-Bars. Offenbar veranlasste das einen Tobias, mit einer Waffe gleich zwei Shisha-Bars in Hanau aufzusuchen und die Kohlenmonoxid-Werte in die Höhe schnellen zu lassen. Fazit: 11 Todesopfer. Vielleicht prangern ja wie auf Zigarettenschachteln bald auch EU-Warnhinweise an den Schaufenstern und Eingangstüren der Shisha-Bars? Moscheen, Dönerbuden oder Türkeneinkaufsmeilen sollte man dann auch in Betracht ziehen! Ich sehe mir gerade ein Video von TRT Deutsch, also dem Kanal, der seit kurzem nach dem Kalkül deutscher Politiker und Türkei-Kritiker, Erdogan via Satellit nach Deutschland bringt. Ein junger Mann spricht im Krankenhausbett mit zittriger Stimme über die gezielte Tötung in einer der Shisha-Bars in Hanau. Nach dem Flaum über der Lippe vielleicht gerade mal 14 Jahre alt und derart verstört, dass das Video in deutschen Medien und Kritikern als kitschig und islamistisch bezeichnet werden würde, weil der Junge erzählt, wie man sich während des Gemetzels und ineinandersacken gegenseitig aufgefordert habe die Schahāda zu bekunden. Er hat den bewaffneten Angriff mit einem weiteren Jungen überlebt, aber er wird, ob islamistische Zuschreibung oder nicht, sein Leben lang gezeichnet sein. Ich würde mir jetzt als Migrations- und Integrationskritiker ernsthafte Sorgen darüber machen, denn die Erdogan-Schulen werden diesen und viele andere Jungen in Deutschland umpolen und zu einem unintegrierbaren Nationalislamisten formen. Nach dem Video stoße ich auf weitere Meldungen in den Medien sowie Social Media. Man berichtet, man höre und staune, von einem „fremdenfeindlichen“ Vorfall. Die Opfer waren also „Fremde“. Was der Täter dachte, als er die Magazine geleert hat, transportieren Politiker und Medien feuchtfröhlich weiter. Heiko Maas spricht von einem „Ereignis“, der Ex-Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen etwas von „Täter sind immer rechts, Opfer immer links.“ Als ob das „Ereignis“ nicht ausreicht, zieht der andere das auch noch in Zweifel. Niemand weiterer traut sich zu der Zeit, obwohl bereits lange vor der Tat ersichtlich ist und man erahnen kann, wessen Geistes Kind der Täter ist, von Terrorismus oder Terrormassaker zu sprechen. Diese Leute betrifft es ja auch nicht, die müssen das auch nicht ausbaden, die haben auch keine Opfer zu beklagen, sind ja nur Fremde. Die Opfer und die Angehörigen, die müssen das ausbaden, sich ja in die Lage der Politiker und Kritiker versetzen und verstehen, dass sie als Fremde anzukommen haben. Lange vor dem Terrorangriff hatte Tobias trotz deutschem wasserdichten Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Hass verbreitet und angedeutet, was er demnächst beabsichtigt. Offenbar wurde dieses Gesetz auf den Weg gebracht, um Hasskriminalität nach vollendeten Tatsachen noch untersuchen zu können, bevor es im Nirwana landet. Waren die Sicherheitsbehörden auch hier nicht darauf vorbereitet oder hatten nicht die Mittel und Wege, so etwas unterbinden zu können? Etwas hat ja das wasserdichte Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Maas erreicht. Wurden die Bekennerschreiben und Videos erst Monate nach den letzten NSU-Morden publik, sind solche Schreiben und Videos bereits vor den jüngsten Taten zu lesen und zu betrachten. Wenn ich wieder daran zwangserinnert werde, was die Verfassungs- und Sicherheitsorgane des Staates alles zerschreddert haben, um die NSU-Morde schlicht auf drei Täter zu begrenzen, dann überkommt mich das Gefühl, dass die Taten zwar nicht eingerechnet waren, aber auch nicht so richtig verfolgt und verhindert werden sollten. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass das deutsche Experiment mit dem Extremismus erneut missglückt ist und man an der einen oder anderen Stellschraube dreht, damit man den Informanten/Täterkreisen noch genug Leine lässt, aber auch nicht zu sehr aus dem Auge verliert. Was das Ergebnis bereits innerhalb eines Jahres ist? Gleich drei Terrorangriffe, eines in Halle, das andere in Hanau, eines gegen einen CDU-Politiker und ein Terrornetzwerk das hops genommen wird, bevor es mehrere Moscheen angreift. Ein bescheidener Erfolg für die Verfassungs- und Sicherheitskreise, nicht wahr? Und wer übernimmt nun dafür die Verantwortung? Die „IslamkritikerInnen“ und „MigrationskritikerInnen“ sind derzeit zu Gänze abgetaucht. Denen wird man einige Tage im Social Media nicht habhaft werden können und wenn, dann streiten sie ab, irgend etwas damit zu tun zu haben, schließlich seien die Täter ja erwachsen und strafmündig. Und wenn sie wieder auftauchen, dann ganz bestimmt wieder in irgend welchen Talkshows, wo sie weiter munter drauflos reden. Die Kritiker vergessen nur geflissentlich, dass die meisten dieser Täter sich an ihrem Gelaber aufladen, zur Tat schreiten und dann eine Krankmeldung verpasst bekommen und automatisch für unzurechnungsfähig erklärt werden. Die Politiker selbst üben sich derzeit kräftig in Schnappatmung und vergießen Krokodilstränen, was in einigen Tagen oder gar Minuten – Bundesadler Frank-Walter Steinmeier hatte gerademal fünf Minuten Zeit für eine Hanau-Stipvisite – wieder passé ist, denn, Ramadan steht vor der Tür und die Kopftücher sind noch nicht vom Radar verschwunden. Ich kann ja schon die Titelschlagzeilen der Zukunft lesen, die die halbverhungerten und im Dämmerzustand dahinvegetierenden SchülerInnen aufgreifen, oder wie man die Kopftücher nicht nur aus den Amtsstuben, sondern auch aus sämtlichen öffentlichen Räumen wegfegt; bis auf die Putzfrauen, die dürfen dann eine tragen, unter dem gelben Schutzhelm. Die Verantwortung dürfen, wie selbstverständlich, die Menschen mit Migrationshintergrund übernehmen. Wundert man sich noch, wenn in Hanau auf offener Straße Menschen mit Migrationshintergrund von Biodeutschen Passanten anhören müssen, dass das erwartbar war? Da sagt z.Bsp. ein Passant:
„Das war absehbar, dass das passiert, so wie sich Hanau entwickelt hat mit der Immigration und den Muslimen.“
Wohlgemerkt, diese Biodeutschen sind während des angestoßenen Gesprächs in der Annahme, ihren geistigen Dünnschiss mit Biodeutschen, also seinesgleichen und nicht mit Fremden, geteilt zu haben. Sie merken nicht einmal von Angesicht zu Angesicht, dass der andere Gesprächspartner ein Mensch mit Migrationshintergrund ist. Diese Biodeutschen sind so was von unterbelichtet, die merken in ihren Wahnvorstellungen nicht einmal mehr, wer vor ihnen steht. Also sind wieder die Opfer die Verantwortlichen des Massakers. Kennen wir ja bereits durch die Döner-Morde zu Genüge. In wenigen Tagen sind sie wieder allein, man glaubt ihnen nicht, man beschwichtigt oder stuft die Tat als eine Einzeltat eines Gestörten ein, weil man den Täter ja bereits psychologisch krank geschrieben hat. Ich sags mal in aller Deutlichkeit: Das „Nie wieder!“ sollte in „Immer wieder!“ umgeändert werden. Wie zu Stürmer-Zeiten palavern in endlosen Talkshows, Medienberichten oder TV-Dokus, Biodeutsche und bionisierten Deutschen über die Migration, die Muslime oder den Islam und die gesamte politische Landschaft sitzt mit auf demselben Misthaufen, auf dem das UnKraut prächtig gedeiht. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Kommentar
Anschlag in Hanau: Deutschtürken werden als fremdartige Monster imaginiert

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Wenn ein extremistischer Terrorist in Hanau auf Menschen in Shisha-Bars schießt, fragt er nicht vorher nach ihrer Herkunft, Religion, Glaubensrichtung, politischer Gesinnung oder nach der Staatsangehörigkeit. Das kann der Terrorist nicht. Dieser Terrorist unterscheidet auch nicht zwischen Christen, Atheisten oder Muslimen, Sinti oder Roma, Bosniern, Deutschen oder Türken. Das kann der Terrorist auch nicht. Seine Intention ist, so viele wie möglich und so schnell wie möglich zu töten. Man nennt diesen Täter Terrorist, weil er Terror verbreitet. Man kann diesen Täter als Irren bezeichnen, man kann diesen Täter auch als psychologisch Krank bezeichnen, aber das haben nun mal Terroristen so an sich. Nur irre, psychologisch kaputte Menschen kommen auf die Idee, andere Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit oder politischen Einstellung zu töten. Hanau und die Verrohung: Wie man Opfer auseinanderdividiert Dann gibt es noch ganz andere Irre. Irre, die mit ihrer spitzen Feder die Opfer von Hanau auseinanderdividieren, um daraus politischen, ideologischen und privaten Kapital daraus zu schlagen. Dazu gehören Personen aus dem Kreise der AfD, aber auch anderen Parteien und vor allem Aktivisten sowie gänzlich ideologisierte Menschen. Ein Prachtexemplar heißt Ronya Othmann, eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin. Dieses Prachtexemplar schickt sich an, die Teilnahme einer Deutschen mit türkischen Migrationshintergrund in einer TV-Talkshow zu kritisieren. Der Vorwurf lautet:
„Unter den Opfern in #hanau waren Kurden. Viele Kurden sind vor antikurdischem Rassismus nach Deutschland geflohen. Wieso wird Kübra Gümüşay eingeladen, die zu dem antikurdischen Rassismus schweigt und kurdische, êzîdische, alevitische Kritiker*innen blockiert?“
(Screenshot/Twitter)
Als ob es nicht reicht, dass die Opfer von einem extremistischen Täter getötet wurden, die Angehörigen in tiefer Trauer sind, zieht Othmann alle Register und poltert, nur wenige Stunden nach dem Terroranschlag, gegen Kübra Gümüşay, die als Gast an einer Talkshow teilnehmen soll. Ihr einziges Vergehen besteht darin, einen türkischen Migrationshintergrund zu besitzen und nicht die Ideologie zu teilen, die Othmann vehement vertritt So dachte der Terrorist von Hanau auch, er arbeitete auch mit Zuschreibungen. Er zog alle Register und tötete einen „Fremden“ nach dem anderen, insgesamt neun, danach die eigene Mutter und sich selbst. Er machte dabei jedenfalls keinen Unterschied zwischen Kurden oder Türken. Aber Ronja Othmann macht das. Ihre Zuschreibungen sollen marginalisieren, sie sind zudem verroht. Hinter der Rhetorik verbirgt sich lediglich Antitürkismus und Propaganda gegen Türken. Die Propaganda entspricht der Linie der völkischen Kurden der PKK: Kübra Gümüşay und Konsorten hätten den türkischen Nationalismus nach Deutschland eingeschleppt und sie würden zum antikurdischen Rassismus schweigen. Nicht umsonst wird diese Zuschreibung gemacht. Das Tatsächlich in Deutschland vorhandene Problem des Rechtsextremismus und insbesondere der Gewalt gegen Migranten wird vollständig auf die Türkei und die Türken projiziert. Türkische Einwanderer oder Deutsche mit türkischen Migrationshintergrund werden angesichts der ihnen zugeschriebenen unüberwindlichen wertekulturellen und ideologischen Unterschiede zu ihresgleichen als schlechthin fremdartige Monster imaginiert. So wird die reale Gefahr für Migranten, terroristische Gewalt zu erleiden, zu einer Bedrohung des deutschen wie „kurdischen Volkes“ umgedeutet. Dazu kapert Ronja Othmann gern einmal auch die Rhetorik des ihr verhassten Rechtsextremismus und dividiert die Opfer auseinander. Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de
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