Rechtsterrorismus
Kommentar: Manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Hanauer Terroranschlags an sich gezogen. Die eigentlich wichtige Frage wäre, welche Organisation hinter diesem furchtbaren Anschlag steckt. Um wen handelt es sich bei den Hintermännern und wer hat es in Auftrag gegeben, wie viele Unterstützer hatte dieser Terrorist? Diesen Fragen müssen die Ermittlungsbehörden nachgehen.

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Ein Gastkommentar von Kemal Bölge – kboelge@web.de

Seit dem rassistisch motivierten Terroranschlag von Hanau sind einige Tage vergangen und die politischen Entscheidungsträger sowie Parteien dieses Landes haben ihre Bestürzung und tiefe Trauer zum Ausdruck gebracht.

Die Fahnen über dem Reichstag und anderen Plätzen wehten aus Respekt gegenüber den Opfern des rechtsterroristischen Anschlags auf halbmast. Der Bundesinnenminister hat verstärkte Polizeipräsenz, auch vor Moscheen, angekündigt, obwohl die muslimischen Verbände seit geraumer Zeit Polizeischutz für Gebetseinrichtungen gefordert haben. Leider werden fast täglich Moscheen und Kultureinrichtungen von Muslimen in Deutschland zur Zielscheibe von Anschlägen.

So manche Moscheegemeinde meldet einen Anschlag gar nicht mehr, weil manche Behörden vielleicht gar kein Interesse an einer Aufklärung haben. Das ist jedenfalls der Eindruck von einigen Moscheegemeindemitgliedern. Türkische Moscheen und Kultureinrichtungen sind nicht nur zur Zielscheibe von Neonazis geworden, sondern auch von Sympathisanten der Terrororganisation PKK, die immer wieder diese angreifen. Selten werden die Täter ermittelt und vor Gericht gebracht. Der rassistisch motivierte Nazi-Terror bedroht in Deutschland nicht nur jüdische, sondern auch muslimische Einrichtungen. Dieser Terror bedroht das tägliche Miteinander und Nebeneinander aller Menschen in Deutschland.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen im Fall des Hanauer Terroranschlags an sich gezogen. Die eigentlich wichtige Frage wäre, welche Organisation hinter diesem furchtbaren Anschlag steckt. Um wen handelt es sich bei den Hintermännern und wer hat es in Auftrag gegeben, wie viele Unterstützer hatte dieser Terrorist? Diesen Fragen müssen die Ermittlungsbehörden nachgehen. In den letzten Tagen war in der Presse zu lesen, der Terrorist Tobias R. wäre „psychisch krank“ und hätte unter „Wahrvorstellungen“ gelitten.

Hallo, dieser Killer hat, ohne mit der Wimper zu zucken, neun Menschen mit „ausländischen Wurzeln“ und später seine Mutter eiskalt getötet und jetzt sollen wir glauben, er hätte das alles unter „psychischen Wahnvorstellungen“ durchgeführt.
Es ist gut möglich, dass dieser Terrorist psychisch krank war, aber bei der Berichterstattung wird so getan, als ob das eine Entschuldigung für das Massaker wäre, nach dem Motto „Seht her, das ist ein psychisch Kranker.“

Bei der Berichterstattung in den Medien wurde immer wieder auf den „Migrationshintergrund“ der getöteten Opfer hingewiesen. Aus welchem Grund wird darauf verwiesen? Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Opfer des Anschlags keine Fremden, sondern Mitbürger gewesen seien.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat seine Bestürzung über den rassistisch motivierten Terroranschlag in Hanau geäußert. Das ist wohl ehrlich gemeint, aber warum hat Bouffier 2006, damals Innenminister von Hessen, den Ermittlungsbehörden in Zusammenhang mit dem Kasseler NSU-Mord an Halit Yozgat die Vernehmung von rechten V-Leuten verweigert? Obwohl beim Mordanschlag auf Halit Yozgat im Internetcafé ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes zugegen war, hat dieser ehemalige Verfassungsschützer bestritten einen Schuss gehört oder den ermordeten Halit Yozgat hinter dem Tresen gesehen zu haben.

Das britische Institut „Forensic Architecture“ in London erklärte 2017, Temme hätte die abgegebenen Schüsse hören müssen und auch das hinter dem Tresen liegende Mordopfer. Zur Klärung dieser Frage bauten die Wissenschaftler das Internetcafé des ermordeten 21-jährigen Yozgat in Lebensgröße nach. Ferner wurden dreidimensionale Computersimulationen genutzt. Das Ergebnis ist eindeutig, nur hatte das vor Gericht keine Konsequenzen für Temme, weil das Oberlandesgericht in München beim NSU-Prozess auf fatale Weise den ehemaligen Verfassungsschützer für Glaubwürdig hielt.

Temme geriet nach der NSU-Mordtat von Kassel ins Visier der Polizei, weil er sich nach dem Mord im Internetcafé nicht bei der Polizei gemeldet hatte. Die hatte ihn über ihre Ermittlungen entdeckt. Das Landeskriminalamt (LKA) in Hessen startete eine Telefonüberwachung von Temme und im Laufe dieser Überwachungsmaßnahmen kam heraus, dass der Verfassungsschützer nicht nur über den Mord an Halit Yozgat informiert war, sondern auch über andere NSU-Morde in Deutschland. Das, was ich hier schreibe habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ist in verschiedenen Medien im Internet nachlesbar.

Temme war auch im Bundestags-Untersuchungsausschuss, aber auch dort konnte man ihm nichts anhaben, da er von diversen behördlichen Stellen geschützt wurde. Es geht hier um einen kaltblütigen Mord an einem 21-jährigen Inhaber eines Internetcafés mit türkischen Wurzeln, der 2006 in seinem eigenen Geschäft aus rassistischen Motiven getötet wurde. Wir leben in Deutschland in einem Rechtsstaat und in diesem darf ich doch erwarten, dass ein Mordfall aufgeklärt wird. Der hessische Verfassungsschutz hat zu dem NSU-Mord eine eigene interne Ermittlung durchgeführt, aber diese Akten werden für sage und schreibe 120 Jahre unter Verschluss gehalten, also diese Akten darf niemand einsehen. Wo sind die investigativen Medien und Zeitungen in Deutschland, die diesen Skandal thematisieren und eine Aufhebung der Geheimhaltung dieser Akten fordern?


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


 

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