Kommentar
Anschlag in Hanau: Deutschtürken werden als fremdartige Monster imaginiert

"Wenn ein extremistischer Terrorist in Hanau auf Menschen in Shisha-Bars schießt, fragt er nicht vorher nach ihrer Herkunft, Religion, Glaubensrichtung, politischer Gesinnung oder nach der Staatsangehörigkeit. Das kann der Terrorist nicht." Ein Kommentar.

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Wenn ein extremistischer Terrorist in Hanau auf Menschen in Shisha-Bars schießt, fragt er nicht vorher nach ihrer Herkunft, Religion, Glaubensrichtung, politischer Gesinnung oder nach der Staatsangehörigkeit. Das kann der Terrorist nicht.

Dieser Terrorist unterscheidet auch nicht zwischen Christen, Atheisten oder Muslimen, Sinti oder Roma, Bosniern, Deutschen oder Türken. Das kann der Terrorist auch nicht.

Seine Intention ist, so viele wie möglich und so schnell wie möglich zu töten.

Man nennt diesen Täter Terrorist, weil er Terror verbreitet. Man kann diesen Täter als Irren bezeichnen, man kann diesen Täter auch als psychologisch Krank bezeichnen, aber das haben nun mal Terroristen so an sich. Nur irre, psychologisch kaputte Menschen kommen auf die Idee, andere Menschen aufgrund ihrer Andersartigkeit oder politischen Einstellung zu töten.

Hanau und die Verrohung: Wie man Opfer auseinanderdividiert

Dann gibt es noch ganz andere Irre. Irre, die mit ihrer spitzen Feder die Opfer von Hanau auseinanderdividieren, um daraus politischen, ideologischen und privaten Kapital daraus zu schlagen. Dazu gehören Personen aus dem Kreise der AfD, aber auch anderen Parteien und vor allem Aktivisten sowie gänzlich ideologisierte Menschen.

Ein Prachtexemplar heißt Ronya Othmann, eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin. Dieses Prachtexemplar schickt sich an, die Teilnahme einer Deutschen mit türkischen Migrationshintergrund in einer TV-Talkshow zu kritisieren. Der Vorwurf lautet:

„Unter den Opfern in #hanau waren Kurden. Viele Kurden sind vor antikurdischem Rassismus nach Deutschland geflohen. Wieso wird Kübra Gümüşay eingeladen, die zu dem antikurdischen Rassismus schweigt und kurdische, êzîdische, alevitische Kritiker*innen blockiert?“

(Screenshot/Twitter)

Als ob es nicht reicht, dass die Opfer von einem extremistischen Täter getötet wurden, die Angehörigen in tiefer Trauer sind, zieht Othmann alle Register und poltert, nur wenige Stunden nach dem Terroranschlag, gegen Kübra Gümüşay, die als Gast an einer Talkshow teilnehmen soll. Ihr einziges Vergehen besteht darin, einen türkischen Migrationshintergrund zu besitzen und nicht die Ideologie zu teilen, die Othmann vehement vertritt

So dachte der Terrorist von Hanau auch, er arbeitete auch mit Zuschreibungen. Er zog alle Register und tötete einen „Fremden“ nach dem anderen, insgesamt neun, danach die eigene Mutter und sich selbst. Er machte dabei jedenfalls keinen Unterschied zwischen Kurden oder Türken. Aber Ronja Othmann macht das.

Ihre Zuschreibungen sollen marginalisieren, sie sind zudem verroht. Hinter der Rhetorik verbirgt sich lediglich Antitürkismus und Propaganda gegen Türken. Die Propaganda entspricht der Linie der völkischen Kurden der PKK: Kübra Gümüşay und Konsorten hätten den türkischen Nationalismus nach Deutschland eingeschleppt und sie würden zum antikurdischen Rassismus schweigen.

Nicht umsonst wird diese Zuschreibung gemacht. Das Tatsächlich in Deutschland vorhandene Problem des Rechtsextremismus und insbesondere der Gewalt gegen Migranten wird vollständig auf die Türkei und die Türken projiziert. Türkische Einwanderer oder Deutsche mit türkischen Migrationshintergrund werden angesichts der ihnen zugeschriebenen unüberwindlichen wertekulturellen und ideologischen Unterschiede zu ihresgleichen als schlechthin fremdartige Monster imaginiert. So wird die reale Gefahr für Migranten, terroristische Gewalt zu erleiden, zu einer Bedrohung des deutschen wie „kurdischen Volkes“ umgedeutet.

Dazu kapert Ronja Othmann gern einmal auch die Rhetorik des ihr verhassten Rechtsextremismus und dividiert die Opfer auseinander.

Nabi Yücel – yuecelnabi@hotmail.de


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


 

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