VW-Werk Türkei
Türkischer Industrieminister Varank: VW wird verlieren, nicht die Türkei

Ankara – Die Entscheidung des deutschen Auto-Riesen gegen das geplante Werk in der Türkei, hatte politische Gründe, so der türkische Industrieminister Varank am Sonntag. „Wir wussten, dass es einige Leute gibt, die dies [Investitionen in der Türkei] politisch nicht wollen“, sagte Varan in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu. Der türkische Minister betonte, dass globale Marken keine politischen Entscheidungen treffen sollten: „Wenn dieses Unternehmen der Öffentlichkeit zugänglich ist, betrügt man eigentlich seinen Investor, indem man Entscheidungen trifft, die auf politischem Druck statt auf Profitabilität basieren.“ „In diesem Fall wird Volkswagen verlieren, nicht die Türkei. Denn sie haben zugegeben, dass sie ihre Investoren mit politischen Entscheidungen hintergangen und nicht wirtschaftlich entschieden haben“, so Varank. Die Türkei sei eine wichtige Wirtschaft und man lege Wert auf globale Investoren, erklärte Varank. Im Juli hatte VW angekündigt, wegen der Corona-Krise die Pläne für ein Werk in der Türkei aufzugeben. „Hintergrund ist der durch die Coronakrise erfolgte Einbruch der globalen Automobilnachfrage“, teilte das Unternehmen mit. Trotz heftigem politischen Widerstand in Deutschland und Brüssel gründete VW Anfang Oktober das Unternehmen Volkswagen Türkei Otomotiv Sanayi ve Ticaret A.S. mit einem Kapital von 943,5 Millionen türkischen Lira (164,5 Millionen Dollar). Der deutsche Automobilhersteller plante, voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro in das Werk zu investieren und 2022 die Produktion aufzunehmen. Bereits im August mahnten deutsche Kritiker der türkischen Regierung VW, sich für die Türkei zu entscheiden. Eine Vergabe des neuen Werks an die Türkei sei nicht „mit der Menschenrechtslage in dem Land vereinbar“.

Volkswagen stärke mit der Standortauswahl „das autokratische Regime von Erdogan“ und sende zugleich ein „verheerendes Signal“ an den Mitbewerber Bulgarien, so EU-Politikerin Viola von Cramon-Taubadel, niedersächsische Grünen-Abgeordnete gegenüberVW werde „angesichts der aktuellen instabilen und höchst kritischen politischen Situation in der Türkei“ für das finanzielle Risiko eines solchen Investments möglicherweise noch „teuer bezahlen müssen“, warnte Cramon-Taubadel.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der gleichzeitig im VW-Aufsichtsrat sitzt, warnte jedoch bereits im August davor, „den Demokraten“ in der Türkei den Eindruck zu vermitteln, „wegen Präsident Erdogan das Land insgesamt in Acht und Bann zu legen“. „Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Demokraten in der Türkei dürfen nicht den Eindruck gewinnen, wir würden sie fallen lassen“, so Weil.

Auch interessant

– VW-China – Nach Türkei-Stopp: VW eröffnet großes Entwicklungszentrum in China

Während VW das geplante Werk in der Türkei nach enormem Druck aus der Politik und den Medien stoppen musste – genannt wurde die Menschenrechtslage – hat der Autobauer am Dienstag in Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet.

Nach Türkei-Stopp: VW eröffnet großes Entwicklungszentrum in China

Studie
Pflegereform könnte Zahl der Sozialhilfeempfänger um ein Drittel senken

Eine neue Studie einer Gruppe von Forschern unter Führung des Bremer Pflegewissenschaftlers Heinz Rothgang, die dem Fachdienst „Tagesspiegel Background Gesundheit“ vorliegt, belegt, dass die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im November vorgeschlagene Pflegereform zahlreiche Menschen in Pflegeheimen und deren Angehörige deutlich entlasten würde. Durch neue Finanzierungswege und einen Steuerzuschuss könnte die Zahl der Sozialhilfeempfänger um ein Drittel auf 25 Prozent reduziert werden. Dies wäre die niedrigste Quote seit über 20 Jahren. Zugleich würden Länder und Kommunen bei der Sozialhilfe um über zwei Milliarden Euro im Jahr entlastet. Laut Studie würden 90 Prozent der Pflegeheimbewohner davon profitieren. Ohne die Reform würde die Sozialhilfequote in Heimen dagegen von aktuell 33 auf 37 Prozent ansteigen. Grund dafür sind die geplanten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und den Löhnen der Pflegekräfte. Sie werden die Pflegekosten in den kommenden beiden Jahren um mindestens zehn Prozent steigen lassen. Spahn hatte vorgeschlagen, den monatlichen Eigenanteil an den eigentlichen Pflegekosten auf 700 Euro zu begrenzen und nach 36 Monaten Heimaufenthalt vollständig zu streichen. Gleichzeitig sollten die Länder erstmals verpflichtet werden, sich mit 100 Euro pro Monat und Heimbewohner an den Investitionskosten zu beteiligen. Die Reformkosten, die laut Studie 5,3 Milliarden Euro betragen würden, will Spahn über Steuern finanzieren. Der Vorstandschef der DAK-Gesundheit Andreas Storm, dessen Krankenkasse die Studie in Auftrag gegeben hatte, erklärte, die Modellrechnung der Bremer Wissenschaftler belegten, „dass die von Minister Spahn geplante Pflegereform hoch wirksam wäre und für zahlreiche Menschen einen Weg aus der Fürsorgefalle aufzeigt“. Es gehe um nicht weniger als eine „solidarische Neuausrichtung der Pflegeversicherung“. Diese dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werde. „Ich halte eine Reform noch in dieser Legislaturperiode für möglich und erforderlich“, sagte Storm gegenüber „Tagesspiegel Background“. „Ziel sollte es sein, die von Spahn versprochene Entlastung bereits zum 1. Juli in Kraft treten zu lassen. Dies der nächsten Bundesregierung zu überlassen, würde bedeuten, dass eine Reform frühestens 2023 in Kraft treten könnte. Wenn überhaupt“, sagte Storm.

Türkei
Elon Musks SpaceX-Rakete bringt weiteren türkischen Satelliten ins All

Dritter türkischer Militärsatellit ASELSAT soll am 14. Januar ins All

Von Kemal Bölge

Am 14. Januar 2021 soll der dritte Militärsatellit der Türkei, ASELSAT, vom amerikanischen Raumfahrtkonzern SpaceX des Unternehmers Elon Musk in Florida mit einer Falcon-9-Rakete ins All geschossen werden.

Satellitenkommunikationssysteme sind für das Militär weltweit zu einem unverzichtbaren Kommunikationsmittel geworden, vor allem bei grenzüberschreitenden Operationen. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, hat die türkische Rüstungsschmiede Aselsan kompetente Kommunikationsinstrumente als alternative Lösungen entwickelt, damit die taktischen Anforderungen der stationären Truppenteile und Verbände vor Ort, der Kommandozentralen, Stäbe und Hauptquartiere mit den Befehlshabern in den jeweiligen Einsatzgebieten abgestimmt werden können.

(Screenshot/Twitter)

Für diesen Zweck hat Aselsan im Rahmen des kooperativen Forschungs- und Entwicklungsprojekts (F&E Projekt) mit der Technischen Universität Istanbul den ASELSAT 3U Würfel-Satelliten entwickelt. Als Produktportfolio bietet Aselsan Satellitenkommunikationssysteme sowohl für die militärische als auch für die zivile Nutzung an. Planmäßig soll die Trägerrakete Falcon-9 den ASELSAT-Satelliten am 14. Januar in die Erdumlaufbahn bringen.

Armenische Lobbyorganisationen in Nordamerika hatten im Vorfeld Druck auf den Raumfahrtkonzern SpaceX ausgeübt, damit das Unternehmen aus dem Projekt mit dem türkischen Verteidigungsministerium aussteigt.

Das letzte Jahrzehnt war ein Wendepunkt für die Raumfahrtambitionen der Türkei. Das Land stärkte sein einheimisches Raumfahrt-Know-how und stieg zu einem wettbewerbsfähigen Akteur in der globalen Arena auf.

Im Rahmen von Ankaras Raumfahrtprogramm wurden 2011 und 2012 die beiden in der Türkei hergestellten Satelliten RASAT und Göktürk 2 für Erdbeobachtungsmissionen in die Umlaufbahn gebracht.

Mit dem Ziel, ihr Arsenal an Raumfahrtkapazitäten zu stärken, hat die Türkei auch mit dem Bau eines eigenen Kommunikationssatelliten namens Turksat 6A begonnen, der von den lokalen Technologieunternehmen Tubitak Space, Turkish Aerospace, Aselsan und CTECH sowie dem staatlichen Satellitenbetreiber Turksat entwickelt wurde. Der Start von Turksat 6A ist für das Jahr 2022 geplant.

Auch interessant

– USA – Tesla-Gründer Elon Musk isst in Deutschland am liebsten Döner

Ein weiterer Tweet des Tesla-Gründers Elon Musk wird in der Türkei gefeiert und geht viral. Auf die Frage, was er in Deutschland am liebsten esse, antwortet der Multimilliardär mit „Döner Kebab“.

Tesla-Gründer Elon Musk isst in Deutschland am liebsten Döner

Kommentar
Zypern: Noch immer über 2.000 vermisste Massaker-Opfer

Ein Gasbeitrag von Nabi Yücel Noch immer werden Opfer von Massakern der 60er- und 70er-Jahre auf Zypern entdeckt. Das „Komitee für vermisste Personen“ CMP sucht seit 1981 nach über 2.000 vermisst gemeldeten griechischen oder türkischen Zyprioten, die während des Versuchs der griechischen Junta, die gesamte Insel an Griechenland ethnisch gesäubert anzugliedern, bei heftigen Kämpfen zwischen Mitgliedern der griechischen EOKA-B sowie türkisch-zypriotischen Widerstandskämpfern getötet wurden. Ein Teil eines Massengrabs mit 89 Opfern wurde zwischen dem 14. Oktober 2015 und dem 5. Februar 2016 in drei Phasen ausgegraben. Die CMP fand das Massengrab anhand von Berichten von Überlebenden, die angegeben hatten, die griechische EOKA-B habe allein im Disktrikt Gazimağusa am 14. August 1974 insgesamt 126 Frauen und Kinder ermordet. Die Opfer sollen alle aus den Dörfern Sandallar, Muratağa und Atlılar aus dem Distrikt Gazimağusa stammen, die damals von türkischen Zyprioten bewohnt wurden. Lediglich die Überreste von 14 Opfern konnten nach umfangreichen DNA-Analysen türkisch-zypriotischen Familien zugeordnet werden, die am 28. Dezember 2020 zeremoniell im Nordteil der Insel bestattet wurden. Das jüngste der Opfer war nur 4 Monate alt, während das älteste 15 Jahre alt war. Die Überreste von weiteren 75 Opfern, die aus dem selben Massengrab stammen, sollen noch in den laufenden Monaten bestattet werden. Hierbei sollen nach Berichten die Angehörigen noch kontaktiert und die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden. CMP weitet Suche im Nordteil aus Allein vergangenes Jahr gruben Experten der CMP bei Ausgrabungsarbeiten in den Distrikten Gazimağusa (Famagusta), Girne und Lefkoşa (Nikosia) im türkischen Teil der Insel, die Überreste von weiteren Dutzend Opfern aus. Die Feststellung der Identität gestaltet sich dabei als recht schwierig, da es teils auch keine Angehörigen mehr gibt, die zum Abgleich der DNA herangezogen werden können. Zudem läuft den Mitarbeitern der CMP die Zeit davon, weil die Augenzeugen sterben, die den einen oder anderen Hinweis geben könnten. Bei den Massakern der 60er- und 70er-Jahre wurden meist auch beinahe alle Familienmitglieder ermordet oder kamen Angehörige bei weiteren Kampfhandlungen ums Leben. CMP agiert unabhängig aber binational Der Komitee für vermisste Personen in Zypern (CMP), der 1981 mit einem Abkommen zwischen der griechisch-zyprischen und der türkisch-zyprischen Regierung mit Unterstützung der Vereinten Nationen eingerichtet wurde, hat die Aufgabe, vermisste Personen zu finden, die seit den Konflikten in den 1960er und 1970er Jahren als vermisst gemeldet werden. Die CMP arbeitet dabei mit Spenden der Weltgemeinschaft, aber auch mit Spenden der griechisch- wie türkisch-zypriotischen Regierung sowie der Türkei.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Auch interessant

– Mittelmeer-Krise – Türkei und Nordzypern kündigen Militärmanöver im Mittelmeer an

Inmitten der andauernden Spannungen mit Griechenland, hat die Türkei am Samstag ein gemeinsames Seemanöver mit Nordzypern im Mittelmeer angekündigt.

Türkei und Nordzypern kündigen Militärmanöver im Mittelmeer an

China
Regimekritik: Alibaba-Gründer Jack Ma ist spurlos verschwunden

Peking – In einem seltsamen Vorfall ist der chinesische Milliardär Jack Ma Berichten zufolge aus der von ihm ins Leben gerufenen afrikanischen Talentshow verschwunden. Der reichste Mann Chinas und Gründer des chinesischen Online-Versandhauses Alibaba, soll seit Ende Oktober nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden sein. Er hatte erst kurz zuvor das Regime offen kritisiert. Bei einem Finanzforum in Shanghai etwa, sagte Jack Ma (56), dass das chinesische Finanzsystem kein System habe und die zu strengen finanziellen Regulierungen des Landes den wirtschaftlichen sowie technischen Fortschritt behindern würden, berichtet Focus. Chinesische Banken, sagte er, arbeiteten mit einer „Pfandhaus“-Mentalität. Laut dem Wall Street Journal habe der chinesische Präsident Xi Jinping daraufhin den geplanten Börsengang von Jack Mas Unternehmen Ant Group höchstpersönlich verhindern lassen. Letzten Monat kündigten die Behörden zudem eine Anti-Monopol-Untersuchung gegen sein Unternehmen an. Chinas staatliche Behörde für Marktregulierung (SAMR) untersucht die Praxis von Alibaba, Verkäufer zur Unterzeichnung von Exklusivverträgen zu zwingen, was bedeutet, dass sie ihre Produkte nirgendwo anders verkaufen dürfen, hieß es am Donnerstag, wie Business Insider berichtet. Ma wurde im November auch in der von ihm produzierten Gründer-Show „Africas Business heroes“ plötzlich als Jury-Mitglied ersetzt. Der 56-Jährige machte sein Vermögen mit der Gründung von Alibaba, das als Asiens Amazon bezeichnet wird, und war einst ein Liebling des kommunistischen Regimes in China. China geht mit Regierungskritikern wenig zimperlich um. Im März verschwand der Immobilienmagnat Ren Zhiqiang, nachdem er Präsident Xi Jinping wegen seines Umgangs mit der Coronavirus-Krise einen „Clown“ genannt hatte. Zhiqiang sei später zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er offenbar „freiwillig“ verschiedene Korruptionsdelikte gestanden habe.        

Energiepolitik
TurkStream-Gaspipeline versorgte Europa 2020 mit 5,8 Mrd. m3 Gas

Belgrad – Seit der Inbetriebnahme im Januar vergangenen Jahres, wurde 2020 über 5,8 Milliarden Kubikmeter russisches Gas durch die TurkStream Gaspipeline über die Türkei nach Europa geliefert. Verbraucher in Bulgarien, Griechenland, Mazedonien und Rumänien wurden durch die Pipeline mit Erdgas versorgt, berichtet die englischsprachige Daily Sabah unter Berufung auf Quellen im türkischen Energiesektor. Unterdessen erklärte Serbien am Freitag, dass es mit der Lieferung von Erdgas nach Europa durch die TurkStream-Pipeline begonnen habe. Der 403 Kilometer lange serbische Abschnitt wurde in einer Zeremonie in Gospodjinci in der Gemeinde Zabalj im Norden des Landes in Betrieb genommen. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic sagte bei der Zeremonie, dass TurkStream einen großen Beitrag zur Industrie und Wirtschaft des Landes leisten und die Lebensqualität der Serben erhöhen wird. „Ich möchte allen unseren russischen Freunden danken, die mit uns am Bau dieser Pipeline teilgenommen haben. Herzlichen Glückwunsch zu einer gewaltigen Arbeit, das ist von großer Bedeutung für unsere Industrie, den Fortschritt der serbischen Wirtschaft, aber auch von großer Bedeutung für alle Einwohner unseres Landes“, so Vucic. Die Balkan Stream ist ein Zweig der 930 Kilometer langen TurkStream-Gaspipeline, ein Projekt der russischen Gazprom und der türkischen Botas, das rund 31,5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren kann. TurkStream ist eine neue Exportgaspipeline aus Russland in die Türkei durch das Schwarze Meer. Der erste Strang der Pipeline ist für Gaslieferungen an türkische Verbraucher bestimmt und der zweite für die Gasversorgung der Länder Süd- und Südosteuropas. Das TurkStream-Projekt ist eine Exportgasleitung, die aus zwei 930 km langen Leitungen mit einer Kapazität von jeweils 15,75 Milliarden Kubikmetern besteht. Die Leitungen wurden in einer Tiefe von bis zu 2.200 Metern verlegt. Das Projekt ist die Offshore-Gasleitung mit dem größten Durchmesser der Welt, die in solchen Tiefen verlegt wurde. Die Tiefsee-Rohrverlegung wurde von Pioneering Spirit, dem größten Bauschiff der Welt, durchgeführt. Am 1. Dezember 2014 unterzeichneten Gazprom und Botas Petroleum Pipeline Corporation ein Memorandum of Understanding über den Bau der Gaspipeline durch das Schwarze Meer in Richtung Türkei. Im September 2016 erhielt Gazprom die ersten Genehmigungen von Behörden der Republik Türkei für die Umsetzung der TurkStream. Am 10. Oktober 2016 wurde ein Abkommen zwischen der Regierung der Russischen Föderation und der Regierung der Republik Türkei zum Projekt TurkStream unterzeichnet.

Im Dezember 2016 unterzeichneten South Stream Transport B.V. und Allseas Group S.A. einen Vertrag zum Bau des ersten Strangs des Offshore-Abschnitts der Gaspipeline TurkStream mit einer Option für die Verlegung des zweiten Strangs. Im Februar 2017 unterschrieben South Stream Transport B.V. und Allseas Group einen Vertrag zum Bau des zweiten Strangs des Offshore-Abschnitts der Gaspipeline TurkStream. Am 7. Mai 2017 wurde im Schwarzen Meer mit dem Bau der Gaspipeline TurkStream begonnen. Die Arbeiten starteten an der russischen Küste. Am 19. November 2018 wurde die Verlegung des Offshore-Abschnitts der Gaspipeline abgeschlossen.

Auch interessant

– Zeit nach Brexit – Nach Brexit: Großbritannien kündigt Freihandelsabkommen mit der Türkei an

Wie das britische Handelsministerium am Sonntag mitteilte, werden Großbritannien und die Türkei bereits am Dienstag ein Freihandelsabkommen unterzeichnen.

Nach Brexit: Großbritannien kündigt Freihandelsabkommen mit der Türkei an
   

Auto-News
Türkei: Daimler plant Global Technology Hub in Istanbul

Stuttgart – Der Automobilkonzern Daimler plant, dieses Jahr den Daimler Mobility Global Technology Hub als Basis für die Softwareentwicklung von Daimler Mobility in Istanbul zu errichten. Die Zentrale soll als Softwareentwicklungsbasis für Daimler Mobility dienen und globale Dienstleistungen anbieten. Vidin Engindeniz, Vorstandsmitglied von Mercedes-Benz Automotive und Leiter des Global IT SDC, brachte zum Ausdruck, dass „der Glaube und das Vertrauen der Daimler AG in die Türkei von Jahr zu Jahr wächst.“ Engindeniz betonte, dass SDC nicht nur für die Automobilindustrie, sondern auch als wichtiges Softwareentwicklungs- und Innovationszentrum positioniert ist. „Der Daimler Mobility Global Technology Hub wird der erste Technologie-Hub der Welt sein, der global agiert“, fügte sie hinzu. Das Daimler Global IT SDC übernimmt bereits seit 2013 eine entscheidende Rolle bei den globalen Cybersicherheitsoperationen von Daimler. Das Zentrum bedient mehr als 40 Länder von Deutschland bis Japan in den Bereichen SAP (Systemanalyse und Programmentwicklung) und Rollout.

Auch interessant

– Türkei – Technologie-Gigant Ericsson eröffnet Forschungslabor in Istanbul

Das weltweit führende Informationstechnologie-Unternehmen Ericcson hat am Dienstag in Istanbul ein Forschungslabor eröffnet. In diesem sollen innerhalb der nächsten zehn Jahre globale Industrietechnologien entwickelt werden.

Technologie-Gigant Ericsson eröffnet Forschungslabor in Istanbul

Terroranschlag
Somalia: Mehrere Menschen bei Angriff auf türkisches Unternehmen getötet

Mogadischu – Bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mindestens fünf Menschen getötet worden, darunter zwei Türken, wie der türkische Gesundheitsminister mitteilte. Die Terrormiliz Al-Shabab hat die Verantwortung für den Anschlag nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu, bei dem mindestens fünf Menschen getötet und 14 verletzt wurden, übernommen. Abdiasis Abu Musab, Sprecher der Militäroperation der al-Qaida-verbundenen al-Shabab, teilte mit, die bewaffnete Gruppe stecke hinter dem Anschlag am Samstag. Der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca teilte über Twitter mit, dass 14 Menschen, darunter drei Türken, verwundet wurden und in einem nach dem türkischen Präsidenten benannten Krankenhaus in Mogadischu behandelt werden. Die Nationalitäten der anderen drei Todesopfer nannte er nicht.
(Screenshot/Twitter)
„Wir verurteilen diesen abscheulichen Anschlag auf die Mitarbeiter eines türkischen Unternehmens, das den Bau der Straße Mogadischu-Afgoye übernommen hat und zur Entwicklung und zum Wohlstand Somalias beiträgt, aufs Schärfste“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Türkische Sicherheitsquellen sagten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, der Selbstmordattentäter habe für den Angriff ein Motorrad benutzt. Der Anschlag fand etwa 15 km von einem türkischen Militärstützpunkt statt. Die Basis ist die größte Militäreinrichtung der Türkei im Ausland.

Auch interessant

– Somalia – Mogadischu: 152 weitere Soldaten absolvieren Training auf türkischer Militärbasis

Etwa 152 somalische Soldaten absolvierten erfolgreich ihr Militärtraining im türkischen Stützpunkt in Somalia.

Somalia: 152 weitere Soldaten absolvieren Training auf türkischer Militärbasis
 

Deutschland
Schäuble mahnt verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Nation an

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Nation angemahnt. Dass das Thema in der nationalsozialistischen Zeit „grauenvoll missbraucht wurde“, sei jedermann bekannt, sagte Schäuble in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Das Parlament“. Dabei wisse man aus der deutschen Geschichte schon vor 1933, dass es verheerende Folgen habe, nationale Gefühle zu übertreiben. „Sie einfach wegzuschieben, wäre aber auch ganz falsch – dann überlassen wir sie den Gegnern der freiheitlichen Demokratie“, betonte der Parlamentspräsident. Es sei für jede freiheitliche Organisation des Zusammenlebens wichtig, „dass es etwas gibt, das den Menschen eine gewisse Zugehörigkeit vermittelt“. Dieses „Wir“ wolle er „gar nicht so genau definieren, das hätte immer etwas Abschließendes an sich“, fügte Schäuble hinzu: „Wir sind aber eine offene Gesellschaft“. Es gehörten nicht nur diejenigen dazu, deren Urgroßeltern schon hier geboren sind. Er verwies zugleich darauf, dass auch Werte Identität und Zugehörigkeit stifteten. Die Werte des Grundgesetzes, insbesondere die Unantastbarkeit der Menschenwürde, seien „doch etwas Tolles“, unterstrich der CDU Parlamentarier. Nation sei indes „mehr als das, was der Begriff Verfassungspatriotismus meint“. Man erreiche die Menschen nicht allein mit der Ratio, sondern auch die Emotionen gehörten dazu. „Ein vernünftiger Umgang damit, was Nation ist, kann die stärksten Kräfte im Menschen ansprechen, zum Beispiel Solidarität. Das ist doch gut“, sagte der Bundestagspräsident. Das Interview im Wortlaut: Herr Präsident, den Deutschen wird gern attestiert, sich beim Thema Nation schwer zu tun, als Folge der nationalsozialistischen Verbrechen. Zu Recht? Dass das Thema Nation in der nationalsozialistischen Zeit grauenvoll missbraucht wurde, ist jedermann bekannt. Insofern ist nachvollziehbar, dass die Deutschen sich damit schwerer tun, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass nicht mehr alle so gern daran erinnert werden wollen, in welchen Abgrund Deutsche sich selbst und die Menschheit geführt haben. Aber das bleibt immer ein Teil unserer Geschichte und der Umgang damit Teil unserer nationalen Identität. Davon unbenommen ist für jede freiheitliche Organisation des Zusammenlebens – zumal unter den Bedingungen der Moderne – wichtig, dass es etwas gibt, das den Menschen eine gewisse Zugehörigkeit vermittelt. Zum Beispiel Nation? Was immer die Nation im Einzelnen ist: In der Regel, und das weit über Europa hinaus, bildet sich in ihr staatliche Organisation – insbesondere dann, wenn diese auf einer freiheitlichen Grundlage erfolgt. Zur freiheitlichen Staatsorganisation gehört zwingend, dass die Bürger Mehrheitsentscheidungen akzeptieren. Das macht das Zugehörigkeitsbewusstsein der Menschen so wichtig für die Demokratie. Deshalb müssen wir mit dem Begriff Nation und allem, was sich damit verbindet, verantwortungsvoll umgehen. Nationale Gefühle zu übertreiben, das wissen wir aus unserer Geschichte auch schon vor 1933, hat verheerende Folgen, sie einfach wegzuschieben, wäre aber auch ganz falsch – dann überlassen wir sie den Gegnern der freiheitlichen Demokratie. Während der deutschen Teilung wurde im Westen zwar staatlicherseits die Einheit der Nation betont, das Gros der Bevölkerung – zumal die Jüngeren – aber orientierte sich stark nach Westen. Das stimmt. Wenn man nicht persönliche Beziehungen hatte oder im Zonenrandgebiet lebte, waren Paris, Italien oder die USA viel interessanter. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ich habe damals zu denen gehört, die an der Einheit der Nation festhielten – da galt man schon fast als kalter Krieger. Und es gab in Deutschland – anders als im geteilten Korea – immer viele gesellschaftliche Kontakte: durch die vielen persönlichen Beziehungen, durch die evangelische Kirche, und auch dadurch, dass die Menschen in der DDR Westfernsehen geschaut haben. Ein Drittel der Bevölkerung war in den letzten Jahren vor dem Mauerfall jährlich für eine Woche im Westen; wir hatten dazu den Besucherverkehr zwischen der Bundesrepublik und der DDR stark ausgeweitet. Bei der Friedlichen Revolution dauerte es dann nur ein paar Wochen, bis aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ der Ruf „Wir sind ein Volk“ wurde. Dieser Ruf war nicht nur der Anziehungskraft der D-Mark und der Verlockungen des Westfernsehens geschuldet?

Die Debatte, ob damals nur der Konsum lockte, ödet mich manchmal etwas an: Es war nicht nur der Konsum! Die Reisefreiheit war mindestens so entscheidend, überhaupt der Wunsch, frei zu leben. Dass der Beitritt der DDR zum Grundgesetz so schnell ging, hat ausschließlich die Mehrheit der Menschen in der DDR bestimmt. Die wollten so leben, wie sie es mit der Bundesrepublik verbanden. Sie hatten ja eine eigene Vorstellung davon, wie es in Westdeutschland sei, und die Mehrheit fühlte sich davon ausgesprochen angezogen. Und sie waren dann eben Deutsche in Deutschland. Denn es war doch mehr an Einheit geblieben. Das zeigt: Nation ist viel mehr als das, was der Begriff Verfassungspatriotismus meint….

…also Identifikation mit Werten, Verfahren, Institutionen der Verfassung… … alles wahr, aber man erreicht die Menschen eben nicht allein mit der Ratio – die Emotionen gehören dazu. Ein vernünftiger Umgang damit, was Nation ist, kann die stärksten Kräfte im Menschen ansprechen, zum Beispiel Solidarität. Das ist doch gut. Für mich stammt die schönste Definition von Richard Schröder, dem SPD Fraktionsvorsitzenden in der frei gewählten DDR-Volkskammer. Der sagte: „Deutschland ist nichts Besonderes, aber etwas Bestimmtes“ – und jeder braucht etwas Bestimmtes. Haben Friedliche Revolution und Einheit auch zu einer Renaissance des deutschen Nationalgefühls insgesamt geführt, das sich etwa beim „Sommermärchen“ während der Fußball-WM in Deutschland 2006 zeigte? Das gab es schon vorher. Eine Zeit lang war es verpönt, Flagge zu zeigen. Aber ich kann mich erinnern, wie Boris Becker in den 1980er Jahren, deutlich vor der Wiedervereinigung, nach einem dramatischen Davis-Cup-Spiel gegen John McEnroe mit der schwarz-rot-goldenen Fahne herumlief. Insofern hatte das einen Vorlauf; es war schon länger nicht mehr völlig verpönt. Beim sogenannten Sommermärchen hat das dann einen Höhepunkt gefunden. Warum auch sollen nicht alle an ihre Autos eine schwarz-rot-goldene Fahne hängen, wenn es ihnen Spaß macht? Das war kein überzogener Nationalismus, eher eine Mode. Aber noch viel schöner an dem Sommermärchen war ja die Tatsache, dass man in diesem Deutschland fröhlich sein kann. Selbst als die deutsche Mannschaft ausgeschieden war, hat dies der Stimmung keinen Abbruch getan. Das ist eigentlich fast ein Symbol für einen vernünftigen Umgang mit der Nation: Die Menschen haben sich einfach weiter gefreut und mit Gästen aus der ganzen Welt gefeiert. Und wenn die Mannschaft das Spiel um den dritten Platz verloren hätte, wäre sie am Brandenburger Tor genauso gefeiert worden. Das war eine Phase, in der wir einen entspannten, aber vernünftigen Umgang mit der Nation hatten: gemäßigt und unverkrampft. Das war nicht schlecht, und das würde ich mir auch für die Zukunft wünschen. Gibt das „Wir-Gefühl“ den Menschen Halt? Ein Stück weit ja. Nicht im Überschwang, da steckt immer eine Gefahr drin. Aber ein Zugehörigkeitsgefühl kann helfen, vor allem eine gemeinsame Aufgabe. Denken Sie an die Anfangsphase der Flüchtlingskrise, an die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof, dieses „Wir helfen denen, so gut wir können; das kriegen wir gemeinsam hin“. Wir dürfen dieses emotionale Bindemittel nicht den Gegnern der Demokratie überlassen. Sie haben in diesem Zusammenhang von einer identitätsstiftenden Funktion der Nation gesprochen… Ja. Sobald Sie anfangen, dieses „Wir“ genauer zu definieren, kommen Sie ins Unterholz: Warum feuern wir beim Länderspiel gegen Frankreich die eigene Mannschaft an? Nicht wegen der Verfassung; die Grundwerte hat Frankreich auch, und trotzdem ist man für die eigene Mannschaft – einfach nur, weil es „unsere“ ist. Ist dieses „Wir“ die historisch gewachsene Gemeinschaft mit gleicher Sprache, Kultur, Geschichte? Dieses „Wir“ will ich gar nicht so genau definieren, das hätte immer etwas Abschließendes an sich. Wir sind aber eine offene Gesellschaft. Es gehören nicht nur diejenigen dazu, deren Urgroßeltern schon hier geboren sind. Die Migration, die Mobilität hat sich unheimlich beschleunigt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs sind mindestens 15 Millionen Menschen von Ost nach West verschoben worden. Das hat damals auch „gerumpelt“; so angesehen waren die deutschen Flüchtlinge in den ersten Jahren in ihrer neuen Heimat nicht. Aber wir haben es verkraftet. Und jetzt müssen wir die viel stärkeren globalen Wanderungsbewegungen auch verkraften. Das ist eine der großen Herausforderungen der freiheitlichen Gesellschaft. Wenn wir allerdings zurückfallen in den Anspruch „Me first“, wird die Welt nicht besser, sondern schwieriger. Wir leben in einer offenen, pluralen Gesellschaft, in der jeder Vierte einen Migrationshintergrund hat. Neben der „Kulturnation“ gibt es auch das Modell der „Staatsnation“, deren Bürger auf der Grundlage bestimmter Werte, Rechte und Pflichten zusammenfinden. Ist das ein Gegensatz? Nein, das ergänzt sich. Denken Sie an die Aufnahme der Hugenotten in Preußen im 17. Jahrhundert: Das waren nicht Bürger zweiter Klasse. Über das Abstammungs- und das Territorialprinzip beim Staatsbürgerschaftsrecht kann man trefflich streiten; diese Debatte habe ich auch eine Zeit lang aushalten müssen, aber heute sind wir darüber hinweg. Man kann seine Staatsbürgerschaft wechseln, und die Staatsbürgerschaft muss man in ihrer Bedeutung nicht überziehen. Aber ohne eine gewisse Zuordnung, welcher Staat für wen mit welchen Rechten und Pflichten zuständig ist, geht es nicht. Teilhabe braucht Teilnahme, also Zugehörigkeit. Um dabei auf das Stichwort Verfassungspatriotismus zurückzukommen: Stiftet nicht auch das Zusammenfinden zu bestimmten Werten Identität? Das ist kein Entweder-oder, das überlagert sich gegenseitig. Werte stiften natürlich Identität und Zugehörigkeit. Die Werte des Grundgesetzes, insbesondere die Unantastbarkeit der Menschenwürde, sind doch etwas Tolles. Und für Franzosen sind natürlich die Werte der Revolution, also Liberté, Égalité, Fraternité, von ganz entscheidender Bedeutung. Ich habe nichts gegen Verfassungspatriotismus, im Gegenteil: Ein vernünftiger Deutscher, dem sein Land nicht völlig egal ist, ein Patriot, der darf die Menschenwürde nicht mit Füßen treten. Sonst ist er kein guter Deutscher. Sie sind ein ausgewiesener Europäer. Ihre Generation und die vorherige hat im Aufbau eines gemeinsamen Europa eine identitätsstiftende Aufgabe gefunden. Geht dieses Identitätsstiftende, geht die europäische Begeisterung verloren? Ich hoffe nicht, aber die Frage ist nicht entschieden. Natürlich ist die europäische Identität noch eine zarte Pflanze. Sie war wie der Verfassungspatriotismus am Anfang eher eine Kopfgeburt, weil man nicht noch einmal Krieg wollte; dann besann man sich: Europa war doch immer schon mehr. Statt „Wir-Gefühl“ kann man auch pathetischer von „Schicksalsgemeinschaft“ sprechen. Die Nation ist eine Schicksalsgemeinschaft, und Europa ist das im 21. Jahrhundert auch. Aber eben noch bei vielen eher im Kopf. Deshalb brauchen wir mehr Identitätsstiftung. Was könnte dazu beitragen? Früher hat man Identität gewonnen über Mythen und große Erzählungen, über gemeinsame Erfolge oder Niederlagen. Für Europa wird das schwierig; wir wollen ja keine europäischen Kriege führen. Was also stiftet Identität? Da Personalentscheidungen bei vielen Menschen oft sehr viel mehr Interesse wecken als Wahlen von irgendwelchen Listen, habe ich vorgeschlagen, dass wir den Präsidenten der Europäischen Kommission direkt durch das Volk wählen sollten. Das würde beim ersten Mal sicher auch „rumpeln“, nicht zuletzt wegen der Sprachenfrage – aber wäre erst einmal ein Präsident gewählt, wäre das ein identitätsstiftendes Element, über das man streiten kann. So etwas braucht Europa noch mehr. Europa ist aber kein Nationalstaat oder könnte ihn ersetzen? Ich bin gegen den Begriff „Vereinigte Staaten von Europa“, weil er bei den Menschen Assoziationen von den Vereinigten Staaten von Amerika weckt, also von einem größeren Nationalstaat. Ich glaube, dass der Nationalstaat als Organisationsprinzip – im Sinne des vor 150 Jahren von Bismarck gegründeten deutschen Nationalstaates – in der Endphase seiner geschichtlichen Bedeutung ist. Er bleibt wichtig, aber wir werden Souveränität als die Allzuständigkeit für die Regelung politischer Sachverhalte im 21. Jahrhundert vermutlich nicht weiter allein auf nationaler Ebene leisten können. Nicht in der globalisierten Welt. Die Zuständigkeiten werden sich auf verschiedene Ebenen verteilen. Aber Zugehörigkeit und emotionale Bindung wird man auch in der Zukunft brauchen. Ich würde einiges, was wir heute noch national regeln, an Europa abgeben, aber dabei darf dann nicht die Nationalzugehörigkeit verloren gehen. Der richtige Umgang damit – das ist die Aufgabe. Gerade in Zeiten der Globalisierung dürfen wir nicht unsere Wurzeln kappen. Sonst werden wir anfälliger für Populisten. Wenn wir globale Herausforderungen annehmen wollen, müssen die Menschen auch das Gefühl haben: Ja, da gehören sie dazu, da sind sie dabei.

Corona-Pandemie
Unionsfraktion erteilt „Pharmagipfel“ eine Absage

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag hat der Forderung nach einem „Pharmagipfel“ zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion eine Absage erteilt. „Für einen Pharmagipfel sehe ich keine Notwendigkeit“, sagte Karin Maag dem Tagesspiegel. Sie fügte hinzu, es wäre „gut, wenn über diese Themen Gesundheits- oder Forschungspolitiker diskutierten, diejenigen, die sich mit den Themen auch sonst befassen.“ Carsten Schneider, der die Gipfelidee aufgebracht hatte, ist Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Bundestag und Haushaltspolitiker. Maag sagte, die Herstellungsprozesse für Impfstoffe seien sehr komplex. Daher könnten Biontec und Pfizer, deren Impfstoff der bisher einzig zugelassene in der EU ist, mit der Produktion auch „nicht einfach sonstige Unternehmen oder gar andere Pharmafirmen beauftragen, einen hochkomplizierten Impfstoff zu produzieren, mit dem sie sich bisher gar nicht befasst haben“. Maag äußerte die Befürchtung, der SPD-Vorschlag ziele womöglich auf Eingriffe in die Eigentumsrechte der Herstellerfirmen. „Ein solcher Eindruck wäre für unseren Forschungsstandort fatal“, sagte sie. Das würde auch „das Ende für alle weiteren solchen großartigen Forschungsprojekte“ bedeuten, wie sie im Fall von Covid erstmals möglich wurden. Dank einer „weltweit sensationellen Forschungsleistung“ gebe es aktuell 200 Impfstoffentwicklungen“. In nur einem Jahr sei „auch dank einer unglaublichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit von Forschenden in aller Welt Impfstoffe entwickelt und jetzt der Impfstoff von Biontech und Pfizer zur ersten regulären Zulassung in Europa geführt“. Da könne die EU nun nicht sagen, „wir nutzen unsere Marktmacht von etwa 500 Millionen Menschen; der Schnellste gewinnt, bei dem kaufen wir, alle andern interessieren uns nicht mehr“. Zudem habe Europa „zu Recht bewusst auf unterschiedliche Impfstoffkandidaten gesetzt“. Maag sieht, wie sie sagt, „keinen Grund für falsche Hektik und unnötige Panik“. Schon jetzt habe Deutschland 130 Millionen Impfdosen sicher. „Wir priorisieren ja bewusst derzeit, weil von Anfang an klar war, dass nicht aus dem Stand, sobald ein Unternehmen eine Zulassung für seinen Impfstoff erlangt hat, genügend Impfdosen zur Verfügung stehen.“