Meinung
Sedat Peker – Ein Insider der auspackt?

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Sedat Peker, der Pate einer kriminellen Vereinigung in der Türkei, wendet sich seit Mitte April auf YouTube an die Öffentlichkeit und erzählt angeblich pikante Details über bestimmte Personen in Regierungskreisen. Bislang hat Peker den ehemaligen Innenminister Mehmet Ağar oder den aktuellen Innenminister Süleyman Soylu beschuldigt, u.a. Verbindungen zur Mafia zu unterhalten. Soylu bestreitet diese Anschuldigungen vehement, während Peker es bislang nicht weiter untermauern kann. Stattdessen zieht er weitere Kreise in die Schlammschlacht hinein, was für weitere Verwirrung sorgt. Was war passiert? Was ist eigentlich passiert, dass der Pate, der seit mehr als 500 Tagen außer Landes ist, seit dem 15. April aus den Vereinigten Arabischen Emiraten heraus in regelmäßigen abständen bislang 7 Videos auf YouTube gepostet hat? Seit Anfang 2020 befand sich Sedat Peker außer Landes, vermutlich in Nordmazedonien und angestoßen durch Ermittlungen in der Türkei. Auf Gerüchte hin, Peker sei aus der Türkei geflohen, weil die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft ihn geladen habe und weil gegen ihn ein Kapitaldelikt anhängig ist, meldete sich Sedat Peker am 3. Februar 2021 über Instagram zurück und verneinte die Gerüchte, das Land aufgrund von anhängigen Ermittlungen verlassen zu haben. Stattdessen gab Peker an, er habe sich bis vor zwei Monaten freiwillig im Balkan aufgehalten, sei jetzt aber in Montenegro und habe dort ein Studium begonnen. Im Januar 2021 wurde jedoch bekannt, dass Peker von nordmazedonischen Behörden in den Kosovo abgeschoben wurde. Von da aus ging es laut bisherigen Informationen erst nach Marokko, wo er sich bis Anfang April in Casablanca aufhielt. Kurze Zeit später setzte sich Peker nach Dubai ab, von wo auch ab dem 15. April die ersten Videos über YouTube veröffentlicht wurden. Darin zieht Peker vor allem gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu und Mehmet Ağar zu Felde, während er sich zum Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan ausschweigt und kein Wort über ihn verliert. Paradoxerweise nimmt Peker Erdoğan sogar phasenweise in Schutz, während er gegen den Schwiegersohn Berat Albayrak heftig austeilt und dafür Soylu zur Verantwortung zieht, weil dieser für den Bruch mit Albayrak gesorgt habe. Ebenfalls unverständlich, zumal seit langem bekannt ist, dass Soylu und Albayrak sich spinne Feind gegenüber stehen. Rückblick! Ein Berufungsgericht in Istanbul verwarf am 5. April das Urteil über den ehemaligen Innenminister Mehmet Ağar auf, womit erneut der Weg zu weiteren Ermittlungen und der Neuaufnahme einer Gerichtsverhandlung der Weg geebnet wurde. Das Haus von Sedat Peker in Istanbul wurde vier Tage später, also am 9. April, bei einer polizeilichen Razzia durchsucht. Laut Peker sei dabei die Tochter und die Ehefrau ungebührlich und über die Maßen hinaus von der Polizei bedrängt bzw. belästigt worden – mit ein, ja sogar der Hauptgrund für Peker – wie er selbst in den Videos stets unterstreicht – Tage später den Schlagabtausch mit Soylu, Ağar, Albayrak oder der sogenannten Pelikan-Gruppe über YouTube zu starten. Laut bisher vorliegenden Informationen war diese Information in Regierungskreisen bis hin bis zum Staatspräsidenten, dem Justizministerium oder dem Innenministerium nicht durchgedrungen, dass das Urteil über Ağar vom Istanbuler Berufungsgericht verworfen und zur Neuverhandlung der vorigen Instanz zurück überwiesen wurde. Das wirft sogar mehr Fragen auf, als es Antworten liefern kann, zumal Mehmet Ağar stets im Mittelpunkt der oppositionellen Berichterstattung stand. Das heißt aber auch: Fast 48 Tage war in den Regierungskreisen laut verlässlichen Quellen auch nicht bekannt, welches Urteil über Mehmet Ağar gefallen war, dass dieser womöglich wieder hinter Gittern landen wird. Erst mit Sedat Peker und dem ersten Video wurde bekannt, dass das Urteil längst gefällt worden war. Fest steht auch, dass die türkischen Ermittlungsbehörden ab diesem Datum ihre Bemühungen verstärkten, den Druck auf Sedat Peker zu erhöhen, das heißt, den Fahndungsdruck zu erhöhen, ohne dass die besagten Regierungskreise davon Wind bekamen. Gibt es also, wie türkische Medien erahnen wollen, noch immer eine Parallelstruktur innerhalb der Sicherheitsbehörden, vor allem in Ermittlungskreisen und der Justiz? Das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen, wenn sozusagen die ersten Köpfe rollen. Das wirft die Frage auf, ob Sedat Peker tatsächlich nur die zuvor genannten Personenkreise angreift und sie u.a. mit Drogen und mafiösen Strukturen in Verbindung bringt oder unbedarft und nichts ahnend die Spitze des Staates selbst, also Erdoğan, ins Visier nimmt. Schließlich berichteten westliche Medien nahezu im Gleichtakt über diesen sogenannten „Skandal der türkischen Regierung“, der Erdoğan vom Thron stürzen könnte. Unverständlich bleibt z.B., weshalb Peker Erdoğan bislang außen vor lässt, während er seinen Innenminister weiterhin beschuldigt, ohne dafür konkrete Beweise liefern zu können. Mittlerweile geht man davon aus, dass diese Video-Sessions das Ziel hatten, Süleyman Soylu außer Gefecht zu setzen und damit Erdoğan zu isolieren. Und das geht am besten, in dem Soylu unter dem ständig vorherrschenden Druck und dem Ausbleiben der Solidarität seitens des Staatspräsidenten Erdoğan und des Koalitionspartners Devlet Bahceli, selbst das Handtuch schmeißt oder von Erdoğan zum Rücktritt bewegt wird. Interessanterweise begangen bestimmte Kreise in den türkischen Medien, genau das vehement einzufordern, zuletzt während einer TV-Live-Aussprache des Innenministers Soylu in Haber Türk, wo mehrere Journalisten Fragen stellten und auf Antworten pochten. Sprich, sie forderten Soylu offen dazu auf, seinen Hut zu nehmen, um den Ermittlungen in diesem Zusammenhang – die überdies Soylu selbst losgetreten hatte – den Weg zu ebnen. Dabei stützten sich dieselben Medien auch auf das bisherige Ausbleiben der Solidarität seitens der AKP- und MHP-Gremien, vor allem von Erdoğan und Bahceli. Am Dienstag nahm diese Erwartungshaltung dieser Kreise aber ein jähes Ende, als der Vorsitzende der MHP, Devlet Bahceli, neben Süleyman Soylu Position bezog und ihn unmissverständlich in Schutz nahm. Des Weiteren warnte Bahceli alle davor, diesem Theater auch nur ansatzweise Glauben zu schenken, weil das kein Angriff auf Einzelne sei, sondern ein Angriff auf die Republik selbst. Einen Tag später trat Erdoğan vor die Kameras, um dem Kabinettsmitglied entschieden beizustehen und dabei vor allem die Opposition für ihre bisherige „unsägliche Rolle“ scharf zu verurteilen. Seither hört man von Sedat Peker geradezu nichts mehr, außer ein Paar wenige belanglose Tweets auf Twitter. Auch wenn dieselben wenigen medialen Kreise noch immer auf die Erzählungen von Sedat Peker mehr Wert legen als auf die strikten Dementis des Innenministers, hat sich das mediale Hauptaugenmerk in der Türkei gravierend verschoben. Mit ein Grund sind die wagen Verdächtigungen, die von Sedat Peker in den Raum geworfen wurden. Eine Person nach der anderen, die in diesen Verdächtigungen von Peker namentlich genannt wurden bzw. als Zeugen dienen sollen, wiegeln mit der Kontaktaufnahme von Journalisten und Investigativredakteuren entweder ab oder haben schlüssige Argumente, die das von Peker in den Raum Geworfene in Abrede stellen. Ist Sedat Peker doch ein Opfer seiner selbst, nach dem er sich von bestimmten Kreisen instrumentalisieren ließ, nun ganz alleine da steht? Wer sind diese Kreise, die Peker über den halben Globus begleitet haben und mit einem Urteil aus Istanbul einen Feldzug gegen die türkische Regierung gestartet haben? Das sind die nun dringlichsten Fragen, die in den türkischen Medien behandelt werden. Dabei wirkt sich der derzeitige Aufenthaltsort für Sedat Peker selbst negativ aus, zumal die türkische Regierung mit den Vereinten Arabischen Emiraten (VAE) in mehreren Krisen direkt aufeinander prallen – sei es in Libyen, in Ägypten oder im Streit um das östliche Mittelmeer. Türkische Medien fanden u.a. heraus, dass der Betreiber und Inhaber des Hotels in dem Peker in Dubai untergekommen sein soll, in Regierungskreisen der VAE hoch angesiedelt ist, Verbindungen zu inneren und äußeren Sicherheitsbehörden unterhält. Geht es also doch nicht um Mehmet Ağar, die Pelikan-Gruppe oder Süleyman Soylu, sondern schlicht und einfach um Erdoğan und seiner Regierung selbst? Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, was man davon zu halten hat.
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– Nahost-Konflikt – USA: Über 500 Demokraten fordern „härtere Haltung“ gegen Israel

In den USA haben mehr als 500 Demokraten einen offenen Brief unterzeichnet, in dem der US-Präsident aufgefordert wird, Israel „zur Verantwortung zu ziehen und Palästina zu schützen“.

USA: Über 500 Demokraten fordern „härtere Haltung“ gegen Israel

Interview
Russischer Historiker Kuznetsov bestreitet „Völkermord“- These der Armenier

Der russische Historiker Oleg Kuznetsov kritisiert in einem TRT-Deutsch Interview die Stilisierung der Armenier als Leittragende eines „Völkermords“, denn im Ersten Weltkrieg seien auch Türken, Kurden, Assyrern, Griechen und die kaukasischen Albanier aus Ostanatolien Opfer des Krieges gewesen. TRT-Deutsch: 2016 hat der Deutsche Bundestag die Ereignisse von 1915 als „Völkermord“ anerkannt und gefordert, die Türkei solle sie ebenfalls als solchen anerkennen. Der Bundestagsbeschluss ist einer von vielen solcher Parlamentsbeschlüsse zahlreicher Länder. Was ist der Zweck dieser Beschlüsse?  Kuznetsov: Mit dieser Frage konfrontieren Sie mich mit einer deutschen politischen Realität, die mir völlig unbekannt ist. Deshalb sage ich offen und ehrlich, dass ich die Gründe nicht kenne, warum die deutschen Parlamentarier eine solche Resolution verabschiedet haben. Ich habe im Internet gesehen, dass Parlamente von Dutzenden Ländern, darunter auch Russland, solche Dokumente zu verschiedenen Zeiten verabschiedet haben, und jedes von ihnen, denke ich, wurde von eigenen politischen Motiven geleitet. Wäre die Meinung der Weltgemeinschaft in dieser Frage konsolidiert und eindeutig gewesen, dann wäre dieser Prozess zweifellos kompakter gewesen. Aber wir sehen, dass zwischen zwei ähnlichen Resolutionen, die von russischen und deutschen Parlamentariern verabschiedet wurden, 21 Jahre vergangen sind, so dass wir schlussfolgern können, dass es für Russland im Jahr 1995 und für Deutschland im Jahr 2016 opportun erschien, dies zu tun. Ich weiß nicht, unter welchen Bedingungen der deutsch-armenischen Beziehungen dieser Beschluss angenommen wurde, aber ich kann Ihnen sagen, warum die Staatsduma der Russischen Föderation ihre Resolution angenommen hat. Die Bedingung für die russische Resolution und generell für die militärische und politische Schirmherrschaft Russlands über Armenien war, dass Armenien sein Bankensystem für die Legalisierung von kriminellen Erträgen aus Russland, die Auszahlung von bargeldlosen Gewinnen, den Abzug von Kapital aus Russland in Offshore-Zonen zur Verfügung stellt. Ich werde hier nicht sagen, wer es wie und in welchem Umfang getan hat, sonst werde ich einfach eliminiert. Man sollte verstehen, dass die Frage der Anerkennung oder Nichtanerkennung des „Völkermords an den Armeniern“ keine Frage der Politik ist, sondern eine Frage der Geschäftstreue in kommerziellen Prozessen und der Beteiligung des armenischen Kapitals: Wenn man den Völkermord anerkennt, ist man im Geschäft, wenn nicht, geht man und findet andere Einkommensquellen. Präsident Ter-Petrosjan, der sich dagegen wehrte, das Land in eine „Waschmaschine“ für das kriminelle Geld der Diaspora und damit verbundener ausländischer Unternehmen zu verwandeln, wurde de facto gestürzt, woraufhin das System mit voller Kapazität arbeitete. Der Machtantritt Paschinjans zerstörte diesen Mechanismus; der Sieg Aserbaidschans im Krieg mit Armenien im Herbst 2020 brach die Rohstoffkomponente, welche die Erfüllung der Verpflichtungen bei Bankgeschäften garantierte, aus diesem System heraus. Einige Historiker argumentieren, die Ereignisse von 1915 seien „Völkermord“ gewesen. Welche Argumente sprechen gegen diese These? Ich bin von meinem Weltbild und meiner Methodik der wissenschaftlichen Tätigkeit her Materialist und Marxist. Daher stütze ich mich nur auf historische Primärquellen wie Dokumente, Artefakte und andere materielle Medien objektiver Information. Die Methodik, die Sie mir anbieten, heißt in der Sprache der klassischen Geschichtswissenschaft Repräsentationismus: Wenn eine Tatsache als Axiom genommen wird, und dann passt sie zu den Beweisen. Sie stellen mir eine Frage: „Einige Historiker behaupten, dass der „Völkermord an den Armeniern“ stattgefunden hat, wie können Sie dies widerlegen?“ Warum fragen Sie nicht, wo materiell untermauerte historische Quellen, nicht Narrative, beweisen, dass dieser Völkermord stattgefunden hat? Ich werde den „Völkermord an den Armeniern“ so lange leugnen, bis ich mit Dokumenten beweisen kann, dass die Osmanen Pläne hatten, alle Armenier auszurotten. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum ich mich auf ein Argument oder eine Debatte über eine Tatsache einlassen sollte, deren Wahrheitsgehalt höchst fragwürdig ist. Es ist wie der Streit um die Schlacht von Borodino 1812 beim Einmarsch Napoleons in Russland: Die Franzosen behaupten, sie hätten gewonnen und bringen ihre Argumente, die russischen Historiker behaupten das Gegenteil und bringen ihre Argumente, zu Ehren dieses Ereignisses gibt es viele Denkmäler, aber am Ende ist man 200 Jahre lang auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Nun aber treffen sich Vertreter militärhistorischer Vereine Frankreichs und Russlands jedes Jahr in Borodino, sie stellen diese Schlacht nach, und dann trinken sie auf ihren Sieg: Die Franzosen trinken auf die französische Waffe, die Russen auf die russische. So sollten wir uns auch in Bezug auf den berüchtigten „Völkermord an den Armeniern“ verhalten: Es gibt keinen Grund, irgendetwas zu widerlegen, solange es keine stichhaltigen Beweise gibt, die es per Definition nicht gibt, und deshalb sollten wir es grob und zynisch leugnen. In Deutschland gelten diejenigen, die den „Völkermord an den Armeniern“ bestreiten, als „Leugner“. Wie verträgt sich das mit Meinungsfreiheit, Demokratie und Pluralismus? Es ist für mich äußerst schwierig, Ihre Frage objektiv oder zumindest korrekt zu beantworten. Ich bin russischer Staatsbürger und kenne mich in der deutschen politischen Kultur überhaupt nicht aus; ich verstehe überhaupt nicht die Grenzen, welche die verschiedenen Strömungen des politischen Mainstreams unterscheiden und trennen. Ich verstehe natürlich den gemeinsamen Kontext des Begriffs „Leugnung“, aber jeder Diskurs nimmt einen anderen Ton an. Wie die jüngsten Entwicklungen in den Beziehungen zwischen Russland und den Ländern der Europäischen Union zeigen, stellt sich zudem heraus, dass auch unsere Vorstellungen von solchen universellen politischen Werten wie „Redefreiheit“, „Demokratie“ und „Pluralismus“ unterschiedlich sind. Dies zeigt sich sowohl auf der makropolitischen Ebene als auch im akademischen Forschungsumfeld, ganz zu schweigen von den Massenmedien und der Propaganda. Ich habe den Eindruck, dass die Grenze Europas in den Köpfen der meisten europäischen Politiker jetzt entlang der Westgrenze Russlands und der Nordgrenze der Türkei in Thrakien verläuft. In Europa bildet sich jetzt ein neues kollektives Unbewusstes, das sich dem Rest der Welt noch mehr entgegenstellen wird; es entsteht etwas Spenglerianisches, nach dem, so fürchte ich, selbst die grundlegenden Begriffskategorien inhaltlich unterschiedlich verstanden werden. Vielleicht hat jeder in Russland von dem „Völkermord an den Armeniern“ gehört und absolut jeder, außer den Armeniern selbst, behandelt das Thema gleichgültig. Wenn man sich die Geschichte Russlands der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ansieht, ist sie voll menschlichen Leidens. Wenn wir jedes Jahrzehnt mit einem einzigen Wort charakterisieren, erhalten wir die folgende logische Kette: Krieg – Hungersnot – Krieg – Hungersnot – Kollektivierung – Hungersnot – politische Repression – Krieg – Hungersnot. Mindestens drei, wenn nicht sogar vier Generationen meiner Landsleute kämpften ein halbes Jahrhundert lang um ihre nackte Existenz, ihr physisches Überleben. In Russland schenken wir dem öffentlichen Leiden anderer nicht viel Aufmerksamkeit, weil wir ein starkes genetisches Gedächtnis an unser eigenes Leiden haben, bei dem wir wenig Hilfe erfahren haben. Und wenn die Armenier anfangen, darüber zu reden, wie sie im Osmanischen Reich deportiert wurden, antworte ich, dass zur gleichen Zeit die russischen Behörden in den westlichen Provinzen des Landes anderthalb Millionen russische Untertanen, ethnische Deutsche und Juden, deportierten, weil sie befürchteten, sie würden sich auf die Seite des Deutschen Kaiserreichs schlagen, und in der UdSSR wurden während des Zweiten Weltkriegs 29 Völker deportiert, darunter auch Krim-Armenier wegen aktiver Kollaboration mit den Nazis während ihrer Besetzung der Krim in den Jahren 1941 bis 1944. Im postsowjetischen Raum versuchen viele politische Kräfte des rechtsextremen politischen Spektrums, das Thema Völkermord als solches für Wahlkampfzwecke zu nutzen. Nicht nur Armenier, sondern auch Balkaren und Tscherkessen (obwohl sie irgendwo in Jordanien leben) bemühen sich besonders in diese Richtung, auch Ukrainer sind in dieser Frage aktiv. Aber wenn man die Frage richtig formuliert, stellt sich heraus, dass das russische Volk am meisten unter verschiedenen Arten von „Genoziden“ in Russland gelitten hat. In Russland halten wir es nicht wie in Deutschland: Man wird nicht als Leugner bezeichnet, wenn man den „Völkermord an den Armeniern“ infrage stellt. Aber sobald man anfängt, über den Völkermord an den Russen zu sprechen, wird man sofort als „Leugner“ abgestempelt. Die Frage nach einem Völkermord ist also eine Frage der politischen Konjunktur, die nicht der Wahrheitsfindung dient, denn jeder hat seine eigene Wahrheit, sondern der Durchsetzung privater Eigeninteressen. Es ist klar, dass die führenden Vertreter der armenischen Diaspora Geld von der Türkei als Entschädigung wollen, ähnlich wie die Juden immer noch vom deutschen Staat versorgt werden. Es ist irgendwie unanständig, dies laut zu sagen, also wird ein Ideologem entwickelt, das die Türkei unter Druck setzt, in der Hoffnung, ihr Budget abzusaugen. Alle, die in diesem Zusammenhang von „Leugnung“ sprechen, hoffen, einen Teil der Finanzströme in die Hände zu bekommen. In der öffentlichen Wahrnehmung Deutschlands werden in den Debatten über die Ereignisse von 1915 immer die armenischen „Opfer“ erwähnt. In der Türkei und Aserbaidschan werden diese Ereignisse mit armenischen Gräueltaten in Verbindung gebracht – allgemein bekannt als „Mezalim“. Wer ist also der Verbrecher und wer das Opfer? Es ist sehr schwierig für mich, diese Frage zu beantworten. Ich kann kein Deutsch und kann Ihre Presse und Ihren Journalismus nicht lesen, es sei denn, sie werden ins Russische oder Englische übersetzt. Ich kann also nichts Definitives über die Debatten im intellektuellen und gesellschaftlich aktiven Teil der deutschen Gesellschaft sagen. Aber ich kann eine allgemeine Beobachtung machen. Wir Historiker haben es sehr oft mit einem solchen psychologischen Phänomen zu tun wie der Übertragung der Vorstellungen von heute auf die Ereignisse der Vergangenheit, was wir als Überschreitung des historischen Paradigmas bezeichnen. Wir Menschen des späten ersten Viertels des 21. Jahrhunderts wissen größtenteils nicht einmal, dass Penicillin, das erste Antibiotikum, erst 1943 in großem Umfang eingesetzt wurde, während davor jeder dritte Verwundete an einer Sepsis starb und die Amputation einer Gliedmaße oder eines Teils davon als beste Methode zur Bekämpfung der Ausbreitung einer eitrigen Gewebeinfektion galt. Ohne Antibiotika galten Tuberkulose, Syphilis und Dutzende andere hochansteckende Krankheiten vor hundert Jahren als unheilbar. Die Sanitätsverluste der Armeen überstiegen die Kampfverluste um das 4-5-fache, da es weder eine normale medizinische (im modernen Sinne), noch eine normale Versorgung für Verwundete, Erkrankte etc. gab. Und wir glauben nun naiv, jeder Soldat im Ersten Weltkrieg hätte seine eigene Sanitätstasche mit Anästhetika und Antibiotika, Trockenrationen mit Multivitaminen und anderen Annehmlichkeiten eines modernen Lebens mitgeführt. Nein, das Leben war damals anders, aber wir betrachten es mit den Augen eines modernen Menschen. Die Realität war viel schrecklicher, der historische Hintergrund sehr weit vom heutigen entfernt, aber es ist unmöglich, die Übertragung der heutigen Stereotypen auf die damalige Situation in unserem Unterbewusstsein rückgängig zu machen, es sei denn, man bildet absichtlich eine dominante Konstellation oder einen konditionierten Reflex – aber das können nur professionelle Historiker, und nicht alle –, um nicht die Realitäten von heute auf die Vergangenheit zu übertragen. Es ist bekannt, dass die osmanische Militärführung nach Kriegseintritt drei Feldarmeen gegen die russischen Truppen im Kaukasus warf, von denen zwei in den Bergen erfroren, weil sie keine Winteruniformen hatten; die dritte wurde in zwei Schlachten bei Sarikamisch besiegt. Die Leichen der türkischen Soldaten wurden nicht begraben, und mit Einzug des Frühlings wurden sie zum Nährboden für die Ausbreitung aller Arten von Epidemien – Cholera, Typhus, Ruhr. Nach den Erinnerungen des späteren sowjetischen Ministers Anastas Mikoyan, der 1915 im Zweiten freiwilligen armenischen Bataillon an der Kaukasusfront diente, verbrachte seine gesamte Einheit 1915 in Krankenhäusern, wo die Männer wegen dieser Krankheiten behandelt wurden. Aus diesem Grund marschierte die russische Armee 1915 nicht auf Erzurum, obwohl sie alle Möglichkeiten dazu hatte, und aus demselben Grund unterstützte sie den Aufstand in Van nicht, da es keine physische Möglichkeit gab, das verseuchte Terrain zu durchqueren, ohne die Gesundheit der Soldaten zu gefährden. Es ist klar, dass Viren, Bakterien oder Vibrionen den Körper eines jeden angreifen, ob in Uniform oder nicht. Zu jener Zeit trafen die Krankheiten alle Menschen ohne Unterschied des sozialen Status, des Wohlstands, der Nationalität, der Religion und anderer subjektiver Merkmale. Allerdings wurden die Türken, Kurden, Assyrer, Griechen und kaukasische Albanier aus Ostanatolien als Opfer des Krieges registriert, aber die Armenier, die neben ihnen starben, werden heute als Leidtragende eines „Völkermords“ stilisiert. Aber Türken, Kurden, Aysorianer, Griechen, Albaner aus Ostanatolien wurden als Opfer dieses Krieges registriert, und Armenier, die neben ihnen starben, als Opfer des „Völkermordes“. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass die Namen der Toten unter diesen Bedingungen von der Zivilverwaltung erfasst wurden, was heute einen weiten Raum für alle möglichen Interpretationen, Spekulationen und Unterstellungen sowie Zahlenspiele in die „nützliche“ Richtung eröffnet. Was die armenischen Gräueltaten betrifft, kann ich eine recht akademische Erklärung geben. Die Armenier waren in keinem der Vilayets des Osmanischen Reiches eine ethnische Mehrheit, also konnten sie keinen Raum schaffen, von dem aus sie einen Krieg im klassischen Sinne des Wortes beginnen konnten. Sie hatten nur zwei Ressourcen – Blut und Geld –, was alles war, was sie Russland im Austausch für militärische Infrastruktur anbieten konnten. Terrorismus, Guerilla-Aktionen und Sabotage sind die billigsten ökonomischen Varianten, einen Staat zu bekämpfen, wie auch immer er aussehen mag. Daher war „Mezalim“ eher sozio-ökonomisch als politisch-militärisch oder national-religiös vorbestimmt. Während des Krieges taten die Armenier nur das, wozu sie die Kraft und die Mittel hatten, sie handelten nach den Möglichkeiten, die sie hatten. Und sie waren extrem eingeschränkt und durften nur mit Zivilisten, Gendarmeriekräften (Polizei) und paramilitärischen kurdischen Milizen kämpfen. Da sie etwas besser bewaffnet und ausgerüstet waren, waren sie fast völlig sicher und vertrauten auf ihre Straflosigkeit, bis sie den regulären Einheiten der osmanischen Armee gegenüberstanden, vor denen sie wie Hasen flohen. Übrigens haben die Ereignisse des Karabach-Krieges wieder einmal gezeigt, dass das armenische Militär nur in der Lage ist, gegen Zivilisten und Paramilitärs zu kämpfen, wie es im Ersten Karabach-Krieg der Fall war, aber völlig hilflos gegen die reguläre Armee ist, wie es im Zweiten Karabach-Krieg der Fall war.

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– USA – Nach „Jagd auf Türken“: Gericht erhebt Anklage gegen US-Armenier

Im Zusammenhang mit dem Angriff auf ein türkisches Restaurant in Los Angeles im November 2020 wurde gegen zwei US-Bürger armenischer Herkunft vor dem Bezirksgericht von Los Angeles Anklage erhoben.

Nach „Jagd auf Türken“: Gericht erhebt Anklage gegen US-Armenier

Meinung
DITIB: Niemand hat diesen Gastarbeitern zu Beginn unter die Arme gegriffen

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Die deutsche Polit- sowie Medienlandschaft hat sich auf Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., kurz DITIB eingeschossen. Wie konnte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auch nur mit der DITIB einen Vertrag zur Zusammenarbeit im Islamunterricht unterschreiben, lautet der einhellige kritische Meinungsbildungspool. Als ob man es mit „Islamisten“ zu tun hätte, so wird derzeit an diesem Pappkameraden gearbeitet! Differenzierte Analysen und Perspektiven über das Wesen, die Mentalität sowie Gründungsgeschichte der DITIB, die sucht man vergebens. Für viele Türkischstämmigen und Türken ist dieser Dauerzustand inzwischen kaum zu ertragen. In zusammenhanglosen Gestammel und unter stetiger und ritueller Wiederholung des Namens des größten zusammenhängen türkischen Moscheeverbandes wird die DITIB in allen Lebenslagen und Alltagssituationen auf die türkische Innen- und Außenpolitik fokussiert. Welche Motive dahinterstecken, das Politik und Medien bei der Aufstellung des Pappkameraden „politischer Islam“ oder „Islamisten“ als neues wirkmächtiges Feindbild gegen die DITIB Hand in Hand gehen, ist für die Türkischstämmigen und Türken in diesem Land kaum von Belang – weil nach über 37 Jahren so ziemlich viele Pappkameraden gegen Türkischstämmige und Türken aufgebaut wurden. Neu ist nicht die Quantität, sondern vielmehr die Qualität der Feindbilder: Von „extremistischen Kräften“ bis hin zu „Islamisten“ ist die Rede. Sprich, man hat mit der Zeit die rote Linie stets vor sich hergeschoben und etabliert gemächlich ein extremes Feindbild nach dem anderen. Wie weit will man eigentlich noch gehen? 1984 wurde die DITIB e.V. in Köln gegründet, nach dem sehr viele türkische Gastarbeiter vor dem Problem standen, geeignete Örtlichkeiten für ihre religiösen kulturellen Zusammenkünfte zu finden. Von da an stieg die Anzahl der angeschlossenen Vereine, die von unseren Vätern und Müttern gegründet, mit viel Fleiß, Schweiß und Blut Moscheegemeinden aufgebaut wurden. Hier konnte nicht nur ein Mitglied, sondern jeder den täglichen rituellen Gebet verrichten. An heiligen Tagen konnte man mit anderen zusammenkommen, Kultur, Sprache und Religion ausüben. Auch die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen, fanden hier ein Pool von Gleichgesinnten, mit der es mehr Spaß machte, in diese Kultur, in diese Religion hineinzutauchen, darin aufzugehen. Nun sind mehr als 37 Jahre vergangen, über 950 angeschlossene Moscheevereine gibt es landesweit. Jede einzelne wurde von Gastarbeitern gegründet, von Mitgliedern und mit Spenden der Besucher aufgebaut. Generationsübergreifend findet man hier einen Mittelpunkt. Noch heute sammeln diese Vereine Spenden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Lediglich die Imame, die kommen aus der Türkei, für wenige Jahre, werden dann ausgetauscht. Es gibt gute Imame, aber auch Arschlöcher – sie spiegeln wie andere die Gesellschaft wider. Die wenigen Arschlöcher können sich kaum halten, werden schnell ausgetauscht oder die Gemeinde liest jenen die Leviten vor. Bis heute hat diese Praxis ganz gut funktioniert, eben Do-it-yourself. Do-it-yourself, das ist auch das Stichwort: Niemand hat diesen Gastarbeitern zu Beginn unter die Arme gegriffen. Niemand in der Politik oder den Medien hatte etwas für sie übrig. So bildeten sich aus der Not heraus Gemeinschaften innerhalb von Großstädten, die sich fragten, wie man eine Lösung findet. So bildeten sich erste Vereine, die Örtlichkeiten mieteten. Später wurden Kredite aufgenommen, Gebäude umfunktioniert, meist Hinterhöfe, da sie günstig und relativ zentral lagen. Irgendwann wurde diesen Gemeinden klar, dass das mit einem Vorbeter aus den eigenen Reihen nicht immer klappt. Auch das religiöse fundierte Wissen war nicht überall gegeben. So entstand der Dachverband und die ersten Imame wurden aus der Türkei eingeflogen und in diesen Gemeinden eingesetzt. Sie sollten nicht nur die Gemeinde bei ihrer religiösen Andacht begleiten, sondern auch soziale Belange abdecken, wo es vonnöten ist. Mit ein entscheidender Punkt für die Annahme des Imam-Angebots aus der Türkei war aber auch, die türkisch-islamische Synthese zu erhalten und salafistische wie wahhabistische Elemente von den Gemeinden fernzuhalten. Das war aber nicht nur im Interesse der Türkei bzw. deren Amt für religiöse Angelegenheiten, sondern vor allem die der Mitglieder und Besucher dieser Gemeinden. Nun werden seit geraumer Zeit berüchtigte Narrative aufgebaut, mit der dieser Dachverband und 950 Moscheevereine behaftet werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die DITIB dabei stets mit Ankara oder dem dortigen Amt für religiöse Angelegenheiten, der DIYANET, bewusst gleichgesetzt wird. Nicht ohne Grund wird deshalb von bestimmten Kreisen der Eindruck erweckt, türkische Imame in DITIB-Moscheen würden reihum u.a. die Operationen der türkischen Armee in Syrien mit Wohlwollen begleiten und kommentieren, was geradezu trivial ist. Die eigentliche Frage wäre doch, wie man überhaupt dazu kommt, so etwas vor einer deutschen Öffentlichkeit denunzierend zu skandalisieren. Ein Skandal ist es vielmehr, jetzt von „extremistischen Kräften“ bis hin zu „Islamisten“ zu sprechen. Es ist wie eine schallende Ohrfeige für all jene, die diese Gemeinden mit aufgebaut, gepflegt und diese türkisch-islamische Synthese erhalten haben. Es ist ein Schlag mitten ins Gesicht derer, die dieses Erbe von vielen dieser Erstbegründer der Gemeinden übernommen haben und weiterhin pflegen wollen. Es ist skandalös, dass die Politik auf dem Rücken einer Gastarbeiter-Generation, ihren Kindern und Enkeln, ihren Wahlkampf austrägt, bestimmte Kreise ihren beruflichen Werdegang so aufwerten wollen. Es reicht daher nicht nur Stopp zu sagen! Diese Hand in Hand gehende Hetze und diese Diskriminierung muss hier und jetzt auch ein Ende haben! Ansonsten verliert Deutschland den Anschluss an die nächsten Generationen von türkischstämmigen Deutschen, die hier ihre Heimat sehen.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– Meinung – Kommentar: Moderate Muslime stehen hinter der DITIB

Die politische und die religiöse Welt ist in Deutschland seit einigen Jahren aus den Fugen geraten und steuert geradewegs auf eine absurde, zynische und menschenverachtende Zukunft zu, die soziale Instabilität und politische Verwerfungen mit sich bringt. Ein Kommentar.

Kommentar: Moderate Muslime stehen hinter der DITIB

Nahost-Konflikt
USA: Über 500 Demokraten fordern „härtere Haltung“ gegen Israel

Washington – Während in Deutschland eine Kritik am Vorgehen Israels in den palästinensischen Gebieten einem politischen Selbstmord gleichkommt und eine uneingeschränkte Solidarisierung mit Israel gefordert wird, haben in den USA mehr als 500 Demokraten einen offenen Brief unterzeichnet, in dem der US-Präsident aufgefordert wird, Israel „zur Verantwortung zu ziehen und Palästina zu schützen“. In dem von der Washington Post veröffentlichten Brief wird US-Präsident Joe Biden zudem aufgefordert, eine härtere Haltung einzunehmen und sich für die Beendigung der „Besatzung, Blockade und Siedlungsexpansion“ einzusetzen. Israel werden „ethnische Säuberungen“ vorgeworfen. Der Brief lobt Biden für die Arbeit seiner Regierung bei der Aushandlung eines Waffenstillstands, fordert ihn aber auf, das „Machtungleichgewicht“ anzuerkennen: „Während Israelis sich nachts in Luftschutzbunkern verstecken konnten, hatten die Palästinenser im Gazastreifen keinen Platz zum Verstecken. Es ist entscheidend, dieses Machtungleichgewicht anzuerkennen – dass Israels hochentwickeltes Militär das Westjordanland und Ostjerusalem besetzt sowie den Gazastreifen blockiert und damit ein unbewohnbares Freiluftgefängnis schafft“, heißt es in dem Brief weiter. Die Unterzeichner erklärten, dass sie „zutiefst besorgt darüber seien, dass Israel weiterhin von den USA finanziertes Militärgerät einsetzt, um Zivilisten zu töten, Journalisten ins Visier zu nehmen und Proteste in Israel, der Westbank und Jerusalem gewaltsam zu unterdrücken.“ „Wir sind weiterhin entsetzt über die Bilder von palästinensischen Zivilisten in Gaza, die durch israelische Luftangriffe getötet oder obdachlos gemacht wurden. Wir sind empört über Israels Bemühungen, Palästinenser in Sheikh Jarrah gewaltsam und illegal zu vertreiben. Wir sind schockiert über die Zerstörung eines Gebäudes durch Israel, in dem internationale Nachrichtenagenturen untergebracht waren. Wir sind auch entsetzt über Berichte, dass Hamas-Raketen israelische Zivilisten töten.“ Mehr als 230 Palästinenser kamen bei dem Konflikt durch israelische Luftangriffe im Gazastreifen ums Leben, bevor am vergangenen Freitag ein Waffenstillstand in Kraft trat. Die Angriffe zerstörten 1.500 Wohn- und Gewerbeeinheiten in Gaza und vertrieben mehr als 75.000 Menschen. In Israel wurden 12 Menschen durch Hamas-Raketen getötet. Biden ist seit Jahrzehnten ein starker Unterstützer von Israel. Der zweiwöchige Konflikt brachte Spaltungen zwischen Biden und den Progressiven in der Demokratischen Partei in die Öffentlichkeit, da seine Regierung unter Druck stand, einen Waffenstillstand zu vermitteln und gleichzeitig ihre Unterstützung für Israels Recht, sich zu verteidigen, zu bekräftigen.

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– Jerusalem-Krise – Israelische Luftangriffe am Sonntag töten 42 Palästinenser – darunter 10 Kinder

Ein weiterer israelischer Luftangriff in Gaza zerstörte am Sonntagmorgen mehrere Häuser und tötete mindestens 42 Palästinenser, darunter 10 Kinder. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza waren unter den toten Kindern ein einjähriges Baby und ein dreijähriges Kleinkind.

Israelische Luftangriffe am Sonntag töten 42 Palästinenser – darunter 10 Kinder
 

Verkehrswende
Pkw-Markt: Vier von zehn Neuwagen inzwischen mit alternativem Antrieb

Osnabrück – Die Verkehrswende vom Verbrenner zu alternativen Motoren im Pkw-Sektor verstetigt sich. Von den 886.102 in den ersten vier Monaten des Jahres zugelassenen Autos wurden 336.061 mit Strom, Wasserstoff oder Hybridmotoren angetrieben. Der Anteil von 37,9 Prozent lag mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum, als lediglich 17 Prozent der Neuzulassungen keine Verbrenner waren. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) hervor, die der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer begrüßte die Entwicklung. „Der Trend zu alternativen Antrieben hält an. Die Hersteller bieten eine immer größere Auswahl von E-Autos an, und auch unsere Förderprogramme zeigen Wirkung“, sagte der CSU-Politiker im Gespräch mit der NOZ. Das sei „nicht nur gut fürs Klima, sondern auch industriepolitisch eine Riesenchance für den Standort Deutschland“. Scheuer verwies auf weitere Maßnahmen wie das Schnellladegesetz und die Förderung von Wallboxen, die den Umstieg in die Elektromobilität weiter beschleunigen sollten. Bei den reinen Elektroantrieben gab es laut KBA von Januar bis April eine Steigerung von 188,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mehr als jeder fünfte neu zugelassene Pkw ist demnach inzwischen ein Stromer. Die meisten Elektroautos verkaufte demnach VW, 22.581 an der Zahl. Das war zwar ein Anstieg um 170,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Anteil an der gesamten VW-Neuflotte lag den KBA-Zahlen zufolge aber „nur“ bei 13 Prozent. In der Audi-Neuzulassungsflotte kletterte der Anteil aller alternativen Antriebe zusammengenommen im Jahresverlauf bereits auf 67,9 Prozent, so das Kraftfahrtbundesamt weiter. Bei BMW stieg der Anteil auf 56 Prozent, bei Mercedes auf 39,7 Prozent. Spitzenreiter ist Volvo. Das schwedische Unternehmen verkauft in Deutschland inzwischen neun von zehn seiner Autos mit einem Strom-, Wasserstoff- oder Hybridmotor.

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Die türkische Automobile Joint Venture Group (TOGG), die das erste Elektrofahrzeug des Landes produziert, erhielt für ihr C-SUV-Modell einen der weltweit renommiertesten Designpreise, den iF Design Award.

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Gesundheit
Depression: Die Angst vor der Diagnose

Erftstadt – „Stell dich nicht so an, du hast es doch gut!“ – Was für Außenstehende oft wie ein privilegierter Gesamtzustand aussieht, etwa ein sicheres Auskommen, eine feste Partnerschaft oder eine stabile Gesundheit, schützt nicht selbstverständlich vor jeglichem Leiden. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Pandemie ist, dass man Leid nicht gegen Leid stellen darf und das persönliche Empfinden jedes Individuums entscheidend ist. „Viel zu häufig höre ich von meinen Patienten, dass sie dachten, es gehe ihnen nicht schlecht genug für eine Depression – nur, damit sie ein halbes Jahr später mit einer schweren Depression in der stationären Behandlung ankommen“, sagt Dr. Karsten Wolf, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Leiter der privaten Akutklinik Schloss Gracht. „Dabei ist die Früherkennung bei psychischen Erkrankungen sehr wichtig und erleichtert den Heilungsweg enorm.“ Legitimiertes Leiden – der Grund muss gut genug sein Weshalb fällt es vielen Betroffenen so schwer, das eigene Leiden richtig einzuschätzen und anzuerkennen? „Wir müssen aufhören, unser seelisches Leid vor uns selbst durch äußere Faktoren legitimieren zu wollen“, fordert Dr. Karsten Wolf. „Natürlich gibt es viele Fälle, in denen eine Depression durch äußere Trigger begünstigt wird – etwa durch ein Trauma oder durch Trauer. Allerdings gibt es ebenso viele Fälle, bei denen sie sich scheinbar über Nacht einstellt und es keine offensichtlichen Gründe in den Lebensumständen gibt.“ Es ist wichtig, die Depression als Krankheit zu verstehen, für die es viele verschiedene Gründe, aber kein Verschulden gibt. Für Betroffene kann es schwer sein, sich selbst und anderen gegenüber die Erkrankung einzugestehen, weil sie damit „echt“ wird, ein Gesicht bekommt, und häufig ein Eingeständnis vermeintlicher Schwäche damit einhergeht. „Die Angst vor dem Stigma spielt für viele Depressive eine große Rolle“, sagt Dr. Karsten Wolf. „Während der Burnout beispielsweise zwar für Sorge und Betroffenheit, aber häufig auch für unterschwellige Bewunderung für den fleißigen, gestürzten Helden sorgt, stoßen Depressive zu häufig auf betretenes Schweigen und Verständnislosigkeit.“ Ist das nur ein Tief oder schon eine Depression? Das Zögern der Betroffenen, sich Hilfe und eine professionelle Diagnose zu holen, hängt neben der Angst vor Stigmatisierung an vielen weiteren Faktoren. „In ganz schweren Fällen schafft der Patient es schlicht nicht mehr eigenständig, das Prozedere zu durchlaufen – ihm fehlen Kraft, Energie, Sinn und Antrieb“, erklärt der Facharzt. „Andersherum kann es bei leichteren Erkrankungen auch an der Unsicherheit liegen, ob der eigene Zustand ernst genug ist.“ Stimmungstief, Krise, Depression – die Grenzen sind fließend, und eine Unterscheidung ist für Betroffene und deren Angehörige häufig nicht leicht. Grundsätzlich gilt: Es ist nie zu früh. „Je früher ein Patient bei uns Psychiatern ankommt, desto glücklicher sind wir und desto einfacher ist der Weg zur Heilung“, sagt Dr. Karsten Wolf. Neben den gesellschaftlichen Hürden wie der Stigmatisierung stehen einer frühzeitigen Erkennung häufig auch die Grenzen des Gesundheitssystems im Weg. Seriöse Selbsttests für Depressionen und andere psychische Leiden können ein Baustein sein, um diese Lücke zu schließen. Welche Hilfe können Angehörige leisten? Die Nähe zu vertrauten Personen spielt für mutmaßlich Depressive eine entscheidende Rolle auf dem Weg zur Diagnose. „Man sollte sich unbedingt jemandem anvertrauen und die Stille durchbrechen – ein Gespräch kann Linderung bringen, oder aber Klarheit über die Schwere des Zustandes schaffen“, erklärt Dr. Karsten Wolf. „Wer in einer Krise steckt und seine Sorgen einem anderen Menschen anvertraut, bemerkt meist schon durch das Gespräch einen heilsamen Effekt. Für Depressive gilt das eher nicht – die tiefe Herabgestimmtheit ist meist nachhaltiger.“ Der ‚perfekte Angehörige‘ eines Depressiven würde in seinen Augen diese Beobachtung nun widerspiegeln, die Kommunikation weiterführen und ihn ermutigen, den Hausarzt aufzusuchen oder diesen gar dabei begleiten. „Leider fehlt dem Umfeld häufig die nötige Empathie – das liegt auch daran, dass die Depression ein Leidenszustand ist, den psychisch gesunde Menschen qualitativ nicht erfassen können“, erklärt der Psychiater. „Wenn der Partner dagegen beispielsweise eine Kiefer-OP durchmacht, müssen wir nur einen quantitativen Transfer machen, um Empathie zu zeigen. Wir erinnern uns an das Gefühl von Zahnschmerzen und können uns vorstellen, welches Leid unseren Partner plagt.“ Umso wichtiger ist es im Falle von Depressionen, den Betroffenen möglichst früh mit einem professionellen therapeutischen Umfeld in Kontakt zu bringen.

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Torsten Sträter ist derzeit einer der beliebtesten deutschen Komiker und erfolgreicher Autor, kennt aber auch ganz andere Zeiten in seinem Leben. Jahrelang litt der 53-Jährige unter Depressionen.

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Corona-Pandemie
Corona: Landkreistag fordert sofortige Rückkehr der Schulen in Präsenzunterricht

Osnabrück – Deutschlands Landkreise haben die sofortige Rückkehr der Schulen in den Präsenzunterricht gefordert. „Das Versprechen der Politik, die Schulen als Erste wieder zu öffnen, sollte umgehend eingelöst werden“, sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Das Infektionsgeschehen erlaubt es, die Schulen noch vor den Sommerferien für den Präsenzunterricht zu öffnen.“ Gerade weil im Juni und Juli die sechswöchigen Sommerferien kommen, „müssen wir zuvor den Schritt in die Normalität gehen“, mahnte Sager Tempo an. Die Kinder litten seit mehr als einem Jahr unter sporadischem Unterricht, würden in ihrer Entwicklung gebremst und verzichteten auf wichtige Kontakte zu anderen Kindern. „Das ist nur so lange zu rechtfertigen, wie uns die Pandemie droht zu entgleiten, die schweren Verläufe zunehmen und die Intensivbetten knapp werden“, sagte Sager. „Nun ist aber das Gegenteil der Fall, sodass es Woche für Woche weniger vertretbar wird, die Schulen in diesem Notmodus zu halten.“

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– Corona-Pandemie – Indien: Holzmangel in Krematorien nach Anstieg der Corona-Toten

Während zahlreiche Corona-Leugner in den sozialen Netzwerken die Echtheit der schrecklichen Bilder aus Indien bezweifeln, haben Krematorien in Indien das staatliche Forstamt mit der Bitte kontaktiert, mehr Holz zu liefern. Den städtischen Krematorien in Delhi geht das Holz für die Scheiterhaufen aus, weil die Zahl der durch das Coronavirus verursachten Todesfälle in der Stadt ins Unermessliche steigt, berichtet die indische Zeitung India Today.

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Türkei
CIA-Hinweis: Türkische Polizei nimmt Bombenbauer der Terrororganisation IS fest

Bei einer Anti-Terror-Operation der türkischen Polizei gegen die Terrororganisation IS/DAESH in Istanbul wurde ein mutmaßlicher Bombenfachmann der Extremisten festgenommen. Der auch von den Strafverfolgungsbehörden der Vereinigten Staaten gesuchte IS-Terrorist Mustafa Abdulwahab Sofi Mahmud, der 1999 in Ägypten geboren wurde, soll sich dem IS in Syrien angeschlossen haben und galt innerhalb der Terrororganisation als „Fachmann“ für Sprengstoff, Sprenggürtel für Selbstmordattentäter und selbst gebauten Sprengstoff. Für die Ermittler gilt Mahmud als Schlüsselfigur beim Bombenbau, der in anderen Ländern bei Anschlägen eingesetzt wurde. IS-Terrorist war auch auf der Fahndungsliste der USA Er soll IS-Terroristen über das Internet Anleitungen zum Bombenbau gegeben und diese in Chemie unterrichtet haben. Nach der Flucht aus Syrien ging er zurück in sein Heimatland Ägypten, bevor er in die Türkei einreiste. Der US-Nachrichtendienst CIA observierte den Verdächtigen und teilte die Informationen mit dem türkischen Nachrichtendienst MIT. Terroranschläge auf türkische und US-Einrichtungen geplant Der polizeiliche Nachrichtendienst und die Anti-Terror-Abteilung der türkischen Polizei sollen herausgefunden haben, dass Mahmud Angriffe auf türkische Sicherheitskräfte und Zivilisten sowie US-Einrichtungen in der Türkei geplant habe. An der Festnahme des Bombenbauers und drei weiterer mutmaßlicher IS-Terroristen sollen laut Medienberichten Spezialkräfte des Dezernats für Sondereinsätze der türkischen Polizei sowie die Anti-Terror-Abteilung beteiligt gewesen sein. Die Operation erfolgte nach der Erhebung einer Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul. Die Staatsanwaltschaft fordert für Mahmud bis zu 39 Jahre und für die übrigen drei Verdächtigen jeweils 15 Jahre Haft. Kemal Bölge, Istanbul

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Bei einer Anti-Terror-Operation der türkischen Polizei in Istanbul ist es den Sicherheitskräften offenbar gelungen,  der Terrororganisation IS/Daesh einen weiteren Schlag zu versetzen.

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Gastbeitrag
Armeniens nächste Provokation: Garagöl

Ein Gastbeitrag von Dr. Gurban Alakbarov Aserbaidschan setzt den Prozess der Wiederherstellung der Staatsgrenzen auf dem Territorium von Westzangezur und der Wiederherstellung der Kontrolle über historische Territorien fort. Der nächste derartige Prozess wurde in der Region Latschin an der Grenze zu Armenien, am Garagol-See, durchgeführt. Wie erwartet, reagiert Armenien jedoch mit einem sehr ernsten Protest gegen den Einsatz der aserbaidschanischen Armee auf den historischen und legalen Gebieten Aserbaidschans. Zur Zeit ist das politische Leben in Eriwan in vollem Gange, und am Vorabend der Parlamentswahlen versuchen alle politischen Kräfte, die bekannten Ereignisse für ihre Zwecke zu nutzen. Erstens ist zu beachten, dass eine Reihe von aserbaidschanischen Siedlungen wie – das Dorf Karki in Nakhchivan und insgesamt sieben Dörfer in Gazakh, darunter Sofulu, Barkhudarli, Baganis Ayrim, Gizil Hajili, Yukhari Askipar, Ashagi Askipar und Hayrimli noch unter armenischer Besatzung stehen.
Gara Göl (Foto: biosfer.az)
Zweitens muss Armenien verstehen, dass die Grenze zwischen den beiden Ländern seit fast 30 Jahren besetzt ist, und während dieser Zeit hat die Regierung in Eriwan das Gefühl verloren, eine Grenze zu besitzen. Drittens sollte die Grenzziehung auf dem Respekt vor der territorialen Integrität beider Länder basieren. Leider gibt es in den Ansichten der politischen Parteien in Armenien keine Anzeichen für eine Versöhnung. Viertens sind die Botschaften der internationalen Vermittler, insbesondere Frankreichs, inakzeptabel und verschlimmern die Situation, anstatt den Frieden zu fördern. Alle Vermittler, einschließlich der Vereinigten Staaten und Frankreichs, müssen veraltete Thesen über den Status der Armenier in Karabach aufgeben. Die Regierung von Nikol Paschinjan hat die „Telefondiplomatie“ wieder aufgenommen, wie sie während des 44-tägigen Krieges war. Frankreich, die Vereinigten Staaten, Russland, Litauen, die OSZE, die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit… sogar Indien, das mit dem Südkaukasus nichts zu tun hat, wird der angeblichen Einmischung Aserbaidschans in die „souveränen Gebiete“ Armeniens beschuldigt. Der Grund ist klar: die Situation zu verschärfen und damit die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf sich zu ziehen, um diesen Faktor vor den Wahlen zu nutzen, um ihre durch die Kriegsniederlage gesunkenen Ratings zu erhöhen. Es ist jedoch klar, wie dieser Prozess in den letzten sechs Monaten verlaufen ist. Die Parteien bestimmen die Lage der Grenzposten per GPS und legen ihre Positionen fest. Daraus können wir schließen, dass die Behörden Angst vor innenpolitischem Druck haben und die zuvor getroffenen Vereinbarungen aufgeben wollen. Denn die Erklärungen, die in den letzten drei Tagen nacheinander abgegeben wurden, sind völlig widersprüchlich. Wenn es in den anfänglichen Erklärungen hieß, dass der Prozess auf der Grundlage einer Vereinbarung durchgeführt wurde, dass Aserbaidschan die Grenzen Armeniens nicht überschreitet, dann sind diese Ansichten völlig widersprüchlich. Was andere politische Kräfte betrifft, die versuchen, Paschinjan zu stürzen, so versuchen sie zu übertreiben und dieses Thema auf der Tagesordnung zu halten, indem sie die Grenzziehung als einen Verlust von Territorium, das Versagen der Regierung beim Schutz der „nationalen Interessen und der Souveränität Armeniens“ beschreiben, wie im Prozess der Rückgabe des Dorfes Schurnuch. Im Gegensatz zu Armenien sind die Position und die Ansichten Aserbaidschans zum Demarkationsprozess sehr zurückhaltend und entschieden. Schauen wir uns die Erklärung des Außenministeriums von Aserbaidschan an: „Laut einer trilateralen Erklärung vom 10. November 2020 befinden sich aserbaidschanische Grenzsoldaten in Positionen in unserem Land im Zusammenhang mit der Verbesserung der Wetterbedingungen in den befreiten Regionen Lachin und Kelbajar an der Grenze zu Armenien. Dieser Prozess wird routinemäßig und systematisch durchgeführt. Die Maßnahmen zur Stärkung des Grenzschutzsystems, die im Rahmen der territorialen Integrität Aserbaidschans durchgeführt werden, werden auf der Grundlage der Karten, die die Grenzlinie zwischen Armenien und Aserbaidschan definieren, und auf den Seiten durchgeführt. Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit hatten die beiden Länder aus offensichtlichen Gründen keine Staatsgrenze, und aus diesem Grund sprechen wir über einen komplexen technischen Prozess, der derzeit von Unstimmigkeiten zwischen den Parteien begleitet wird. Es ist erstaunlich, dass die armenische Seite auf diesen Prozess unangemessen reagiert und provokative Erklärungen abgegeben hat. Wir halten die Versuche offizieller Kreise, dieses Thema für politische Zwecke im Zusammenhang mit der Situation vor den Wahlen in Armenien zu nutzen, für inakzeptabel. Wir empfehlen, die politischen und militärischen Kreise Armeniens nicht zu beunruhigen, die Realität des zwischenstaatlichen Grenzregimes entlang der Regionen Zangilan, Gubadli, Lachin und Kelbajar in Aserbaidschan zu akzeptieren und die Situation in der Region nicht unangemessen zu verschärfen. Solche Fälle können und sollten durch gegenseitige Kontakte zwischen den Militärs auf beiden Seiten gelöst werden. Aserbaidschan setzt sich seinerseits für eine Lösung der Spannungen in der Region ein und fordert entsprechende Schritte. “ Was wissen wir über das Territorium des Garagol-Sees, das jetzt in den armenischen Medien thematisiert wird? Gegenwärtig ist das Territorium des Garagol-Sees (auf Deutsch: „schwarzer See“), der sich im Hochland, auf dem Berg Ishigli, auf einer Höhe von 2658 Metern über dem Meeresspiegel befindet und Gegenstand von Streitigkeiten und Spannungen ist, eigentlich das Territorium des staatlichen Reservats Garagöl, das durch den Beschluss des Ministerrats der Aserbaidschanischen SSR vom 17. November 1987 geschaffen wurde. Die Länge des Sees beträgt 1950 Meter, die maximale Breite 1250 m, die Länge der Uferlinie 5500 m, die maximale Tiefe 7,8 m, die Fläche des Reservoirs 13 qkm. Das geschätzte Wasservolumen des Sees beträgt 10 Millionen Kubikmeter. Dieser See ist von großer hydrologischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Sein Wasser wurde von der lokalen Bevölkerung zur Bewässerung von Schafen, Ackerland und Fischen genutzt. Garagöl und seine Umgebung waren historisch gesehen das Land von Aserbaidschan. Seit den frühen 1990er Jahren stehen Garagöl und seine Umgebung jedoch unter armenischer Besatzung. Während der Besatzung wurde das Gebiet des Staatsreservats Garagöl geplündert, die Vegetation wurde schwer beschädigt. Wie Sie sehen können, ist dieses Gebiet sowohl vom Standpunkt eines reichen Wasserbeckens, als auch vom Standpunkt der Kontrolle über die strategischen Punkte Armeniens wichtig. Deshalb will Jerewan diese Gebiete nicht zurückgeben. Er will sogar den Kollektiven Sicherheitsrat in diesen Prozess einbeziehen und verweist auf „die Einmischung Aserbaidschans in die souveränen Territorien des Landes.“ Experten sagen aber auch, dass die OVKS keinen Grund hat, sich in diesen Prozess einzumischen. Eine Intervention der OVKS ist nur dann möglich, wenn die Verletzung der territorialen Integrität eines Mitgliedsstaates nachgewiesen ist. Von einer solchen Intervention an der aserbaidschanisch-armenischen Grenze ist nicht die Rede. Die Grenzziehung basiert auf Karten, die von der Hauptdirektion für Kartographie und Geodäsie beim Ministerkabinett der UdSSR in den 1950er Jahren vorbereitet und 1975 in der 6. Druckerei des Verteidigungsministeriums der Streitkräfte veröffentlicht wurden. Diese Karten wurden in Übereinstimmung mit der Verfassung der UdSSR von 1977 erstellt, die auf der Grundlage der Schlussakte der KSZE-Konferenz von Helsinki 1975 über die Einführung der administrativ-territorialen Aufteilung verabschiedet wurde. Es ist zu beachten, dass diese Dokumente die einzigen juristischen Dokumente sind, die sich auf die Abgrenzung der Staatsgrenzen von Armenien und Aserbaidschan beziehen. Aus diesem Grund, wenn Garagöl 1975 zum Territorium der Aserbaidschanischen SSR gehörte, dann sollte es 2021 in das Territorium Aserbaidschans einbezogen werden. Der einzige Weg, dauerhaften Frieden in der Region zu schaffen, ist die Achtung der territorialen Integrität aller drei Länder des Südkaukasus. Dies sollte auch auf der Grundlage der Schaffung von Bedingungen für die Entwicklung der verschiedenen ethnischen Gemeinschaften ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Rechte geschehen. Aus dieser Sicht dient der Ansatz der Doppelmoral nur jenen Kräften, die die Region auf der Grundlage der imperialistischen Teile-und-herrsche-These regieren wollen.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Bergkarabach-Konflikt – Bergkarabach: Aserbaidschan wirft Armenien Ausbeutung vor

Der 44-tägige Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die von Armenien okkupierten sieben aserbaidschanischen Distrikte sowie Berg-Karabach endete am 9. November 2020. Damit veränderte sich nicht nur die Karte des Südkaukasus radikal, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage der noch von Armenien besetzten restlichen Gebiete von Berg-Karabach, und Armenien.

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Kryptowährungen
Eigene Kryptowährung erstellen – geht das?

Eigene Kryptowährung erstellen – geht das? Kryptowährungen sind nicht mehr vom Finanzmarkt wegzudenken. Als Geldspeicher und Zahlungsmittel konnten sie im letzten Jahrzehnt die Börsenmärkte weltweit erobern. Doch was, wenn man nicht einfach nur in eine bestehende Blockchain Währung investieren, sondern seine eigene Kryptowährung auf den Markt bringen möchte? Das geht tatsächlich – und zwar viel leichter als man vielleicht vermutet. Für welche Zwecke eine eigene Kryptowährung? Es ist denkbar, eine eigene Kryptowährung zum Spaß zu entwickeln. So kann man sie beispielsweise als eine Art individuelle, zum eigenen Business passende Treueprämie ausgeben. Doch auch die Nutzung der eigenen Blockchain kann ein Unternehmen voranbringen. Selbstverständlich ist der Weg dahin steinig, doch auf Krypto-Vergleich.de erfahren Unternehmer mit innovativen Ideen alles darüber, wie sie mit einer eigenen digitalen Währung Kapital für die Umsetzung ihres Projektes generieren können. Vor allem dann, wenn sich keine Investoren finden, ist die eigene Blockchain Währung der schnellste und einfachste Weg, doch ans Ziel zu kommen. Drei Möglichkeiten, eine eigene Kryptowährung herzustellen Nein, um eine eigene Kryptowährung auf den Markt zu bringen, braucht man kein fundiertes IT-Studium. Auf diese Arten kann man seinen Plan in die Tat umsetzen:
  • Mit dem (Open Source) Code einer bereits bestehenden Kryptowährung kann man seine eigene innerhalb von Minuten entwickeln
  • Man entwickelt eine digitale Währung von der Pike auf, beispielsweise mit Hilfe von IT-Spezialisten
  • Man verwendet Token bereits vorhandener Währungen
Welche Kosten entstehen bei einer eigenen Kryptowährung? Wer existierende Token oder bereits vorhandene Blockchains als Basis für die eigene Kryptowährung nutzt, muss nicht viel Kapital investieren. Häufig funktioniert das sogar kostenlos oder gegen eine geringe Investition in die Blockchain, die als Grundlage dient. Möchte man jedoch eine komplett frisch entwickelte Blockchain und Kryptowährung für sein Unternehmen nutzen, sieht das ganz anders aus. Der Weg bis hin zur Initital Coin Offering (ICO), dem Launch der Währung, kann Monate dauern. Diese Zeitspanne brauchen auch die fittesten Entwicklerteams für die Neuschaffung. Marketing – wichtiger Faktor Auch wenn der Launch an sich nicht so teuer ist, sollten Unternehmer Geld ins Marketing investieren. Denn nur dann, wenn die neue Kryptowährung auch bekannt genug ist, finden sich genug Menschen, die investieren möchten. Es empfiehlt sich daher, das Projekt zu branden und diese neue Brand ordentlich zu bewerben. Entwickler-Team ist oft unersetzlich Nutzt man Token einer existierenden Blockchain Währung, steht die eigene Währung innerhalb von Minuten. Auch wenn man bereits gelaunchte Kryptowährungen als Basis verwendet, geht das schnell. Doch sobald Anpassungen nötig werden oder man sich dazu entschließt, doch komplett neu an die Sache heranzugehen, sollte man ein Entwicklerteam zu Rate ziehen. Das kann teuer werden, aber die Investition lohnt sich besonders bei komplexen Projekten. Eigene Kryptowährung launchen? Die Frage, ob es Sinn macht, eine eigene Blockchain Währung zu launchen, muss ich jeder Unternehmer selbst beantworten. Folgende Faktoren können ausschlaggebend für ein „Ja“ sein:
  • Das Business soll auf einer dezentralen Datenbank (Blockchain) basieren
  • Man arbeitet an einem komplexen und teuren Projekt, für das man Kapital von Investoren benötigt
  • Man möchte durch eine individuelle Kryptowährung das Branding vertiefen und sich einen Unique Selling Point (Alleinstellungsmerkmal) schaffen
  • Das Unternehmen ist in einer Branche tätig, die nahe mit den Themen Blockchain, Crypto und Börse verwandt ist.
In all diesen Fällen kann es sinnvoll sein, eine neue Kryptowährung auf den Markt zu bringen. Entwicklerteams können Unternehmern dabei helfen, einen Fahrplan von der Planung über die Entwicklung bis hin zur ICO zu erstellen. Sollte die Kryptowährung durch Mining generiert werden?  Mining, also das Schürfen, ist die ursprünglichste Art, neue Coins zu generieren. Doch es geht auch anders: Bei einer ICO werden beispielsweise mit dem Launch Coins oder Tokens an die Community ausgegeben. Diese existieren zum Zeitpunkt der ICO bereits und müssen nicht geschürft werden. Letztlich ist es das Unternehmen selbst, das den Ausschlag darüber gibt, ob man sich für oder gegen Mining entscheidet. Die technischen Voraussetzungen können nämlich das eine oder das andere erforderlich machen. Ein Entwicklerteam hilft einem dabei, den geeigneten Weg zu finden. Werden die Coins durch Mining generiert, sollte die Community faire Chancen erhalten, sich direkt am Anfang zu beteiligen.

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BTCBAM, das erste türkische Blockchain-Projekt, das an den wichtigsten asiatischen Kryptowährungsbörsen wie Coinsbit und Probit gelistet ist, hat die Vorverhandlungen mit der SEC eingeleitet.

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