Klimakrise
Somalia: Schlimmste Dürre seit Jahrzehnten zwingt über 450.000 Menschen zur Flucht

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Baidoa – In Somalia herrscht die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. In den ersten zehn Wochen dieses Jahres mussten bereits mehr als 450.000 Menschen ihr Zuhause auf der Suche nach Wasser und Nahrung verlassen, berichtet Save the Children. Die Zahlen steigen rapide an und immer mehr Kinder leiden an Unterernährung. Die Auswirkungen der Klimakrise sind in Somalia besonders stark zu spüren. Das Land am Horn von Afrika kämpft nun mit der dritten Dürre innerhalb eines Jahrzehnts. Etwa 90 Prozent des Landes und 4,3 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – sind betroffen. Einige Gebiete erleben die größte Trockenheit seit 40 Jahren. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die Folgen des Krieges in der Ukraine, der Lebensmittelpreise und die Transportkosten für wichtige Importe wie Weizenmehl in die Höhe treibt. Dies weckt Befürchtungen, dass sich die tödliche Hungersnot von 2011 wiederholen könnte. Damals starben ungefähr 260.000 Menschen, die Hälfte von ihnen Kinder unter fünf Jahren.
Sumaya, 20 Jahre alt, mit ihrer einjährigen Tochter in Kismayo im Süden Somalias am 07. März 2022 in einem Binnenflüchtlingslager am Rande der Stadt. Foto: Michael Tsegaye/Save the children.
„Die damalige Hungersnot war eine der größten vermeidbaren humanitären Katastrophen der Neuzeit und löste weltweit ein Gefühl der Scham aus. Internationale Organisationen haben einfach zu spät reagiert“, sagt Save the Childrens Kommunikationsdirektorin Martina Dase, die vor Ort ist, um sich ein Bild von der Situation zu machen. „Dieses Mal müssen wir es besser machen. Schon jetzt sterben Kinder, und es werden täglich mehr. Als Menschheit haben wir hier eine besondere Verpflichtung zu verhindern, dass sich 2011 wiederholt. Noch ist es möglich.“ Da der internationale Aufruf der UN zur humanitären Hilfe bisher nur 3,8 Prozent der nötigen 1,46 Milliarden USD aufgebracht hat, appelliert Save the Children an die internationale Gemeinschaft, ihre Finanzierungsbemühungen zu verstärken. Sonst könnten nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis Mitte des Jahres 1,4 Millionen Kinder akut unterernährt sein – 64 Prozent mehr als vor zwei Jahren. „Die Zahlen sind erschreckend. Aber noch viel grausamer ist es, einem kleinen Mädchen beim Sterben zuzusehen. In Kismayo kam für die Vierjährige jede Hilfe zu spät, weil ihre Mangelernährung schon zu weit fortgeschritten war. Das sind Bilder, die mich seitdem nicht mehr loslassen“, sagt Martina Dase. Das medizinische Personal der Kinderrechtsorganisation im Regionalkrankenhaus von Kismayo berichtet, dass sich die Zahl der eingelieferten Kinder im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht hat und mehr Fälle von Unterernährung, Lungenentzündung und Durchfall auftreten. Eine von Save the Children unterstützte mobile Gesundheitseinheit, die in einem nahegelegenen vertriebenen Lager arbeitet, meldete im vergangenen Monat acht Todesfälle von Kindern aufgrund von Unterernährung. „Dies ist eine der schlimmsten Dürreperioden, die ich je erlebt habe. Wir sind an Dürreperioden in Somalia gewöhnt, aber diese ist anders. Es wird immer schlimmer und wir haben alles verloren. Seit drei Jahren haben wir keinen guten Regen mehr erlebt“, erzählt die 50-jährige Bäuerin Aamina*, die ihren gesamten Viehbestand verlor und damit auch ihren Lebensunterhalt. Sie ist eine von mehr als 30.000 Menschen, die in einem der zwei im Oktober errichteten Lager in Luglow, nahe der südlichen Hafenstadt Kismayo, Zuflucht suchen musste. Hier kann sie für ihre Kinder und Enkel zumindest den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitsdiensten sicherstellen.
Aamiina*, 50, mit ihrer sechsjährigen Tochter Jamila* und ihrer vierjährigen Enkelin Sahra*, in einem Lager in der Nähe von Kismayo in Südsomalia. (Foto: Savethechildren)
Auf der staubigen Straße nach Luglow liegen die verrottenden Kadaver von toten Rindern und Eseln von Fliegen umschwärmt und täglich treffen mehr Menschen ein. „Ich kann nicht vorhersagen, was als Nächstes passieren wird, aber ich glaube nicht, dass wir jemals zurückkehren können, da wir nichts haben“, sagt Aamina*. „Wenn wir krank sind, können wir nichts tun. Jetzt brauchen wir eine bessere Unterkunft, und wenn wir Unterstützung bekommen, könnten wir versuchen, in der Stadt neu anzufangen. Das ist jetzt mein größter Wunsch.“ Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der vertriebenen Menschen in diesem Jahr auf bis zu 1,4 Millionen ansteigen soll, ist Save the Children über den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und der Gesundheitsversorgung in vielen der 5.000 Vertriebenenlager in Somalia besorgt. Finanzmittel werden dringend benötigt, um Familien lebensrettende Unterstützung zukommen zu lassen. „Wir sind Zeugen einer Klimakatastrophe, die sich vor uns abspielt. In Somalia gab es schon immer Dürren, etwa alle zehn Jahre, aber diese schnell aufeinanderfolgenden Dürren bedeuten, dass die Menschen nicht die Zeit haben, sich dazwischen zu erholen und ihre Ernten oder ihren Viehbestand wiederherzustellen. Es ist bedrohlich, denn fast das gesamte Land ist von dieser Dürre betroffen“, sagt der Landesdirektor von Save the Children in Somalia, Mohamud Mohamed Hassan. „Wir wissen, dass es weltweit viele konkurrierende Krisen gibt und dass die Ukraine wahrscheinlich alles überlagern wird, aber wir dürfen die Kinder in Somalia nicht im Stich lassen. Wir können sie retten, wenn wir jetzt handeln!“ Save the Children arbeitet seit 1951 in Somalia und ist auf nationaler und internationaler Ebene führend in der humanitären Hilfe. Zudem engagiert sich die Organisation in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung, Kinderschutz und Kinderrechte. Im Jahr 2021 erreichte die Kinderrechtsorganisation über 3 Millionen Menschen in Somalia, darunter mehr als 1,8 Millionen Kinder. Save the Children Deutschland beteiligt sich mit einer Förderung des Auswärtigen Amtes bei humanitären Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, WASH (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene) und Kinderschutz. Zudem bietet sie bedürftigen Familien mit Kindern in Somalia Geldtransfers für die Soforthilfe. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert im Rahmen der Übergangshilfe über die Zusammenarbeit mit Save the Children Projekte in Somalia und verfolgt unter anderem das Ziel binnenvertriebene Jugendliche in Baidoa, Garowe und Mogadischu dabei zu unterstützen, verbesserte Einkommensmöglichkeiten und soziale Teilhabe zu erlangen. * Name zum Schutz geändert

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Die Folgen des massiven Bomben- und Granatbeschusses von Wohngebieten im Jemen sind verheerend. Viele Städte sind mit Blindgängern und nicht explodierten Sprengkörpern verseucht. Auch Landminen wurden in dem seit sechs Jahren andauernden Krieg eingesetzt.

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Frankfurt
Große Renoir-Ausstellung im Städel-Museum

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von Kemal Bölge Bereits im kindlichen Alter zeigte sich das außergewöhnliche Talent von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) für das Zeichnen, weshalb er später eine Lehre in einer Porzellanmanufaktur begann und dort Teller bemalte. Als die Fabrik geschlossen wurde, arbeitete er für seinen großen Bruder, wo er Fächer dekorierte. Viele Jahre vorher zog seine Familie nach Paris und mietete in der Nähe des Louvre eine Wohnung an. Das Louvre-Museum zog Renoir wie ein Magnet an und er studierte dort die Werke früherer französischer Meister. Mit 21 Jahren begann er sich ernsthaft mit der Malerei zu beschäftigen und nahm beim Maler Charles Gleyre professionellen Malunterricht. Paris, die Metropole der Kunstszene Während seines Studiums lernte Renoir Maler wie Jean-Frédéric Bazille und Claude Monet kennen. Vor allem Gustave Courbet war es, der Renoir für das Malen im Freien beeinflusste. Seine Erfahrungen als Porzellanmaler wirkten sich auf seine Bilder dahingehend aus, dass es Renoirs Werken eine bezaubernde Vitalität verleiht und die Porzellanfarben diese regelrecht zum Leuchten bringen. Paris galt zu jener Zeit als führende Metropole der Kunstszene, indem sich Maler und Kunstinteressierte trafen, Ausstellungen organisiert wurden und die Menschen in die Kunsthallen strömten. Maler wie Claude Monet, Édouard Manet und eben jener Pierre-Auguste Renoir gelten als die Wegbereiter des Impressionismus. Renoir schuf im Laufe seines Lebens mehr als 6.000 Bilder. Ausgewählte Werke im Städel Museum Das am Mainufer gelegene Frankfurter Städel Museum zeigt 70 ausgewählte Werke dieses außergewöhnlichen Malers, der wie viele seiner Künstlerkollegen der damaligen Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte, kaum Bilder verkaufte und glücklicherweise später vermögende Kunstförderer fand, die seine Kunst unterstützten. Ferner werden zahlreiche Werke französischer Rokoko-Meister ausgestellt. In einem informativen Online-Preview haben Interessierte die Möglichkeit sich vorab über die Kunst von Pierre-Auguste Renoir zu informieren, bei dem Museumsdirektor Philip Demandt und weitere Experten Details zum künstlerischen Verständnis von Renoir hervorheben. Seit dem 2. März hat das Städel seine Türen zur Ausstellung Renoir Rococo Revical – Der Impressionismus und die französische Kunst des 18. Jahrhunderts“ geöffnet, die noch bis 19. Juni läuft.

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Vor 201 Jahren wurde einer der bedeutendsten Dichter der europäischen Romanik geboren, Nikoloz Baratashvili (4.11.1817 Tbilisi – 21.10.1845 Ganja). Aufgrund der Sprachbarriere ist er – wie zahlreiche georgische Schriftsteller und Dichter weitgehend unbekannt.

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Ukraine-Konflikt
Kiew: Russland plant die Aufteilung der Ukraine

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Kiew – Russland erwäge ein „koreanisches Szenario“ für die Ukraine und die Teilung des Landes in zwei Teile, nachdem die Einnahme der Hauptstadt Kiew und der Sturz der Regierung gescheitert sind, so der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Der russische Präsident Wladimir Putin „wird versuchen, eine Trennlinie zwischen den unbesetzten und den besetzten Regionen unseres Landes zu ziehen“, sagte General Kyrylo Budanow, Leiter der Geheimdienstabteilung des Verteidigungsministeriums, am Sonntag, wie das Ministeriums auf Telegram berichtete. „Es ist ein Versuch, Nord- und Südkorea in der Ukraine zu schaffen. Schließlich ist er definitiv nicht in der Lage, das ganze Land einzunehmen“, so Budanow. „Die Besatzer werden versuchen, die besetzten Gebiete zu einem einzigen quasi-staatlichen Gebilde zu vereinen, das sich der unabhängigen Ukraine entgegenstellt“, so der Geheimdienstchef. „Wir beobachten bereits Versuche, ‚parallele‘ Behörden in den besetzten Gebieten zu schaffen und die Menschen zu zwingen, die ukrainische Währung aufzugeben.“ Ein lokaler Führer in der selbsternannten Volksrepublik Luhansk sagte am Samstag, die Region könnte bald ein Referendum über den Anschluss an Russland abhalten, so wie es auf der Krim geschah, nachdem Russland 2014 in die ukrainische Halbinsel einmarschiert war. Die Krimbewohner stimmten mit überwältigender Mehrheit für den Bruch mit der Ukraine und den Anschluss an Russland – ein Votum, das von einem Großteil der Welt nicht anerkannt wurde. Russland versuche zudem, einen Landkorridor zur Krim einzurichten, doch sei dieser Plan bisher daran gescheitert, dass es Russland nicht gelungen sei, die Hafenstadt Mariupol einzunehmen. Die Stadt am Asowschen Meer ist seit mehr als drei Wochen von russischen Truppen eingekesselt und steht unter ständigem Beschuss. Die Behörden von Mariupol lehnten jedoch letzte Woche ein Ultimatum der russischen Streitkräfte ab, in dem die Verteidiger der Stadt aufgefordert wurden, ihre Waffen niederzulegen.

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Ukraine-Konflikt
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Kiew – Die Ukraine und Russland wollen vom morgigen Montag bis Mittwoch in der Türkei die Verhandlungen wieder aufnehmen. Dies teilte der ukrainische Unterhändler David Arakhamia am Sonntag mit. Die Türkei erklärte, das Treffen werde in Istanbul stattfinden. Die Ukraine bezeichnete frühere Gespräche mit Russland, die nach der russischen Invasion im vergangenen Monat aufgenommen wurden, als „sehr schwierig“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in einem Telefongespräch am Sonntag mitgeteilt, dass nach dem Einmarsch Moskaus in der Ukraine ein Waffenstillstand und bessere humanitäre Bedingungen erforderlich seien, wie sein Büro in einer Erklärung mitteilte. „Erdogan wies darauf hin, wie wichtig ein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine, die Umsetzung des Friedens und die Verbesserung der humanitären Bedingungen in der Region sind“, so sein Büro in einer Mitteilung über das Telefonat. Bereits Anfang des Monats empfing Ankara die Außenminister Russlands und der Ukraine in Antalya. Die Außenminister Russlands, Sergej Lawrow, und der Ukraine, Dmytro Kuleba, trafen sich zu Gesprächen in Antalya, an denen auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu teilnahm. Die Gespräche waren weitgehend ergebnislos, aber Ankara betrachtet die Tatsache, dass sie überhaupt stattgefunden haben, als Erfolg. Unter Beibehaltung ihrer neutralen und ausgewogenen Haltung setzt die Türkei ihre diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation des Ukraine-Konflikts fort und fordert alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Ankara hat sich zwar gegen internationale Sanktionen zur Isolierung Moskaus ausgesprochen, aber es hat auch seine Meerengen geschlossen, um russische Kriegsschiffe an der Durchfahrt zu hindern.

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Putin-Sprecher schließt Einsatz von Atomwaffen im Falle einer „existenziellen Bedrohung“ für Russland nicht aus.

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Ukraine-Konflikt
Forscher: Krieg könnte Meinung der Jugend zum Militär verändern

Essen – Der Ukraine-Krieg rückt das Thema Bundeswehr und Verteidigung bei Jugendlichen neu ins Bewusstsein. Nach Ansicht des Siegener Soziologen Prof. Christian Lahusen wächst unter Jugendlichen die Ansicht, dass die Demokratie wehrhaft sein muss. „Das Thema Krieg gehörte seit Langem zu den Themen, die ihnen generell Sorgen bereiten. Aber nun rückt es nahe an ihr Leben heran“, sagte Lahusen der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). „Viele Jugendliche sind politisch sehr interessiert und werden sich dazu jetzt eine klarere Meinung bilden.“ Die Diskussion über Aufrüstung und Verteidigung werde die Jugendlichen künftig umtreiben, so der Protestforscher.
„Wie klar sie sich pazifistisch verorten, wird sich zeigen, denn auch im Pazifismus gibt es eine Debatte über das Recht auf Verteidigung. Und nicht jeder Pazifist ist gegen das Militär.“
Dabei sei die Meinung der Jugendlichen keineswegs einheitlich. „Auf der einen Seite stehen jene, die weltoffen sind und liberale Ansichten vertreten und für Freiheit und Toleranz einstehen und verbindliche Rechte einfordern und verteidigen“, sagte Lahusen der WAZ. „Doch auch unter Jugendlichen gibt es etwa zehn Prozent, die rechts-nationale und rechts-populistische Meinungen vertreten und die dieses Gesellschaftsmodell ablehnen.“

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OIC-Treffen
Nordzyperns Außenminister Ertuğruloğlu fordert Ende der Sanktionen

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Lefkoşa/Islamabad – Der Außenminister Nordzyperns (TRNC), Tahsin Ertuğruloğlu, hat während eines Treffens der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein Ende der Isolation gegen Nordzypern gefordert. Ertuğruloğlu sprach auf der Abschlusssitzung der 48. Konferenz des Rates der Außenminister der OIC. In den vergangenen Jahren habe die Organisation diesbezüglich Entscheidungen von großer Tragweite getroffen, jetzt sei es aber an der Zeit, statt mit Worten aktive Unterstützung zu leisten. „Zyperntürken seit 1963 ihrer Menschenrechte beraubt“ Auf der Abschlusssitzung des Treffens der Außenminister betonte er, dass die Zyperntürken seit 1963 ihrer Menschenrechte beraubt und in allen Lebensbereichen einer ungerechten Isolation ausgesetzt seien. Der Außenminister zeigte sich zuversichtlich, dass sich die OIC-Mitgliedsstaaten nicht nur an Entscheidungen über die Situation in Zypern halten, sondern relevante Entscheidungen in Maßnahmen umsetzen werden, um die unmenschliche Isolation der Zyperntürken zu beseitigen. Eine Insel, zwei getrennte Staaten Ertuğruloğlu beschrieb Zypern als eine Insel mit zwei getrennten souveränen Staaten, von denen keiner das Recht habe, die Insel als Ganzes zu repräsentieren, und fügte hinzu, dass die Herangehensweise an die Zypernfrage diese Realität berücksichtigen sollte. Ertuğruloğlu wies darauf hin, dass Ankaras Hoffnungen auf eine gerechte Welt dank der Hilfe für Nordzypern immer noch bestehe und dankte der Türkei für ihre Unterstützung. Tahsin Ertuğruloğlu gilt als erfahrener Politiker, der schon mehrfach das Amt des Außenministers ausübte und vor wenigen Wochen durch eine Kabinettsumbildung von Hasan Taçoy den Außenministerposten übernahm und Taçoy zum Arbeits- und Sozialminister ernannt wurde. Kemal Bölge

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Die Türkei und Griechenland wollen nach Konflikten über Hoheitsrechte im Mittelmeer und anderen Streitigkeiten ihre Beziehungen verbessern.

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Türkei
Opposition stimmt für Immunitätsaufhebung von HDP-Abgeordneten Semra Güzel

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Ankara – Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara hat einen Fahndungsbeschluss gegen die HDP-Abgeordnete Semra Güzel erlassen. 2017 gelang es türkischen Sicherheitskräften bei einer Anti-Terror-Operation gegen die PKK in Adıyaman den mutmaßlichen Terroristen Volkan Bora außer Gefecht zu setzen. Ermittler stellten in dessen Smartphone Fotos mit der HDP-Abgeordneten sicher. Nachdem Fotos Boras mit der Abgeordneten an die Öffentlichkeit gelangten, hatte die Generalstaatsanwaltschaft Ankara ihren Untersuchungsbericht zu Güzel an das türkische Justizministerium übermittelt. Die Anklagebehörde verfasste zwei Untersuchungsberichte, woraufhin bei einer Abstimmung im türkischen Parlament ihre Immunität mit den Stimmen der oppositionellen CHP und IYI Partei aufgehoben wurde. Abgeordnete erschien nicht zur Vorladung Nachdem die Abgeordnetenimmunität aufgehoben war, gelangte der Untersuchungsbericht an die zuständige Generalstaatsanwaltschaft. Die wiederum begann mit Ermittlungen gegen Güzel wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ und trotz Vorladung mit Fristverstreichung erschien sie nicht vor Gericht. Da Güzel von der Polizei an der angegebenen Adresse nicht aufgefunden wurde, hat die Staatsanwaltschaft beim Strafgericht einen Antrag zum Fahndungsbeschluss gestellt, dem das Gericht stattgab. Die PKK wird von der Türkei und den USA sowie der EU als terroristische Organisation eingestuft. Sie wird für den Tod von mehr als 40.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, verantwortlich gemacht. Kemal Bölge

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Forsa-Umfrage
TÜV: Homeoffice macht dick

Umfrage des TÜV-Verbands: 30 Prozent fühlen sich allein oder isoliert Lange Phasen im Homeoffice führen bei vielen Beschäftigten zu psychischen Problemen: Fast jede:r Dritte derzeit im Homeoffice bzw. mobil arbeitende Erwerbstätige fühlt sich oft allein oder isoliert (30 Prozent). Und jede:r Achte empfindet die Arbeit im Homeoffice häufig als psychische Belastung (12 Prozent). Das hat eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.507 Erwerbstätigen ergeben. „Eng getaktete Videokonferenzen, kaum Pausen und die fehlenden persönlichen Kontakte führen bei vielen Beschäftigten im Homeoffice zu Erschöpfung, Gereiztheit oder Gefühlen der Isolation. Die Arbeitszeit nimmt zudem zu, da Laptop und Diensttelefon oft bis in die späten Abendstunden eingeschaltet sind. Das klassische Ausstempeln an der Stechuhr gibt es nicht mehr „, sagt André Siegl, Arbeitsschutzexperte des TÜV-Verbands. „Verschärfend kommen ergonomisch unzureichend eingerichtete Arbeitsplätze und der Bewegungsmangel hinzu.“ Homeoffice macht dick: Jeder Dritte legt im Homeoffice wegen Bewegungsmangel an Gewicht zu Zwei von drei Arbeitnehmer:innen geben an, dass sie sich bei häufiger Arbeit im Homeoffice zu wenig körperlich bewegen (65 Prozent). Und mehr als jede:r Dritte hat laut Umfrage während längerer Phasen im Homeoffice an Körpergewicht zugelegt (37 Prozent). „Wenn tägliche Arbeitswege wie der Gang oder die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit wegfallen, macht Homeoffice dick“, sagt Siegl. Nur jede:r zweite Befragte verfügt im Homeoffice über einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz mit Bürostuhl, Schreibtisch, externer Tastatur und großem Bildschirm (51 Prozent). Die Folge sind Kopf- und Rückenschmerzen, muskuläre Verspannungen oder brennende Augen. „Nach zwei Jahren Pandemie mit langen Homeoffice-Zeiten sind viele Arbeitnehmer körperlich und mental angeschlagen“, sagt Siegl. Gerade die Kombination aus psychischen und physischen Belastungen erhöhe die Gefahr von langwierigen Krankheiten und Burnout. Nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht sollten Arbeitgeber jetzt die Arbeitsorganisation an die neuen Gegebenheiten anpassen. Das betrifft unter anderem die arbeitsrechtlichen Regelungen zum mobilen Arbeiten, die Ausstattung der Homeoffice-Arbeitsplätze und die Gestaltung der Arbeit in den Büroräumen. Arbeitgeber sollten gesundheitsfördernde Unternehmenskultur anstreben „In den Büroräumen wird neben der Arbeit das soziale Miteinander der Kolleginnen und Kollegen immer wichtiger“, sagt Siegl. Dafür müssten Unternehmen jetzt Anreize schaffen und auch eine Neugestaltung der Büroflächen mit Sitzecken, großzügigen Kaffee-Küchen oder flexiblen Workshop-Räumen in Betracht ziehen, um Begegnungen und kreatives Arbeiten im Team zu ermöglichen. Entscheidend sei aber eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur. Dazu gehören an erster Stelle Vorgesetze, die Mitarbeiter:innen fürsorglich behandeln, sie bei ihrer Arbeit unterstützen und in Entscheidungen einbeziehen. Arbeitgeber sollten Fortbildungen zum Zeit- und Selbstmanagement, Stressbewältigung oder Gesundheitsförderung anbieten und Regeln für eine effiziente und rücksichtsvolle interne Kommunikation festlegen. „Arbeitspsychologische Angebote sollten selbstverständlich sein und von den Arbeitnehmern jederzeit anonym in Anspruch genommen werden können“, betont Siegl. So könnten Unternehmen und Beschäftigte besser mit Krisensituationen umgehen. Laut den Ergebnissen der Umfrage arbeitete vor dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht am 20. März 2022 fast jede:r vierte Beschäftigte (23 Prozent) ausschließlich im Homeoffice oder mobil. Weitere 21 Prozent gaben an, dass sich bei ihnen Homeoffice und das Arbeiten im Büro abwechseln.

Oberverwaltungsgericht
Lüneburg: Ausbürgerung wegen PKK-Mitgliedschaft

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Lüneburg – Wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung nahm die zuständige Behörde in Niedersachsen 2019 eine im Jahr 2014 vollzogene Einbürgerung eines Mannes zurück. Gegen die Rücknahme der Einbürgerung erhob der Mann Klage. Der Einbürgerungswerber habe, so die Begründung, während des laufenden Verfahrens verschwiegen, Mitglied der Jugendorganisation der PKK geworden und damit Unterstützungshandlungen für eine als terroristische Vereinigung eingestufte Organisation ausgeführt zu haben, berichtete TRT Deutsch im November letzten Jahres. Der Kläger sei unter anderem dadurch aufgefallen, dass er „in den sozialen Medien Seiten von PKK-nahen Organisationen folgte, Beiträge mit ‚Gefällt mir‘ markierte oder selbst solche verfasste“. Zudem hätte er Vereinstreffen PKK-naher (Jugend-)Organisationen besucht, berichtete TRT Deutsch mit Hinweis auf die Gerichtsentscheidung. Der Kläger stellte darauffolgend Antrag auf Zulassung der Berufung, welchen das Oberverwaltungsgericht Lüneburg nicht zuließ. Da der Kläger eine terroristische oder jedenfalls den Terrorismus unterstützende Vereinigung nicht nur unterstützt, sondern auch Mitglied einer solchen Vereinigung gewesen war, hätten „die Voraussetzungen für eine Rücknahme der Einbürgerung gemäß § 35 StAG vorgelegen“, berichtet das Rechtsportal Kostenlose Urteile. Die Einbürgerung sei demnach gemäß § 11 Nr. 1 StAG rechtswidrig gewesen.

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Flutkatastrophe 2021
NRW-SPD fordert Rücktritt von Umweltministerin Heinen-Esser

Düsseldorf – Die SPD im Düsseldorfer Landtag fordert den Rücktritt von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Grund sind neue Einlassungen der CDU-Politikerin im Zusammenhang mit dem Mallorca-Aufenthalt der CDU-Politikerin während der Flutkatastrophe im Juli 2021. In ihrer ersten Vernehmung habe die Ministerin im Untersuchungssauschuss des Landtags zur Flutkatastrophe zu Protokoll gegeben, sie habe sich nach einer kurzen Urlaubsunterbrechung um die Rückreise aller Urlaubsteilnehmer kümmern müssen und sich deshalb zurück nach Mallorca begeben, sagte Stefan Kämmerling, Obmann der SPD im Flutausschuss, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nun stelle sich die Situation aber anders dar. „Offenbar hat sie doch nur ihren Urlaub zu Ende gebracht, die Rückflüge dürften längst gebucht gewesen sein“, erklärte der Landtagabgeordnete. „Statt Home-Office waren es also wohl doch nur Ferien“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Die Ministerin hatte keinerlei Gespür für die Not der Menschen, und sie verfügt offenbar auch nicht über ein angemessenes Amtsverständnis. Sie muss umgehend zurücktreten“, forderte Kämmerling. In einem Medienbericht hatte sich Heinen-Esser für ihr Verhalten entschuldigt. „Wenn ich die Ausführungen von Ministerin Heinen-Esser richtig verstehe, dann hat ihr Mann auf Mallorca auf sie gewartet, während sie in den Flieger nach Spanien gestiegen ist. Es gab also offenkundig nicht wirklich zwingend einen Grund dafür, dass sie persönlich auf die Urlaubsinsel zurückkehren musste“, sagte Kämmerling. Man dürfe nicht vergessen, dass die Betroffenen zu dieser Zeit „hüfttief im Schlamm und in den Trümmern ihrer Existenz“ gestanden hätten. Die Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen sei tagelang vom Hochwasser bedroht gewesen, ein Dammbruch habe nur durch das beherzte und mutige Handeln eines Tiefbauunternehmers verhindert werden können. „Dass eine Umweltministerin zu demselben Zeitpunkt in ein Flugzeug steigt, um ihren Urlaub fortzusetzen, ist für mich und die zehntausenden Betroffenen nicht begreiflich“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung.

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