Türkische Minderheit
Iran: Aserbaidschaner gründen im Parlament „türkische Fraktion“

Tehran (nex/eurasia) – Zum ersten Mal in der Geschichte der Islamischen Republik Iran haben türkisch-aserbaidschanische Parlamentsabgeordnete die parlamentarische „Fraktion der türkischen Regionen“ gegründet. Angelegenheiten der türkischen Minderheit sollen künftig auch in Teheran angesprochen werden. Die Fraktion hielt ihre erste Sitzung am 30. Oktober ab. Die Fraktionsmitglieder wählten die Abgeordneten Mesut Pezeschkian aus Täbris zum Vorsitzenden und Nadir Qazipur aus Urmia zum stellvertretenden Vorsitzenden. Mindestens 100 der 290 Mitglieder des iranischen Parlaments mit verschiedenen politischen Hintergründen waren bei der ersten Zusammenkunft der „türkischen Fraktion“ zugegen. Neben 40 türkisch-aserbaidschanischen Parlamentariern aus dem Nordwesten Irans kamen Vertreter aus anderen Regionen Irans mit einer türkischen Population zusammen. Dazu gehören Volksvertreter aus Teheran, Schiraz und Qom. Die Abgeordneten stellen rund 34 Prozent aller Sitze im iranischen Parlament. Es bestehen keinerlei genauen oder offiziellen Statistiken über die Zahl der türkischsprachigen Bevölkerung Irans. Der ehemalige iranische Außenminister Ali Akbar Salehi bemerkte 2012 bei einem Arbeitsbesuch in der Türkei: „Rund 40 Prozent der Iraner sprechen Türkisch. Das ist eine Verbindung von großer Bedeutung zwischen der Türkei und Iran.“ Der Schritt, eine Fraktion auf Basis einer ethnischen Identität zu gründen, war gewagt. Die iranische Staatsführung ist in der Regel darauf besinnt, die ethnische Diversität im Land auf politischem Feld möglichst zu eliminieren. Das Angehen von politischen Fragen mit ethnischem Hintergrund ist nicht erlaubt. Die neue Initiative geht allerdings auf ethnische Türken aus dem inneren Kreis des politischen Establishments der Islamischen Republik zurück. Offiziell heißt es: Sie entschieden, eine parlamentarische Gruppe zur „strategischen Verwaltung der Probleme der Regionen, die von Türken besiedelt sind“, zu gründen. Kritiker werfen der Fraktion vor, eine Marionette Teherans zu sein, um die türkische Minderheit im Land mit symbolischen Konzessionen zu besänftigen.
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Themen hinsichtlich der über Jahrzehnte hinweg verneinten Kulturrechte der türkischen Minderheit fanden in jüngster Zeit verstärkt ihren Weg in die Politik. Wichtige Anstöße wurden bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2013 gelegt. Der iranische Präsident Hassan Ruhani veröffentlichte während seines Wahlkampfs im Juni 2013 eine Stellungnahme,wonach er die Unterrichtung der iranischen Minderheiten in ihren Muttersprachen, darunter Türkisch, Kurdisch und Arabisch, unterstütze. Er betonte, dass der Artikel 15 in der iranischen Verfassung zur Regelung der Sprachrechte vollkommen umgesetzt werden müsse. Ruhani versprach, dass Teheran unter seiner Präsidentschaft aufhören werde, Minderheitenangelegenheiten allein aus Sicherheitserwägungen heraus zu betrachten. Bei einer wichtigen Wahlkampfrede in der mehrheitlich türkisch besiedelten Stadt Täbris 2013 versprach Ruhani, dass er in der Stadt eine aserbaidschanische Sprach- und Literaturakademie gründen werde. Es war das erste Mal, dass zwei wichtige Forderungen von aserbaidschanischen Aktivisten und Intellektuellen in konkrete Versprechen von einem Präsidialkandidaten aufgenommen wurden. Ruhani ist im Iran für seine Verbindungen zum nationalen Geheimdienst bekannt. Seine Annäherung an die türkische Minderheit könnte ein Hinweis für den sich wandelnden Umgang mit dieser sein. Die Gründung einer türkischen Fraktion im Parlament wäre demnach ein erster Schritt zur Realisierung von Schutzrechten der Aserbaidschaner im Land. Andere Fraktionen unter persischen Intellektuellen sehen den Wandel hingegen skeptisch. Sie betrachten die Stärkung von Minderheitenrechten als Bedrohung für die nationale Einheit des Iran. Befürworter argumentieren, dass eine Stärkung der einflussreichen türkischen Minderheit einer Radikalisierung ihrer politischen Forderungen präventiv entgegenwirke.  
Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews

Südostasien
Myanmar: Hilfsorganisationen beschuldigen Militär der Vergewaltigung muslimischer Frauen

Dortmund (nex) – Nur fünf Monate nach der Machtübernahme ihrer Partei in Myanmar, der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), sieht sich deren Vorsitzende und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi internationalem Druck ausgesetzt: In kürzlich erschienenen Berichten wird dem Land die Ermordung und Vergewaltigung von der seit Langem verfolgten muslimischen Minderheit der Rohingya und das Niederbrennen ihrer Häuser vorgeworfen. Das US-Außenministerium teilt die Sorge der Aktivisten und Hilfsorganisationen wegen neuer Berichte über Vergewaltigungen und Ermordungen. Human Rights Watch veröffentlichte am vergangenen Montag Satellitenbilder, auf denen zu sehen ist, wie mindestens drei Dörfer im westmyanmarischen Bundesstaat Rakhine niedergebrannt werden. Myanmarische Regierungsvertreter lehnen die Berichte über die Anschläge ab. Präsidentensprecher Zaw Htay machte am Montag den Vorschlag, dass Vertreter der Vereinten Nationen die Region besuchen und sich ein Bild von der aktuellen Situation machen sollten. Die Regierung erschwerte jedoch lange Zeit den Zugang zur Region und gewährte ausländischen Entwicklungshelfern oder Journalisten generell keinen Zutritt. Der UN-Sondergesandte für Myanmar, Yanghee Lee, erklärte, dass ernstzunehmende Übergriffe einschließlich Folter, standrechtlicher Hinrichtungen, willkürlicher Festnahmen, Zerstörung von Moscheen und Häusern, die junge Demokratie bedrohten. „Das Gesamtbild zeigt, dass die Regierung überhaupt keinen Einfluss auf das Militär zu haben scheint“, betonte Chris Lewa, die Leiterin des Arakan-Projekts, einer Gruppe von Rechtsanwälten, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Situation der Rohingya legen. Die stark kritisierte Verfassung des Landes sah die Stärkung der Macht der Armee sowie deren Unabhängigkeit vor. Nach einer drei Wochen währenden Welle der Gewalt vonseiten des Militärs wurden am 9. Oktober im Bundesstaat Rakhine, dem Heimatort der 800.000 Rohingya in Myanmar, neun Polizisten an Grenzposten getötet. Es kam zu keinen Festnahmen; eine zuvor unbekannte islamistische Milizengruppe übernahm die Verantwortung.

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Mode
Islamic Chic: Chanel bringt Haute Couture für Muslimas auf den Markt

Die französische Luxusmarke tritt in die Fußstapfen von Dolce & Gabbana Dortmund (nex) – In der vergangenen Woche haben die Schaufenster der Boutique Chanel in Beverly Hills neue Gestalt angenommen. Einige der Kunststoffpuppen des Geschäfts in der Luxus-Einkaufsmeile Rodeo Drive in der Stadt der Engel tragen nun einen Hijab – eine Strategie, das Luxulabel weiter zu globalisieren und einen florierenden Markt, der sich Islam-Mode nennt, zu erschließen. Das britische Modemagazin Dazed and Confused gibt den muslimischen Bevölkerungsanteil auf der Welt mit 23 Prozent an, was die Muslime als potenzielle Kunden äußerst interessant macht. Zudem hätten nach dem im Auftrag Dubais von Thomson Reuters veröffentlichten Bericht „Global Islamic Economy“ aus dem Jahr 2015 muslimische Verbraucher im Jahr 2013 umgerechnet 243 Milliarden Euro für Schuhe und Kleidung ausgegeben. In drei Jahren könnte diese Summe auf 442 Milliarden Euro steigen. Chanel ist bei Weitem nicht das einzige Luxuslabel, das versucht, wohlhabende Kunden aus der muslimischen Community zu erreichen. Im Januar hat Dolce & Gabbana eine exklusive Hijab- und Abaya-Kollektion herausgebracht. Auch im Prêt-à-porter-Sektor, der für die Mehrheit erschwingliche tragefertige Bekleidung bereithält, ist die Tendenz dieselbe: H&M setzte erstmals ein Model mit Hijab für seine Werbekampagne ein und Uniqlo verbündete sich mit der Anglojapanerin Hana Tajima, die Hijabmodelle für muslimische Frauen entwirft.

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Bürgerkrieg im Jemen
Jemenitischer Vizepräsident bedankt sich beim türkischen Volk

Sanaa (nex) – Der jemenitische Vizepräsident, Generalleutnant Ali Mohsen al-Ahmar, würdigte am Dienstag die Anstrengungen der Türkei zur Unterstützung der Regierung des Landes und deren Versuchen, das dort herrschende Chaos zu beenden.

„Unsere Beziehungen zur Türkei sind historisch und der jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi schätzt diese sehr hoch“, erklärte der Politiker bei einem Treffen mit dem türkischen Botschafter im Jemen, Levent Eler. Das Treffen fand im saudi-arabischen Riad statt.

Die jemenitische Nachrichtenagentur SABA zitierte al-Ahmar mit den Worten: „Wir würdigen die Haltung der Türkei, die das Bestreben der von Saudi-Arabien geführten Koalition unterstützt, die Legitimität im Land wiederherzustellen.“ Der Vizepräsident fügte hinzu:

„Wir bringen gegenüber dem türkischen Volk unseren Dank zum Ausdruck, das sich gegen Verschwörungen gestellt hat, die sich gegen die Legitimität in beiden Ländern, der Türkei und dem Jemen, gerichtet hatten.“ Al-Ahmar unterstrich den Willen seiner Regierung, „den Frieden im Jemen wiederherzustellen; einen Frieden, der auf den Grundlagen der Golfinitiative, den Ergebnissen des Nationalen Dialogs und der Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrats beruht.“

Diese von der saudisch geführten Anti-Huthi-Koalition formulierte und von Jordanien eingebrachte Resolution  wurde im April 2015 im UN-Sicherheitsrat verabschiedet. In ihr werden die proiranischen Huthi-Rebellen und die dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh gegenüber loyalen Einheiten dazu aufgefordert, sich aus allen Regionen zurückzuziehen, die sie zuvor eingenommen hatten.

Außerdem sollen die Rebellen alle aus staatlichen Lagern entwendeten Waffen zurückgeben, Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi anerkennen und alle politischen Gefangenen freilassen, die sie in ihrer Gewalt haben. Botschafter Eler betonte seinerseits, dass sein Land „weiterhin eine unterstützende Rolle zu Gunsten der verfassungsmäßigen Legitimität im Jemen“ ausüben und alle Bemühungen der UNO unterstützen werde, den Konflikt zu beenden und das Blutvergießen zu stoppen.

Seit Ende 2014 versinkt der Jemen im Chaos. Damals hatten die Huthi-Milizen und deren Verbündete die Hauptstadt Sanaa und weitere Teile des Landes überrannt. Dabei zwangen sie die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung ins temporäre Exil in Riad. Im März des Vorjahres eskalierte der Konflikt weiter, als Saudi-Arabien und weitere sunnitische Verbündete mit einer massiven Militärkampagne begannen, deren Ziel es ist, die Huthis aus den von ihnen eingenommenen Gebieten zu vertreiben und die aus dem Amt vertriebene Regierung wiedereinzusetzen. Kritische Stimmen werfen der saudischen Armee vor, dabei auch rücksichtslos gegenüber Zivilisten vorzugehen.


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"Genghis"-Ausstellung
Dschingis Khan: Seltene Objekte zum ersten Mal ausgestellt

Niederlande (nex) – Im Februar 2017 eröffnet das Nationale Militärmuseum der Niederlande (NMM) Europas erste „Genghis“-Ausstellung. Diese Ausstellung erzählt die Geschichte eines der größten Reiche unserer Geschichte und beleuchtet den Einfluss, den dieses Reich hatte. „Genghis“ wird im NMM bis zum Ende August 2017 gezeigt. Dschingis Khan, ein zu Pferde errichtetes Imperium Die Ausstellung zeigt eine Reihe an Ausstellungsstücken, um einen Einblick in das Leben Dschingis Khans aus militärischer Perspektive zu gewähren. Es ist die umfangreichste Ausstellung zu Dschingis Khan und dem mongolischen Reich, die jemals auf internationaler Ebene gezeigt wurde. Besucher erfahren Einzelheiten zur Geschichte der Entwicklung dieses Reiches sowie darüber, wie es Dschingis Khan mithilfe seiner Armee und militärischen Erfindungen zu derartigem Ruhm gebracht hat. Diese Ausstellung geht über die altbekannten Erzählungen zu Dschingis Khans Leben hinaus und widmet sich der Geschichte der Mongolen. Dabei erfährt der Besucher, dass die Geschichte des mongolischen Reiches umfangreicher, spannender und relevanter für unsere heutige Welt ist, als wir es uns je hätten vorstellen können. Außergewöhnliche Schätze Mithilfe verschiedenster moderner Technologien, digitalen Medien und einigen der seltensten Objekte aus den Museen der Inneren Mongolei, erzählt die Ausstellung die Geschichte der Mongolen, wie sie noch nie zuvor erzählt wurde. Rund 123 Artefakte stammen aus dem Inner Mongolia Museum (Hohot, China), darunter auch ein goldener Sattel, Whistling-Pfeile und Goldschmuck. Es ist das erste Mal, dass eine derart große Vielfalt an Artefakten für Besucher außerhalb Chinas zugänglich ist. Die „Genghis“-Ausstellung nimmt Besucher mit auf eine fesselnde Reise durch die Steppen, Wüsten und Paläste des mongolischen Reiches. Die „Genghis“-Ausstellung ist ein Projekt von Nomad Exhibitions, in Zusammenarbeit mit dem Inner Mongolia Museum und der University of Edinburgh. National Military Museum Das Nationale Militärmuseum (NMM) ist eines der wichtigsten Museum zur Bedeutung der bewaffneten Streitkräfte der Niederlande für dessen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Diese Bedeutung wird anhand von Geschichten, Aktivitäten und Themenausstellungen veranschaulicht, die Sie so schnell nicht wieder vergessen werden. Das Museum verfügt über eine riesengroße Ausstellungshalle, in der Besucher die beeindruckendsten Ausstellungsstücke, wie Flugzeuge, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und Helikopter hautnah erleben und bestaunen können. Nähere Informationen erhalten Sie auf http://www.nmm.nl.

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Türkisch-russische Beziehungen
Russland: Türkischer Generalstabschef trifft Amtskollegen Gerasimow in Moskau

Ankara (nex) – Der ranghöchste Offizier der türkischen Streitkräfte, Generalstabschef Hulusi Akar, ist nach Moskau gereist, um sich mit seinem russischen Amtskollegen Valeri Gerasimow zu treffen.

Dies hat die türkische Armee in einer Erklärung bestätigt. Gerasimow ist Generalstabschef und erster stellvertretender Verteidigungsminister der Russischen Föderation. Themen der Unterredung, so heißt es in der Erklärung, werden „militärische Kooperation und regionale Angelegenheiten“ sein.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im türkisch-syrischen Grenzgebiet im November letzten Jahres hatte es eine diplomatische Eiszeit in den Beziehungen zwischen der Türkei und der Russischen Föderation gegeben. Beide Länder unterstützen im Syrien-Konflikt unterschiedliche Seiten.

Im Juni dieses Jahres endete die diplomatische Krise und im August gab es bereits ein Treffen zwischen den Präsidenten beider Länder, Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin, in Sankt Petersburg. Ebenfalls im Juni waren Akar und Gerasimow in der Türkei zusammengetroffen.


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Kampf gegen den Terror
Türkische Panzer an irakische Grenze verlegt: „Auf alle Eventualitäten vorbereitet“

Ankara (nex) – Die türkische Armee hat am Dienstag Panzer in die Gegend um Silopi verlegt, eine Stadt in der südosttürkischen Provinz Şırnak nahe der Grenze zum Irak. Dies bestätigten eine Quelle aus den Streitkräften und der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu.

Der Quelle zufolge, die auf Grund bestehender Restriktionen in der Informationspolitik anonym bleiben wollte, soll sich gemäß Augenzeugenberichten eine große Anzahl an Panzern der 28. Mechanisierten Infanteriebrigade aus Ankara in Richtung Silopi bewegt haben.

Verteidigungsminister Işık äußerte sich dazu gegenüber Reportern in Ankara mit den Worten: „Wir befinden uns gerade in einem ernsthaften Kampf mit Terrorgruppen, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Türkei operieren. Diese Verlegung ist Teil der Bemühungen, uns gegen diese Gefahren zu wappnen.“

Die Türkei müsse „auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, so der Minister.


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USA
Wikileaks-Enthüllung: US-Wahlen sind eine Farce

Von Ernst Wolff Die Email wurde am 6. Oktober 2008 – also ca. einen Monat vor der Wahl am 04. November 2008 – von Michael Froman verfasst. Froman, zurzeit US-Handelsbeauftragter und Verhandlungsführer der USA bei der Vorbereitung des Transatlantischen Handelsabkommens TTIP, arbeitete damals in leitender Funktion für Citigroup, eines der größten und einflussreichsten Bankenkonsortien an der Wall Street. Die Email war an John Podesta gerichtet, von 1998 bis 2001 unter Bill Clinton Stabschef des Weißen Hauses und im Oktober 2008 als Leiter des „Transition Teams“ („Übergangsteams“) zuständig für die Vorbereitung von Barack Obamas Amtsübernahme im Januar 2009 und die damit zusammenhängende Personalauswahl. Unter dem Betreff „Listen“ enthält Fromans Email folgenden Wortlaut: John – anbei drei Dokumente – eine Liste afro-amerikanischer, hispanischer und asiatisch-amerikanischer Kandidaten, aufgeführt nach Kabinetts- oder Stellvertreterrang oder auf Staatssekretärsebene, plus einer Liste von indianischen, arabisch / muslimischen Kandidaten und solchen mit Behinderungen. Für die meisten Gruppen haben wir noch wesentlich ausführlichere Listen, und sie werden noch länger werden, wenn wir weiter und öffentlicher suchen, aber das sind bis jetzt die Namen, die immer wieder von verschiedenen Quellen für Führungspositionen vorgeschlagen werden. (Ich habe versucht, Namen aus Baracks Wahlkampfteam und seinem Senats-Politikstab mit einzufügen, außerdem angemessener Weise auch solche aus dem Übergangsprojekt.) Zwar hast du nicht danach gefragt, aber ich habe auch eine entsprechende Liste über Frauen vorbereitet und angehängt. Auf die Gefahr hin, anmaßend zu klingen, hab ich mich auch mal etwas gründlicher damit befasst, wie die Ernennungen auf Kabinettsebene aussehen könnten und wie die Chancen für diesen oder jenen Kandidaten auf die verschiedenen Posten stehen (mit einem Blick auf die kurze Liste)… (Offensichtlich sind verschiedene Kombinationen denkbar. Dies soll nur ein Beispiel sein, um zu zeigen, wie sich die Sache entwickeln könnte.) Lass mich wissen, wann wir darüber diskutieren können. Ich bin heute früh bis um 11:30 Uhr erreichbar. Mike Michael Froman Die Dreistigkeit und der Zynismus, die sich hier offenbaren, dürfte selbst hartgesottene Politikkenner überraschen: Während Barack Obama noch vier Wochen damit beschäftigt sein wird, dem amerikanischen Wahlvolk vorzugaukeln, dass er als erster afro-amerikanischer Präsident einen Politikwechsel herbeiführen und als Main-Street-Präsident (Volkspräsident) ein für die unteren Bevölkerungsschichten neues Zeitalter einläuten wird, schickt ein hoher Vertreter der Wall Street seinem Personalchef eine Liste mit Namensvorschlägen für dessen Kabinett und achtet dabei darauf, dass diese Liste – entsprechend Obamas Strategie – mit Angehörigen von ethnischen Minderheiten und Behinderten gespickt wird. Und das mit vollem Erfolg: Anfang 2009 ernennt Obama diverse der ihm vorgeschlagenen Kandidaten: Timothy Geithner wird Finanzminister, Eric Holder Justizminister, Janet Napolitano Heimatschutzministerin, Robert Gates Verteidigungsminister, Arne Duncan wird Minister für Bildung, Erziehung und Wissenschaft, Eric Shinseki wird Kriegsveteranenminister, Kathleen Sebelius ersetzt Robert Daschle als Gesundheitsministerin und der vorgeschlagene Rahm Emanuel wird Stabschef im Weißen Haus. Fast das gesamte Kabinett von Barack Obama wurde auf diese Weise im Januar 2009 nach den expliziten Wünschen der Wall Street zusammengestellt. Und das nach einem Wahlkampf, der im Zeichen des „kleinen Mannes“, der Abkehr vom Großen Geld und des Einsatzes für ethnische Minderheiten gestanden hatte. Kein Wunder also, dass der Öffentlichkeit damals unterschlagen wurde, wer diesen Wahlkampf hinter ihrem Rücken finanziert hatte: Unter anderen waren das Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Citigroup, UBS, Google und Microsoft (in der Reihenfolge des Umfangs ihrer Spenden). Wundert sich vor diesem Hintergrund noch jemand, dass Obama im Zuge des drohenden Finanzkollapses von 2008 alles getan hat, um die, die ihn bezahlt und ihm ihre Anweisungen in Personalfragen mit auf den Weg gegeben haben, zu retten? Dass er die Kosten der Rettung der arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet und während seiner gesamten Amtszeit nicht einen einzigen kriminellen Banker für die angerichteten Schäden zur Rechenschaft hat ziehen lassen? Und wundert es vielleicht noch irgend jemanden, dass ausgerechnet Citigroup, aus deren Reihen die Personalvorschläge kamen, beim Bail-out 2008 mit $ 476,2 Mrd. von allen US-Banken die höchste Summe erhielt? Auch der gegenwärtige Wahlkampf in den USA ist nichts als ein für die Medien inszeniertes Scheingefecht, bei dem der Sieger bereits feststeht: Die US-Finanzindustrie. Hillary Clinton ist die von ihr in schamloser Weise direkt bezahlte Marionette, Donald Trump dient ihr als Rückversicherung für den Fall, dass das parlamentarische System zusammenbricht, ein totalitäres Regime errichtet werden soll und jemand aus den Reihen des Big Money die Kontrolle über die Massen behalten muss. Auch hier ist alles bereits beschlossene Sache – lange, bevor das amerikanische Volk ahnungslos zu den Urnen schreitet.
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

Bereits dritter Vorfall
Chinesische Airline „vergisst“ Israel auf der Karte

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Dortmund (nex) – Eine chinesische Fluggesellschaft hat in ihrem Bordunterhaltungssystem „Israel“ durch „Palästinensergebiete“ ersetzt. Israelische Fluggäste, die mit der Hainan Airlines von Peking nach Tel Aviv unterwegs waren, stellten fest, dass das Wort Israel nirgends auf der Karte zu sehen war. Auf den Aufnahmen, die während des Fluges am heutigen Dienstag zum Flughafen Ben Gurion gemacht wurden, sind die Länderbezeichnungen Syrien, Zypern und Libanon ganz deutlich zu sehen, während Israel fehlt und nur Tel Aviv und Jerusalem zu lesen sind. „Wir bedanken uns für Ihre Rückmeldung und Ihren Hinweis auf den bedauernswerten technischen Fehler“, erklärte Hainan Airlines in ihrer Antwort auf die Beschwerden der Fahrgäste. „Unsere Airline arbeitet gemeinsam mit unserem Softwarelieferanten an der baldmöglichsten Korrektur der Karten.“ hainan-israel-palaestina-china-airline-nex-nex24-shot Dies ist bereits der dritte Vorfall innerhalb der vergangenen Monate, bei dem eine Fluggesellschaft das anzufliegende Ziel mit Palästina anstatt Israel angegeben hat. Ende August hatten mehrere israelische Fluggäste sich nach der Ankündigung des Flugziels mit Palästina, geweigert, an Bord eines serbischen Flugzeugs mit der Route Belgrad-Tel Aviv zu gehen. Der Vertreter der Air Serbia hatte damals den Fluggästen erklärt, der Flug gehe nach Tel Aviv, nicht nach Israel.

Showdown mit Frankreich
Völkermord in Ruanda: Regierung wirft französischer Armee Kollaboration bei den Massakern von 1994 vor

Kigali (nex) – Die Regierung Ruandas hat am Montag eine Liste mit den Namen von 22 früheren und noch aktiven Chargen der französischen Armee veröffentlicht, die während des Genozids an der Volksgruppe der Tutsis im Jahre 1994 eine Rolle gespielt haben sollen.

Knapp eine Million Menschen wurden damals ermordet. An der Spitze findet der Chef des französischen Generalstabes zur Zeit des Genozids, Admiral Jacques Lanxade, der Ruandas Armee damals weiterhin mit Waffen versorgt haben soll, obwohl er sich darüber bewusst gewesen wäre, dass die Massaker gegen die Tutsi von den Streitkräften organisiert worden waren.

In einer Erklärung der Regierung in Kigali heißt es: „Als oberster Kommandant der französischen Streitkräfte hat Jacques Lanxade Berichte über die Übergriffe vonseiten der Ruandischen Streitkräfte, ihre Massaker, ihre diskriminierende und genozidale Politik erhalten, aber die erhöhte Assistenzbereitschaft gegenüber dieser kriminellen Armee aufrechterhalten; er hat ihr Mittel wie Ausrüstung, Logistik und Personal für Training und Entwicklung zur Verfügung gestellt.“

Die Veröffentlichung der Liste wird als Akt der Vergeltung mit Blick auf Entwicklungen betrachtet, die sich Anfang Oktober zugetragen hatten. Französische Ermittlungsbehörden hatten zu jenem Zeitpunkt ihre Untersuchungshandlungen zum Mord am früheren ruandischen Präsidenten Juvenal Habyariman wieder eröffnet. Dessen Flugzeug, auf dem er sich zusammen mit einer französischen Crew befunden hatte, wurde am 6. April 1994 mittels einer Rakete abgeschossen.

Dieses Attentat – das immer noch nicht aufgeklärt ist – gilt weithin als Ausgangspunkt für die Spannungen, die zum Völkermord der Hutu-Mehrheit gegen die Volksgruppe der Tutsi geführt haben. Französische Ermittler haben über Jahre hinweg Rebellen unter dem Befehl des heutigen Präsidenten Paul Kagame für den Abschuss verantwortlich gemacht. Im Oktober wurde  die Akte wieder eröffnet –was die Regierung Kagame als Affront betrachtete. „Die Weigerung, die juristische Untersuchung zu schließen und die ruandischen Führer freizusprechen, die den Genozid beendet haben, ist ein Versuch, ihre [die französische] Verantwortung zu vertuschen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Präsident Kagame hat im Vorfeld der Veröffentlichung der Liste einen „Showdown“ mit Frankreich angekündigt und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Paris angedroht, sollten weitere Untersuchungshandlungen im Zusammenhang mit dem Tod Präsident Juvenal Habyarimanas durchgeführt werden. Das französische Außenministerium hat Anfragen in dieser Sache bislang noch nicht beantwortet.


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