Totzone
Bulgarien: Forscher entdecken osmanische Schiffe im Schwarzen Meer

Istanbul (nex) – Forscher des Schwarzmeer-Unterwasserarchäologie-Projekts (Black Sea MAP) waren dabei, mit einem ferngesteuerten U-Boot den Meeresboden vor der bulgarischen Küste zu untersuchen, als sie Schiffswracks entdeckten, von denen viele vermutlich aus dem Osmanischen und Byzantinischen Reich stammen und mehrere Jahrhunderte alt sind. Die Wracks seien ein unerwartetes faszinierendes Bonusgeschenk gewesen, erklärte Professor Jon Adams, Gründungsdirektor und Leiter des Zentrums für Unterwasserarchäologie (CMA) der University of Southampton, in einer Pressemitteilung. „Sie sind dank den anoxischen (sauerstofffreien) Bedingungen des Schwarzen Meeres in 150 Meter Tiefe erstaunlich gut erhalten.“ Sauerstoffarme oder -freie Gebiete in den Meeren werden als „Totzonen“ bezeichnet. Ursache dafür kann unter anderem die Umweltverschmutzung sein. Die Totzone des Schwarzen Meeres, die größte der Welt, ist jedoch auf natürliche Weise entstanden und umfasst das gesamte Gebiet ab 150 Meter Tiefe. Natürliche Zerfallsprozesse kommen hier wegen der sauerstofffreien Bedingungen zum Stillstand. Der Zustand der Schiffe mit ihren Masten und Takelagen sowie den sichtbaren dekorativen Details führt dies nochmals deutlich vor Augen. Das Forscherteam um den Professor habe die Technik der Photogrammetrie genutzt und so Tausende erstaunliche Bilder der Wracks ohne direkten Kontakt zu den Schiffen oder dem Meeresboden geschaffen, betonte Adams in der Pressemitteilung und fügte hinzu: „Es hat bisher mit Sicherheit noch niemand Schiffswracks in diesen Tiefen und diesem unversehrten Zustand entdeckt.“ Die Experten erhoffen sich von der Entdeckung Erkenntnisse über die Küstengemeinden des Schwarzen Meeres und der sie verbindenden Meeresnetzwerke.      

Rüstungskontrolle
Deutschland startet neue Initiative zur Rüstungskontrolle

Düsseldorf (nex) – Die Bundesregierung hat eine neue Initiative zur Rüstungskontrolle in Europa gestartet. Die Inhalte des Vorstoßes seien bereits „Gegenstand von Konsultationen“, heißt nach Angaben der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ in einer ihr vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken. Ziel seien unter anderem regionale Obergrenzen. Das Auswärtige Amt verwies darauf, dass auch Russland wiederholt die Aufnahme von Gesprächen über die konventionelle Rüstungskontrolle in Europa gefordert, bislang aber keine entsprechenden Vorschläge unterbreitet habe. Die Linken-Sicherheitsexpertin Katrin Kunert sprach von „begrüßenswerten Vorschlägen“ Deutschlands als Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Die Bundesregierung müsse jedoch umgehend ihre „Teilnahme an der Konfrontationspolitik der Nato gegen Russland“ beenden und dürfe sich nicht länger an der rotierenden Truppenpräsenz in Osteuropa beteiligen.

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MOSTRATEC
Erfinderwettbewerb in Brasilien: Türkischer Schüler wird Weltmeister

Dortmund (nex/dtn) – Der türkische Schüler Naim Harun Cerkezi hat den 31. Internationalen Erfinderwettbewerb  MOSTRATEC, der vom 25. bis zum 30. Oktober in Brasilien ausgetragen wurde, gewonnen, berichtet die Nachrichtenagentur DHA. Cerkezi hat ein technologisches Programm erfunden, womit er 2-D-Ansichten durch die Nutzung von Kaltdampfsystemen als 3-D-Ansichten wiedergeben kann. Das Projekt wurde der Jury unter dem Namen „Dimensions Being Altered With Vapor“ vorgestellt. An dem Wettbewerb nahmen Schüler aus 21 Nationen mit insgesamt 800 High-Tech-Projekten teil.
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In den vergangenen Jahren hat es in der Türkei eine Reihe von  Wissenschaftlern und Erfindern gegeben, die von der US-Technologieindustrie abgeworben wurden. Der ehemalige Physiklehrer Senol Faik Özyaman erfand eine Brennstofftechnologie, die aus Kohle, fossilen Brennstoffen und Abfällen emissionslos Energie mit geringen Kosten produziert. Özyaman hat seine Erfindung in 134 Staaten patentieren lassen und sich vergeblich darum bemüht, vom türkischen Staat eine Finanzierung zu erhalten, damit die Technologie in seiner Heimat bleibt. Er entschied sich schlussendlich in die USA zu gehen. „Die Amerikaner haben mir bereits vor vier Jahren angeboten, in die USA auszuwandern und dort meine Technologie umzusetzen. Sie sagten mir, dass es unmöglich sei für mich, die türkischen bürokratischen Hürden zu überwinden. Sie hatten Recht. Ich werde auswandern. Dabei wollte ich, dass dies ein Schritt in Richtung der Energieunabhängigkeit der Türkei wird“, zitiert Ensonhaber den Erfinder.

Diese Meldung erschien zuerst auf DTN

"Nur kleiner Teil der Betriebe auffällig"
Agrarprofessorin: Missstände in Tierhaltung lassen sich nie ganz vermeiden

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„Die fehlerfreie Organisation ist eine Illusion“ – Branche müsse mit schwarzen Schafen kritischer umgehen Osnabrück (nex) – Heimlich aufgezeichnete Bilder aus deutschen Ställen von kranken oder verletzten Tieren erschüttern regelmäßig die Öffentlichkeit. Nach Ansicht der Osnabrücker Agrarprofessorin Karin Schnitker werden sich solche Zustände nie ganz vermeiden lassen. Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Schnitker: „Die fehlerfreie Organisation ist eine Illusion.“ Selbst in großen Unternehmen mit straffen Hierarchien käme es zu Regelverstößen, wie sich bei Volkswagen oder der Deutschen Bank gezeigt habe. Die Hochschullehrerin wies darauf hin, dass nicht alle Bilder zwangsläufig Tierschutzverstöße zeigten. „Dennoch werden auch diese zu Recht kritisch gesehen, da sie nicht damit übereingehen, was das Volksempfinden zu einer anständigen Tierhaltung ist.“ Sie empfiehlt der Agrarbranche einen sensibleren Umgang, denn solche Bilder würden viele Menschen berühren. Nur ein sehr kleiner Teil der Betriebe sei überhaupt auffällig. „Mit Letzteren muss die Branche selbst viel kritischer umgehen“, so Schnitker.

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EU-Türkei-Abkommen
Visafreiheit: Türken erhalten ab 1. November biometrische Reisepässe

Ankara (nex) – Nach einer Mitteilung des türkischen Innenministeriums werden türkische Staatsangehörige ab dem 1. November biometrische Reisepässe erhalten. Der neue türkische Reisepass, der im Rahmen des Forderungskatalogs zum visafreien Reisen innerhalb der EU eingeführt wird, enthält einen Chip, der nach Angaben des Ministeriums die persönlichen Daten des Reisepassinhabers enthält. So gehörten unter anderem Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild zu den biometrischen Daten. Wie das Innenministerium weiter mitteilt, sei die neue Passversion seit dem vergangenen Juni schon einsatzbereit.Die Einführung des biometrischen Reisepasses in der Türkei war eine der Forderungen für das visafreie Reisen türkischer Staatsangehöriger im Schengen-Raum. Die Visaliberalisierung im Schengen-Raum ihrerseits war eines der Hauptversprechen der EU im Zuge der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei in der Flüchtlingskrise sowie bei der Beschleunigung der EU-Beitrittsverhandlungen des Landes. Die Türkei hat die meisten Bedingungen für die Visaliberalisierung erfüllt, lehnt jedoch die Forderung der EU nach einer Lockerung des Anti-Terror-Gesetzes vehement ab, was zu einem Stillstand bei den Verhandlungen geführt hat. Der vereitelte Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei und der von Ankara ausgerufene dreimonatige Ausnahmezustand ließen zukünftige Verhandlungen über die Visaliberalisierung weiter ungewiss werden. Ankara besteht aufgrund der realen Terrorbedrohung darauf, keine Änderungen am Gesetz vorzunehmen.

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Roboter in Büros
Studie: 21 Prozent der Befragten vertrauen einem Roboter mehr als einem menschlichen Kollegen

Darmstadt (nex) – Würden humanoide Roboter als Kollegen im Büro oder gar als Führungskraft, ausgestattet mit emotionalen Fähigkeiten, in Teams akzeptiert? Und welche Tätigkeiten würden Beschäftigte im Dienstleistungssektor Robotern überlassen? Überraschende Antworten liefert die länderübergreifende Studienreihe „Robots@work4.0“ von Prof. Stock-Homburg der TU Darmstadt. Roboter, in der Industrie längst Alltag, greifen auch auf Büroberufe über: Humanoide, also menschenähnliche Roboter übernehmen bereits heute Aufgaben in Hotels, im Handel und in Restaurants. Sie kochen, bedienen oder beraten Kunden. Sie kommunizieren ähnlich wie Menschen über Sprache, Gestik und teilweise sogar über Mimik. In Japan, China und zunehmend in den USA ist seit geraumer Zeit ein regelrechter Roboter-Hype zu beobachten – in den USA und in Japan laufen laut wissenschaftlicher Studien fast die Hälfte, in Großbritannien rund ein Drittel heutiger Berufe Gefahr, durch Robotisierung ersetzt zu werden. Diese Entwicklung dürfte sich auch bald auf Deutschland übertragen, verbunden mit der Hoffnung, insbesondere Personalkosten drastisch zu reduzieren. „Aber viele Unternehmen setzen unreflektiert Roboter ein, ohne vorher zu wissen, was diese Veränderungen für Beschäftigte, Unternehmenskultur und Kundenbeziehungen bewirken“, warnt Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg von der TU Darmstadt. Und das, obwohl in hunderten von Studien nachgewiesen wurde, dass die Beschäftigten und die Kultur eines Unternehmens ganz oben auf der Hitliste ökonomischer Erfolgstreiber von Unternehmen rangieren. Einer Reihe von Fragen zur Robotisierung von Büro- und Dienstleistungsberufen ging die umfangreiche Darmstädter Studienreihe „Robots@work4.0“ der TU Darmstadt in Kooperation mit Leap in Time unter Leitung von Professorin Ruth Stock-Homburg nach. Mehr als 700 Führungskräfte und Mitarbeiter aus Deutschland und den USA gaben ihre Einschätzungen preis: Was trauen heutige Büroarbeiter einem Roboter zu? Wie aufgeschlossen sind heutige Büroarbeiter gegenüber Robotern? Können arbeitende Menschen sich einen Roboter als Kollegen, Mitarbeiter oder gar als Chef vorstellen? In welchen Dienstleistungsbereichen können Roboter zukünftig sinnvoll eingesetzt werden? Distanziertes Verhältnis zum Kollegen Roboter „Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn und Unsinn des Robotereinsatzes in Büro- und Dienstleistungsberufen hängt sehr stark vom Aufgabenbereich ab“, so Stock-Homburg, 82 Prozent der Befragten sähen in Robotern eine wertvolle Unterstützung bei der Erledigung von Arbeitsaufgaben, jedoch nur zwei von drei Befragten hätten Spaß daran, mit Robotern zu arbeiten. Rund die Hälfte der Befragten traut sich einen unkomplizierten Umgang mit einem Roboter zu. In Sachen Kreativität oder Emotionen im Arbeitskontext wird Robotern mäßig viel zugetraut: Immerhin sprechen mehr als 80 Prozent der Befragten Robotern zu, Gefühle zeigen zu können; mehr als 30 Prozent trauen einem Roboter sogar zu, Gefühle zu erkennen oder gar kreativ zu sein. Ein überraschend hoher Prozentsatz vor dem Hintergrund, dass nach heutigem Stand der Technik sowohl kreative als auch emotionale Verhaltensweisen von Robotern weitestgehend programmiert sind und nicht autonom funktionieren. Hier klaffen also Stand der Technik und subjektive Wahrnehmungen von Robotern deutlich auseinander. Viele setzen auf „künstliche Intelligenz“, mit der Roboter bald selbstlernend und autonom agieren können. Assistenz willkommen Der Frage, wie aufgeschlossen heutige Büroarbeiter gegenüber Robotern sind, gingen die Forscher in einem Kulturvergleich zwischen Deutschland und den USA nach: Mehr als 60 Prozent der Befragten beider Länder können sich vorstellen, durch einen Roboterassistenten unterstützt zu werden. Allerdings sollte dieser eher repetitive, unliebsame Aufgaben wie Ablage und Dokumentation, Terminbuchungen sowie Boten- oder Recherchedienste erledigen. Interessanterweise würden 21 Prozent der Befragten einem Roboter mehr vertrauen als einem menschlichen Kollegen. Gründe dafür werden in geringerer Fehlerhäufigkeit, höherer Berechenbarkeit und Kontinuität im Verhalten gesehen. Allerdings verzichtet die Mehrzahl der Befragten gerne auf Emotionen: „Sonst schalte ich das Ding aus“, ist der Tenor der Befragten zu diesem Thema. Auf Augenhöhe als Kollegen würde nur jeder Dritte einen Roboter akzeptieren: „Roboter setzen lediglich vorprogrammierte Entscheidungen um; die Eigenständigkeit lässt stark zu wünschen übrig“, so ein Befragter. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass Roboter in Meetings Informationen beitragen, Protokoll führen, als unternehmensweite Datenbank agieren und umgehend Faktenwissen bereit stellen oder aber Optimierungstätigkeiten hinsichtlich Zeit- und Aufgabenverteilung in Projekten übernehmen. Zur Verknüpfung komplexer Sachverhalte und detaillierten Abstimmung mit Mitarbeitern sieht der Großteil der Befragten Roboter noch nicht in der Lage. Als Führungskraft sind Roboter fast ein Tabu: Immerhin würden 15 Prozent der befragten Amerikaner und 8 Prozent der deutschen Befragten einen humanoiden Roboter-Chef akzeptieren. Warum nur so wenige? „Ein Roboter hat kein Gefühl für meine familiäre Situation oder andere Sorgen, die in den Job hinein strahlen“, äußert sich eine Befragte. „Eine Maschine kann nicht über einen Menschen urteilen … und kann auch nicht Vorbild sein“, führt ein anderer Befragter an. Diejenigen Befragten, die sich einen Robo-Chef durchaus vorstellen können, nennen als Gründe die geringere Fehlerhäufigkeit und Subjektivität. „Roboter sind gerechter und weniger launisch“, so ein Befragter. Nach Ansicht von Professorin Stock-Homburg wird die Robotisierung viele klassische Jobs entbehrlich machen. „Aber es werden automatisch neue, eher konzeptionelle Jobs für unsere zukünftigen Generationen entstehen. Unternehmen sollten diese zukünftigen Jobs eruieren und bereits frühzeitig neue Berufsfelder schaffen, bevor sie unreflektiert Roboter einsetzen.“ So zeigt die Darmstädter Zukunftsstudie (2016), dass Unternehmen, die sich intensiv mit neuen Berufsfeldern beschäftigen, erfolgreicher sind. Neues Dienstleistungszeitalter Werden Roboter ein neues Dienstleistungszeitalter einläuten? Die Antwort lautet nach der Studienreihe „eindeutig ja“, so der Darmstädter Wirtschaftsingenieur und Projektleiter des Robotikteams, Moritz Merkle, „75 Prozent unserer Befragten würden Dienstleistungen von einem Roboter als Kunden akzeptieren“. Und in Merkles Experimentereihe mit rund 300 Teilnehmern erzielte ein humanoider Rezeptionsroboter nahezu identische Kundenzufriedenheitswerte und nur leicht geringere Bewertungen in puncto Dienstleitungsqualität im Vergleich zu seinen menschlichen Kollegen. Die meisten Befragten können sich Dienstleistungsroboter als Rezeptionisten an Empfangs- und Informationsschaltern, als Kassierer in Supermärkten oder Autovermietungen, am Schalter von Bahnhöfen, Flughäfen oder sogar Banken sowie in der Gastronomie vorstellen. Mehr als 80 Prozent der Befragten aber bevorzugen für sensible, persönliche Dienstleistungen, wie z. B. komplexe Finanzberatungen, psychologische oder ärztliche Betreuung den Kontakt mit Menschen. Insgesamt zeigt sich auch für den Einsatz von Robotern als Büroarbeiter sowie als Dienstleister: „Der Mensch bleibt offensichtlich Mittel-Punkt – Roboter wird vorerst nur Mittel bleiben“, so Jasmine Plechatsch, Geschäftsführerin von Leap in Time und Mitgründerin des Future Innovation Lab.
Fakten zur Studienreihe „Robots@work4.0“:

– 2 Experimentereihen mit rund 300 Teilnehmern – 2 großzahlige Befragungen mit mehr als 400 Führungskräften und Mitarbeitern in Deutschland und in den USA – 3 qualitative Studien mit rund 80 Interviewpartnern

Aufteilung von Kaiser's Tengelmann-Filialen
Wettbewerbsexperte Zimmer: Rewe hat beim Kaiser’s-Deal höhere Risiken als Edeka

Berlin (nex) – Die geplante Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann-Filialen ist nach Einschätzung von Wettbewerbsexperten für Rewe riskanter als für Edeka. „Wenn Rewe seine Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzieht, kann Edeka so viele Filialen von Kaiser’s Tengelmann übernehmen, wie Edeka es will. Das Bundeskartellamt prüft den Erwerb nicht mehr“, sagte der frühere Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, dem Tagesspiegel. „Bei Rewe ist das anders. Hier wird das Bundeskartellamt genau hinschauen.“ In einigen Berliner Stadtteilen, etwa im Grunewald und im Prenzlauer Berg habe Rewe schon heute eine starke Marktstellung, gibt der Wettbewerbsexperte zu bedenken. Eine Ablehnung durch das Bundeskartellamt wäre bei einer Übernahme von Kaiser’s-Filialen in diesen Stadtteilen zu erwarten. Zimmer, der aus Protest gegen die Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zurücktreten war, übte scharfe Kritik an dem Verfahren. „Statt Dritten wie Migros oder Kaufland die Chance zu geben, Kaiser’s Tengelmann-Filialen zu übernehmen und sich damit bessere Einkaufskonditionen zu sichern, macht Gabriel nur die Marktführer Rewe und Edeka stärker.“

Bericht
Sado-Maso-Vorlieben oder Suchanfragen zu Prostituierten: Millionen Deutsche im Netz ausgespäht

Hamburg (nex) – In einer monatelangen Recherche konnten Reporter der NDR Fernsehmagazine „Panorama“ und „Zapp“ Zugang zu einem umfangreichen Datensatz erlangen und ihn auswerten. Darin enthalten ist jede Bewegung von Millionen von Internet-Nutzern im Monat August. Mit den Daten lässt sich das Leben der User bis in den intimsten Bereich nachzeichnen. In dem Datensatz finden sich neben privaten Nutzern auch Personen des öffentlichen Lebens: Manager, Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Journalisten.

Ihre Internetaktivitäten geben intime Geheimnisse aus dem Berufs- und Privatleben preis: Informationen zu laufenden Polizei-Ermittlungen, die Sado-Maso-Vorlieben eines Richters, interne Umsatz-Zahlen eines Medien-Unternehmens und Suchanfragen zu Krankheiten, Prostituierten und Drogen. Die Daten lassen auch Rückschlüsse darauf zu, wann sich einzelne Nutzer wo aufgehalten haben und erlauben so, Bewegungsprofile zu erstellen. Insgesamt umfasst der ausgewertete Datensatz mehr als zehn Milliarden Web-Adressen, aufgerufen von rund 3 Millionen Usern aus Deutschland.

Wie nackt sich die Nutzer im Netz unfreiwillig darstellen, zeigt das Beispiel eines Managers aus Hamburg. Sein Datensatz beinhaltet unter anderem eine Reihe von Links zu einem Online-Speicher-Dienst, bei dem er Unterlagen zu einem Hausbau abgelegt hat. Jeder, der diese Adressen kennt, kann darüber Kontoauszüge, Architektenzeichnungen, Lohnabrechnungen mit Hinweisen auf das Bonus-System des Arbeitgebers, eine Kopie des Personalausweises und detaillierte Auszüge aus den Unterlagen zu einem Bankkredit abrufen. Dabei sind Namen und Anschrift des Managers und seiner Frau ebenso sichtbar wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Kriminelle könnten mit Hilfe dieser Unterlagen die Identität des Mannes kapern oder ihn mit den Details zu seinem Surf-Verhalten erpressen.

Um an die Informationen zu gelangen, haben die NDR Reporter eine Schein-Firma gegründet, die vorgeblich im „Big Data“-Geschäft aktiv ist. Gleich mehrere Firmen zeigten sich bereit, die Web-Daten deutscher Internet-Nutzer verkaufen zu wollen – ein Unternehmen bot die nun ausgewerteten Daten schließlich als kostenlose Probe an.

WOT bietet eigentlich einen Service an, der dem Nutzer dabei helfen soll, sicher zu surfen: Die Erweiterung prüft die Integrität von Webseiten, bewertet besuchte Seiten anhand eines Ampel-Systems im Hinblick auf Sicherheit. „Finden Sie sofort heraus, welchen Websites Sie vertrauen können“, lautet ein Slogan der Firma. Im Hintergrund protokolliert und übermittelt die Erweiterung aber auch die Daten zum Surf-Verhalten des Nutzers an einen Server im Ausland. Dort wird ein Profil erstellt, bei dem Datum, Uhrzeit, Ort und angesteuerte Web-Adresse gemeinsam mit einer Nutzer-Kennung abgespeichert werden. Diese Daten gehen dann an Zwischenhändler. Von einem dieser Zwischenhändler haben „Panorama“ und „Zapp“ ihren Datensatz bezogen. Nach den Recherchen betrifft das Ausspähen die WOT-Erweiterungen mehrerer gängiger Browser. Experten gehen davon aus, dass WOT nicht die einzige Erweiterung ist, sondern sich die Daten-Sammler Dutzender, wenn nicht Hunderter unterschiedlicher Browser-Addons bedienen. WOT weist auf seiner Webseite darauf hin, dass die Erweiterung Daten wie etwa Web-Adressen abgreift und an Dritte weitergibt. Allerdings, so betont die Firma, seien diese Daten anonym. Reporter des NDR konnten indes in Stichproben mehr als 50 Nutzerinnen und Nutzer persönlich identifizieren, zum Beispiel über E-Mail-Adressen, in denen der Name steht, Anmeldenamen oder andere Bestandteile der aufgerufenen URLs. Auf Anfragen des NDR reagierte das Unternehmen nicht. Hinter der WOT-Erweiterung steht eine der weltweit größten Bewertungsplattformen für Webseiten, die sich ebenfalls „Web of Trust“ nennt. Sie hat ihren Sitz in Finnland. Die WOT-Erweiterungen für beliebte Browser wie Firefox und Chrome wurden nach Angaben der Firma mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen. Der Datenschutzbeauftrage Hamburgs, Johannes Caspar, erklärt dazu im NDR Interview: „Zur Weitergabe von personenbezogenen Daten brauchen Unternehmen grundsätzlich eine Einwilligung der Betroffenen.“ Dazu müsse der Nutzer genau wissen, wozu er zustimmt. Dies sei bei WOT nicht der Fall. „Hier wird ja deutlich gesagt, es handelt es sich nicht um personenbezogene Daten, was nicht stimmt“, so Caspar weiter. „Die Bezeichnung ‚anonymisiert‘ ist hier nicht richtig“, sagte Caspar. Eine massive Auswertung der Daten sei daher nach deutschem Recht „nicht zulässig“. Dienstag, 1. November, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen.

Erster Parteitag in Duisburg
Parteigründer Remzi Aru: „Wir haben das politische Treiben 50 Jahre als Zuschauer begleitet“

Erster Parteitag in Duisburg: ADD will „Partei der kleinen Leute“ sein

Duisburg (nex) – Die neu gegründete Partei Allianz Deutscher Demokraten (ADD) wird am Sonntag, dem 13. November, in Duisburg ihren ersten ordentlichen Parteitag abhalten.

Auf diesem Parteitag sollen der in Berlin ansässige Unternehmer Remzi Aru und der Stuttgarter Rechtsanwalt Ramazan Akbaş als Bundessprecher bestätigt sowie ein Bundesvorstand gewählt werden. Darüber hinaus soll der Antritt der Partei bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 vorbereitet werden. Die Kandidatur im bevölkerungsreichsten Bundesland wird den ersten Wahlantritt der im Juni gegründeten Partei darstellen. Am Tag davor werden die Bundessprecher der Partei ab 16 Uhr zu Gast in der Sendung Sivil İnisiyatif bei Kanal Avrupa sein.

Unternehmer Remzi Aru hatte die Initiative zur Parteigründung ergriffen, nachdem am 2. Juni die umstrittene Armenier-Resolution des Bundestages mit den Stimmen aller Parteien und auch der türkischstämmigen Abgeordneten verabschiedet worden war. Aru sah darin den endgültigen Beweis dafür, dass Einwanderer für die deutschen Parteien lediglich als Wähler interessant seien. „Wir haben das politische Treiben 50 Jahre als Zuschauer begleitet. Ab heute mischen wir mit!“, so Aru gegenüber NEX24.

Um als Bürger mit Migrationshintergrund innerhalb der etablierten Parteien politisch mitwirken zu dürfen, würden diese jedoch „Assimilation und eine vorbehaltlose Unterwerfung unter den Narrativ der herrschenden politischen Klasse sowie der Konsensmedien“ verlangen. Politiker, die diesen Konsens verlassen, würden hingegen umgehend aus ihren Positionen gedrängt. Remzi Aru sieht in Deutschland eine „gelenkte Demokratie“ am Werk. Die Geschlossenheit in etablierten Parteien und Mainstreammedien, wenn es etwa um die Haltung gegenüber der türkischen Regierung oder auch die Außenpolitik geht, verglich Aru schon mehrfach mit der „Nationalen Front für das Demokratische Deutschland“ in der ehemaligen DDR. So äußerte Aru in Anbetracht der Disziplinierung eines langjährigen türkischstämmigen CDU-Kommunalpolitikers im schleswig-holsteinischen Neumünster durch seine eigene Partei:

„Der so genannte ‚demokratische Konsens‘, den das Altparteienkartell der Bevölkerung und nun auch speziell den Einwanderern aufdrücken möchte, ist gekennzeichnet von totalitär anmutenden Neusprech-Direktiven und spiegelt mittlerweile sogar eine parallele Realität wider.“

Gleichzeitig wirft der ADD-Sprecher den etablierten Kräften vor, gegenüber einer stetig steigenden Islamfeindlichkeit und rassistischen Tendenzen untätig zu bleiben. Die ADD will jedoch keine reine Türken- oder Migrantenpartei sein, obwohl man in diesen von den etablierten Parteien vernachlässigten Bevölkerungsgruppen das höchste Wählerpotenzial sieht. Im Unterschied zu bisherigen Gründungen wie der BIG-Partei sieht man sich auch nicht als religiöse Partei, auch wenn man die Interessen und die Freiheitsrechte aller religiöser Gemeinschaften in Anbetracht zunehmender Tendenzen eines „Kriegs gegen die Religion“ in Europa verteidigen wolle.

Die Partei, deren politisches Vorbild die Partei „Denk“ in den Niederlanden ist, will nicht nur Einwanderer aus allen Communitys ansprechen, sondern auch „Alteingesessene“, die mit dem bisherigen politischen Angebot in Deutschland nicht zufrieden sind. Der Erstentwurf des Parteiprogramms der ADD weist einen liberal-konservativen Schwerpunkt auf, man will „Stimme der kleinen und einfachen Menschen“ sein. Neben klassischen Einwandererthemen lässt die Partei auch durch Forderungen wie jene nach einem freien Bildungssystem, einer Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok, einer Kopplung der Flüchtlingszahlen an den Umfang der Waffenexporte und einer Stärkung der Mehrkindfamilie aufhorchen.

Forderungen wie jene nach einem Ende der Frühsexualisierung, einer Abschaffung der Russland-Sanktionen und nach einer weniger ideologiegesteuerten Umwelt- und Energiepolitik sollen offenbar auch ein Signal an konservative Gruppen aus der Mehrheitsgesellschaft sein. Die etablierten politischen Kräfte scheinen die neue Partei bereits als Konkurrenz zu fürchten. So wurde vonseiten mehrerer eng mit politischen Entscheidungsträgern kooperierender deutscher Banken über Monate hinweg versucht, der ADD die Führung eines Bankkontos zu verweigern.

Bosnienkrieg
Nach über 20 Jahren: Bosnische Sicherheitskräfte nehmen zehn Verdächtige wegen Kriegsverbrechen fest

Sarajewo (nex) – Bosnisch-hezegowinische Sicherheitskräfte haben am gestrigen Montag zehn ehemalige Soldaten und Polizisten wegen des Verdachts zwischen 1992 und 1993 begangener Kriegsverbrechen festgenommen. Der Staatliche Nachrichten- und Sicherheitsdienst Bosnien-Herzegowinas führte eine Operation in der an Kroatien grenzenden Stadt Orasje durch. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien die zehn bosnisch-kroatischen Soldaten und Polizisten wegen des Verdachts der zumeist an lokalen serbischen Zivilisten begangenen Kriegsverbrechen festgenommen worden. Die bosnisch-herzegowinischen Behörden teilten mit, dass alle zehn Festgenommenen Mitglieder des Kroatischen Verteidigungsrats (HVO) gewesen seien, der als die Armee der Kroaten in Bosnien-Herzegowina im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 aktiv war. Sie hätten damals als Soldaten und Polizisten gedient, seien jedoch auch in Camps und Gefangenenlagern aktiv gewesen. Die Festgenommenen wurden identifiziert als: Duro Matuzovic (64), Ivo Orsolic (64), Tado Orsolic (56), Marko Dominkovic (54), Joso Nedic (60), Marko Baotic (68), Marko Blazanovic (61), Mato Zivkovic (52), Anto Zivkovic (57) und Stijepo Stijepo Djuric (51). Sie sollen nach dem Verhör durch die Polizei der Staatsanwaltschaft übergeben werden.

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