Bedrohte Rohingya
Myanmar: Extremistische Buddhisten-Mönche fordern von Regierung die Bezeichnung „Rohingya“ zu streichen

Extremistische Mönche und Nationalisten protestieren derzeit in Myanmar dagegen, dass die US-Botschaft die verfolgte Minderheit der Rohingya erwähnt hat. Der Botschafter der Amerikaner verteidigt sein Vorgehen und unterstreicht das Recht von Gemeinschaften, so benannt zu werden, wie sie es für richtig halten.

Teilen

Yangon (nex) – Hunderte Ultranationalisten rotteten sich in den Straßen der zweitgrößten Stadt Myanmars zusammen, um Aufmärsche abzuhalten, in denen die Regierung dazu gezwungen werden soll, binnen drei Tagen zu deklarieren, es gäbe keine Volksgruppe der Rohingya in dem Land.

Insbesondere sollen nach dem Willen der Teilnehmer der nicht genehmigten, so genannten Mandalay-Demonstration von Ultranationalisten und buddhistischen Mönchen Präsident Htin Kyaw und Staatskanzlerin und Außenministerin Aung San Suu Kyi die USA dafür verurteilen, dass deren Botschaft diesen Begriff für die bedrohte muslimische Minderheit im Land verwendet hatte.

Tint Lwin, einer der Organisatoren von der extremistischen buddhistischen Vereinigung Ma Ba Tha erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, man erwarte eine Erklärung der Regierung, wonach man den Gebrauch des Begriffes verurteile, und habe auch in anderen Städten Proteste geplant.

Die Ultranationalisten berufen sich dabei auf den früheren Präsidenten Thein Sein, der erklärt hatte, es gäbe keine Rohingya in Myanmar, nur „Bengalen“ – womit suggeriert wird, es handle sich bei der Gruppe um illegale Einwanderer aus dem benachbarten Bangladesch. Nach Thein Seins Wahlniederlage vom 8. November 2015 übernahm die von Suu Kyi geführte Nationale Liga für Demokratie (NLD) das Ruder. Am 28. April versammelten sich etwa 500 Personen vor der US-Botschaft in Yangon, um gegen die Benennung der staatenlosen und verfolgten muslimischen Minderheit im Land mit ihrer Eigenbezeichnung zu protestieren.

Die US-Botschaft verwendete die Bezeichnung im Rahmen eines jüngst veröffentlichten Statements, in dem die Amerikaner ihre Besorgnis über die Situation im westlich gelegenen Bundesstaat Rakhine zum Ausdruck brachten, in dem es seit 2012 Dutzende Tote infolge von Gewaltakten zwischen Buddhisten und Muslimen gegeben hatte, mehr als 2500 Häuser – meist jene von Rohingya – niedergebrannt und etwa 100 000 Menschen obdachlos wurden. Infolge des Drucks vonseiten der Nationalisten ersuchte das Außenministerium von Suu Kyi die Botschaft um eine Abänderung des Begriffes.

Der US-Botschafter in Myanmar, Scot Marciel, erklärte am Dienstag jedoch, er würde es vorziehen, weiterhin den Begriff Rohingya zu verwenden. „Es ist ihre Wahl, zu bestimmen, wie sie genannt werden wollen“, erklärte der Botschafter im Rahmen eines Treffens im Amerikanischen Zentrum von Yangon. „Unsere internationale Praxis ist dahingehend, dass wir das Recht jeder Gemeinschaft überall in der Welt anerkennen, so genannt zu werden, wie sie genannt werden wollen.“

Marciel benutzte den Begriff jedoch nicht selbst. Pamaukha, ein prominenter in Yangon ansässiger Mönch der Ma Ba Tha, erklärte am Freitag gegenüber Anadolu, die USA hätten die Frage der Verwendung des Wortes schwieriger zu lösen gemacht. „Sie helfen unserem Land damit nicht“, erklärte der Mönch.

Der Armeechef von Myanmar, Sen. Gen. Min Aung Hlaing, unterstrich am Freitag in einer Presseerklärung, dass das Militär den Begriff nie akzeptieren würde. „Zuerst muss die Frage der Staatsangehörigkeit der bengalischen Immigranten im Einklang mit dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 gelöst werden“, äußerte er sich lokalen Quellen gegenüber. Dem Gesetz nach wird den Rohingya derzeit die Staatsbürgerschaft vorenthalten, was von Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert wird.

Zum Thema

Myanmar: Hilfsorganisationen beschuldigen Militär der Vergewaltigung muslimischer Frauen

Auch interessant

Griechische Besetzung Westanatoliens (1919–1922): Krieg, Flucht und Zerstörung

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Am 15. Mai 1919 landeten unter dem Schutz alliierter Kriegsschiffe etwa 12.000 Soldaten der griechischen Okkupationsarmee im Hafen von Izmir....

Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste Diplomatin in Washington, hat in...

Mattner: „Nach den Arabern kommen wieder die Juden dran“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Am Wochenende habe ich mir erstmal einen „Doppelten Baldri-Bomber mit Kamilleninfusion“ eingeschenkt. Ihr wisst schon – dieses Getränk, das man...

Änderungsanträge zum Apothekengesetz: Milliardenschwere Einsparpotentiale bleiben auf der Strecke

Berlin - Die jetzt bekannt gewordenen Änderungsanträge zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) stoßen beim AOK-Bundesverband auf Kritik. Die Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann kritisiert vor allem die...

Arbeitszeitreform: Deutschland diskutiert den 13-Stunden-Tag

Berlin – Seit 1918 gilt in Deutschland der Acht-Stunden-Tag als eines der grundlegendsten Schutzrechte für Arbeitnehmer. Über 100 Jahre lang war er gesetzlich verankert...

Headlines

Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder." Mit diesen Worten...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische...

Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem...

Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste...

Meinung

Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder." Mit diesen Worten sorgte Yitzhak Kroizer, Knesset-Abgeordneter der...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische Militär die internationale Hilfsflotte „Global...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...