Ankara – Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten haben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe demnach vor Wahlen vorgeschlagen, das syrische Staatsgebiet in eine nördliche und eine südliche Einfluss- beziehungsweise Aktivitätssphäre zu gliedern. Ankara habe diesen Vorstoß jedoch umgehend und entschieden abgelehnt.
Vorgeschlagene Demarkationslinie und militärische Sperrzonen
Wie türkische Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen berichten, sei der Vorschlag über ein Drittland an die Türkei übermittelt worden. Demnach habe Israel angestrebt, eine militärische Aktivitätszone entlang der Linie Homs, Quneitra, Tartus, Damaskus und Daraa zu etablieren.
Im Gegenzug habe die israelische Seite zugesichert, türkische Militäraktionen in Regionen wie Aleppo, Hama, al-Hasaka, Deir ez-Zor und Raqqa nicht zu behindern. Zudem habe Netanjahu gefordert, dass Ankara weder dem Aufbau eines israelischen Militärkorridors von den Golan-Höhen nach as-Suwaida noch der Errichtung einer israelischen Luftverteidigungszone im Süden des Landes widerspreche.
Geplante Operation in Damaskus vorerst gestoppt
Darüber hinaus heben die Berichte hervor, dass Netanjahu ursprünglich auch Optionen für ein militärisches Eingreifen in der syrischen Hauptstadt Damaskus geprüft habe, um politisches Kapital für den Wahlkampf zu schlagen. Diese Pläne seien jedoch vorerst ausgesetzt worden, nachdem Vorbereitungen für einen Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Damaskus bekannt geworden seien. Die israelische Führung habe befürchtet, durch diesen Schritt in eine politisch schwierige Lage zu geraten.
Aserbaidschan als möglicher Vermittler im Gespräch
Welcher Staat als Vermittler auftrat und wann sowie auf welcher Ebene die Verhandlungen stattfanden, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Beobachter vermuten jedoch Aserbaidschan hinter der Vermittlerrolle.
Ankara habe das Angebot laut den Berichten jedoch mit dem Verweis abgelehnt, dass Syrien allein den Syrien gehört.
Vom pragmatischen Ausgleich zur strategischen Rivalität
Die geopolitischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel in Bezug auf Syrien haben sich in den letzten Jahren von einer pragmatischen Abstimmung hin zu einer offenen strategischen Rivalität verschärft. Syrien bildet dabei den zentralen Schauplatz, auf dem beide Staaten ihre jeweiligen nationalen Sicherheitsinteressen und Einflusszonen durchzusetzen versuchen.
Auf türkischer Seite steht dabei die Sicherung der eigenen Nordgrenze im Vordergrund. Hauptziel Ankaras ist es, die Kontrolle über den Norden Syriens zu behalten. Gleichzeitig verfolgt Ankara das Ziel, durch kontrollierte Pufferzonen die Rückkehr syrischer Geflüchteter zu ermöglichen.
Israels Interessen konzentrieren sich hingegen vor allem auf den Süden des Landes. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Sicherung der eigenen Nordgrenze sowie der Pufferzone im Bereich der Golan-Höhen. Israel interveniert regelmäßig militärisch, um das Festsetzen feindlicher Akteure, etwa pro-iranischer Gruppen oder radikal-islamistischer Fraktionen, im Südwesten Syriens zu unterbinden.
Um flexibel auf drohende Sicherheitsrisiken reagieren zu können, beansprucht Tel Aviv die strategische Handlungsfreiheit und Lufthoheit über weiten Teilen Süd- und Zentralsyriens. Zudem versucht Israel in Regionen wie Quneitra, Daraa und as-Suwaida seinen Einfluss auszuweiten und Partnerschaften mit lokalen Gruppen, darunter Teile der drusischen Bevölkerung, aufzubauen.
Wachsende Gefahr von Konfrontationen und unvereinbare Konzepte
Diese unterschiedlichen Zielsetzungen führen zu deutlichen Spannungsfeldern. Nach den Umbrüchen in Syrien geraten die Interessen der Türkei im Norden und der Landesmitte zunehmend in Konflikt mit den israelischen Sicherheitsansprüchen im Süden. Israels Warnungen bezüglich einer Ausweitung türkischer Militärstützpunkte weiter nach Süden verdeutlichen die wachsende Gefahr unkoordinierter militärischer Aktionen.
Zudem offenbart sich eine grundlegende strategische Unvereinbarkeit: Während Ankara Syrien als geschlossenen Staat im eigenen Einflussbereich konsolidieren möchte, setzt Israel primär auf die Durchsetzung eigener entmilitarisierter Pufferzonen, was von türkischer Seite als Verletzung der syrischen Souveränität gewertet wird.
An intriguing Israeli deal offered to Turkey… but the Turkish response was shocking: Syria for Syrians only…..
The Turkish newspaper „Türkiye Gazetesi“ published information today obtained by journalist Yilmaz Bilgen, that Israel conveyed to Turkey through an intermediary… https://t.co/TZgmtskxff
— Joshua Landis (@joshua_landis) September 16, 2026
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