Kommentar
Pferde-Eskorte für Trump, Ministerin für Sánchez: Die nüchterne Logik des Protokolls

Große Aufregung im Netz über den Empfang von Sánchez und Trump in Ankara. Ein Kommentar zur Macht der Bilder und den Regeln der Diplomatie beim NATO-Gipfel.

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Von Polat Karaburan

Unser Bericht über die lautstarke Kritik in den sozialen Netzwerken hat eines deutlich gezeigt: Die Sympathien für den spanischen Premier Pedro Sánchez und seine klare Haltung im Nahostkonflikt sind in der muslimischen Welt riesig. Die Enttäuschung vieler Nutzer darüber, dass Sánchez am Flughafen in Ankara „nur“ von Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş empfangen wurde – während US-Präsident Donald Trump eine feierliche Pferde-Eskorte erhielt –, ist emotional absolut nachvollziehbar.

Ein genauerer Blick auf die Abläufe zeigt jedoch: Ankara hat hier nicht aus Missachtung gehandelt, sondern sich strikt an das weltweite Protokoll gehalten.

Der entscheidende Unterschied liegt im Charakter der Reise. Donald Trump absolvierte parallel zum NATO-Treffen einen offiziellen, bilateralen Staatsbesuch in der Türkei. Ein solches Format verlangt protokollarisch nach den höchsten staatlichen Ehren und dem persönlichen Empfang durch das Staatsoberhaupt.

Pedro Sánchez hingegen reiste – genau wie die über 30 anderen Staats- und Regierungschefs – im Rahmen einer multilateralen Delegation ausschließlich für den NATO-Gipfel an. Bei solchen Großereignissen ist es absolut standardisiert, dass die Gäste von Regierungsmitgliedern am Rollfeld begrüßt werden. Weder der deutsche Bundeskanzler noch der französische Präsident erhielten einen anderen Empfang als Sánchez. von einer „Abwertung“ kann also rein formal keine Rede sein.

Dass die türkische Führung die Arbeit von Sánchez in Wahrheit zutiefst schätzt, zeigte sich ohnehin abseits der Kameras am Flughafen: Trotz des extrem straffen Gipfel-Zeitplans räumte Recep Tayyip Erdoğan dem spanischen Premier ein exklusives, bilaterales Sondertreffen im Präsidentschaftspalast ein – eine Ehre, die keineswegs jedem Delegationsleiter zuteilwurde.

Soziale Medien leben von schnellen Symbolen und dem direkten Vergleich von Bildern. Reale Diplomatie und politische Wertschätzung bemessen sich jedoch nicht nach den Metern des roten Teppichs am Flughafen, sondern nach der Substanz der Gespräche hinter den Kulissen. Und dort haben Ankara und Madrid einmal mehr bewiesen, wie eng sie in den entscheidenden Fragen beieinanderstehen.

 

 


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