Ankara/Riad – Die Verteidigungsindustrie der Türkei steht vor ihrem bisher größten Export-Erfolg in der Golfregion.
Nach der am 10. Februar 2026 erfolgten Unterzeichnung eines wegweisenden Abkommens zur gemeinsamen Produktion des Hubschraubers T625 Gökbey verdichten sich die Anzeichen für eine strategische Partnerschaft beim Kampfjet-Programm KAAN. Experten werten die aktuellen Entwicklungen als Beweis für das wachsende globale Vertrauen in türkische Hochtechnologie.
Die industrielle Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Saudi-Arabien hat im Februar 2026 eine neue Qualitätsstufe erreicht. Im Rahmen der „World Defense Show“ (WDS) in Riad unterzeichneten TUSAŞ, das saudische Investitionsministerium und die staatliche Rüstungsbehörde GAMI eine Absichtserklärung (MoU) zur gemeinsamen Herstellung des Mehrzweckhubschraubers Gökbey.
Politische Flankierung auf höchster Ebene
Diese strategische Annäherung wird von höchster politischer Ebene flankiert. Während seines Besuchs in Riad Anfang Februar 2026 betonte Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Entschlossenheit der Türkei, die Beziehungen zum Königreich auf eine „neue Stufe“ zu heben.
In einem Statement nach seinem Treffen mit Kronprinz Mohammad bin Salman erklärte Erdoğan, dass man insbesondere in der Verteidigungs- und Energiebranche signifikante Kooperationen anstrebe. „Wir unterzeichnen bedeutende Abkommen und sind fest entschlossen, diese Bande weiter zu festigen“, so der türkische Staatspräsident.
Auch von saudischer Seite wird der Wille zur Kooperation signalisiert. In einem gemeinsamen Kommuniqué hoben beide Staatsführer hervor, dass die Koordination im Rahmen des Türkisch-Saudischen Koordinationsrates intensiviert werden solle, um Synergien zwischen der saudischen „Vision 2030“ und der türkischen „Century Vision“ zu nutzen. Laut Kreisen in Riad betrachte der Kronprinz die Türkei als einen Schlüsselpartner, um die technologische Unabhängigkeit der saudischen Streitkräfte zu forcieren.
Gökbey als Blaupause für das KAAN-Projekt
Laut Branchenexperten diene dieser Vertrag, der auch einen Technologietransfer beinhaltet, als konkrete Blaupause für das deutlich ambitioniertere KAAN-Projekt. Es sei das erklärte Ziel beider Nationen, die gegenseitige Abhängigkeit von Drittstaaten bei kritischen Waffensystemen zu reduzieren.
Mehmet Demiroğlu, der CEO von TUSAŞ, betonte die Tragweite der aktuellen Verhandlungen über den Stealth-Jet der fünften Generation. Man befinde sich in der „finalen Phase“, um Saudi-Arabien nicht nur als Käufer, sondern als vollwertigen Partner in das Programm zu integrieren.
„Wir hoffen, noch in diesem Jahr oder sogar früher gute Nachrichten teilen zu können“, so Demiroğlu am Rande der Messe. Dass am Messestand in Riad bereits KAAN-Modelle mit der saudischen Nationalflagge präsentiert wurden, unterstreiche die Ernsthaftigkeit dieser Ambitionen. Laut Demiroğlu lohne sich eine lokale Endmontagelinie in Saudi-Arabien ab einer Größenordnung von mindestens 50 Flugzeugen.
🇸🇦🇹🇷 Saudi flag spotted on the tail of an up-to-date scale model of Turkish KAAN fighter jet at #WDS2026 in Saudi Arabia.
📸 @Rotorfocus pic.twitter.com/OXp7zJUrie
— Clash Report (@clashreport) February 6, 2026
Neben der bemannten Luftfahrt rückt auch die Integration unbemannter Systeme wie der Kampfdrohne KIZILELMA in den Fokus. Das türkische Konzept sehe vor, dass der KAAN im Verbund mit autonomen Begleitdrohnen operiere – ein technologischer Vorsprung, der für die Golfstaaten von immensem strategischem Wert sei. Saudi-Arabien strebt im Rahmen seiner „Vision 2030“ danach, mindestens 50 Prozent seiner Militärausgaben im eigenen Land zu lokalisieren.
Eine Beteiligung an der Entwicklung und Produktion des KAAN-Jets würde laut Analysten einen entscheidenden Beitrag zu diesem Ziel leisten.
Die ökonomischen Dimensionen dieser Allianz zwischen der Türkei und dem Königreich sind gewaltig. Während der Export und die Koproduktion des Gökbey-Hubschraubers bereits gesicherte industrielle Synergien schaffen, würde ein Einstieg Riads in das KAAN-Programm Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich bedeuten.
Dies würde nicht nur die Entwicklungskosten der kommenden Jahre absichern, sondern die Türkei endgültig als globalen Akteur im Markt für High-End-Kampfflugzeuge etablieren. Da der Beginn der Serienproduktion für das Jahr 2028 geplant ist, bietet sich den Partnern ein Zeitfenster, das geopolitisch die Machtverhältnisse im Nahen Osten nachhaltig verschieben könnte.
🇸🇦🇹🇷 Saudi flag spotted on the tail of an up-to-date scale model of Turkish KAAN fighter jet at #WDS2026 in Saudi Arabia.
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— Clash Report (@clashreport) February 6, 2026































































