Treffen in Ankara
Ankara und Athen setzen auf Annäherung: Überraschende Einigkeit bei bilateralem Spitzentreffen

Nach Monaten diplomatischer Spannungen und rhetorischer Schärfe haben die Türkei und Griechenland im Rahmen eines hochrangigen Treffens in Ankara ein deutliches Signal der Entspannung gesendet.

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Ankara – Nach Monaten diplomatischer Spannungen und rhetorischer Schärfe haben die Türkei und Griechenland im Rahmen eines hochrangigen Treffens in Ankara ein deutliches Signal der Entspannung gesendet.

Trotz tiefgreifender Differenzen in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer verständigten sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Premierminister Kyriakos Mitsotakis auf eine verstärkte Zusammenarbeit.

Noch vor wenigen Monaten schienen die Fronten zwischen den beiden NATO-Partnern verhärtet. Streitigkeiten über Hoheitsrechte in der Ägäis, die Erdgassuche der Türkei im Mittelmeer sowie die weiterhin ungelöste Zypern-Frage hatten das Verhältnis belastet.

Umso mehr überraschten die beiden Regierungschefs die internationale Gemeinschaft nun mit einer Reihe bilateraler Abkommen, die während der sechsten Sitzung des türkisch-griechischen Kooperationsrates unterzeichnet wurden.

Präsident Erdoğan betonte nach dem Treffen den Willen zur Verständigung. Es gebe kein Problem zwischen beiden Ländern, das nicht durch einen aufrichtigen Dialog gelöst werden könne. Er unterstrich, dass man die „positive Dynamik“, die in den letzten Monaten entstanden sei, beibehalten wolle.

„Unser Ziel ist es, das Volumen unseres bilateralen Handels auf 10 Milliarden Dollar zu verdoppeln“, so der türkische Präsident. Man müsse sich darauf konzentrieren, die gemeinsamen Interessen zu stärken, statt sich von den Differenzen lähmen zu lassen.

Auch der griechische Premierminister Mitsotakis schloss sich diesem Tonfall an. Er erklärte, dass beide Seiten bewiesen hätten, dass sie trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten in der Lage seien, eine „Brücke der Zusammenarbeit“ zu bauen.

Mitsotakis hob hervor, dass man sich auf konkrete Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Energie und Katastrophenschutz geeinigt habe. Diese positiven Schritte seien laut Mitsotakis ein wichtiger Beitrag zur Stabilität in der gesamten Region.

In den unterzeichneten Dokumenten findet sich unter anderem eine Absichtserklärung über die verstärkte Zusammenarbeit im Tourismus sowie im Bildungs- und Technologiebereich. Beobachter werten diese Abkommen als Versuch, durch „Low Politics“ – also weniger konfliktträchtige Themen – Vertrauen aufzubauen, um später auch die schwierigen territorialen Fragen angehen zu können.

Ro-Ro-Fährverbindungen

Ein separates Memorandum zur Förderung der Einrichtung von Ro-Ro-Fährverbindungen zwischen dem Hafen von Izmir und dem Hafen von Thessaloniki wurde vom stellvertretenden türkischen Außenminister Mehmet Kemal Bozay und Theoharis unterzeichnet.

Bozay und Theoharis unterzeichneten außerdem ein Memorandum zur Stärkung der Zusammenarbeit im Rahmen der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation.

Erdbebenvorsorge

Im Bereich Katastrophenmanagement unterzeichneten der türkische Innenminister Mustafa Ciftci und der griechische Minister für Klimakrise und Zivilschutz Ioannis Kefalogiannis ein Memorandum zur Verbesserung der bilateralen Zusammenarbeit bei der Erdbebenvorsorge.

Die kulturelle Zusammenarbeit wurde in einem weiteren Memorandum zwischen dem türkischen Minister für Kultur und Tourismus Mehmet Nuri Ersoy und der griechischen Kulturministerin Lina Mendoni geregelt.

Die internationale Gemeinschaft reagierte weitgehend positiv auf die Ergebnisse des Gipfels. Dass sich die Staatsführung der Türkei und der griechische Premier in Ankara so demonstrativ einig zeigten, kam für viele Analysten unerwartet. Dennoch bleibe abzuwarten, wie stabil diese Annäherung sei, sobald wieder strittige Themen wie die Bohrrechte im Mittelmeer oder die Souveränität über unbewohnte Inseln in der Ägäis auf die Agenda rückten.

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