Epstein-Akten
Epstein: Khan gefährlicher als Erdoğan oder Putin

Epstein vergleicht Pakistans Ex-Premier Khan mit Erdoğan und Putin – ideologisch getrieben, unberechenbar. Pakistans Atomwaffen machen ihn gefährlich.

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London – Aus den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten geht hervor, dass der verstorbene US-Finanzier Jeffrey Epstein den früheren pakistanischen Premierminister Imran Khan intern als eine größere geopolitische Bedrohung einschätzte als mehrere der weltweit einflussreichsten Staats- und Regierungschefs – darunter auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping sowie Irans oberster Führer Ali Khamenei.

In einer E-Mail aus dem Jahr 2018, verfasst kurz nach Khans Wahlsieg in Pakistan, beschrieb Epstein Khan als „weit größere Gefahr“ als diese internationalen Akteure. Damit stellte er den damaligen pakistanischen Regierungschef bewusst in eine Reihe mit führenden Persönlichkeiten der nichtwestlichen Welt, denen regelmäßig erhebliches geopolitisches Gewicht zugeschrieben wird.

Epstein führte seine Einschätzung unter anderem auf Khans ideologische Prägung zurück. Khan sei religiös motiviert und von einer bestimmten Weltanschauung geleitet, was seine politischen Entscheidungen aus Epsteins Sicht schwer vorhersehbar und kaum kontrollierbar mache. Gerade diese Kombination aus persönlicher Überzeugung und politischer Macht habe ihn für besonders riskant gehalten.

Als entscheidenden Faktor hob Epstein zudem hervor, dass Pakistan eine Atommacht ist. Die Kontrolle über nukleare Fähigkeiten habe Khan in seinen Augen „besonders gefährlich“ gemacht. Die Verbindung aus politischer Führung, ideologischer Motivation und strategischen Waffen habe Epstein zufolge ein erhebliches Eskalationspotenzial dargestellt.

Darüber hinaus äußerte sich Epstein in den Dokumenten abwertend über Khans Führungsstil. Er beschrieb ihn als jemanden, der eher einem „Kricket-Teamkapitän als einem Schachspieler“ gleiche – ein Vergleich, mit dem Epstein Khans Fähigkeit betonte, Massen zu mobilisieren und emotional anzusprechen, während er ihm zugleich strategische Berechenbarkeit absprach. Gerade diese Popularität habe Khan in Epsteins Augen unberechenbar gemacht.

In den Akten finden sich außerdem Hinweise darauf, dass Epstein Khans gesellschaftliche Stellung, seinen Wohlstand sowie seine Verbindungen zu politischen und sozialen Eliten analysierte. Diese Faktoren hätten Khans Einfluss zusätzlich verstärkt. Beobachter sehen darin ein Indiz dafür, dass Epstein Khans Persönlichkeit systematisch einschätzte, um mögliche politische Entwicklungen frühzeitig zu bewerten.

Die veröffentlichten Einschätzungen spiegeln jedoch ausschließlich Epsteins persönliche Sichtweise wider. Epstein selbst war eine hoch umstrittene Figur, deren politische Urteile und Motive angesichts seiner Verbrechen und Netzwerke kritisch betrachtet werden. Offizielle Stellen haben die Aussagen nicht kommentiert.

Imran Khan befindet sich seit 2023 in Haft und kann sich derzeit nicht öffentlich zu den veröffentlichten Dokumenten äußern. Die Enthüllungen haben dennoch eine neue Debatte darüber ausgelöst, wie einflussreiche private Akteure globale politische Entwicklungen wahrnahmen – und wie solche internen Einschätzungen heute einzuordnen sind.

Ein möglicher Grund, warum Erdoğan in Epsteins E-Mails prominent erwähnt wird, hängt mit Einschätzungen über die geopolitische Rolle der Türkei zusammen.

Erdoğan-Mails

Aus den neu veröffentlichten Epstein-Dokumenten geht hervor, dass in geheimen Korrespondenzen auch darüber diskutiert wurde, wie Erdoğan das türkische Militär umbaut und gezielt Strukturen auflöst, die als „israel-freundlich“ eingeschätzt wurden.

In diesen Analysen wird beklagt, dass Erdoğan „das Haus reinige“, indem er Personal entferne, das lange an militärischer Zusammenarbeit mit Israel beteiligt gewesen sei – ein Hinweis auf interne Machtverschiebungen in einer strategisch wichtigen NATO-Armee und auf die wachsende Unabhängigkeit der Türkei in der regionalen Sicherheitspolitik.

Diese Passage in den Akten deutet darauf hin, dass Epstein – oder die Kreise um ihn – nicht nur persönliche Kontakte und Netzwerke beobachtete, sondern auch geopolitische Bewertungen großer Staatschefs vornahm. Die Türkei ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Regionalmacht mit eigener militärischer und diplomatischer Dynamik geworden, die sich zunehmend von früheren strategischen Partnerschaften – etwa mit Israel – löst.

Dass Erdoğan hier in Epsteins internen Analysen auftaucht, hängt genau mit solchen Betrachtungen zusammen – und erklärt, weshalb Epstein ihn, wie berichtet, in einer Reihe mit anderen international wichtigen Führungsfiguren nannte.

Beobachter vermuten ausländischen Einfluss

Beobachter und Analysten äußern seit Längerem den Verdacht, dass ausländische Interessen eine Rolle bei der Entmachtung und Inhaftierung des früheren pakistanischen Premierministers Imran Khan gespielt haben.

Dem Analysten Khamran Khan zufolge seien Akteure beteiligt gewesen, die gemeinsam mit den USA geopolitische Interessen im Sinne eines sogenannten „Greater Israel Plan“ verfolgen würden. Die westliche Welt habe angesichts der Verhaftung Khans und des harten Vorgehens gegen dessen Anhänger auffallend geschwiegen, so Khan.

Khamran Khan verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Rolle des pakistanischen Militärs. Israel sei demnach mit der Beteiligung der pakistanischen Armee an der sogenannten Gaza Peace Board zufrieden gewesen, während der Einsatz türkischer oder katarischer Kräfte abgelehnt worden sei. Diese Konstellation habe aus seiner Sicht zu einer geopolitischen Neubewertung Pakistans beigetragen und das politische Schicksal

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