Johannesburg / Barcelona – Aktivist:innen haben am Donnerstag angekündigt, im kommenden März die bislang größte zivile Flottille in Richtung des Gazastreifens starten zu wollen, um die seit Jahren bestehende Blockade Israels zu durchbrechen und humanitäre Hilfe direkt in den belagerten Küstenstreifen zu bringen.
Organisator:innen beschrieben die Mission als historisch und als umfangreichste Mobilisierung ihrer Art seit Beginn der Blockade, die im Jahr 2007 in Kraft trat.
Die Global Sumud Flotilla (GSF) plant demnach, am 29. März 2026 von Barcelona aus mit mehr als 100 Booten und etwa 1.000 Teilnehmenden in See zu stechen. Nach Angaben der Organisator:innen sollen sich Mediziner:innen, Pflegekräfte und Expert:innen für Kriegsverbrechen dem zivilen Konvoi anschließen, begleitet von einem landseitigen Begleitkonvoi durch mehrere Mittelmeerregionen.
Veranstaltungen wie diese hatten in der Vergangenheit bereits internationale Aufmerksamkeit erregt, als im September 2025 eine frühere Flottille mit mehreren Dutzend Schiffen versuchte, die Seeblockade zu durchbrechen, jedoch von der israelischen Marine aufgebracht wurde.

Humanitäre Krise in Gaza
In der internationalen Berichterstattung, bei den Vereinten Nationen und in Berichten von Menschenrechtsorganisationen wurde in den vergangenen Monaten wiederholt von einer dramatischen humanitären Lage im Gazastreifen gesprochen, die in bestimmten Kontexten als Völkermord bezeichnet und Israel hierfür international verurteilt wurde.
Laut diesen Berichten sind im Gazastreifen über 70.000 Menschen getötet worden, darunter viele Frauen und Kinder, und viele weitere Hunderttausende litten unter Mangel an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung.
Zudem gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Einschätzungen zur Zahl der Todesopfer. Einige Studien, darunter Überlegungen des Max-Planck-Instituts, gehen von weit über 100.000 Toten aus, wenn direkte und indirekte Folgen des Konflikts zusammengezählt werden. Diese Zahlen wurden teils als Konjunktivannahmen in Berichten dargestellt, da die präzise Erfassung unter Kriegsbedingungen schwierig ist.
In der Vergangenheit hatte die israelische Regierung lange Zeit solche Opferzahlen dementiert oder heruntergespielt. In jüngerer Zeit hat das israelische Militär jedoch offiziell bestätigt, dass zahlreiche Zivilist:innen, darunter auch Kinder, bei militärischen Aktionen ums Leben gekommen sind, was in Teilen als Eingeständnis der hohen Opferzahlen gewertet wurde.
Reaktionen auf Israels Vorgehen in Gaza
Politische Stimmen aus aller Welt haben sich wiederholt zu dem anhaltenden Konflikt in Gaza geäußert. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Brasiliens Luiz Inácio Lula da Silva haben in verschiedenen Reden und offiziellen Statements die Gewalt verurteilt, den Schutz der Zivilbevölkerung betont und internationale Mechanismen zur Sicherung humanitärer Hilfe gefordert.
Auch Persönlichkeiten aus dem Kulturbereich, wie der Schauspieler Javier Bardem, haben öffentlich Solidarität mit den Menschen in Gaza bekundet und Aktionen wie die Sumud Flotilla unterstützt.
Während früherer Flottille-Einsätze hatte Spaniens Sánchez erklärt, dass die Mission keine Gefahr für Israel darstelle und diplomatische Schutzmechanismen gewährleistet seien. Diese Position wurde damals geäußert im Rahmen von Kritik an der Blockade. Er bezeichnete Israel zudem als „völkermordenen Staat“.
„Die Flotilla stellt für Israel keine Gefahr dar; wir stehen für den Schutz unserer Staatsbürger und für die Wahrung des humanitären Rechts ein.“
Organisator:innen der neuen Mission betonten bei der Vorstellung, dass sie die Blockade nicht nur symbolisch, sondern real durchbrechen wollen, um direkte Hilfe zu leisten und gleichzeitig internationalen Druck aufzubauen. „Wir werden wieder segeln… diesmal mit mehr Booten und mehr Aktivist:innen“, sagte eine Sprecherin bei einer Pressekonferenz.
Besonderheiten der 2026er Mission
Im Gegensatz zu früheren Versuchen wird die „Spring 2026“-Mission eine spezialisierte medizinische Flotte umfassen. Mehr als 1.000 Gesundheitsfachkräfte sollen lebensrettende Medikamente und medizinisches Gerät direkt in den Gazastreifen bringen.
Unter den Teilnehmern befinden sich prominente Unterstützer wie Mandla Mandela, der Enkel des verstorbenen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, der bereits an der vorherigen Mission teilnahm.
Geopolitischer Kontext
Die Ankündigung erfolgt in einer Zeit extremer Spannungen, obwohl im Oktober 2025 ein brüchiger Waffenstillstand vereinbart wurde. Laut UN-Berichten erreicht die humanitäre Hilfe auf dem Landweg weiterhin nicht das erforderliche Maß.
Die Flottille sieht sich als „ziviler Schutzschild“ und fordert die internationale Gemeinschaft auf, israelische Interventionen auf hoher See zu verhindern. In Italien haben Hafenarbeiter bereits angekündigt, den Betrieb einzustellen, sollte die Mission gewaltsam gestoppt werden.
Internationale juristische Vorwürfe
Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Gaza gibt es auch legale Schritte gegen israelische Politiker:innen.

So wurden in mehreren Ländern Haftbefehle gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und weitere Mitglieder der israelischen Regierung beantragt bzw. ausgestellt, teilweise im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen Verletzung internationalen Rechts und wegen ihrer Rolle bei den militärischen Operationen im Gazastreifen.
Diese Entwicklungen stehen in engem Zusammenhang mit Beschwerden bei internationalen Gerichten und unterstützen die Argumentation einiger Aktivist:innen, wonach die internationale Gemeinschaft stärker handeln müsse.
The Global Sumud Flotilla announces ‘the largest humanitarian mobilisation in history’ to break the israeli blockade on Gaza https://t.co/VikOLXQK8v
— Sarah Wilkinson (@swilkinsonbc) February 6, 2026





































































