Corona-Reisewarnung
Türkische Gemeinde: Berlins Türkei-Entscheidung politischer Natur

TGMN-Vorsitzender Bülent Bayraktar: "Die Einstufung der Türkei als Risikogebiet ist objektiv nicht nachvollziehbar und bestraft Türkei-Urlauber".

Teilen

Nürnberg – Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde der Metropolregion Nürnberg (tgmn) hat Berlins Einstufung der Türkei als Risikogebiet scharf verurteilt.

„Im Falle der Türkei handelt es sich hiermit um eine politische Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland, die maßlos ist“, so Bülent Bayraktar in einer Stellungnahme. Diese Entscheidung benachteilige Millionen von Menschen, sei es Türkeistämmige oder andere, die ihren Sommerurlaub 2020 in der Türkei verbringen möchten.

Bayraktar weiter:

Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der Türkei 1.592 neue Fälle pro Tag bekannt geworden. Die Türkei hat ca. 83 Millionen Einwohner, demnach sind 19 neue Fälle je 100.000 Einwohner zu verzeichnen.

Auch die Zahl der an Covid 19-Erkrankten mit 179.831 Fällen, gleicht absolut den Zahlen der Bundesrepublik. Jedoch ist in Deutschland die Zahl mit 8.800 Verstorbenen fast doppelt so hoch wie in der Türkei mit 4.825 Todesfällen insgesamt.

Somit fielen alle quantitativen Kriterien für eine Beurteilung der Türkei als Risikogebiet weg. Testkapazitäten seien reichlich vorhanden.

Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit teilweise strikten Ausgangssperren sowie Maskenpflicht im öffentlichen Raum, seien und waren strenger als in Deutschland, so Bayraktar.

Somit sind alle objektiven Kriterien für eine Einstufung der Türkei als Risikogebiet nicht gegeben. Zudem werden Hotels in der Türkei vom TÜV Süd auf Hygienemaßnahmen zertifiziert. Es bleibt nur noch die Annahme, die auch der deutsche Außenminister Maas zum Ausdruck gebracht hat, dass Deutschland die Informationen, die die Türkei zur Verfügung stellt, nicht als verlässlich einstuft.

Im Falle der Türkei handele es sich somit um eine politische Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland, die maßlos sei. Die Entscheidung benachteilige Millionen von Menschen, sei es Türkeistämmige oder nicht, die ihren Sommerurlaub 2020 in der Türkei verbringen möchten.

Viele Türkei-Experten vermuten, dass Außenminister Maas eine „private Abrechnung“ mit dem Präsidenten Erdogan vornimmt, der im Oktober 2019 Maas öffentlich attackiert hatte und Maas EU-Reiseländer privilegieren will, die im Kampf gegen die Pandemie weit schlechter abschneiden als die Türkei. Erdogan sagte in Richtung Maas: „Wenn du etwas von Politik verstehen würdest, würdest du nicht so sprechen.“

Bereits am 15. Juni 2020 forderte Bayraktar von Außenminister Maas und seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu eine Planungs- und Rechtssicherheit für Türkei-Urlauber.

Bayraktar:

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Sie werden mit Sicherheit eine gemeinsame Sonderregelung für das beliebte Reiseland Türkei finden, die viele Interessen schützt.“

„Viele Familien, die eine enge verwandtschaftliche Beziehung in der Türkei haben oder Sommerurlaub in der Türkei machen wollen, möchten eine schnelle Planungssicherheit für ihre wohlverdienten Sommerferien 2020. Sie möchten, dass wieder viele Flugverbindungen ab deutschen Flughäfen wie z.B. Nürnberg angeboten werden und dass auf dem Landweg die Transitstrecke Deutschland-Türkei sicher geregelt ist. Aufgrund der Planungsunsicherheit sind ebenfalls viele türkischstämmige Inhaber von Reisebüros in Existenznot.“

Vorstand 2019-2021 (von links nach rechts): Hasan Karali (Vorstandsmitglied), Aydın Kaval (stellvertretender Vorsitzender), Bülent Bayraktar (Vorsitzender), Semra Özdemir (stellvertretende Vorsitzende) und Refet Avcı (Vorstandsmitglied)

Corona-Risikogebiet

Die Bundesregierung hat die Türkei am Dienstag – mit 130 weiteren Staaten – als  Corona-Risikogebiet eingestuft und die Reisewarnung verlängert.

Auf der vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Liste stehen auch andere beliebte Urlaubsländer der Deutschen wie Ägypten, Thailand und Marokko. Sie wird regelmäßig aktualisiert. Wer aus einem Risikogebiet wieder nach Deutschland einreist, muss damit rechnen, 14 Tage Quarantäne verordnet zu bekommen, berichtet die tagesschau.

Türkei drängt um Aufhebung der Reiseawarnung

Die Türkei hat die Entscheidung Berlins wiederholt verurteilt.

Alles sei vorbereitet für eine sichere Reise in die Türkei, sagte Cavusoglu dem „Spiegel“ und erklärte: „Die wissenschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung sind für uns nur schwer zu verstehen.“

Zum Thema

– Corona-Krise –
Touristikanbieter drängt auf Reisewarnung-Aufhebung für Türkei

Während die Reisewarnung für Corona-Hotspots, wie Italien und Spanien, am Mittwoch aufgehoben wurden, gilt sie weiterhin für die Türkei.

Touristikanbieter drängt auf Reisewarnung-Aufhebung für Türkei

Auch interessant

Neues Atom-Bündnis: Was hinter dem Mekka-Pakt steckt

Ein Gastbeitrag von Toghrul Hasanzadeh Am 7. August 2026 unterzeichneten der türkische Präsident Erdoğan, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premier Shehbaz...

Bosnien: Fahrzeugkolonne mit über 500 Aktivisten nach Palästina unterwegs

Sarajewo - Mehr als 500 Aktivisten aus über 20 Ländern sind von Srebrenica in Bosnien und Herzegowina im Rahmen des internationalen Konvois „Palestine Convoy“...

Syrien: Baschar al-Assad zum Tode verurteilt

Damaskus - In einem historisch beispiellosen Prozess hat ein syrisches Gericht in der Hauptstadt Damaskus den gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode...

Mekka-Pakt: Experte warnt Türkei vor Saudi-Falle

Mekka – Nach dem historischen Abschluss des gemeinsamen Verteidigungspakts zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan in der saudi-arabischen Metropole Mekka warnen regionale Beobachter vor...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kritisiert. Eine mögliche...

Headlines

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels...

Syrien: Baschar al-Assad zum Tode verurteilt

Damaskus - In einem historisch beispiellosen Prozess hat ein syrisches Gericht in der Hauptstadt Damaskus den gestürzten Präsidenten Baschar...

Mega-Rüstungsdeal: Waffen aus der Türkei an die Ukraine

Washington/Ankara – Es ist das historisch größte Rüstungsgeschäft zwischen der Türkei und der Ukraine seit Beginn des Konflikts: Das...

Meinung

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau so detailliert, so deutlich und...

Neues Atom-Bündnis: Was hinter dem Mekka-Pakt steckt

Ein Gastbeitrag von Toghrul Hasanzadeh Am 7. August 2026 unterzeichneten der türkische Präsident Erdoğan, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premier Shehbaz...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...