Terrorangst in Europa
Anti-Terror-Gesetze: Türkei soll lockern – während EU-Länder verschärfen

Während man von der Türkei erwartet, Terroristen mit Samthandschuhen anzufassen, verschärfen Frankreich und Großbritannien auf Grund von Terrorangst die Sicherheitsvorkehrungen. In Frankreich befürchtet man Anschläge des IS, in Großbritannien Bluttaten radikaler IRA-Abspaltungen.

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London (nex) – Nachdem bereits Frankreich beschlossen hatte, den Ausnahmezustand im Land zu verlängern, hat nun auch Großbritannien seine Terrorwarnstufe erhöht. Die Maßnahme wird mit möglichen Anschlägen irisch-nationalistischer Splittergruppen begründet.

London hat die Terrorwarnstufe für das ganze Land am Mittwoch von „moderat“ auf „substanziell“ hochgestuft. Dies bedeutet, man hält bis auf weiteres Anschläge vonseiten radikaler Abspaltungen der „Irisch Republikanischen Armee“ (IRA) nicht mehr nur für „möglich, aber nicht wahrscheinlich“, sondern für „sehr wahrscheinlich“. In Nordirland wurde die fünfteilige Terrorwarnstufe sogar auf den Level „ernsthaft“ erhöht, was bedeutet, Anschläge werden für „höchst wahrscheinlich“ gehalten.

Damit liegt das langjährige Bürgerkriegsgebiet Nordirland nur noch um eine Stufe unter der höchsten auf der Skala, der „kritischen“ Warnstufe, die gleichbedeutend ist mit einem „unmittelbar bevorstehenden“ Anschlag.


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„Infolge dieser Veränderung arbeiten wir eng mit der Polizei und anderen relevanten Stellen zusammen, um sicherzustellen, dass sich die jeweils erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen in Kraft befinden“, heißt es in einer Erklärung der britischen Heimatschutzbehörde.

Der britischen Innenministerin Theresa May zufolge werde der Hauptfokus der terroristischen Bedrohung auf Nordirland liegen, wo Terroristen „die tapferen Polizisten und Gefängniswärter ins Visier genommen haben, die tagtäglich ihrer Gemeinschaft dienen“. Die Öffentlichkeit sei zu Wachsamkeit aufgerufen und solle der Polizei verdächtige Aktivitäten melden. Die Menschen sollen ungeachtet der Veränderung der Terrorwarnstufe „unbesorgt sein“, so May.


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Im März wurde in Nordirland ein Gefängniswärter ermordet, indem eine Bombe unter einem von ihm gelenkten Wagen zur Detonation gebracht wurde. Die so genannte „Neue IRA“ bekannte sich zu dem Anschlag. Es war die erste politisch motivierte Bluttat durch radikale irische Nationalisten auf britischem Boden seit zwei Bombenanschlägen in London und Birmingham im Jahr 2001.

Bis zum Inkrafttreten eines Abkommens zur Teilung der Macht im Jahre 2007 hatten katholische Nationalisten, die für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland eintraten, und protestantische Unionisten, die einen Verbleib im Vereinigten Königreich anstrebten, einen konfessionell aufgeheizten bewaffneten Konflikt miteinander ausgetragen. Die Milizen der IRA hatten 2005 ihren gewaltsamen Aufstand beendet, einige radikale Splittergruppen wollten diesen Schritt jedoch nicht mitgehen.

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