Ausschreitungen in Dortmund
Deutschland: Syrisches Restaurant bei Pro-Kurden-Demo zerstört

Schwere Ausschreitungen in Dortmund und Stuttgart: Rund 4.000 Demonstranten bei Pro-Kurden-Demo. Ein syrisches Restaurant wurde verwüstet, die Polizei mit Eisenstangen angegriffen.

Teilen

Dortmund – Was als angemeldeter Protest begann, eskalierte am späten Dienstagabend zu einer Spur der Verwüstung. In mehreren deutschen Großstädten sind pro-kurdische Demonstrationen außer Kontrolle geraten.

Besonders in Dortmund kam es zu gezielten Angriffen auf syrische und türkische Gewerbetreibende und massivem Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Die Diskrepanz zwischen Planung und Realität war gewaltig: Während für die Kundgebung in der Dortmunder Innenstadt lediglich 400 Teilnehmer angemeldet waren, schwoll die Menge laut Polizeiangaben rasch auf rund 4.000 Demonstranten an. Die Stimmung kippte innerhalb kürzester Zeit.

„Aggressive Grundstimmung“ und gezielte Sachbeschädigung

Im Zentrum der Ausschreitungen stand ein syrisches Restaurant in der Nähe des Hauptbahnhofs. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen:

Vermummte Personen aus dem Demonstrationszug heraus begannen, Steine, Flaschen und Pyrotechnik gegen das Lokal zu schleudern. Die Schaufensterscheiben gingen zu Bruch, Gäste mussten sich im hinteren Teil des Ladens in Sicherheit bringen. Laut Augenzeugenberichten kam es während des Aufmarsches immer wieder zum Rufen von pro-PKK-Slogans, die in Deutschland als Symbole einer verbotenen Organisation gelten.

Die Polizei Dortmund sprach in einer ersten Bilanz von einer „massiv aggressiven Grundstimmung“. Ein Polizeisprecher erklärte:

„Es kam zu gezielten Angriffen auf Objekte, die dem syrischen Umfeld zugeordnet werden. Zudem wurden Einsatzkräfte mit Eisenstangen und Böllern attackiert. Wir mussten massiv einschreiten, um eine weitere Eskalation zu verhindern.“

In Stuttgart bot sich ein ähnliches Bild. Hier versuchten Demonstranten, Absperrungen zu durchbrechen, um in Bereiche vorzudringen, in denen sich syrische Gruppierungen aufhielten. Die Beamten mussten Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen. Laut Polizeibericht wurden allein in Stuttgart mehrere Beamte verletzt, einer davon schwer.

Restaurantbesitzer unter Schock

Die betroffenen syrischen Gastronomen zeigen sich fassungslos. Viele von ihnen sind selbst vor dem Krieg aus ihrer Heimat geflohen, um in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

„Wir haben mit den Kämpfen dort nichts zu tun. Wir wollen hier nur in Frieden arbeiten“, zitierten Lokalmedien einen sichtlich mitgenommenen Angestellten des verwüsteten Restaurants. Die Angst vor weiteren Übergriffen sitzt nun tief in der syrischen Community in Deutschland.

Hintergrund: Die militärische Lage in Syrien

Der Auslöser für die Wut auf deutschen Straßen liegt in den jüngsten Gebietsgewinnen der syrischen Nationalarmee. Vor wenigen Tagen rückten syrische Regierungstruppen in Regionen im Nordosten ein, die zuvor unter der Kontrolle der kurdisch geführten SDF standen.

Nach dem Scheitern von Verhandlungen über die Entwaffnung kurdischer Milizen übernahm die Armee strategische Punkte wie Raqqa und Tabqa. Die SDF wurde aufgefordert, schwere Waffen abzugeben und Gebiete westlich des Euphrats zu räumen.

Syrien nach dem Fall von Assad: Eine neue Ära

Trotz der militärischen Spannungen versucht die neue Führung in Damaskus, das Land zu befrieden. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 hat die Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Sharaa (ehemals bekannt als Abu Mohammed al-Jolani) die Macht übernommen.

Al-Sharaa hat in internationalen Erklärungen ein inklusives Syrien versprochen. Durch das kürzlich verabschiedete Dekret Nr. 13 wurden den syrischen Kurden erstmals weitreichende kulturelle und sprachliche Rechte sowie die volle Staatsbürgerschaft garantiert.

Der Übergangspräsident betonte, dass in der neuen Republik alle ethnischen Gruppen gleichberechtigt seien. Die Ausschreitungen in Europa zeigen jedoch, dass das Misstrauen zwischen den Gruppen nach Jahren des Bürgerkriegs noch immer tief sitzt.

Auch interessant

Streit um Rentenreform: Lauterbach warnt vor Aus der Rente mit 63

Berlin - Neue Runde im Streit um die "Rente mit 63": Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwochausgabe), die Rentenkommission habe...

Westbank-Journalist Andrey X: „Sie haben auf mich geschossen“

Jerusalem - Der israelische Journalist und Aktivist Andrey X berichtet von einem weiteren gefährlichen Vorfall während seiner Arbeit im Westjordanland. Andrey X berichtet von einem...

Mattner: Israelkritik ist kein linkes Randphänomen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wenn man sich anschaut, wer vor rund 20 Jahren deutliche Kritik an der israelischen Regierung geäußert hat, wird es aus...

Neues Atom-Bündnis: Was hinter dem Mekka-Pakt steckt

Ein Gastbeitrag von Toghrul Hasanzadeh Am 7. August 2026 unterzeichneten der türkische Präsident Erdoğan, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premier Shehbaz...

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht eine neue Ebene. Nach einem...

Headlines

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht...

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels...

Syrien: Baschar al-Assad zum Tode verurteilt

Damaskus - In einem historisch beispiellosen Prozess hat ein syrisches Gericht in der Hauptstadt Damaskus den gestürzten Präsidenten Baschar...

Meinung

Mattner: Israelkritik ist kein linkes Randphänomen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wenn man sich anschaut, wer vor rund 20 Jahren deutliche Kritik an der israelischen Regierung geäußert hat, wird es aus...

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht eine neue Ebene. Nach einem...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...