Kriminalität
Nach Hanau-Anschlag: Schüsse vor Haus des DITIB-Generalsekretärs abgefeuert

Nur wenige Tage nach dem verheerenden Terroranschlag im hessischen Hanau mit insgesamt 11 Toten, sowie Schüsse auf ein weiteres Shisha-Cafe in Stuttgart, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor dem Wohnhaus der Familie des Generalsekretärs des Moscheeverbandes DITIB, Abdurrahman Atasoy in Heilbronn, Schüsse abgefeuert.

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Heilbronn – Nur wenige Tage nach dem verheerenden Terroranschlag im hessischen Hanau mit insgesamt 11 Toten, sowie Schüsse auf ein weiteres Shisha-Cafe in Stuttgart, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor dem Wohnhaus der Familie des Generalsekretärs des Moscheeverbandes DITIB, Abdurrahman Atasoy in Heilbronn, Schüsse abgefeuert.

Auf den ersten Notruf habe die Polizei mit „Sie sind nicht die einzigen, stellen Sie sich nicht so an. Sie müssen warten“, geantwortet. Es seien auch keine Zeugenaussagen aufgenommen worden. Erst am nächsten Morgen seien dann Polizeibeamte erschienen und hätten denn Fall „ernst genommen“, so Atasoy in einer Mitteilung auf Facebook.

Hierzu die DITIB in einer Stellungnahme:

„Der Vorfall ereignete sich nach der gestrigen Sitzung in Ludwigshafen, an der alle Vorsitzenden der DITIB-Landesverbände, KRM-Sprecher Dr. Zekeriya Altug und Vertreter des Bundesverbandes, darunter auch Generalsekretär Abdurrahman Atasoy, teilnahmen.

Nach der Sitzung fuhr Herr Atasoy, selber aus der Region stammend, nach Heilbronn zu seinem Bruder. Als er sein Auto parkte, fielen 5-6 Schüsse in unmittelbaren Nähe. Erschreckt und aus Angst um Leib und Leben, rief seine Schwester sofort die Polizei. Diese jedoch nahm die Anzeige nicht ernst, schickte zwar einen Streifenwagen, der nur vorbeifuhr, ohne mit den Betroffenen zu reden.

Nach einer Nacht in Angst und Schrecken, wartend, dass die Polizei vielleicht doch noch bei der Familie Atasoy das Gespräch sucht, fanden sich am Morgen 5 Patronenhülsen direkt vor dem Hofzugang zu dem allein von der Familie Atasoy bewohnten Haus. Erneut wurde die Polizei telefonisch verständigt, die in einem herablassenden Ton sagte „Sie sind nicht die einzigen, stellen Sie sich nicht so an. Sie müssen warten.“ Die Polizei selbst, die dann vor Ort eintraf, war sehr aufmerksam und hat den Vorfall entsprechend umsichtig aufgenommen.

Das Verhalten der Heilbronner Polizei zum Zeitpunkt der telefonischen Kontaktaufnahme zeigt eindrücklich, dass der Terrorakt in Hanau, die 10 Todesopfer zur Folge hatte, und all die Anteilnahme und Äußerungen von höchsten politischen Stellen und die gebotene Sensibilität und Empathie längst nicht bis in die Niederungen der Polizeiarbeit angekommen sind. Wenn Herr Bundesinnenminister Seehofer von Schutz der Migranten und Muslime redete, kann er nicht nur ihre Gebäude und Einrichtungen gemeint haben, sondern ebenfalls öffentlich bekannte Funktionäre dieser.

Im Nachgang fällt in diesem Zusammenhang rückblickend auf, dass sich in den letzten Wochen eine gefährliche Drohkulisse aufgebaut hat. So wurden vor etwa 2 Wochen die rechten Fensterscheiben an den Privatfahrzeugen von Kazim Türkmen, Vorstandsvorsitzender des DITIB-Bundesverbandes, von Abdurrahman Atasoy, Generalsekretär im DITIB-Bundesvorstand, und von Muharrem Kuzey, Vorsitzender des religiösen Rates im DITIB-Landesverband Köln, eingeschlagen.

Einige Tage danach gingen die Bombendrohungen gegen unsere Moschee ein. Nach dem Terrorakt in Hanau und dem erneuten Beschuss einer Shisha-Bar gestern Abend und dem Übergriff auf Generalsekretär Atasoy kann statistisch nicht mehr von einer zufälligen Häufung von Übergriffen die Rede sein. Dass sich Einzelvorgänge zu einem solchen Drohszenario zusammensetzen und die Polizei davor anscheinend immer noch die Augen verschließt, kann nicht im Sinne eines freiheitlichen liberalen Staates sein.

Wir erwarten, dass Übergriffe gegen Migranten und Muslime, gegen ihre Gotteshäuser und auch kulturellen Einrichtungen von Polizei, Staatsschutz und Politik ernst genommen werden. Wir erwarten, dass ein jeder mit Leib und Leben sich sicher fühlen kann und nicht herablassend behandelt wird, wenn er Vorfälle meldet. Wir wollen nicht vertröstet werden, wir wollen nicht in Angst leben, wir wollen nicht daran zweifeln, ob unsere Bedürfnisse wahrgenommen werden. Wir wollen Ermittlungserfolge und Aufklärung von Geschehnissen, um kruden Verschwörungstheorien nicht anheim zu fallen und um nicht über einen NSU 2.0 nachzudenken. Die Kumulation dieser Vorfälle ist im höchsten Maße beunruhigend und nimmt bedrohliche Ausmaße an, die man nie für möglich gehalten hätte.

Vor dem Familienhaus der Atasoys wurden fünf Patronenhülsen gefunden. Der Staatsschutz wurde benachrichtigt. Vorangegangen waren in den letzten zwei Wochen Bombendrohungen gegen fünf Moscheen, Festnahmen einer Terrorzelle mit 12 Rechtsextremen, die Anschläge auf Moscheen planten, Übergriffe auf Shisha-Cafés in Döbeln & Stuttgart. Und nicht zuletzt, Hanau. Die Forderung an den Staat muss jetzt erst recht sein, nach einer solchen Drohkulisse gegen Menschen mit Migrationshintergrund, kulturelle Vereine & Geschäfte, Muslime, Moscheen und ihre Repräsentanten, Rechte aus den Behörden rauszuwerfen und konkrete Schritte gegen Rechsextremismus in Deutschland einzuleiten.“

 

 

 

 

 

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