Gewalt unter PKK-Aktivisten
Deutsch-Kurdin Kader K.: „Dass ich noch lebe, ist ein Wunder“

Die grausame Attacke auf ihr Leben hatte bundesweit für Empörung gesorgt: Im November 2016 wurde die Deutsch-Kurdin Kader K. aus Hameln im Streit von ihrem Ex-Mann Nureddin K., ebenfalls Kurde mit deutscher Staatsangehörigkeit, mit Messerstichen und Axthieben attackiert, anschließend band er ihr einen Strick um den Hals und schleifte ihren Körper an der Anhängerkupplung seines Autos mehrere hundert Meter weit hinter sich her. 

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Köln (ots) – Die grausame Attacke auf ihr Leben hatte bundesweit für Empörung gesorgt: Im November 2016 wurde die Deutsch-Kurdin Kader K. aus Hameln im Streit von ihrem Ex-Mann Nureddin K., ebenfalls Kurde mit deutscher Staatsangehörigkeit, mit Messerstichen und Axthieben attackiert, anschließend band er ihr einen Strick um den Hals und schleifte ihren Körper an der Anhängerkupplung seines Autos mehrere hundert Meter weit hinter sich her.

Der zweijährige Sohn der beiden saß mit im Wagen. Wie durch ein Wunder überlebte die damals 28-Jährige das Martyrium. Am Mittwoch äußerte sich Kader K. bei stern TV erstmals live zu den grausamen Ereignissen vor knapp anderthalb Jahren. „Dass ich noch lebe, ist ein Wunder, das ich dem lieben Gott verdanke“, sagte die 29-Jährige im Gespräch mit Steffen Hallaschka.

Auch 14 Monate nach der Attacke ihres Ex-Mannes leidet Kader K. noch unter Schmerzen und anderen körperlichen Folgen des Angriffs: „Mein Rücken schmerzt, mein Kopf, die Schultern, der Nacken – und ich werde sehr schnell kaputt und schlapp. Ich kann nicht mehr lange stehen.“ Auch ob sie je wieder arbeiten kann, weiß Kader K. noch nicht. Derzeit streitet sie gemeinsam mit ihrem Anwalt, Roman von Alvensleben, um Leistungen aus dem Opferentschädigungsgesetz. Diese Bemühungen verliefen aber, so von Alvensleben, derzeit noch schleppend:

„Der Fall ist noch nicht geklärt. Opfer benötigen mehr und vor allem schnellere Hilfe. Das ist in unserem Rechtssystem oftmals ein schwieriger Gang. Noch haben wir nicht die Sicherheit, die sie braucht.“

Auch von den im Prozess versprochenen 137.000 Euro Schmerzensgeld sei, so von Alvensleben, noch nichts an Kader K. geflossen. „Wir müssen Zwangsvollstreckungsmaßnahmen einleiten“, kündigte der Anwalt bei stern TV an. Dass ihr Ex-Mann kaum Einsicht zeigt, überrascht Kader K. nicht. Schon bald nach der Hochzeit 2013 hatte ihr Nurretin B. sein wahres Gesicht gezeigt: „Er wollte Menschen unterdrücken, er war ein Diktator. Er hat Menschen herumkommandiert und musste immer alles kriegen, was er wollte.“ Beide sind im Osten der Türkei geboren und haben sich auf einer Kurdendemonstration in Straßburg kennengelernt. Sie war Aktivistin, er habe nur mitgemacht, um sich nach der Trennung von seiner ersten Frau abzulenken, so Kader K. im Gespräch mit Medien.

Nurretin B. hatte sich nach der Tat der Polizei gestellt. Im Mai 2017 wurde er wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt. Kader K. leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Regelmäßig träumt sie von dem Mann, der ihr all das angetan hat: „Ich habe Albträume, in denen ich immer wieder sehe, dass er mich umbringen will. Ich renne immer weg oder verstecke mich und sehe, wie er hinter mir herrennt, wie er grinst und sagt: ‚Ich töte Dich!‘ Bevor er mich packt, wache ich auf.“

Eine Therapie hatte Kader K. bereits begonnen, doch sie verspürte eher eine Verschlechterung ihres Zustandes. Eine neue Therapie will sie aber so bald wie möglich antreten – auch für ihren Sohn Cudi, der bei der Tat im Auto des Vaters saß und alles mit ansehen musste: „Ich möchte mich auf jeden Fall wieder in Therapie begeben, dann aber ambulant. Für mein Kind kämpfe ich weiter, damit es Opferentschädigungsrente bekommt, weil es traumatisiert ist.“ Im November ist ein Buch über die Geschichte von Kader K. erschienen. In „Novemberwut“ verarbeitet sie die Ereignisse, die ihr Leben verändert haben. Obwohl die Erinnerung an den Gewaltexzess ihres Ex-Mannes sie immer wieder schmerzt, geht Kader K. mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Insbesondere, um anderen Gewaltopfern Mut zu machen.

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