Flüchtlingskrise
Griechenland: Wieder verheerende Zustände in den Aufnahmelagern

"Mütter mit kleinen Babys müssen auf nacktem Boden in provisorischen Zelten schlafen und stillende Frauen leiden unter Dehydrierung aufgrund von Wassermangel in einigen Camps. Die Lage wird immer angespannter, auch weil Grundversorgungseinrichtungen wie Toiletten oder Duschen völlig überfüllt sind", so Dimmer, Mitarbeiterin von Save the Children in Griechenland.

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Berlin (ots) – Die Lage für Flüchtlinge, die in Griechenland ankommen, spitzt sich wieder dramatisch zu, verheerende Zustände wie zu Beginn der Krise drohen sich zu wiederholen, warnt die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Die Anzahl der Neuankömmlinge hat sich in einem Monat mehr als verdoppelt – vor allem die geflüchteten Kinder leiden unter den Folgen.

Während in der ersten Julihälfte 560 Menschen in Griechenland ankamen, waren es im August 1.367. Das ist ein Anstieg von 144 Prozent und die höchste Anzahl seit Mai 2016. Es kommt zu einer neuerlichen Überfüllung der Lager, und vor allem Kinder sind dadurch großen Gefahren ausgesetzt. Täglich kommen durchschnittlich 42 weitere Menschen an, im Juli waren es acht.

Obwohl die Zahlen noch deutlich unter denen des Vorjahres liegen, sind die noch bestehenden Unterkünfte vor allem in Lesbos, Chios und Samos völlig überfüllt – eine Folge der vielen geschlossenen Camps und der eingeschränkten Möglichkeiten zum Festland weiterzureisen. Mehr als 10.300 Geflüchtete, davon 3.800 Kinder, sitzen derzeit auf einer Handvoll griechischer Inseln fest.

„Die Situation ist fast wieder so wie zu Beginn der Krise. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge steigt, und wir sehen Szenen, die uns an vergangenen Sommer erinnern. Mit dem Unterschied, dass jetzt die Asylsuchenden noch nicht einmal weiter können und auf den Inseln gefangen sind – in völlig überfüllten Camps und in quälender Hitze“, sagt Katie Dimmer, Mitarbeiterin von Save the Children in Griechenland.

„Mütter mit kleinen Babys müssen auf nacktem Boden in provisorischen Zelten schlafen und stillende Frauen leiden unter Dehydrierung aufgrund von Wassermangel in einigen Camps. Die Lage wird immer angespannter, auch weil Grundversorgungseinrichtungen wie Toiletten oder Duschen völlig überfüllt sind“, so Dimmer. „Es ist beschämend, unter welch dreckigen und unsicheren Bedingungen Flüchtlinge seit mehr als vier Monaten leben müssen – und es ist kein Ende in Sicht“, sagt Dimmer.

„Familien, die vor Tod und Gewalt in ihrem Heimatland geflohen sind, müssen nun weiter in Angst leben, weil sie sich nicht sicher fühlen. Mitarbeitern von Save the Children wurde berichtet, dass Eltern ihre Kinder nicht außer Sichtweite lassen, weil Unruhen in den Camps zunehmen und es große Sicherheitsmängel gibt.“

Save the Children fordert die EU auf, sich dafür einsetzen, dass diese unmenschliche Behandlung der Flüchtlinge und Migranten sofort beendet wird und besonders alleinreisende Kinder nicht in Flüchtlingslagern eingesperrt bleiben – Monate nach ihrer Ankunft in Griechenland. Die EU muss sofort mehr Mittel bereitstellen, damit Griechenland für bessere Unterbringung sorgen, die Asylprozesse beschleunigen und so schnell wie möglich getrennte Familien wieder zusammenführen kann.

Viele Asylsuchende sind frustriert von den Bedingungen in den Camps, und dass sie nicht wissen, wie es weitergeht. Derweil verstärken sich die Schlepperaktivitäten und illegale Grenzübertritte in der Region. Serbien verzeichnet 200 bis 300 Neuankömmlinge täglich, die meisten kommen aus Griechenland.

Seit August 2015 unterstützt Save the Children die betroffenen Flüchtlinge über ganz Griechenland hinweg. Wir sind unter anderem aktiv auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos, in der Attika Region (Athen) und im nördlichen Griechenland.

Hintergrundinformation:

Alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März in Griechenland ankamen, können die Inseln wegen des EU-Türkei-Deals nicht verlassen. Die Bearbeitung der Asylanträge verläuft im Schneckentempo – und die meisten Menschen dürfen die Inseln nicht verlassen, solange ihre Anträge nicht bearbeitet wurden.

560 Menschen kamen vom 01. – 14. Juli 2016 in Griechenland an 1.367 Menschen kamen vom 01. – 14. August 2016 in Griechenland an. Das ist eine Steigerung von 144 Prozent.

Ankünfte gesamt* Ankünfte pro Tag (Durchschnitt)*

1.721 im Mai Mai = 56 1.554 im Juni Juni = 50 1.855 im Juli Juli = 60 1.367 im August August = 90 (Stand: 15.08.2016)

Die Anzahl der Flüchtlinge und Migranten aus den Inseln Chios, Samos und Lesbos*: – Chios = 2.985 (Kapazität der Notunterkunft = 1.100 Menschen) – Samos = 1.364 (Kapazität der Notunterkunft = 850 Menschen) – Lesbos = 4.160 (Kapazität der Notunterkunft = 3.500 Menschen)

* Quelle: UNHCR

 


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