Rechtsradikalismus
Zahl rechtsextremer Konzerte steigt zum ersten Mal seit Jahren

Bislang war ein gegenteiliger Trend zu beobachten: Seit dem Höchstwert im Jahr 2005 (193) war die Zahl fast kontinuierlich gesunken.

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Die Zahl rechtsextremer Musikkonzerte ist 2015 zum ersten Mal seit Jahren wieder spürbar gestiegen.

Nach vorläufigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden fanden im vergangenen Jahr 69 Rechtsrockkonzerte statt, 25 Prozent mehr als im Vorjahr (2014: 55). Das geht aus den Antworten des Bundesinnenministeriums auf parlamentarische Anfragen der Linksfraktion im Bundestag hervor, die die „Welt“ ausgewertet hat.

Bislang war ein gegenteiliger Trend zu beobachten: Seit dem Höchstwert im Jahr 2005 (193) war die Zahl fast kontinuierlich gesunken. Auch nationalistische Liederabende verzeichnen in der Neonazi-Szene offenbar wachsenden Zulauf: In den vergangenen beiden Jahren registrierten die Behörden jeweils mehr als 60 derartiger Veranstaltungen.

Es sind die höchsten bislang dokumentierten Werte (2014: 67; 2015: 64). Bei Liederabenden treten Sänger und Liedermacher, häufig mit Gitarrenbegleitung, auf und tragen völkische und nationalsozialistische Lieder vor. Die steigende Zahl hat womöglich damit zu tun, dass sich Verfassungsschützer bislang auf die Beobachtung der Rechtsrockkonzerte konzentrierten. Laut Rechtsextremismusexperte Jan Raabe hat die wachsende Popularität aber auch damit zu tun, dass Liederabende leichter zu organisieren sind als große Konzerte.

Die meisten Rechtsrockkonzerte haben in den vergangenen zwei Jahren in Sachsen und Thüringen stattgefunden. Die meisten Liederabende gab es in Baden-Württemberg und Thüringen. Wie die Auswertung der parlamentarischen Anfragen weiter ergab, fanden besonders viele Musikveranstaltungen im sächsischen Torgau-Staupitz und im thüringischen Kirchheim statt. Rechtsextremismusexperte Raabe zufolge liegt dies darin begründet, dass die Szene an diesen Orten unkomplizierten Zugriff auf geeignete Immobilien hat.

Tatsächlich gibt es in Torgau und Kirchheim kaum NPD-Wähler – aber jeweils eine einzelne Immobilie, die immer wieder an Neonazis vermietet wird. Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer sagte: „Es ist unerträglich, dass Rechtsextremisten in Thüringen weiterhin ihre Hassmusik spielen.“ Seine Behörde wolle gemeinsam mit der Polizei den Druck auf die Szene erhöhen. Der Einsatz von V-Leuten sei begrüßenswert – auch, um konspirativ stattfindende Konzerte aufzudecken. Kramer: „Wir dürfen nicht das Risiko eingehen, im rechtsextremistischen Bereich blind zu sein.“

 

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