Rassismus in den USA
USA: Uni-Professor fordert zu bewaffnetem Vorgehen gegen Muslime auf

Jerry Falwell jr., Rektor der Liberty University, hat in einer Rede hunderte Studenten dazu aufgefordert, sich Waffen zuzulegen, um „diesen Muslimen ein Ende zu setzen“. Zu diesem Zwecke werde die Universität auch Kurse im Waffenrecht und Umgang mit der Waffe anbieten.

Teilen

Washington (nex) – Nach dem mutmaßlichen Sympathisanten der Terrormiliz IS zugeschriebenen Schussattentat im kalifornischen San Bernardino vor einer Woche, bei dem 14 Menschen getötet und 21 verletzt wurden, erlebt der antimuslimische Rassismus im den USA ein Comeback, das alle bisherigen in den Schatten stellt. So hat Jerry Falwell jr., der Rektor der Liberty University, einer von seinem 2007 verstorbenen Vater gegründeten christlichen Privatuniversität in Lynchburg, Virginia, am Freitag hunderte Studenten dazu aufgefordert, sich Waffen zuzulegen, um „diesen Muslimen ein Ende zu setzen“. Zu diesem Zwecke werde die Universität auch Kurse im Waffenrecht und Umgang mit der Waffe anbieten.

Auch der in Umfragen immer noch auf Platz eins der Wählergunst unter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten liegende Milliardär Donald Trump hat seine rassistische Rhetorik gegenüber Muslimen noch einmal verschärft. Er forderte einen „vollständigen und kompletten Einreisestopp für Muslime in die US, bis die Verantwortlichen in unserem Land herausfinden, was los ist“. Er begründet diese Forderung mit angeblichen Umfrageergebnissen, wonach 25 Prozent aller Muslime die Auffassung vertreten würden, dass Gewalt gegen Amerikaner auf dem Boden der USA als Teil des „weltweiten Dschihad“ gerechtfertigt wäre.

Trump hatte bereits zuvor Forderungen wie jene nach einer „Datenbank für Muslime“ aufgestellt, die Schließung einiger Moscheen gefordert und verlangt, syrischen Flüchtlingen die Aufnahme zu verweigern. Politiker beider Parteien verurteilten die Äußerungen Trumps. Der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sprach von „lächerlichen Kommentaren“ seines „verwirrten“ Gegenkandidaten und erklärte: „Seine ‚politischen‘ Forderungen sind nicht seriös.“ Auch der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, nannte Trumps Kommentare lächerlich.

Der demokratische Kandidat Sen. Bernie Sanders erklärte auf Twitter: „Die USA sind eine starke Nation, wenn wir zusammenstehen. Wir sind schwach, wenn wir es zulassen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit uns spalten.“ Die Favoritin im Rennen um die Obama-Nachfolge, Hillary Clinton, erklärte: „Das ist eine schockierende Rhetorik. Alle, die sich darum bewerben, dieses Land zu führen, sollten sie zurückweisen.“

Die Bürgerrechtsgruppe Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) warf Trump vor, er würde „islamophobe und verfassungsfeindliche Politik normalisieren“. Ibrahim Hooper, der Kommunikationsdirektor von CAIR, erklärte: „Wir haben eine Zunahme islamophober Rhetorik in der Wahlkampfzeit erwartet, aber nicht gedacht, dass wir es bis zurück zur Rhetorik der 1930er Jahre bringen.“

Auch der mittlerweile nach mehreren unsäglichen Äußerungen in der Publikumsgunst im Sinkflug befindliche republikanische Präsidentschaftskandidat Ben Carson hatte einen Tiefpunkt in Punkto Hassrhetorik gesetzt, als er syrische Flüchtlinge mit „tollwütigen Hunden“ verglich. Er hatte in einer Veranstaltung in Alabama gesagt: „Wenn in Deiner Nachbarschaft ein tollwütiger Hund umherläuft, wirst Du diesem wahrscheinlich nichts Gutes zusinnen. Und Du wirst wahrscheinlich Deine Kinder von der Straße nehmen.“ Kritiker sahen in der Äußerung Carsons einen versteckten Aufruf zu Pogromen. Carson hatte bereits zuvor erklärt, ein Muslim solle nicht das Recht haben, US-Präsident zu werden – eine Forderung, die diametral dem Inhalt der US-amerikanischen Verfassung entgegensteht.

 

[paypal_donation_button align=“left“]

 

 

 

Mehr zum Thema:

Auch interessant

„Jüdische Stimme“ darf extremistisch genannt werden

Berlin – Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) hat am 21. September 2026 eine wegweisende Entscheidung im Eilverfahren getroffen: Das Bundesministerium des Innern darf den propalästinensischen Verein...

Berliner Juden verteidigen Linkspartei gegen Vorwürfe

Berlin - Nach dem Erdrutschsieg der Linkspartei bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus schalten sich 150 jüdische Persönlichkeiten direkt in die Regierungsdebatte ein. In einem...

Elif Eralp und der Palästina-Bumerang: Berlins neuer Machtfaktor

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Berlin hat gewählt, und diesmal hat die Hauptstadt dem politischen Establishment einen überdeutlichen Denkzettel verpasst: Die Linke erreicht 25,7 Prozent,...

Nach Wahlsieg in Berlin: Zentralrat der Juden warnt vor Linke-Regierung

Berlin – Die Linke ist bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September stärkste Kraft geworden. Nach dem Wahlsieg fordert der Präsident des Zentralrats der...

Irland: Sportler rufen zum Israel-Boykott auf

Dublin - Mehr als 160 irische Athletinnen und Athleten haben sich in einem offenen Brief an die irische Fußball-Nationalmannschaft der Männer gewandt. Sie fordern...

Headlines

Palästina-Streit: Javier Bardem will P!nk bei UNICEF absetzen

Madrid - Der spanische Oscar-Preisträger Javier Bardem fordert gemeinsam mit über 170.000 Unterzeichnern die Absetzung der US-Sängerin P!nk als...

London: Israelkritische Doku NAZA wird gratis gestreamt

London - Nach einer Rekord-Standing-Ovation von 25 Minuten beim Filmfestival in Venedig, Morddrohungen und dem Vorstoß der israelischen Regierung,...

Erdoğans UN-Rede: Kritik am Sicherheitsrat trifft den Nerv der Zeit

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel US-Präsident Donald Trump drohte vor der UN mit der Vernichtung Irans. Das ist die Art...

Paukenschlag in der Türkei: Erdoğan-Herausforderer Yavaş verlässt die CHP

Ankara – Paukenschlag in der türkischen Politik: Ankara-Oberbürgermeister Mansur Yavaş hat am heutigen Mittwoch seinen Austritt aus der Republikanischen...

Meinung

Nach Karabach: Warum der Frieden zwischen Armenien und Aserbaidschan für Europa wichtig ist

Ein Gastkommentar von Toghrul Hasanzadeh Als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Juli 2026 Baku und Eriwan besuchte, ging es längst nicht mehr nur um...

SPD-Parteichef Lars Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren endlich prüfen

Berlin - SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil hat erneut die ernsthafte Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD gefordert. "Es ist die richtige Zeit. Das...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...