Schengen-Raum
Ukraine: „Verabschiedung vom Russischen Reich“ dank EU-Visafreiheit

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Brüssel (nex) – Es sei für Kiew ein historisches Ereignis, dass das visumfreie Reisen in den Schengenraum der EU nun möglich sei, erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am gestrigen Donnerstag.

„Dies sind historische Tage für die Ukraine, wenn wir nach der Abschaffung der Visumpflicht uns endgültig von der UdSSR und dem Russischen Reich verabschieden“, teilte Poroschenko auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel.

Anfang des Monats durften erstmals ukrainische Staatsangehörige mit biometrischem Reisepass für 90 Tage ohne Visum in den Schengenraum einreisen.

Die Ukraine und die EU stünden einander so nahe wie noch nie zuvor, betonte der ukrainische Präsident: „Es ist eine Freude, einzugestehen,  dass die EU ihr Wort gehalten und den Ukrainern das visumfreie Reisen nach einem sehr dichten Reformprogramm gewährt hat.“

Tusk würdigte die Bemühungen der Ukraine für deren europäische Bestrebungen:

„Sie haben es geschafft, das visumfreie Reisen zu erhalten,  und ich möchte Ihnen für Ihre entschlossene pro-europäische Haltung und Ihren Mut, mit dem Sie Ihre Unabhängigkeit verteidigen, danken.

„Für all Ihre Erfolge, selbst für die kleinsten, mussten Sie mit harter Arbeit und, leider, mit Blut bezahlen. Sie haben nichts umsonst bekommen. Sie verdienen alles, was Sie erreicht haben.“

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Islamkritik
Politikwissenschaftler Mimoun Azizi schleust sich in Islamkritiker-Szene ein

Berlin (tp/nex) – Knapp einen Tag nach der Eröffnung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin kündigt Mimoun Azizi aus persönlichen Gründen an, aus dem politischen Diskurs auszusteigen, die Mitgliedschaft zu beenden. Nun gibt Azizi eine Erklärung ab, die es in sich hat. Ist die Mission „Mimoun Azizi“ vollendet? Hat Azizi die islamkritische Szene absichtlich unterwandert, um an politik-wissenschaftliche Informationen zu gelangen und auszuwerten? Eine Erklärung des marokkanischen Schriftstellers, Referenten, Politikwissenschaftlers, Neurologen sowie Psychiaters Mimoun Azizi erschüttert das soziale Netzwerk Facebook und ruft erstaunen wie raunen hervor. Knapp einen Tag nach der Eröffnung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, die Azizi zusammen mit der Mitinitiatorin, Islamkritikerin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş eröffnet hatte, Azizi bereits seine Mitgliedschaft auf, aus persönlichen Gründen, teilte Azizi darin mit. https://www.facebook.com/OfficialDrAzizi/posts/1587693364595720 Am Dienstagnachmittag dann die nächste Hiobsbotschaft: Unter dem Titel „“ kündigt Mimoun Azizi an, nach genügend erhobenen Daten über Motivation, Absicht und Strukturen der „Islamophoben“ das Ergebnis den zugeneigten Lesern zu präsentieren. Die Erklärung schlägt wie eine Bombe ein, zumal der Rücktritt aus allen Positionen in Zusammenhang mit den selbsterklärten „Reformmuslimen“ und die heutige Erklärung nahtlos ineinander gehen. Hat Azizi sich zu wissenschaftlichen Zwecken in die Szene der Reformmuslime eingeschleust und Informationen gesammelt, um daraus ein Standardwerk für den „neuen Faschismus: Islamkritik, Islamhass und Islamophobie“ zu erarbeiten? https://www.facebook.com/OfficialDrAzizi/posts/1592581554106901 Die Erklärung geht zumindest darauf hinaus. Azizi habe sich laut der jüngsten Erklärung entschlossen, die „Mangelerscheinung“ zur Rezeption von politik-wissenschaftlichen Untersuchungen über politischen Extremismus in Form der Islamophobie in Deutschland zu bereichern und „es für die erfolgversprechendste Methode gehalten, sich unter die selbsterklärten Reformmuslime“ zu mischen, um Motivation, Absicht und Strukturen der Islamophoben zu analysieren. Hierzu habe Azizi sich insbesondere durch „Beziehungs- und Vertrauensaufbau zu den Führern dieser neuen faschistischen Ideologie“ in die Szene eingeschleust und nach zwei Jahren der Bestandaufnahme genügend Material zusammen, um durch  Analyse und Evaluation der Daten die Ergebnisse präsentieren zu können. Laut Azizi sei dazu die Solidarisierung mit der Ideologie, sprich sich in diese Szene einzuschleusen und bis zu deren „Bannerträgern“ vorzudringen, zwingend erforderlich gewesen, um wissenschaftlich fundierte Analysen zu treffen. Dabei sollen Gesprächsmitschnitte, Memos, Niederschriften, Nachrichten und Schriftverkehr die Erwartungen weitaus übertroffen haben, um den „neuen antimuslimischen Faschismus zu enttarnen und in seiner Dimension detailliert darzulegen“, so Azizi weiter. Bislang hat sich niemand aus der Szene der Islamkritiker zu der Erklärung ausgelassen, die sich angesprochen fühlen. Auch ist nicht bekannt, wie die Reaktionen auf die Veröffentlichung von erhobenen Daten ausfallen werden. In Facebook geht das Gerücht umher, dass die betroffenen „Islamkritiker“ alle rechtlichen Schritte in Erwägung ziehen werden, um einer wissenschaftlichen Publikation zuvor zu kommen. Azizi hat sich inzwischen erneut gemeldet und spricht von einer Studie, vor der eine Vielzahl von Menschen Angst bekomme und ihn mit entsprechenden Kommentaren überhäufe.
(Foto: Screenshot/Facebook)
Mimoun Azizi, der vor allem in den letzten Jahren durch islamkritische Äußerungen aufgefallen war, ist u.a. auch Initiator und Mitunterzeichner der , die auch von Seyran Ateş, Necla Kelek, Dr. Lale Akgün, Serap Çileli, Tobias Huch, Ali Ertan Toprak sowie u.a. von Dr. Abdel-Hakim Ourghi mitunterstützt wurden. Mit Ourghi hatte sich Azizi zuletzt zerstritten. Azizi warf Ourghi pauschalen Hass auf Muslime vor.  

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Erschienen bei Turkishpress.

BR-Data Recherche
Wohnungssuche: Menschen mit türkischem und arabischem Namen deutlich benachteiligt

Dortmund (ots) – Bei der Wohnungssuche werden Menschen mit Migrationshintergrund deutlich benachteiligt. Das zeigt eine Recherche der Datenjournalisten von BR und SPIEGEL. Besonders angespannt sei die Lage in München. Dort hätten Bewerber mit ausländischem Namen nur halb so große Chancen wie ein Deutscher, zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden. Sie heißen Ismail Hamed, Aylin Demirci oder Mikolaj Janowski. Ihre Gemeinsamkeit: Sie werden bei der Vergabe von Wohnungsbesichtigungen regelmäßig diskriminiert, und zwar nur aufgrund ihres Namens. Das berichtet der Bayrische Rundfunk. Während der deutsche Mitbewerber zu einer Besichtigung eingeladen würde, erhielten sie eine Absage oder gar keine Antwort. Besonders stark betroffen von dieser Art der Diskriminierung seien Bewerber mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund. Sie würden in jedem vierten Fall, in dem ein deutscher Interessent eine positive Rückmeldung auf seine Anfrage erhält, übergangen. Ismail, Aylin und Mikolaj sind Teil einer Gruppe von fiktiven Testpersonen, die der Bayerische Rundfunk und der SPIEGEL über mehrere Wochen ins Rennen um Besichtigungstermine für Mietwohnungen geschickt haben. Dem Bericht zufolge haben die Datenjournalisten in einem automatisierten Verfahren rund 20.000 Anfragen auf Online-Mietangebote im Internet versendet und 8.000 Antworten erhalten. Die Testpersonen waren nahezu identisch, lediglich ihr Name variierte und ließ auf eine Herkunft aus Deutschland, Polen, Italien, der Türkei und dem arabischen Raum schließen. Wie BR weiter berichtet, habe die Auswertung zudem gezeigt, dass private Wohnungsanbieter stärker diskriminieren als gewerbliche Anbieter. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie seltener Massenbesichtigungen organisieren und bereits bei den Einladungen zu den Besichtigungsterminen härter selektieren.
(Foto. Screenshot/BR Data)
   

Sachsen-Anhalt
Justiz-Affäre: Ministerin wusste von Anruf

Halle (ots) – Der Vorwurf der versuchten Richterbeeinflussung in Sachsen-Anhalt weitet sich aus. Ein umstrittener Anruf von Justiz-Staatssekretär Hubert Böning (CDU) bei einer Richterin am Landgericht Magdeburg war offenbar in der Spitze des Justizministeriums abgestimmt. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung. An einer Besprechung unmittelbar vor dem Anruf am 24. Mai, bei der Bönings Vorgehen Thema war, hat auch Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) teilgenommen. Das bestätigte Ministeriumssprecher Detlef Thiel auf Nachfrage der Zeitung. „Der Vorschlag für den Anruf kam aber vom Staatssekretär“, sagte Thiel. Der Richterrat, dessen Protest die Affäre ausgelöst hat, bekräftigte derweil seine Kritik. Böning habe durch den Anruf „zumindest mentalpsychisch“ Einfluss nehmen wollen, sagte Richter Robert Glinski. Das aber sei durch ein BGH-Urteil ausdrücklich untersagt. Mit seinem Anruf wollte Böning erreichen, dass die Verhandlung eines Gewalttäters aus Quedlinburg vorgezogen wird.

Kinderhilfswerk
Appell an Eltern: Kinder müssen chillen in den Ferien

Präsident Krüger: Entspannung und nicht „büffeln“ – Appell an Eltern Osnabrück (ots) – Das Deutsche Kinderhilfswerk hat zum Beginn der Sommerferien-Saison an alle Eltern appelliert, ihren Kindern in der schulfreien Zeit ausreichend Raum zur Erholung und zum freien Spielen zu lassen. „Chillen und Rumhängen sind bei Erwachsenen häufig mit einem negativen Unterton verbunden. Dabei geht es aber um Entspannungsphasen, die wir Kindern und Jugendlichen genauso wie auch uns selbst zugestehen sollten“, sagte der Präsident der Organisation, Thomas Krüger, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein allzu durchgeplanter Alltag lasse kaum Zeit für Phasen der Langeweile und Ziellosigkeit. „Diese sind für Kinder und Jugendliche aber wichtig, um herauszufinden, wie sie ihre Zeit selbst gestalten können“, betonte Krüger. Diese Phasen hätten ein großes kreatives Potenzial. Im Spiel mit anderen lernen Kinder sich kompetent zu bewegen, soziale Kontakte zu knüpfen, sich in größeren Gruppen zu verhalten sowie sich durchzusetzen und Regeln einzuhalten. „Das bringt mehr als stupides Büffeln in den Ferien und verbessert letztlich auch den schulischen Erfolg“, betonte Krüger.

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"Sauber Trennen"
Laschet will Druck auf Islamverband Ditib erhöhen

Köln (ots) – Der designierte Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet (CDU), will den Druck auf den Islamverband Ditib erhöhen. Laschet sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Unser Ziel ist es, dass die Gemeinden auf Dauer zu einer deutschen Institution werden, die organisatorisch von einem fremden Staat unabhängig sind.“ Ditib müsse sich auf die seelsorgerische Betreuung konzentrieren – und nicht etwa auf innertürkische politische Diskussionen über das Verhältnis von Staatspräsident Erdogan zur Gülen-Bewegung. „Das muss Ditib sauber trennen“, forderte Laschet. „Wenn das gelingt, kann man Partner sein – sonst nicht“, fügte der CDU-Landesvorsitzende hinzu.

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Temperaturanstieg in parkenden Autos
ADAC-Untersuchung: Auch mit offenem Fenster wird’s gefährlich heiß

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München (nex) – Wie schnell und dramatisch die Temperaturen im Auto bei der derzeitigen Hitze steigen können, hat der ADAC untersucht. Drei baugleiche Fahrzeuge wurden dafür bei einer Außentemperatur von rund 28 Grad in die Sonne gestellt. Eins mit geschlossenen Fenstern, bei einem war ein Fenster etwa fünf Zentimeter geöffnet, beim dritten waren zwei Fenster einen Spalt weit offen. Das Ergebnis: In allen Fällen stiegen die Temperaturen im Wageninneren schon nach 30 Minuten auf etwa 50 Grad. Nach einer Stunde lagen die Werte bereits bei rund 57 Grad. Deshalb gilt: niemals Kinder oder Tiere allein im Fahrzeug zurücklassen. Auch während der Fahrt kann große Hitze zu Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten führen. Autofahrer sollten folgende Tipps beachten:

– Mittagshitze meiden: längere Autofahrten in den Morgen- oder Abendstunden antreten.

– Vor Fahrtbeginn das von der Sonne aufgeheizte Fahrzeug gut lüften: Türen, Fenster und Schiebedach öffnen und beim Losfahren wieder schließen.

– Die Klimaanlage sollte nicht zu kühl eingestellt und der Luftstrom nicht direkt auf Körperpartien gerichtet werden (Erkältungsgefahr). Alle Luftaustrittsdüsen öffnen und so einstellen, dass der Luftstrom möglichst über die Schultern der vorne sitzenden Personen geblasen wird. Die Wohlfühltemperatur liegt zwischen 22 und 25°C.

– Für eine schnelle Abkühlung des Fahrzeugs ist es sinnvoll, bei maximaler Kühlleistung kurzzeitig auf Umluftbetrieb zu schalten. – Viel trinken: pro Tag am besten bis zu drei Liter Wasser, Saftschorle oder Tee.

– Luftige und helle Kleidung aus Baumwolle tragen. Wer Ledersitze im Auto hat, sollte keine kurzen Hosen oder Röcke tragen, da sich die Sitze stark aufheizen. Gleiches gilt für das Lenkrad: nicht losfahren, wenn das Steuer zu heiß ist.

– Im Schatten parken. Bei Glasdächern die Abschattung benutzen.

– Kindersitze mit einem Tuch abdecken. Wer sein Auto in der Sonne parken muss, sollte einen Sonnenschutz hinter die Windschutzscheibe legen um die Einstrahlung zu verringern. – Für den optimalen Sonnenschutz die hinteren Seitenscheiben und die Heckscheibe mit einer speziellen Sonnenschutz-Folie bekleben lassen. Diese schützt nicht nur vor UV-, sondern auch vor Infrarot-Strahlung, die für die Hitze im Auto verantwortlich ist.

Wichtig: Das Sichtfeld des Fahrers darf dadurch nicht beeinträchtigt werden.

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Umweltpolitik
SPD erteilt Verbrennungsmotoren-Verbot der Grünen Absage

Düsseldorf (ots) – SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat den Grünen für den Fall einer gemeinsamen Regierungskoalition eine Absage zum Verbot von Verbrennungsmotoren bis 2030 erteilt. „Eine Abkehr vom Verbrennungsmotor schon bis 2030 würde in einem Koalitionsvertrag mit uns keinen Platz haben“, sagte Heil der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Einzelne Beschlüsse der Grünen seien fern der Realität und für die SPD nicht tragbar. „Dazu wissen wir zu gut, was ein solcher Strukturwandel mit sich brächte“, sagte Heil, fügte jedoch hinzu: „Aber auch wir wollen den Umstieg bei Antrieben auf absehbare Zeit.“ Vor dem SPD-Parteitag an diesem Wochenende in Dortmund ging Heil auch einen Schritt auf die Grünen zu. „Die Grünen sind uns wesentlich näher, schon wegen gemeinsamer Regierungsarbeit in der Vergangenheit“, sagte der SPD-Generalsekretär.

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Kommentar
DITIB bietet Beistand, Beratung und unbürokratische Unterstützung im Trauerfall

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Von Yasin Baş Wenn der Tod eines Muslims absehbar bevorsteht, versammeln sich die Angehörigen und Freunde um sein Bett. Dabei wird der Qur’an rezitiert und der Sterbende wiederholt, wenn er dazu in der Lage ist, das islamische Glaubensbekenntnis. Das Glaubensbekenntnis sollten die letzten Worte eines im Sterben liegenden Muslims sein. Unmittelbar nach dem Tod wird die Person von nahen Angehörigen oder von männlichen beziehungsweise weiblichen Religionsgelehrten – je nach Geschlecht des Verstorbenen – rituell gewaschen. Nach der Waschung wird der/die Verstorbene mit einem weißen Leichentuch umhüllt. In der islamischen Praxis ist es üblich, den/die Verstorbene/n auf Grund der klimatischen Verhältnisse in den muslimischen Staaten innerhalb von 24 Stunden beizusetzen. Ein Sarg ist lediglich für den Transport zum Friedhof vorgesehen. Eine der wichtigsten Verpflichtungen der muslimischen Gemeinde ist weiterhin die Verrichtung des Totengebets unter der Anleitung eines Imam. Während dieser Prozedur bittet der Vorbeter die Anwesenden außerdem, mögliche Fehler des Verstorbenen zu vergeben. Daraufhin erwidern die Anwesenden mit lauter Stimme, dass sie dem Verstorbenen verzeihen. Danach wird der Leichnam – wenn möglich – ohne einen Sarg auf der rechten Körperseite liegend, das Gesicht in Richtung Mekka gewandt, in das Grab gelegt. Eine Einäscherung des Toten wird im Islam abgelehnt, weil der Mensch zur Erde zurückkehren soll, von der er stammt. Die Ausrichtung des Toten nach Mekka und die islamische Überzeugung, dass die Grabstätte auf ewig angelegt sein muss, stellt bei der Bestattung von Muslimen die größte Hürde zwischen den zuständigen Behörden und den islamischen Gemeinden dar, weil das gegen die deutsche Beerdigungsvorschriften und die Friedhofssatzungen der Kommunen verstößt. In den letzten Jahren gab es hierbei aber immer öfter Ausnahmeregelungen sowie Kompromisse zwischen islamischen Gemeinden und Kommunen. Viele muslimische Dachverbände in Deutschland bieten Hilfe im Trauerfall an. Dem Dachverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) ist seit 1991 der Verein DITIB-Zentrum für Soziale Unterstützung angeschlossen, der unter anderem bei der Überführung im Todesfall seine Dienste leistet. Vereinszweck „Das Ziel unseres Vereins ist sowohl die Beratung in einem Todesfall, die Organisation der Beerdigung und einer eventuellen schnellen sowie unbürokratischen Überführung in die ‚Heimat‘ als auch die gegenseitige Unterstützung und Hilfe in den schweren Tagen des Abschieds“, sagt Ali Özdemir, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des DITIB-Zentrum für Soziale Unterstützung e.V. Der Verein vermittelt zwischen Angehörigen und den muslimischen Bestattungsunternehmen, nimmt Kontakt mit den türkischen Generalkonsulaten sowie den deutschen Standes- und Bestattungsämtern auf und erledigt vor Ort die Formalitäten. Özdemir weiter: „Wir stellen unseren Mitgliedern in ihrer wohl schwierigsten und schmerzhaftesten Zeit eine schnelle und unbürokratische Hilfe sicher“. Für den Transport der Verstorbenen in das Herkunftsland arbeitet der Verein mit muslimischen Bestattungsunternehmen, zu denen unter anderem auch das interne Bestattungsunternehmen, die DITIB-ZSU GmbH zählt, zusammen. Ali Özdemir betont, dass bei einem Todesfall der Leichnam von den verstorbenen Vereinsmitgliedern oder ihren Angehörigen vom Todesort bis zum Bestattungsort in der Türkei oder in Deutschland überführt werde. Da der Verein seinen Mitgliedern lediglich die Überführung, nicht aber die Bestattung selbst finanziert, könnte der Name „Bestattungshilfe“ vielleicht irritieren. Im Grunde handelt es sich um eine „Überführungshilfe“. Eine Bestattung bieten der Verein und das kooperierende Bestattungsunternehmen zwar ebenfalls an, dies wird aber gesondert kalkuliert. „Der Verein steht sozusagen allen, an der Bestattung nach islamischem Recht, Ritual und Tradition interessierten Personen, Gruppen, Institutionen und staatlichen Stellen als Ansprechpartner zur Verfügung“, erklärt Özdemir. „Er bedient nicht ausschließlich türkische, sondern auch andere in Deutschland lebende Muslime“. Mitgliedschaft Nach Angaben von Serdar Demir, ehemaliger Geschäftsführer der DITIB-ZSU GmbH, in der auch das hauseigene Bestattungsunternehmen integriert ist, könne jede natürliche Person mit Wurzeln in die Türkei, somit auch deutsche Staaatsbürger mit türkischem und muslimischem Hintergrund und deren Ehepartner in den Verein aufgenommen werden. Diese müssen nicht zwingend türkische oder muslimische Wurzeln aufweisen. Für den Erwerb der Mitgliedschaft reicht es, einen Antrag an den Vereinsvorstand zu richten. „Die Mitgliedschaft tritt dann nach 90 Tagen ab dem Eintrittsdatum in Kraft“, sagt Demir. „Arbeits-, Verkehrs- oder sonstige Unfälle während dieser 90 Tage werden aber vom Verein wohlwollend berücksichtigt“. Bedeutend sei der Hinweis, dass der Ehepartner des Mitgliedes und alle ledigen Kinder unter 18 Jahren in die Mitgliedschaft des „Familienoberhauptes“ eingegliedert sind. Mitgliedsbeiträge Die Mitgliedsbeiträge des Vereins sind nach Altersgruppen gegliedert. Mitglieder zwischen 18 und 30 Jahren sind von der Anmeldegebühr befreit. Sie entrichten wie alle anderen Mitglieder aller Altersgruppen einen Jahresbeitrag von 50,00 EURO. Personen ab 31 Jahren zahlen dagegen je nach Alter, eine Eintrittsgebühr zwischen 60,00 EURO und 500,00 EURO. Mitglieder- und Verstorbenenzahlen In dem DITIB-Zentrum für Soziale Unterstützung e.V. sind 217.145 Familien als Mitglieder eingetragen. Als Einzelmitglieder kann der Verein insgesamt 533.331 Personen vorweisen. Bis zum Jahr 2010 sind 24.401 Mitglieder verstorben. Mehr als 99 Prozent der Verstorbenen wurden bis jetzt in die Türkei überführt. Zwischen 2000 und 2005 wurden 10.281 verstorbene Mitglieder in die Türkei transportiert, lediglich 92 wurden in Deutschland bestattet. Zwischen den Jahren 2006 und 2010 wurden 10.472 Personen in die Türkei überführt und 127 Verstorbene in Deutschland beigesetzt. Für das Jahr 2009 weist die Statistik des Vereins 2402 tote auf, von denen 2358 Personen in die Türkei geflogen und 44 Personen in Deutschland beerdigt wurden. Ausblick auf Überführungen in der Zukunft An den genannten Zahlen lässt sich erkennen, dass die überwiegende Mehrheit der Verstorbenen immer noch in die ehemalige „Heimat“ überführt wird. „Da der Verein keine Befragungen zu den Gründen der Überführungen in die Türkei durchführt“, sagt der Sozialwissenschaftler Mehmet Akif Oğuzsoylu, „können nur vage Vermutungen über Wünsche und Beweggründe für die mehrheitlichen Überführungen in das Herkunftsland angestellt werden: Bei den Verstorbenen handelt es sich überwiegend um Menschen aus der so genannten ersten Einwanderergeneration aus der Türkei. Diese Personen fühlen sich immer noch sehr stark mit dem Land verbunden“. „Bei den Generationen der heutigen Jugendlichen und Kinder, also der dritten und mittlerweile vierten Generation, könnte sich eine leichte Veränderung für die Zukunft deuten lassen, da Eltern, deren Töchter und Söhne im Kindes- und Jugendalter in Deutschland versterben, ihre Kinder in ihrer ‚Nähe‘ haben möchten und sie tendenziell in Deutschland beerdigen lassen“, bemerkt Oğuzsoylu. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass heutige Kinder und Jugendliche, die hier geboren werden, hier aufwachsen und ihre Sozialisation in diesem Land erfahren, in Zukunft immer öfter in Deutschland beerdigt werden wollten. „Da Deutschland der Lebensmittelpunkt dieser Jugendlichen ist, können wir von einem ganz natürlichen Prozess einer multireligiösen und multikulturellen Migrationsgesellschaft sprechen“, sagt der Sozialwissenschaftler. Das sei Fakt und zeige sehr wohl, dass der Islam zu Deutschland gehöre, auch wenn bestimmte Kreise medienwirksam das Gegenteil behaupteten. Zudem herrschen in deutschen Friedhöfen mehrheitlich Vorschriften, die die Muslime dazu bewegen, ihre Verstorbenen in ihren Herkunftsländern zu bestatten. Beispielsweise darf in der Bundesrepublik ein Grabfeld nach geltenden Regeln lediglich zwischen 15-30 Jahren bestehen. Wobei es auch hier Ausnahmen gibt. Aber auch auf Grund des in den meisten Kommunen und Friedhofssatzungen bestehenden Sargzwanges überführen noch immer überdurchschnittlich viele Muslime ihre Verstorbenen in ihre Heimatländer. Ein wichtiges Indiz dafür, dass muslimische Einwanderer in Deutschland einheimisch werden, wird dadurch erkennbar, dass die Nachfrage nach muslimischen Grabfeldern hier zunimmt. Mittlerweile bestehen auf zahlreichen deutschen Friedhöfen Sonderregelungen, die eine Erdbestattung oder eine Verlängerung der Ruhefristen in Wahlgräbern garantieren. Andere Friedhofsatzungen gehen Kompromisse ein, die darin liegen, dass die Verstorbenen unter anderem in Leichentücher gewickelt und ohne Sargzwang bestattet werden können. Zahlreiche Bundesländer wie Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder das Saarland haben den Sargzwang auf den Friedhöfen liberalisiert. „Finanzielle Aspekte spielen bei der Wahl des Bestattungsortes wie vielerorts irrtümlich angenommen keine schwerwiegende Rolle, da die Kosten einer Überführung ungefähr dem einer Erdbestattung in Deutschland entsprechen“, betont Serdar Demir in diesem Zusammenhang. Tätigkeitsregionen des Vereins Die DITIB-Zentrum für Soziale Unterstützung GmbH ist heute in den folgenden sieben Regionen in Deutschland vertreten: Region München, Region Nürnberg, Region Stuttgart, Region Frankfurt, Region NRW, Region Münster, Region Berlin durch ihre Filialen vertreten. Hier unterhält die ZSU GmbH neben ihren Bestattungsunternehmen auch zahlreiche Leichenhallen, Reiseagenturen sowie Buchläden. Geplant sind in absehbarer Zeit überdies Vertretungen in den Regionen Karlsruhe, Hannover/Bremen und Hamburg. „Wenn beispielsweise in der Nähe von Stuttgart jemand verstirbt und der Verein die GmbH-Zentrale in Köln darüber benachrichtigt, beauftragen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unverzüglich einen dort angestellten Bestattungsfahrer, der sich unmittelbar um die Angelegenheit kümmert und innerhalb kürzester Zeit mit der Abwicklung der Formalitäten für die Überführung beginnt“, sagt Serdar Demir. Verfahrensweise des Vereins im Sterbefall Liegt ein Sterbe- und damit ein Beihilfefall eines Mitglieds vor, beauftragt der Verein ein Bestattungsunternehmen, in der Regel die hauseigene DITIB-ZSU GmbH. Demir rät den Angehörigen von Verstorbenen für eine noch schnellere Bearbeitung des Hilfefalls, folgende Unterlagen zur Aushändigung für den/die Bestattungsfahrer/in bereit zu halten: „Für eine reibungslose und schnelle Bearbeitung des Hilfefalls benötigen wir den Pass, den Personalausweis und das internationale Familienbuch oder falls er/sie verheiratet war, die Übersetzung der Heiratsurkunde der/des Verstorbenen“. Finde der Todesfall zu Hause statt, so müsse, wenn möglich, der Hausarzt der/des Verstorbenen unterrichtet werden. Wenn dies nicht möglich sei, müsse der Todesbericht durch einen Notarzt ausgestellt werden. Sobald sich die beauftragte Bestattungsfirma mit den Angehörigen der/des Verstorbenen in Verbindung setzt, nimmt sie die für die Formalitäten erforderlichen Unterlagen entgegen. Das beauftragte Bestattungsunternehmen holt danach den Leichnam nach der ärztlichen Untersuchung und der Ausstellung des „natürlichen Todesberichtes“ vom Todesort ab. „Nach Wunsch kann der Leichnam aber auch am Todesort nach islamischen Traditionen gewaschen und in ein Leichentuch eingehüllt werden“, ergänzt Demir. Anschließend finde das Trauergebet statt. Im Todesfall eines nichtmuslimischen Mitglieds beziehungsweise seiner Familienmitglieder werde der Leichnam ebenfalls durch das Bestattungsunternehmen vom Todesort zum Bestattungsort gebracht. Demir berichtet, dass in der Regel die Trauerfeier und die Bestattung von den Familienmitgliedern organisiert werde. Wenn dagegen nach der ärztlichen Untersuchung des Leichnams ein Verdacht bestehe, es handle sich hierbei um einen „fragwürdigen“ Tod, werde der Leichnam von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. „Unsere Mitarbeiter/innen dürfen den Leichnam dann ohne die ‚Freigabebescheinigung’ nicht übernehmen“, berichtet Demir. Dieses Schriftstück wird von der Staatsanwaltschaft in einem gerichtsmedizinischen Bericht ausgestellt. Hiernach beantragt die Firma bei dem zuständigen Standesamt eine „Bestattungserlaubnis“ zum Bestattungsort in Deutschland oder die „Bescheinigung zur Überführung des Leichnams“ zur Bestattung in die Türkei bzw. ins Ausland. Werde der Leichnam in Deutschland beerdigt, so werde er in einem Sarg von dem Bestattungsunternehmen zum Bestattungsort überführt. „Die Kosten für das Grab und die Beisetzung übernehmen aber die Familienmitglieder, hierfür wird keine Beihilfe von dem Verein gewährt“, unterstreicht Demir. Solle der Leichnam dagegen in der Türkei beerdigt werden, so werde er in einem nach internationalen Standards beschaffenen Sarg, von einem deutschen Flughafen aus zu eines der türkischen Flughäfen nach Adana, Ankara, Antalya, Diyarbakir, Elazig, Erzurum, Malatya, Istanbul, Izmir, Kayseri, Konya, Samsun oder Trabzon transportiert. „Von dort aus wird der Leichnam entweder mit einem Fahrzeug der türkischen Stiftung für religiöse Angelegenheiten (TDV) oder mit einem Fahrzeug eines Bestattungsunternehmens zum endgültigen Friedhof überführt“, erklärt Demir. Auch hier obliegen die Bestattungskosten den Familienangehörigen. Erwähnenswert ist ebenfalls, dass die Kosten eines Hin- und Rückflugtickets für eine Begleitperson aus dem Familienkreis der/des Verstorbenen, die bei der Bestattung anwesend sein möchte, nach vorheriger Benachrichtigung des Vereins, erstattet wird. Da die vor mehreren Monaten über Europa schwebende Aschewolke oder das Schneechaos auch die Tätigkeit des Vereins beeinträchtigt habe, weist Demir nochmals darauf hin, dass der Verein für Verspätungen oder Unstimmigkeiten, die durch Behörden, Feiertage, Fluggesellschaften, Witterungen oder Naturkatastrophen entstehen, keine Verantwortung übernehmen könne. Auch wenn solche Probleme manchmal stattfinden und die Mitglieder ungeduldig werden, wie heiße es doch: „Eile mit Weile“.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.  

Israel
Israelischer Politiker: „Die Türken nehmen Jerusalem ein“

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Tel Aviv-Jaffa (nex) – Zwei Mitglieder des rechten Knessetflügels (israelisches Parlament/Anm Red.) haben am heutigen Donnerstag die Einberufung einer Parlamentssitzung gefordert, bei der die andauernde Unterstützung Ostjerusalems und der Al-Aqsa-Moschee sowie die Bereitstellung von Hilfen vonseiten der Türkei erörtert werden soll. Wie die Netanjahu-nahe Tageszeitung Israel HaYom berichtet, verlangten der Rabbi Yehuda Glick, der Mitglied des rechten Likud ist, und Shuli Maalem, Mitglied des ebenfalls dem rechten Flügel zuzuordnenden „Jüdische Heim“ Partei, eine Sitzung des Außen- und Sicherheisausschusses über die bedeutende Rolle der Türkei im vom Israel besetzten Ostjerusalem. Die beiden Abgeordneten stellten den Antrag nach Veröffentlichung eines kritischen Berichts auf der Titelseite der HaYom über die humanitären Aktivitäten der Türkei in der geschichtsträchtigen Stadt. So heißt es in dem Bericht, dass 100 Jahre nach dem Untergang des Osmanischen Reiches die Türkei damit angefangen habe, ihren Einfluss in dem Gebiet wiederzuerrichten, indem sie Millionen US-Dollar an Hilfen in Ostjerusalem und den Al-Aqsa-Moscheenkomplex pumpe, den jüdische Gläubige als den Tempelberg verehren. „Das Hauptziel der türkischen Aktivitäten ist die Bewahrung und Stärkung des muslimischen Erbes und der muslimischen Identität“, heißt es in dem Bericht. Überall seien Türkeiflaggen und türkisches Essen zu sehen, was den Einfluss des Landes in der Stadt zum Ausdruck bringe, ist weiter zu lesen. Des Weiteren wird die zunehmende Popularität der Türkei und ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unter den palästinensischen Einwohnern Jerusalems beklagt. Anfang des Monats hatte der Bürgermeister von Jerusalem Nir Barkat einen Bericht über den zunehmenden Einfluss der Türkei mit dem Titel „Die Türken nehmen Jerusalem ein“ veröffentlicht.

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