Großbritannien
Studie: 150.000 russische Twitter-Konten beeinflussten Brexit

London (nex) – Die von Russland kontrollierten Twitter-Konten seien sowohl in den USA als auch in Großbritannien politisch aktiv gewesen, so Damian Collins, der Leiter der parlamentarischen Untersuchungen von Fake News (gefälschte Nachrichten) in Großbritannien. „Das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein, weil wir erst richtig damit begonnen haben, eine genaue Studie darüber durchzuführen, was Konten, die mit russischen Organisationen verbunden sind, politisch gemacht haben“, sagte Collins gegenüber Medien. Russische Twitter-Konten hätten in den 48 Stunden rund um das Brexit-Referendum im vergangenen Jahr fast 45.000 Nachrichten gepostet. Diese sollten bei der Abstimmung über einen EU-Austritt Zwietracht unter den Wählern Großbritanniens säen. Das berichtet die „Times„-Zeitung am Mittwoch. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine noch nicht veröffentlichte Studie der britischen Swansea Universität und der University of California. Die Studie zeigte, dass aus Russland operierende Twitter-Konten vor dem Referendum am 23. Juni vermehrt über Brexit posteten. Mehr als 150.000 Konten in Russland, die zuvor primär zu Themen wie dem ukrainischen Konflikt posteten, lenkten in den Tagen vor der Abstimmung im vergangenen Jahr ihre Aufmerksamkeit auf Brexit, so die „Times“. Viele der Nachrichten stammten scheinbar von automatisierten Konten – den sogenannten Bots -, oder von Cyborg-Accounts, die stark automatisiert sind, aber einige menschliche Eingriffe haben. Am Tag des Referendums habe ein in der Art gestaltetes – also ein vermeintlich in Deutschland betriebenes – Konto bis zu 20 Mal in einer Stunde gepostet, so eine Analyse des US-Nachrichtensenders CNN. Die Tweets, die mit Brexit-bezogenen Hashtags versehen waren, verspotteten die Warnungen der proeuropäischen Kampagne vor den Folgen eines EU-Austritts und richteten sich gegen den damaligen britischen Premierminister David Cameron, der dafür geworben hatte, in der EU zu bleiben, berichtet die CNN. In einer Volksabstimmung im vergangenen Jahr entschieden sich 51,9 Prozent der Briten für einen Austritt aus der EU. Moskau hat eine Einmischung Russlands beim Brexit sowie den US-Wahlen wiederholt abgestritten und den Westen der anti-russischen Propaganda beschuldigt.

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Im Auftrag der Bundesregierung sollen die Nachrichtendienste untersuchen, ob, wie und mit welchem Ziel Russland möglicherweise mit propagandistischen Mitteln Einfluss in Deutschland nimmt.

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Kemalismus
Türkischer Ministerpräsident: Niemand hat ein Monopol auf Atatürk

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Ankara (nex) – Keine politische Organisation oder Institution habe ein Monopol auf Atatürk und könne den Gründer der Republik Türkei dafür benutzen, die Gesellschaft zu polarisieren, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am gestrigen Dienstag. „Weder die [regierende] AKP als Institution noch die Mitglieder der AKP müssen ihre Pro-Atatürk-Haltung unter Beweis stellen“, stellte Yildirim klar. Seine Äußerungen fielen nachdem die Opposition die positive Erwähnung des Staatsgründers durch die regierende AKP in den letzten Monaten und besonders während nationaler Gedenkfeiern zum 79. Todestag Atatürks am 10. November. kritisiert hatte. „Atatürk ist der gemeinsame Wert dieses Landes“, erklärte Yildirim und und ergänzte, dass die AKP die „stärkste Gewissheit des Säkularismus“. „Niemand kann Atatürk von den religiösen Menschen in der Türkei trennen“, unterstrich Yildirim und fügte hinzu: „Atatürk gehört zu unseren Werten genauso wie Sultan Mehmet der Eroberer.“ Gemeint ist der osmanische Sultan, der 1453 Konstantinopel erobert hatte. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor Kurzem erklärt, die AKP habe sich den Schutz des Vermächtnisses von Mustafa Kemal Atatürk und dessen Bewahrung vor „ideologischer Bigotterie, die seinen Namen instrumentalisiert“, zum Ziel gesetzt. „Es gibt nichts Natürlicheres als den Respekt für einen Namen, der so einen Kampf geführt hat, um einen wertvollen Platz im Herzen des Volkes zu haben“, sagte Erdogan bei einer Veranstaltung zum 79. Todestag Atatürks. Er wies des Weiteren darauf hin, dass der Name Atatürks von „bestimmten Mentalitäten als Werkzeug für ideologische Zwecke“ benutzt worden sei. Erdogan kritisierte die von Atatürk gegründete Republikanische Volkspartei (CHP), die Hauptopposition im türkischen Parlament, weil sie Atatürks Namen missbrauche und sein Erbe nicht schütze.  

Drogeriemarkt Müller
Kommentar zu: „Security schlägt auf Muslima ein“

Von Tarek Bae In Wien schlug ein Security-Mitarbeiter der Ladenkette „Müller“ auf eine Frau ein, die angeblich etwas geklaut haben soll, was laut Polizei aber nicht der Fall war. Der Vorfall wurde gefilmt und sorgt in Österreich derzeit für Diskussion. Wie sich die Reaktionen abspielen, ist ein Sinnbild für eine weitverbreitete Geisteshaltung in unserem Nachbarland. Während mehrere Augenzeugen berichten, dass der Mitarbeiter zwei Begleiterinnen der Angegriffenen „Kopftuchschlampe“ nannte und die betroffene Frau derartig brutal verprügelte, dass sie unter Schock steht, wird er von vielen Kommentatoren gerechtfertigt. „Müller“ selbst leistete sich einen Skandal, als zunächst die Gewalt geleugnet und den drei Frauen aggressives Verhalten vorgeworfen wurde, obwohl den Frauen, ebenfalls vor Zeugen, zunächst ein Gutschein angeboten wurde, den Vorfall nicht öffentlich zu machen.
Kurze Zeit später erschien ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der Mitarbeiter eine der Frauen gewalttätig angeht. Während man Kindergeschrei hört und mindestens zwei Personen (vielleicht die anderen beiden Frauen) „hören Sie auf“ rufen und versuchen, sich vor die am Boden liegende Frau zu stellen, werden sie von einer anderen Müller-Mitarbeiterin weggehalten. Obwohl die Müller-Darstellung sich als absolut falsch herausstellte und die Polizei nach Sichtung der Tatsachen ausschließlich Ermittlungen gegen den Mitarbeiter aufnahm, wird mit Nachdruck versucht, ernsthaft der verprügelten Frau eine Schuld nachzusagen und den rassistischen Gewalttäter in Schutz zu nehmen. Seien wir ehrlich, wäre die betroffene Österreicherin keine Muslima und der Angreifer der Muslim, hätten wir nun wieder eine „Kulturdebatte“. So aber bleiben Politik und Medien bislang unkritisch. Das ist ein Freifahrtschein für Rassismus, Islamfeindlichkeit und vor allem Gewalt gegen Frauen. Die Rechtfertigungsversuche, die ohne Wenn und Aber klingen wie „die Zicke wird es wohl irgendwie verdient haben“, beweisen unmissverständliche Frauenverachtung und ja, davon können auch Frauen betroffen sein.

USA
Mattel: Barbie nun auch mit Kopftuch

El Segundo (nex) – Wie der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel am Montag auf seiner Webseite mitteilte, gibt es nun auch ein Barbie-Modell mit Kopftuch. Für die neue Puppe in der „Sheroes“-Kollektion habe die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad als Vorlage gedient, so das Unternehmen. Die 31-jährige Olympiateilnehmerin bedankte sich mit einem Tweet bei Mattel: „Vielen Dank Mattel, mich als das neueste Mitglied der Barbie Shero Familie anzukündigen! Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die sich für einen Hidschab entschieden hat“, so Muhammad. Mit den „Sheroe“-Puppen, deren Namen sich aus den englischen Wörtern „she“ (sie) und „hero“ (Held) zusammensetzt, will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die Mädchen inspirieren sollen. Im vergangenen Jahr war Muhammad als erste US-Sportlerin mit Hidschab bei den olympischen Spielen in Rio angetreten.  

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Die 30-jährige amerikanische Muslima Ibtihaj Muhammad betreibt seit 17 Jahren den Fechtsport. Im August tritt sie in Rio de Janeiro für das US-Olympiateam an.

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Justiz
Hamburg: Prozessbeginn gegen mutmaßlichen PKK-Chef

Hamburg (nex) – Vor dem Hamburger Oberlandesgericht muss sich seit Dienstag  ein früherer mutmaßlicher Gebietsfunktionär der in Deutschland verbotenen Terrororganisation PKK verantworten. Wie Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP berichten, soll der 33-Jährige zwischen 2013 und 2014 den Hamburger PKK-Bezirk geleitet haben. Laut Anklageschrift koordinierte er dabei organisatorische, finanzielle und propagandistische Vorgänge. Erst im Juli hatten deutsche Gerichte Haftstrafen gegen zwei hochrangige PKK-Funktionäre ausgesprochen. Nach der Verurteilung des 47-jährigen Mushin K. (Deckname “Delil”) in Stuttgart hatte das Hamburger Oberlandesgericht einen weiteren PKK-Funktionär für schuldig erklärt. Das Hamburger Oberlandesgericht hatte einen Mann aufgrund seiner führenden Rolle bei Aktivitäten der Terrororganisation PKK zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der ehemalige PKK-Funktionär Zeki E. soll für die PKK Spenden gesammelt und Propagandaveranstaltungen organisiert haben. Die PKK wird seit 1993 in Deutschland als Terrororganisation eingestuft. Das Gericht in Hamburg gab in einer Erklärung bekannt, dass der unter dem Decknamen Siyar agierende Angeklagte in den Jahren 2013-2014 der Anführer bei PKK-Aktionen in Darmstadt, München und Berlin gewesen sei. Das Gericht wies darauf hin, dass die PKK eine besonders gefährliche Terrororganisation sei, sprach jedoch ein milderes Urteil,  da der Mann noch nie zuvor straffällig geworden sei und bereits mehrere Jahre in einem türkischen Gefängnis verbracht habe. Die türkische Regierung hat bereits mehrfach Deutschland dazu aufgerufen, eine entschiedenere Haltung gegenüber den Aktivitäten der PKK einzunehmen, die auch in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wjrd. Die PKK hat unter den kurdischen Einwanderern mehr als 14.000 Anhänger und hat laut dem Verfassungsschutz 2015 mehr als 13 Millionen Euro gesammelt.

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– Düsseldorf – Verletzte Polizisten: Deutsche verurteilen PKK-Demos

Die hohe Gewaltbereitschaft der Teilnehmer bei PKK-Demos lässt die anfänglichen Sympathien für die in Deutschland seit 1994 verbotenen Terrororganisation in der Bevölkerung stark sinken. In den sozialen Netzwerken verurteilen immer mehr Menschen die Aktionen, und in den Kommentaren machen sich Zorn und Unmut bemerkbar.

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Bundesverfassungsgericht
Keine volle Übernahme von Wohnkosten für Hartz-IV-Empfänger

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Karlsruhe (ots) – Hartz-IV-Empfänger haben keinen Anspruch auf eine volle Übernahme ihrer Wohn- und Heizkosten. Vor den Sozialgerichten wird immer wieder darum gestritten, ob im Rahmen des Bezugs von Arbeitslosengeld II die Kosten für die Wohnung nicht nur in „angemessener“, sondern in tatsächlicher Höhe übernommen werden. Das Sozialgesetzbuch beschränkt die Erstattung auf „angemessene“ Aufwendungen. Die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat in einem heute veröffentlichten Beschluss entschieden, dass diese Begrenzung mit dem Grundgesetz zu vereinbaren ist. Der Gesetzgeber muss keinen Anspruch auf unbegrenzte Übernahme der Wohnungskosten vorsehen.
Es sei „verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Gesetzgeber keinen Anspruch auf unbegrenzte Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung normiert hat. Zwar betrifft diese Bedarfsposition die grundlegende Lebenssituation eines Menschen. Doch ergibt sich daraus nicht, dass auch jedwede Unterkunft im Falle einer Bedürftigkeit staatlich zu finanzieren und Mietkosten unbegrenzt zu erstatten wären“, so das Bundesverfassungsgericht in der heutigen Mitteilung. Der Gesetzgeber dürfte „den unbestimmten Rechtsbegriff der Angemessenheit verwenden“, um die Kostenübernahme für Unterkunft und Heizung auf einen Betrag zu begrenzen, der für vergleichbare Wohnungen im „unteren Preissegment“ üblich sei. Sachverhalt: Die Beschwerdeführerin bezieht Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Sie bewohnt alleine eine 77 qm große Wohnung, für die das Jobcenter die Miet- und Heizkosten zunächst vollständig und seit 2008 nur teilweise übernahm. Ihre Klage auf vollständige Kostenübernahme wies das Sozialgericht ab; Berufung und Revision blieben erfolglos. Mit ihrer Verfassungsbeschwerde trägt sie vor, in ihrem Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum verletzt zu sein. Daneben hat das Sozialgericht Mainz dem Bundesverfassungsgericht zwei Verfahren vorgelegt, weil es die Regelung in § 22 Abs. 1 Satz 1 Sozialgesetzbuch (SGB) II zu den Kosten der Unterkunft und Heizung für verfassungswidrig hält.      
     

Hohe Geldbußen vor allem im Ausland
Winterreifenmuffel werden zur Kasse gebeten

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München (nex) – 60 bis 80 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg riskieren Autofahrer, die jetzt trotz winterlicher Straßenverhältnisse mit Sommerreifen unterwegs sind. Das Verbot betrifft auch die Fahrzeughalter: Ihnen droht laut ADAC eine Geldbuße von 75 Euro, wenn sie eine solche Fahrt anordnen oder zulassen. Wer mit Sommerreifen auf Schnee einen Unfall hat, dem kann die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit die Leistung erheblich kürzen. Auch auf die Haftpflichtversicherung kann dies Auswirkungen haben. Im europäischen Ausland sind die Strafen für Verstöße gegen die Winterreifenpflicht teils deutlich höher. In Tschechien etwa werden bis zu 92 Euro, in Frankreich 135 Euro und in Italien bis zu 338 Euro fällig. In Österreich kann das Bußgeld in besonders schweren Einzelfällen bis zu 5.000 Euro betragen. Autofahrer müssen in Österreich von Anfang November bis 15 April bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterreifen montiert haben. Ansonsten drohen im Regelfall 35 Euro Bußgeld. Österreich und Tschechien schreiben eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern vor, was der Empfehlung des ADAC auch für deutsche Autofahrer entspricht. Hierzulande fordert der Gesetzgeber lediglich 1,6 Millimeter Profil. Keine generelle Winterreifenpflicht gibt es in der Schweiz. Autofahrer riskieren aber Bußgelder, wenn sie auf verschneiten Straßen mit ungeeigneter Bereifung den Verkehr behindern. Bei einem Unfall mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen droht dem Fahrer eine erhebliche Mithaftung. In Tschechien gilt seit 1. November bis 31. März eine allgemeine Winterreifenpflicht. In Frankreich werden Winterreifen situationsbedingt durch Schilder vorgeschrieben. Bei Unfällen mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen droht dem Fahrer eine erhebliche Mithaftung. Auch in Italien gibt es keine einheitliche Regelung: Hier entscheiden die lokalen Behörden häufig situationsabhängig. Eine Ausnahme ist Südtirol: Hier besteht bis 15. April eine generelle Winterreifenpflicht auf der Brennerautobahn (A22) und im Stadtgebiet Bozen. Bei winterlicher Witterung sind in ganz Südtirol Winterpneus vorgeschrieben.

Druck auf Ballungsgebiete
Studie: Bis 2030 Neubau von 4,4 Mio. Wohnungen nötig

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Frankfurt am Main (ots) – Rund 278.000 neue Wohnungen sind im Jahr 2016 in Deutschland fertiggestellt worden – doch der Neubau bleibt weiter deutlich hinter der Nachfrage zurück, vor allem in den Ballungsgebieten. Im vergangenen Jahr wurden 90.000 bis 120.000 Wohnungen weniger fertiggestellt als erforderlich, um bestehende Wohnungsengpässe zu beseitigen. 600.000 Baugenehmigungen warten derzeit auf Umsetzung Eine aktuelle Analyse von KfW Research unter Beteiligung des Forschungsinstituts empirica belegt: Der anhaltende Trend zur Urbanisierung und Zuwanderung treiben den Neubaubedarf nach oben. Kein Engpass hingegen besteht bei den Baugenehmigungen – über die letzten Jahre hat sich ein Überhang von 600.000 Wohnungsbaugenehmigungen angehäuft, der auf Umsetzung wartet. „In der öffentlichen Debatte wird der Schwarze Peter gerne den Kommunen zugeschoben, deren langwierige Genehmigungsverfahren für den Wohnungsmangel verantwortlich sein sollen. Einer empirischen Überprüfung hält dieser Vorwurf jedoch kaum Stand. Das Fertigstellungsdefizit entsteht vielmehr dadurch, dass genehmigte Bauvorhaben oftmals nur mit Verzögerungen oder gar nicht fertiggestellt werden“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Für die Verzögerung bei der Umsetzung von Baugenehmigungen gibt es verschiedene Ursachen: So dauert der Bau von größeren Mehrfamilienhäusern auch bei zügigem Baufortschritt oftmals länger als 2-3 Jahre. Ebenso spielen Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft eine Rolle, die durch die anhaltende Hochkonjunktur am Bau seit Jahren stark ausgelastet ist. Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich außerdem das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen. Ohne Intensivierung der Bautätigkeit werden Wohnraumknappheit und Mieten insbesondere in Berlin, Hamburg, München und dem Rhein-Main-Gebiet in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Druck auf Ballungsgebiete steigt durch anhaltende Urbanisierung Bis 2020 wird die Bevölkerung im Bundesgebiet durch Arbeitnehmerzuzug insbesondere aus EU-Mitgliedstaaten auf einen Spitzenwert von rd. 83 Mio. ansteigen, wodurch der Druck auf die Wohnungsmärkte vor allem in Ballungsgebieten zunehmen wird. Bis 2030 Neubau von 4,4 Mio. Wohnungen nötig, um steigende Nachfrage zu bedienen Um die Nachfrage nach neuen Wohnungen auch längerfristig zu befriedigen, müssen bis 2030 4,4 Mio. neue Wohnungen entstehen, rund die Hälfte davon dürfte auf Ein- und Zweifamilienhäuser entfallen. „Bereits der Abbau des bestehenden enormen Überhangs von Baugenehmigungen würde erheblichen Druck von den angespannten Wohnungsmärkten nehmen. Um die Situation mittel- bis längerfristig zu verbessern, brauchen wir nicht nur Empfehlungen zur Senkung von Baukosten, sondern auch Ideen für ganzheitliche Ansätze, um Bauvorhaben grundsätzlich schneller umzusetzen“, sagt Zeuner. Die aktuelle Analyse von KfW Research zeigt jedoch auch, dass sich die Probleme auf den Wohnungsmärkten perspektivisch verschieben: Während derzeit vor allem die akuten Engpässe in den Ballungszentren im Zentrum der Diskussion stehen, werden ab dem nächsten Jahrzehnt steigende strukturelle Leerstände in den Fokus der Betrachtung von Wohnungspolitik und Kommunalentwicklung rücken: „Nach 2020 ist ein Rückgang der Bevölkerung zu erwarten. Bei anhaltender Urbanisierung dürfte steigender Wohnungsleerstand vor allem in strukturschwachen, dünn besiedelten Gebieten die wirtschaftspolitische Herausforderung des nächsten Jahrzehnts in Deutschland werden.“

Warschau
„Judenfreies Polen“: Israel verurteilt „Rassisten-Marsch“

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Warschau (nex) – Bei einer Demonstration am Samstag von Zehntausenden von Rechtsextremisten in Warschau riefen Teilnehmer auch antisemitische Parolen wie „Juden raus aus Polen“. In einer Stellungnahme verurteilte heute die israelische Regierung den Marsch und forderte Warschau auf, gegen die Gruppen vorzugehen, die den Marsch organisiert haben. „Dies ist ein gefährlicher Marsch, angezettelt von Rechtsextremisten und Rassisten. Wir hoffen, dass die polnische Regierung Schritte gegen die Organisatoren unternimmt“, so der Sprecher des israelischen Außenministeriums Emmanuel Nahshon gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). „Die Geschichte lehrt uns, dass wir gegen Rassismus und Hass so schnell und so entschlossen wie möglich vorgehen müssen“, so Nahshon weiter. Die Versammlung war anlässlich des 99. Jahrestags der Unabhängigkeit Polens 1918 veranstaltet worden und stand in diesem Jahr unter dem Motto „Wir wollen Gott“. Medienberichten zufolge riefen einige Demonstranten Parolen wie „Flüchtlinge, haut ab“ oder „Ein reines Polen, ein judenfreies Polen“, sowie „Juden raus aus Polen“. Laut Zeugenberichten habe es sogar Parolen für einen „Islamischen Holocaust“ gegeben. Unter den Teilnehmern befand sich auch eine Delegation der italienischen rechtsextremen Partei Forza Nuova. https://twitter.com/AnpiBrescia/status/930041454440996864 Das polnische Außenministerium hat den Aufmarsch verteidigt. Man verurteile „rassistische, antisemitische und ausländerfeindliche Ideen“, so ein Sprecher gegenüber der AP, doch sei die Demonstration „im Wesentlichen ein Ausdruck patriotischer Werte“ gewesen. Etwa 60.000 Menschen, darunter auch Familien und Kinder, nahmen an der Kundgebung teil. Einige Demonstranten trugen rechtsradikale Symbole und machten Hitlergrüße. Banner mit Parolen wie „Weißes Europa“ oder „Reines Blut“ seien zu lesen gewesen.

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Während sich heutzutage in kürzester Zeit Tausende Polen mobilisieren lassen, um gegen Flüchtlinge zu demonstrieren, und dieses von AfD-Wählern in Deutschland hochgelobt wird, waren im zweiten Weltkrieg Hunderttausende polnische Flüchtlinge im muslimischen Iran herzlich willkommen geheißen worden.

Geschichte: Polnische Flüchtlinge im muslimischen Iran
     

Finanztransaktionssteuer
Grüne und SPD offen für Tajani-Vorschlag zur Aufstockung des EU-Haushalts

Osnabrück (ots) – Finanzexperte Giegold (Grüne): „Es ist gut, dass der EU-Parlamentspräsident die Finanztransaktionssteuer wieder auf die Agenda setzt“ – SPD-Europapolitiker Bullmann kritisiert Blockadepolitik der Christdemokraten Der Vorschlag von EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, den EU-Haushalt mit Hilfe der Einnahmen aus einer Steuer auf Finanzgeschäfte kräftig aufzustocken, stößt bei Grünen und SPD auf Wohlwollen. „Es ist gut, dass Tajani die Finanztransaktionssteuer wieder auf die Agenda setzt. Wenn wir mehr europäische Investitionen wollen, brauchen wir auch europäische Einnahmen“, sagte der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch alle Jamaika-Sondierer müssten eingestehen: „Wer Investitionen der EU will, muss auch sagen, woher das Geld dafür kommen soll. Umschichtungen im Haushalt weg von der Agrarpolitik sind sinnvoll, werden aber realistisch gesehen, nicht genügen“, betonte der Finanzexperte der Grünen. Giegold sagte weiter: „Europäische Handlungsfähigkeit gibt es nicht ohne finanzielle Ausstattung. Eine Finanztransaktionssteuer ist ein gesellschaftlich faires Instrument, um gemeinsame Investitionen zu finanzieren. Keine Steuer hat einen so geringen Steuersatz, aber eine so große Wirkung.“ Mit den Einnahmen könnte Europa in den sozialen Zusammenhalt, digitale Infrastruktur und die ökologische Modernisierung investieren. Auch der Chef der deutschen Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann, zeigt sich offen für den Vorschlag des christdemokratischen Parlamentspräsidenten. „Der europäische Haushalt könnte eine kräftige Aufstockung vertragen. Ständig werden neue Aufgaben auf Europa übertragen, ohne dass eine entsprechende Mittelausstattung stattfindet“, sagte Bullmann der NOZ. Die Einführung der Finanztransaktionssteuer sei überfällig. „Sie wird allerdings von den europäischen Finanzministern seit Jahren blockiert. Hier müsste Herr Tajani vor allem seine eigenen Parteifreunde von der Europäischen Volkspartei ins Gewissen reden“, forderte SPD-Politiker Bullmann.

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Der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, hat Deutschland und die übrigen EU-Staaten im Skandal um die Paradise-Papers-Enthüllungen aufgefordert, europäische Steueroasen wie Malta, Luxemburg oder Irland zu bekämpfen.

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