Frankreich
Hacker erbeuten Pläne von Atomanlagen

Hamburg (nex) – Bei einem Angriff auf ein französisches Bauunternehmen konnten Hacker zahlreiche Dokumente zu kritischer Infrastruktur wie Atomkraftwerken, Gefängnissen und Straßenbahnnetzen erbeuten. Der Konzern Ingérop, der seinen Hauptsitz nahe Paris hat und weltweit an großen Bauprojekten beteiligt ist, bestätigte den Angriff auf Anfrage. Das berichtet die Tagesschau unter Berufung auf eine Meldung des NDR. Der dabei kopierte Datensatz, der dem NDR vorliegt und den Reporter gemeinsam mit der „Süddeutschen Zeitung“ und „Le Monde“ ausgewertet haben, umfasst mehr als 65 Gigabyte. Darunter sind Pläne der Standorte von Videokameras, die in einem französischen Hochsicherheitsgefängnis eingesetzt werden sollten, Unterlagen zu einem geplanten Atommüll-Endlager im Nordosten Frankreichs und persönliche Informationen zu mehr als 1200 Ingérop-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch einige firmeninterne E-Mails sind Teil des Datenlecks.  

Türkei
„Islamische Pflicht, Erdogan zu folgen“: Uni-Direktor tritt nach Äußerungen zurück

Ankara (nex) – Ein Universitätsrektor in der südosttürkischen Provinz Şanlıurfa ist zurückgetreten, nachdem seine Äußerungen, es sei eine „islamische Pflicht“, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu folgen, heftige Reaktionen hervorriefen. „Meine persönlichen Bemerkungen während einer TV-Sendung eines privaten Fernsehkanals wurden leider manipuliert um damit auch unseren angesehenen Präsidenten zu schädigen“, so Prof. Ramazan Tasaltın in einer Stellungnahme am heutigen Donnerstag. „Um meine Universität und das Büro des Präsidenten nicht zu untergraben, verlasse ich meinen Posten“, so Tasaltin. „Es ist eine islamische Pflicht dem Präsidenten zu gehorchen. Dem Präsidenten entgegenzutreten bedeutet dagegen, dass Sie ein Deserteur sind“, hatte Taşaltın angeblich in einer Fernsehsendung am 30. Oktober gesagt. Die Bemerkungen des Rektors wurden nicht nur von der Opposition, sondern auch von Mitgliedern der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, scharf verurteilt. Der Oberste Bildungsrat der Türkei (YÖK) hat ebenfalls am 1. November eine Erklärung veröffentlicht, in der er den Rücktritt von Tasaltın bestätigt. „Daher wird wieder einmal deutlich, dass es wichtig ist, dass alle unsere geschätzten Pädagogen in unserer akademischen Gemeinschaft, und insbesondere die Administratoren, die Entscheidungsbefugnisse haben, gemessen, vernünftig, wissenschaftlich und respektvoll gegenüber sozialen Empfindlichkeiten in ihren Worten und Handlungen sind“, so die YÖK-Erklärung.

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– Royal Islamic Strategic Studies Centre –

Weltrangliste 2019: Erdogan einflussreichster Muslim der Welt

„Während seiner Amtszeit hat die Türkei ein beispielloses Wirtschaftswachstum, eine Verfassungsreform und ein Wiederaufleben als globale Großmacht erlebt“, so die Veröffentlichung.

Weltrangliste 2019: Erdogan einflussreichster Muslim der Welt

Türkischer Staatsanwalt: Khashoggi wurde erwürgt

Istanbul (nex) – Der Körper des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi wurde nach seiner Ermordung im saudischen Konsulat zerstückelt, teilte die Staatsanwaltschaft Istanbul am Mittwoch mit. Khashoggi wurde demnach kurz nach seinem Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul erdrosselt. Anschließend sei der 59-jährige ehemalige Kolumnist der US-Tageszeitung Washington Post zerstückelt und die Körperteile seien fortgeschafft worden. Die Ermordung und die Beseitigung der Leiche erfolgten gemäß einem „vorgefassten Plan“. Bisher berichteten Medien, unter Berufung auf angebliche Tonaufnahmen, dass Khashoggi vor seinem Tod gefoltert und bei lebendigem Leibe zerstückelt wurde.

Zum Thema

– Fall Khashoggi – Interview: Khashoggi sah in der Türkei ein neues Osmanisches Reich

Jamal Khashoggi, der Berichten zufolge im saudischen Konsulat in Istanbul getötet wurde, betrachtete die Türkei als ein Schlüsselland für einen neuen Nahen Osten.

Interview: Khashoggi sah in der Türkei ein neues Osmanisches Reich

Türkei
Türkisches Ölbohrschiff „Fatih“ beginnt Bohrungen im Mittelmeer

Antalya (nex) – Ein türkisches Schiff beginnt am Mittwoch mit den Bohrungen nach Öl und Gas im Mittelmeer, sagte Energieminister Fatih Dönmez gegenüber Reportern am Dienstag.
Bei der Eröffnungszeremonie sagte der türkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, Fatih Dönmez, dass die Türkei für Bohrarbeiten fortan ihr eigenes Schiff nutzen werde, um die
Ressourcen besser zu nutzen.
„Unser Ziel ist es, mit dem Fatih-Schiff im Durchschnitt zwei Bohrungen pro Jahr vorzunehmen“, sagte Dönmez und fügte hinzu, dass die ersten Bohrungen für einen Zeitraum von fast 150 Tagen geplant sind.
Die Türkei führt bereits Erdöl- und Erdgaserkundungen mit zwei seismischen Schiffen durch. Das erste seismische Schiff der Türkei, Barbaros Hayrettin Pasa, das 2013 in Norwegen gekauft wurde, führt seit April 2017 Erkundungen im Mittelmeer durch. Die Türkei habe sich Unabhängigkeit in Sachen Energie als Hauptziel gesetzt, so Dönmez. Man habe kein Auge auf die Ressourcen anderer geworfen, sondern möchte lediglich die Reichtümer in den eigenen Territorien der eigenen Bevölkerung zur Verfügung stellen. Am 18. Oktober blockierte die türkische Marine eine griechische Fregatte, die versuchte, das Forschungsschiff Barbaros Hayreddin an einer Weiterfahrt zu hindern. „Es gibt keine Sicherheitsrisiken [gegenüber dem Schiff]. Wenn jedoch eine Beeinträchtigung stattfindet, werden unsere Seestreitkräfte das Notwendige tun“, sagte Donmez.  

Naturschutz
Menschheit verbraucht 70 Prozent mehr Ressourcen als die Erde erneuern kann

Berlin (wwf) – Die Menschheit verbraucht jährlich 70 Prozent mehr natürliche Ressourcen als die Erde zeitgleich erneuern kann. Damit wächst unser Ressourcenhunger weiter.

Dieses und andere Ergebnisse des „Living Planet Reports 2018“ legte der WWF am Dienstag in Berlin vor. Während die Kurven zum Ressourcenverbrauch ansteigen, schwinden die ökologischen Reserven der Erde weiter.

Der „Living Planet Index“, ein Barometer für den weltweiten ökologischen Gesundheitszustand der Erde, fällt auf einen neuen Tiefpunkt. Der gemessene Rückgang der über 16.000 untersuchten Bestände von Wirbeltieren liegt nun bei 60 Prozent im Vergleich zu 1970. „Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten“, so Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland.

Mit dem neuen Report veröffentlicht der WWF seinen mittlerweile zwölften ökologischen Zustandsbericht seit 1998. Besonders stark schrumpfen laut „Living Planet Index“ die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien in Süd- und Zentralamerika. Dort sank ihr Bestand um 89 Prozent gegenüber 1970.

„Deutschland hat am erschütternden Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit maßgeblich Anteil. Für unseren Lebensstil fallen in Südamerika, Afrika oder Asien Bäume, verschmutzen Flüsse, schwinden Tierbestände oder sterben Arten ganz aus“, sagt Jörg-Andreas Krüger vom WWF.

Die Naturschutzorganisation fordert EU-weite Nachhaltigkeitskriterien für importierte Agrar- und Mineralrohstoffe und einen internationalen Waldfonds mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresbudget. Aus diesem Fond könnten weltweit Projekte zum Waldschutz und zur Wiederaufforstung in den Ländern unterstützt werden, die auch für unseren Wohlstand ihre Wälder abgeholzt haben.

Die biologische Vielfalt sieht der WWF auch in Deutschland und Europa massiv unter Druck: „Vor unserer Haustür sind monotone Agrarlandschaften ohne Wiesenvögel, Schmetterlinge, Wildbienen und Frösche entstanden. Derzeit geht es in Brüssel um die Zukunft der EU-Agrarpolitik.

Mindestens 50 Prozent der Agrar-Subventionen dürfen nur an diejenigen Landwirte fließen, die nachweislich auf ihren Feldern Klima- und Umweltschutzziele umsetzen, indem sie zum Beispiel den Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngern senken, auf vielfältige Fruchtfolgen setzen oder artenreiches Grünland erhalten“, fordert Jörg-Andreas Krüger vom WWF.

Besondere Sorge bereitet der Naturschutzorganisation die weltweit wachsende Plastikflut in den Ozeanen. „Wir brauchen endlich scharfe internationale Vereinbarungen gegen die Plastikflut. Es müssen konkrete Minderungsziele vorgeschrieben, ein verbindlicher Zeitrahmen und ein Maßnahmenpaket beschlossen werden.

Die Meere dürfen nicht weiter die Müllhalde der Erde sein. Deutschland und die EU sind gefordert, mit gutem Beispiel voran zu gehen, mit Recyclingvorgaben für Lebensmittelverpackungen oder strikten Regelungen für Mikroplastik“, so Jörg-Andreas Krüger vom WWF.

Von Rohstoffen, Wasser, Lebensmitteln, Arzneimitteln und Energie bis hin zu Bestäubung, Bodenbildung sowie Schutz vor Fluten, Stürmen und Erosion – die natürlichen Systeme der Erde sind überlebenswichtig für uns alle, mahnt der WWF. „Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen. Viel Zeit bleibt nicht für die Trendwende, aber sie ist machbar“, so Krüger. „Dazu müssen wir national und international mutiger und konsequenter handeln.“

Das Zeitfenster für die Trendwende ist aus Sicht des WWF klar: Die Weltgemeinschaft hat mit 2020 ein Schlüsseljahr für die Zukunft der Erde vor sich. Dann steht das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (SDG) ebenso auf dem Prüfstand wie das Klimaabkommen von Paris und das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD). Würden alle vereinbarten Ziele bis 2030 wirklich erreicht, könnte der Richtungswechsel gelingen.

Hintergrund

Der Living Planet Report zeigt die Veränderungen der weltweiten Biodiversität und des menschlichen Konsums auf. Die Studie wird seit 1998 vom WWF veröffentlicht, seit 2000 erscheint sie im zweijährigen Turnus. Die aktuelle zwölfte Ausgabe wurde vom WWF gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) erstellt. 2018 erscheint der Zustandsbericht erstmals auch in einer Fassung für Kinder und Jugendliche.

Der Living Planet Index (LPI) erfasst den Zustand der biologischen Vielfalt. Er basiert aktuell auf Daten zu 16.704 untersuchten Populationen von 4005 Wirbeltierarten auf der ganzen Erde. Für den Zeitraum von 1970 bis 2014 ermittelt der globale LPI einen Rückgang von 60 Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Living Planet Report lag der ermittelte Rückgang noch bei 30 Prozent für den Zeitraum 1970 bis 1995.

Der Ökologische Fußabdruck hat sich seit 1966 verdoppelt. Seit mehr als 40 Jahren nutzen die Menschen mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Der Fußabdruck gibt die Beanspruchung der Ökosysteme durch den Menschen an im Vergleich zur biologisch produktiven Landfläche (Biokapazität), die zur Bereitstellung erforderlich ist.

Fremdenfeindlichkeit
Türkin nach rassistischen Angriff: „Unser Leben ist hier in Gefahr“

Köln (tp) – Vergangenen Donnerstag wurde die Türkin Hacer Uğurlu in einer Straßenbahn in Köln von einem unbekannten Mann unvermittelt angegriffen. Sie erlitt dabei Prellungen im Gesicht, musste im Krankenhaus behandelt werden. Seither fühlt sich die Türkin nicht mehr sicher und warnt ihre Landsleute: „Unser Leben ist hier in Gefahr.“ Die Tat ereignete sich in der Mittagszeit, als Uğurlu sich auf den Weg zur Arbeit machte und in die vollbesetzte Straßenbahn in Köln einstieg. Dabei bemerkte sie recht bald, wie ein Mann der neben ihr saß, sie ansah und fluchte. Als die Türkin kurz vor der Haltestelle, in der sie aussteigen wollte, vom Sitz aufstand, schlug der unbekannte Mann mehrmals auf sie ein. Niemand soll dabei zu Hilfe geeilt oder versucht haben, einzugreifen. Als die Straßenbahn anhielt, stieg der Angreifer aus und flüchtete. Laut Uğurlu kam daraufhin der Straßenbahnführer auf sie zu, um sich zu erkundigen, danach stieg sie aus und ließ sich in einem Krankenhaus behandeln. Bei dem Angriff erlitt die junge Frau Prellungen im Gesicht und ein geschwollenes Auge. Der türkische Generalkonsul von Köln, Ceyhun Erciyes, besuchte sie am Montag und erkundigte sich um das Befinden und sicherte ihr zu, sich in dieser Angelegenheit einzusetzen, damit der Angreifer gefasst wird. In einem Interview gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu erklärte die Türkin, dass sie sich seitdem nicht mehr sicher fühle. Sie erkenne das Land nicht mehr wieder und warnte ihre Landsleute: „Unser Leben ist hier in Gefahr und niemanden interessiert es!“

USA
„Flüchtlingsinvasion“: Trump stationiert über 5200 bewaffnete Soldaten an Grenze zu Mexiko

Washington (nex) – Während Länder wie etwa Deutschland oder die Türkei Millionen von Flüchtlinge aufgenommen haben, planen die USA wegen weniger Tausenden, 5200 bewaffnete Soldaten an die Grenze zu Mexiko zu schicken. 800 Soldaten seien bereits auf dem Weg zur Grenze in Texas, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters General Terrence O’Shaughnessy, der an der Spitze des Northern Commands steht. Wie Reuters weiter berichtet, sollen bis Ende der Woche 5200 Soldaten an der Grenze stationiert werden. Das wären weit mehr als die anfangs vorgesehenen 800 bis 1000 Soldaten, so Reuters. Die Soldaten kämen zusätzlich zu den 2092 Nationalgardisten, die bereits auf Bitte Trumps an der Grenze seien. “Viele Banden-Mitglieder und einige sehr böse Menschen haben sich unter die Karawane gemischt, die auf unsere Südgrenze vorrückt. Bitte geht zurück, ihr werdet keinen Zutritt in die Vereinigten Staaten erhalten, wenn ihr nicht den Rechtsweg beschreitet. Das ist eine Invasion unseres Landes, und unser Militär wartet auf euch!” Der US-Zoll- und Grenzschutzkommissar Kevin McAleenan sagte, dass die Regierung zwei Gruppen von Migranten beobachte, die sich Richtung USA bewegten. Die erste Gruppe befinde sich im Süden Mexikos und bestehe aus 3.500 Personen. Die zweite Karawane befinde sich in Guatemala nahe der südlichen Grenze zu Mexiko und umfasse rund 3.000 Menschen.

Arbeitslosigkeit
Tiefster Stand seit 1990: Arbeitslosenquote fällt unter fünf Prozent

Berlin (nex) – Im Oktober ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober im Vergleich zum September nochmal um 53.000 gesunken und erreichte mit 2,204 Millionen den niedrigsten Stand seit 1990. Die Quote sank um 0,1 Punkte auf 4,9 Prozent und sank damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter fünf Prozent. Bereinigt um die saisonalen Einflüsse wird für den Oktober ein Rückgang um 11.000 im Vergleich zum Vormonat errechnet, so die Behörde in einer Mitteilung. „Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen im Oktober weiter ab. Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzt sich fort und die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen pendelt sich auf einem sehr hohen Niveau ein.“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.      

CDU nach der Hessen-Wahl
Oettinger: „CDU muss Merkel auf europäischer Ebene Rücken freihalten“

Osnabrück  –  EU-Kommissar erwartet keinen Autoritätsverlust der Kanzlerin – Bruch der Groko würde Deutschland „lähmen“ EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sieht keinen drohenden Autoritätsverlust für Kanzlerin Angela Merkel nach deren Rückzug von der CDU-Spitze. „Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben“, sagte Oettinger im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Merkel könne sich jetzt „ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen“. Oettinger zollte Merkel großen Respekt: „Es ist beeindruckend, wie nüchtern und ohne Aufhebens sie ihr Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellt“, sagte er der „NOZ“ und warnte mit Blick auf das Rennen um ihre Nachfolge: „Was nicht passieren darf: Dass zerstört wird, was 18 Jahre lang von Angela Merkel geschaffen worden ist.“ Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg sprach sich gegen einen Kurswechsel der Partei aus: „Die Aufgaben für die CDU sind spannend und vielfältig. Sie lassen sich nicht in eine Rechts-links-Arithmetik einordnen.“ Eindringlich ermahnte der EU-Kommissar die SPD, die Große Koalition nicht zu verlassen: „Die SPD darf jetzt kein Harakiri machen. Durch einen Bruch der Regierung würde Deutschland auf europäische Ebene abermals gelähmt“, sagte er der „NOZ“. In der EU werde erwartet, dass die Bundesregierung mit ihren führenden Köpfen „nach der Hessen-Wahl jetzt in Brüssel ihrer Verantwortung gerecht wird“.
Das autorisierte Interview im Wortlaut:
Angela Merkel gibt den CDU-Vorsitz ab. Ein überfälliger Schritt? Oettinger: Ich hätte sie unterstützt, wenn Angela Merkel noch ein letztes Mal angetreten wäre. Für ihren souveränen Schritt gebührt ihr der volle Respekt. Es ist beeindruckend, wie nüchtern und ohne Aufhebens sie ihr Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellt. Und sie ist entschlossen, als Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode weiter zu regieren. Aber danach ist Schluss. Wird Angela Merkel nicht zur lahmen Ente, die in Brüssel nicht mehr viel zu melden haben wird? Oettinger: Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben. Mit ihrer Autorität und dem Gewicht Deutschlands muss Angela Merkel die EU-Agenda jetzt wieder vorantreiben. Dazu sollte ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin an der Parteispitze loyal mit der Kanzlerin zusammenarbeitet und die Fraktionsspitze hinter ihr stehen. Angela Merkel hat sich durch ihren Schritt Respekt verschafft und kann sich jetzt ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen. Das Rennen um die Nachfolge an der Parteispitze ist eröffnet. Droht der offene Machtkampf? Oettinger: Ich kann nur an die Anwärter appellieren, dass es fair zugeht. Es ist von Vorteil für die CDU, wenn es eine Auswahl aus drei oder vier Kandidaten gibt. Ich bin sehr gespannt, wer mit welchem Programm antreten wird. Ist es Zeit für den Kurswechsel, damit die CDU Volkspartei bleibt? Oettinger: Jeder Vorsitzende seit Konrad Adenauer hatte sein eigenes Profil. Das wird auch für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel gelten. Was nicht passieren darf: Dass zerstört wird, was 18 Jahre lang von Angela Merkel geschaffen worden ist. Die Aufgaben für die CDU sind spannend und vielfältig. Sie lassen sich nicht in eine Rechts-links-Arithmetik einordnen. Befürchten Sie noch das Auseinanderbrechen der Großen Koalition? Oettinger: In der EU wird erwartet, dass die Bundesregierung mit ihren führenden Köpfen nach der Hessen-Wahl jetzt in Brüssel ihrer Verantwortung gerecht wird. Es ist gut, dass SPD-Chefin Andrea Nahles für die Fortsetzung der Großen Koalition kämpft. Die SPD darf jetzt kein Harakiri machen. Durch einen Bruch der Regierung würde Deutschland auf europäische Ebene abermals gelähmt. Die SPD droht, die GroKo zur Halbzeitbilanz in einem Jahr zu sprengen… Oettinger: Es ist sinnvoll, dass die GroKo in einem Jahr eine Halbzeitbilanz vorlegt, um dann mit neuem Schwung in die zweite Hälfte zu starten. Aber das geht nur, wenn man europäisch Verantwortung trägt und die Erwartungen erfüllt. Mich stimmen die Entscheidungen des heutigen Tages positiv, wenn es um die Stabilität der Bundesregierung geht.

Menschenrechtsverletzungen in Myanmar
„Völkermord an Rohingya“: Menschenrechtler dankt Türkei für Bemühungen in Myanmar

New York (nex) – „Einige Staaten behindern unsere Arbeit bei der Sensibilisierung für den Völkermord an den Rohingya in Myanmar“, sagte der Leiter einer Menschenrechtsgruppe am Sonntag. „Einige Länder im UN-Sicherheitsrat scheinen ihre Interessen dem Leid der Menschen vorzuziehen. Einige Weltmächte stellen uns in der Myanmar-Frage Hindernisse in den Weg“, sagte Kyaw Win, Direktor der burmesischen Menschenrechtsorganisation Burma Human Rights Network (BHRN) in einem Exklusiv-Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu (AA). Am Rande einer Sitzung über Myanmar im UN-Sicherheitsrat sagte er: „Das ist sehr wichtig: Der Völkermord an den Rohingya-Muslimen geht in Myanmar weiter, er ist noch nicht vorbei. Ich bin überrascht, dass einige Länder dieses Thema immer noch herunterspielen. Muslime, die in Myanmar leben, sind vielen Verfolgungen ausgesetzt. Es gibt 26 Regionen, in denen Muslimen der Zutritt verboten ist. Muslime dürfen an vielen Orten nicht arbeiten.“ Seit Anfang 2018 seien im ganzen Land 20 Moscheen und einige Kirchen geschlossen worden, so Win weiter.. Die Religionsfreiheit  in Myanmar sei bedroht. Er lobte die Bemühungen der Türkei in dieser Angelegenheit und sagte: „Ich möchte den Führern und dem Volk der Türkei danken. Sie sind ein großartiges Beispiel in der muslimischen Welt, und Sie waren der Erste, der auf diese Krise reagiert hat. Wir bewundern Ihre Bemühungen. Ich möchte auch die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) aufrufen, mehr Druck auf die Regierung Myanmars auszuüben, um dieses Problem so schnell wie möglich zu lösen. Bitte helfen Sie uns bei diesem Thema.“ Massenvergewaltigungen von Rohingya-Frauen und -Mädchen  Etwa 18.000 Rohingya-Frauen und -Mädchen wurden von der Armee und der Polizei Myanmars vergewaltigt, so ein Bericht der Ontario International Development Agency (OIDA). Laut Amnesty International flohen mehr als 750.000 Rohingya-Flüchtlinge, meist Kinder und Frauen, aus Myanmar und überquerten Bangladesch, nachdem die myanmarischen Streitkräfte im August 2017 begannen gegen die muslimische Minderheit vorzugehen. Die UNO hat Massenvergewaltigungen, Morde – auch an Säuglingen und Kleinkindern -, brutale Gewalt und das Verschwinden von Personen durch die staatlichen Streitkräfte Myanmars dokumentiert. „Unermessliche Grausamkeiten“ Die Kinderrechtsorganisation Save the Children veröffentlichte im vergangenen November einen Bericht zur Flucht der Rohingya aus Myanmar. In „Horrors I will never forget“ berichten Kinder und Jugendliche erschütternde Erlebnisse von massiver Gewalt, von Vergewaltigungen oder von Menschen, die lebendig verbrannt wurden. Die Erlebnisberichte wurden im Flüchtlingscamp Cox´s Bazar in Bangladesch dokumentiert. Jedes befragte Kind berichtet von Todesfällen „Das Schlimmste an diesen tragischen Geschichten ist, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um systematische Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen handelt. Nahezu jedes Kind, mit dem wir gesprochen haben, berichtet fürchterliche Geschichten, die es erleben oder mit ansehen musste“, betont Helle Thorning-Schmidt, CEO von Save the Children International, die kürzlich das Rohingya- Flüchtlingscamp in Cox´s Bazar besuchte. 60 Prozent der mehr als 600.000 Rohingya-Flüchtlinge sind Kinder. Unter ihnen die 16 Jahre alte Shadibabiran*, die ebenso wie viele andere Kinder Erschütterndes berichtet: „Einige Soldaten nahmen mich und zwei andere Mädchen mit in ein Haus. Sie schlugen mir mit einer Waffe ins Gesicht, traten gegen meinen Brustkorb und trampelten auf meine Arme und Beine. Anschließend vergewaltigten mich drei von ihnen über mehrere Stunden. Irgendwann wurde ich ohnmächtig.“ Die Soldaten brachen Shadibabiran eine Rippe. „Das war enorm schmerzhaft und ich konnte kaum atmen. Nach wie vor habe ich mit dem Atmen Probleme, aber ich gehe nicht zum Arzt, weil ich mich so sehr schäme.“ Der Report „Horrors I will never forget“ beleuchtet noch weitere schreckliche Schicksale. So musste die 24-jährige Rehema* miterleben, wie eine Frau und ein Baby lebendig verbrannt wurden. „Ich sah einen Soldaten, wie er eine hochschwangere Frau mit Benzin übergoss und anzündete“, berichtet sie. „Ein weiterer Soldat riss einer anderen Frau ihr Baby aus den Händen und warf es ins Feuer. Sein Name war Sahab* und er war noch nicht einmal ein Jahr alt. Die Schreie werde ich niemals vergessen.“ Der 12-jährige Hosan* floh aus seinem Heimatdorf in Myanmar, als das Militär begann, Menschen mit Macheten zu attackieren. Auf der Flucht kam er in ein verlassenes Dorf. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser erreichte er schließlich eine Wasserstelle. „Als ich näher kam, sah ich, dass darin mindestens 50 Leichen trieben. Den Geruch verbrannter Häuser und den Anblick aufgedunsener Leichen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“ „Die Mehrzahl der geflüchteten Rohingya sind Kinder unter 18 Jahren. Viele Kinder sind schwer traumatisiert von den schrecklichen Dingen, die sie auf der Flucht erlebt haben und leben nun im Flüchtlingslager, in dem sie völlig schutzlos sind“, sagt Helle Thorning-Schmidt.

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– Menschenrechtsverletzungen in China – Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren

Eine Untersuchung des Wall Street Journal enthüllt, was in Chinas wachsendem Netzwerk von Internierungslagern, wo Hunderttausende von ethnischen Uiguren festgehalten werden, vorgeht. Wie WSJ berichtet, habe China sein Internierungsprogramm, das ursprünglich auf ethnische uigurische Extremisten zielte, scharf erweitert.

Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren