CDU nach der Hessen-Wahl
Oettinger: „CDU muss Merkel auf europäischer Ebene Rücken freihalten“

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sieht keinen drohenden Autoritätsverlust für Kanzlerin Angela Merkel nach deren Rückzug von der CDU-Spitze. „Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben“, sagte Oettinger im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Merkel könne sich jetzt „ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen“.

Teilen

Osnabrück  –  EU-Kommissar erwartet keinen Autoritätsverlust der Kanzlerin – Bruch der Groko würde Deutschland „lähmen“

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sieht keinen drohenden Autoritätsverlust für Kanzlerin Angela Merkel nach deren Rückzug von der CDU-Spitze.

„Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben“, sagte Oettinger im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Merkel könne sich jetzt „ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen“.

Oettinger zollte Merkel großen Respekt: „Es ist beeindruckend, wie nüchtern und ohne Aufhebens sie ihr Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellt“, sagte er der „NOZ“ und warnte mit Blick auf das Rennen um ihre Nachfolge: „Was nicht passieren darf: Dass zerstört wird, was 18 Jahre lang von Angela Merkel geschaffen worden ist.“

Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg sprach sich gegen einen Kurswechsel der Partei aus: „Die Aufgaben für die CDU sind spannend und vielfältig. Sie lassen sich nicht in eine Rechts-links-Arithmetik einordnen.“

Eindringlich ermahnte der EU-Kommissar die SPD, die Große Koalition nicht zu verlassen: „Die SPD darf jetzt kein Harakiri machen. Durch einen Bruch der Regierung würde Deutschland auf europäische Ebene abermals gelähmt“, sagte er der „NOZ“. In der EU werde erwartet, dass die Bundesregierung mit ihren führenden Köpfen „nach der Hessen-Wahl jetzt in Brüssel ihrer Verantwortung gerecht wird“.

Das autorisierte Interview im Wortlaut:

Angela Merkel gibt den CDU-Vorsitz ab. Ein überfälliger Schritt?

Oettinger: Ich hätte sie unterstützt, wenn Angela Merkel noch ein letztes Mal angetreten wäre. Für ihren souveränen Schritt gebührt ihr der volle Respekt. Es ist beeindruckend, wie nüchtern und ohne Aufhebens sie ihr Amt nach 18 Jahren zur Verfügung stellt. Und sie ist entschlossen, als Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode weiter zu regieren.

Aber danach ist Schluss. Wird Angela Merkel nicht zur lahmen Ente, die in Brüssel nicht mehr viel zu melden haben wird?

Oettinger: Ich erwarte das Gegenteil. Wir brauchen jetzt eine Kanzlerin, die den Rücken frei hat, gerade für die großen europäischen Aufgaben. Mit ihrer Autorität und dem Gewicht Deutschlands muss Angela Merkel die EU-Agenda jetzt wieder vorantreiben. Dazu sollte ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin an der Parteispitze loyal mit der Kanzlerin zusammenarbeitet und die Fraktionsspitze hinter ihr stehen. Angela Merkel hat sich durch ihren Schritt Respekt verschafft und kann sich jetzt ganz auf das eine Amt konzentrieren. Die gesamte Union muss sie dabei unterstützen.

Das Rennen um die Nachfolge an der Parteispitze ist eröffnet. Droht der offene Machtkampf?

Oettinger: Ich kann nur an die Anwärter appellieren, dass es fair zugeht. Es ist von Vorteil für die CDU, wenn es eine Auswahl aus drei oder vier Kandidaten gibt. Ich bin sehr gespannt, wer mit welchem Programm antreten wird.

Ist es Zeit für den Kurswechsel, damit die CDU Volkspartei bleibt?

Oettinger: Jeder Vorsitzende seit Konrad Adenauer hatte sein eigenes Profil. Das wird auch für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel gelten. Was nicht passieren darf: Dass zerstört wird, was 18 Jahre lang von Angela Merkel geschaffen worden ist. Die Aufgaben für die CDU sind spannend und vielfältig. Sie lassen sich nicht in eine Rechts-links-Arithmetik einordnen.

Befürchten Sie noch das Auseinanderbrechen der Großen Koalition?

Oettinger: In der EU wird erwartet, dass die Bundesregierung mit ihren führenden Köpfen nach der Hessen-Wahl jetzt in Brüssel ihrer Verantwortung gerecht wird. Es ist gut, dass SPD-Chefin Andrea Nahles für die Fortsetzung der Großen Koalition kämpft. Die SPD darf jetzt kein Harakiri machen. Durch einen Bruch der Regierung würde Deutschland auf europäische Ebene abermals gelähmt.

Die SPD droht, die GroKo zur Halbzeitbilanz in einem Jahr zu sprengen…

Oettinger: Es ist sinnvoll, dass die GroKo in einem Jahr eine Halbzeitbilanz vorlegt, um dann mit neuem Schwung in die zweite Hälfte zu starten. Aber das geht nur, wenn man europäisch Verantwortung trägt und die Erwartungen erfüllt. Mich stimmen die Entscheidungen des heutigen Tages positiv, wenn es um die Stabilität der Bundesregierung geht.

Auch interessant

Irland: Sportler rufen zum Israel-Boykott auf

Dublin - Mehr als 160 irische Athletinnen und Athleten haben sich in einem offenen Brief an die irische Fußball-Nationalmannschaft der Männer gewandt. Sie fordern...

Elif Eralp und der Palästina-Bumerang: Berlins neuer Machtfaktor

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Berlin hat gewählt, und diesmal hat die Hauptstadt dem politischen Establishment einen überdeutlichen Denkzettel verpasst: Die Linke erreicht 25,7 Prozent,...

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt)...

Türkei: Israel-nahes Betrügernetzwerk zerschlagen

Istanbul - Türkische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben ein mit Israel in Verbindung stehendes, betrügerisches Handelsnetzwerk aufgedeckt. Wie Medien unter Berufung auf den türkischen Justizminister...

Wahlniederlagen der CDU: Prien stützt Merz – AfD zeigt sich gesprächsbereit

Berlin - In der CDU beginnt die Aufarbeitung der beiden Niederlagen des gestrigen Wahlsonntags. Bundesbildungsministerin und stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU Karin Prien gab sich...

Headlines

Erdoğans UN-Rede: Kritik am Sicherheitsrat trifft den Nerv der Zeit

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel US-Präsident Donald Trump drohte vor der UN mit der Vernichtung Irans. Das ist die Art...

Paukenschlag in der Türkei: Erdoğan-Herausforderer Yavaş verlässt die CHP

Ankara – Paukenschlag in der türkischen Politik: Ankara-Oberbürgermeister Mansur Yavaş hat am heutigen Mittwoch seinen Austritt aus der Republikanischen...

Elif Eralp und der Palästina-Bumerang: Berlins neuer Machtfaktor

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Berlin hat gewählt, und diesmal hat die Hauptstadt dem politischen Establishment einen überdeutlichen Denkzettel verpasst:...

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Meinung

Turkish Airlines erneut zur besten Fluggesellschaft Europas gekürt

London - Türkische Staatsairline klettert in der Skytrax-Gesamtwertung weltweit auf Platz fünf und sichert sich zudem erneut die Krone für das beste Business-Class-Catering. Die türkische...

Erdoğans UN-Rede: Kritik am Sicherheitsrat trifft den Nerv der Zeit

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel US-Präsident Donald Trump drohte vor der UN mit der Vernichtung Irans. Das ist die Art von Diplomatie, bei der selbst...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...