Fall Khashoggi
Interview: Khashoggi sah in der Türkei ein neues Osmanisches Reich

Jamal Khashoggi, der Berichten zufolge im saudischen Konsulat in Istanbul getötet wurde, betrachtete die Türkei als ein Schlüsselland für einen neuen Nahen Osten.

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Washington (nex) – Jamal Khashoggi, der Berichten zufolge im saudischen Konsulat in Istanbul getötet wurde, betrachtete die Türkei als ein Schlüsselland für einen neuen Nahen Osten. Das sagten Freunde des Kolumnisten in einem Gespräch mit Sarah El Deep, eine Journalistin der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Khashoggi sei ein stolzer Araber gewesen, der in der Türkei – das Land seiner Vorfahren, für vertriebene Araber die dort Zuflucht gefunden hatten – eine Basis aufbauen wollte, berichtet AP.

„Für Khashoggi, einen Geschichtsliebhaber, spiegelten die wachsende arabische Gemeinschaft und die neue Macht der Türkei in der Region Aspekte des Osmanischen Reiches wider, als Istanbul im Zentrum eines reichen und multikulturellen Nahen Ostens stand“, so El Deep.

Azzam Tamimi, ein Britisch-Palästinenser, sagte, dass Khashoggi in Istanbul ein neues Zuhause gefunden hatte.

„Khashoggi fand in Istanbul ein neues Zuhause. In Istanbul fühlt man sich nicht wie ein Fremder, die Menschen, das Essen, die Gewohnheiten“, sagte Tamimi.

„Außerdem ist die derzeitige Regierung der Türkei seit dem Fall des Osmanischen Reiches vor hundert Jahren den Arabern am nächsten. Erdogan und seine Partei öffneten sich den Arabern“, fügte Tamimi hinzu.

Eiad Alhaji, ein syrischer Dokumentarfilmer sagte gegenüber der AP, Khashoggi sei ein „Lexikon“ der Geschichte der Region gewesen.

Alhaji arbeitete mit Khashoggi an einer Dokumentation über das Leben von Fahreddin Pascha, dem letzten osmanischen Gouverneur und Militärkommandanten in al-Medina, der die Stadt im heutigen Saudi-Arabien gegen einen arabischen Aufstand während des Ersten Weltkriegs verteidigte.

Die Belagerung signalisierte den Fall des Osmanischen Reiches und die Gründung neuer arabischer Staaten. Khashoggis Familie wurde während der Kämpfe vertrieben – einige flohen nach Izmir, in die moderne Türkei, einschließlich seines Vaters, während andere nach Damaskus gingen.

Das Vermächtnis von Fahreddin, der gegen die Gründung neuer Nationalstaaten kämpfte, um den osmanischen Einfluss zu erhalten, ist ein zutiefst spaltendes Thema zwischen den Führern der Golfstaaten und der Türkei.

„Wir trafen uns früher oft, saßen und redeten, zwei Fremde außerhalb unseres Landes und unserer Gesellschaft, über das, was mit den Arabern in der Türkei und in Amerika momentan passiert. Ich als Syrer und er als Saudi-Araber“, so Alhaji.

Der Artikel betonte, dass Khashoggi in seinen letzten Interviews seine Unterstützung für die Syrienpolitik der Türkei erklärte, aber die Haltung der saudischen Regierung dazu kritisierte.

Kashoggi plante, seine türkische Verlobte am 3. Oktober zu heiraten. Er hatte ein Haus in Istanbul gekauft und wollte künftig seine Zeit zwischen Istanbul und dem US-Bundesstaat Virginia verbringen.

Der regelmäßige Kolumnist der Washington Post ist seit seinem Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober vermisst.

Saudi Arabien hat mehr als zwei Wochen nach dem Verschwinden  Khashoggis am Freitagabend den Tod des Journalisten eingeräumt.

Im Istanbuler Konsulat sei es während des Verhörs zu einem Streit gekommen, was zu seinem Tod führte, berichteten saudische Staatsmedien. Riad hatte die Kenntnis über den Verbleib Khashoggis stets abgestritten. Medienberichten zufolge soll er in dem Konsulat schwer gefoltert und zerstückelt worden sein.

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