Israel-Iran-Konflikt
Iran droht mit Schließung der Straße von Hormus

Das iranische Parlament hat mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die die Schließung der Straße von Hormus fordert.

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Von Henriette Wild

Das iranische Parlament hat mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die die Schließung der Straße von Hormus fordert. Sie gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Die Entscheidung ist eine Reaktion auf die jüngsten US-Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen. Doch wie ernst ist diese Drohung wirklich zu nehmen und was steht geopolitisch und wirtschaftlich auf dem Spiel?

Ein symbolischer Schritt mit begrenzter Wirkung?

Die Resolution des Parlaments ist deutlich: Die iranische Regierung solle „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen“, um die Straße von Hormus zu schließen, solange die „feindlichen Angriffe“ nicht aufhören.

Doch rechtlich hat das Parlament in dieser Frage nicht das letzte Wort. Die Entscheidung über eine tatsächliche Blockade liegt beim Obersten Nationalen Sicherheitsrat Irans, einem Gremium, das deutlich strategischer und vorsichtiger agiert.

„Das ist ein politisches Signal, kein operativer Befehl“, urteilen Nahost-Analysten übereinstimmend. Doch selbst als Signal ist es ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, denn die Straße von Hormus ist ein geostrategischer Hotspot von globaler Bedeutung.

Das Nadelöhr des globalen Ölmarkts

Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel Öl die enge Wasserstraße zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Ein Ausfall, selbst kurzfristig, hätte unmittelbare Folgen für die Weltwirtschaft. Ölpreise könnten laut Expertenschätzungen auf über 120 Dollar pro Barrel steigen, das globale Wirtschaftswachstum um fast ein Prozent absinken.

Schon jetzt zeigen die Märkte nervöse Reaktionen. Die USA und europäische Staaten haben ihre Marinepräsenz in der Region erhöht. Die 5. US-Flotte mit Sitz in Bahrain erklärte sich einsatzbereit, um die freie Schifffahrt in internationalen Gewässern zu garantieren.

Militärisch machbar – aber zu welchem Preis?

Militärisch wäre der Iran durchaus in der Lage, die Straße von Hormus vorübergehend zu sperren oder die Durchfahrt erheblich zu stören. Die Revolutionsgarden verfügen über ein Arsenal an asymmetrischen Mitteln: Schnellboote, Anti-Schiff-Raketen, Seeminen, Drohnen, sogar Kleinst-U-Boote.

All dies könnte eine kurzfristige Blockade technisch ermöglichen.
Doch nach den jüngsten israelisch-amerikanischen Angriffen auf iranische Nuklearanlagen und Militärstützpunkte ist Irans Fähigkeit zur Eskalation deutlich geschwächt. Kommandozentralen in der Nähe der Straße von Hormus wurden gezielt getroffen, Führungseinheiten dezimiert. Laut westlichen Geheimdiensten sind Irans Marinekräfte derzeit nur eingeschränkt einsatzfähig.

Hinzu kommt, eine offene Blockade würde unweigerlich eine internationale Militärreaktion auslösen, allen voran durch die USA, Frankreich oder Großbritannien. Teheran weiß: Eine Sperrung der Wasserstraße wäre zwar möglich, aber politisch und militärisch höchst riskant und letztlich selbstschädigend, da Iran auch seine eigenen Öltransporte über dieselbe Route abwickelt.

Was würde Europa bei einer Blockade drohen?

Eine Blockade der Straße von Hormus hätte auch massive Auswirkungen auf Europa. Zwar bezieht die EU nicht direkt große Mengen Öl aus dem Persischen Golf, doch sie ist vom Weltmarkt abhängig. Steigen dort die Preise, steigen sie überall.

Öl- und Gaspreise könnten sprunghaft steigen, die Inflation würde angeheizt. Besonders Flüssiggas (LNG) aus Katar, eine neue Energiequelle nach dem russischen Gasstopp, wird über diese Route geliefert. Lieferverzögerungen oder Umwege würden Energie in Europa deutlich verteuern.

Auch Lieferketten würden ins Wanken geraten: Schiffe müssten längere Routen wählen, wichtige Güter, von Elektronik bis Medikamentenvorprodukte, würden teurer und später ankommen.
Hinzu kommt die sicherheitspolitische Dimension. Europa müsste seine Marinepräsenz verstärken, diplomatisch eingreifen und möglicherweise humanitäre oder militärische Missionen unterstützen.

Gleichzeitig könnte eine neue Flüchtlingswelle aus destabilisierten Golfstaaten Richtung Europa rollen.
Die Sperrung wäre damit nicht nur ein regionaler Konflikt, sondern eine globale Krise mit unmittelbarem Einfluss auf Europas Wirtschaft und Stabilität.

Teherans Spiel mit der Unsicherheit

Militärisch könnte Iran also zumindest kurzfristig handeln. Doch eine vollständige Sperrung gilt derzeit als unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Taktik der gezielten Störung. Minen, symbolische Angriffe auf Handelsschiffe oder Drohnenbedrohungen, die Unsicherheit verbreiten, ohne eine offene Konfrontation zu provozieren.
Damit könnte Teheran Druck aufbauen, ohne selbst ins Zentrum der internationalen Vergeltung zu geraten.

Für Europa ist dieser Konflikt kein fernes Problem. Die wirtschaftlichen Verflechtungen und sicherheitspolitischen Verpflichtungen machen die Straße von Hormus zu einer entscheidenden Frontlinie.

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