Menschenrechtsverletzungen in Myanmar
„Völkermord an Rohingya“: Menschenrechtler dankt Türkei für Bemühungen in Myanmar

"Einige Staaten behindern unsere Arbeit bei der Sensibilisierung für den Völkermord an den Rohingya in Myanmar", sagte der Leiter einer Menschenrechtsgruppe am Sonntag.

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New York (nex) – „Einige Staaten behindern unsere Arbeit bei der Sensibilisierung für den Völkermord an den Rohingya in Myanmar“, sagte der Leiter einer Menschenrechtsgruppe am Sonntag.

„Einige Länder im UN-Sicherheitsrat scheinen ihre Interessen dem Leid der Menschen vorzuziehen. Einige Weltmächte stellen uns in der Myanmar-Frage Hindernisse in den Weg“, sagte Kyaw Win, Direktor der burmesischen Menschenrechtsorganisation Burma Human Rights Network (BHRN) in einem Exklusiv-Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu (AA).

Am Rande einer Sitzung über Myanmar im UN-Sicherheitsrat sagte er: „Das ist sehr wichtig: Der Völkermord an den Rohingya-Muslimen geht in Myanmar weiter, er ist noch nicht vorbei. Ich bin überrascht, dass einige Länder dieses Thema immer noch herunterspielen. Muslime, die in Myanmar leben, sind vielen Verfolgungen ausgesetzt. Es gibt 26 Regionen, in denen Muslimen der Zutritt verboten ist. Muslime dürfen an vielen Orten nicht arbeiten.“

Seit Anfang 2018 seien im ganzen Land 20 Moscheen und einige Kirchen geschlossen worden, so Win weiter.. Die Religionsfreiheit  in Myanmar sei bedroht.

Er lobte die Bemühungen der Türkei in dieser Angelegenheit und sagte: „Ich möchte den Führern und dem Volk der Türkei danken. Sie sind ein großartiges Beispiel in der muslimischen Welt, und Sie waren der Erste, der auf diese Krise reagiert hat. Wir bewundern Ihre Bemühungen. Ich möchte auch die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) aufrufen, mehr Druck auf die Regierung Myanmars auszuüben, um dieses Problem so schnell wie möglich zu lösen. Bitte helfen Sie uns bei diesem Thema.“

Massenvergewaltigungen von Rohingya-Frauen und -Mädchen 

Etwa 18.000 Rohingya-Frauen und -Mädchen wurden von der Armee und der Polizei Myanmars vergewaltigt, so ein Bericht der Ontario International Development Agency (OIDA).

Laut Amnesty International flohen mehr als 750.000 Rohingya-Flüchtlinge, meist Kinder und Frauen, aus Myanmar und überquerten Bangladesch, nachdem die myanmarischen Streitkräfte im August 2017 begannen gegen die muslimische Minderheit vorzugehen.

Die UNO hat Massenvergewaltigungen, Morde – auch an Säuglingen und Kleinkindern -, brutale Gewalt und das Verschwinden von Personen durch die staatlichen Streitkräfte Myanmars dokumentiert.

„Unermessliche Grausamkeiten“

Die Kinderrechtsorganisation Save the Children veröffentlichte im vergangenen November einen Bericht zur Flucht der Rohingya aus Myanmar. In „Horrors I will never forget“ berichten Kinder und Jugendliche erschütternde Erlebnisse von massiver Gewalt, von Vergewaltigungen oder von Menschen, die lebendig verbrannt wurden. Die Erlebnisberichte wurden im Flüchtlingscamp Cox´s Bazar in Bangladesch dokumentiert.

Jedes befragte Kind berichtet von Todesfällen

„Das Schlimmste an diesen tragischen Geschichten ist, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um systematische Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen handelt. Nahezu jedes Kind, mit dem wir gesprochen haben, berichtet fürchterliche Geschichten, die es erleben oder mit ansehen musste“, betont Helle Thorning-Schmidt, CEO von Save the Children International, die kürzlich das Rohingya- Flüchtlingscamp in Cox´s Bazar besuchte.

60 Prozent der mehr als 600.000 Rohingya-Flüchtlinge sind Kinder. Unter ihnen die 16 Jahre alte Shadibabiran*, die ebenso wie viele andere Kinder Erschütterndes berichtet:

„Einige Soldaten nahmen mich und zwei andere Mädchen mit in ein Haus. Sie schlugen mir mit einer Waffe ins Gesicht, traten gegen meinen Brustkorb und trampelten auf meine Arme und Beine. Anschließend vergewaltigten mich drei von ihnen über mehrere Stunden. Irgendwann wurde ich ohnmächtig.“

Die Soldaten brachen Shadibabiran eine Rippe. „Das war enorm schmerzhaft und ich konnte kaum atmen. Nach wie vor habe ich mit dem Atmen Probleme, aber ich gehe nicht zum Arzt, weil ich mich so sehr schäme.“

Der Report „Horrors I will never forget“ beleuchtet noch weitere schreckliche Schicksale. So musste die 24-jährige Rehema* miterleben, wie eine Frau und ein Baby lebendig verbrannt wurden. „Ich sah einen Soldaten, wie er eine hochschwangere Frau mit Benzin übergoss und anzündete“, berichtet sie. „Ein weiterer Soldat riss einer anderen Frau ihr Baby aus den Händen und warf es ins Feuer. Sein Name war Sahab* und er war noch nicht einmal ein Jahr alt. Die Schreie werde ich niemals vergessen.“

Der 12-jährige Hosan* floh aus seinem Heimatdorf in Myanmar, als das Militär begann, Menschen mit Macheten zu attackieren. Auf der Flucht kam er in ein verlassenes Dorf. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser erreichte er schließlich eine Wasserstelle. „Als ich näher kam, sah ich, dass darin mindestens 50 Leichen trieben. Den Geruch verbrannter Häuser und den Anblick aufgedunsener Leichen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

„Die Mehrzahl der geflüchteten Rohingya sind Kinder unter 18 Jahren. Viele Kinder sind schwer traumatisiert von den schrecklichen Dingen, die sie auf der Flucht erlebt haben und leben nun im Flüchtlingslager, in dem sie völlig schutzlos sind“, sagt Helle Thorning-Schmidt.

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