Steuerpolitik
SPD will mit Vermögenssteuer Wohnen und Klimaschutz finanzieren

Die Sozialdemokraten wollen mit der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer die staatlichen Einnahmen um bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr erhöhen und damit mehr öffentliche Investitionen ermöglichen. „Nach unseren Vorstellungen sollen diejenigen, die gerade in den vergangenen Jahren überproportional von der wirtschaftlichen Lage, selbst in der Finanzmarktkrise 2008/2009, profitiert haben, einen größeren Beitrag für die nötigen Investitionen leisten, also für die Infrastruktur, fürs Wohnen und für den Klimaschutz“, sagte der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Das seien vorrangig Multimillionäre und Milliardäre. Allein im kommunalen Bereich fehlten Investitionsmittel von 150 Milliarden Euro. „Wir kalkulieren mit bis zu zehn Milliarden Euro, die aus einer Vermögenssteuer kommen können.“ Schäfer-Gümbel betonte, auch Kapitalgesellschaften sollten einbezogen werden. Er sagte weiter: „Wir orientieren uns am Schweizer Modell. Dazu gehört, dass wir Regeln einbauen wollen, die bei wirtschaftlicher Schieflage zusätzliche Probleme verhindern.“ Deshalb seien Verschonungsregeln vorgesehen. „Wir wollen mit Freibeträgen arbeiten, sodass die Vermögensteuer erst ab einem bestimmten Vermögenswert fällig wird.“ Schäfer-Gümbel will sein Vermögenssteuerkonzept am Montag ins SPD-Präsidium einbringen. Im Dezember soll es der Parteitag beschließen. Der kommissarische SPD-Chef verwies darauf, dass es in anderen Ländern deutlich höhere Vermögensteuern gibt, als die SPD sie für Deutschland plant. In den USA liege der Anteil bei 4 Prozent, in Frankreich und Großbritannien bei über 4. „Wenn wir die Vermögensteuer mit einem Prozent einführen, sehe ich nicht, dass das deutschen Unternehmen international schaden würde.“

Türkei
Erdogan: Türkei wird im östlichen Mittelmeer weiterhin nach Erdgas suchen

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Ankara – Die Türkei wird die Erkundung der „Kohlenwasserstoffressourcen im östlichen Mittelmeerraum entschlossen fortsetzen“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Ankara nach seinem Treffen mit Ersin Tatar, dem Premierminister der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC). Erdogan machte die unversöhnliche Haltung der griechisch-zyprischen Seite für den anhaltenden Zypern-Konflikt verantwortlich. „Im östlichen Mittelmeerraum kann kein Projekt realisiert werden, das die Türkei oder die Türkische Republik Nordzypern ignoriert“, warnte der türkische Staatschef. Die Türkei hat die einseitigen Bohrungen der griechisch-zyprischen Regierung im östlichen Mittelmeerraum wiederholt angefochten und betont, dass auch die Türkische Republik Nordzypern (TRNC) Rechte an den Ressourcen in der Region hat. Seit dem Frühjahr dieses Jahres hat Ankara zwei Bohrschiffe – Fatih und zuletzt Yavuz – in das östliche Mittelmeer geschickt, um das Recht der Türkei und der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC) auf die Ressourcen der Region geltend zu machen. Das erste seismische Schiff der Türkei, die Barbaros Hayrettin Pasa, die 2013 in Norwegen gekauft wurde, erkundet seit April 2017 das Mittelmeer. Im Juli haben die Außenminister der EU-Staaten in Reaktion auf die umstrittenen türkischen Erdgas-Erkundungen vor Zypern Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschlossen. Unter anderem sollen EU-Gelder für Ankara gekürzt und die Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen eingestellt werden. Die türkische Regierung zeigte sich jedoch unbeeindruckt von den angekündigten Strafmaßnahmen und entsandte am darauffolgenden Tag ein viertes Bohrschiff Richtung Zypern. Der EU-Beschluss, die Türkei zu sanktionieren, würde die Spaltung auf Zypern „nur vertiefen“ und hätte keine Auswirkungen auf die Türkei, sagte der Sprecher der regierenden AKP, Ömer Celik, nach den Ankündigungen. „Es ist klar, dass ihr Vorgehen nicht mehr bringen wird, als die Spaltung auf der Insel Zypern zu vertiefen. Diese Sanktionen haben keine Auswirkungen auf die Türkei“, sagte Celik vor Journalisten in Ankara. Die türkischen Bohrschiffe Fatih und Yavuz würden ihre Arbeit im östlichen Mittelmeer fortsetzen, so Celik. Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zeigte sich unbeeindruckt: „Wenn Sie [EU] solche Entscheidungen gegen die Türkei treffen, werden wir die Aktivitäten [im östlichen Mittelmeerraum] verstärken. Wir haben drei Schiffe im östlichen Mittelmeer. Wir werden ein viertes Schiff so schnell wie möglich entsenden. Sie sollten verstehen, dass sie mit der Türkei nicht so umgehen können. Wir entscheiden, was wir auf unserem eigenen Kontinentalschelf tun werden“, sagte Cavusoglu auf einer Pressekonferenz. Zypern wurde 1974 geteilt, nachdem Griechenland einen Militärputsch durchgeführt und die Türkei als Garantiemacht interveniert hatte. Die türkische Regierung hatte unter Premierminister Bülent Ecevit entschieden, am 20. Juli 1974 türkische Truppen auf die Insel zu entsenden, um eine ethnische Säuberung durch die nationalistische Regierung zu verhindern, die infolge eines von Griechenland unterstützten Putsches gegen den zyprischen Präsidenten, Erzbischof Makarios, an die Macht gekommen war. Die Putschisten strebten damals den Anschluss der gesamten Insel an das ebenfalls von einer Militärjunta regierte Griechenland an.

Bereits in den Jahren vor dieser Entwicklung hatte es vielfach Übergriffe und Pogrome gegen die türkische Bevölkerung auf Zypern gegeben. Die unter dem Namen „Operation Atilla“ durchgeführte Militäraktion führte in weiterer Folge zum Ende der Militärdiktatur in Griechenland, die türkischen Truppen blieben dennoch auf Nordzypern stationiert und 1983 erklärte der dort entstandene De-facto-Staat unter dem bis 2005 regierenden Langzeitpräsidenten Rauf Denktaş seine Unabhängigkeit. In den letzten Jahren gab es mehrere Versuche, die Insel zu einigen, 2004 scheiterte jedoch ein Referendum zur Wiedervereinigung an einer „Nein“-Mehrheit im griechischen Teil.

Frankenthal
Zu laut: Ordnungsamt beendet Fußball-Pokalspiel beim Elfmeterschießen

Weil direkte Anwohner über den Lärm auf und neben dem Spielfeld geklagt hatten, ist am Dienstagabend in Frankenthal das Pokalmatch zwischen Pirates F.C. (C-Klasse) und dem SV Studernheim (B-Klasse) mitten im Elfmeterschießen beim Stand von 3:3 von Mitarbeitern Ordnungsamtes abgebrochen worden. Wie die Tageszeitung Rheinpfalz weiter berichtet, verwies eine Sprecherin der Stadtverwaltung auf eine Anfrage des Blattes darauf, dass die geltende Hausordnung für den Hartplatz der Friedrich-Ebert-Schule, der mitten im Wohngebiet Pilgerpfad liegt, ein Spielende um 21.30 Uhr vorschreibe. Ab 22 Uhr gelte dann Nachtruhe, der Abbruch sei wiederum um 22.25 Uhr durchgesetzt worden. Die ausstehenden Elfmeter noch ausführen zu lassen, sei insofern keine Option gewesen, berichtet Rheinpfalz weiter. „Fünf Minuten länger – und alles wäre erledigt gewesen“, kritisiert der Vorsitzende des Fußballkreises Rhein-Pfalz, Peter Schakewitsc, am Mittwoch das aus seiner Sicht fehlende Fingerspitzengefühl der Beamten vor Ort. Er habe in den langen Jahren als Verbandsfunktionär „so etwas Kleinliches noch nicht erlebt“, schreibt Rheinpfalz. Jetzt müsse für die Wiederholung des Spiels ein neuer Termin gefunden werden, was finanziellen und organisatorischen Aufwand für Verband und Vereine bedeute. https://www.facebook.com/PiratesFC2017/posts/1090346864501976

Istanbul-Izmir
Türkei: Über 1,7 Millionen Fahrzeuge passierten neue Autobahnstrecke während der Feiertage

Rund 1.745.614 Fahrzeuge nutzten die neu eröffnete Autobahn Istanbul-İzmir während der Feiertage vom 10. bis 18. August, so Minister Cahit Turhan, Minister für Transport und Infrastruktur. „Es nutzten somit 50 % mehr Autofahrer diese Autobahn, als laut dem Betreibermodell (BOT Build Operate Transfer) notwendig wären.  So haben unsere Bürger denjenigen eine passende Antwort gegeben, die allein aufgrund ihrer oppositionellen Haltung gegen dieses Megaprojekt Einspruch erhoben haben, sagte Turhan Reportern in der Hauptstadt Ankara. An den Zahlen sähe man, dass sowohl für die neue Osman-Gazi-Brücke als auch für die neue Autobahn ein Bedarf bestehe. Das Autobahnprojekt Istanbul-İzmir hat eine Gesamtlänge von 426 Kilometern, darunter eine 384 Kilometer lange Autobahn und 42 Kilometer der Zugangsstraße. Die Osmangazi-Brücke, ein wichtiger Bestandteil des Projekts, wurde bereits 2016 eröffnet. Allein auf der Osmangazi-Brücke passierten 353.739 Fahrzeuge während der Feiertage, sagte Turhan. Das Megaprojekt, das die nach Einwohnerzahl größte Stadt der Türkei, Istanbul, mit ihrer drittgrößten Stadt, Izmir, an der ägäischen Küste, verbindet, verkürzt die Reisezeit zwischen den beiden von achteinhalb Stunden auf etwa dreieinhalb Stunden. Das Autobahnprojekt schuf während des Baus Arbeitsplätze für 8.500 Menschen, und weitere 6.100 Menschen werden während des Betriebs beschäftigt sein. „Mit der Nutzung der Autobahn wird ein Rückgang der CO2-Emissionen pro Automobil um 26 Kilogramm prognostiziert, während insgesamt für alle Fahrzeugtypen pro Jahr ein Rückgang von 375.000 Tonnen[der CO2-Emissionen] zu verzeichnen ist“, sagte Turhan.  

Interpol-Fahndung
Polnische Polizei fahndet nach mutmaßlicher Drogen-Patin Magdalena Kralka

Warschau – Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat auf Antrag der polnischen Ermittlungsbehörden die mutmaßliche Drogen-Patin Magdalena Kralka zur Fahndung ausgeschrieben. Interpol gab eine „Rote Notiz“ an ihre 194 Mitgliedsländer heraus, Die 30-jährige Polin wird beschuldigt, der Kopf einer Drogenorganisation zu sein. Kralka habe im Zeitraum von zwei Jahren in den Gebieten Woiwodschaft Westpommern und Malopolski 65 Kg Marihuana und Kokain vertrieben. Nach der Festnahme des früheren Kopfes der Organisation 2017 ist Kralka an seine Stelle getreten, so die polnische Polizei. Ihre Gruppe habe auch Verbindungen zu den berüchtigten Krakauer Fußball-Hooligans gehabt und diese auch mit Drogen beliefert, berichtet Daily Mail. Kralka ist 1,72 Meter groß und von schlanker Statur. Sie hat blonde Haare und grüne Augen. Als letzten bekannten Aufenthaltsort gab die Polizei die südpolnische Stadt Krakau an. https://www.facebook.com/Malopolska.Policja/photos/a.578930048843617/2964055066997758/?type=3&theater
(Foto: Screenshot)

Balkan
Kosovo: Parlament aufgelöst

Pristina – Das kosovarische Parlament hat sich am Donnerstag selbst aufgelöst. Bei einer Abstimmung sprachen sich 89 der 120 Abgeordneten für eine Selbstauflösung aus. Somit hat das Parlament den Weg für Neuwahlen freigemacht. Präsident Hashim Thaci muss nun innerhalb von 30 bis 45 Tagen einen Termin für vorgezogene Parlamentswahlen festlegen. Im vergangenen Monat hatten mehrere Parteien Neuwahlen gefordert, nachdem Regierungschef Ramush Haradinaj seinen Rücktritt angekündigt hatte. Er hatte seine Entscheidung mit einer Vorladung vor ein Sondergericht zur Ahndung von Kriegsverbrechen begründet.  Während des Kosovo-Krieges war Haradinaj Befehlshaber der Widerstands-Organisation UCK.
Ein Sondertribunal in Den Haag hat ihn wegen seiner Rolle bei dem Aufstand gegen die serbischen Streitkräfte 1998-99 als Verdächtiger für Kriegsverbrechen vorgeladen.

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– Balkan – Kosovo: 22 Polizisten wegen Abschiebung türkischer Staatsangehöriger angeklagt

16 Monate nach der umstrittenen Abschiebung von sechs türkischen Staatsangehörigen aus dem Kosovo in die Türkei im März 2018 sollen 22 Mitglieder der kosovarischen Polizei in einem Bericht genannt worden sein, der sie mit dem vom Polizeiinspektorat des Kosovo, IPK, veröffentlichten Fall verbindet.

Kosovo: 22 Polizisten wegen Abschiebung türkischer Staatsangehöriger angeklagt
 

Berlin
Nach Streit um Uiguren: Digitalausschuss sagt China-Reise ab

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Die für morgen geplante Reise des Digitalausschusses des Bundestags ist nun offiziell abgesagt. Ausschusssprecher Schipanski bedauert, dass es von Chinas Seite nicht mehr Akzeptanz gegeben hat – dennoch setzen die Parlamentarier weiter auf den Dialog mit Peking. Nach dem Streit um das Einreiseverbot für die Grünen-Menschenrechtsexpertin Margarete Bause (Grüne) musste der Bundestagsausschuss Digitale Agenda seine für Freitag geplante Reise nach China absagen. Aufgrund der geplanten Teilnahme von Bause sei der gesamten Delegation keine Einladung seitens der Volksrepublik ausgesprochen worden. „Daher kommt diese Reise nun nicht zustande“, erklärte Tankred Schipanski (CDU), Sprecher des Digitalausschusses und Leiter der Delegationsreise, auf Anfrage des „Tagesspiegel“-Fachdienstes „Background Digitalisierung & KI“. „Ich bedauere das sehr“, sagte Schipanski. Er habe „mehr Akzeptanz dafür erwartet, dass es eine selbstbestimmte Entscheidung des Bundestages ist, wer an einer Delegation teilnehmen darf.“ Dennoch setzen Peking und die Parlamentarier weiter auf einen Dialog. Die chinesische Botschaft habe mitgeteilt, dass „eine Einladung auf Grundlage der ursprünglich gemeldeten Delegation grundsätzlich zu einem späteren Zeitpunkt besteht“, sagte Schipanski. „Diese Option sollten wir prinzipiell offenhalten“, betonte er, denn: „Zum einen muss es unser Interesse als Parlamentarier sein, den Dialog fortzusetzen. Zum anderen ist China einer der führenden Akteure im Bereich digitale Technologie und Innovation“, deshalb sei der Austausch für den Ausschuss Digitale Agenda „von großem Interesse“. Insbesondere auch deshalb, „da aufgrund unserer unterschiedlichen staatlichen Systeme im Bereich der Digitalisierung auch ein unterschiedliches Verständnis von Datenschutz, Privatheit und Selbstbestimmung besteht“. Deutschland und China würden in vielen Bereichen „partnerschaftlich zusammenarbeiten“, trotzdem würden „grundsätzliche Meinungsunterschiede bezüglich der Freiheits- und Menschenrechte“ bestehen. Deshalb seien ein regelmäßiger Rechtsstaatsdialog und ein Menschenrechtsdialog etabliert worden.

Syrienkrise
Bericht: Assad-Armee greift erneut türkischen Beobachtungsposten an

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Streitkräfte des syrischen Regimes haben am Donnerstag erneut einen Beobachtungsposten der türkischen Armee im Nordwesten des Landes angegriffen, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle. Demnach feuerten Kampfjets Assads in der Nähe des Beobachtungspunktes Nr. 8 Schüsse ab. Die Schüsse verursachten jedoch keine Schäden, berichtet Anadolu weiter. Am 19. August griff die syrische Luftwaffe zudem einen Konvoi der türkischen Armee an, der, wie Ankara mitteilte, auf dem Weg zum Grenzübergang Nr. 9 in der Provinz Idlib war. Die Türkei beschuldigte Syrien für den Tod von drei Soldaten und erklärte, dass der Vorfall im Widerspruch zu „Vereinbarungen und dem Geist der Zusammenarbeit mit Russland“ stehe. Einige Medien erwarten bereits ein Ende der türkischen Zusammenarbeit mit Moskau im Sinne des Astana-Prozesses. Das Aufflammen in Idlib wird jedoch die gemeinsamen Anstrengungen Russlands und der Türkei in Syrien nicht beeinträchtigen und nicht zur Unterbrechung des Sotschi-Deals führen, sagte die Staatsduma gegenüber der russischen Tageszeitung Iswestija.

Politiker und Experten, die von der Zeitung interviewt wurden, glauben, dass Ankara nicht riskieren wird, die Beziehungen zu Russland unmittelbar vor der zweiten Lieferung Raketenabwehrsystems S-400 zu verschlimmern. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Wladimir Schamanow, sagte gegenüber Iswestija, dass der Zusammenstoß zwischen den syrischen und türkischen Militärs im Süden Idlibs die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Türkei nicht einschränken wird.

„Wir haben Meinungsverschiedenheiten zu einer Reihe von Fragen mit der Türkei, die es zu lösen gilt. Aber im Allgemeinen sollte dieser Vorfall den Ton unserer Beziehungen nicht beeinflussen“, stellte der Politiker fest. Laut dem Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses Andrey Krasov ist der gemeinsame Kampf gegen Extremisten in Syrien weitaus wichtiger als die derzeitigen Widersprüche, so dass die militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern nicht darunter leiden wird. „Die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Ankara im Bereich der militärischen Ausrüstung, die Anschaffung der S-400 und die Differenzen über Syrien sollten nicht vermischt werden. Die Eskalation in Idlib wird wahrscheinlich nicht zu einer akuten Krise oder einer Unterbrechung der Versorgung der zweiten Ladung der russischen Raketensysteme führen, die für September geplant ist“, sagte Juri Mawaschew, Direktor des Zentrums für das Studium der modernen Türkei.  

Berlin
Deutschland will Allianz mit Türkei bei Künstlicher Intelligenz

Berlin – Deutschland und die Türkei wollen bei der Erforschung der Künstlichen Intelligenz stärker zusammenarbeiten. Das vereinbarte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei einem Treffen mit dem türkischen Industrie- und Technologieminister Mustafa Varank anlässlich der Deutsch-Türkischen Konferenz zu Künstlicher Intelligenz in Berlin. Wie das Wirtschaftsportal finanzen.net. weiter berichtet, hatte Altmaier Varank zu dieser Veranstaltung eingeladen. „Um die digitale Transformation der Wirtschaft erfolgreich voranzutreiben, ist daher die internationale Zusammenarbeit zentral – zum Beispiel, wenn es um den Austausch von Daten oder einheitliche Normen und Standards geht“, zitiert finanzent.net den Bundeswirtschaftsminister. Wirtschaftsexperten, Forscher und Wissenschaftler aus der Türkei und Deutschland treffen sich am Donnerstag in Berlin, um über Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Industrie 4.0 zu diskutieren. „KI ist ein Bereich, in dem deutsche und türkische Unternehmen in Zukunft zusammenarbeiten können“, sagte Oliver Wittke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Wittke erinnerte daran, dass das EU-Schwergewicht Deutschland nach wie vor der wichtigste Wirtschafts- und Handelspartner der Türkei ist. Wittke betonte, dass beide Länder über ein großes Potenzial für bilaterale Zusammenarbeit verfügen, und sagte, dass die Zusammenarbeit im Bereich der digitalen Transformation fortgesetzt werden kann. „KI ist ein Bereich, in dem deutsche und türkische Unternehmen in Zukunft zusammenarbeiten können“, sagte er. Um das Potenzial zu nutzen und die Investitionen deutscher Unternehmen in der Türkei zu erhöhen, müsse die türkische Regierung konkrete Schritte unternehmen. Sahin Albayrak, ein Wissenschaftler der Universität Berlin, betonte, wie wichtig es für die Türkei sei, die KI in verschiedenen Bereichen anzuwenden. „Um schnell zu den fortgeschrittenen Ländern aufzuschließen, muss die Türkei enge Beziehungen zu ihnen aufbauen, um die KI in verschiedenen Bereichen anzuwenden“, sagte er. Er bekräftigte, dass beide Länder begonnen hätten, ihre Marktposition durch die Kopplung von KI an ihre Produkte und Dienstleistungen anzupassen, und sagte, die Konferenz sei ein Schritt weiter.

Aufgrund bahnbrechender Technologien in der Automobilindustrie und KI aus China und den USA in den letzten Jahren will sich Deutschland auf die Investitionen in diesen Bereichen konzentrieren. Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr beschlossen, mehr als drei Milliarden Euro für die KI bereitzustellen und bis 2025 ein Team von 100 Professoren für die Systementwicklung zu bilden.

Gamescom
Verfassungsschutz startet YouTube-Kanäle zur Salafismus-Prävention

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz ist als erste Sicherheitsbehörde in Deutschland mit eigenen Kanälen zur Salafismus-Prävention auf der Videoplattform YouTube aktiv. Minister Herbert Reul stellte die beiden Kanäle am heutigen Donnerstag auf der Computer- und Videospielemesse Gamescom in Köln vor. „Sie können auf diesem Portal Dinge sehen, die junge Menschen dazu bringen sollen, sich von unserer freiheitlichen, demokratischen Art zu leben abzuwenden. Dem müssen wir uns entgegen stellen. Deshalb entlarven wir die Propaganda der Salafisten mit den stärksten Waffen unserer freiheitlichen Demokratie: Witz, Humor und Fakten“, sagte Reul. Die ersten Videos der Verfassungsschützer sind von heute an online. „Jihadi Fool“, so der Name des ersten Kanals, ist ein Sketch-Comedy-Format, das die Absurdität von Radikalisierung, Terrorismus und Islamismus satirisch thematisiert. „hinter.gründlich“ ist ein Wissensformat, das sich auf den Comedy-Kanal bezieht und salafistischer Propaganda Fakten entgegensetzt. „Die 3.100 extremistischen Salafisten in Nordrhein-Westfalen haben sich nicht in Luft aufgelöst, nur weil das sogenannte Kalifat des ‚Islamischen Staates‘ zerschlagen ist, und die ‚Lies!‘-Stände aus den Innenstädten verschwunden sind. Sie sind weiterhin aktiv und benutzen dabei alle Kanäle, auf denen sie junge Menschen finden“, so der Minister. „Ein Verfassungsschutz, der seinen Auftrag zur Prävention ernst nimmt, kann eigentlich nicht darauf verzichten, auf solchen Portalen aktiv zu sein“, sagte Reul, „wir müssen dahin gehen, wo unsere Zielgruppe ist.“ Mehr als 1,9 Milliarden Menschen sind bei YouTube angemeldet, Videos mit einer Gesamtdauer von über einer Milliarde Stunden werden jeden Tag dort angesehen. „Und leider geht es dabei nicht nur um Zoobesuche und lustige Missgeschicke, die irgendwelchen Hauskatzen passieren“, so der Minister. Produziert werden die Formate des Verfassungsschutzes von der Produktionsfirma BlueLaserBoys, die viel Erfahrung im Bereich der YouTube- und Comedy-Szene hat. Einmal in der Woche soll das Comedy-Format online gehen, alle zwei Wochen das Wissensformat, zunächst ein Jahr lang. „Wir dürfen dieses Feld einfach nicht den Extremisten überlassen“, so Reul. Bereits zum dritten Mal ist der Verfassungsschutz deshalb auch mit einem eigenen Stand auf der Gamescom präsent, kommt hier mit den Spielern ins Gespräch, schärft deren Sinne für extremistische Inhalte, für Propaganda, und wirbt für die Demokratie. Mehr als 35 Millionen Menschen spielen regelmäßig am PC oder an der Konsole. „Wir brauchen diese Menschen. Nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen. Denn – um im Bild zu bleiben – Demokratie ist ein Multi-Player-Game“, sagte der Minister.

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Deutsche Sicherheitsbehörden sollen im Kampf gegen Rechtsterrorismus und Hasskriminalität neu aufgestellt werden.

BKA will Kampf gegen Rechtsterrorismus verstärken