Corona-Pandemie
Kommentar: Die Welt nach Corona

Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei“ ist.
Von Matthias Horx Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird” und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt. Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:
Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020
Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafé in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern? Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst. Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an. Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist. Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist. Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit. Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult. Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivial-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert. Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich? Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen… Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out. Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen. Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point. Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt. Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander? Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist. Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann. Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen. Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten. Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?
RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung
Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen. Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit. Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren. Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört. Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang. Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen. Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren. Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang. So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren. Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt. Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwort­lich­keiten bekam in dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht. Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.
Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger
Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese. Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme. Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet. Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas. „Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.” Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen. Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden. System reset. Cool down! Musik auf den Balkonen! So geht Zukunft. Mit freundlicher Genehmigung von Zukunftsinstitut.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
 

Corona-Pandemie
Corona-Krise: 31 Arztpraxen in Berlin wegen fehlender Schutzausrüstung geschlossen

Berlin – In Berlin sind derzeit 31 Arztpraxen wegen fehlender Schutzausrüstung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschlossen. Das bestätigte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV Berlin) auf Nachfrage der Redaktion rbb24 Recherche. Insgesamt haben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bislang 101 von gut 6.500 Praxen ihre Arbeit einstellen müssen. In 63 Fällen waren Quarantänemaßnahmen für die Mitarbeiter der Grund, in 7 Fällen die Betreuung von Kindern, nachdem Kitas und Schulen geschlossen wurden. Grundsätzlich sei die Versorgung noch immer gesichert, so die KV weiter. Man behelfe sich mit dem noch zur Verfügung stehenden Material. Für die kommenden 6 Monate benötigen die Berliner Ärzte nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung 1,5 Millionen Atemschutzmasken Masken vom Typ FFP2 und 20.000 vom Typ FFP3. Bislang seien durch das Bundesgesundheitsministerium jedoch erst 23.000 Stück zur Verfügung gestellt worden. Auf der Bedarfsliste stehen auch 600.000 Mund- Nasenschutzmasken, 3 Millionen Schutzkittel und 50.000 Schutzbrillen. Für die Beschaffung der Schutzausrüstung sind die Beschaffungsämter des Bundesinnenministeriums, der Bundeswehr und die Generalzolldirektion zuständig. Die Ämter arbeiten dabei arbeitsteilig. So ist das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums vor allem für den Einkauf von Handdesinfektionsmitteln zuständig. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) deckt gemeinsam mit der Generalzolldirektion den Bereich Schutzbrillen, Atemschutzmasken, Schutzanzüge sowie Technik ab. Nach Lieferung der Waren übernimmt das Bundesgesundheitsministerium die Verteilung in Deutschland.
Was sind Coronaviren?
Coronaviren wurden erstmalig Mitte der 1960er Jahre identifiziert. Sie können entweder Menschen oder Tiere infizieren. Ein Teil der Erkältungskrankheiten des Menschen wird durch Coronaviren ausgelöst. Selten können Coronaviren, die zuvor nur Tiere infiziert haben, auf den Menschen übertreten, sich dort weiterverbreiten und auch zu schweren Erkrankungen führen. In der Vergangenheit war das bei den Ausbrüchen von SARS-CoV (Severe Acute Respiratory Syndrome) und MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome) der Fall und ist auch bei dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) so.
Gibt es einen Impfstoff?
An Impfstoffen wird zurzeit, auch in Deutschland, intensiv geforscht. Es wird angenommen, dass es zirka 12 Monate dauert, bis ein sicherer Impfstoff auf dem Markt ist.
Werden bei einem rasanten Anstieg der Betroffenenzahlen wie in China Krankenhausneubauten in Betracht gezogen?
Das deutsche Gesundheitssystem hat mit 34 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner eine der besten Infrastrukturen für Patienten, die intensivmedizinisch betreut und beatmet werden müssen. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Ausbruches belasten die Kapazitäten des Gesundheitssystems sehr. Es wird im Moment intensiv daran gearbeitet, die Kapazität von Material, Beatmungsbetten und eingewiesenem Personal zu erhöhen und dynamisch an das Ausbruchsgeschehen anzupassen. Dazu kann auch der Aufbau provisorischer Krankenhäuser gehören.
Wie lange halten sich die neuartigen Coronaviren auf Oberflächen?
Die Stabilität in der Umwelt hängt von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche ab. Nach derzeitigen Erkenntnissen kann SARS-CoV-2 bis zu 3 Stunden in der Luft, bis zu 4 Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu 2-3 Tagen auf Edelstahl und Plastik ansteckend bleiben.
Was bedeuten SARS-CoV-2 und Covid-19?
Seit dem 11. Februar 2020 trägt das neuartige Coronavirus, das vorläufig mit 2019nCoV bezeichnet wurde, einen neuen Namen: SARS-CoV-2. Das Akronym SARS steht hierbei für “Schweres Akutes Atemwegssyndrom”. Die Erkrankung, welche durch SARS-CoV-2 ausgelöst wird, wird mit Covid-19 bezeichnet (Corona Virus Disease 2019).
Woher kommt das neuartige Coronavirus und wann wurde es entdeckt?
Es wird vermutet, dass das Virus von Fledermäusen stammt. Die ersten Patienten haben sich augenscheinlich auf einem Huanan-Seafood-Markt in der chinesischen Stadt Wuhan infiziert, bei dem auch Wildtiere bzw. Organe von anderen Tieren und Reptilien angeboten wurden.
Ist das deutsche Gesundheitssystem dieser Situation gewachsen?
Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten in Europa. Es werden Maßnahmen zur Vorbereitung und gegen die Ausbreitung der Erkrankung unternommen. Um die Belastung des Gesundheitssystems so gering wie möglich zu halten und die Versorgung schwerkranker Patienten sicherzustellen, ist es wichtig, dass die Ausbreitung von SARS-CoV-2 so langsam wie möglich erfolgt. Jeder sollte daher die wichtigsten und effektivsten Schutzmaßnahmen wie eine gute Händehygiene, eine korrekte Husten- und Niesetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes (ca. 1,5 bis 2 Meter) berücksichtigen.
Wie kann ich mich infizieren?
Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, die vorrangig über die Schleimhäute von Mund und Nase, aber auch durch den Kontakt über die Hände erfolgen kann.
Wie lange ist die Inkubationszeit bei einer Infektion mit dem neuartigen Coroanvirus?
Die Inkubationszeit kann bis zu 14 Tage betragen, im Durchschnitt jedoch 5-6 Tage.
Welche Altersgruppen sind von Covid-19 besonders betroffen?
Alle Altersgruppen können sich infizieren und erkranken. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind Menschen höheren Alters (60+) und jene, die bereits von Grunderkrankungen betroffen sind. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Kann das Virus auch über den Stuhlgang bzw. Toilettengang in den Wasserkreislauf übertragen werden?
Das Virus konnte in einigen Fällen im Stuhl nachgewiesen werden. Nach derzeitigem Stand ist eine Übertragung aus dem Stuhl über Schmierinfektion jedoch äußerst selten. Man geht derzeit davon aus, dass sich das Virus vor allem über Tröpfcheninfektion bzw. Schmierinfektion von Sekreten aus den Atemwegen über die Hände überträgt. Der Wasserkreislauf spielt bei der Übertragung des Virus keine Rolle.
Was bringen Mund-Nasen-Schutz und Händedesinfektionsmittel?
Wenn eine an einer Atemwegsinfektion erkrankte Person einen Mund-Nasen-Schutz trägt, kann das Risiko einer Ansteckung anderer Personen vermindert werden, da Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen entstehen, zurückgehalten werden. Dass bei gesunden Personen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung vermindert, ist nicht bewiesen. Hier ist eher die physische Barriere relevant, die verhindert, dass man sich ins Gesicht fasst. Im privaten Umfeld, ohne das eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vorliegt, ist eine Händedesinfektion im Allgemeinen nicht erforderlich. Hier ist es wichtiger, sich regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen und darauf zu achten, dass Handtücher, Zahnbürsten, Besteck, u.ä. nicht mit anderen Familien- oder Wohnungsbewohner geteilt wird.
Was mache ich, wenn ich krank bin? Wie kann ich andere schützen?
Bei jeder Atemwegsinfektion ist es wichtig, dass Sie und Ihr Umfeld die Hygieneregeln einhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden: regelmäßiges Händewaschen, Einhalten der Husten- und Niesregeln und Abstand halten. Wenn Sie befürchten, sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu haben, kontaktieren sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Sollte bei Ihnen das neuartige Coronavirus nachgewiesen werden, wird Ihnen das Gesundheitsamt mitteilen, was Sie sonst noch beachten müssen um andere zu schützen.
Besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr während der Schwangerschaft?
Schwangere haben nach bisherigen Erkenntnissen weder ein erhöhtes Ansteckungsrisiko noch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Wie soll man sich in Senioren- und Pflegeeinrichtungen verhalten?
In den meisten Einrichtungen bestehen derzeit sehr eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten, wodurch verhindert werden soll, dass Besucher das neuartige Coronavirus auf Bewohner übertragen. Diese haben aufgrund des Alters und möglicher Vorerkrankungen ein besonders hohes Risiko schwer zu erkranken. Auch in Senioren- und Pflegeheimen muss daher auf gute Händehygiene, eine korrekte Husten- und Niesetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes (ca. 1 bis 2 Meter) von krankheitsverdächtigen Personen geachtet werden.
Sind Kinder betroffen?
Aus den bisherigen Daten konnte man erkennen, dass ein schwerer Verlauf bei ansonsten gesunden Kindern (also nicht chronisch vorerkrankten) sehr unwahrscheinlich ist.
Welche Vorerkrankungen sind bei der Infektion mit dem neuen Coronavirus relevant?
Aus den bisherigen Daten konnte man eine Reihe von Risikofaktoren identifizieren, die statistisch gesehen einen schwereren Verlauf genommen haben. So sind Bluthochdruck, Herzvorerkrankungen, Diabetes mellitus und chronische Lungenerkrankungen als Risikofaktoren bekannt. Die Tatsache, dass Sie an einer dieser Erkrankungen leiden, bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Infektion schwer verlaufen muss. Die Aussagen zu Vorerkrankungen als Risikofaktoren sind im Grunde mathematische Aussagen zu Wahrscheinlichkeiten und lassen keine direkten Folgerungen für die individuelle Situation zu. Bitte wenden Sie sich an ihre Ärztin/ihren Arzt wenn Sie weitere Fragen haben.
Wie gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen?
Menschen mit Vorerkrankungen (wie z.B. Bluthochdruck, Herzvorerkrankungen und Diabetes) sind neben älteren Personen besonders gefährdet, einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erleiden. Für diese Personengruppen ist daher besonders wichtig, Infektionen zu vermeiden: Abstand halten in der Öffentlichkeit von mind. 1,5 m zu anderen Menschen, regelmäßiges Händewaschen, möglichst zu Hause bleiben, sich so weit möglich durch Familien- oder Nachbarschaftshilfe versorgen lassen, private Kontakte auf das Notwendigste reduzieren und die Abstandsregeln beachten. Bei Fragen zum eigenen Krankheitsbild sollte Kontakt mit dem betreuenden Arzt/der betreuenden Ärztin aufgenommen werden.
Kann man sich über Produkte anstecken, die in Regionen, in denen SARS-CoV-2 verbreitet ist, hergestellt wurden?
Nein, das ist nach derzeitigem Wissenstand sehr unwahrscheinlich.
Kann eine Grippeimpfung vorbeugend wirken bei Vorerkrankungen, Älteren und Schwangeren , sodass eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus milder verlaufen könnte?
Dies ist nicht der Fall. Die Grippeimpfung könnte aber das Risiko einer Grippeerkrankung senken. Außerdem könnte sie verhindern, dass Personen zwischen Grippe- und Covid-19 Symptomen nicht unterscheiden können und fälschlicherweise denken, sie seien an Covid-19 erkrankt. Zusätzlich könnte durch eine geringere Anzahl Grippekranker das Gesundheitssystem entlastet werden.
Quelle: Zusammen gegen Corona  

Türkei
Absturz oder Mord? – Der Fall Muhsin Yazıcıoğlu

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Es war der 25. März 2009, also vor 11 Jahren, als Muhsin Yazıcıoğlu, Vorsitzender der Partei der Großen Einheit (BBP), in der türkischen Stadt Kahramanmaraş an einer Wahlkampfveranstaltung teilnahm, um anschließend nach Sivas, seiner Heimatstadt, zurückzufliegen. Entgegen seiner Gewohnheit, fuhr Yazıcıoğlu nicht mit dem Auto, sondern mietete über sein Wahlkampfteam einen Hubschrauber. „Muhsin Başkan“ (heißt übersetzt sinngemäß der Chef bzw. der Vorsitzende) und seine Begleiter stiegen in den Hubschrauber und flogen los. Der Pilot bemerkte technische Probleme und nach Erkenntnissen der Ermittler nahm dieser um 15:03 Uhr Ortszeit eine harte Landung vor. Die Gegend, über dem der Hubschrauber vor seinem Absturz flog, war der Berg Keş (über 2.000 Meter hoch), der zu dieser Zeit schneebedeckt war. In der Maschine befanden sich neben Yazıcıoğlu, der Pilot, drei Parteifreunde und der Journalist Ismail Güneş. 23 Minuten nach dem Absturz rief der schwerverletzte Journalist Güneş über sein Mobiltelefon den Notruf 112 an. Es wurde eine groß angelegte Suchaktion nach dem abgestürzten Hubschrauber gestartet, die von Einheiten der Gendarmerie und Armee unterstützt wurde. Das Polizeipräsidium in Kahramanmaraş war einer der Stellen, von wo die Suchaktion nach dem Hubschrauber koordiniert wurde. Dort passierte gegen 17:40 etwas Außergewöhnliches. In der Abteilung Nachrichtendienst des Polizeipräsidiums arbeitete Dursun Özmen, der eine Mitteilung an alle Polizeipräsidien der 81 Provinzstädte versenden ließ. Er wurde von seinem Kollegen ermahnt, diese Mitteilung nicht zu versenden, da die Absturzstelle nicht im Amtsbereich der Polizei liege, sondern der Gendarmerie unterstellt sei. In der Mitteilung hieß es „Muhsin Yazıcıoğlus Bein ist gebrochen und wird mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht.“ Die Mitteilung wurde versendet und das eigentlich kuriose daran: Die Suchtrupps finden erst 48 Stunden später das Wrack des Hubschraubers und Yazıcıoğlus lebloser Körper wurde 50 Meter entfernt von der Absturzstelle gefunden und ein Bein war tatsächlich gebrochen. Das bedeutet, dass nach dem Unglücksabsturz sich Personen am Unglücksort aufgehalten haben müssen. Nach Ansicht des Journalisten Köksal Akpınar (TRT Haber) hätten mindestens vier der sechs Opfer gerettet werden können, einschließlich Muhsin Yazıcıoğlu, wenn an die Rettungsteams die richtigen Koordinaten des Absturzortes versendet worden wären. Der Journalist Güneş sei nach dem Absturz mindestens bis 18:00 Uhr noch am Leben gewesen. Das gleiche gelte für Yazıcıoğlus Parteikollegen Erhan Üstündağ und Erhan Yancı sowie Yazıcıoğlu selbst. Nach Ansicht der beiden Journalisten Köksal Akpınar und Nedim Şener wurde den Rettungsteams mit Absicht die falschen Koordinaten der Absturzstelle mitgeteilt, damit die Opfer des Hubschrauberabsturzes der Kälte vor Ort ausgesetzt und ohne fremde Hilfe sterben. Die wichtige Frage wäre, um wen es sich bei Dursun Özmen handelt? Vor seiner Versetzung an das Polizeipräsidium in Kahramanmaraş war Özmen Stabschef von Ramazan Akyürek, der vor seiner Verhaftung Präsident des zentralen Nachrichtendienstes der Polizei war. Akyürek galt innerhalb der Polizei als einer der wichtigsten Männer des terroristischen Gülen-Netzwerks. Die Gülen-Mitglieder bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft, den Gerichten und anderen Behörden, hatten die Aufklärung über die Umstände des Hubschrauberabsturzes von Muhsin Yazıcıoğlu sowie seiner Begleiter und Beweismittel jahrelang systematisch unterschlagen. Die türkischen Ermittlungsbehörden konnten anhand der Telefonanrufe von Dursun Özmen am Absturztag des Hubschraubers feststellen, dass dieser 38 Mal mit dem zentralen Nachrichtendienst der Polizei bzw. mit Akyürek in Kontakt stand bzw. von ihm Weisungen erhielt. Nach Nedim Şener liegen der Generalstaatsanwaltschaft in Kahramanmaraş genügend Beweise vor und es wurden Ermittlungen gegen Fetö-Mitglieder (Fetullahistische Terrororganisation) und den in die USA geflohenen Terrorchef F. Gülen eingeleitet. Die Familie von Yazıcıoğlu hat bei der türkischen Staatsanwaltschaft die Verhaftung von Gülen und seine Auslieferung an die Türkei verlangt.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– DEVA – Türkei: Ex-Wirtschaftsminister Babacan gründet neue Partei

Ali Babacan, der einst für die türkische Wirtschaft verantwortlich war und dem man den Verdienst zuschreibt, den Wirtschaftsboom des Landes in den 2000er Jahren ausgelöst zu haben, hat am Montag seine lang erwartete Partei offiziell registriert und damit die monatelangen Spekulationen über das Schicksal seiner Bewegung beendet.

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Corona-Pandemie
Corona-Krise: Zahl der Toten in der Türkei auf 75 gestiegen

Ankara (nex) – Die Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus (Covid-19) ist in der Türkei erneut stark angestiegen, von 44 am Dienstag auf 75 am heutigen Donnerstag. Wie der Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Donnerstagabend auf Twitter mitteilte, seien in den letzten 24 Stunden insgesamt 7.286 Tests durchgeführt worden. Die Zahl der Infizierten sei auf 3.629 gestiegen. 16 Menschen seien allein am Donnerstag an dem Virus gestorben, so der türkische Gesundheitsminister. Koca rief die Bürger erneut auf sich an die vorgeschriebenen Maßnahmen zu halten. Ankara hat bereits zahlreiche Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus erlassen. Unter anderem sind Cafés und Bars geschlossen und Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt. Seit Sonntag ist eine Ausgangssperre für Menschen ab 65 Jahren und chronisch Kranke in Kraft, berichtet Onvista. Nach einer neuen Regelung des Innenministeriums wird zudem die Anzahl an Kunden, die gleichzeitig einen Supermarkt betreten dürfen, begrenzt. In öffentlichen Verkehrsmitteln sind zudem nur noch 50 Prozent der zugelassenen Kapazität an Fahrgästen erlaubt. Wie Vizepräsident Fuat Oktay am Mittwoch mitteilte, hat die Türkei wegen der Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 rund 2700 Studenten aus Ländern wie Polen, Italien Nord-Zypern oder Ägypten heimgeholt. Nach Ankunft in der Türkei seien die Betroffenen unter Quarantäne gestellt worden. Wie der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu im Fernsehen mitteilte, seien die 2721 Studenten mit elf Flügen aus acht Ländern zurückgebracht worden.
Zudem stehen bereits tausende Staatsbürger, die von Pilgerfahrten nach Saudi-Arabien in die Türkei zurückgekehrt waren, unter Quarantäne.

dpa-Faktencheck
Faktencheck: Güterwagen transportiert nicht das Coronavirus

Berlin (dpa) – Das Foto eines schwarzen Güterwaggons für den Transport von Flüssigkeiten oder Gasen wird über soziale Netzwerke verbreitet. Auf dem Kesselwagen ist die Aufschrift „COVID-19“ zu erkennen – als würde er eine große Menge des Coronavirus transportieren. Der Schriftzug wird mit einem roten, in das Foto gemalten Kreis besonders hervorgehoben. Neben der Abbildung finden sich oft Beschriftungen und Kommentare, die andeuten, die Corona-Pandemie sei eine mit dunkler Absicht von einer höheren Instanz wie dem Staat oder „den Mächtigen“ verbreitete Krankheit (http://dpaq.de/hLi9m). BEWERTUNG: Das Foto ist manipuliert. Das für die Pandemie verantwortliche Virus heißt Sars-CoV-2. Die Bezeichnung Covid-19 steht für die von dem Virus ausgelöste Lungenkrankheit. FAKTEN: Abgebildet ist ein schwarzer Kesselwagen, wie er in den USA zum Transport von Flüssigkeiten und Gasen eingesetzt wird. Diverse Formate des manipulierten Bildes sind mittlerweile im Umlauf. Ein größerer Ausschnitt zeigt, dass der Wagen zur Flotte der US-Leasinggesellschaft GATX gehört (http://dpaq.de/DazCJ). Abzulesen ist dies am Schriftzug auf der linken Seite des gezeigten Waggons (http://archive.ph/ZfzG3). Welche Beschriftungen sonst noch auf Kesselwagen in den USA zu finden sind, zeigt eine Broschüre der Association of American Railroads (AAR). Hier fällt auf, dass an der Stelle des „COVID-19“-Schriftzugs im verbreiteten Beitrag normalerweise gar keine Beschriftung aufgetragen ist (http://dpaq.de/2xcQN). Das zeigen ebenso Ergebnisse einer schlichten Online-Suche nach den schwarzen Kesselwagen aus den USA. Auf den im Netz zu findenden Fotos bleibt die Stelle der „COVID-19“-Aufschrift leer (http://dpaq.de/z3Hydhttp://dpaq.de/dhgAu). Untersucht man dann die Abbildung des Zuges mit Programmen für Bildbearbeitung oder Fotoforensik genauer, lassen sich weitere Hinweise auf eine Manipulation erkennen. Nutzt man die Funktionen zur Veränderung des Kontrasts im Bild oder für den Zoom, zeigen sich deutliche Ergebnisse. Bewegt man beispielsweise den Kontrastregler einer einfachen Bildbearbeitungs-Software ans Maximum oder Minimum, fällt auf, dass der „COVID-19“-Schriftzug und die anderen auf dem Wagen zu sehenden Bezeichnungen sich unterschiedlich stark verändern – ein Zeichen dafür, dass ein fremdes Objekt in ein Bild eingefügt wurde. Benutzt man eine Zoom-Funktion und vergleicht die Buchstaben aus der Nähe, wird deutlich, dass der „COVID-19“-Schriftzug schärfer gezeichnet ist als die Bezeichnung „GATX“. Das Weiß der „COVID“-Buchstaben wirkt etwas weißer, auch unterscheidet sich bei starker Vergrößerung der Hintergrund der manipulierten Stelle von dem an anderen Stellen des Tanks. Außerdem wirkt der Schriftzug im Vergleich zum Rest des Kesselwagens perspektivisch nicht korrekt. Die Schrift müsste sich leicht in Richtung des Fluchtpunktes verjüngen, stattdessen wirkt sie zweidimensional und auf das Foto aufgesetzt. Weitere Auffälligkeiten werden beim Benutzen von Programmen der digitalen Bildforensik deutlich. Die Faktenprüfer von Mimikama stellten bei ihren Untersuchungen Auffälligkeiten über die Rauschanalyse fest (http://dpaq.de/N07hH). Auch bei Untersuchungen mit einem „Level Sweep“-Werkzeug zeigen sich ähnliche Auffälligkeiten (http://dpaq.de/MfGEW). Mit diesem Werkzeug ist es möglich, Unregelmäßigkeiten im Foto besser sichtbar zu machen. Neben den Auffälligkeiten im Foto ergibt die Aufschrift „COVID-19“ auch inhaltlich wenig Sinn. Die Bezeichnung steht für die durch das Virus ausgelöste Lungenkrankheit, das Virus selbst heißt Sars-CoV-2. Und angenommen, es gäbe tatsächlich einen geheimen Transport eines Virus: Würden die Verantwortlichen das dann groß auf den Waggon schreiben?

Corona-Pandemie
Corona-Lockdown: Literaturtipps gegen Langeweile

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Weil viele von uns wegen der Corona-Krise derzeit gezwungen sind Zuhause zu bleiben, im Homeoffice arbeiten oder auch ganz normal weiterarbeiten, habe ich mir gedacht, dass ich für die freien Stunden ein paar Lesetipps aufschreibe. Ich werde mich zunächst auf drei Werke beschränken. Was ich hier empfehle, ist zweifellos subjektiv und es bleibt jedermann selbst überlassen welches Buch er/sie liest. Ich kann aber versprechen, dass die empfohlenen Werke dieser Autoren qualitativ hochwertige Bücher sind und keine Langeweile aufkommt. Siegfried Lenz: Schweigeminute
(Foto: Screenshot)
Zweifellos gibt es viele Erzählungen über die Liebe zwischen einer Lehrerin und ihrem Schüler, aber Siegfried Lenz ist mit der Novelle „Schweigeminute“ etwas ganz Besonderes gelungen. Ist es die typische Erzählweise von Lenz oder die Geschichte an sich? Es ist eine Mischung aus beidem, denn Lenz erzählt von einer Englischlehrerin namens Stella Petersen, die an einem Gymnasium unterrichtet und ihrem Schüler Christian, der sich in sie verliebt hat. Das Schicksal ist manchmal erbarmungslos, die Protagonistin Stella Petersen stirb bei einem Segelunfall und Christian erinnert sich auf der Gedenkfeier in der Schule an seine verstorbene Lehrerin. Es ist aus der Perspektive des Schülers geschrieben, also beim Ich-Erzähler handelt es sich um den Abiturienten Christian. Dieser Christian schildert diese Liebesgeschichte auf 128 Seiten wie einen Film und es macht einfach Spaß es zu lesen. Die Novelle ist sprachlich einfach, aber sehr feinfühlig geschrieben, die Handlungsorte ist Norddeutschland und die Ostsee. Ahmet Rasim: Die Mühen des Lebens Istanbul, die alte osmanische Hauptstadt gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte einer unglücklichen Ehe zwischen einem durch eine Infektionserkrankung im Gesicht gekennzeichneten Mannes (Hausherr) und seiner Ehefrau (Firdevs), die Hauptfigur der Novelle ist. Obwohl er seine Zuneigung ihr gegenüber stets offenbart, wird die liebevolle Empfindung von ihr nicht erwidert. Wenn zwei nicht zueinander finden und das Glück ausbleibt, kommt es zur unvermeidlichen Trennung. Sie verlässt das gemeinsame Haus und möchte ein neues Leben beginnen. Mit dieser Novelle begleitet Rasim die Leser in eine längst verloren geglaubte Epoche der 1890-er Jahre. Wie keinem anderen Autor gelingt es ihm das Leben, die Probleme und die Traditionen der damaligen Zeit sehr detailliert und mit einer kraftvoll bezaubernden Sprache zu beschreiben. In Istanbul wurde Ahmet Rasim 1864 geboren, in dieser Metropole fühlte er sich am wohlsten. Er verfasste unzählige Romane, Novellen, Dichtungen, Prosa, Artikel und vieles mehr. Ein absolutes Muss für jeden Fan von Istanbul und der osmanisch-türkischen Literatur. Fjodor M. Dostojewski: Schuld und Sühne
(Foto: Screenshot)
Wer kennt ihn nicht, diesen genialen Schreiber des russischen Realismus, Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Was hat dieser Dostojewski nicht alles geschrieben, aber heute werde ich Schuld und Sühne vorstellen, obwohl der gleiche Roman später neu übersetzt unter dem Titel Verbrechen und Strafe veröffentlicht wurde. Nichtsdestotrotz ist es meiner Ansicht nach eines der besten Bücher von Dostojewski. Ort der Handlung ist das zaristische Sankt Petersburg und die Hauptfigur der Geschichte ist der Student Rodion Raskolnikow, der aus Verzweiflung zum Doppelmörder wird. Wer einmal angefangen hat dieses Buch zu lesen, den lässt die spannende Erzählweise von Dostojewski nicht mehr los. Egal ob daheim, in der S-Bahn oder in der Mensa. Es gibt selten einen Autor, der diese Fähigkeit besitzt und von Anfang bis Ende keine Langeweile herrscht. Um was geht es in diesem Roman? Es geht um soziale Ungerechtigkeit, um Moral und um Schuldgefühle, denn das damalige Russland war von sozialen Umbrüchen geprägt. Ein Markenstein von Dostojewski ist seine schnörkellose realistische Erzählweise, die Fiktion als Wahrheit, absolut lesenswert.

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– Kultur – Zum 201. Geburtstag von Nikoloz Baratashvili

Gestern vor 201 Jahren wurde einer der bedeutendsten Dichter der europäischen Romanik geboren, Nikoloz Baratashvili (4.11.1817 Tbilisi – 21.10.1845 Ganja). Aufgrund der Sprachbarriere ist er – wie zahlreiche georgische Schriftsteller und Dichter weitgehend unbekannt.

Zum 201. Geburtstag von Nikoloz Baratashvili

Corona-Krise
Jeder zweite Deutsche fürchtet um Job

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Hamburg – Mehr als jeder zweite Deutsche (55%) glaubt inzwischen nicht mehr daran, dass sich die Ausbreitung von SARS-Cov-2 durch Reisebeschränkungen und angeordnete Selbstisolierungen verhindern lässt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Ipsos-Umfrage, die vom 19. bis 21. März in 14 betroffenen Ländern durchgeführt wurde. Auch in Japan (62%), Indien (61%), Mexiko (59%), Brasilien (56%), Vietnam (55%) und Australien (52%) überwiegt der Anteil derjenigen, die daran zweifeln, dass politische Maßnahmen die Corona-Pandemie eindämmen werden. In China (61%), Kanada (59%), Italien (57%) und Frankreich (56%) ist eine Mehrheit der Bürger dagegen nach wie vor zuversichtlich, dass sich die rasante Verbreitung des Virus durch Reiseverbote und Social Distancing bremsen lässt. Vier von fünf Deutschen befürworten Grenzschließungen Obwohl viele bezweifeln, dass sich das Virus aufhalten lässt, befürworten in Deutschland inzwischen vier von fünf Befragen (80%) eine Schließung der Landesgrenzen sowie ein generelles Ein- und Ausreiseverbot, bis das Virus nachweislich unter Kontrolle gebracht wurde. Das entspricht einem Zuwachs von 23 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche. Lediglich in Kanada und Frankreich (+28 Prozent) ist der Zuspruch für Grenzschließungen noch stärker angestiegen. Virus wird immer öfter als Gefahr für die Gesundheit eingestuft In keinem anderen Land ist die Angst um das eigene Wohlbefinden im Vergleich zur Vorwoche stärker angestiegen als in der Bundesrepublik (+11 Prozent). Inzwischen gehen mehr als vier von zehn Bundesbürgern (43%) davon aus, dass eine mögliche Infektion mit SARS-Cov-2 der eigenen Gesundheit ernsthaft oder gar extrem schaden würde. Am größten ist die Sorge vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Virus aber nach wie vor im asiatischen Raum: Knapp drei Viertel aller befragten Chinesen (77%), Inder (75%) und Vietnamesen (74%) gehen davon aus, dass eine Infektion mit dem Coronavirus ihre Gesundheit ernsthaft beeinträchtigen könnte. Überraschenderweise ist Italien (26%) das einzige Land, in dem diese Einschätzung seit der letzten Erhebung zurückgegangen ist. Jeder zweite Deutsche fürchtet um Job Das Coronavirus wird von vielen Menschen jedoch nicht nur als gesundheitliche Gefahr, sondern als wirtschaftliche und damit einhergehend auch als finanzielle Bedrohung wahrgenommen. In fast allen befragten Nationen ist die Anzahl der Befragten, die glauben, dass die COVID-19 Pandemie eine große Bedrohung für ihren Arbeitsplatz oder ihr Unternehmen darstellt, spürbar gestiegen. Am größten ist die Angst vorm Jobverlust aufgrund der Corona-Krise momentan in Vietnam (66%), dicht gefolgt von Italien (63%). Doch auch in Deutschland wird das Virus inzwischen von mehr als jedem zweiten Arbeitnehmer als potentielle Gefahr für die eigene berufliche Zukunft eingeschätzt.

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– USA – Corona-Krise: US-Anwaltskanzlei reicht Sammelklage gegen China ein

Die in Las Vegas, Nevada ansässige Anwaltskanzlei Eglet Adams hat im Namen von „Kleinunternehmen“ in den Vereinigten Staaten von Amerika, darunter dem US-Bundesstaat Nevada, eine Sammelklage gegen die Volksrepublik China und andere chinesische Regierungsstellen eingereicht – wegen monetären und damit zusammenhängenden Schäden, die durch die Coronavirus-Pandemie entstanden sind.

Corona-Krise: US-Anwaltskanzlei reicht Sammelklage gegen China ein

USA
Corona-Krise: US-Anwaltskanzlei reicht Sammelklage gegen China ein

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Las Vegas – Die in Las Vegas, Nevada ansässige Anwaltskanzlei Eglet Adams hat im Namen von „Kleinunternehmen“ in den Vereinigten Staaten von Amerika, darunter dem US-Bundesstaat Nevada, eine Sammelklage gegen die Volksrepublik China und andere chinesische Regierungsstellen eingereicht – wegen monetären und damit zusammenhängenden Schäden, die durch die Coronavirus-Pandemie entstanden sind. Die Kläger behaupten, dass China, nachdem es erstmals vom Bestehen der Coronavirus-Pandemie Kenntnis erlangte, diese vertuschte und zur Verbreitung des Coronavirus in alle Welt beigetragen hat – und dass es damit Kleinunternehmen in den Vereinigten Staaten von Amerika, darunter dem US-Bundesstaat Nevada, wirtschaftliche Schäden in Höhe hunderter Milliarden US-Dollar zugefügt hat. Die Klage wurde am späten Montag im United States District Court im District of Nevada im Namen der Kläger Bella Vista LLC (einer in Nevada eingetragenen Limited Liability Company), Greenfield & Company Inc. (einer in Nevada eingetragenen Aktiengesellschaft), Life Real Estate LLC (einer in Nevada eingetragenen Limited Liability Company), Mobile Medic CPR LLC (einer in Nevada eingetragenen Limited Liability Company) und DT Group LLC (einer in Illinois eingetragenen Limited Liability Company) eingereicht. Die Klage behauptet, dass über eine Million US-amerikanischer „Kleinunternehmen“ gezwungen worden sind, ihren Betrieb zu schließen oder wesentlich einzuschränken. Die wirtschaftlichen Verluste, die diese Unternehmen erlitten haben, belaufen sich auf hunderte Milliarden US-Dollar. Es wird damit gerechnet, dass diese Zahl – während Gouverneure, County-Commissioners und Bürgermeister von Städten in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika Kleinunternehmen weiter anweisen, ihren Betrieb zu schließen oder einzuschränken – noch deutlich steigen wird.

FÜR DIENSTAG, DEN 24. MÄRZ, 15.00 UHR EASTERN STANDARD TIME IST EINE WELTWEITE PRESSEKONFERENZ ANGESETZT. Die Pressekonferenz wird in den Räumlichkeiten der Anwaltskanzlei von Eglet Adams unter der Adresse 400 South 7th Street, 4. Etage durchgeführt – per „Highfive“-Videokonferenz. Um der Konferenz von Ihrem Rechner oder Mobilgerät aus beizutreten, klicken Sie bitte hier: https://egletlaw.highfive.com/rte-press-conference-re-corona-virus-litigation-kh.

Rechtsextremismus
Mutmaßlicher Lübcke-Mörder: Mordversuch auf Iraker soll angeklagt werden

Hamburg – Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke soll auch wegen eines Messerangriffs auf einen Asylsuchenden angeklagt werden. Der Rechtsextremist Stephan E. soll versucht haben, ihn zu erstechen. Der Generalbundesanwalt bereitet derzeit die Anklage gegen Stephan E. wegen des Mordes an Walter Lübcke vor. Der Rechtsextremist soll den CDU-Politiker in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2019 auf dessen Terrasse mit einem Kopfschuss ermordet haben. Nach Informationen des NDR und „Zeit Online“, der Netz-Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“, wird sich E. jedoch nicht nur wegen des Mordes an Lübcke verantworten müssen, sondern auch wegen eines offenbar rassistisch motivierten Messerangriffs im Jahr 2016. Damals war ein Asylsuchender aus dem Irak in Lohfelden bei Kassel von einem Mann mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Der Generalbundesanwalt sieht einen hinreichende Tatverdacht gegen Stephan E., für die Messerattacke auf den Iraker verantwortlich zu sein. Deswegen soll E. wegen versuchten Mordes vor dem Oberlandesgericht Frankfurt angeklagt werden. Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Der Tatverdacht stützt sich nach Recherchen von NDR und „Zeit Online“ unter anderem auf Ergebnisse kriminaltechnischer Untersuchungen. Am 6. Januar 2016 hatte ein unbekannter Täter den irakischen Flüchtling hinterrücks mit einem Messer angegriffen. Das 22-jährige Opfer erlitt schwere Verletzungen. Der Täter konnte unerkannt auf einem Fahrrad flüchten. Die Tat in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft in Lohfelden – zweieinhalb Kilometer von E.s Wohnhaus entfernt – wurde damals nicht aufgeklärt. Doch bereits 2016 war E. bei der Überprüfung von Personen der rechten Szene ins Visier der Fahnder geraten. Die Ermittler ließen sich das Fahrrad von E. zeigen und befragten ihn, hatten jedoch keinen Anhaltspunkt für eine Tatbeteiligung. Nach der Festnahme von Stephan E. wegen des Mordes an Walter Lübcke nahmen die Behörden die Ermittlungen wegen der Messerattacke wieder auf und durchsuchten dazu das Wohnhaus von E. In seinem ersten Geständnis zum Lübcke-Mord hatte E. auch über den 6. Januar 2016, den Tattag des Messerangriffs, gesprochen. E. sagte aus, an jenem Tag aufgebracht über die Ereignisse an Silvester in Köln gewesen und durch die Straßen im Kasseler Stadtteil Forstfeld, unweit von Lohfelden, gelaufen zu sein. Dabei habe er Wahlplakate der Grünen und der SPD abgerissen. Er sei auch einem „Ausländer“ begegnet, schilderte E. in seiner Vernehmung, diesen habe er mit dem Tode bedroht und gesagt, man müsste ihm den Hals aufschneiden. E.s Anwalt Frank Hannig sagte dazu auf Anfrage, sein Mandant verwahre sich gegen den Vorwurf des Mordversuchs an dem Iraker. Aus Sicht von Stephan E. versuchten die Behörden nun, ihm „jede ungelöste Straftat in Kassel der letzten Jahre in die Schuhe zu schieben“, sagte Hannig auf Anfrage von NDR und „Zeit Online“. Stephan E. sitzt seit Juni 2019 in Untersuchungshaft, weil er Walter Lübcke mit einem Kopfschuss ermordet haben soll. Der Mordverdächtige hatte die Tat zunächst gestanden und die Polizei zu einem Waffenlager geführt, in dem sich auch die Tatwaffe befand. Dieses erste Geständnis zog E. zwischenzeitlich zurück und belastet nun seinen Freund Markus H., den tödlichen Schuss auf den CDU-Politiker abgegeben zu haben. Markus H. sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen ihn wegen des Verdachtes zur Beihilfe am Mord von Lübcke.

Wer wird Millionär
Neuer Millionär: Der Kölner Ronald Tenholte gewinnt 1 Million Euro bei Günther Jauch

Köln – Gute Vorbereitung, einfach mal auf Risiko spielen und Glück haben: Der Kölner Ronald Tenholte (35, Besitzer einer Saft- & Smoothiebar) konnte diese drei Dinge bei „Wer wird Millionär?“ auf sich vereinen. Am Dienstagabend wurde er neuer Millionär bei Günther Jauch. Mit der Million will er endlich seine Verlobte heiraten, ein Elektroauto kaufen und auf jeden Fall seine Saftbar „Kaltpresse“ in der Kölner Südstadt weiterbetreiben. Ronald Tenholte spielte bei RTL wagemutig, risikofreudig und voll auf Sieg. Günther Jauch: „Nach außen hin wirkt er absolut kühl, hat sich vorbereitet auf die Sendung, sagt kein Wort mehr als eigentlich nötig wäre, ist gleichzeitig mutig und hat ein Bauchgefühl…“ Dazu hatte der Kölner auch noch Glück. Die Millionenfrage: „Die klassische, genormte Europalette EPAL 1 besteht aus 78 Nägeln, neun Klötzen und insgesamt wie vielen Brettern?“ A: neun, B: zehn, C: elf, D: zwölf (richtige Antwort C). Ronald Tenholte verzichtet vorerst auf die Antwortmöglichen und rätselt. Ronald Tenholte: „Kann ich einmal nachdenken, bevor die Lösung kommt?“ Günther Jauch: „Ist nicht dumm. Er überlegt sich vorher, wie viel das wohl sein könnte… und guckt dann, ob das irgendwie mit den Antworten zusammenpasst.“ Ronald Tenholte: „Ich bekomme Waren auf Europaletten angeliefert. Die lade ich selber ab.“ Der Saftbar-Besitzer rätselt über Europaletten, schätzt irgendwas zwischen acht und elf Brettern und bittet schließlich um die Antworten. Ronald Tenholte: „Zwölf kann ich ausschließen.“ Günther Jauch gibt Raum und Zeit. Ronald Tenholte: „Ich tendiere zu elf.“ Er atmet tief durch und zählt in Gedanken nochmals die Anzahl der Bretter. „Es sind definitiv zehn oder elf. Ich glaube, es sind elf… Ich habe mit Sicherheit 300 Palletten in meinem Leben entladen.“ Und weiter: „Ich mache es. Wenn es elf sind, dann werde ich es mir bis zum Rest meines Lebens nicht verzeihen. Elf, elf, elf!“ Absolute Ruhe im Studio. Günther Jauch: „Die richtige Antwort ist elf!“ Jubelstürme im Publikum, Umarmung mit Günther Jauch und Glitzerregen. Günther Jauch: „Wahnsinn, super gemacht!“ Schließlich wird eine Europalette ins Studio gebracht und die Bretter werden gezählt. Günther Jauch: „Die Europalette ist in der Million mit drin.“ Dann ruft Günther Jauch noch die Verlobte von Ronald Tenholte, Nora Boeckler (39, Schauspielerin und Komikerin), an. Die beiden Verlobten geben sich telefonisch ein Eheversprechen und Günther Jauch verrät den Millionengewinn. Jubelgeschrei am Telefon und unglaublicher Applaus im Studio. Günther Jauch: „Mehr geht nicht heute Abend.“ Ronald Tenholte ist der zehnte reguläre Millionär (ohne Promi- und sonstige Specials – inklusive aller Specials sind es sogar 16 Millionäre). Der letzte reguläre Millionengewinn liegt fast fünf Jahre zurück. Am 7. Dezember 2015 beantwortete der Doktorand und Eventveranstalter Leon Windscheid alle 15 Fragen richtig. Ronald Tenholte spielte nur mit drei Jokern. Seinen ersten Joker (Publikum) setzte er erst bei der 64.000-Euro-Frage. Im Interview spricht der neue Millionär über seinen großen Auftritt. Sie haben gerade eine Million Euro gewonnen! Wie fühlt sich das an? „Das ist schwer in Worte zu fassen. Es gehen einem so viele Sachen durch den Kopf, das muss man erst mal alles sortieren. Natürlich bin ich total erleichtert und es herrscht ein extremer Überschuss an jeglichen Glückshormonen.“ Was machen Sie mit der Million? „Die Hochzeit mit meiner Verlobten Nora steht an. So ein Gewinn nimmt natürlich ein bisschen Druck raus, weil man weiß, man hat jetzt finanzielle Mittel. Unser größter Wunsch wäre es, in den Bergen zu heiraten, weil wir wirklich Wald-, Wiesen- und Bergekinder sind. Dafür wird ein Teil dieses Gewinns verwendet. Und danach muss ich einfach mal schauen was ansteht. Ich denke, ich werde mir auch eine Belohnung gönnen. Ein Elektroauto spielt da bei mir im Kopf eine große Rolle.“ Was war Ihr Erfolgsrezept? „Ich glaube, bei mir haben mehrere Punkte gut zusammengespielt. Zum einen habe ich mich richtig gut vorbereitet. Seit ich wusste, dass ich zur Sendung eingeladen werde, habe ich wirklich jeden Tag Quiz gespielt, um mir möglichst viel Wissen anzueignen, aber auch, um eine gewisse Routine zu bekommen und mich selbst kennenzulernen. Es war für mich ein riesen Zugewinn, zu wissen, dass eine erste Intuition oft ein starker Indikator für eine richtige Antwort ist. Also, Punkt Nummer eins: Gute Vorbereitung. Punkt Nummer zwei: Einfach mal auf Risiko spielen. Das entspricht allerdings auch meinem Naturell. Für mich war es wichtig, die 16.000 Euro-Hürde zu schaffen und zu wissen, ich gehe nicht mit leeren Händen nachhause, auch wenn danach etwas schiefgeht. Mit den 16.000 Euro hatte ich eine gewisse Absicherung und konnte risikobereit sein. Und zuletzt ist ein ganz wichtiger Faktor auch einfach Glück. Es gab einige Fragen, die mir sehr entgegen kamen. Zum Beispiel die allerletzte Frage zu Europaletten. Denen begegne ich fast jeden Tag bei mir im Laden, weil unsere Waren auf Europaletten geliefert werden – Das war einfach Glück.“ Wie lange haben Sie sich denn vorbereitet? „2016 und 2018 war ich schon mal in der Auswahlrunde bei WWM, habe es aber nicht auf den Stuhl geschafft. Schon damals habe ich mich jeweils drei bis vier Wochen lang jeden Tag vorbereitet. Und auch dieses Mal habe ich mich sofort nach der Einladung zu WWM in die Vorbereitung gestürzt und mir einen Lernplan ausgearbeitet. Jeden Tag habe ich im Schnitt drei bis vier Stunden geübt, trainiert und gelernt, sieben Tage die Woche. Vor allem die Auswahlrunde, in der es darum geht, möglichst schnell und sicher zu antworten, fordert einfach Vorbereitung. Gerade dafür habe ich die App von WWM durchgespielt bis die Finger geblutet haben. Aber ich lerne für mein Leben gerne, deshalb hat mir die Vorbereitungszeit auch total viel Spaß gemacht.“ Werden Sie Ihre Saftbar weiter betreiben? „Auf jeden Fall! Das ist mein Baby, das ich über mehr als fünf Jahre großgezogen habe und das will ich natürlich nicht von heute auf morgen liegen lassen. Ich habe dort super Leute um mich herum – unsere Mitarbeiter und unsere Kunden – und deshalb werde ich den Laden auf jeden Fall weiter betreiben. Ob sich irgendetwas ändern wird, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber es ist nicht nur ein Job für mich, sondern wirklich eine Herzensangelegenheit.“ Wie fanden Sie Günther Jauch? „Ich fand es sehr angenehm und mir hat es sehr, sehr viel Spaß gemacht, auf dem Stuhl zu sitzen. Man befindet sich natürlich gewissermaßen in einer Blase, vor allem wenn es um höhere Summen geht, versucht man sich sehr zu konzentrieren. Aber die Gespräche mit Herrn Jauch haben alles sehr viel angenehmer und leichter gemacht. Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich auch zu bewerben und einen Abend gegenüber von Herrn Jauch zu erleben.“ Sie leiden unter Prosopagnosie – Was ist das? „Das bedeutet, dass man sich keine Gesichter merken kann. Bei mir wurde es Gott sei Dank nicht klinisch festgestellt, es hat kein pathologisches Ausmaß, aber ich habe einfach ein unglaublich schlechtes Gesichter-Gedächtnis. Das hat schon zu unangenehmen Situationen geführt, wenn ich mich bei Leuten, die ich eigentlich schon länger sporadisch kenne, immer wieder aufs Neue vorgestellt habe.“