Kunst
London: Stadt Istanbul ersteigert Bellini-Porträt des osmanischen Sultans Mehmet II.

Istanbul (nex) – Bei einer Auktion des Londoner Auktionshauses Christie’s wurde ein Porträt des osmanischen Sultans Mehmed II. für umgerechnet etwa eine Million Euro von der Stadt Istanbul ersteigert. Dies gab Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu am Freitag auf Twitter bekannt. Das Porträt werde „nach vielen jahren wieder nach Istanbul zurückkehren“. Wie der Vorsitzende des Amts für Kulturgüter der Stadt Istanbul, Mahir Polat, in einem Gespräch mit dem britischen TV-Sender BBC Türkce sagte, werde das Porträt in einem neuen Museum ausgestellt. Bellini Porträtbild von Mehmet II. kommt nach Istanbul zurück Er hatte als Künstler eine besondere Beobachtungsgabe, die ihn als großen Maler der Frührenaissance auszeichnete: Gentile Bellini war der älteste Sohn von Jacopo Bellini, der selbst ein Maler war. Bellini war der offizielle Maler der Regierung Venedigs. Fatih Sultan Mehmet II. wollte seit 1461 von einem italienischen Maler ein Porträt von sich malen lassen, aber der Krieg mit Venedig verhinderte dieses Ansinnen. Der 16 Jahre andauernde Krieg endete mit einem militärischen Sieg des Osmanischen Reiches. Nach dem unterzeichneten Friedensvertrag sandte der Sultan einen Botschafter in die Lagunenstadt, die den Dogen Giovanni Mocenigo, also das Staatsoberhaupt, zum Beschneidungsfest seiner Enkel nach Istanbul einlud. Der Botschafter übermittelte den Wunsch des Sultans nach einem Hofmaler, Bildhauer und Bronzegießer. Für den Dogen Mocenigo war der Friedensvertrag mit dem Osmanischen Reich von Bedeutung und deshalb entsprach er dem Wunsch des osmanischen Herrschers. Hierzu Kunsthistoriker Kemal Bölge:
„Für die Aufgabe als Maler wurde Bellini ausgewählt, da er zuvor im großen Versammlungssaal des Dogenpalastes für die Wandmalereien verantwortlich war. Bellini hielt sich ab 1479 fast eineinhalb Jahre in Istanbul auf und durfte zunächst die Gefolgschaft des Sultans porträtieren, da Mehmet II. sich zunächst von den künstlerischen Leistungen des Malers ein Bild machen wollte. Nachdem sich der Regent von den Fähigkeiten Bellinis überzeugt hatte, durfte dieser den Gebieter porträtieren.“
Das Porträtbild, das Bellini von Fatih Sultan Mehmet II. malte, wurde Öl auf Leinwand gemalt und hatte die Maße 69,9 x 51,1 cm. Băyezid II., der Sohn des Sultans, ließ die Werke von Bellini nach dem Tod seines Vaters auf den Märkten verkaufen. Das erwähnte Gemälde erwarb ein im Istanbuler Stadtteil Galata ansässiger venezianischer Händler, der es dann nach Venedig brachte. Über den britischen Botschafter in Istanbul, Henry Layard, wurde das Bild der National Gallery in London gespendet. Vor ein paar Tagen erwarb die Stadt Istanbul bei einer Versteigerung in London das berühmte Portraitbild Bellinis für 770.000 britische Pfund. Hinzu kamen türkischen Medienberichten zufolge eine Kommission über 165250 Pfund an das Auktionshaus. „Eine richtige Entscheidung der Istanbuler Stadtverwaltung mit historischem Wert“, so Bölge. Bleibt die Frage wer die Person neben dem Regenten Mehmet II. ist. Nach Ansicht des Historikers Erhan Ayfoncu ist diese spannende Frage nach wie vor ungeklärt. Er verweist in seinem Artikel auf die Bildrückseite, in dem der Name Gentile Bellini aufgeführt und der Hinweis „Maometto Secondo i suo Figlio“ (Mehmet II. und sein Sohn) geschrieben worden sei. Für Afyoncu ist nach wie vor ungeklärt, wann dieser Satz geschrieben worden ist. Für den Historiker könnte es der zweite Sohn des Gebieters, Cem Sultan, sein. Allerdings sei nicht zweifelsfrei geklärt, ob das Bild überhaupt von Bellini sei und wer diese Person neben dem Sultan tatsächlich ist.

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– Krönung Sultan Osmans II. – Sotheby‘s: Türkei erwirbt osmanisches Gemälde aus dem 17. Jahrhundert für 662.000 Euro

Die türkische Regierung hat nach einer Mitteilung des traditionsreichen Londoner Auktionshauses Sotheby‘s ein Gemälde, das die Krönung des osmanischen Sultans Osman II. darstellt, für 521.000 Britische Pfund (662.000 Euro) erworben.

Sotheby‘s: Türkei erwirbt osmanisches Gemälde aus dem 17. Jahrhundert für 662.000 Euro

Türkei
VW entscheidet sich gegen Mega-Werk in der Türkei

Wolfsburg – Mit der Coronakrise ist der Absatz eingebrochen. Der deutsche Autobauer habe sich übereinstimmenden Meldungen zufolge nun gegen das geplante Mega-Werk in der Türkei entschieden. „Hintergrund ist der durch die Coronakrise erfolgte Einbruch der globalen Automobilnachfrage“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Trotz heftigem politischen Widerstand in Deutschland und Brüssel gründete VW Anfang Oktober das Unternehmen Volkswagen Türkei Otomotiv Sanayi ve Ticaret A.S. mit einem Kapital von 943,5 Millionen türkischen Lira (164,5 Millionen Dollar). Der deutsche Automobilhersteller plante, voraussichtlich mehr als 1 Milliarde Euro in das Werk zu investieren und 2022 die Produktion aufzunehmen. Bereits im August mahnten deutsche Kritiker der türkischen Regierung VW, sich für die Türkei zu entscheiden. Eine Vergabe des neuen Werks an die Türkei sei nicht „mit der Menschenrechtslage in dem Land vereinbar“. Volkswagen stärke mit der Standortauswahl „das autokratische Regime von Erdogan“ und sende zugleich ein „verheerendes Signal“ an den Mitbewerber Bulgarien, so EU-Politikerin Viola von Cramon-Taubadel, niedersächsische Grünen-Abgeordnete gegenüber. VW werde „angesichts der aktuellen instabilen und höchst kritischen politischen Situation in der Türkei“ für das finanzielle Risiko eines solchen Investments möglicherweise noch „teuer bezahlen müssen“, warnte Cramon-Taubadel.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der gleichzeitig im VW-Aufsichtsrat sitzt, warnte jedoch bereits im August davor, „den Demokraten“ in der Türkei den Eindruck zu vermitteln, „wegen Präsident Erdogan das Land insgesamt in Acht und Bann zu legen“. „Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Demokraten in der Türkei dürfen nicht den Eindruck gewinnen, wir würden sie fallen lassen“, so Weil.

   

Rechtsradikalismus
Berlin: Starker Anstieg rechtsextremer Straftaten in Neukölln

Berlin – In den vergangenen neun Monaten hat die Polizei insgesamt 137 rechtsextreme Straftaten in dem Bezirk registriert. Die aktuelle Anfrage der Linken knüpft an eine Anfrage aus dem September 2019 an, in der die Straftaten für den Zeitraum August 2017 bis August 2019 abgefragt wurden. In der aktuellen Anfrage wurden die Straftaten vom September 2019 bis zum 11.Juni 2020 (Stichtag) erfasst. Die Auswertung der aktuell erfassten Straftaten für die Monate Januar bis Juni ergibt für das Jahr 2020 einen besonders starken Anstieg im Bereich der Propagandadelikte (§86a Strafgesetzbuch) von 21 Taten in 2019 auf 56 Taten im Jahr 2020. Bei Sachbeschädigungen im Sinne des § 303 Strafgesetzbuch stieg die Zahl von zwei auf zehn Taten im Vergleichszeitraum. Die Zahl der Gewalttaten blieb nahezu gleich (§ 223 Strafgesetzbuch), 2019 wurden drei und 2020 zwei Fälle verzeichnet. Besonders betroffen sind die Stadtteile Rudow, Gropiusstadt und Britz. Nach Auskunft der Senatsinnenverwaltung wurden „Personen im mittleren dreistelligen Bereich“, die auf sogenannten „Feindeslisten“ von Rechtsextremen geführt wurden, bislang noch nicht darüber informiert. Ihnen soll die zukünftig die Möglichkeit gegeben werden, „sich bei Fragen an den Polizeilichen Staatsschutz zu wenden.“ Aufgrund einer Bewertung der individuellen Gefährdungslage wurden Betroffene im „mittleren zweistelligen Bereich“ angesprochen. Sie erhielten „Verhaltensempfehlungen und Beratungsangebote“.

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– Rechtsradikalismus – 12.700 „gewaltorientierte“ Rechtsextreme

Angesichts der offenbar rechtsextremistisch motivierten Morde in Hanau warnt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) vor deutlich mehr rechtsextremen Gefährdern als bislang offiziell angenommen.

12.700 „gewaltorientierte“ Rechtsextreme

Corona-Krise
Reisewarnung Türkei: Deutsche Arbeitsplätze in Gefahr

Ein Gastbeitrag von Yasin Baş

Die Reisefreiheit, die für uns als selbstverständlich gilt und von der wir uns während der Corona-Pandemie größtenteils verabschieden mussten, kehrt endlich schrittweise zurück. Zumindest für die meisten europäischen Staaten gelten die Reisewarnungen ab dem 15. Juni nicht mehr.

Die deutschen Flughäfen bereiten sich schon auf eine Zunahme des Flugverkehrs vor. Die Terminals werden wieder voller. Die Menschen an den Flughäfen müssen Mund- und Nasenbedeckungen tragen sowie Abstandsregeln einhalten. Und: Die ersten Ferienflieger sind bereits auf Mallorca, der Lieblingsinsel der Deutschen, gelandet.

2019 reisten fünf Millionen Deutsche in die Türkei

Allerdings bleibt die Reisewarnung der Bundesregierung für die Türkei nach wie vor bestehen. Für die diesjährige Sommerurlaubssaison in der Türkei, die bei den Deutschen in der Beliebtheit nach Spanien und Italien an dritter Stelle rangiert, wäre eine Aufhebung der Reisewarnung höchst berechtigt. Nachdem 2018 bereits 4,5 Millionen Bundesbürger Urlaub in der Türkei machten, reisten 2019 über fünf Millionen Deutsche dorthin.

Die türkische Reisebranche trumpft vor allem mit ihrem unschlagbaren Preis- und Leistungskonzept sowie den Sicherheitsstandards bei den deutschen Urlaubern auf. Außerdem: Pünktlich zum Beginn der Sommerferien in einigen Bundesländern reisen wieder Hunderttausende von Deutschtürken in die Türkei, sei es um Urlaub zu machen oder Verwandte und Familienangehörige zu besuchen.

Deutsche Arbeitsplätze in Gefahr: Umsatzeinbußen von fast 20 Milliarden Euro

Die Einstufung der Türkei als sogenanntes „Risikogebiet“ und die andauernde Reisewarnung treffen aber nicht nur das Land, sondern bedeuten auch wirtschaftliche Rückschläge für die deutsche Reise-Industrie. Neben der Bundesregierung sollte gerade auch der Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in der Lage sein, zu erkennen, ob er nicht viel eher auch die deutschen Tourismus-Industrie hemmt, wenn er darauf beharrt, die Reisefreiheit in Staaten außerhalb der EU zu beschneiden.

Denn nicht zuletzt sind auch Tausende von deutschen Arbeitsplätzen in der ohnehin schon durch die Coronakrise arg gebeutelte, deutsche Tourismusbranche von den derzeitigen unverhältnismäßigen Maßnahmen betroffen.

Nach Berechnungen von Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV, führen die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie zu Umsatzeinbußen für Reisebüros und Veranstalter von Mitte März bis Ende August von insgesamt fast 20 Milliarden Euro. Allein die Verlängerung der Reisewarnung für außereuropäische Länder, zu denen beliebte Sommerziele wie die Türkei, aber auch Tunesien und Ägypten gehören, bedeute für Juli und August neun Milliarden Euro Umsatzeinbuße, so Fiebig.

In der heutigen, globalisierten Welt hängen Wirtschaftszweige so eng beieinander und sind so stark voneinander abhängig, dass zu kurz gedachte, eindimensionale und einseitige Entscheidungen auch einem persönlich schaden können. Selbst Marcel Klinge, der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, hat dies erkannt und bezeichnet die Reisewarnungen als einen „Todesstoß für die deutsche Reisewirtschaft“.

Zeit des Hinhaltens ist vorbei

Am Donnerstag werden neben dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu auch der Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy (beide AKP) für Konsultationen mit Außenminister Maas und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin erwartet. Die bereits seit Wochen andauernden Überzeugungsversuche, allen voran auf diplomatischer und wirtschaftspolitischer Ebene, sollen endlich zum Abschluss gebracht werden.

Zweifellos muss es ein Ergebnis geben, das für Gewissheit und Planungssicherheit sorgt. Ob das Ergebnis positiv oder negativ ausfällt, bleibt abzuwarten. Aber eine Fortführung der jetzigen Situation, welches bei Urlaubern immer mehr für Verunsicherung sorgt, muss überwunden werden. Die Zeit des diplomatischen Hinhaltens ist vorbei.

TÜV Süd prüft türkische Hotels

Es gibt keine nachvollziehbaren medizinischen oder wissenschaftlichen Gründe für den Entschluss, die Reisewarnungen für die Türkei aufrechtzuerhalten. Denn die Türkei gehört zu den wenigen Staaten der Welt, die die Pandemie relativ milde überstand und durch die sehr früh getroffenen Maßnahmen der Regierung vergleichbar wenig Tote zu verzeichnen hatte.

Die Türkei hatte zuletzt (Stand: 29. Juni) 197.239 Corona-Infizierte, davon waren 170.595 wieder genesen. Durch die Pandemie waren 5.097 Tote zu beklagen.

Zum Vergleich: In Deutschland starben zum selben Zeitpunkt 9.029 Menschen an dem Virus. 194.900 Personen wurden infiziert. Das bei Deutschen beliebte Reiseziel Italien musste 240.310 Infizierte und 34.738 Tote verkraften. In Spanien gab es 248.770 Infizierte und 28.343 Tote. Sogar im Nachbarland Frankreich, in dem sich 162.936 Menschen an Covid-19 infizierten, starben 29.778 Personen.

Es wird deutlich, dass die Türkei im Kampf gegen die Corona-Pandemie im internationalen Vergleich sehr gut dasteht. Zudem hat das Land am Bosporus zeitnah vielerlei Sicherheitskonzepte für Kultur- und Reiserouten, Strände und Hotels entworfen. Die Corona-Maßnahmen der türkischen Tourismus-Industrie werden überdies vom deutschen TÜV Süd überprüft.

Die Touristen werden schon an den Flughäfen und Hotels mit Wärmebildkameras empfangen. Viele Hotels haben auf Einweggeschirr umgestellt und halten, sofern die Spa-Bereiche keinen ausreichenden Platz bieten, diese derzeit geschlossen. Sicherheitsabstände gibt es nicht nur an den Hotelpools und am Strand, sondern auch an den Buffets der Herbergen, in Kneipen, Cafés und Restaurants.

Die Betreiber der Tourismusanlagen vermitteln ihren Gästen während ihres Aufenthaltes in der Türkei somit ein Gefühl der Sicherheit. Das Gesundheitssystem der Türkei entwickelte sich in den letzten Jahren zu den besten der Welt. Ein bedeutender Teil ausländischer Gäste in der Türkei sind Gesundheitstouristen. Viele Ausländer kommen in die Türkei, um medizinische aber auch kosmetische Operationen durchführen zu lassen.

Der gute Ruf der Türkei im Medizin- und Gesundheitssektor zeigt sich auch darin, dass das Land seit etwa zehn Jahren über die modernsten und am besten ausgestatteten Krankenhäuser verfügt. Zahlreiche Privatkrankenhäuser haben Filialen im Ausland, so z.B. im Nahen- und Mittleren Osten, auf dem Balkan, in Mittelasien oder im Kaukasus sowie in Afrika. Zudem gehört die Türkei zu den Staaten mit der meisten Anzahl an Intensivbetten.

Keine medizinische-, sondern politische Entscheidung

Die Aufrechterhaltung der Reisewarnung für die Türkei, die, falls die Entscheidung nicht revidiert wird, bis voraussichtlich Ende August andauern soll, ist daher zutiefst emotional und politisch. Denn es gibt mehrere bilaterale Streitpunkte, die schon seit langer Zeit auf eine Lösung warten.

Die meisten dieser Kontroversen, wie zum Beispiel das sogenannte Flüchtslingsabkommen (EU-Türkei-Abkommen), die Sicherheitsoffensiven der Türkei in Nordsyrien und im Nordirak oder die Rolle des Landes in Libyen und nicht zuletzt im Mittelmeer sind politischer Natur. Auch Fragen in Bezug auf das Verhältnis zwischen der in Deutschland als terroristische Vereinigung eingestufte PKK sowie der FETÖ und Deutschland führen nach wie vor zu Unstimmigkeiten beider Staaten.

Keine Frage: Die türkische Wirtschaft ist auf Urlauber aus der EU, allen voran aus Deutschland, angewiesen. Außenminister Maas darf sich jedoch die Frage stellen, ob es ein probates Mittel ist, auf diese sicherheitspolitischen Streitpunkte mit wirtschaftspolitischen Hebeln zu reagieren.

Denn: Wie vernünftig kann eine Politik sein, die eine ökonomisch instabile Türkei in Kauf nimmt und auf der anderen Seite von einem intakten Europa ausgeht? Eine stabile und sichere Türkei bedeutet zugleich auch Sicherheit und Stabilität für uns in Europa. Bei der Rechnung, die uns die Bundesregierung präsentiert, gibt es freilich keine Gewinner.

Würden sich aber beide Seiten auf Augenhöhe begegnen und die Interessen des Partners beachten, sähe es ganz anders aus. Beide Seiten würden davon profitieren. So aber werden die Konflikte emotional und leider auf dem Rücken von Urlaubern ausgetragen, die sich ein ganzes Jahr lang auf den Sommer gefreut haben. Sie müssen jetzt diese Probleme buchstäblich ausbaden.

Überraschende Wendung?

Ob Çavuşoğlu und Ersoy mit einer erfreulichen Nachricht nach Hause kehren werden? Nach der ganzen Berichterstattung zu diesem Thema in den deutschen Medien, die für Irritationen in der Bevölkerung sorgte, sollte die Türkei auf das Schlimmste gefasst sein und sich jetzt schon umso mehr für die kommende Urlaubssaison 2021 vorbereiten.

Die Deutschen werden dieses Jahr primär zu Hause oder höchstens in der Europäischen Union (EU) ihren Sommerurlaub verbringen. Und das nicht zuletzt aus dem Grund, weil die EU derzeit auf jeden Cent angewiesen ist, sondern auch deshalb, weil die Vorbereitungen der Deutschen für den Sommerurlaub bereits zu Ende sind.

Das, was Deutsche und Türken möglicherweise am meisten voneinander unterscheidet, ist die Kalkulation und Planung auf der deutschen Seite. Die türkische Spontanität und Beweglichkeit wird aber vielleicht auch diesmal für eine Überraschung sorgen.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Yasin Baş
Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

Zum Thema

– Türkei – Corona-Testcenter an türkischen Flughäfen ab dem 1. Juli

Heute verkündete Mehmet Nuri Ersoy, Tourismusminister der Türkei, live im türkischen Fernsehen, dass die Installation der Coronavirus SARS-CoV-2-Test-Center bis zum 01. Juli 2020 an den Flughäfen Antalya, Dalaman, Bodrum, Izmir und Istanbul fertiggestellt werden.

Corona-Testcenter an türkischen Flughäfen ab dem 1. Juli

Syrien
Nach Heiratsantrag an Assads Tochter Zein: Soldat spurlos verschwunden

Damascus – Ein Soldat der syrischen Armee ist spurlos verschwunden, nachdem er Videos veröffentlicht hatte, in denen er seine Liebe zur Tochter von Präsident Baschar Al-Assad, Zein Assad, und seinen Wunsch, sie zu heiraten, zum Ausdruck brachte. Yazan Soltani, ein Soldat der Armee des Assad-Regimes, ignorierte Warnungen vieler ihm nahestehender Personen sowie der Öffentlichkeit über die möglichen Folgen der Videos, in denen er dem 16-Jährigen einen Heiratsantrag machte. In einem der Videos sagt er:
„Ich liebe dich, ich liebe dich wirklich. Ich bin verrückt nach dir. Du gehörst mir und ich gehöre dir. Sei mein.“
In einem anderen erscheint er in Armeeuniform und sagt, dass er alles tun würde, um Al-Assads Tochter zu heiraten. „Du wirst für immer mein sein, bis ans Ende der Zeit, ich werde dich nicht aufgeben, egal was passiert“, so der Soldat. Während einige ihn für seine Liebe bejubelten, warnten ihn die meisten vor den Gefahren, die Assad-Familie zu provozieren. Während des fast zehnjährigen Bürgerkriegs in Syrien wurden Hunderttausende getötet, und Zehntausende Regimegegner sind in Gefängnissen verschwunden. „Ich spreche zu Dir wie zu einem Bruder mit einem Ratschlag“, sagte ein syrischer Blogger. „Es gab schon früher andere, die in sozialen Medien auftraten und kleine Bitten äußerten, und wir sehen sie nicht mehr. Meiner Meinung nach bist Du sehr nahe an der roten Linie“. Soltani wird seit Dienstag vermisst. Seine Schwester meldete, dass er höchstwahrscheinlich verhaftet worden sei.

Corona-Krise
Bericht: EU-Einreisebeschränkungen für Türkei bleiben bestehen

Brüssel – Die Europäische Union wird am Montag über eine Liste abstimmen, die Reisenden aus mehreren Ländern, darunter die Türkei, angesichts der Schwere ihrer Coronavirus-Ausbrüche die Einreise in die EU verbietet, berichtete der Nachrichtensender Euronews. Seit Mitte März dürfen Bürger aus Staaten außerhalb des Schengen-Raums nur einreisen, vorausgesetzt, dass sie einen besonders wichtigen Grund haben. Ab dem 1. Juli sollten Einreisen in die Europäische Union aus einer Vielzahl an Ländern wieder möglich werden. Zuerst war von über 54 Staaten die Rede. Allerdings hätten sich die Staats- und Regierungschefs nur auf insgesamt 18 Staaten geeinigt, berichtet die New York Times. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind es sogar nur 12 Staaten. Israel, Türkei, USA, Russland und China nicht auf der Liste Die Türkei und auch weitere Länder, zu denen es in der Regel einen regen Reiseverkehr gibt, wie etwa Israel, die USA, Russland, Brasilien und China finden sich demnach nicht auf der Liste und somit gilt für diese Staaten weiterhin eine Einreisesperre. Auch die geplante Öffnung für den gesamten Balkan ist wohl vorerst in weite Ferne gerückt, trotz der engen Verbindung zur EU. Serbien und Montenegro hätten es jedoch auf die Liste geschafft. China könnte noch auf die Liste kommen Für China könnte die Einreisesperre jedoch gelockert werden, falls auch EU-Bürger wieder nach China reisen dürften.

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Corona-Krise
NRW-Schulministerin kündigt Corona-Testungen an Schulen an

Köln – NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer will ein spezielles Testprogramm auf den Weg bringen, das die Verbreitung des Corona-Virus an den Schulen beleuchten soll. „Wir planen Tests an ausgewählten Schulen, die wir wissenschaftlich begleiten lassen wollen“, sagte die FDP-Politikerin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dazu gebe es bereits weitgehende Überlegungen. „Ziel ist es auch, Erkenntnisse über die Verläufe des Infektionsgeschehens in Schulen zu gewinnen. Der Start ist nach den Sommerferien geplant“, sagte Gebauer der Zeitung. Die Ministerin Gebauer forderte die Lehrer auf, sich digital weiterzubilden. „Die Krise hat uns einen enormen digitalen Schub gebracht“, sagte sie der Zeitung. Das Ministerium biete auch in den Ferien auf freiwilliger Basis Webinare an, bei denen sich die Pädagogen fortbilden könnten. „Ich würde mir wünschen, wenn Lehrerinnen und Lehrer, die jetzt noch zurückhaltend sind, das Angebot der digitalen Weiterbildung, möglichst zahlreich nutzen würden“, sagte Gebauer. Eine Verpflichtung zur digitalen Weiterbildung sei nicht möglich. Gebauer kritisiert „reflexhafte“ Schulschließungen Gebauer hat schnelle Schulschließungen im Fall von Corona-Ausbrüchen kritisiert. Wenn es regionale Infektionen gebe, müsse man darauf „gezielt“ reagieren, sagte die FDP-Politikerin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Es kann allerdings nicht sein, dass die Entscheidungsträger vor Ort reflexhaft als erste und einzige Maßnahme immer sofort Kitas und Schulen schließen, wenn es im Umfeld von Schule Corona-Fälle gibt“, fügte Gebauer hinzu. „Da wünsche ich mir eine differenzierte Betrachtungsweise – und keinen Aktionismus zu Lasten unserer Kinder“, sagte die Ministerin.

Tönnies-Skandal
Brinkhaus gegen Werbung für Billigfleisch

Düsseldorf – Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), hat den Einzelhandel aufgefordert, Werbung mit billigen Fleischprodukten zu unterlassen. „Es geht nicht, dass wir mit dem Produkt Fleisch, für das im Übrigen immer ein Tier gestorben ist, Lockvogel-Angebote zum Einkaufen machen“, sagte Brinkhaus der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Er wolle nicht mit Schuldzuweisungen arbeiten, sagte er auf die Frage nach der Verantwortung der Bürger, die billiges Fleisch kaufen. Er betonte aber: „Der Druck, der Preiskampf, den wir im Einzelhandel haben, tut der gesamten Wertschöpfungskette nicht gut.“ „Corona-Ausbruch bei Tönnies „beschämend“ für die deutsche Politik“ Der Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen ist nach Brinkhaus ein beschämendes Beispiel für das Versagen der deutschen Politik beim Schutz von ausländischen Arbeitnehmern. „Es gibt Arbeitsverhältnisse, die wir in Deutschland nicht haben dürften. Nicht nur in der Fleischindustrie“, sagte Brinkhaus der „Rheinischen Post“. „Wenn die Menschen hier in Deutschland sind, müssen wir uns als Politiker um sie kümmern. Wir sind für den Schutz der Arbeitnehmer in unserem Land mitverantwortlich.“ Die Politik habe in der Fleischindustrie viele Verbesserungen erreicht. „Aber es war nicht genug. Das in vielen Bereichen nützliche und unverzichtbare Instrument der Werkverträge ist in dieser Branche pervertiert worden, weil erhebliche Teile der Haupttätigkeiten des Unternehmens nicht durch eigene Mitarbeiter erbracht werden.“ Deutschland habe sich beim Thema Migration auf Flüchtlinge konzentriert und die innereuropäische Arbeitsmigration ausgeblendet. Die Infizierung von weit mehr als 1000 Tönnies-Mitarbeitern aus Rumänien und Bulgarien in seinem Wahlkreis Gütersloh sei peinlich für Deutschland, sagte Brinkhaus. „Da gibt es nichts zu beschönigen, das ist beschämend.“ Der Unternehmer Clemens Tönnies sei nicht zu mächtig. Aber um Missstände abzuschaffen, müssten sehr dicke Bretter gebohrt werden. „Insbesondere dann, wenn eine Branche nur wenig bis gar nicht kooperiert und einsichtig ist. Wir hätten besser und tiefer bohren müssen.“ Jetzt müsse lückenlos geprüft werden, ob und wer in den Unternehmen gegen Gesetze und Vorschriften verstoßen habe und die Verantwortlichen müssten haftbar gemacht werden. „Und zweitens müssen wir uns als Politik sehr selbstkritisch fragen, welche Fehler wir selbst gemacht haben.“

Gesundheitstourismus
Corona-Pandemie: „Albanien ist sicher“

Die Corona-Pandemie hält die ganze Welt in Atem. Während Länder wie Italien, Spanien oder Frankreich eine hohe Zahl an Todesopfern zu beklagen haben, ist die Krise für den Balkanstaat Albanien bisher vergleichsweise glimpflich ausgegangen. Die Grenzen wurden bereits geöffnet und die ersten Gesundheitstouristen treffen ein. NEX24 sprach mit Dritan Gremi, der in der Hauptstadt Tirana eine Zahnklinik betreibt. Herr Gremi, Sie sind ein bekannter Unternehmer in Ihrem Land. Die „Gremi-Klinik – Reisen & Lächeln“ ist seit Jahren im Gesundheitstourismus tätig, insbesondere in den Bereichen Zahnbehandlung und kosmetische Chirurgie. Wie schwierig war die Wiederaufnahme Ihres Betriebs für Sie nach den Corona-bedingten Schließungen? Ja, wie jeder andere Wirtschaftssektor hatte auch die Gremi-Klinik eine Zwangspause. Aber glücklicherweise hat unsere Klinik nach fast zweieinhalb Monaten der Schließung  den Betrieb wieder aufgenommen und konnte bereits die ersten ausländischen Patienten willkommen heißen. Da die Dienstleistungen, die wir anbieten, Teil des Gesundheitstourismus sind, waren die ersten Touristen in Albanien womöglich sogar unsere Patienten. Die Grenzen wurden zuerst für den Gesundheitstourismus geöffnet. Gegenwärtig bieten wir unsere Dienste vierzig ausländischen Patienten an, hauptsächlich aus Italien, Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Österreich. In Anbetracht der Situation, in der sich die Welt befindet, und den Reisebeschränkungen zwischen den Ländern, kann dies als ein guter Start für diese Saison angesehen werden. Wie sicher kann sich ein ausländischer Patient, der in die Gremi-Klinik kommt, angesichts der Pandemie fühlen? In unserer Klinik fehlte es auch vor der Pandemie nicht an Hygiene oder Schutzmaßnahmen. Jedoch haben wir seit dem Ausbruch unsere Maßnahmen noch einmal verstärkt und hohe Sicherheitsprotokolle gegen Covid-19 eingeführt. Diese Maßnahmen in ihrer Gesamtheit und ihre strikte Umsetzung garantieren auch die Gesundheit von Patienten und über hundert Mitarbeitern. In allen von uns angebotenen Dienstleistungen wie Laboratorien, Unterkunftseinrichtungen, Bars, Restaurants und vieles mehr, werden die strengsten, von den höchsten Gesundheitsbehörden empfohlenen Vorgaben angewandt. Warum glauben Sie, sollten sich Reisende dieses Jahr für Albanien entscheiden? Albanien war schon immer ein beliebtes Reiseziel. Aber jetzt, wo die ganze Welt mit einer Pandemie und den daraus bedingten Einschränkungen konfrontiert ist, sind es meiner Meinung nach gerade die Zahlen, die unser Land begünstigen. Der richtige Umgang mit der Situation seit Beginn der Pandemie hat Albanien zu einem der sichersten Länder in der Region gemacht. Ich denke, das ist das Ergebnis der schnellen restriktiven Maßnahmen der Regierung, aber auch der Solidarität, die die Albaner gezeigt haben, um die soziale Distanzierung zu respektieren. Im Vergleich zu den Ländern der Europäischen Union hat sich gezeigt, dass das Virus in unserem Land einen Monat „später“ zirkulierte und keine wirklichen Infektionsherde geschaffen hat. Außerdem gibt es in unserem Land keine Fälle von ausländischen infizierten Bürgern, was bedeutet, dass die in den Hotelstrukturen erbrachten Dienstleistungen sehr sicher sind. Was die Gremi-Klinik betrifft ist anzumerken, dass in den letzten dreißig Tagen keiner unserer Mitarbeiter von Covid-19 betroffen war. Aber sind sich die Ausländer dieser positiven Situation bewusst, und was für Wünsche äußern Touristen für die kommende Saison? Natürlich, ja. Ich glaube, dass jeder, der nach Albanien reisen möchte, insbesondere um eine medizinische Versorgung zu erhalten, daran interessiert ist, einen allgemeinen Überblick zu erhalten. In unserem Fall hat die Wirtschaftskrise, die die Welt in Atem hält, eine erhöhte Nachfrage ausländischer Patienten mit sich gebracht hat. Vor allem von  Europäern, die sich besonders für Zahnbehandlungen interessieren. Neben dem Klima und den Naturschönheiten wird Albanien auch durch wettbewerbsfähige Preise begünstigt, und der wirtschaftliche Aspekt ist nach der Pandemie für alle sehr wichtig. Wir haben bereits Buchungen für Juli, August und September. Aufgrund der gestiegenen Anfragen gehen wir davon aus, dass auch die Zahl der Buchungen steigen wird. Wir setzen uns nach wie vor voll und ganz für die maximale Einhaltung aller Sicherheitsvorgaben ein, von der Wartezeit am Flughafen über den Klinikdienst bis hin zur Unterbringung in Hotels oder Restaurants, die, wie ich Ihnen sagte, alle von uns verwaltet werden. Natürlich sind wir uns der gegenwärtigen Situation bewusst, in der das Virus nach wie vor unter uns weilt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen für dieses Interview zu danken und deutsche Patienten in unserem Land willkommen heißen. Neben der Gastfreundschaft ist Albanien ein wunderbares Land, in dem es jenseits des Gesundheitswesens viel Naturschönheiten zu genießen gibt.  

Kommentar
Tessa Hofmann und die Armenier – Kann die Vernichtungsabsicht belegt werden?

Ein Gastbeitrag von Isa Ak – ak-isa@gmx.de Heute Morgen hat mich ein Freund auf einen Artikel von Tessa Hofmann im Tagesspiegel1 aufmerksam gemacht. Dort behauptet Frau Hofmann, dass die Vernichtungsabsicht belegt werden könne. Da ich nicht auf alle ihre Behauptungen eingehen kann, versuche ich mich auf das Wesentliche zu beschränken. Ist ihre These schlüssig? Ich habe bereits in meinem Artikel „Kommentar: 24. April 1915 – Völkermord an den Armeniern? Gedanken zur Forschung und der Bundestagsresolution (18/8613)“2 dargelegt wie unwissenschaftlich die Unterstützer der Genozid-These argumentieren. Tessa Hofmann gehört zu einer Clique von Forschern, die es sich vor allem zur Aufgabe gemacht haben, die Position der armenischen Nationalisten zu verteidigen. So schreibt sie, dass zahlreiche Wissenschaftler ihre Thesen auf dem „1972 publizierten Werk „Armenia: The Case of a Forgotten Genocide““ von Dikran Boyajian basieren und dass „Wissenschaftler armenischer Herkunft eine herausragende Rolle“ dabei gespielt hätten diese These zu verbreiten. Und dass diese Wissenschaftler die „Quellsprachen Armenisch und oft auch Osmantürkisch“ hätten lesen können. Aber stimmt das überhaupt? Hovannisian kann entgegen der Behauptungen Hofmanns genauso wenig Osmanisch wie Taner Akcam. Immerhin gibt sie offen und ehrlich zu, dass es die armenischen Nationalisten waren, die durch die Genozid-Propaganda die Historiografie im Westen entscheidend beeinflussten. Werfen wir einen Blick auf die drei Bücher, die sie nennt, um ihre These zu untermauern. 1. „The Armenian Genocide“ von Raymond Kevorkian Warum empfiehlt sie Kevorkian? Er gehört zu den armenischen Hardcore-Nationalisten. Diese Sorte von Wissenschaftlern versucht auf Biegen und Brechen den imaginären völkermordenden Türken zu kreieren. In dieselbe Kategorie gehören auch Taner Akcam und Vahakn Dadrian. Alle arbeiten mit unwissenschaftlichen Methoden. 3 Kevorkian benutzt zum Beispiel die gefälschten „Zehn Gebote“4 oder die unhaltbaren Anschuldigungen in den Memoiren von Mevlanzade Rifat. Allerdings gibt es auch seriösere armenische Wissenschaftler, die tatsächlich das Ziel verfolgen die Geschehnisse zu verstehen. In diese Kategorie gehört der armenische Nationalist Ronald G. Suny. Im Gegensatz zum erwähnten Personenkreis, versucht Suny seine Argumente auf Beweise zu stützen. Warum also empfiehlt sie nicht sein Buch? Das liegt vermutlich daran, dass seriösere Historiker von der These einer Vernichtungsabsicht Abstand genommen haben. Vielmehr versuchen sie ihre These dadurch zu retten, indem sie behaupten regionale Maßnahmen hätten zu einer stetigen Radikalisierung geführt, die schließlich in einem Völkermord kulminiert wären. Sie haben verstanden, dass sie nur auf diese Weise ihre Genozid-These retten können, da die osmanische Regierung hunderte, wenn nicht gar tausende Befehle gegeben hat, in denen der Schutz von Leben der Armenier angewiesen wurde. An dieser Literaturempfehlung erkennen wir also, wie eine Propagandistin den Weg der radikalen armenischen Nationalisten unterstützt, statt sich auf die seriöseren Historiker zu verlassen. Es ist die Furcht, dass die These angreifbarer ist, da man keine Beweise für eine Vernichtungsabsicht in Form eines Befehls vorfindet. Ganz im Gegenteil. Man findet fast ausschließlich Befehle, die sich dem Schutz von Leib und Leben widmen. Dabei sind die Erklärungen dürftig. Sie können uns weder erklären, warum etliche Beamte, Soldaten, Gendarmerie o.ä. von der osmanischen Regierung Strafen erhalten haben für ihre Verbrechen gegen Armenier noch können sie uns erklären wie ca. 350.000 – 500.000 Armenier, vor allem in Westanatolien, unbehelligt ihr Leben fortgeführt haben. Genauso wenig können sie uns erklären, warum Djemal Pascha die Nahrungsmittelversorgung der Osmanischen Armee dazu nutzte die umgesiedelten Armenier zu ernähren. 2. „The Thirty-Year Genocide“ von Benny Morris und Dror Ze’evi Es steht außer Frage, dass die letzten Jahrzehnte blutig verliefen und den Tod unzähliger Christen, Juden und Muslime zur Folge hatten. Leider bietet das Buch eine unkritische Reproduktion von antimuslimischen und antiosmanischen Thesen, die sich in zeitgenössischen Memoiren, Artikeln und Dokumenten wiederfinden lassen. Inwiefern kann dies eine wissenschaftliche Abhandlung sein? Der Tod dieser Menschen hatte unterschiedliche Faktoren: Raub, Rache, Bultfehden, Hungersnöte, Aufstände der christlichen Minderheiten mit Unterstützung der europäischen Großmächte gegen den osmanischen Staat, Vertreibungen etc. Dies würde eine seriöse wissenschaftliche Arbeit genauer ermitteln, vor allem, wenn sie auf Forschungsliteratur aufbaut, die bestimmte Ereignisse bereits untersucht hat. Ohne den Beweis zu erbringen, dass der Staat einen 30-jährigen Genozid begangen haben soll, werden lächerliche Behauptungen in den Raum geworfen. Nach der Logik von Morris und Ze’evi müsste ein knapp hundertjähriger Völkermord an Türken, Kurden und anderen osmanischen Muslimen begangen worden sein. Schließlich wurden zwischen 1821 – 1922 ca. 5 Millionen Muslime brutal abgeschlachtet und etwa 5 Millionen Muslime gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. Doch wen interessiert das Leben eines Türken oder Kurden, der von armenischen Terroristen ermordet worden ist? Wer interessiert sich für die Vertreibung und Ermordung von hunderttausenden muslimischen Osmanen durch armenische Terrormilizen und den russischen Truppen in Ostanatolien während des Ersten Weltkriegs? Wer interessiert sich für die Massenmorde an den Türken durch griechische Milizionäre? Wer interessiert sich für die Massaker und Vertreibungen an Türken durch die griechische Armee zwischen 1919 – 1922? Niemand! Anstatt die Ereignisse, die Akteure und Interessen unterschiedlicher Staaten, Gruppen und Personen im historischen Kontext zu analysieren, bedient man sich lieber ahistorischer und selektiver Behauptungen, um eine haltlose These zu verbreiten. Für eine ausführliche Analyse und Kritik an dem Buch empfehle ich als Lektüre die Rezension von Prof. Jeremy Salt.6 3. „Tötungsbefehle: Talat Paschas Telegramme und der Völkermord an den Armeniern“ von Taner Akcam In ihrer dritten Empfehlung suggeriert uns Frau Hofmann, dass die Andonian Dokumente in Wirklichkeit authentisch seien. Ferner behauptet sie, dass „Şinasi Orel und Süreyya Yuca erklärten, es habe keinen osmanischen Beamten Naim gegeben“. Der anerkannte Nahost-Experte Bernard Lewis schrieb in seinem Buch „From Babel to Dragomans“ auf Seite 389 über „Fälschungen“ („fabrications“) wie „die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, die Talat Pascha Telegramme und andere dieser Art.“ („ … the so-called Protocols of Elders of Zion, the Talat Pasha telegrams, and other oft the same kind“). Zum näheren Verständnis: Einem Wissenschaftler, der seine Aussagen auf die antisemitische Hetzschrift die „Protokolle der Weisen von Zion“ fußt, würde man heutzutage jede wissenschaftliche Reputation absprechen. Aber genau das macht Taner Akcam in seinem Buch. Er versucht eine antitürkische Hetzschrift, die zur antitürkischen Propagandakampagne gegen die Türkei produziert worden ist, Legitimität zu verschaffen. Welches Argument kann Akcam gegen Orel und Yuca vorbringen? Hier ein Beispiel: Behaupten Orel und Yuca, dass es „Naim Bey“ nicht gegeben hätte? Oder ist das eine Erfindung von Taner Akcam? Orel und Yuca schreiben in ihrem Buch von drei Möglichkeiten zur Person von Naim Bey: a) Bei Naim Bey handelt es sich um eine fiktive Person b) Naim Bey ist ein fingierter Name bzw. ein Pseudonym c) Naim Bey ist eine real existierende Person Anders ausgedrückt gehen Orel und Yuca davon aus, dass es unter den vorhandenen Informationen nicht möglich ist zu einem abschließenden Urteil zu kommen. Warum fälschen Akcam und Hofmann das Argument? Es ist der letzte verzweifelte Versuch die gefälschten Dokumente, als authentisch zu retten. Was übersieht Akcam noch? „1. Er geht nicht auf die chronologischen Widersprüche und Abweichungen ein 2. Er übersieht wissentlich die Unterschiede der Unterschriften vom Gouverneur von Aleppo auf den originalen osmanischen Telegrammen und denen von Andonian 3. Er geht nicht darauf ein, dass Mustafa Abdülhalik Bey in den Andonian Telegrammen seine Unterschrift mit „Gouverneur“ unterschreibt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht der „Gouverneur“ ist 4. Er geht nicht darauf ein, dass Abdülhalik Bey und Abdülahad Nuri Bey Dokumente unterzeichnet haben sollen, obwohl sie sich zum Zeitpunkt in Istanbul aufgehalten haben und nicht in Aleppo 5. Er geht nicht darauf ein, dass Bahattin Sakir Bey in dem Zeitraum, in denen er angeblich Telegramme von Istanbul nach Adana verschickt haben soll sich in Erzurum befand. Etc. “7 Akcam ist mit seinem lächerlichen Unterfangen gescheitert. In deutscher Sprache hat sich bereits jemand die Mühe gemacht eine Rezension zu verfassen. Diese könnt ihr auf Amazon durchlesen. 8 Für eine ausführlichere Rezension empfehle ich Ömer Engin Lütem und Yigit Alpdogan.9 Stellt sich die Frage, welche Bücher bieten sich als Alternative an? Für diejenigen, die ein wirkliches Interesse am menschlichen Leiden in der Spätphase des Osmanischen Reichs haben, bietet das Buch „The Last Ottoman Wars: The Human Cost, 1877-1923“ von Prof. Jeremy Salt eine gute Einführung. Er gilt als anerkannter Experte für den Nahen Osten und der Türkei. Zur Diskussion ob es einen Völkermord gegeben hat, gilt Guenter Lewys „Der armenische Fall“ als Nonplusultra. Zusätzlich sollte Brendon Cannons „Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert: Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby“ rezipiert werden. Quellen 1 Völkermord an den Armeniern Die Vernichtungsabsicht kann belegt werden von Tessa Hofmann 2 https://nex24.news/2020/04/kommentar-sind-armenier-bereit-den-voelkermord-von-chodschali-anzuerkennen/ 3Gauin, Maxime: Why be bothered about the facts?, Daily Sabah, 25 März 2015 https://www.dailysabah.com/op-ed/2015/03/25/why-be-bothered-about-the-facts 4Lewy, Guenter: Der armenische Fall, S. 65 – 69. 5Vgl. ebd., S. 69 – 71. 6The Thirty-Year Genocide: Turkey’s Destruction of Its Christian Minorities 1894-1924 by Benny Morris and Dror Ze’evi; Book Review by Prof. Jeremy Salt, https://mepc.org/book-review-essay-thirty-year-genocide-turkeys-destruction-its-christian-minorities-1894-1924 7 Tötungsbefehle: Talat Paschas Telegramme und der Völkermord an den Armeniern 8 https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R2J528TD2PTZTQ 9Alpdogan, Yigit; Lütem, Ömer Engin: „Review Essay: Killing Orders: Talat Pashaʼs Telegrams and the Armenian Genocide“ Review of Armenian Studies, 37 (2018), S. 45 -83. https://avim.org.tr/images/uploads/Yayin/Review-of-Armenian-Studies-37.pdf 
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